Die wahren Triathloncharaktere.

Jetzt geht’s los. Die Zeit des Hin- und Hergeplänkels ist vorbei. Nächste Woche der Ironman Austria in Klagenfurt und eine Woche drauf der Ironman in Frankfurt. Und natürlich die Challenge Roth. Freunde, Vereinskollegen und Trainingspartner da und dort dabei. Ich auch.

Was wurde die letzten Monate nicht alles trainiert. Nach Plan oder spontan. Geheim oder sozial medial öffentlichwirksam. Motiviert oder frustiert. Beschwerdefrei oder verletzungsbedingt. Auf den Millimeter genau oder Daumen mal Pi. Zielgesetzt oder spassgetrieben. Ernstgenommen oder bauchgefühlt. Hawaiifokussiert oder sightseeing-emotionalisiert. PB-orientiert oder Durchkommengebremst. Fakt ist. Der Tag an dem das alles zurückkommen darf rückt näher.

So unterschiedlich die verschiedensten Vorbereitungen waren, so unterschiedlich sind die mentalen Zugänge zu so einem Rennen. Denn es gibt so viele unterschiedliche Triathloncharaktere.

Der Miefstapler: Dieser Typus nimmt sich selbst im Vorfeld des Rennens aus dem Rennen. Die gesamte Vorbereitung war scheiße und außerdem dies, das und noch dazu jenes. Sein Ziel: Ganz eindeutig die Erwartungshaltung rundherum maßgeblich zu senken. Meistens trainiert so einer ganz allein. Die Gefahr den eigenen Selbstwert nach einer gemeinsamen Trainingseinheit in den unendlichen Tiefen der eigenen Sportlerseele zu verlieren ist sehr groß.

Der Rookie(ng) 1: Seine Premiere auf der Ironmandistanz hat er akribisch vorbereitet. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Penibelst wurde der Trainingsplan eingehalten. Das Ergebnis: Sensationelle Vorbereitungsrennen mit persönlichen Bestleistungen am laufenden Band. Diese nicht um Sekunden, sondern um Minuten. Die Form aufsteigend und bereit zu Punktladung. Seine Debützeit auf der langen Distanz wird den einen oder anderen „alten und/oder rostigen Hasen“ dazu bewegen, zumindest einmal mehr laut über einen Sportartwechsel nachzudenken.

Der Rookie(ng) 2:Wie 1, nur mit dem Unterschied, dass dieser sein Debüt mit „Ich will nur durchkommen“ tiefer als jeder andere stapelt. Eine 3:14 beim Marathon, eine 4:47 auf der Halbdistanz stehen heuer schon auf seiner Ergebnisliste. Und immer noch spricht er von „Durchkommen.“ Zeiten, nimmt dieser Typ keine in den Mund. Sein Kollegen sehr wohl. Sub10 sind die Mindesterwartung. Das weiß er. Und genau das macht ihm Angst und Druck. Denn Durchkommen allein ist heute leider keine „Leistung“ mehr.

Der Scheißminix: Man erkennt diesen Typ von der Ferne, indem man ihn nicht erkennt. Und an seinem „normalen“ Radhelm. Kein typischer Triathlet. Möglicherweise kein typischer Sportler. Schwimmt ab und zu im See und Bad. Radelt zur Arbeit (dies aber 150 km täglich hin und zurück). Und läuft. Frühmorgens mit seinem Hund. Carbon, Aero Laufräder, Kompressionssocken, Wetsuits … mittlerweile keine Fremdwörter mehr für ihn. Sein Stahlrahmen Geschoss samt Cinelli Aufsätze benützt er nur mehr im Alltag. Dieser gar nicht so seltene Typ zeichnet sich durch eine unvorstellebare Bereitschaft aus, sich quälen zu wollen unn quälen zu können. Bis auf den letzten Millimeter. Du hast keine Chance. So einer überholt dich immer.

Der Unsichtbarde: Von ihm sieht hört man von Jänner bis Juli nichts. Auch im Rennen nicht. Aber spätestens im November dann, da bekommt man von ihm persönlich eine Postkarte aus Hawaii.

Der Überseeflieger: Zwei Wochen Hawaii hat er schon eingeplant. 500 $ bereits gewechselt. Er bleibt einen Tag länger vor Ort. Und wenn er sich qualifiziert hört er mit der Ironmandistanz auf. Das ist er seiner Familie schuldig. Er ist Paradeathlet und Wirtschaftsmotor in einer Person. Das Beste vom Besten. Das Teuerste vom Teuersten. Das Hightechste vom Hightechtsten. Was die physische Verfassung und die mentale Einstellung nicht kann, muss das Material herausholen. Eine einfache, wenn auch nicht ganz wissenschaftlich fundierte Schlussfolgerung.

Die Ketterechts: Durchschnittlicher Schwimmer und mäßiger Läufer. Dafür Rennradfahrer mit überdrüberdurchschnittlicher Leidenschaft. Und genau diese ist sein Ass im Ärmel. Damit macht er vieles wett. Allen voran 2 – 3 kg Übergewicht (im Vergleich zum Topathlet a.d.R.). Er fährt für’s Publikum und kann bei entsprechender Anfeuerung egal in welchem Abschnitt des Rennens immer noch zulegen. Seine Gegner sind die fehlenden Gegner. Allein ist er verloren. Im Rudel der Rudelsführer. Und der Antreiber.

 … Fortsetzung folgt

An dieser Stelle allen Hals und Beinbruch. Möge die Schönste gewinnen 😉
Cristian Gemmato aka @ketterechts

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