Radfahren bei Regen.

Dieser Mai hat’s wahrlich faustfeucht hinter den Ohren. So oft wie in diesem Monat habe ich meine Princess of Pain noch nie säubern, schmieren und adjustieren müssen. Was da vom Himmel fällt ist nicht normal.

Dass Wasser dem Rad und dem Körper nicht gut tut, weiß jeder, der schon einmal mehrere Stunden im Regen gefahren ist. Und ich meine damit nicht einen Platzregen unterwegs. Der ist ja oft auch eine sehr willkommene Abkühlung. Es geht um den Regen, der einem von Start bis ins Ziel begleitet. Meistens nur bei Rennen. Denn ich kenne wenige, welche bei Regen wegfahren. Sollte es welche unter euch geben. Respekt! Das Motto, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung, lasse ich beispielsweise manchmal nicht gelten.

Rennradfahren im Regen ist eine Herausforderung. Einerseits muss der Körper vor der Nässe geschützt werden und andererseits ist das Handling des Rennrades ein ganz anderes. Fahr- und Bremsverhalten müssen angepasst werden. Hier ein paar Tipps wie ich das machen würde. Sofern ich im Regen unterwegs bin. Morgen und Übermorgen zum Beispiel.

  • für unterwegs reicht oft eine Regenpellerina, welche man sich anziehen kann. Es gibt die Klassiker. Jene die mit Wachs behandelt sind. Super wasserabweisend – aber leider nicht atmungsaktiv. Das Wasser, welches man sich von oben spart, kommt dann von innen. Regenpellerinas sind hinten meisters länger geschnitten, damit man das Ende unterm Sattel einklemmen kann und so das Fahrwasser von hinten kaum auf den Hoseneinsatz bekommt – oder zumindest weniger.
  • für eine Fahrt im Wasser von Beginn an, lohnt es sich schon etwas mehr anzuziehen. Allen voran die Überschuhe. Je nach Temperatur sind diese aus Kunststoff oder aus Neopren. Auch Fleee gibt es – für den Winter. Tipp: klassisch schwarz. Bitte nicht diese bunten. Danke.
  • Weiters empfehle ich eine lange Radhosen. Ich trage meistens Leggins oder eine dünne Laufhose. Blickdichte Strümpfe hatte ich auch schon. Aber das war in der Not. Den Beinschutz bitte immer in der Farbe schwarz. Das passt zu jeder Radhose. Beinlinge sind nicht mein Ding. Denn man hat so an den Oberschenkeln sehr wohl zu kalt. Und eine lange Radhose ist bis 20 Grad nicht zu heiß. Sollte dann doch mal die Sonne rauskommen.
  • Oben ein „Transtext“ Leiberl ( (c) Löffler). Meinsten mit kurzen Ärmeln. Ich habe da einmal eines von Craft gekauft. Mit einem Windstopper vorne. Das ist genial. Schützt super vor Kälte und Fahrtwind. Darüber das „normale“ Radtrikot. Mit Ärmlingen. Schwarze. Passend zu der langen Hose.
  • Über dem Radtrikot trage ich gerne einen ärmellosen Windbreaker. Der hält meist schon mal etwas Wasser ab. Und den Fahrtwind. Sobald dieser aber durchnässt ist … wurscht. Windbreaker kann man schnell an- und ausziehen. Oder nur öffnen. Für die bergauf Passagen.
  • Für extremen Regen würde ich dann zusätzlich eine dünne Regenjacke mitnehmen. In durchsichtigem Stoff. Damit das Radtrikot noch zur Geltung kommt. Gibt es überall. Tipp: nicht all zu groß nehmen. Die blasen sich gerne auf und bremsen.
  • Nicht zu vergessen sind die langen Handschuhe. Bei Dauerregen ein „must have“. Gibt es in allen Materialien. Neopren, von mir aus auch. Aber da schwitzt man.
  • Ob meiner Frisur muss ich natürlich auch noch einen Kopfschmuck tragen. Ein tradtionelles Radcap tut es auch. Mit Schild nach vorne. Schützt vor Regen. Ansonsten ein Tuch, welches auch die Ohren leicht verdeckt.
  • Und wem das Posing wurscht ist, der montiert sich noch hinten einen Plastik Kotflügel. Gut für den eigenen Hintern und den Hintermann.
  • Bei Nässe langsamer fahren, in Kurven nicht bremsen und Vollbremsungen vermeiden. Besondere Vorsicht bei Laub, glatten Straßenbelägen und Fahrbahnmarkierungen. Extreme Vorsicht bei nassen Schienen, sie sind auch bei relativ stumpfem Winkel tückisch! Wasserlacken umfahren, da Rillen, Löcher und Glasscherben nicht zu sehen sind.
  • Vorsicht mit Felgenbremsen: Wirkung und Dosierbarkeit verringern sich bei vielen Fahrrädern unter Nässeeinfluß dramatisch. Carbonflanken sind da eine große Herausforderung. Daher zur Vermeidung von Überraschungen rechtzeitig eine Probebremsung machen! Bei unbefriedigender Bremswirkung Fachberatung einholen. Achtung: bei Regen und Schmutz ist der Verschleiß beim Bremsgummi entscheidend höher.
  • Damit das Fahrrad das Wasser auch gut verkraftet, putze ich es immer gleich. Ein Wasserschlauch um den gröbsten Schmutz zu entfernen. Oder die Badewanne bzw. Dusche. Die Kette ordentlich einseifen. Im Handel gibt es genug gute Mittel. Und dann die Kette leicht schmieren. Nur die Kette. Nicht die Ritzeln.

Habe ich was vergessen? Dann schreibt einen Kommentar.

Wünsche ein trockenes verlängertes Wochenende. Meines wird nass.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel. Auch wenn schon etwas älter, immer (wieder) aktuell. Je nach Wetterlage sozusagen.
    Sind echt gute Tipps dabei und manche davon erleichtern hoffentlich zukünftig die nassen Ausfahrten. 🙂

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