quaeldich.de Schweiz Rundfahrt. Tag 5.

Fliegender Start. Wenn wir so wollen können wir die heutige Etappe so bezeichnen. Eigentlich eine Etappe, welche tendenziell nur nach unten geht. Liegt der Start auf 2.760m und das Ziel auf 516m. Wenn nicht zwei Berge dazwischen liegen würden. Einmal der Ofenpass (2.138m) und dann der Flüelapass (2.383m). Also doch gut 2.000 HM. Schon wieder. Die Schweiz und ihre Berge. Obwohl heute verlassen wir diese. Die hohen zumindest. Wie rollen in das Alpenvorland.

Zurück zum Start. Wir teilen uns das Hotel am Stilfser Joch mit vielen Skifahrern. Draußen ist es leider noch nebelig. Und sehr kalt. Die Seilbahn auf das Sommer Skigebiet hat bereits Besucher. Ab 0700 Uhr stehen die hier Schlange. Ich weiß das, weil ich um diese Zeit unterwegs war. In der Hoffnung einen Sonnenaufgang zu erleben. Was bin ich doch für ein Optimist.

Jede Menge Japaner oder Chinesen, das Skiteam von Lichtenstein und ein paar Tiroler. Sie wollen hoch. Wir wollen runter. Eingepackt wie wenn wir doch nach oben wollen würden. Fast jedes Kleidungstück, welches gegen Kälte, Wind und Nässe schützt fand den Weg an den Körper aller Teilnehmer. Wir waren vorgewarnt. Wir haben vorgebeugt. Wir haben übertrieben. Es war nicht so kalt. Zumindest mit dem was wir anhatten. Und es war trocken. Zur Überraschung aller. Die Abfahrt vom Stilfser Joch hinunter nach Sta Maria also ein Genuss. Zuerst die paar Kehren hinunter, dann kurz hinauf auf den Umbrail und zu guter Letzt die bestens ausgebaute kehrenschwindelige Straße hinunter nach Sta Maria.

In Sta Maria nutzten wir die Möglichkeit uns von den überflüssigen Sachen zu entledigen. „Besen Sille“ wartete mit ihrem Klein LKW auf uns Abfahrer. Nach der Gewichtsreduktion eilten alle flott und guten Mutes auf den Ofenpass. Eine nette kleine Erhebung auf den Weg nach Zernez. Bestückt mit bösen Rampen und traumhaften sich hinaufwindenden Kehren. Jetzt kam Tag fünf erst so richtig in Fahrt. Wir auch. Der eine mehr, der andere weniger. Ich weniger.

Das fiese an den Schweizer Bergen ist die Tatsache, dass sie nie enden, dort wo man es vermutet. So auch der Ofenpass. Man ist zwar oben, aber der Weg nach unten geht nicht nur nach unten. So war nach uns einer rasanten Abfahrt eine kleine Asphaltblase im Weg.

Verpflegung. Etwas früher als geplant. Doch gerade richtig. Kurz vor dem Anstieg auf den Flüelapass. 13 km und über 1.000 HM. Es war hier unten ziemlich sommerlich. Die Prognosen für oben weniger. Herbstlich. Ich schleppte deswegen Ärmlinge, eine Veste und eine Windjacke mit. Keine Handschuhe und keine Knielinge. So wie viele andere. Der Flüelapass zieht sich. Zuerst steil mit imposanten Kehren. Dann gerade. Kilometerlang. Und er hat Stufen. Man glaubt bei jeder oben zu sein und wird ständig überrascht. Oben ist in der Schweiz nicht zwangsläufig oben. Das wissen wir jetzt und das nehme ich unter anderem aus dieser Rundfahrt mit.

Die letzten 3 – 4 Kilometer waren geprägt von einem bösen Gegenwind. Und Nieselregen. Logisch. Ein Tag ohne Regen wäre ja zu viel verlangt. Oh du Sommer 2014. Und sie waren geprägt von weiteren 2 landschaftlichen Stufen. Genau die. Jene, wo man glaubt oben zu sein und dann doch nicht oben ist. Aber dann …. oben! Ja oben. Links und rechts ein See, ein Kiosk und ein Gasthaus. Und der Wind. Immer noch. Und der Nieselregen. Also nix wie weg. Windjacke an und ab nach Davos.

Die Abfahrt echt ein Traum. Kein Auto. Eine Bergstraße Marke „Deluxe“ und jede Menge Höhenmeter bergab. Ich genieße sie und vergesse darauf zu frieren. Zumindest das frieren wahrzunehmen. Davos streifen wir nur und nehmen auf dem Weg zum Etappenzielort noch die Ortschaft Wolfgang mit dem Wolfgangpass mit.

Noch ca. 40 km bis in Ziel. Noch 40 km um nass zu werden. Was uns auch geglückt ist. Der lokalste Schauer, den ich je erlebt hat, erwischte uns. Endlich wieder nass. Der Schauer war kurz, aber er reichte aus um Rad, Socken und Trikot samt Hose zu beschmutzen.

Noch 30 km bis ins Ziel. Und wir verfranzten uns. Die Straße hier ist für Räder tabu. Der Radweg etwas chaotisch ausgeschildert. Wir fahren auf und ab, links und rechts, vorwärts und zürück. Und wir finden den Weg zum Etappenzielort. Mehr als eine Stunde früher als der virtuelle Garmin Partner. Ein Sieg für die Ewigkeit.

Fazit: Ich werde das Schweizer Hochgebirge vermissen. Dieses haben wir heute leider Verlassen. Ich muss wohl wieder kommen. Es gibt Pässe, die ich nicht gefahren bin. Sustenpass. Nuefenenpass …

Morgen Tag 6. Keine Ahnung wohin. Dafür 155 km und immer noch 2.300 HM.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

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