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Der Ötztaler Radmarathon Rückblick.

Ötztaler Radmarathon Rückblick

Eine Woche später. Aufgetaut. Erkältungsfrei. Nach erfolgtem Rückbau ist es Zeit für einen Ötztaler Radmarathon Rückblick. Da war ja was mit dem kurzfristigen Langzeittest beim Countdown. Dem Experiment kurz vor zwölf. Neue Laufräder, eine neue Kassette und die Ungewissheit, ob am Weg zu einer Handvoll Lycra alles so reibungslos funktionieren kann.

Ende gut. Alles läuft noch.

Ganz oben stand die Frage, ob eine 11-32er Kassette mit einem kurzen Käfig SRAM eTap reibungslos laufen würde. Die Frage kann man jetzt vorsichtig, aber doch mit einem klaren ja beantworten. Man muss nur etwas riskieren und hoffen. Und vielleicht zwecks Garantie und Ähnlichem, dies nicht an die große Glocke hängen. Zum Beispiel in einem Blogbeitrag. Vorsichtig wie ich war (bin), keine leichte Entscheidung. Erst nachdem ich mehrere Meinungen und Tests durchgeführt hatte, fiel die Entscheidung, beim Ötztaler Radmarathon 2018 damit an den Start zu gehen. Diese Monoblock Kassette (214g – stahlgehärtet und -gefräst) wurde mir vorerst einmal von Niki Fleisz (früher Radklinik und Mechaniker des österreichischsen Nationalteams) montiert und eingestellt. Ohne Schaltauge-Verlängerung und ohne Kürzung der Kette. Ein Belastungstest noch am selben Tag, brachte aber leichte Ernüchterung. Rund ist das nicht ganz. 36-32 läuft gut, aber 52-11 springt. Egal. Ab nach Sölden.

Ötztaler Radmarathon Rückblick

Monoblock Kassette 214g © edco

Drei Tage vor dem Ötztaler Radmarathon erfolgte ein weiterer Belastungstest. Sölden – Rettenbachferner. 12 km, im Schnitt 10%. Viel schalten, im Sitzen, im Stehen, im Antritt. Die Zweifel immer noch da. Es läuft. Aber nicht alles so, wie ich es von der eTap gewohnt war. Vielleicht (sicher!), ist das Schaltauge nicht ganz korrekt in Schräge und Position.

Der Ötztaler Radmarathon Rückblick.

Der verregnete Freitag war perfekt, um Sicherheit zu tanken. Zuerst in der Sporthütte Fiegl und dann bei den Mechaniker von Mavic in der Expo. Diese haben da und dort nochmals geschraubt. Das 32er Ritzel läuft mit Abstand zu den Schaltröllchen friktionsfrei. Trotzdem: Alle Angaben ohne Gewähr. Kinder zu Hause, bitte nicht nachmachen. Ich selber hatte während der 4 Anstiege Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch keine Schaltprobleme. Zumindest nicht am größten Ritzel. Der Rest ist teilweise dem Wetter zum Opfer gefallen. Es war aber alles fahrbar. Die Kombination 36-32 war im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung und für diese Distanz, für mein Gewicht und für mein Alter überlebensnotwendig.

Ötztaler Radmarathon Rückblick

© sportograf.de

Die zweite entscheidende und offene Frage, war jene der Laufräder. Von edco bekam ich zwei Wochen vor dem Ötztaler Radmarathon zwei nagelneue Julier 28mm Carbon-Laufräder (1449g) zum Testen. Clincher. Für den Berg. Nein, für die eben schon erwähnten Berge. Der erste Test hätte schon beim Austria Race Across Burgenland stattfinden sollten. Hätte. Hat er aber nicht. Ich war nicht in der Lage, meine gebrauchten Drahtreifen zu montieren. Seitenschlag, Höhenschlag – unfahrbar. Leicht verzweifelt, habe ich verzichtet. Nicht die ersten Drahtreifen, welche ich in meinen Leben montierte habe. Dieses Mal aber haben mich die Laufräder besiegt.

Lauft Räder, lauft.

Zum Glück hat mich das Kriseninterventionsteam von edco gerettet. Danke Christian. Die diesbezügliche Messenger Konversation wird aufgrund der Länge nicht transkribiert. Mit Spülmittel ist es dann doch gelungen den Reifenwulst in das Felgenbett zu zwingen. Nachdem der Reifen ein paar Stunden bei 10bar+ in der Sonne ausharren musste.

Sölden hatte mich also mit neuen Laufrädern. 28mm Carbonflanken. 25mm Drahtreifen. Vorne Hutchinson Fusion5 und hinten Continental 4000SII. Das ist nicht üblich. Oder nachahmenswert. Es hat kein System. Das hat sich so ergeben. Null Erfahrungswerte und null Gefühl. Experimentelle Neugier also. Die Kassetten Belastungstests waren die einzigen Rückmeldungen, welche ich bekommen konnte. Die Gewissheit, dass es nass werden würde, beruhigte mich jetzt nicht wirklich. Ganz im Gegenteil. Nachdem ich auf der Abfahrt vom Rettenbachferner auf 12 km, fast die Hälfte meiner edco Bremsgummis verbrannt hatte (auf trockener Straße) stieg mein Puls im Ruhestand um einiges.

 

Der Ötztaler Radmarathon Rückblick

Mechaniker wird aus mir keiner.

Kriseninterventionsteam reloaded. Mit etlichen Missverständnissen. Ich optierte auf Swisstop Yellow King. Vorne. Auf Empfehlung. € 20 für ein subjektives Sicherheitsempfinden. Eingestellt von den Mannen des Mavic Teams. Fachmännisch. Mit einem einfachen Trick. Den ich mir merken muss. Ich habe nämlich beim Tausch der Bremsgummis, auch die Schräge zu den Bremsflanken verändert. Die Bremsgummis waren V-förmig angeordnet. Nur vorne. Hinten hatte ich wohl Glück. Die Bremsfläche also nicht gleichmäßig an der Flanke. Der außertourliche Verschleiß eine logische Konsequenz. Mechaniker wird aus mir nie einer werden.

 

Wer bremst verliert. Gewinnt aber Erkenntnisse.

Die Kombination für die 238 km hätte nicht bunter sein können. Zwei verschiedene Paare Bremsgummis und zwei verschiedene Reifen. Gleich nur die Laufräder. Hinten und vorne. Egal. Was ist das Resümee? Sehr leichte 3K Carbon-Laufräder. Nicht nur schön, sondern auch geeignet für den Berg. Tubless-Ready. Überrascht war ich von den guten Rolleigenschaften. Auch wenn ich es nicht schreiben darf. Oberrohr-Postion und ab ging die Post. Speziell hinunter nach Ötz, rollte ich in der Masse gut mit. Windschatten inklusive. Der Sound der Kassette eine Symphonie. Surren der Extraklasse.

Und das Bremsen? Im Trockenen überhaupt kein Problem. Dosierung leicht zu handhaben. Ein Crash im Feld konnte ich gut ausweichen (musste ich auch). Bremsen zu und auf. Lenker nach links und rechts. Vorbei an Rädern, Menschen und Zubehör. Hoffe, dass alles gesund da rausgekommen ist. Fahrer und Material. Speziell jene, die dann über alles nochmals drübergeflogen sind. Die Schreie der Liegenden habe ich heute noch im Kopf.

Ötztaler Radmarathon Rückblick

© sportograf.de

Das persönliche Risiko hängt vom Vertrauen ab.

Auch im Nassen fühlte ich mich gleich sicher. Natürlich war ich vorsichtig. Wer bremst verliert. Gewinnt aber zu Testzwecken viele Erkenntnisse. Die Verzögerung richtete sich je nach Wasserstand. Hinunter durch das Sellrain war sie etwas höher als später. Da war die Straße ja auch mehr ein Wildbach. Bei der Abfahrt am Jaufenpass war ich nur geringfügig langsamer als sonst. Trotz dichtem Nebel und Nässe. Das Vertrauen in die Bremsen und die Laufräder war schnell da. Und somit auch mein persönliches Risiko, welches ich eingehen konnte.

Bergauf zum Jaufen hingegen war ich so schnell wie noch nie. Trotz längerer Tratschpause an der Labestation. Die Gründe dafür liegen irgendwo zwischen Form, Motivation, Laufräder, Ernährung, Temperatur, Unbekümmertheit und was weiß ich. Aber das wäre wieder ein ganz anderer Beitrag.

Ötztaler Radmarathon Rückblick

© sportograf.de

Rückblickend betrachtet war es ein nasskaltes Rennen. Wenn das Material so einen Ötztaler Radmarathon überlebt (und der Fahrer auch), dann muss die Qualität passen. Die edco Laufräder sind schon geil. Ich kannte die Marke gar nicht. Eingefleischte Mechaniker haben mir aber postive Rückmeldungen gegeben. Ihnen ist der Name ein Begriff. Die 11-32 Monoblock Kassette ist schon wieder mit der Standard Kassette getauscht. Sie wandert jetzt auf das Rad von laketterechts. Dort ist sie besser aufgehoben.

ktrchts

PS: Der Beitrag spiegelt persönliche Erfahrungen wider und erhebt keinen Anspruch auf einen wissenschaftlichen Test. Die Laufräder gehen nach Ende der Testphase wieder an den Eigentümer zurück. Leider. Der nächste Einsatz beim King of the Lake am Attersee kommenden Samstag.