Austria Giro 2016 – von Bregenz nach Wien. Tag 2.

Austrai Giro - TimmelsjochÜber das Timmelsjoch

Tag 2. Gestern die längste Etappe. Heute jene, mit den meisten Höhenmetern. Es waren 3.600. Über das Timmelsjoch und den Jaufenpass, durch das Eisacktal und dann das Pustertal. Von Sölden nach Sillian. 190 km. 8h14min Fahrzeit. Insgesamt 8h44min unterwegs.

Ab Sölden gleich bergauf. 1.250 Höhenmeter auf den ersten 25 km. Bis zum Jaufenpass bei km 72 dann gleich 2.600 Höhenmeter. Das nennt sich Einstand nach Maß. Moderat aus diesem Grund auch das Tempo. Obwohl von Sölden auf das Timmelsjoch habe ich heute meine persönliche Bestzeit unterboten. Um ganze 7 Sekunden. Das Wetter war heute nahezu perfekt. Typische Ötztal Frische am Morgen und Eis am Timmelsjoch. Aber dann weiter nach Süden Sonnenbrandgefahr.

Mit dem nötigen Respekt bin ich das Ganze angegangen. Die Gefahr war groß, das Frühstück schnell wieder loszuwerden. Heute erneut mit Knielingen und Ärmlingen. Dafür mit Windweste. Eine gute Entscheidung. Auch die Uhrzeit war gut gewählt. Kaum Verkehr auf der Mautstraße hinauf auf 2.500m Seehöhe. Ein paar Motorräder und ein paar Münchner. Sonst nur ich. Und die Kühe. Das Panorama atemberaubend. Ein dunkelblauer Himmel als Hintergrund einer trostlosen Felslandschaft.

Halbwegs schnell war ich oben. Die Abfahrt nach St. Leonhard für mich eine Premiere. Noch nie bin ich diese Strecke runtergefahren. Eine verdammt lange Abfahrt. Kaum zu glauben, dass ich beim Ötztaler Radmarathon Ende Augsut schon wieder da rauf muss. Eine verdammt lange Auffahrt. Es herrschte auf der engen Straße Hochbetrieb. Radfahrer, Autos und viele Motorräder, teilweise auf meiner Seite. Selten so oft und so lange bergab bremsen müssen. Und den Vogel gezeigt.

Unten angekommen suchte ich nach was Essbarem. Gefunden hat ich einen kleinen Kiosk. 0,5l Gatorade und ein Mars. Das Gatorade habe ich in die Trinkflasche gegeben. Das Mars habe ich dort vergessen. Als ich das bemerkt hatte, wollte ich nicht mehr umdrehen. 20 km Anstieg, 1.300 Höhenmeter ohne fester Nahrung. Ich war schon 2h15 unterwegs.

Nach knapp mehr als vier Stunden erreiche ich die Passhöhe. Gut dosiert. Ich überfalle den Kiosk links und schnappe mit eine Ritter Schokolade Schoko Keks. So schnell konnte ich nicht schauen, war sie schon weg. Verputzt. Dann in die Abfahrt. Bis Kalch lasse ich es krachen. Noch sind es 110 km bis nach Sillian.

In Sterzing entscheide ich mich für den Radweg nach Franzensfeste. Es weht Rückenwind. Ein Vorteil für mich. Der Nachteil ist der Radweg. Der führt auf und ab, von links nach rechts, vorwärts und wieder retour. Über kleine Umwege erreiche ich Franzensfeste. Nach der Festung biege ich links ab ins Pustertal. Vorbei an Aicha und Schabs. Alles Ortschaften, die ich von meiner Kindheit kenne. Habe ich doch hier überall das Tor gehütet. In der A-Jugend und in der Amateurmannschaft.

Kurz vor Mühlbach plagt mich der Hunger. Ich halte bei Lanz. Früher war das eine Holzhütte. Äpfel wurden verkauft. Heute ist es eine riesen Rasstation. Ich hätte gerne ein belegtes Brot. € 8,40 will der Wirt. Ich gehe wieder. Mein Budget von € 10,- reicht nicht aus. Ich fahre weiter Richtung Vintl. Dort kehre ich in einer Tankstelle ein. Zwei Marmelade Crossaints und 1l Eisteee für € 6,-. Es schmeckt. Weiter gehts. Noch 50 km bis Innichen. 64 bis ins Ziel. Seit dem Jaufenpass bin ich mit einem Schnitt von über 30 km/h unterwegs.

Bis Bruneck benutze ich die Staatsstraße. Kaum wieder zu erkennen. Fast nur mehr Umfahrungen. Am Horizont taucht schon der Kronplatz auf. Bruneck ist nicht mehr weit. Ich fahre durch die Stadt und über Umwege hinauf nach Percha. Dann weiter auf der Straße nach Olang. Hier nehme ich wieder den Radweg. Die Rennschnecke hat sich angekündigt. Sie will mir entgegenkommen. Am Radweg. Wieder geht es auf und ab, kreuz und quer. Vorwärts und Rückwärts. Keine Ahnung wer diesen Radweg geplant hat.

Beim Stausee in Olang endet der geteerte Teil des Radweges. Ich fahre knapp 7 km auf Schotter. Vollgas. Der Rennschnecke wegen. Dann passiert es. Das rechte Schaltseil reist. Vermute ich. Ich kann leider nicht mehr schalten. Das kleinste Ritzel ist aufgelegt. Ich habe nur mehr 2 Gänge. 50/11 oder 34/11. Die Rennschnecke hat inzwischen umgedreht.

Ich kämpfe mich mit einer Umdrehung von unter 40 über die Hügel des Pustertals bis Innichen. Dann nehme ich wieder die Staatsstraße. Bei starkem Gegenwind geht es nach Sillian. Mit zwei Gängen. Lustig wars nicht immer.

Morgen steht der Großglockner am Plan. Zuerst aber muss das Schaltseil ausgetauscht werden. Hoffentlich ist es nur das. Entweder gehts zum Zweirad-Center Bodner in Sillian oder mit Kette rechts zu ProBike Lienz. Wäre gelacht, wenn nicht einer von beiden ein Campagnolo Schaltseil hat.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#austriagiro16 #ketterechts

PS: durch die Radwegorgie hatte ich 190 kam statt 184 km am Garmin stehen.

 

1 Kommentare

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