Vom Titanmann zum Ironman. Woche 5. Der Linz Marathon.

Nach dem Vienna City Marathon am 14.4. war der Linz Marathon am 21.4. mein zweiter 42,195er innerhalb einer Woche. Ein Selbstexperiment, das ich mir spontan zugetraut habe. Weil ich so spontan bin ;-). Nach meiner längeren Verletztungspause konnte ich ja überhaupt kein marathonspezifisches Training absolvieren. Und so habe ich nach einer neuen Heldentat gesucht. Über meine 2 1/2 Monate langen charakterbildenden Einheiten am Spinningrad und am Crosstrainer samt Gips habe ich mich ja schon ausgiebig gelobt.

Ich behaupte jetzt mal einfach, dass ich beide Marathons vor allem mental durchgedrückt habe. Wien war ja noch „einfach“. Aber für Linz konnte ich nur die Hölle erwarten. Zwischen Wien und Linz habe ich keinen einzigen Meter Lauftraining betrieben. Zu groß war die Blase am rechten kleinen Zeh. Dafür 2 km Schwimmen und knapp über 200 km mit dem Rennrad. Nicht regenerativ. Logisch.

Am Sonntag dann Anreise zum Marathon. Umziehen. Ca 4 km vom Start entfernt in meinem Büro. Ich laufe von dort dann locker Richtung Start. Um 9.00 hätte ich beim Trirun Fototermin dabei sein sollen. Auch um meine Startnummer in Empfang zu nehmen. 500 Meter vor dem Treffpunkt merke ich, dass ich den Chip im Büro vergessen habe. Kurz habe ich überlegt, ohne zu laufen. Nur kurz. Also zürück. Insgesamt sagen wir 6 – 8 Kilometer in GA 1 – 2. Und ich spürte sofort die Wade links. Uuuups. Mit dem Chip am Fußgelenk und einer verhärteten Wade treffe ich dann durch Zufall Martin F. Dieser gibt mir meine Startnummer. Last Minute. Und so ging es dann um 9.30 los.

Mein Plan war zu überleben. Unter 4 Stunden. Ein Schnitt von 5:40 war so meine theoretische Pace. Den ersten Kilometer in 5:15. Mein Kollege Martin neben mir. Er will nur den HM rennen. Ich bremse mich ein. Es sind ja noch 42 km. Ich habe das Gefühl zu stehen. Doch mein Garmin Forerunner 910xt zeigt mit ständig eine km Zeit von ca. 5:20 an. Ich check das nicht. Nochmals bremsen. Richtig bremsen. Dann ein km in 5:30. Ok. Einer in 5:40. Die nächsten dann wieder in 5:20+.

Die Wade vom ersten Kilometer weg eine schmerzhafte Angelegenheit. Die leidernochnichtgeheilte rechte kleine Zehe auch nicht. Trotz kiloweiser Betaisodona Wund Gel und Tapering. Ich freue mich riesig auf die noch bevorstehenden Kilometer. WTF!

Es geht so dahin. Km für km. Zwischen massenhaft anwesender roter HM Nummern. Und gelber Staffelnummern. Wo sind die Marathonis? Km 10 in 55 Minuten. Der fade Teil der Strecke vor mir. Die lange Franckstraße und die Heizhausstraße. Und dann das Zick-Zack in der City. Mit dem Gedanken im Kopf in 21 km muss ich hier wieder vorbei.

Den Halbmarathon beende ich in ca. 1:55. Ich denke mir, dass ich mir jetzt sogar einen 6er Schnitt/km leisten könnte. Bleibe aber drauf. Es ging ja. Und wie gesagt. Vor allem im Kopf. Bei km 24 auf der Unionstraße Richtung Wendepunkt dann eine Wende ;-). Ich sehe wer alles vor mir ist und ich entschließe mich, diese Vereinskollegen zu jagen (Heinrich P. und Kurt R). Die Pace jetzt um die 5:20. Und das bei km 28+. Im Wasserwald dann leichte Zweifel. Doch ISO, Cola, Bananen und das letzte Powergel geben nochmals Schub. Ich bin dann sogar bei 5:15/km. Teilweise sogar unter 5:10. Immer am drücken. Überhole, was es noch zu überholen gibt. Allein auf weiter Flur.

Bei km 38 begegne ich den TriathlonDog und GUracell. Sie sind den HM gelaufen. Als Pacemaker. Ich nehme sie aber kaum wahr. Die Vereinskollegen hatte ich schon eingeholt und überholt. Ich spüre eigentlich meine Beine nicht mehr. Wade und Oberschenkel brennen, als wäre sie seit Stunden auf einem Webergrill. Bei jedem Tritt meldet sich die Zehe. Und nochmals das Zick-Zack in Linz. Runter zur Donaulände. Rauf wieder Richtung Bahnhof. Dann Abzweigung und die Landstraße. Das zweite Mal Kopfsteinplaster. Welch geniale Idee des Veranstalters. Das war eine Folter. Eigentlich müsste man das bei der Menschenrechtskonvention melden.

Ich höre eigentlich nichts mehr. Sehe nur noch Gesichter. Kann die letzten km gar nicht auskosten. Ich will die Ziellinie. Und ich will dann stehen bleiben. Der Hauptplatz nähert sich. Schluss. Aus. Bei Überquerung der Ziellinie stoppe ich meinen Garmin bei 3:50! Bist du deppert. Negativ Split. Die Medallie nehme ich in die Hand. Ich kann mein Haupt gar nicht mehr senken. Alles tut weh. Ein Isostar Orange in 0,5 Sekunden leer getrunken. Ich wanke Richtung Versorgung am Pfarrplatz. Doch ich falle nicht. Kurz überkommt mir das Bedürfnis zu weinen. Ich will was essen. Doch es gibt nur Bananen und trockenes Schwarzbrot. Bähhhh! Ich verlasse den Zielraum. Richtung Büro. Weitere 3 km. So langsam wie noch nie. Umziehen und dann in den Zug. Heim.

2 x 42,195 in 7 Tagen. Ja. Es ist machbar. In einer halbwegs vernünftigen Zeit. Ich habe meinen neuen Rekord gebrochen. Vor Jahren waren es 2 x 42,195 innerhalb Wochen (4:12 und 4:11 in Berlin und Graz) und 3 x 42,195 innerhalb von 9 Wochen (Florenz mit 4:12)

Fazit: Will der Kopf, dann müssen auch die Beine. Und vielleicht wäre noch mehr drinnen gewesen.

Nächster Wettkampf: Neusiedlersee Marathon am 28.4. (vielleicht) und Linz Triathlon am 11.5.

Stay tuned. Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

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