Typologien von Rennradfahrern – eine unwissenschaftliche Anlayse.

Eine Analyse von ketterechts, dem Rennrad Blog und Event Liveblogger
Und welcher Rennradtyp bist du?

Oktober. Die Nebelsuppe ist kaum mehr auszulöffeln. Regentage werden zu Regenerationstagen. Die Ausreden, nicht mehr aufs Rennrad steigen zu müssen umfangreicher und plausibler. Es ist die Zeit, in dem das Gewissen kaum mehr plagt. Die wöchtenlichen Umfänge werden weniger. Die Bauchumfänge dafür größer. Es ist die Zeit zu resümieren.

Vor, während und nach meinen quaeldich Rennradreisen. Trainingswochenende im Mühlviertel, SuperHeroDolomiti in Lienz, Osttiriol, Deutschland Rundfahrt, Tauernrundfahrt und Reise in die Dolomiten. Genug, um mir Gedanken über die verschiedenen Typlogien von Rennradfahrern machen zu können. Rennradfahrern, denen ich heuer wieder einmal begegnet bin.

Der Unscheinbare: Kaum zu sehen. Kaum zu hören. Kaum wahrnehmbar. Am Abend. Beim Frühstück. Beim After Ride. Dafür am Berg. Sobald es ins Hochprozentige geht, ist er zur Stelle. Demütigend. Denn während ich am Limit kratze, pfeift er schon an mir vorbei. Mehrmals. Denn auch Pinkelpausen können in nicht stoppen. Man könnte meinen, er macht dies absichtlich. Das Vorbeifahren. Das Anhalten. Das Umziehen. Das Weiterfahren. Das wieder überholen. Zermürbend. Seine Blicke oben am Pass in meine Richtung werde ich nie vergessen und verzeihen.

Der Upgrader: Latte macchiato. Macchiato. Espresso. Von schwach koffeniert bis hin zu voll konzentriert. Der Upgrader macht es richtig. Er startet in der Gruppe der Genießer, um am Ende der Woche mit den Tempobolzern anzukommen. Frisch. Ausgeruht. Gut für die Moral. Seine.

Der Downgrader: Das Gegenteil des Upgraders, den er Mitte der Woche in einer der mittleren Leistungsgruppen begegnet. Wegfahren mit den sportlich ambinionierten und ankommen mit den Genießern. Ob ihn das eigene Leistungsvermögen dazu zwingt? Oder ist es einfach, das sich selbst finden? Stundenlanges Sitzen am Fahrrad ist ja bekanntlich nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch Selbstreflektion.

Der Zupfer: Mein allerbester Freund. Und das meine ich nicht nett. Wäre ich Teamchef würde ich ihn verpflichten, um im Feld für Unruhe zu sorgen. Da ich aber kein Teamchef bin und mir auch keine Verpflichtungen leisten kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als ihn nicht zu mögen. Weil der Zupfer gerne spielt. Mit dir. Wenn du die Gruppe führst. Zuerst flankiert er dich. Dann setzt er seinen Vorderreifen stets immer um ein Ätzerl vor deinen. Egal ob du jetzt 30, 35 oder 38 km/h fährst. Er ist immer um diesen Tick schneller, um dich zu provozieren. Ich bin leicht zu provizieren und gebe auch ungern nach. Zudem nehme ich vieles auch persönlich. Was zur Folge hat, dass eine Zupfer-Fede in den meisten Fällen die Gruppe sprengt. Weil die Geschwindigkeit hier vorne immer schneller wird. So lange bis von hinten ein lautes „Kürzer“ ertönt. Oder ich einfach nicht mehr kann und die weiße Flagge schwenken muss.

Der Schatten: Immer da. Auch wenn die Sonne nicht scheint. Klebt am Berg an meinem Hinterrad besser wie dasselbe Hinterrad an der Carbonfelge. Der Schatten braucht mich (und dich). Als Motivator. Als Treiber. Allein gestellt ist er verloren. Da krebst er vor sich hin. Fast vom Rad fallend. Ich begegne ihn meistens von hinten kommend. Hole ihn ein. Überhole ihn. Und kann ihn dann nicht mehr abschütteln. Kilometerlang. Scheißegal bei welchem Tempo. Verschärfungen pariert er. Abwechseln der Führungsarbeit? Fehlanzeige. Die Natur hat für solche Lebewesen einen eigenen Namen. Schmarotzer. Wir nennen sie liebevoller nur Lutscher.

Der Freigeist: Dieser Typus hat mehrere Ausprägungen. Allesamt brechen die Regel aller Regeln. Nämlich jene, den Regeln zu folgen und diesen zu gehorchen. Die weit verbreiteste Form des Freigeistes ist jener mit a) Satteltasche, b) Lenkertasche, c) Oberrohrtasche und d) Satteltasche, Lenkertasche und Oberrohrtasche. Darin versteckt und verhüllt ****Gourmetmenüs, Umkleidegarderobe, Waschmaschine, Trockner und Haarföhn. Der Freigeist liebt es auch zu kombinieren. Farben, Stoffe, Muster. Wie er will und wann er will. Und er liebt Öl und Dreck. Vor allem auf der Kette und auf der Kettenstrebe. Am Schlimmsten ist, wenn der Freigeist gleichzeitig ein Unscheinbarer ist. Was vorkommt. Und auch schon vorgekommen ist. In diesem Fall habe ich schon laut über einen Sportwechsel nachgedacht.

Der Sir: Der Schnellste im Feld. Das weiß er. Sehr stark am Berg. Immer vorne dabei. Aber nicht ganz vorne. Weil er es nicht braucht. Und will. Seiner Stärke bewusst, sieht man ihn immer nur Attacken mitgehen, aber nie Attacken starten. Von ihm könnte ich viel lernen. Wenn ich die Kraft (gehabt) hätte ihm zu folgen.

Der Fixierte: Sein Blick ist stets nach vorne gerichtet. Sein Tempo auch. Kreuzungen, Abbiegungen, Ampeln. Hügel. So was kennt er nicht. Wenn der Weg frei ist, fährt der Fixierte dasselbe Tempo durch. In das Hinterniss hinein und aus dem Hinderniss heraus. Tentenz dabei, Tempo steigernd. Die etwas Vorsichtigen dahinter müssen dem Tribut zollen. Weil sich stets ein Loch aufmacht, das wieder geschlossen werden muss. In Sprintermanier. Fixierte sind auch jene, die mehrmals, oft, fast immer mit einem „Küüüüürzer“ aus den hinteren Reihen rechnen müssen.  
 

Die Dame: Stark. Saustark. Mutig. Schnell. Ausdauernd. Von den Damen könnten mehr mitfahren. Vielleicht bei den Osttirol Ladies Days zu Pfingsten nächstes Jahr. Da sind keine Unscheinbare, Upgrader, Downgrader, Zupfer, Schatten, Sirs, Fixierte und Freigeiste dabei.

… to be continued

Wir sehen uns hoffentlich auf einer der nächsten Touren.
Cristian Gemamto aka @_ketterechts

PS: Bezug zu lebenden Menschen oder mir bekannten Rennradlern sind rein zufällig.

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