Monat: November 2025

20 Mal Ötztaler Radmarathon. Der Jubiläumsrückblick

20 Mal Ötztaler Radmarathon

Solide gefinished. Ja, das ist die Kurzfassung für all jene, die Blogbeiträge lesen, wie Espresso trinken: schnell. Ganz schnell. Und im Stehen. Wer aber wie ich 20 Mal beim Ötzi – diesem launischen Alpenungeheuer mit dem Herz eines sadistischen Bergkobolds – antritt, für den ist ein solides Finish weder Überraschung noch Grund, einen Konfettiregen aus dem Trikot zu schütteln. 20 Mal Ötztaler Radmarathon – an sich wenig spektakulär, aber trotzdem spannend.

Nach zwei Dutzend Teilnahmen wusste ich, wo dieses Biest atmet, wo es schnaubt, und wo es mich mit voller Wucht auf den Boden der Realität schmettern kann. Die vier Pässe? Alte Bekannte. Wie Verwandte, die man nicht besonders mag, aber trotzdem jedes Jahr zu Weihnachten sieht. Die Abfahrten? Routine auf Adrenalinbasis. Und die Flachstücke dazwischen? Meditation mit Puls 170.

20 Mal bin ich an diesem Start gestanden, 17 Mal hat mich Sölden am Ende in die Arme geschlossen – manchmal wie ein Freund, manchmal wie ein Türsteher, der mich widerwillig hereinlässt. 14 Finisher-Trikots vermotten im Keller wie farbenfrohe Kriegsmedaillen. Drei fehlen. Vielleicht stammen sie aus dieser sagenumwobenen Ära, als man noch in Steinach am Brenner starten durfte. Ob es damals überhaupt Finisher-Trikots gab? Keine Ahnung. Die Ergebnislisten haben sich mittlerweile in die digitale Gruft verabschiedet, irgendwo zwischen Windows 95 und AOL-Freistunden-CDs.

Vielleicht habe ich die Trikots verlegt. Das wäre traurig. Vielleicht habe ich mich verzählt. Das wäre peinlich – also scheidet es aus. Ich bleibe dabei: 20 Mal Ötztaler Radmarathon.

Die gute alten Best-Zeiten

Meine Ansprüche sind, bevor ich in Sölden an den Start gehe, von Jahr zu Jahr gleich hoch. Tief in mir drin schlummert immer noch der irrwitzige Gedanke, meine eigenen Bestzeiten zu pulverisieren – jene glorreichen Relikte aus einer Ära, als Schaltwerke noch aus Metall und meine Oberschenkel noch aus Hoffnung bestanden. Und jedes Jahr scheitere ich erneut. An mir selbst. An meiner Überform (zu viel davon), am Gewicht (ebenfalls zu viel davon) und an meiner Rennstrategie (nicht vorhanden, nicht auffindbar, vermutlich nie geboren).

Denn ich – der große Meister der Improvisation, bereite mich traditionell äußerst unstrukturiert vor. Ich war schon immer zu schwer, werde nicht leichter, und liebe es trotzdem, bis St. Leonhard im Sollfenster zu bleiben, nur um danach mehr Verspätung aufzubauen, als die Deutsche Bahn und die ÖBB zusammen an einem verschneiten Mittwochmorgen. Und dann kommt es wieder, mein Endgegner: das Timmelsjoch – ein emotionaler Fleischwolf, der aus Selbstvertrauen feinste Frustrationsspäne drechselt. Egal wann, egal wie: Es ist mein Waterloo. Seit 20 Teilnahmen.

Heuer standen die Sterne jedoch ein kleines bisschen anders. Für den finalen Akt meiner Jubiläumsausgabe griff ich tief in die Trickkiste – und gönnte mir ein übergewichtiges 11–36er Shimano-Ritzel. Das größte, das ich in 20 Teilnahmen je gefahren bin. Bei meinem ersten Ötzi fuhr ich ja noch naiv ein 23er – mit vorne einem 39er Kettenblatt. Dann ging es stetig bergauf: 25, 27, 29, 30, 32, 34 (Campagnolo unter anderem, bevor hier jemand aufschreit). Wechselnde Kettenblätter zwischen 34 und 36, ein mechanischer Selbstfindungsprozess in mehreren Gängen.

Trickkiste, Kapitel 20

Der erste Test mit 36:36 fühlte sich an wie ein heimlicher Notausgang aus dem Leidenskeller. Unschlagbar. Doch, wie immer beim Ötztaler, kam alles anders. Kurz vor der Abfahrt nach Sölden hatte ich meinen My Esel-Holzrahmen beleidigt. Und zwar nachhaltig. Ja, auch Holz hat Grenzen. Und ja, ich habe sie offenbar gefunden, umarmt und überschritten. Mein Esel war zwar noch fahrbar, aber sein Sounddesign erinnerte stark an einen beleidigten Biedermeier-Kleiderschrank. Details erspare ich uns. Ich habe die Geheimakten ohnehin schon an My Esel weitergeleitet – schließlich besteht meine Mission darin, Rennrad-Holzrahmen an ihre Grenzen zu führen. Und darüber hinaus. Mission accomplished.

Am Weg nach Sölden musste ich mir noch einen T-Esel, also ein Ersatz-Rennrad, holen. Nicht exakt mein maßgefertigter Rahmen, aber eine solide Basis, um halbwegs einen optimierten Rennesel zusammen zuschrauben. Ein zu kurzer Vorbau, eine zu kleines, großes Ritzel und zu viele Spacer mussten verlängert, vergrößert und verringert werden. Dazu kam noch die Überraschung einer Kompaktkurbel. Kurzum, meine Vorbereitung auf den Ötztaler Jubiläums-Radmarathon bestand aus Denken, Messen, Schrauben und Testen. Das ganze mehrmals hintereinander. Am Ende fand ich mein Setup. Einer Premiere mit 34-36 stand nichts mehr im Weg. Meine Rechnung mit dem Timmelsjoch? Theoretisch begleichbar. Praktisch? Nun ja.

Null Frequenz + Null Kraft = Null Bock

Denn was sich bei den ersten Testkilometern (viele waren es nicht, denn das Wetter war am Freitag und Samstag vor dem Rennen alles andere als radfreundlich) noch vielversprechend anfühlte, war am Tag des Rennes ein Griff ins Plumsklo. Mir fehlte es einfach an der Technik, die hohe Trittfrequenz am Berg in Vortrieb zu verwandeln. Im Zweikampf, Mann gegen Mann (und gegen Frau) hatte ich nicht nur das Gefühl im Stand zu treten, ich habe im Stand getreten. Ohne einen Millimeter nach vorne zu kommen. Mit hohem Puls und Verzweiflung im Gesicht. Für mich als dieKetterechts eine Schmach, eine Schande. Das Timmelsjoch war wieder einmal mein persönliches Waterloo

Weil ich auch dieses Jahr ab St. Leonhard (dort wo vielen der Rennfilm reißt) wieder einmal nicht in die Gänge gekommen bin. Weder mit dem butterweichen Mini-Gang, noch mit einem etwas härteren. Null Frequenz + Null Kraft = Null Bock. Eine Rechnung so simpel wie brutal. Darüber hinaus war ich überhitzt. Die Hitzefalle hatte wieder einmal zugeschlagen. Man sollte glauben, beim 20. Ötztaler hätte ich das im Griff. Falsch gedacht.

Meine Iso-Suppe im Bidon war zu warm, zu süß, zu nutzlos. Die anderen? Wie machen die das? Eine Frage, die ich seit Jahren stelle. Antworten? Keine. Nur Selbstmitleid und Schweiß.

Rinnsal der Erlösung

Die guten alten Bestzeiten hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon längst über Bord geworfen. Meine Hochrechnungen und Gedankengänge schlurften langsam aber unaufhaltsam in Richtung Sonnenuntergang und darüber hinaus. Aufgequollen, lustlos und innerlich halbgekocht lahmte ich meinen Esel Richtung Schönau. Verloren. Verlassen. Vereinsamt.

Und dann geschah es: Ich sah ein kleines Rinnsal. Ein unscheinbarer Wasserfaden am Straßenrand, der plötzlich zu meinem persönlichen Lourdes wurde. Ich blieb stehen. Erst ein paar Tropfen. Dann pure Hingabe. Kopfdusche, Flaschentaufe, kaltes Quellwasser direkt in die Seele gegossen. Und siehe da: Eine kleine Auferstehung rollte langsam aber sicher an. Die Betriebstemperatur sank, die Motivation stieg – ein Wunder aus Stein und Schmelzwasser. Der Sonnenuntergang rückte wieder in die Ferne, das Timmelsjoch näher. Und irgendwann – gefühlte Tage später – war ich oben. Pflicht erfüllt.

Die Abfahrt nach Sölden? Ein Gedicht. Schnell. Mit Rückenwind schneller. Mit 52er Kettenblatt wäre es vermutlich ein Liebesbrief an die Gravitation geworden. Supertuck und noch einmal Supertuck – ist ja nicht verboten. Erst freier Fall bis zum Gegenanstieg, dann alles raus: Mautstelle, Hochgurgl, Obergurgl, Gurgl … der Rückenwind schob und schob. Zwieselstein, AWZ, und dann Sölden. Die ganze Dorfstraße für mich allein irgendwo heroisch im hinteren Mittelfeld ausgelaufen.

Die letzte Kurve und dann die Ziellinie. Business usual. 20 Mal Ötztaler Radmarathon in the books. 17 Mal gefinished. Keine Blessuren. Kein Ruhm. Kein Heldenepos. Aber eine kleine, sehr kleine Genugtuung. Und der Freude auf das 21. Mal.

Aus den Archiven

20 Mal Ötztaler Radmarathon sind mehr als 20 Geschichten. Emotionen, die ich jedes Jahr in Wort und Bild zusammengefasst habe und von denen ich heute noch zehre. Auch wenn einige Ausgaben allein in meinem Kopf nachwirken. Die Regenschlachten 2003 und 2013, die Juli Edition 2023, die Hitzeschlacht 2015, der Edition mit Schnee am Kühtai vor dem digitalen Zeitalter, der Start in Steinach am Brenner, die Strecke über Axams und Mutters, mein erstes Finish mit dem My Esel Holzrahmen 2022, die vielen Umleitungen wie über den Haiminger Berg (Sattele) oder Sellrain (Götzener Landesstraße) … Was habe ich alles erlebt und nicht erlebt. Die guten alten Bestzeiten (9h20min im Jahr 2011), das Rennrad schieben, die Armreifen als Beweis für das Überqueren der Kontrollpunkte … das waren noch Zeiten.

Der Ötztaler Radmarathon ist und bleibt ein Mythos – ein widerspenstiger, launischer, aber zutiefst faszinierender Mythos. Nach 20 Teilnahmen weiß ich: Man besiegt ihn nie wirklich. Man verhandelt mit ihm. Jedes Jahr neu. Mal gewinnt er, mal lässt er mich gnädig durch. Und trotzdem stehe ich wieder am Start, weil dieser Marathon mehr ist als Höhenmeter und Qual: Er ist ein Spiegel, ein Lehrer, ein unverschämter Motivator. Er zeigt mir, was möglich ist, was unmöglich bleibt – und dass ich offenbar unfähig bin, Vernunft walten zu lassen. 20 Mal Ötztaler heißt 20 Mal Scheitern, Staunen, Fluchen, Wachsen. Und genau deshalb freue ich mich auf die nächsten 20.

Save the date:
30. August 2026. 
Hier geht’s im Jänner zur Anmeldung.

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Burgenland Extrem Tour 2026 – Vorschau, Vorsatz, Vorfreude.

Burgenland Extrem Tour 2026

Wir schreiben den 12. November 2025. Ich sitze am Schreibtisch und tippe vor mich hin. Vom Winter draußen keine Spur. Bis jetzt war es warm. Viel zu warm für die Jahreszeit. Bis zu 20 Grad werden für die nächsten Tage prophezeit. Oben. In Mittellagen und darüber. Leider sitze ich in der Pannonischen Tiefebene. Das bedeutet Nebel und Grau. Business as usual – pannonische Standardgrauheit. Meine Gedanken drehen und drehen sich. Gerade habe ich mich wieder für die Burgenland Extrem Tour 2026 angemeldet. Die Bike 224 Meilen für die Radelnden unter den Extrem-Geher:innen. Mein Wille hat beschlossen, was meine Beine erst am 22. Jänner 2026 umsetzen müssen. Ich fahre wieder. Eine, zwei oder drei Runden um den Neusiedlersee. Mitten im Winter. Warum? Weil Spikes oft besser sind als Vernunft.

Warum ich mir das (wieder) antue

Ich habe mit diesem See eine Daueraffäre. 2017 war’s Grenzerfahrung, 2018 ein Plan ohne Plan B, 2019 die „University of Extrem“, 2024 vom Winde verweht, 2025 ein Eistanz, mit Nässe, Nebel und Puls im Anschlag. Jedes Mal habe ich mir geschworen: „Nie wieder.“ Jedes Mal habe ich gelogen. Wenn die Burgenland Extrem Tour ruft – muss ich abheben und antworten. Mehr als zwei Monate davor bin ich mir jetzt schon sicher. Es wird definitiv das letzte Mal sein. Vor der nächsten Lüge.

Wetterlotterie: Eintritt nur mit Humor

Der Neusiedlersee kennt Sommer wie Winter nur zwei Zustände: windig und sehr windig. Dazu wahlweise Eis, Hochnebel, Luftfeuchtigkeit bei 99 % und Straßen, die ihr Aussehen nach Lust und Laune ändern. Von tiefgefroren zu butterweich schlammig, von eckig und kurvig zu elend lang geradeaus bis hin zu unendlich anstrengend. Es kann regnen, winden, schneien oder graupeln. Der Jänner hat im Burgenland viele Facetten und noch mehr Überraschungen im Gepäck. Einmal zieht es zu, um später wieder aufzuklaren. Dann spiegelt sich für ein paar Minuten die Sonne im Wasser – genau lange genug, um deine romantische Ader zu beflügeln. Während die Sonne hinter dem Schneeberg versinkt und die Nachtkälte dir die Windkante um die Ohren biegt.

Kein Rennen – oder doch?

Offiziell bleibt’s ein Ultracycling-Winter-Abenteuer mit Korridorzeiten (mind. 4 h, max. 6 h pro Runde; Gesamtlimit 18 h), inoffiziell ist es das, wozu es die Teilnehmer:innen machen. Auch ein Wettkampf. Gegen dich selbst, gegen den inneren Schweinehund, deine Erwartungen, deine Hoffnungen, gegen das E-Bike, welches locker und flockig an dir vorbei winkt und gegen jede Menge Mantras, die angeblich gegen Kälte und Erfrieren wirken sollten. Checkpoints wie Mexikópuszta (Spaghetti), Sun Bay Podersdorf (heißes Zuckerwasser – andere nennen es Tee) und Oggau (Gulasch, das Herzen flickt) sind die Fixsterne. Manche stoppen, andere „rollen nur kurz vorbei“. Und irgendwo dazwischen liegt die goldene Ananas. Diese gibt es neben einer Urkunde, der Finisher-Medaille und ein paar Frostbeulen zu holen.

Burgenland Extrem Tour 2026 Taktik: 1, 2 oder 3 Runden?

Eines ist klar. Alle, die sich das antun werden, sind Sieger:innen. 1-Rundensieger:innen, 2-Rundensieger:innen und 3-Rundensieger:innen. Jeder Runde hat ihre Belohnung.

  • Eine Runde (ca. 120 km): Für Herz, Hirn, Heldentat. Warmwerden im Kalten.
  • Zwei Runden (ca. 240 km): Die Entscheidung. Hier trennt sich „vernünftig“ von „verliebt“.
  • Drei Runden (ca. 360 km): Die Königsdisziplin. Kein Applaus, aber Genugtuung schmeckt danach objektiv besser.

Ich plane 2+, also zwei fix und die dritte als „mal sehen, was Kopf und Asphalt sagen“. Ich kenne mich: In der zweiten Runde diskutiert wieder der Mut mit der Vernunft, dann mischt sich der Nebel auch noch ein und am Ende wird irgendeine Ausrede, die Spiele beenden.

Material: Wenn’s rutscht, musst du glänzen

Dabei sein ist alles. Mehrmals dabei gewesen zu sein, alles und noch etwas dazu. Ich sollte mich nach vier offiziellen Teilnahmen ein wenig auskennen. Was ist gelernt habe? Auf das Material kommt es an.

  • Bike: Nur kein Rennrad. Alles andere ist die bessere Alternative. Ideal ein Gravelbike. Das darf am Ende auch ein paar Schrammen haben.
  • Reifen: Spikes auf Reserve, breite Stollenreifen montiert. Rollt schwerer, stürzt leichter – es gibt Prioritäten.
  • Licht: Hell nach vorne, rot und nervös nach hinten. Batterien wie Gummibären – immer zu wenig.
  • Kleidung: Schichten statt Heldenmut. Nichts ist heldenhafter als trockene Handschuhe.
  • Kleine Tricks: Helm-Lüftungsschlitze tapen (Windstopper für Faule), Brille gegen Nebel innen dezent einseifen, Bankett als Rettungslinie denken – falls es wie 2025 Eis regnet.
  • Mindset: „Bleib weich“ – am Lenker, in den Knien, in der Erwartung. Eis mag keine Hektik.

Worst Case – der B10 Eislaufplatz

Ich sehe mich schon wieder zentimetergenau am Randstreifen: jeder Kiesel ein Heiligenschein. Neben mir fällt einer, hinter mir flucht einer, vor mir rutscht einer. Ich atme leise, damit der Puls nicht ausrutscht. Und irgendwo in mir grinst diese Stimme, die sagt: „Du wolltest Drama. Bitte sehr.“ 2017 war Drama, 2018 war Kindergeburtstag und 2023 extrem windig und 2024 eisig und feucht. Dazwischen eine organisationsbedingte Schaffenspause. Die Burgenland Extrem Tour 2026 wird für Biker:innen erneut eine Grenzerfahrung werden. 224 winterliche Meilen ins Ungewisse. Vom Morgengrauen in die Dunkelheit der Nacht.

Gruppe? Ja. Harmonie? Kommt drauf an.

Ich liebe Gruppenfahren, aber im Winter ist es eine Tauschbörse: Du gibst Windschatten, du nimmst Sicherheit. Unnötige Antritte? Nein danke. Wir fahren gleichmäßig, wir reden wenig (der Gesichtsschutz frisst Wörter), wir sparen Körner für den Seewinkel-Gegenwind. Und ja: Manchmal zerreißt es die Gruppe. Das ist nicht böse – das ist Burgenland.

Ernährung: Warmes Wasser hat Kalorien (gefühlt)

Ich nehme mir jedes Jahr vor, regelmäßig zu trinken. Und jedes Jahr beiße ich auf eine gefrorene Trinkflasche. 2026 probiere ich es wieder. Im schlimmsten Fall lutsche ich an meinen Elektrolyten. Essen? Simpel und süß. Striezel mit Butler und Marmelade für die Seele, warmer Tee (Zuckerwasser) für die Illusion, Spaghetti und Gulasch für den Frieden. All das gibt es entlang der Strecke oder im Oggauer Basecamp. Alles andere gibt es im Supermarkt oder an der Tankstelle. Bis zur Sperrstunde. Dann heißt es hungern oder genug eingepackt zu haben. Geheimtipp: Nach der zweiten Runde einfach zur Kaiserschmarrnparty für Läufer und Geher im Oggauer Gemeindeamt vorbeischauen. Zweiter Stock. Aber bitte nicht weitersagen.

Sicherheit & Spielregeln (mein eigenes Manifest)

Ich habe für mich entschieden:

  1. Ich bremse, bevor ich’s brauche.
  2. Ich drehe um, wenn der Kopf „Nein“ sagt.
  3. Ich halte an, wenn jemand liegt.
  4. Ich akzeptiere, dass drei Runden Heldentum, zwei Runden Klugheit und eine Runde Liebe bedeuten.
  5. Ich komme heim.

Kann sich aber auch alles wieder ändern.

Motivation: Für mich. Für dich.

Wenn du überlegst, 2026 einzusteigen: Tu’s. Eine Runde schenkt dir Geschichten. Zwei schenken dir Charakter. Drei schenken dir Demut. Du wirst frieren, fluchen, lachen – manchmal gleichzeitig. Du wirst lernen, wie laut Stille sein kann, wenn nur das Reifenknirschen und dein Atmen um den See ziehen. Und du wirst merken: Winter ist kein Gegner. Winter ist ein Filter. Er lässt nur durch, was wirklich zählt.

Ich freue mich jetzt schon auf die Burgenland Extrem Tour 2026 – und auf das Chaos, das sie bringen wird.

Mein Vorsatz für die Burgenland Extrem Tour 2026

Ich will sauber fahren, ruhig bleiben, mutig entscheiden. Ich will den Sonnenhauch im Spiegel des Sees erwischen – auch wenn er wieder nur drei Minuten dauert. Ich will am Ende dastehen, egal ob nach einer, zwei oder drei Runden, und sagen können: „Es war extrem. Es war meins.“

Wir sehen uns am See. Bring’ warme Handschuhe mit – und deinen Humor. Der ist bei Ultracycling im Winter Pflichtausrüstung.

Gewinnspiel

PS: Du willst dich selbst erfahren und die 224 Meilen rund um den Neusiedlersee im Rahmen der Burgenland Extrem Tour 2026 in Angriff nehmen? Ich habe einen Startplatz für dich. In Kooperation mit dem Veranstalter. Schreib mir in die Kommentare, warum genau du dich dieser Herausforderung stellen willst. Göttin Fortuna oder Väterchen Frost werden entscheiden, ob du dich der Heldentat stellen kannst. Wann? Früh genug, um dir noch Zeit zu geben, kälteresistent zu werden.

Alle Kommentare bis 10.12.2025, 12 Uhr sind teilnahmeberechtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der oder die Gewinner:in wird schriftlich verständigt, sofern herauszufinden ist, wer den Kommentar geschrieben hat. Keine Barablöse. Zu gewinnen gibt es einen Gratis-Startplatz im Wert von € 144,-