‚Mariä Himmelfahrtskommando“ 225 km, knapp 4.000 HM

Letzte Woche hatte ich das Glück bei einer echt genialen Tour dabei sein zu dürfen. Danke an dieser Stelle an Hannes W. für die „Ausschreibung.“ 225 km und knapp 4.000 Höhenmeter zeichneten diese Tour aus. Ich habe ihr den Namen „Mariä Himmelfahrtskommando“ gegeben. Passend zum Feiertag, an dem wir über die Julischen Alpen geritten sind. Ich kann die Tour nur wärmstens empfehlen.

Unser Start erfolgte in Klagenfurt. Über die Norduferstraße sind wir gemütlich bis Velden gerollt. Hier empfiehlt es sich „je früher desto besser“, denn sonst ist der Vekehr recht stark. Ab Velden haben wir die Variante über die Rosentaler Straße (L52), Selpritsch, sowie über die Rosegger Straße Richtung Rosegg gewählt. Dieser Streckenabschnitt bis Egg ist Teil der original Ironman Strecke mit dem berühmten „Türkei Anstieg“. Nicht vergessen in Rosegg rechts abzubiegen – Richtung Faaker See.

In Egg sind wir wieder rechts abgebogen und haben den Faaker See an der nordlichen Seite umfahren. Bis Finkenstein sind es dann nur mehr ein paar Kilometer. Bei Stobitzen haben wir dann über die Kärntner Straße die Abzweigung zum Wurzenpass, dem ersten der 3 „Berge“ erreicht.

Der Wurzenpass selber ist ein Pass, den man nicht freiwillig fahren würde. Zumindest ich nicht. 19% Steigung auf knapp 1 km und ein sehr schlechter Asphalt. Was beim „klettern“ nach oben weniger ins Gewicht fällt. Zuerst geht’s etwas gemäßigt hinauf, dann aber nach der 2. Kehre erhebt sich die Straße, als wäre es der Aufstieg in den Himmel. Hier war Kette links angesagt. Fast bei jedem Tritt lupfte ich das Vorderrad und dachte nach hinten zu fallen. Die Geschwindigkeit auf meinem Garmin. Ich darf es nicht laut sagen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir nach einer kleinen Abfahrt und einem weiteren Gegenanstieg die Passhöhe auf ca. 1100 Metern. Oben kann man schon ein wenig stolz sein – die Rampe und die vielen Motorradfahrer überlebt zu haben.

Die Abfahrt Richtung Slowenien (Podkoren) war dann aber wieder unter die Kategorie „yippieyeah“ eintzustufen. Kurz und intensiv. Bevor es zur Abzweigung kommt (links gehts nach Kranjska Gora, rechts nach Planica – Wintersportler wissen welche Orte hier gemeint sind) habe ich noch einen herrlichen Blick auf die Ski Weltcup Hänge von Kranjska Gora erhascht.

Kranjska Gora selber ist ein sehr kleines idyllisches Örtchen. Man könnte meinen, in den den Dolomiten zu sein. Leider hatten wir keine Zeit zu genießen, denn mit dem Bergbass Vršič wartete auf uns die nächste Bergprüfung. Gute 13 km und 800 Höhenmeter. Und das mit 25 Kopfstein gepflasterten Kehren! Ein Tipp: bevor es rauf geht – also gleich nach der Ortsausfahrt Kranjska Gora und dem passieren des Sees, gibt es links eine Wasserstelle. Die letzte auf den nächsten Stunden.

Ich bin schon viele Pässe gefahren, aber der Vršič ist schon was besonderes. Nicht steil (an die 8 bis maximal 10 %), aber mit dem Kopfsteinplaster recht interessant. Meine Carbon Laufräder waren nicht ganz glücklich mit meiner Entscheidung, sie mitzunehmen. Auf 1.611 Metern erreichten wir die Passhöhe. Vergessen habe ich leider die Namen der Bergspitzen, welche diese umzingeln.

Die Abfahrt Richtung Soca Tal ist dann nochmals eine Draufgabe. Weitere 25 Kehren. Diesemal aber zum Glück ohne Kopfsteinpflaster. Bremsen, beschleunigen, bremsen, beschleunigen … heilige Maria, war das anstrengend. Warum ich bloß immer ohne Radhandschuhe fahre. Selber Schuld.

Einmal unten ging es dann rasant (leicht abschüssig) Richtung Bovec. Der niedrigste Punkt, den wir von dern 1.611 Metern am Vršič erreicht haben war 480 m.ü.M. Inklusive einer weiteren Wasserpause. Temperaturen jetzt an die 30 Grad im Schatten. Mindestens.

Natürlich habe ich geglaubt, auf der Fahrt die eine oder andere Tankstelle zu finden um mich mit fester Nahrung einzudecken. Weit gefehlt. Eine derartige Einrichtung ist in dieser Gegend Mangelware. Ein Billa oder ein slowenisches Äquivalent auch. Ich hatte Hunger. Ganz einfach. Und die Gewissheit noch auf über 2.000 Meter kraxeln zu müssen. Keine gute Aussicht.

Irgendwann mussten wir dann Richtung Passo del Predil abbiegen. Wären wir weitergefahren hätten wir über Nova Gorica die Adria erreicht. Verlockend, aber nicht im Plan. Die Abzweigung selber kann man nicht verfehlen. Vor hier aus ging es bergauf. Zuerst dem Tal „Loq de Mangartom“ (oder wie auch immer) entlang bis zur Ortschaft Loq. Der fast letzte Teil der Zivilisation. Ein Örtchen mit 3 Häusern, einer Kirche und einem Brunnen (ja, der letzte Brunnen vor dem Austrocknen) folgte. Das ganze nach wie vor bergauf. Notiz am Rande: Hier findet ein Bergrennen statt. Von Log zum Mangert. 13 oder mehr Kilometer, gespickt mit 1.000 Höhenmetern. Viel Spass.

Die Gegend hier ist geschichtsträchtig. Denn in unmittelbarer Nähe der Passstraße (Passo del Predil) liegen drei ehemalige österreichische Festungwerke. Im ersten Weltkrieg diente ein Stollen unterm Pass zum Nachschub für die Isonzoschlacht.








Die letzten 2 km. Unendliche Weiten. Und Qualen. #Mangart

Nach dem letzten Örtchen (jenes mit dem Brunnen) ist es nicht mehr weit bis zum Passo Predil, den wir aber noch nicht angepeilt haben, denn 1 km davor ging es rechts rauf auf den Mangert. Unserem höchsten Punkt der Tour. Ich hatte immer noch Hunger. Aber auch Lust und Laune da hinauf zu fahren. Eh nur 12 km. Bergauf. Die Straße führt auf eine Höhe von 2.055 m.ü.M und ist damit die höchste Straße Sloweniens. Der Verlauf : eng, asphaltiert und bis zu 22% steil (nach dem Schild am Anfang zu deuten). 17 Kehren. 5 Tunnel. Unbeleuchtet. Auf der einen Seite stets der Berg. Auf der anderen der Abgrund. Ohne Leitschiene. Adrenalin pur. Und hinter jeder Kante lauerte die Gefahr. Auto? Motorrad? Oder ein Kollege am Rennrad?

Mein Hunger? Immer noch da. Schwindelgefühle inklusive. Schüttelfrost als Draufgabe. Mir war schlecht. Geschwindigkeit bergauf mittlerweile einstellig. Zick zack Kurs. Leer. Empty. Akku aus. Motivation am Tiefpunkt. Leck mich. Scheiß drauf. Einen km vor dem „Gipfel“ kehrte ich um. Mein Trikot nass. Vom Helm tropfte es. Nein es floss. Ohne Windbreaker (wer braucht den schon am 15. August, auch wenn es auf über 2.000 Meter geht?) und ohne Armlinge 11 km zurück. Kehre für Kehre. Tunnel für Tunnel (in diesem hatte ich das Gefühl on the rocks wieder rauszukommen). Kalkstein für Kalkstein. Ich habe in meinem Leben noch nie so oft und so viel am Rennrad gebremst. Materialschonend ist so eine Abfahrt nicht. Doch ich schaffte es bis zur Abzweigung. Dann noch 1 km hinauf auf den Pass. Rein in das erste und einzige Gasthaus. Mit 100 Gramm Milka ganze Nuss für € 1,50 war die Welt und der Energiehaushalt wieder halbwegs in Ordnung.

Am Predilpass sammelten sich dann auch alle zur Tour gehörenden Mitglieder. Alle? Nein, Carlos war vorausgefahren. Nach Tarvis. Zum Taxi. Gute und weise Entscheidung. Wir haben ihn dann wieder beim Pizza essen getroffen. In Zivil. Geduscht, rasiert und wohlauf. Der Rest nahm die Abfahrt hinunter zum Lago del Predil. Ein idyllischser See. Wo ich Surfer sah und staunte. Wir bogen dann rechts ab nach Tarvis (links geht es nach Sella Nevea – eine weitere wunderschöne Tourvariante über Chiusaforte, Pontebba und eben wieder Tarvis). Eine Hochgeschwindigkeitstrecke. Yippieyeah.

Tarivs. Pizza. Hunger stillen. 1,5 Liter Spezi. Und noch 70 km zurück nach Klagenfurt. Bei Gegenwind. Die Herausforderung: Mit 48 km/h Schnitt ins benachbarte Villach. Endstation für zwei Tourbegleiter. Haben wir nicht ganz geschafft. Aber vielleicht die 4 vorne angeschrieben.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Tour so beendet werden könnte, wie wir sie angefangen haben. Abzweigung Wurzenpass, Finkenstein, Egg, Rosegg, Süd- oder Nordufer Richtung Klagenfurt. Für alle, die noch ein paar Höhenmeter brauchen.

Wir sind im Zick-Zack Kurs durch Villach. Bis in den nörlichen Bereich. Also die Stadt von Süden nach Norden umfahren. Vorbei an mindestens 30 Villach Ortstafeln. Das hat auch die Ortstafelsprintwertung etwas durcheinander gebracht.

Von Villach dann über Wernberg, Velden über die Norduferstraße zurück nach Klagenfurt. Mit Vollgas. Catch the Moped inklusive. 1,5 Liter Spezi und eine Pizza Schinken haben genug Energie beigesteuert den Schnitt hier jenseits der 35 km/h hochzuhalten.

Nach 9h und 8min Fahrzeit war in Klagenfurt Endstation. Danke Hannes, Lorraine, Thomas, Carlos und Mister gepunktetes Trikot (Name der Redaktion nicht mehr bekannt – schäm). Nächstes Jahr wieder.

Cristian Gemmato aka @ketterechts.

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