Dolomiten 2013. Vorschau auf Tag 3.

Die wahren Dolomiten warten jetzt.

Gecrashed. Gestern hat’s mich ziemlich auf die Schnauze geschmitten. Beim Antritt hatte ich plötzlich keine feste Verbindung mehr zwischen mir und meinem Rad. Einfach ausgeklickst. Nicht bewusst. Nicht irgendwie, weil ich wollte, musste oder darum gebeten habe. Wie aus dem Nichts. Wir waren noch zu 6 unterwegs Richtung Etappenzielort Lienz als es passierte. Soweit ich mich erinnern kann, war ich an dritter Stelle. Tempo? Halbwegs. Hoch. Vernüftigt. Nicht übertrieben. Wir hatten Rückenwind. Was dann passiert ist, kann ich noch genau nachfühlen. Es war laut. Es war chaotisch. Es war schmerzlich. Ich lag am Boden. Rutschte am Asphalt noch ein paar viele Meter. Schock sei Dank. War der erste Moment nach dem Stillstand im Nachhinein gesehen noch erträglich. Hinter mir ist natürlich die kleine Katastrophe passiert. Tut mir leid für die Drei. Einer konnte ausweichen und zwei sind voll in mich und mein Rad gefahren und aufgestiegen wie eine Sojus Rakete in Weltall. Beider Aufprall war hart. Alle waren bei Bewusstsein und ansprechbar. Die Straße ein Schlachtfeld. Rettung, Notartz und Polizei waren gleich zur Stelle. Chefquide Roland und unser Dr. Hannes (war uns entgegengekommen) hatten alles im Griff. Manuel wurde verarztet und zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht. Weil er ziemlich hart mit dem Gesicht aufgeprallt ist. Ich selber fühlte mal keine gröberen Knochenbrüche. Nur die Rippe und die Hüfte schmerzten. Die haben als Aufprallbock gedient. Meine bald Mitte 40iger Knochen haben gehalten. Die Abschürfungen lassen wir mal als Kollateralschäden durchgehen. Auch wenn Sie tief flächendeckend sind.

Die Polizei hat alle Personalien aufgenommen und mich einem Alkoholtest unterzogen. Ja. Einen Alkoholtest. Natürlich hat der nix gezeigt. 0,0 wie es sich gehört. Alles andere hätte mich gewundert. Ich denke nicht, dass in Squeezy und Peeroton Alkohol enthalten ist. Und in der Suppe am Lucknerhaus auch nicht.

Stunden später. Die Nachrichten über Manuel sind nicht die Feinsten. Tut mir leid. Kieferbruch. Tour zu Ende. Operation notwendig. An dieser Stelle an die besten Genesungswünsche und viel Kraft für die bevorstehenden Tage. Lieber Manuel. Leider ist das passiert. Blöd gelaufen.

Es ist jetzt 6.00 Uhr Morgens. Ich selber habe sehr schlecht geschlafen. Es gilt einen körperlichen und einen seelischen Schmerz zu überwinden. Der Körper wird das schon mit der Zeit verkraften. Ich selber habe noch diese Bilder im Kopf. Bin froh, dass mir verhältnismäßig wenig passiert ist. Da auch ein anderer Teilnehmer heute, unser kalifornische Teilnehmer Neal, ohne Fremdeinwirkung beim Ausziehen seines Windbreakers zu Sturz gekommen ist. Ihn hat es nämlich auch ziemlich getroffen. Schlüsselbein, Schulterblatt und Rippen. Operation.

Rennradfahrerrisiko.

Die heutige Etappe werde ich dann wohl antreten. Sofern mein Rad tauglich ist. Ich habe es noch nicht im Detail begutachtet. Einzig die Gewissheit, dass der Lenker im Bereich der Lenkerstöpsel ziemlich ramponiert ist. Das Ende ist wie gefräst. Weitere Schönheitsfehler gibt es genug. Ob der Rahmen irgendwas hat. Keine Ahnung.

Von Lienz geht es heute auf die Pustertaler Höhenstraße. Eine Option, welche fast alle ziehen werden, um die Pustertaler Bundestraße zu vermeiden. Mit dem Abstecher auf den Hochstein, sind das mehr als 1000 HM zum Frühstück. Und das nach nur wenigen Kilometern. Dass wir dann in Vierschach auf eine der besten Pizza einkehren werden liegt auf der Hand.

Nach der Stärkung geht es weiter nach Toblach und dann durch das Höhlensteintal hinein in Richtung der wahren Dolomiten. Eines der schönesten und markantesten Wahrzeichen der südlichen Kalkalpen sind die Drei Zinnen. Unser Highlight des Tages. Nach gut 90 km werden wir das Plansoll von 3.500 Höhenmetern erreicht haben. Die Stichstraße auf die Drei Zinnen: Das sind 4 km mit einer Steigung von an die 13 – 14%. Bekannt auch durch den Giro d’Italia, dessen Bergankunft heuer bei heftigem Schneetreiben von Vincenzo Nibali gewonnen worden wurde.

Das gemütliche Hinunterrollen nach Cortina ist dann nur mehr das Tüpfelchen auf dem i. Der mondäne Skiort in den Dolomiten wartet auf uns. Denke, dass wir bei entsprechendem Wetter, das beste Kaffeehaus ansteuern werden. Capuccino muss sein. Und ein Foto der Tofana, dem Wahrzeichen der Stadt ist Muss.

Also. Auf gehts. Allen Hals und Beinbruch.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

2 Kommentare

  1. Deine Worte lassen das alles echt lebendig werden, vor allem die Begeisterung für unseren Sport! Stark!

    Gruß Torben

    …ach ja, und Kette rechts! Wie jeden Tag!

  2. Da hat es ja ordentlich gekracht und das vermutlich in einer eher Routine-/Standardsituation. Mist. Wünsch Euch gute Besserung und keine bleibend längerfristigen Schäden!

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