bike4dreams 2012 – 3/3

Sicher der spannendste und anstrengendste Teil der gesamten Fahrt. Schon bei der Besprechung am Tag zuvor wurde uns nochmals Perchau am Sattel als psychologische Hürde beschrieben. Oben angekommen, hätte man die Höhenmeter geschafft (außer ein paar noch bevorstehende Hügel) und man könne sich schon im Ziel sehen. Trotz der 70 noch zu radelnden Kilometern. Gute 30 davon leicht bergab. Doch noch waren wir nicht oben.

Kurz nach Scheifling das besprochene Prozedere. Der Schlusswagen fuhr nach vorne und die Bergziegen (sorry, Bergfahrer, Bergkletterer, Untergewichtige … und ich) reihten sich schön brav dahinter ein. Es waren nur mehr wenige. Der Rest wollte schon gar nicht mehr am Laktatgemetzel teilnehmen. Es dauerte nicht lange und die Strecke wurde vom Schlusswagen (der jetzt Führumgsfahrzeuge war) mit Hupsignalen freigegeben. Ganze 10 Sekunden lang war ich vorne. Dann überholten mich die zwei üblichen Verdächtigen. Ich versuchte gar nicht dran zu bleiben. Spekulierte aber mit einem „Stockerlplatz“. Ganz vorne zwei Mann auf und davon. Namen nenne ich an dieser Stelle keine. Datenschutz! Dann zwei Verfolger und dann ich samt meinem bis nach oben bleibenden Mitstreiter. Die Steigung nach Perchau am Sattel ist nicht steil aber schon ein paar km lang und es schmiert immer schön brav nach oben. An die 8 % Steigung mit flacheren Stücken. Normalerweise kein Problem. Aber nach 220 km kann da schon die Milchsäure in den Muskeln etwas die Spritzigkeit hemmen.

Die 2 Mann vorne weg waren jetzt weit vorne weg. Dann die zwei Verfolger, von denen einer von mir eingeholt und überholt werden konnte. An meinem Hinterrrad – eh schon wissen. Platz 4. Leider war es an dieser Stelle nicht mehr möglich den Dritten einzuholen, auch wenn er stets in Reichweite blieb. Aber ein Loch von ein ein paar 100 Metern bergauf zu schließen, würde sehr viel Kraft kosten. Die neue Strategie lautete den 4. Platz zu holen. Ich sah nach wie vor das Vorderrad meines am Hinterrad klebenden Mitstreiters. Weiters nach hinten schaute ich nicht. Wozu. Ich konzentrierte mich nach vorne. Irgendwie hatte ich noch die Strecke im Kopf. Ich wusste, dass es oben eben werden sollte und dann sogar leicht bergab. Mein Mitstreiter (Name der Redaktion bekannt) kam jetzt nach vorne. Eine gute Taktik. Für mich. Ich blieb am Hinterrad. Schaltete dann langsam hoch und suchte den Augenblick anzugreifen. Was ich dann auch tat (ja, ich weiß bike4dreams ist kein Rennen, aber wenn von den Kapitänen eine Bergwertung angekündigt wird, dann hat man auch so zu fahren. Eben für eine Wertung). Mein Überraschungsangriff, mein höherer Gang und … (das lasse ich jetzt weg, denn alles was ich jetzt sage, könnte gegen mich verwendet werden) rissen sofort ein Loch auf. Der 4. Platz war in Sichtweite und dann auch in der Tasche.

Und wie es so ist (und das ist gut so, denn davon lebt jeder Sport) wurde oben dann diskutiert. Ob jetzt der falsche Gang bzw. die herausgefallene Kette meines Mitstreiters dafür verantwortlich war, meine gute Taktik oder meine guten Beine (genau das wollte ich oben schreiben) – das lässt sich wohl nie restlos aufklären.

Nach und nach kammen dann alle nach oben. Sichtlich froh und psychologisch gestärkt durch die Tipps vom Vortag. Jetzt hieß es nochmals stärken. Diesmal mit Kuchen. Fehlte nur noch der Kaffee. Dann wäre es perfekt gewesen. Vielleicht geht sich der nächstes Jahr aus.

Die Abfahrt Richtung Neumarkt und Richtung Friesach fuhren wir dann in zwei Gruppen und neutralisiert. Die Angst durch den schlechten Asphalt in den engen Schluchten etwas zu riskieren war an dieser Stelle die Mutter der Carbonkiste. In Friesach meldete dann Radio Tour wieder den Zusammenschluss des Feldes. Auch dank eines Bremsmanövers des need4speed Präsidenten, welcher 4 Ausreißer stellte. Mit harten Worten. Ich war unter den 4 Ausreißern. Sorry. Notzi am Rande: Der Kärnten Spirnt holte ich mir souverän. Zwar keine offizielle Wertung, aber was tut man nicht alles für eine Staatsbürgerschaft.

Gemeinsam ging es dann Richtung Hirt und dann weg von der S10/Klagenfurter Schnellstraße Richtung Pölling. Mit einem großen Spielverderber. Dem Gegenwind. Eigentlich seit Perchau am Sattel. Aber hier machte er sich schon mehr als unangenehm bemerkbar.

Da ich noch Reserven hatte und eigentlich austesten wollte, was noch drinnen sei, fuhr ich vor in den Wind und blieb dor. Lieber vorne verrecken, als hinten verhungern ;-). Neben mir wechselten sich die Beleiter ab. Die Anwärter auf den Zielsprint waren jedoch nicht mehr zu sehen. Ich hielt das Tempo halbwegs hoch. Selten viel die Geschwindigkeit unter die 30 km/h. Sehr schlechter Aspahlt unterhalb der Burg Hochosterwitz erschwerte die Fahrt. Kärnten baut. Nicht.

Als Maria Saal und Zollfeld passiert wurden, waren es nur noch wenig Kilometer. Und der Zielsprint? Keine Ahnung wo der war. Ich war immer noch vorne. Tempo nach wie vor hoch (für 290 km +). Hinter mir gespenstische Ruhe. Und dann als, es keiner es erwartete – in diesem Fall ich – wurde von hinten der Zielsprint angezogen. Natürlich wurde ich überrascht. Natürlich konnte ich nicht mitziehen. Natürlich war das taktisch falsch. Außer der Zielsprint wäre mir wurscht gewesen. Nicht ganz. Ich hätte schon ganz gerne mitgemacht. So wurde ich durchgereicht. That’s live.

Kurz vor Klagenfurt hieß es dann sammeln. Man sah allen die Freude im Gesicht. Die Fahrt hinein in die Stadt war für jeden mit Sicherheit ein persönlicher Triumpfzug. Bis zum Alten Platz, wo wir schon erwartet wurden. Mit standing ovations. Ich schätze an die 3.000 Zuschauer ;-). Es waren weit weniger, aber es fühlte sich so an. Freunde, Bekannte, Familie – alle standen sie da Spalier. Sogar ich wurde persönlich empfangen. Danke an dieser Stelle an Julius R und Sabine G.

305 km und an die 2.000 Höhenmeter. Mit interessanten, lieben und netten Menschen. Für einen guten Zweck. Eine nicht alltägliche sportliche Höchstleistung. Für den einen und anderen eine Premiere und etwas, worüber sicher noch lange gezehrt werden kann. Wenn man will schafft man vieles.

Danke an dieser Stelle nochmals an bike4dreams und need4speed. Für die perfekte Organisation. Für die tadellose, wenn nicht immer einfache Führung und für die herausragende Finisher Pasta samt Tiramisù am Abend.

Wenn Gott will und wenn speed4need will, bin ich nächtes Jahr wieder dabei.

Cristian Gemmato aka (c) ketterechts

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