Rennradfahren in der Buckeligen Welt. Immer wieder ein schweißtreibendes Erlebnis.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger
Die Buckelige Welt – schweißtreibendes Rad-Erlebnis.

„Sie haben gewonnen.“ Mit dieser Anzeige auf meinem Garmin Edge Display beendete ich nach 143 km und 1.900 Höhenmetern meine zweite Solofahrt auf und ab in der Buckeligen Welt. Mit einem Schnitt von knapp 29 km/h.

Nach der „hurt me plenty“ Aktion im April, eine etwas kürzere und „leichtere“ Variante der Buckeligen Welt Achterbahnfahrt. Kurzweilig war es allemal.

Diesmal habe ich mich auf Strava verlassen. Schnell ist dort eine Route erstellt. Wenn man sich in der Gegend ein wenig auskennt. Ein paar Punkte als Highlight markieren und schon hat man den Track. Meiner schlug mir eben die 143 km mit 2.300 Höhenmetern vor. Mit den Zuckerln Bromberg, Thernberg, Schlag und Kirchschlag i.d.B.W., Sieggrabner Sattel und Marzer Kogel. Altbewährtes und natürlich Neues. Für das Ganze sollte ich mir 5h11min Zeit nehmen. Errechnet aus dem Schnitt meiner letzten Ausfahrten. Herausforderung akzeptiert. Wird doch der Griller um 1500 Uhr eingeheizt.

Los ging es mit einer kleinen Verzögerung. Die 220 km von Linz nach Wien am Feiertag und die regenerative Ausfahrt tags zuvor haben meinem neuen Vittoria Schlauchreifen nicht gut getan. Beim Aufpumpen auf 10 Bar pfiff es. Aus einem kleinen Loch. Keine 400 km und schon wieder defekt. Über Nacht. Wie aus dem Nichts. Panik? Nein. Vittoria Pit Stop. Doch dieser zeigte keine Wirkung. Das Loch ließ sich nicht von innen schließen. Panik? Nein. Super Kleber. Ein paar Tropfen von außen auf das kleine Loch reichten. Der Schlauchreifen war wieder dicht. Aus Sicherheitsgründen nahm ich einen weiteren Pannenspray, eine CO2 Patrone und eben den Super Kleber mit auf die Tour.

Pöttschinger Berg – der Laktatregler

Eisenstadt – Steinbrunn. Zum Aufwärmen. Vom ersten Kilometer weg gebe ich Gas. Meine Devise: So weit wie möglich fahren. Und hoffen, dass genug Luft bleibt. Wetter traumhaft. Temperaturen frisch. Kurze Hose und kurzes Trikot. Windweste und Ärmlinge bleiben diemal zu Hause. Die Fahrt bis jetzt ohne besondere Vorkommnisse. Außer den üblichen ungarischen Autofahrern. Steinbrunn – Pöttsching. Die ersten zwei Wellen. Kette rechts. Pötsching- Neufeld. Es ist Samstagmorgen. Die Menschen gehen einkaufen. Es ist eng auf den Straßen. Ich treffe an einer roten Ampel zwei Radfahrer auf Zeitfahrmaschinen. Kurze Plauderei. „Wo geht’s hin?“ Die einen wollen nach Seebenstein. Ich nicht. Es wird grün. Ich fahre kurz hinter den beiden. Dann höre ich im linken Ohr ein vertrautes Geräusch. Ein sich anschleichender Traktor. Sofort weiß ich, was zu tun ist. Schwung holen. Fertig machen für den Windschatten. Doch der Traktor biegt ab. Ich bleibe am Drücken. Immer an der 300 Watt Schwelle. Der Pöttschinger Berg ist und bleibt mein Laktatregler. Was ich hier kann, kann ich später auf der ganzen Tour. Mein Kette rechts Hügel. Knapp 2 km lang. Am Ende des Tages sollte es ein neuer PR werden. 4 Minuten 297 Watt Durchschnitt.

Bis Neufeld habe ich etwas Zeit Laktat abzubauen. Neufeld – Katzeldorf via Neudörfler Holzfarbrik. Hier treffe ich erneut die beiden von der Ampel. Sie haben wohl eine Abkürzung gekannt. Kurzes Kopfgrüßen und weiter über Kleinwolkersdorf, Schlainzer Kreuz und Walpersbach Richtung Bad Erlach. Es bläst mäßiger Südwind. Die erste Stunde ist um. Rechts abbiegen. Bromberg ich komme. Eine grenzgeniale Gegend diese L142. Kein Verkehr. Gegenwind und die Sonne. Mehr brauche ich nicht. Es grünt wie in besten Frühlingszeiten. Der Schweiß verdampft am Asphalt. Zuerst schmiert es gleichmäßig, dann erhebt sich die Straße recht ordentlich in den zweistelligen Bereich. Nicht lange, aber lange genug, um richtig zu transpirieren. Zwei Kehren kurz hintereinander und Bromberg ist erreicht. Von hier könnte man nach Hochwolkersdorf und auf die Rosalia (empfehlenswerter Track). Oder rechts nach Schlag (Achtung: hurt me plenty!). Ich wähle die Abfahrt nach Thernberg.

Schlag den Star.

Thernberg – Schlag. Diesmal in entgegengesetzter Richtung. Bergauf. Es geht auf über 800 Meter Seehöhe. Ein idyllisches Tal. Der Asphalt hier katastrophal – aber fahrbar. Ich trainiere mein Fahrkönnen. Zwischen Rollsplitt und Schlaglöchern ist nicht viel Platz. Manchmal kaum 23 mm. Kurz vor Eichberg Alpenfeeling. Drei fesche Kehren. So etwas mag ich. Dann geht es weiter durch einen dichten Fichtenwald. Rampenartig. Schlag ist erreicht. Typisches „Hochplateau“. Windanfällig. Weitläufig. Noch ein letzter Kilometer. Geradeaus. Bergauf. Cima Coppi für heute. Nach 2h2min, 53,1 km ist der höchste Punkt der Tour mit 835 Metern Seehöhe erreicht. Es ist frisch. Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Weiter. Bergab. Und wieder weiter bergauf. Kaltenberg – Lichtenegg. Typisch Buckelige Welt. Lichtenegg lockt mir ein Lächeln raus. Der Blick auf den Dom weckt Erinnerungen. Und das Ende der Abfahrt auch. Ich bin im Bilde. Ich bin in der Gegend um Spratzau. Ein kleines Tal. Links ein Hang. Ein paar Häuser. Die Straße. Ein Bach. Rechts ein Hang. Es rollt bei Gegenwind. Noch 13 km bis Kirchschlag i.d.B.W. Hier will ich mit verpflegen.

Ich mache die Rechnung ohne dem Track. Dieser will mich nach Hollenthon schicken. Was ich auch mache. Das Schild 17% ist mir an dieser Stelle nicht unbekannt. Die Welt ist klein. Die Buckelige Welt auch. Diesmal hält sich die Furcht in Grenzen. Wenn man so einen Streckenabschnitt schon einmal gefahren ist. Hollenthon ist erreicht. Raus aus der Ortschaft. Immer noch bergauf. Eine kurze Zwischenabfahrt bis zur Abzweigung nach Kirchschlag. i.d.B.W. Scheint, dass hier alle Wege dorthin führen. Rechts wäre Wiesmath der nächste Ort. Volles Tempo und Zeit zum Nachdenken Was sagt mein Garmin? Knapp 1000 Höhenmeter erst. Wo soll ich denn die restlichen 1.300 fahren? In Blumau. Hier schwenkt die L149 rechts ab. Sie windet sich in die Höhe. Drei Kilometer. 250 Höhenmeter. Oben wieder typisch Buckelige Welt. Hochebene. Windanfällig. Weitläufig. Im Süden schwarze Gewitterwolken. Warm ist mir nicht. Kirchschlag lasse ich aus. Nur in den Ort zu fahren bringt nichts. Karl ruft.

Karl. Weingraben. Kaisersdorf. 

Eisenstadt 42 km. Eigentlich nicht mehr weit. Zumindest auf dem direkten Weg. Aber wer wählt denn so einen? Zwischen Rapsfeldern geht es von Karl, Weingraben nach Kaisersdorf. Immer ordentlich auf und ab. Rampe rauf. Rampe runter. Langsam macht sich Langweile breit. Ich will Alpenpässe. Markt St. Martin. Ich kenne mich wieder aus. Die B50 ist fast schon meine zweite Heimat. Weppersdort, km 95,5. Kurze Pause beim Billa. Bis jetzt noch nichts gegessen. Nur 0,5 Liter Melasan Sportgetränk mit BCAA. Ein Eistee Pfirsich Geschmack und zweimal Milka Tender klassisch finden den Weg in meinen Magen. Ein Gatorade Orange, jenen in meine Trinkflasche. Während ich da auf der Blumenerde sitze und speise, radeln die zwei von heute Morgen – jene von der Ampel, vorbei. Zufall? Die Zeit für ein paar Live Tweets und Instagram Postings bleibt noch.

B50 – mein Wohnzimmer.

Weppersdorf – Sieggraben. Die B50 ist von hier aus ein perfekter Zubringer in den Norden. Parallel zur S31. Natürlich gebe ich Gas. Mein Rückstand auf den von Strava errechneten Schnitt beträgt 2min40sek. Sieggraben – Sieggrabner Sattel – Marz. Herrliche Speed Strecke. Bei Rückenwind. Bei Gegenwind kann dieser Teil sehr weh tun. Ich habe es blöderweise und glücklicherweise windstill. Beinahe. Es gibt ja auch den Fahrtwind. Das dritte Milka Tender, einstweilen im Trikot verstaut, muss herhalten. Die hohe Geschwindigkeit und die Temperatur gönnen mir nur die Hälfte davon. Der Rest ist Schokomus. Das brauche ich nicht. Marz – Marzer Kogel. Letzte Bergwertung. Natürlich mit PR. Milka Tender gibt Kraft. Das Gatorade hingegen ist kaum mehr brauchbar. Warm, süß, klebrig. Im Gegensatz zum Melasan Sportgetränk. Das bleibt viel länger fruchtig, frisch und trinkbar.

Bring me home.

Die Zeit wird knapp. Nicht nur jene gegen den virtuellen Partner. Auch die zur Verfügung stehende. Der Griller wartet schon. Loipersbach – Schattendort – Baumgarten – Draßburg. Vollgas. Was geht. Der Rückstand schon unter zwei Minuten. Leichter Süd-Ostwind. Zu meinem Vorteil.

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Hurt me plenty light

Auch wenn die Oberschenkel schon mächtig brennen. Ich nutze den natürlichen Schub von hinten und hole auf. Zagersdorf – Siegendorf. Ein Zick Zack durch typisch burgenländische Ortsstraßen. Es ist Samstag, eng und hektisch.

Nach Siegendorf komme ich in den Löwenkäfig. Die L212 ist hier Spielweise ungarischer Rennrad-Wilderer. Von fünf Autos die mich schneiden und zu knapp vorbeifahren sind fünf mit ungarischem Kennzeichen. Ich mache mich mit internationaler Mittelfingersprache bemerkbar. Die Kommunikation verläuft aber im Sand.

Jetzt nur noch durch Eisenstadt. Dreimal Kreisverkehr auf der Ruster Straße mitten im Einkaufszentrum. Es ist Samstagnachmittag. Ich fühle mich nicht sicher. Als hätte ich es verschrien. Im letzten Kreisverkehr treffe ich auf den Taxler mit dem roten Ford Galaxy „E 141 TX“. Er fährt von rechts in den Kreisverkehr, obwohl ich schon drinnen bin und gleich raus will. Ich muss eine Vollbremsung machen. Im Kreisverkehr. Nur der Ordnung und der Schuldzuweisung halber. Mein Ausgang ist versperrt. Durch das rote Taxi. Tempo? Sicher über 30 km/h.

„Sie haben gewonnen.“ Mit dieser Anzeige auf meinem Garmin Edge Display beendete ich nach 143 km und 1.900 Höhenmetern meine zweite Solofahrt auf und ab in der Buckeligen Welt. Mit einem Schnitt von knapp 29 km/h. 400 Höhenmeter weniger als der ursprüngliche Track. Gut so.

Ein wunderschöner, kurzweiliger und landschafltich genießbarer Soloritt durch die Buckelige Welt ist beendet. Ein neuer ist schon in Planung. Schade um die verpassten Möglichkeiten der Einkehr. Ein gutes Kaffee wäre wünschenswert.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Für die Technikfreaks: gefahren mit 50/34 vorne und 11/25 hinten.

PS: Track hier

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