Eurobike 2012 – mein Rückblick.

Ja. Ich habe es wieder getan. Am 30. August 2012 war ich auf der Eurobike 2012 in Friedrichshafen. Anreise wie immer mit dem Auto. Viele Stunden. Zeitig in der Früh. Ich wollten dem Stau auf dem Weg zum Messegelände (ab der Autobahnausfahrt) entkommen. Ist mir fast gelungen. Die letzten 10 km waren stop and go. Am Gelände selber – schlau der Erfahrung des letzten Jahres – habe ich den Parkplatz 7 mit dem Gratis Shuttle Bus gewählt. Als einziger bis zu diesem Zeitpunkt. Mein Auto war das erste dort. Und das trotz eines Umweges samt U-Turn über die Sperrlinie.

8.30 Uhr fuhr mich der Bus zum Messeingang. Vorbei an stauenden Autos – Dank Schleichweg und Straßenpollergenehmigung. Der Check-In mittels Scancode verlief wie immer reibungslos. Stichwort Internetkarten. Gleich anschließend habe ich mich um einen Zugangscode für das kostenlose Wlan in dem Hallen gekümmert. Bekommen, eingegeben, geflucht. War wohl überlastet. Und das den ganzen Tag. Mein frommer Wunsch nach einer Live-Berichterstattung zuerplatz. Doch kein Plan A ohne Plan B. Ein Roaming Datenpaket von A1 musste her. 600 MB sollten für 1 Tag reichen. Und sie reichten. Denn auch der normale Handyempfang war unter jeder Sau. Plan C hatte ich keinen. Mit viel Geduld ist es mir aber doch da und dort gelungen wieder und immer seltener wieder ein paar Signalstärken zu ergattern und meine Impressionen in die Welt zu schicken.

Was ist in 8 Stunden und gefühlten 100 km Gehweg gesehen habe lässt sich mit keiner Portokasse bezahlen. High End Technologien wohin das Auge reicht. Carbon und Elektronik als Magneten. Vieles nicht wirklich neu, aber doch wieder eine Stufe verbessert. Von Seiten der vielen Hersteller kann die Devise deshalb nur gelautet haben „Sehen und gesehen werden“. 12 Hallen, ein Freigelände und eine Zeppelin Zusatzhalle. Bike – the big business.

Meine Eindrück im Detail:

  • Klotzen statt kleckern: Scott, Shimano und Cannondale die Krösuse unter den Herstellen. Die größte Ausstellungsfläche, die meisten Mitarbeiter und eine kaum fassbare Produktrange.
  • Assos gewinnt wieder einmal den Preis für die größte an den Tag gelegte Arroganz. Ein Zutritt zum Fort Knox Stand war nur mit persönlicher Einladung und bestätigtem Termin möglich.
  • Die Eurobike ist ein Paradies für Texter. Ein und die selbe Technologie (ok – es gibt schon ein paar Unterschiede) wird mit zig verschiedenen gut klingenden Namen und Lockrufen aangepreist.
  • Aero war bereits letztes Jahr Thema beim Rennrad (nicht TT). Der sichtbare Eindruck wird heuer noch weiter verstärkt. Cipollini (RB1000) und BMC (Timemashine TMR01) können eine Verschmelzung mit TT-Visionen nicht verbergern. 
  • Pinayellow. Kaum wer anderer schlachtete den Sieg bei der TdF so aus wie der Familienbetrieb aus Treviso. Und das ist gut so. BMC war da letztes Jahr quasi Anfänger.
  • Campagnolo lässt die Chorus verschwinden. Dafür bleiben Record und Super Record im Programm. Das soll eine Verstehen. Der Unterschied ist so minimal. Darunter rangiert jetzt die Athena. Mit EPS und 11fach.
  • Shimano und SRAM bleiben bei Alukurbeln und lassen das Carbonfeld dem Mitbewerbern. So ist eine Campagnolo Karbonkurbel nach wie vor die Schönheit unter den Kurbeln. 
  • Asiaten kommen mit Carbonkompetenz auf die Welt. Diesen Anschein hat man, wenn man durch die hinteren Winkeln der Hallen spaziert. Dort sind sie nämlich. Die Kleinanbieter. Auf maximal 2 x 2 Metern verpacken sie ihr Know How und vesprechen hohe Qualität zu niedrigen Preisen. Custimized versteht sich von selbst.
  • Chiropraktiker haben eine rosige Zukunft. Wenn es nach den Herstellern geht. Vorbauten als logische Verlängerung des Oberrohres sind keine Seltenheit mehr. Look 675 oder Canyon Speedmax CF sind mir freiem Auge als bandscheibenvorfallsverdächtig einzustufen.
  • Pink ist in. Aber nur wer den Giro fährt und dort mit seinem Material die „maglia rosa“ am Ende sein eigen nennen darf. Pinke Rotor Kurbel und ein pinkes Cervelo. Raten Sie mal wer das gefahren ist. 
  • Selten so wenig Gadgets mitbekommen als heuer. Ok, die Klassiker Lanyard und Gummibärchen sowie Industriemürbteigkekse gab es zuhauf. Doch dann wurde es eng. Sehr eng. Und sehr leer. Prospekte zähle ich da nicht dazu.
  • Was da einem als Hochsicherheitsschlösser angeboten wird (Firma Abus) reicht in Wirklichkeit nur, um Dieben ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ebensolches hatte ich am Keller. Weg ist es. Samt Fahrrad. 
  • Wlan und Handyempfang waren unter jeder Sau. Aber das habe ich ja schon erwähnt.
  • Coole und gut choreografierte Modeschau. Blieb im Kopf. 
  • Kopien. Diese gab es um ein paar Cent in 2 verschiedenen Ecken und in den vielen Hallen. Offen bleibt die Frage, wer von wem kopiert hat. Viele auf alle Fälle von Cervelo. 
  • E-Bikes gabe es in einer ganzen Halle. Ja. Nur E-Bikes. Gesehen habe ich diese nicht. Vielelicht in 50 Jahren – sollte ich ein E-Bike brauchen. 
  • Trends für 2013? Ovale Kettenbletter und Wattmessung. Und wenn Sie so wollen noch die Kettenstrebe am Umwerfer. Letzteres weil’s cool aussieht. Erstere weil sie anscheinend was bringen. Kann’s nicht sagen. Habe weder noch.

Nach der Messe ist vor der Messe. Wir sehen uns also 2013 wieder.

Cristian Gemmato aka @ketterechts.

PS: Sollten mich zusätzliche Erinnerungen heimsuchen. Ich werde es hier posten.

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