Schlagwort: Ötztaler Radmarathon

Das Ötztaler Radmarathon Jubiläum.

Ötztaler Radmarathon Jubiläum

Was wurde im Vorfeld nicht alles über dieses heiß ersehnte Ötztaler Radmarathon Jubiläum geschrieben und diskutiert. Über die neue Strecke hinauf auf den Haimingerberg, über das Wetter und über alles andere, worüber vor dem Rennen Jahr für Jahr sowieso auch unzählige Male debattiert wird. Diesmal vielleicht zurecht. Möglicherweise wenig sachlich, dafür umso emotionaler. Weil eben die Kombination aus all dem bei vielen Teilnehmer*innen am Freitag und Samstag und sogar am Sonntag in der Früh etwas ausgelöst hat. Ob es Angst, Respekt, Sorge oder einfach nur ein ungutes Gefühl war, lässt sich schwer sagen. Auf alle Fälle hat das 40. Ötztaler Radmarathon Jubiläum nicht nur einiges versprochen, sondern auch gehalten. Hart. Härter. Jubiläum.

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Radmarathons auch.

Es hätten apokalyptische Zustände sein sollen. Wenn die Vorhersagen einiger (fast aller) Wetter-Apps und Wetterexpert*innen eingetroffen wären. Diese Radwelt-Untergangsstimmung hat viele davon abgehalten überhaupt nach Sölden zu fahren und letztendlich am Sonntag um 6:30 Uhr am Start zu stehen. Der Autor ist selbst im Dilemma zwischen Gesundheit und Abenteuer fast verfallen. Am Ende waren von den 4.010 Gemeldeten gerade einmal 2.754 am Start. Auch der Autor. Das Ziel gesehen haben davon 2.261. Nicht der Autor. Aber diese Geschichte wollen wir etwas später erzählt bekommen.

Die Vorhersagen haben also das Schlimmste befürchten lassen. Zum Schluss hat sich nur eine der vorhergesagten Katastrophen bewahrheitet. Der Haimingerberberg. Das Sattele mit seinen 1.000 Höhenmetern auf knapp 9 Kilometern Länge war kein Aufwärmen nach der Abfahrt bis Haiming, sondern ein frühmorgendlicher Saunaaufguss. Zu schwer. Viel zu schwer. Natürlich auch der Berg selbst. Viel mehr war es aber der Ballast an Winterjacken, Überschuhen, Beinlingen, Handschuhen und Mützen vieler, die, weil sie gut aufgepasst hatten, sich vorsichtshalber zu warm angezogen haben und eher für ein Winter-Opening gerüstet bereit gewesen wären . Autor inklusive. Es war die Hölle. Und das Flehen nach etwas Kühle wurde erst hoch oben am Kühtai erhört. Ist schon paradox. Man startet in der Früh eingepackt mit der Angst zu erfrieren und wünscht sich dann am ersten Berg etwas mehr Abkühlung. Hart. Härter. Ötztaler Radmarathon Jubiläum.


Meistens kommt es anders. Und schöner als man denkt.

Dem nicht genug. Während die Abfahrt vom Kühtai nach Kematen dank Thermo von der Temperatur her angenehm war, stieg am Weg zum Brenner und dann weiter nach Sterzing die Gefahr, das Lungen-Muskel-System weiter zu überhitzen. Der Höhepunkt dieser Overdressed-Strategie wurde dann am Fuße des Jaufenpasses erreicht und in St. Leonhard wiederholt und sogar übertroffen. 20° plus hatte niemand auf der Rechnung. Statt des erwarteten und prognostizierten Schneefalls wurden die meisten Teilnehmer*innen mit typischen Ötztaler Radmarathonwetter vom Wettergott so richtig auf die Schaufel genommen. Das Gefühl, innerlich an Hitze zu explodieren, hat auch der Autor mehrmals erlebt. Ausziehen war aus Mangel an Taschen zwecklos. Die Lehre daraus? Manchmal kommt es anders, als man denkt. Und das sogar noch viel schöner und besser.

Aller Fahrer*innen unter 8, 9 und sogar 10 Stunden hatten also ein mehr als passables Ötztaler Radmarathon Jubiläum. Mit dem Prädikat trocken. Etwas unterkühlt vielleicht. Die anderen haben das erwischt, was allen hätten blühen sollen. Zuerst Eisregen, dann Regen, später und am Ende Land unter. Von Schönau bis Sölden. Von 17:30 Uhr bis zum Eintreffen des letzten Teilnehmers im Ziel. Spät aber doch. Leider. Es bleibt der Trost, dass der Montag noch grauslicher gewesen wäre. Hart. Härter. Sauwetter am Timmelsjoch. Wie jedes Jahr.

Jubiläum mit Tücken.

Es war also ein Jubiläum mit Tücken. Ein klassischer Ötztaler Radmarathon. Das Jahr Pause hat dem Event überhaupt nicht geschadet. Ganz im Gegenteil. Es war fast alles wie immer. Das Flanieren in der Expo, die Fachsimpeleien unter Kolleg*innen, die Hektik am Mavic Reparaturstand, das Relaxen im Hotel, der acht Euro 50 teure Apfelstrudel im ice Q am Gaislachkogel, das Zuschauerspalier am Kühtai, die Fankurve am Bergisel in Innsbruck, die Dolce Vita am Brenner, der Adrenalin-Kick im Gossensaß-S, das rettende Wasser am Alpenblick in Kalch, die mittlerweile zur Autobahn gewordene Abfahrt nach St. Leonhard in Passeier …

Das Ötztaler Radmarathon Jubiläum hat nichts ausgelassen und business as usual angeboten. Das Fehlen der Pasta-Party ließ sich mit einem € 12 Gutschein gut verkraften. Und die 3G-Regel hat nur einmal einen kleinen Aufwand verursacht. Das gelbe oder rote Band haben alles schnell in Normalität übergehen lassen. Dominik Kuen und sein Team können (und dürfen) aufatmen.

Ötztaler Radmarathon

Über das bessere Wetter darf und soll man sich also nicht beschweren. Die Ausweichstrecke war auch keine gewollte Schikane. Zum Jubiläum hat alles so sein wollen. Dass einige die Gesundheit über das Risiko gestellt haben, ist groß anzurechnen. Egal ob sie jetzt nicht gestartet sind oder aufgegeben haben. Und wer gar nicht nach Sölden gekommen ist, der wird auch seine Gründe gehabt haben. 2022 gibt es wieder eine Chance. Dann heißt es 40 Jahre Ötztaler Radmarathon, nachdem der erste im Jahr 1982 ausgetragen wurde. Noch ein Jubiläum am 28. August 2022. Noch einmal Haiminberberg? Vom Wetter reden wir jetzt noch nicht. Das tun wir sowieso.

DNF is an option. Der Autor hat sich aufgegeben.

Zurück zum Autor, der bei seiner 15. Teilnahme am Ötztaler Radmarathon zum dritten Mal das Finisher-Trikot nicht abholen konnte und zum zweiten Mal das Rennen im Besenwagen zu Ende bringen musste (wollte). Einmal ist er gar nicht an den Start gegangen. Auch das gibt es.

Für ein DNF gibt es keine Ausreden. Es war eine lang aufgeschobene Entscheidung, die schon am Weg zum Sattele maturierte. Zu groß die Rückenschmerzen, die schon einige Wochen den Alltag und das Training geprägt hatten. Kühtai, Kematen, Innsbruck, Brenner, Sterzing, Jaufenpass und St. Leonhard wollten noch mit Willenskraft erreicht werden. Letztendlich kam knapp 27 Kilometer vom Timmelsjoch entfernt das freiwillige und erlösende Aus. Es war eine schmerzliche, aber richtige Entscheidung. Am Straßenrand sitzend und wartend zuerst und im ewig nicht daherkommenden Besenwagen danach, konnte deshalb eine andere Sicht auf den Ötztaler Radmarathon geworfen werden. Jene mit Fokus auf die wahren Helde*innen. Bei den Fahrer*innen und Helfer*innen.

Was hinter den Schnellsten passiert, gehört in den Mittelpunkt. Der Autor möchte die letzten Zeilen genau diesen Menschen widmen. Sie machen den wahren Spirit des Ötztaler Radmarathons aus. Jene Menschen, die unbedingt das Ziel erreichen wollen und jene Menschen, die alles geben, damit jeder das Ziel auch erreichen kann. Die letzten Kilometer hinauf auf das Timmelsjoch sind zwischen 18 und 19:30 Uhr ein Film in Zeitlupe. Die verzweifelten Blicke jener sich Tritt für Tritt nach oben Kämpfenden sprechen Bände. Sie sind emotionale Ausdrücke einer verbissenen Leidenschaft. Der Allerletzte wird umzingelt und angefeuert. Er hat die wartende Ausflugsmeute im Nacken und ist jener, der entscheidet, wann hier alle Helfer*innen Feierabend haben werden. Großen Respekt.

Man muss nicht schnell sein, um zu gewinnen.

Eine war die Schnellste, einer der Schnellste. Einige schnell und andere nicht schnell genug. Aber gewonnen haben alle. Jene, die ins Ziel gekommen sind und jene, die ihren Traum auf ein anderes Mal verschieben mussten. Hauptsache alle gesund. Was bleibt, sind viele persönliche Eindrücke und Geschichten sowie ein starkes Miteinander. Die kleinen Kinder in Steinach am Brenner, die zum Abklatschen am Straßenrand stehen, sind hoffentlich die Starter von morgen. Die zwei Trommler vor dem Schlössl ausdauernder als so mancher im Feld. Das ist der Ötztaler Radmarathon. Mit oder ohne gemeinen Haiminberberg. Ebenfalls mit oder ohne Regen, Schnee und Hitzestau. 2021 wird als der vermeintlich härteste Ötztaler Radmarathon in die Geschichte eingehen. Alle Finisher-Trikot Inhaber*innen werden diesen ganz besonderen Lycra-Stofffetzen mit breiter Brust ewig in Ehren halten und stolz ausführen dürfen.

#ktrchts

Ötztaler Radmarathon Wetter. Vorschau.

Ötztaler Radmarathon Wetter

Nichts wird so heiß diskutiert wie das Ötztaler Radmarathon Wetter. Weil das Wetter beim Ötztaler Radmarathon Freund und Feind sein kann. Und sein wird. Monate und Wochen davor fängt das Fachsimpeln an. Und die ewige Diskussion. Fallen die Langzeitprognosen einhellig aus – was ausnahmsweise nie der Fall ist, dann ist alles gut. Kommen hingegen Wörter wie Schnee, Regen und Kälte dazu, dann ist die Hölle los und die ganzen Diskussionen schaukeln sich hoch. Zum 40. Jubiläum des Ötztaler Radmarathons (und zum 40. Jubiläum des Ötztal Radmarathon Wetters) haben wir aktuell genau diesen Worst Case. Ein Tief über Polen hat den Sommer im Ötztal abrupt gebremst. Der Winter hat hoch oben bereits seine Fühler ausgestreckt. Und das Wetter am Sonntag, 29. August 2021? Keine Ahnung. Dafür keine rosigen Prognosen.

Das Wetter in den Bergen ist wie Lotto spielen.

Es sei schlimmer als 2018. 2002 und 2013 waren es schlimm, aber nicht so kalt. Alte Hasen des Ötztaler Radmarathons haben die Jahrgänge im Kopf. Jahrgänge des Zitterns und des Bibberns. 2021 soll und kann in die Geschichte des Ötztaler Radmarathons werden. Die Prognosen sehen düster aus. Auch wenn sie sich täglich (stündlich) ändern. Sonniger und wärmer wird es nicht. Ganz im Gegenteil. Alles, was warm hält, ist auf der Expo schon ausverkauft. 4.000 Starter bereiten sich auf das Winter Opening vor. Zum Glück wird die Suppe oft nicht so warm gegessen wie gekocht. Aber die Ängste uns Sorgen haben ihre Berechtigung.

Lisa Brunnbauer (aka Lisa Wetterfee und mehrmalige Ötztaler Radmarathon Finisherin) bringt es schon seit Tagen auf den Punkt. Es wird kein Kindergeburtstag. Die Großwetterlage ist eindeutig. Das Tief über Polen ist schuld. Den Rest werden wohl die lokalen Wetterphänomene anrichten. Und die sind schwer vorauszusagen. Sie hängen von vielen Faktoren ab, die man schwer prognostizieren kann. Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind, Niederschlagsmenge … Mit und ohne, korreliert gibt es dann das was man dann als “war aber nicht vorausgesagt” bezeichnet.

Das Wetter für Sonntag, 29. August 2021

Wie soll und darf also das Wetter werden? Dank eines Insiders (Meteorologe) liegen folgende Informationen vor: Stand Freitag, 27. August 2021:

Also, meine Einschätzung nach Sichtung der neusten Modelle… 3 kamen in Betracht und der Ablauf ist relativ ähnlich, die Intensität unterschiedlich. Zum Start dürfte es von oben her trocken sein, Restnässe von der Nacht wird es geben… 8 Grad. Am Vormittag wird es aus den reingestauten Wolken rund um Innsbruck immer häufiger tröpfeln, aber man sollte ohne großen Regen zum Brenner kommen, auf 2000 m rund 2 Grad, am Brenner 9. Der Südtiroler Abschnitt wird deutlich wärmer, trocken, wolkig mit etwas Sonne, Sterzing 14 Graf, Jaufenkamm 4 Grad.

Zum Anstieg aufs Timmelsjoch immer dunklere Wolken und noch vor dem Passübergang einsetzender Regen, Schneefallgrenze etwas unsicher, im schlechtesten Fall 2200 m, im besten Fall 2400, am Passübergang rund 1 Grad und Schneefall, feucht und immer wieder etwas Regen bis ins Ziel. Die Modelle schwanken bezüglich der Intensität dieses Niederschlags zum Ende des Kurses, von leicht bis kräftig, nass ist es aber in jedem Fall. Ich hoffe, das gibt Euch einen Eindruck, Detailfragen jederzeit hier.”

Stand Samstag, 28. August 2021:

“Ich hab nun die aktuellsten Frühläufe der mir vorliegenden 4 Modelle gecheckt… das gestern gesagte hat bis vor dem Anstieg auf das Timmelsoch bestand… nun ist es einhellige Simulation, dass von Nordwesten her zwischen 13 und 15 Uhr, je nachdem, eine umgebogene Okklusion (😝) die Ötztaler Alpen erreicht und es oben bei einer Schneefallgrenze von etwa 2200-2300 m kräftig schneien lässt. Wie die RL damit umgeht, wenn es so eintrifft, kann ich kaum beurteilen.”

Wetterglück oder Badass

Ein weiterer Insider:

Also Wetter sieht bis auf das Timmelsjoch eigentlich weiterhin ganz OK aus … Nur haben jetzt alle Modelle den Niederschlag der aus dem Norden am Nachmittag reinzieht nochmal deutlich angezogen… Demnach würde irgendwann zw 14 und 16 Uhr am Timmelsjoch starker Schneefall einsetzten bei um 0 Grad der dann auch bis zum Abend/in die nach hinein anhalten würde.”

Es kommt also auch am Sonntag wie immer im Leben darauf an. Wann man wo ist. Die Wahrscheinlichkeit mit einem blauen Auge davonzukommen ist gegeben. Sub 8 Stunden Fahrer*innen haben dabei die besten Chancen. Bei den sub 9 Stunden Fahrer*innen wirds eng. Alles andere muss den Fahrer*innen selbst und der Organisation überlassen werden.

Auf alle Fälle der Tipp an alle: Vergesst Bestzeiten und Heldentum. Die eigene Sicherheit geht vor. Und ein Aufgeben oder Abbrechen ist keine Schande. Wenn wir am Sonntag alle wieder gesund im Ziel sind, dann haben wir alle gewonnen.

#ktrchts

40. Ötztaler Radmarathon. Jubiläum mit Hindernissen.

40. Ötztaler Radmarathon

Es ist wieder angerichtet. Das Ötztal ruft. Nach einem Jahr Pause findet in wenigen Tagen der Ötztaler Radmarathon statt. Zumindest darf man davon ausgehen. Die Pandemie schläft nicht und die Natur auch nicht. Ein Felssturz hat vergangenen Montag die Auffahrt zum Kühtai unpassierbar gemacht. Totale Straßensperre. Die gewohnte Ötzi-Strecke braucht eine Umleitung. Zwei Alternativen stehen zur Auswahl. Man kann 4.000 Teilnehmer*innen über das Inntal nach Innsbruck schicken oder sie über den Haimingerberg und den Silzer Sattel (das Sattele) Richtung Ochsengraben und dann weiter aufs Kühtai lotsen. Schon 1992 und 2002 war diese Routenführung Ersatzstrecke. Sie würde dem 40. Ötztaler Radmarathon wieder 10 Kilometer und ca. 300 Höhenmeter oben draufpacken. Damals wurde das aber nie und nimmer so kontrovers diskutiert wie heute in Zeiten, wo man gerne aus jeder noch so kleinen Mücke einen Elefanten macht. Auch in Radfahrerkreisen. Man hat anscheinend ja sonst keine Sorgen.

Endlich 238 Kilometer und 5.500 Höhenmeter.

Ganz egal was. Die Gesellschaft hat immer etwas zu meckern. Jetzt wo der Ötztaler Radmarathon durch die Umleitung endlich ehrliche 238 Kilometer und 5.500 Höhenmeter bekommt (sogar ein paar mehr), steht die Radfahrerwelt Kopf. Zu schwer, zu hoch, zu steil bei den einen, zu leicht bei den anderen. Der Haimingerberg wird zum Feinbild. Plötzlich sind angepeilte Bestzeiten in Gefahr oder Karenzzeiten zu knapp bemessen. Es werden Forderungen laut, früher starten zu dürfen und die Zeitlimits zu verlängern. Die vielen steilen Rampen (bis 14 %) würden Staus verursachen und so manchen zum Absteigen zwingen. Man kann in den Facebook-Gruppen einige solcher Absurditäten lesen.

Aber auch das Inntal bekommt sein Fett weg. Es sei zu gefährlich, 4.000 Starter*innen in einer Wurst nach Innsbruck zu schicken. Und außerdem wäre dann der Ötzi zu leicht, wenn einem das Kühtai abhandenkommen würde. All dies noch bevor seitens der Organisation ein Statement und eine offizielle Ersatzstrecke verlautbart wurde.

Ersatzstrecke Ötztaler Radmarathon

Jammern auf Rennradfahrer-Niveau.

Der 40. Ötztaler Radmarathon feiert wohl ein Jubiläum mit Hindernissen. Schade. Denn statt zu feiern und sich zu freuen, wird auf typischem Rennradfahrer-Niveau genörgelt. Das zeigt schon, wie verbissen manche in dieser Community sind. Nicht alle, das muss an dieser Stelle deutlich betont werden. Muss es wirklich immer nur um Bestzeiten gehen? Bestzeiten, die eine Straßensperre und die damit verbundene Umleitung möglicherweise verhindern werden. Aber auch das so wichtige Covid-Präventionskonzept wird vielen einen Strich durch die Bestzeiten-Rechnung machen. Zu lesen sind Beschwerden über Zeitverluste von fünf Minuten oder mehr pro Verpflegungsstelle, weil man sich eine Maske aufsetzen und sich einbahngeregelt und mit Abstand versorgen muss. Darüber hinaus, darf man das Rad nicht zur Essens- und Getränkeausgabe mitnehmen. Bei fünf Stopps sind das mindestens 25 Minuten, die man verliert. Verzweifelt werden in den Foren und Gruppen Möglichkeiten gesucht, sich da und dort bei “privaten” Verpflegungen anhängen zu können. Aufrufe dazu gibt es massenweise.

Auch der 40. Ötztaler Radmarathon ist eigentlich kein Rennen. Für einige wenige vielleicht. Sie fahren gegeneinander. Mit Taktik, Strategie und mit Unterstützung von außen. Meistens steht der Sieg im Vordergrund. Nicht die Bestzeit. Wenn der zweite nicht schnell genug ist, muss der Führende beispielsweise nicht Vollgas fahren. Logisch. Wichtig ist, vor allen anderen ins Ziel zu kommen. Dann dürfen sie und er im Rampenlicht stehen, um medial gefeiert zu werden. Das ist das erklärte Ziel der Gesellschaft, die egal wo, immer “Sieger*innen” sehen und küren möchte. Wie auch beim Ötztaler Radmarathon. Und der Rest? Der Rest kann kein Rennen fahren. Von den 4.000 Starter*innen haben 99 % keine Chance zu gewinnen. Sie fahren also um die goldene Ananas. Und das so, als ginge es um den Sieg. Bei Kilometer 15 liegen einige davon dann schon in den Leitplanken, zu Fall gebracht vom falschen Ehrgeiz.

99 % der Teilnehmer*innen haben keine Siegchance.

Es scheint als wären die “Chancenlosen” gestresster als jene, die nach Sölden kommen, um zu gewinnen. Logisch. Denn letztere haben es selbst in der Hand. Müssen es auch selbst in der Hand haben. Da ist das Wetter egal. Die Strecke sowieso. Wer gewinnen will, muss unter allen Umständen als erste*r die Ziellinie überqueren. Eine persönliche Bestzeit (das erklärte Ziel der Mehrheit aller Teilnehmer*innen) ist hingegen unter gewissen Umständen schwerer zu erreichen, als zu gewinnen. Da braucht es das perfekte Wetter, eine gute Gruppe, Windschatten, freien Zugang zu Kraftkugeln, Cola und Kuchen. So etwas hat man nicht immer selbst in der Hand. Das wurmt. Ist auch dumm und blöd. Deshalb macht einigen die Umleitung große Sorgen. Mehr Höhenmeter und mehr Kilometer. Dazu die pandemiebedingten Regeln. Als hätte man aktuell keine weiteren Sorgen. Man hadert mit dem Schicksal. Sieht sein Ziel schwinden. Macht andere schon im Vorfeld fürs Scheitern verantwortlich, obwohl weil man es selbst aus der Hand gibt.

Der Veranstalter organisiert jedes Jahr ein Top-Event. Das wird auch heuer so der Fall sein. Vor allem die für den Verkehr gesperrten Straßen (Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch) sind keine Selbstverständlichkeit. Dafür sollten und könnten wir dankbar sein. In diesem Sinne, allen eine gemütliche Runde über Brenner, Jaufenpass, Timmelsjoch und Kühtai. Fällt es aus, ist es auch egal. Bestzeiten werden sowieso überbewertet.

#ktrchts

PS: Welche Themen rund um den Ötztaler Radmarathon sonst noch heiß diskutiert werden, könnt ihr hier lesen. 40 Geschichten zum 40. Ötzi.

Ötztaler Radmarathon 2019. Ein Rückblick.

Ötztaler Radmarathon 2019

Das Wetter war diesmal nicht schuld. Leider. Es war die ganze Zeit ein Traum. Bis auf die letzten Kilometer jener, die etwas länger unterwegs gewesen sind. Sie haben das Timmelsjoch von seiner dunklen Seite kennenlernen müssen. Bedrohlich, schwarz, kalt und nass. Schlau, wer vor dem Start seine Hausaufgaben gemacht und für die vorhergesagten Schauer und Gewitter vorgesorgt hatte. Mit schneller fahren oder mit Regenjacke. All diese Streber durften im Ziel noch und wieder lachen. Der Rest musste im Ziel vom Rad geholt und in Decken gehüllt werden. Der Ötztaler Radmarathon 2019 war zum Ende hin erbarmungslos wie immer. 


Der “Ötzi” ist einfach nicht planbar. 

Die heurige Teilnahme hat mir wieder klar gemacht, dass der “Ötzi” einfach nicht planbar ist. Egal wie schnell man ist, es gibt viele, die schneller sind. Es ist auch egal wie weit man links fährt, es gibt viele die noch weiter links fahren. Teilweise auch außerhalb der Straßenbegrenzung. Vor allem zwischen Sölden und Ötz. Ganz egal ist es auch, wie weit man rechts fährt, denn es gibt einige, die noch rechter sind. Interessant auch, dass es völlig egal ist, wie stark man Kurven schneidet. Ja richtig, es gibt einige, die noch schnittiger unterwegs sind. Dann ist es auch noch einmal egal, wie strikt man die eigene Linie fährt. Erstaunlicherweise gibt es einige, die genau die selbe Linie fahren. Deine erkämpfte Linie. 

Ich hatte heuer stark geplant, meine Zeiten aus den Vorjahren zu verbessern. Und was ist passiert. Es gab genug andere, die das gemacht haben. Meinen Plan besser zu sein, haben andere verwirklicht. Besser. Auch hatte ich geplant, viel mehr zu “lutschen”, um Kräfte zu sparen. Umsonst. Denn es gab wieder andere, die das noch schlauer umgesetzt haben. Hinter mir. Von Kematen bis Innsbruck und dann fast bis auf den Brenner.

Hart. Härter. Ötztaler Radmarathon.

Auch wollte ich in den Abfahrten viel mehr auf Sicherheit fahren und nicht unbedingt wieder die 100 km/h mehrmals überschreiten. Richtig. Es gab andere, die weitaus sicherer als ich unterwegs waren. 

14x Ötztaler Radmarathon. Jedes Mal ein erstes Mal.

Vor dem Rennen habe ich mir auch ganz stark vorgenommen nicht zu sterben. Ich wollte die Pässe hinauffliegen. Wie das die Profis machen. Im Fernsehen. Locker, lässig und mit einer bemerkenswerten Kadenz. Passiert ist, dass viele, und ich meine wirklich viele, das viel lockerer und lässiger gemacht haben als ich. Dann wollte ich natürlich auch auf meine geplanten Wattzahlen schauen und diese sogar erhöhen. 240 Watt am Kühtai, 200 am Brenner, 220 am Jaufenpass und dann all in am Timmelsjoch. Egal wie viele und wie wenige Watt ich noch treten konnte, es gab genug andere, die noch härter und schneller ihre geschmeidigen Pedalumdrehungen zur Schau stellen.

Mein Garmin zeigte teilweise 140 Watt bergauf. Zuerst dachte ich mir, ein Vector wäre wieder ausgefallen. Passiert öfters. Wäre nichts Neues gewesen. Doch es waren tatsächlich nur 140 Watt. Irgendwo war meine Kraft verloren gegangen. Bereits auf den ersten Metern von Ötz hinauf ins Kühtai war mir klar, dass ich ohne Überstunden nicht in Sölden ankommen werde. Man kann beim Ötztaler Radmarathon viel falsch machen. Als wäre jede Teilnahme ein erstes Mal. Ich habe vieles falsch gemacht

Ötztaler Radmarathon
Scharfrichter Timmelsjoch

Ötztaler Lycra ist die neue Anerkennung.

Einen Ötztaler Radmarathon gibt man deshalb aber nicht auf. Niemals. Für eine Handvoll Lycra startet man Richtung Hölle, um Stunden später im Paradies anzukommen. Man überwindet vier Pässe und fühlt sich wie eine Katze mit sieben Leben. Man stirbt (mehrmals) und steht von den Toten wieder auf. Wer ein Mal mehr aufsteht, als er stirbt kommt in Sölden an und darf sich in der Ötztal Arena das begehrte Finisher Trikot abholen. Nie mehr wieder bis zum nächsten Jahr. Der Ötztaler Radmarathon ist und bleibt eine Sucht. Hier werden Heldengeschichten geschrieben. Von jedem einzelnen. Die einen weinen vor Schmerzen, die anderen vor Freude und Berührung. Egal wer und ganz egal wie, kein Rennen kann so viel Emotion auslösen. Wenn Matthias Nothegger in weniger als 6h50 seinen Arbeitstag beendet, dann ist das Gänsehaut. Eine kaum nachvollziehbare Leistung. Wenn der letzte Teilnehmer nach mehr als 13h30 in Sölden ankommt, dann bewegt das gleich mehr. Auch das ist eine herausragende Leistung. Für die Schnellen ist Schnellfahren eine Pflicht. Für uns Hobbyathleten ist es ein Kunst. 

Ötztaler Lycra ist längst die höchste Anerkennung, die man sich erkämpfen kann. Aber auch die vielen ausgestreckten Hände am Rande der gesamten Strecke. Kinder, die dir die Hand reichen und dich einladen mit ihnen abzuklatschen. Das ist der Grund, warum wir das machen. Vorbild sein für einen kurzen Augenblick. Ihre Augen strahlen sehen und ihre Freude spüren. Meist stehen sie sogar im Sonntagsgewand. Das heißt in Tirol und Südtirol sehr viel. Zeiten werden plötzlich relativ. Dabei sein ist alles. Durchkommen und finishen die Superlative Krönung.

Mythos Ötztaler Radmarathon
Mythos Ötztaler Radmarathon

Dummheit auf zwei Rädern.

Rahmenprogramm, Organisation, Support, Absicherung, Verpflegung, der Ötztaler Radmarathon 2019 hat keine Wünsche offen gelassen. Dass viele besser, schneller und schlauer waren als ich, dafür bin ganz allein ich schuld. Ich hatte es mir anders vorgestellt und hatte es auch ganz anders geplant. Einziger Kritikpunkt geht von meiner Seite aus an uns Athleten selbst. Wir sind der Innbegriff für die Dummheit der heutigen Gesellschaft in Sachen Umwelt. Da gibt man uns die Möglichkeit, einen perfekten Tag am Rad zu verbringen und wir bedanken uns mit Müll, den wir entlang der Strecke einfach so wegwerfen. Niemand, der sich die Frage stellt, wer das denn wegräumen soll. Die Kühe? Die Touristen? Die Zeit?  

Trotz meiner eigenen Probleme auf den 228 Kilometern hatte ich genügend Zeit zum Fremdschämen. Meine Gedanken, lieber voller Gels unterm Trikot als Vollkoffer im Feld. 

Bist du zu schwer, wird’s schwer.

Was vom Ötztaler Radmarathon 2019 bleibt sind ein Zwicken im Oberschenkel – innen, über die gesamte Länge, heute noch – und die Erkenntnis, dass es schwer wird, wenn man zu schwer ist, weil es sowieso schon schwer genug ist. Die vielen Krämpfe in den Beinen und im Magen haben mir den Ötztaler-Genuss zudem noch mehr erschwert. Der letzte Krampf am Gegenanstieg zur Mautstelle Hochsölden reihe ich in die Kategorie “Mega-i-Tüpfelchen-Deluxe” ein. 

Trotzdem habe ich Spass gehabt. Auch wenn es viele andere gab, die noch mehr Spass hatten. Es war lustig, leidend. Vor allem und eigentlich nur in den Abfahrten. Kühtai, Sterzing, St. Leonhard und Sölden habe ich so genommen wie sonst selten. Waren es 2018 PR’s auf allen Anstiegen, so bleiben 2019 PR’s in allen Abfahrten. Vielleicht schaffe ich beim Ötztaler Radmarathon 2020 beides in einem Rennen. Ich plane es einmal ein, auch wenn ein Ötztaler Radmarathon nicht planbar ist. 

ktrchts

PS: Ein Danke an alle, die mich in Sölden erkannt, angesprochen und mir viel Zuspruch gegeben hat. Ein persönliches Kompliment gibt mir mehr als tausend Likes.

Endlich schon wieder Ötztaler Radmarathon

Wieder Ötztaler Radmarathon

Es ist das Highlight des Jahres. Für viele. Auch für die ca. 4000 Glücklichen, die sich nächsten Sonntag um 6:45 Uhr auf den Weg machen werden, Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch zu besiegen. Im Kampf gegen die Uhr und gegen sich selbst. Und gegen das Wetter. Nirgendwo spielt dieses eine so übergeordnete und wichtige Rolle. Es wird auch nirgendwo anders so viel darüber diskutiert und gemutmaßt. Endlich schon wieder Ötztaler Radmarathon. Nur noch sieben Tage unzählige Apps konsultieren und ins Reich der Phantasie und Märchen hineinreichende Langzeitprognosen studieren. Um am Ende ist immer alles ganz anders.

Wieder Ötztaler Radmarathon

© Ötztal Tourismus

Der Ötztaler Radmarathon und das Ötztaler Wetter.

Es gibt Lotto-Sechser. Die sind unwahrscheinlich. Äußerst unwahrscheinlich. Aber es gibt sie. Irgenwo und irgendwann. So wie es perfektes und warmes Radwetter über die gesamte Distanz des Ötztaler Radmarathons gibt. Stabiles Hochdruckwetter. Von der Früh weg bis in die Abend- und Nachtstunden hinein. Genau wie 2015. Eine Ausnahme. Zumindest bei meinen mittlerweile 14 oder 15 Teilnahmen. Es gibt aber auch Fünfer mit Zusatzzahl. Nicht so schön wie ein Lotto-Sechser, aber immerhin. Alles statistisch gesehen von der Wahrscheinlichkeit her unmöglich.

Viel wahrscheinlicher und fast fix ist das typische Ötztaler Bergwetter in all seiner Bandbreite. Kaum vorherzusehen und Mittelpunkt vieler Leidensgeschichten. 2003 und 2013 waren mit Sicherheit epische Höhepunkte. Oder im vergangenen Jahr. Wer dabei war, weiß wovon ich schreibe. Es ist somit unvermeidlich, dass jeder über das Wetter spricht, schreibt oder einfach nur passiv mitliest. Heute, sieben Tage vor dem großen Klassentreffen, sind die vielen Internet-Foren und Facebook-Gruppen schon voller hellseherischer Prognosen. Diese reichen wieder einmal vom Weltuntergang bis hin zur Hitzewelle. Jeder Post ein Hilferuf an Petrus. Und an die Veranstalter. Aber die können in Sachen Wetter außer nichts, leider nur gar nichts tun.

Der Ötztaler Radmarathon

© Ötztal Tourismus

Das Wetter in Sölden interessiert nicht.

Egal wie das Wetter am 1. September in Sölden sein wird. Es interessiert mich persönlich wenig. Es muss nur trocken sein, wenn ich in der Früh am Start stehe und am späten Nachmittag, wenn ich ins Ziel kommen werde. Sollte es dazwischen in Sölden regnen, dann lässt mich das kalt. Viel Interessanter ist das Wetter entlang der 235 km über vier Pässe. Schnee am Kühtai? Kein Problem. Hat es auch schon gegeben. Strahlender Sonnenschein in Südtirol? Schaut nicht schlecht aus. Das kommt sehr häufig vor. So wie Wind und Kälte am Jaufenpass, oder Hitze in St. Leonhard und dann wieder Nebel und Graupelschauer am Timmelsjoch. Muss nicht sein. Kann aber passieren. Oder eben auch nicht. Das Wetter in den Ötztaler Alpen kann sich rasch ändern. Und es ändert sich auch rasch. Deshalb ist es verlorene Energie, sich jetzt schon damit zu beschäftigen.

Endlich schon wieder Ötztaler Radmarathon.

Nur noch eine Woche bis zum Ötztaler Radmarathon. Wären wir dieses Wochenende gefahren, dann hätten wir den Lotto-Sechser gezogen. Wären und hätten. Es lebe der Konjunktiv. Alles möglich, nichts wirklich. Wie es wirklich sein wird, das werden wir am Start in Sölden sehen. Pünktlich. Keine Sekunde davor. Endlich wieder Ötztaler Radmarathon ist der konjunktive Weg zum gemeinsamen Höhepunkt. Mit all seinen Unberechenbarkeiten. Allen voran das Wetter. Dieses beeinflusst den Rest. Wetter gut, alles gut. Und eine Ausrede weniger. Gefolgt wird das Wetter von der Zeit. Sechs, sieben, acht, neu, zehn, elf, zwölf, dreizehn oder vierzehn Stunden. Irgendwo dazwischen sollte man das Ziel erreichen. Wann genau, das weiß niemand. Nicht einmal eine Marschtabelle kann da helfen. Diese ist nämlich nichts wert, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Timmelsjoch Hochalpenstraße

© Ötztal Tourismus

Wetter, Zeit und dann noch die Fragen der Form. Habe ich genug trainiert? Zu viel oder gefühlsmäßig zu wenig? Ich habe auch heuer wieder alles genau nach Plan dem Zufall überlassen. Fühle mich müde. Wie immer. Fühle mit übergewichtig, wie immer. Fühle mich nicht gut genug. Wie immer. Aber ich werde am Sonntag, am Start stehen. Bis dahin gibt es nichts Schöneres als das Jammern. Im Vorfeld des Ötztaler Radmarathon ist der Konjunktiv der König. Das gehört dazu. Bei mir ist das schon Routine. Ein Teil der langen Vorbereitung. Egal ob es jetzt das Wetter ist, die Bürde der Zeit oder die Unsicherheit über Form und Übersetzung. Jammern kann ich über alles.

Egal was passiert: Wichtig ist nur, dass es nicht schneit. Denn bei großer Hitze ist Rennradfahren im Schnee, ganz schön anstrengend.

#ktrchts
#ötztalerradmarathon2019

Der Ötztaler Radmarathon 2018. Für eine Handvoll Lycra.

Der Ötztaler Radmarathon

Kühtai. 2.017 Meter hoch. Es ist kurz vor 9 Uhr. Die Wolken hängen tief. Das wunderbare Bergpanorama versteckt sich hinter einem düsteren grauen Schleier. Ungetrübt ist hier oben am Berg zu diesem Zeitpunkt nur die Stimmung. Fans und Betreuer hüpfen, klatschen und schreien. Nicht wegen mir. Vielleicht wegen der knapp 5° feuchtkalten Temperaturen. Es regnet. Nein, es schüttet mittlerweile. Entgegen aller Wetterprognosen. Diese waren die vergangenen Tage eine Achterbahn der Gefühle mit Happy End in Gestalt von Wetterfee Lisa Brunnbauer. Ihre Worte bei der Fahrerbesprechung fühlten sich an wie eine hochsommerliche Brise inmitten des in Sölden heimgekehrten Winters. Die Worte “trocken” und “Aufhellungen” genügten, um massenweise ganze Felsbrocken von den Herzen der 4.112 auf Erlösung Wartenden fallen zu lassen. Trotzdem wird der Ötztaler Radmarathon 2018 in seiner 38. Auflage als einer der härtesten in die Mythologie eingehen.

Das einzig Sichere am Wetter ist die Unsicherheit.

Übers Wetter reden viele. Beim Ötztaler Radmarathon alle. In diesem Jahr noch mehr. Auslöser war die Großwetterlage. Seit Wochen ist die Entwicklung bekannt. Hitzeschlacht wird es keine. Der Hochsommer hatte sich pünktlich verabschiedet. Schnee? Regen? Kälte? Die verschiedensten Wetter-Apps schwanken zwischen allem, was für eine Prognose zu Verfügung stehen kann. Niemand will sich festlegen, niemand kann sich festlegen. Spannend. Speziell. Unsicher. Im kleinen Bergdorf Sölden fast am Ende des Ötztals gibt es schon Wartelisten für Regenüberschuhe und Handschuhe. Das einzig Sichere am Wetter ist die Unsicherheit. So stehen um 6:45 Uhr Optimisten, Pessimisten und ich gleichermaßen gespannt am Start. Noch ist es trocken. Irgendwo und irgendwann werden wir nass werden.

Der Ötztaler Radmarathon

Lukas Ennemoser © Ötztal Tourismus

Die Startvorbereitung wie immer ein Stelldichein Prominenter und Hobbyisten. Die einen werden persönlich begrüßt, die anderen verschwinden anonym in der Masse knalliger Regenjacken. Der frühe Vogel fängt den vordersten Startplatz. Wer zuletzt kommt, der steht hinter der 1000m Marke an der Talstation der Gaislachkogelbahn. Noch 10 Sekunden bis zum Start. Zweisprachige Moderation aus allen Lautsprechern. Der TV-Hubschrauber kreist. Ein lauter Knall und das Feld bewegt sich neutralisiert von vorne nach hinten über die Zeitnehmungsmatte bei km 0. Ab hier beginnt der Traum über 4 Pässe und 5.500 Höhenmeter.

Der Ötztaler Radmarathon. Ein ambivalenter Mythos.

Und es beginnt das Unverständnis. Darüber, was an “neutralisiert”, “StVO”, “Rechts fahren” aber auch an “Müll wegwerfen verboten” schwer zu verstehen ist. Vor allem dann, wenn von der Organisation und der Rennleitung eine Sperre von zwei Jahren angedroht worden ist. Bei der verpflichtenden Fahrerbesprechung in der Freizeit-Arena. Dreisprachig. Deutsch, italienisch und englisch. Schade. Das passt so gar nicht zum Mythos Ötztaler Radmarathon. Ein perfekt organisiertes Fest. Eine Traningsfahrt mit 4000 Freunden. Es ist erstaunlich, was intelligente Menschen bereit sind, beispielsweise auf den ersten 20 km eines 238 km langen Rennens zu riskieren. Gesundheit, Material, das eigene und das Leben anderer. Dieses Mal waren es nicht nur ein paar wenige schwarze Schafe, sondern eine ziemlich große Herde.

Das ist die Sucht nach Anerkennung. Alle wollen und müssen immer höher, schneller und weiter. Schade. Diese Entwicklung ist nicht gut. Der Ötztaler Radmarathon hat sich das nicht verdient. Wie auch nicht den ganzen Müll, der außerhalb der dafür vorgesehenen Zonen, direkt auf oder neben der Straße weggeworfen wird. Danke an all jene, die nach dem Rennen die Sauereien dieser in einer anderen Welt lebenden Esel einsammeln und richtig entsorgen.

Ricardo Gstrein © Ötztal Tourismus

Schwimmen statt Rennardfahren.

Endlich habe ich den ersten Anstieg zum Kühtai überlebt. Mit den anderen mache ich mich auf eine nasse und kalte Abfahrt durch das Sellrain gefasst. Die Optimisten fahren immer noch mit kurzer Hose. Die Pessimisten und ich sind halbwegs eingepackt. Zittern aber trotzdem. Es ist so kalt, dass mir Nacken und Kiefer steiffrieren. Die Sicht äußerst eingeschränkt. Meine Bremsen im Dauereinsatz. Links und rechts fliegen die schwarzen Schafe an mir vorbei. Der Schutzengel habe sie lieb. Ich stelle mir zu Recht die Sinnfrage. Finde aber keine Alternative, um nach Sölden zurückzukommen. Die ersten Besenwagen stehen erst am Brenner.

Die Laune des Wetters schlägt hier voll ein. Lisa Brunnbauers Worte vom Vortag klingen jetzt mehr nach PR-Gag und Einladung, doch an den Start zu gehen. Bis weit nach Innsbruck fahren wir nicht Rennrad. Wir schwimmen ohne aufzuschwimmen. Kanaldeckel, Zebrastreifen und Bodenmarkierungen werden zu natürlichen Feinden. Einige hissen bis hierher bereits die weiße Fahne. Ich fahre für eine Handvoll Lycra weiter auf den Brenner. Das Schwimmen habe ich ja bereits im Hotel dieBerge üben können.

Leiden und beißen und das Verlangen nach Schmerz.

Erinnerungen werden wach. 2003 und 2013 war es ähnlich extrem. Damals war von Schauerneigung am Nachmittag aber keine Rede. Leiden und beißen. Diesmal würde das Ende ins Wasser fallen. Und das tat es auch. Auch wenn für viele unterschiedlich. Trocken, nass, nass, trocken. Brenner, Sterzing, Jaufen, St. Leonhard, Schönau, Timmelsjoch, Sölden. Eine Willensprüfung folgt der anderen. Im Dreivierteltakt geben sich Herbst und Winter die Klinke in die Hand. Anziehen, ausziehen, überziehen. Der Ötztaler Radmarathon 2018 wird auch deshalb seinen Platz in der Hall of Fame finden. Viele nutzen das Hinterlegungsservice. Haben sich am Samstag strategisch oder einfach zockend für einen blauen, grünen, orangen oder rosa Beutel entschieden. Kühtai, Brenner, Jaufen oder Timmelsjoch. Wo soll trockene Kleidung platziert werden? Aufgrund des Andrangs am Jaufen, hat dieser das große Los gezogen. Mir ist es mittlerweile egal. Nass ist nass und wird sich auch nicht ändern.

Der Ötztaler Radmarathon

Ricardo Gstrein © Ötztal Tourismus

Am Ende sollen es knapp 600 Fahrer nicht geschafft haben, das Ziel in Sölden zu erreichen. Sie werden es wieder probieren. So wie es jeder nochmals probieren will und muss. Der Ötztaler Radmarathon macht süchtig. Fährt man von hier zurück nach Hause, gibt es immer irgendeine offene Rechnung, die man begleichen muss.

 

Jeder Ötztaler ist anders. Aber immer gleich hart.

Meine Erkenntnis nach der bereits 12. Teilnahme ist nicht überraschend. Jeder Ötztaler Radmarathon ist anders. Aber immer gleich hart. Dieses Jahr war die Abfahrt vom Jaufenpass im Nebel ein Novum. Fünf bis zehn Meter Sicht. Ein Sturzflug im freien Fall. Ohne Anhaltspunkte. Ohne Bremspunkte. Niemand kann von Langweile sprechen, wenn man sich Jahr für Jahr das freiwillig antut. Und dabei noch eine Startgebühr bezahlt. Dass jeder einzelne der 238 km diese Startgebühr wert ist, wäre eine andere Geschichte.

Der Ötztaler Radmarathon

© sportograf.de

Eine von vielen Geschichten, welche der Ötztaler Radmarathon haufenweise schreibt. Jene über die 1000 freiwilligen Helfer. Auch sie stehen stundenlang an der Strecke. Ohne zu jammern. Die Geschichten über die Exekutive, die Feuerwehr, die Sanitäter, die Rennleitung. Ohne sie wäre nichts möglich. Und natürlich die persönlichen Geschichten jedes einzelnen Teilnehmers. Von den Siegern Laila Orenos und Mathias Notgegger bis hin zum Letzten, der nach 13 Stunden und 25 Minuten Sölden wieder erreicht hat. Helden sind sie alle.

Inzwischen befinde auch ich mich auf den letzten Kehren Richtung Tunnel kurz vor der Passhöhe am Timmelsjoch. Es ist ruhig. Die Zuschauer verständlicherweise irgendwo im Warmen. Dank Livestream und Internetübertragung auch kein Wunder. Die Strecke vom Tunnel zum Pass gleicht mittlerweile einer gut ausgebauten Autobahn. Es rollt, obwohl es immer noch leicht bergauf geht. Einer der insgesamt vier Pacemaker winkt mich am höchsten Punkt auf 2.474m durch. “Locker unter 10 Stunden”. Wieder verzichte ich auf’s Umziehen, Anziehen und Überziehen. Ich will nur noch ins Tal. Abfahrt, Kompression, Gegenanstieg Mautstelle, Abzweigung Obergurgl, Zwiestelstein, Sölden, Ziel. Und dann direkt in die Badewanne, wo ich gut 20 Minuten auftaue. Auf die Sauna habe ich verzichtet. Das hätte mir mein Kreislauf übel genommen.

Der Ötztaler Radmarathon

Lukas Ennemoser © Ötztal Tourismus

Mindestens einmal sterben ist normal.

Hart. Härter. Ötztaler. Keiner schafft den Ötztaler, ohne nicht mindestens einmal an der Strecke zu verzweiflen. An sich zu zweifeln. Am Material zu scheitern. Das Thema Übersetzung kommt 365 Tage im Jahr im Zusammenhang mit dem “Ötzi” gleich nach dem Thema Wetter. Mindestens ein Mal sterben ist hier normal. Der Ötztaler ist und bleibt eine Obsession. Das Überqueren der Ziellinie ist eine gewaltige Erlösung. Eine Explosion an Gefühlen. Ein Sprung in die Unsterblichkeit. Hier weinen gestandene Männer. Das Tragen des Finisher-Trikots ist ein Balzen auf müden Beinen. Blicke anziehen, Gratulationen entgegennehmen, vieles vergessen, um gleich neue Pläne zu schmieden. Für 2019. Denn nach dem Ötztaler ist vor dem Ötztaler. Und es gibt noch jede Menge offener Rechnungen.

ktrchts

Ergebnisse hier.
Bilder Ötztal Tourismus: hier

*aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

Ötztaler Radmarathon 2018. Countdown.

Ötztaler Radmarathon 2018

Der Samstag fällt ins Wasser. So wie der gestrige Freitag ins Wasser gefallen ist. Zum Glück war der Donnerstag Nachmittag halbwegs trocken, so dass eine kleine Trainingsfahrt auf den Spuren von James Bond 007 möglich war. Von Sölden über die Mautstraße hinauf bis zur Talstation des Rettenbachferners. 12 km mit über 10% Steigung. Im Schnitt. 7° oben. Immerhin plus. Ich musste hinauf. Es war ein letzter Test. Kein körperlicher. Diesen habe ich nicht Not. Spätestens nach dem Austria Race Across Burgenland vergangenen Sonntag weiß icht, dass meine Beine tot sind und ich wie jedes Jahr in einer beneidenswerten Überform zum Ötztaler Radmarathon 2018 angereist bin. Der Test galt dem Material. Ich starte in Sölden nämlich mit neuem Equipment.

Experimente kurz vor zwölf. Ich liebe das Risiko.

Never change a running system. Oder so ähnlich. Das ist was für Feiglinge. Das kann jeder. Ein gut funktionierendes System vier Tage vor dem Ötztaler Radmarathon zu ändern hingegen ist was für Dumme. Ok. Sagen wir Abenteurer. Experimente kurz vor zwölf. Ich liebe das Risiko. Deshalb habe ich mein Dienstfahrrad einem Update unterzogen. Erstmals in meinem Leben fahre ich hinten ein 32er Ritzel. Moment. Nein. Nicht ganz. Am Crosser habe ich auch ein 32er. Aber in Verbindung mit dem 42er Kettenblatt vorne. Das ist etwas ganz anderes. Oder zumindest nicht ähnlich.

Ötztaler Radmarathon 2018

Plötzlich 32.

Bei der Kassette handelt es sich um eine edco Monoblock 11-32. Nichts ungewöhnliches. Außer vielleicht das Gewicht. Das ist niedrig. In Verbindung aber mit dem kurzen Schaltkäfig der SRAM eTap (no Wifli) wird die Sache dann doch interessant. Weil das “offiziell” gar nicht möglich ist. Solange man nicht mit den richtigen Leuten spricht. Nach langem Diskutieren in der Gruppe “Rennrad”, Video Studium, Recherchieren und hundertausend Meinungen (die meisten haben mir abgeraten), hat mir Niki, die Kassette montiert und eingestellt. Ohne Kettenkürzung und ohne Schaltaugeverlängerung. Das Ergebnis: Es rollt. Ja, es rollt. Erstaunlich gut. Theoretisch und praktisch. Das hat der Test hinauf auf den Gletscher gezeigt. Ich musste nur behutsamer und bewusster schalten. Dass Groß-Groß dabei zu empfehlen ist, versteht sich von selbst.

Hier in Sölden bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe mir alles auch von den Profis beim Mavic Stand hier auf der Expo anschauen lassen. “Très bien” und zehn große Augen, bestätigen mir. Ich kann’s probieren.

Ötztaler Radmarathon 2018. Wer bremst verliert.

Die fünf Männer in Mavic Schürzen habe mir auch die Bremsen eingestellt. Mit einer Schablone zwischen Bremsgummi und Carbon Bremsflanke wurde herumgeschraubt und alles millimetergenau fixiert. Wieder was gelernt. Denn wenige Minuten zuvor habe ich die edco Bremsbeläge vorne mit swisstop Yello King getauscht. Die Abfahrt vom Gletscher hatten die neuen edco Gummis etwas in Mitleidenschaft gezogen. Sie waren nämlich um ein paar Millimeter V-formig eingestellt. Das hat sie um ein halbes Leben verkürzt. Für mein subjektives Sicherheitsempfinden habe ich gerne ein paar Euros investiert. Beim Ötztaler Radmarathon 2018 heißt es wie immer: Wer bremst verliert.

Ötztaler Radmarathon 2018

Vorne swisstop – hinten edco.

Neu am Specialized Tarmac Dienstfahrrad sind auch die 28mm Carbonfelgen von edco. Modell Julier. Clincher mit Carbonflanken. Eine Augenweide. Mit viel Liebe zum Detail. Ich mag die Schweizer Flagge auf dem Schnellspanner und an den Flanken. Die Benutzung ist ein Sprung ist kalte Wasser. Kaltes Ötztaler Regenwasser. Gute 100 km Abfahrt warten am Sonntag. Teil Hochgewschwindigkeits-Abfahrten. Sicherheit geht vor. Und nichts geht über eine subjektive Sicherheit. Bei der Abfahrt vom Gletscher habe ich vorsichtshalber beim 85 km abgebremst. Mache ich normal nie. Noch fehlt das 100%ige Vertrauen.

Ötztaler Radmarathon 2018

edco Julier 28mm

Nicht ganz heldenhaft. Semi-Kompakt.

Warum ich kurzfristig auf das 32er Sicherheitsritzel wechseln wollte (musste), hängt auch damit zusammen, dass ich die Semi-Kompaktkurbel verwende. Nicht ganz heldenhaft. 52/36 sind mit 11-28 bei Übertraining kein Kindergeburtstag. Auch wenn ich 2011 meine Bestzeit beim Ötztaler Radmarathon mit 50/34 und 11-26 gefahren bin. Also eine viel niedrigere gear-ratio. Und die Erinnerungen an meine ersten “Ötzis” mit 53/39 und 11/23 lassen mich heute noch staunen.

Ötztaler Radmarathon

Nicht ganz heldenhaft – Semikompakt

Der Ötztaler Radmarathon 2018 ist bereits meine 12. Teilnahme. Noch 8x und ich gehöre in die Kategorie “Treuer Teilnehmer”. Das ist zwar ein Gerücht, aber Mythen leben davon. Ein Mythos ist der Ötztaler Radmarathon schon lange. Die Stimmung, die Spannung davor, während und danach elektrisierend und mitreißend. Nirgends wird so viel über das Wetter diskutiert und philosophiert. Sogar im Hitradio Ö3 widmet man sich dem Thema. Jeder Blick in die Gesichter der Teilnehmer spricht Bände und erzählt eine eigene Geschichte. Jahr für Jahr trifft man sich hier in Sölden in den verschiedenen Hotspots.

Das Leben hier ist schön. Wären da nicht 238 km und 5.500 Höhemeter dazwischen.

ktrchts

Totgesagte radeln länger. Mein Ötztaler Radmarathon 2017

Ötztaler Radmarathon

Die Zimmer sind schon reserviert. Jetzt brauche ich nur noch einen dieser begehrten Startplätze. Klappt das und Göttin Fortuna steht mir bei, sehen wir uns 26. August 2018 in Sölden wieder. The same procedure as every year. Der Ötztaler Radmarathon lässt mich nicht los. Dieses Jahr hat er mich abgeworfen. Genau dort wo ich ihm Paroli bieten wollte. Am Berg. Wieder einmal. Unerbittlich. Gnadelnlos. Im Notprogramm habe ich den Radmarathon wider Willen beendet und mir das viel zu enge Sportful Finisher Trikot geholt. In einer Zeit, die es nicht einmal unter die Top 5 meiner Ötzi-Bestenliste geschafft hat. Keine reife Leistung. Finishen ist nicht die Kunst für jemanden wie mich mit großer Klappe. Es gibt keine Ausreden dafür. Aber ein paar Ursachen.

Es gibt keine Ausreden. Aber ein paar Vermutungen.

Es gab einen Plan. Eine Marschroute. Eine Tabelle. Wie die letzten Jahre. Diesmal jedoch konservativ und ehrlich. Bremsen bis zum Brenner. Dann langsam in Fahrt kommen. Bis ca zur Hälfte hätte alles geklappt. Auch wenn es nicht leicht war. Dafür bin ich sogar von ganz weit hinten weggefahren. Aus den Tiefen der Dorfstraße. Eine Bummelfahrt bis Ötz. Eine Tratschrunde hinauf aufs Kühtai. Adrenalin pur mit einer Spitzengeschwindigkeit von 108 km/h hinab nach Kematen, einmal kurz Antreten Richtung Innsbruck, um eine Gruppe zu erreichen und dann quasi als Solist hinauf auf den Brenner. Immer im erlaubten Watt-Bereich. Mein Herz blutete bei jeder Gruppe, die mich Richtung Italien überholt hat. Inklusive Stop an der Labe war ich voll im Plan.

Sterzing erreichte ich locker am Oberrohr sitzend auf der Überholspur. Nichts deutete noch auf das Debakel hin, welches ich noch erleben sollte. Bis Gasteig alles im Plan. Sogar etwas darunter.

Ötztaler Radmarathon

Aus dem Lehrbuch

Der Ötztaler Radmarathon schenkt dir selten was.

Schon auf den ersten Metern hinauf Richtung Passhöhe Jaufen spührte ich kleine Ungereimtheiten. Ein Ziehen links im Gesäßmuskel. Hatte ich schon öfters. Ich schenkte dem keine größere Bedeutung. Immer noch voller Watt-Drang kurbelte ich mich in Zeitlupe nach oben. Es wurde aber nicht besser. Im Gegenteil. Es wurde schlimmer. Der ganze hintere Oberschenkel links zog jetzt mit. Ich war nicht mehr rund im Tritt. Konnte nur mehr Drücken. Plötzlich fehlten mir gute 20 Watt. Erste Zweifel an meinem Plan eroberten meine Gedankenwelt. Plan B wurde hochgefahren. Sicherheitshalber. In weiser Vorahnung. Zuerst einmal die Labestation erreichen.

Nach 6 Stunden und 8 Minuten sollte ich dort oben sein. Nach 6 Stunden und 18 Minuten war ich oben. Unrund. Ziemlich unrund. Psychisch und körperlich geschwächt. Inklusive Jaufen-Labestop, wo ich vergeblich nach dem suchte, auf das ich mich gefreut hatte und mechanischem Doping. Mein Vorderrad bekam noch einmal 3 Bar Luftdruck für die Abfahrt nach St. Leonhard dazu. Latexschläuche haben eben ihre Nachteile. Kurze Pausen auch. Kurz vor dem Pass auf Höhe des Sportografen, meldete ich der rechte Oberschenkel innen. Plan A, Plan B und jetzt Plan C. Wie schon geschreiben: Alles auf Notprogramm umstellen. Ich hatte alles auf meine Beine gesetzt. Ab jetzt musste der Kopf wieder die Kastanien aus dem Feuer holen und mich nach Hause bringen. Noch 72 km bis Sölden. Der Jaufen ist und bleibt für mich ein Henker.

Ötztaler Radmarathon

Kampf mit den Krämpfen

Richtig abgefahren, abgefahren.

Motivationstrainer meinen, man solle sich immer wieder selbst belohnen, um neue Kraft zu schöpfen. Dies tat ich mit meiner bis dato schnellsten Abfahrt vom Jaufenpass. Logisch. Bergab gilt ja Masse vor Muskelkraft. Hinter mir ein Rudel von Kontrahenten, denen ich eine Line vorgeben konnte. Zur Verteidigung der Straße nach St. Leonhard im Passeier sei anzumerken, dass sie durch menschliche und maschinelle Eingriffe viel von ihrer Gefährlichkeit verloren hat und somit leichte Beute für Geschwindigkeitsjunkies geworden ist. Im unteren Teil ist sie fast schon eine massentaugliche Autobahn und ein Affront gegenüber Scheibenbremsen, die nicht nur hier überflüssig waren.

Irgendwie war ich unten am Kontrollpunkt St. Leonhard durch den freien Fall vom Jaufenpass halbwegs wieder, noch im Plan. Zurück, aber nicht um Welten. Der beschwerliche Weg zum Joch hatte aber erst begonnen. Motiviert von der Geschwindigkeitsinjektion kotzte ich noch schnell ein Peeroton Gel, Geschmacksrichtung Cola in mich hinen. In der Hoffnung damit eine Art Druiden-Zaubertrank-Reaktion auszulösen. Es blieb bei der Hoffnung. Sobald sich die Straße um ein paar Zehntelprozent in die Höhe schraubte, verweigerten die Beine ihren Dienst. Meine ganz persönliche Demütigung begann. Hier.

Ötztaler Radmarathon

High Speed Abfahrt als Belohnung

Am Ende meiner muskulären Kräfte stellte ich mich auf einen längeren Dienstweg nach Sölden ein. Gedanken an den Besenwagen konnten kaum verdrängt werden. Die Angst, den Kontrollpunkt am Timmelsjoch um 1930 Uhr zu verpassen auch. Sogar die Spekulation, um den letzten Platz zu kämpfen musste ich akzeptieren. Mein Kopf war ein Computer, der sämtliche Optionen im Bruchteil einer Sekunde zu analysieren versuchte. So intensiv, dass ich dabei überhitzte.

Fertig ist, wenn der Kopf sagt, fertig ist.

Oberhalb von Moos in Passeier, vor der zweiten Kehre erspähte ich eine Bank am Straßenrand. Sie lag so schön in der Sonne. Sie war mir hier bis dato noch nie aufgefallen. Ein schöner Nebeneffekt, wenn man so langsam fährt. Die Bank rief meinen Namen und lud mich ein, vom Rad abzusteigen und eine kleine Pause einzulegen. Was ich auch machte. Auch ganz ohne Beat und Bässe wippten meine Beine im Rhythmus des Nervenzuckens. Der Blick von der Straße abgewandt. Die an mir Vorbeiziehenden bemerkte ich nicht. Kurzer Chat mit Sonja und die Nachricht, dass ich wohl etwas später nach Hause kommen werde.

Nach einer gefühlten Ewigkeit (es waren ganze 15 Minuten) ging es nicht wesentlich schneller wie bisher weiter. Bis zur Kraftquelle. Kaltes Wasser direkt vom Felsen und die nächste kurze Pause. Jetzt war ich nicht mehr der einzige, der leiden musste. Bekannte Geischter taten es mir gleich. Willi von Mountainbiker am See zum Beispiel oder Bernd, den ich nur aus diesem Gesichtsbuch kenne. Sogar Zeit zum Plaudern blieb. Mit der Erkenntnis, dass die Welt klein ist. Auch hier oben. Denn Bernds Frau besucht einen Kurs bei mir im Wifi Eisenstadt.

Wie schlecht ich unterwegs war, zeigte auch der Umstand, dass ich sogar im Flachstück vor der Labe Schönau überholt wurde. So ändern sich die Zeiten. Mit Schönau machte ich kurzen Prozess. Hier halte ich schon lange nicht mehr an. Andere schon. Einige davon standen mir deshalb im Weg, weil sie das Rad rechts abgestellt hatten und gedankenlos meine Fahrtrichtung querten. Zum Glück war meine Stimme noch kräftig genug, um mit einem astreinen “Vaffanculo” mit süditalienischem Akzent meinen ganzen Frust abzubauen.

Um Timmels Willen. Wie lange noch?

Zwöfl Kilometer bis zu Passhöhe. Wie sehr ein stinknormales Schild am Straßenrad verletzend sein kann. Noch vier Kilometer bis zur letzten Labe. Meine Rettung. Ich habe Hunger. Mir ist schlecht. Ich friere und schwitze zugleich. Das System rebelliert. Ein Tritt jagt den anderen. Trittfrequenz bei ca. 60 U/min. Maximal. Und das bei 34/29. Wie lange noch?

Ötztaler Radmarathon

Um Timmels Willen

Die letzte Labe ist diesmal auch ein Reinfall. Warme Pepsi Cola und warmes Red Bull. Danke. Nein. Ein paar Trockenfrüchte gehen runter. Mehr nicht. Die heiß ersehnten Nüsse fehlen. Wie gesagt. Die Labstationen haben an Charme verloren. Wer braucht trockene Cornys oder Kokosflocken? Ich nicht. Also weiter. Ein E-MTB überholt mich locker. Danke. Das hat auch noch sein müssen. Jetzt bestraft mich mein Charma. Mir hängt längst schon die Zunge heraus. Irgendwie bin ich dann doch oben. Jetzt habe ich den Traum eines anderen. Meiner hätte ganz anders ausgesehen. Nur mehr hinunter nach Söden.

Nach der Abzweigung Obergurgl beginnt es zu regnen. Ich drücke trotzdem nochmals drauf. All in. Das bin ich mir schuldig. Ich brauche einen positiven Abschluss. Scheiß auf Muskelzucken. Nass, ausgelaugt und enttäuscht überquere ich die Ziellinie. Ich habe es verkackt. Als der Zorn nachlässt wird mir schlecht. Richtig schlecht. Der Galgenhumor in der Werkstatt im Zielgelände dauert nicht lange an. Ich muss ins Hotel. Schüttelfrost. Ich trau mich nicht unter die Dusche. Womöglich ertrinke ich dort. Es vergehen Stunden im Bett unter der Decke. Ungeduscht. Es melden sich Darm und Magen. Sie Klopfen an. Wollen was losweden. Dann greife ich zur Hausapotheke. Ein Mittel gegen Druchfall, soll meinen Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung bringen. Es schmeckt wie Salzwasser. Ist es auch. Ein kurzes Bad und dann bin ich zu 20% wiederhergestellt.

Ende gut, nichts gut.

Heute, fünf Tage später habe ich noch immer keinen geregelten Stuhlgang. Auch zwicken die Beine immer noch. Die linke Wade und die linke Gesäßmuslulatur melden sich ab und wann. Vom Radfahren hält mich das nicht ab. In 10 Tagen muss ich zum Eddy Merckx Classic Radmarathon. Da darf ich dann wieder viele Fehler machen.

ktrchts

PS: Ich habe vor dem Ötztaler Radmarathon meinen Sattel zerlegt und gereinigt. Möglicherweise habe ich ihn nicht auf den Millimeter genau wieder eingestellt. Und ich habe mir vor dem Ötztaler Radmarathon auch neue Garmin Cleats montiert. Möglicherweise habe ich diese auch nicht wieder millimetergenau angeschraubt. Und ich habe während des Ötztaler Radmarathons zu wenig auf meinen Natirum- und Salzhaushalt geachtet. Trotz Last-Minute-Tipps. Das sind jetzt keine Ausreden. Nur Vermutungen. Möglicherweise aber Ursachen. Eine letzte Vermtung darf ich nicht äußern. Ich würde wieder Single sein.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu alt für diesen Scheiß.

Last Minute Tipps zum Ötztaler Radmarathon

Last Minute Tipps

Rennwochenende. Noch ein paar Mal schlafen und der Wecker wird uns kommenden Sonntag zeitig in der Früh wecken. Es ist endlich Ötztaler Radmarathon Zeit. Für viele unter uns der Höhepunkt der Saison. Für die einen schon wieder, für andere zum allerersten Mal. Der Ötztaler Radmarathon ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Da brauchen wir nicht lange herumreden. Organisation, Flair, Zuschauer, Strecke und das Wetter. Alles eigen. Die vielen Fragen in den diversen Facebook Gruppen und Foren zeigen, dass Frau und Mann sich schon sehr damit beschäftigen und der Tag X kein Tag wie jeder andere ist. Darum hier noch ein paar Last Minute Tipps, um die kommenden Nächte mehr als nur ein Auge zudrücken zu können.

Last Minute Tipps für den Ötztaler Radmarathon

Vom Training selber, die Anreise nach Sölden, die Tage zuvor, das Rennen im Detail, die Verpflegung rundherum, die Bekleidung, die Übersetzung, die Rennstrategie. Jedes dieser Themen würde einen eigenen Schwerpunkt verdienen. Aber in der letzten Woche vor dem Rennen ist es wohl zu spät damit. So wie es zu spät ist, jetzt noch für den Ötztaler zu trainieren.

Zügeln ist die Kunst des Wartens.

Klingt hart. Ist es auch. Wer es jetzt nicht drauf hat, wird wohl vergeblich nach der Form oder nach den fehlenden Watt suchen. Auch wenn wir Zweifel haben, genug getan zu haben. Das beste Ötztaler Training sind die 50 Wochen zuvor. Nicht die letzten 10 bis 14 Tage. Jetzt ist es viel wichtiger, den Körper die nötige Erholung zu geben. Und wenn ich das einmal behaupte, dann steckt viel Selbstkritik dahinter. Denn eine Regenerationswoche bzw. ein vernünftiges Tapering halte ich einfach nicht aus. Mein Motto ist “aus dem Training heraus”. Das geht gut. Selten – nein, eigentlich nie, ist das aber beim Ötztaler Radmarathon aufgegangen. Zügeln ist die Kunst des Wartens. Sich zurückhalten. Kurze und doch intensive Einheiten, halten den Körper auf Spannung und reizen die Muskeln. Es geht darum, Spritzigkeit zu gewinnen und das Verlangen nach Berge zu erhöhen.

Last Minute Tipps.

Allein in Gedanken.

Wer zuletzt kommt, hat kaum zu lachen.

Die Anreise nach Sölden ist und war für mich immer nur Stress. Entweder Freitag oder sogar erst Samstags bin ich recht gechillt von zu Hause weggefahren. Je näher Sölden kam, desto größer wurde das Kribbeln in mir. Habe ich dann noch beim Reinfahren ins Ötztal Rennradfahrer gesehen, war es aus mit dem gechillt sein. Ich muss auch. Ich will auch. Rennrad fahren! Die sind sonst besser. Davor aber noch das gebuchte Hotel suchen. Parkplatz finden. Einchecken. Rennrad zusammenbauen. Startunterlagen holen. Was? Die fahren alle mit Ärmlinge und Überschuhe! Ich habe keine Überschuhe mit. Wo ist das nächste Sportgeschäft. Und meine Gels brauche ich auch noch. Wo bitte kann ich hier in Sölden Enervit Gels kaufen?

Wer zuletzt kommt, hat kaum zu lachen. Mein Tipp: In Ruhe und rechtzeitig anreisen. Heuer insbesondere. Es gibt wegen des Pro Ötztaler 5500 einige Straßensperren am Freitag.

Last Minute Tipps

Die Traumseite des Timmelsjochs.

Rush Hour in der Ötztal Arena.

Wer Zeit hat und ungestresst angereist ist, genießt die Tage vor dem Ötztaler Radmarathon bei diversen offiziellen und inoffiziellen Rahmenveranstaltungen. Samstag zum Beispiel trifft man das halbe Teilnehmerfeld am Rennrad bummelnd hinein/ nach Vent oder von dort wieder retour. Locker, plaudernd und voller Träume. Mich trifft man am Freitag Vormittag am Weg zum Timmelsjoch und am Nachmittag im Ice Q am Gaislachkogel. Für Besuche in den diversen von der Sonne geküssten Kaffeehäusern im Ort selber, empfehle ich Platzreservierungen. Handtücher dafür gibt es im Hotel (Achtung: Satire!). Zum Abholen der Startnummer vermeidet die Stoßzeiten. Das ist vor allem am Samstag Nachmittag. Da geht es oft zu wie zur besten Rush-Hour in der Großstadt. Eine weitere Empfehlung ist das Aqua Dome in Längenfeld. Fahrerbesprechung, die Expo und ein Kaiserschmarrn ein weiteres Muss.

Nutzt auch diese “freie” Zeit, um euer Material zu checken. Freitag und Samstag ist noch genügend Zeit für einen neuen Schlauch, einen neuen Mantel, eine neue Kette, ein sauberes Lenkerband, Umwerfer, Schaltwerk, Bremshebel, Sattelstütze, eine stabile Trinkflasche, Überschuhe, Ärmlinge, Beinlinge. Zum Beispiel in der Sporthütte Fiegl. Für den Fall, dass ihr letztere vergessen habt. Ich nehme sicherheitshalber ein paar mehr mit.

Last Minute Tipps

Beinahe Kältetod.

Das Rennen: Einzelzeitfahren mit Massenstart.

Der Ötztaler Radmarathon ist schnell erklärt. Ein Einzelzeitfahren mit Massenstart. Spätestens ab dem Jaufenpass ist jeder auf sich allein gestellt und fährt sein Rennen. Wer noch genug Kraftreserven hat ein schnelles, die anderen ein etwas längeres. Es bringt also nichts nach Ötz hinaus die Sau rauszulassen. Man gefährdet das eigene und das Rennen der anderen. Das gilt auch für die Abfahrt vom Kühtai. Und hinauf aufs Kühtai hat noch niemand den Ötztaler Radmarathon gewonnen. Nicht einmal Paul Lindner in seinen besten Zeiten. Mit den Kräften haushalten. Den eigenen Rhythmus fahren und nicht den, des Überholenden. Ich kann ein Lied davon singen. In Ötz, Kühtai, Innsbruck und am Brenner jedes mal deutlich unter Plan. Am Jaufen knapp noch im Plan und am Timmelsjoch elendig gestorben. Bis dahin hatte ich aber meinen Spass. Jedes Mal.

Last Minute Tipps

2015 – der wärmste Ötztaler Radmarathon

Iss oder stirb.

Das anstrengendste beim Ötztaler Radmarathon ist das Essen. Vor dem Rennen und im Rennen selber. Der Kaiserschmarrn bei der Pasta Party ist zu verlockend. Die verschiedenen Nudelgerichte auch. Und auf einen Teller passt so viel drauf. Dann noch die guten Mehlspeisen. Hier gilt es: Hände weg von Experimenten. Auch unterwegs. Esset und trinket. Aber nur, was ihr kennt und wo ihr sicher seid, es auch zu vertragen. Das gilt für die feste und auch für die flüssige Nahrung. Wer zuviel isst, der verschenkt auch Energie. Denn der Körper muss das alles ja auch verdauen. Ich zwinge mich beim Ötztaler regelmäßig zu essen. In den Abfahrten. Mannerschnitten mag ich am liebsten. Und Nüsse. Jede 1 1/2 Stunden fülle ich meine Speicher neu. Auch mit Gel. Enervitene, welche ich noch vor Ort besorgen muss. Je flüssiger, desto besser. Das schont den Magen und wirft meinen Fettstoffwechsel nicht in schiefe Bahnen. Last Minute Tipp: Salztabletten mitnehmen. Helfen viel mehr als jeder Iso-Drink.

Last Minute Tipps

Gute Laune nach getaner Arbeit.

Kleider machen Leute. Und Gewicht.

Last Minute Tipps rund um die richtige Kleidung sind die heikelsten. Kälteempfindung ist eine subjektive Angelegenheit. Meine Devise lautet, lieber zu warm, als zu kalt. Was aber nicht heißt, dass ich mich jetzt für eine mehrtägige Radexpedition einkleiden werde. Am Vortag studiere ich das Wetter samt Regenradar und dann wird entschieden. Das vom Veranstalter angebotene Hinterlegungs-Servcie macht ja alles noch viel einfacher. In vier verschiedenen Beuteln kann man an vier verschiedenen Versorgungsstellen Kleidungsstücke und Verpflegung hinterlegen. Wenn es nicht regnen sollte, reichen mir Ärmlinge und eine Windweste für die Abfahrten. Für heuer schaut es einmal ganz gut aus. Ein Tipp noch: Falls ihr doch auf Expedition gehen wollt, dann entledigt euch eurer Kleider nicht gleich im Kreisverkehr von Ötz. Da ist so schon Stau genug, weil viele mit dem schwersten Gang in den Berg fahren.

Last Minute Tipps

Wie warm wird es 2017?

Es gibt nur ein Ziel: Die Gesundheit.

Natürlich ist es jedem selbst zu überlassen, wie schnell er den Ötztaler Radmarathon beenden will. Und kann. Zeiten sind ja da, um ab und wann unterboten zu werden. Das will ich auch. Ohne aber dabei zu vergessen, dass das primäre Ziel die eigene Gesundheit sein muss. Es zahlt sich also nicht aus, für ein paar Minuten ein zu hohes Risiko einzugehen. Der Ötztaler Radmarathon fordert nicht nur die Beine, sondern auch das eigene Vermögen zu denken und zu reagieren. Bei Fortschreiten des Rennen sinkt auch die Konzentrationsfähigkeit. Passt einfach auf euch und die anderen ein klein wenig besser auf.

Schlau sein heißt übersetzt, hohe Gänge.

Wenn Zügeln die Kunst des Wartens ist, dann ist eine hohe Trittfrequenz die Kunst, im entscheidenden Moment zuzuschlagen. Idealerweise von St. Leonhard hinauf auf das Timmelsjoch. Hier schnell kurbelnd hochzukommen, das wär’s. Und das ist es. Genau hier herauf ist noch so viel drinnen. Wenn es die Kehren hinauf zum rettenden Tunnel geschmeidig läuft, dann ist das gut für die Psyche. Und gut für die angestrebte Endzeit. Das Timmelsjoch ist mehr Kopfsache. Glaubt es mir. Die Blicke jener, die erstmals oder wieder in der Schönau die letzten 11 Timmelsjoch-Kilometer in Gestalt einer sich aufstellenden Felswand sehen, sprechen Bände. Ich kann nur meinen Tipp wiederholen: Wer am Anfang etwas bremst, gibt am Ende mehr Gas.

Kette rechts und gute Beine allen Startern.

Zum Schluss noch ein letzter Tipp. Hört in euch hinein. Lasst euch von den vielen Tipps und Last Minute Tipps rundherum nicht verunsichern. Die Leute reden viel, wenn der Tag lang ist. Ihr habt euch so gut wie möglich auf diesen Tag vorbereitet. Ihr kennt euren Körper am besten und könnt jedes Signal auch richtig deuten. Genießt den Tag und freut euch auf alles was kommt. Es ist so oder so ein Geschenk. Ich bin mir sicher, das wird euer Tag.

ktrchts