Ötztaler Radmarathon 2014 – oder warum ich kein Finisher Trikot habe.

Heiß begehrt – nicht in meinem Kleiderkasten.

DNS. Die Antwort auf die Frage, warum ich kein Ötztaler Radmarathon 2014 Finisher Trikot habe ist ein DNS. Mein aller erstes DNS bei einem Rennen, an dem ich angemeldet war. Nicht ganz. Beim Linz Triathlon von vielen Jahren konnte ich aufgrund eines Meniskuseinrisses nicht laufen und deshalb auch nicht starten.

Did not started. Warum? Schön der Reihe nach. Dass ich heuer mit all meinen quaeldich.de Touren nicht die optimalste Vorbereitung hatte, wusste ich schon. Die Schweiz Rundfahrt ist ja erst 14 Tage her. Die Tauernrundfahrt 3 Wochen. Ein klassisches Übertraining würde ich sagen. Dass ich nach der Schweiz Rundfahrt 2 Tage flach gelegen bin und für meine Apothekerin des Vertrauens Großabnehmer von Aspirin Granulat und Neoctiran geworden bin, kann ich auch nicht abstreiten. Vom Wetter her will ich nur kurz erwähnen, dass ich vom Regen einfach die Schnauze voll hatte. Mental also keine besten Voraussetzungen. Körperlich sowieso nicht. Aber den Körper kann man austricksen.

Mein großer Wunsch war, den diesjährigen Ötztaler Radmarathon nach jenem von 2013 in der Sonne zu fahren. Mein Wunsch wurde je näher der Sonntag kam, zerstört. Der Höhepunkt war die Ansage einer ZAMG Mitarbeiterin und ehemalige Ötztaler Radmarathon Siegerin bei der Fahrerbesprechung. Sauwetter ab Mittag. Als dann noch kurz vor 20.00 Uhr eine SMS vom OK kam mit dem Wortlaut „Wetterprognose für Sonntag: ab Mittags ist mit starkem Regen und Kälte zu rechnen. Das OK bittet um entsprechende Bekleidung. Alles Gute.“ bekam ich ein Deéjà-vu. Und mir wurde unmittelbar kalt.

Den Abend verbrachte ich noch mit dem Studium der Wetterkarten und Satellitenbilder. Diese zeigten ab Mittag echt erhebliche Regenmengen* rund um die 238 km. Die Nacht selber bin ich quasi stundenlang wach geblieben. Im Kopf die Bilder aus dem Jahr 2013. Und die Bilder der Nassfahrten bei der Schweizrundfahrt und Tauernrundfahrt. Dick eingemummt in meiner Decke, war mir kalt. Sehr kalt. Ich überlegte und überlegte. Ich fuhr die Strecke ab. Im Kopf. Mit Szenarien aller Art. Knappe 2 Stunden Halbschlaft. Und um 5.30 läutete der Wecker.

In diesem Moment traf ich meine Entscheidung. Den Ötztaler Radmarathon 2014 nicht zu bestreiten. Mein Kopf war einfach nicht dazu bereit, den Rest des Körpers dazu zu bringen, sich zu quälen. Denn eines ist sicher – ein Spaziergang wäre meine Fahrt nicht geworden. Aus Gründen. Sagen wir es wie es ist: Mentales k.o.

Ich war bereits 10x am Start. Ich habe alles mitgemacht. 2003 beim Sauwetter dabei gewesen und das Rennen beendet. 2013 beim Sauwetter dabei gewesen und das Rennen beendet. Ich hatte Schnee am Kühtai. Ich hatte Schnee am Timmelsjoch. Ich bin tausende Tode gestorben. Ich bin jedes Mal wieder auferstanden. Und ich hatte nie Traumwetter. Nie. Deshalb habe ich mir das Recht genommen auf einem Start zu verzichten.

Meine Entscheidung war richtig. Das Wetter war jetzt zwar besser als vorausgesagt. Aber nur zeitversetzt. Die ersten kamen trocken durch. Alle um die 9 Stunden halbwegs auch. Der Rest wurde bereits einmal am Kühtai nass. In Innsbruck richtig eingewässert und dann ab dem Timmelsjoch so richtig abgestraft. Kälte. Regen und kaum 20 m Sicht. Mir hat jeder einzelne Leid getan, der ab ca. 1700 Uhr im Ziel eingetroffen ist. Weiße Gesichter, blaue Lippen und Schüttelfrost waren an der Tagesordnung.

Um nicht ganz untätig zu bleiben bin ich natürlich meinen Mini-Ötztaler gefahren. Sölden, Rettenbachferner, Tiefenbachferner, Sölden, Hochsölden, Timmelsjoch, Sölden. 81 km und 3.000 HM. Weil ich einfach neue Ziele gebraucht und gesucht habe. Die körperliche Verfassung bei dieser Fahrt war aber alles als sub 9h tauglich.

Auf diesem Wege allen Finishern von gestern wieder ein ehrliches „Chapeau“. Wer trotz Sauwetterprognose startet und mit Sauwetter auch ins Ziel kommt hat sich das Finisher Trikot mehr als nur verdient. Ein Chapeau auch den Veranstaltern. Sie haben das Wetter nicht schön geredet. Sie haben super Arbeit geleistet. Die Möglichkeit am Kühtai, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch warme Sachen zu deponieren (und auch Selbstverpflegung) ist eine weitere Aufwertung dieser Veranstaltung.

Ein Danke auch an Wanner Philipp von Traincon für den Starplatz. Sorry, dass ich nicht losgefarhen bin. Das nächste Mal trainieren wir gezielt auf den Ötzi hin. Körperlich wie mental. Dann knacken wir die 9 Stunden.

Und jetzt? Ab Samstag geht es mit quäldich.de auf die Reise nach Kärnten, Friaul und Slowenien. 7 Tage. 806 km und 16.700 Höhenmeter. Mit dem Monte Zoncolan als Höhepunkt. Quasi als Regeneration. Hoffentlich passt dieses Mal das Wetter.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

*Wetterprognosen sind mathematische Hochrechnungen mit meistens viel zu wenige Daten. Und diese ganzen Wetter Apps sind zum vergessen.

3 Kommentare

  1. kluge entscheidung!!!!! ich bin vor ca. 25 jahren ( damals noch start in der nähe von insbruck) den örm im leichten bis dauerregen gefahren…..die abfahrten waren nur schlimm, kalte blaue kraftose finger, am ganzen körper gezittert, war froh ohne sturz die abfahrten überlebt zu haben…….obwohl ich kein begeisterter bergfahrer bin, habe ich mich über die anstiege gefreut, da wurde mir wenigstens wieder warm.
    ( gore-tex regenhose und jacke, lange handschuhe, überschuhe, bein- und ärmlinge…alles war irgenwann durchweicht und nicht mehr warm)

    die zeit war knapp unter 10stunden, irgendwie gings nur noch ums ankommen……

    heute im reiferen alter würde ich genauso wie du entscheiden!!!!! gesundheit und der eigene formerhalt gehen vor!!!!

  2. Ein Radmarathontrikot ist nicht mit einem Fußball Trikot wie das Real Madrid Trikot oder das AC Milan Trikot vergleichbar. Selbst das Arsenal Shirt oder das Inter Trikot ist wärmer und hält länger durch.

  3. Pingback: Die Radzeiten ändern sich - 11x Ötztaler Radmarathon ~ ketterechts

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