Leithaberg Radmarathon – einfach kann auch schwer sein.

Leithaberg RadmarathonStartaufstellung

Mehrmals habe ich schon über den Leithaberg Radmarathon berichtet. 2015 und 2016 sogar Gratis-Startplätze verlost. Selber am Start war ich aber noch nie. Bis auf heuer, als ich um 0915 Uhr in der ersten Startreihe stand und mich beim Startschuss zusammen mit weiteren gut 100 Teilnehmern auf die große Runde begeben habe. 120 km galt es bei hochsommerlichen Temperaturen und typisch burgenländischem Wind zu überleben. Drei Mal 40 km. Acht Mal über das Leithagebirge. Als Wochenend-Wahl-Eisenstädter quasi ein Heimspiel für mich. Die Strecke war mir bekannt. Vor allem der Anstieg von Donnerskirchen hinauf Richtung Hof am Leithagebirge. Von allen Leithaberg Übergängen der mir an unliebsamsten. Flach, steil, flach, steiler, steil, flach, steil, flach und dann noch einmal leicht bergauf, wenn man glaubt bereits oben zu sein. Unhythmisch. Nicht meins.

Hitze, Wind und müde Beine – so schön kann sterben sein.

Purbach am Neusiedlersee. Pfingstsonntag. 500 Meter vom Startgelände beim Purbacher Fußballstadion gehen die Einheimischen zum Frühshoppen. Erste Radtouristen pilgern den Radweg B10 entlang. Es ist ein üblicher Festsonntag. Üblich auch das Prozedere der vielen Teilnehmer zum Leithaberg Radmarathon. Auto parken, Räder auspacken, Räder checken, Luft einpumpen, Startnummer abholen, frühstücken, Dixi-Klo aufsuchen, fachsimpeln und aufwärmen. Ich selber bin gleich direkt mit dem Rennrad aus Eisenstadt angereist. 21 km sollten zum Aufwärmen lang genug sein.

Neben Politprominenz wie Kärntens Landeshauptmann Herrn Kaiser, waren auch jede Menge regionale Promis sowie ehemalige Radsportgrößen zuwege. Wie beispielsweise Rene Haselbacher, Weingott Leo Hillinger, der mehrmalige Race Across Amerika Gewinner Wolfgang Fasching, Paralympics Sieger Wolfgang Eibeck. Um nur einige zu nennen.

Leithaberg Radmarathon – vom Führenden zum Radtourist.

Jetzt stand ich da an der Startlinie. Das weiß-rote Startband direkt unter meinem Lenker. Die letzten Interviews und die letzten Pressefotos der Who-is-Who. Dann der Countdown. Startschuss und los.

 

Neutralisiert ging es vom Sportplatz durch Purbach auf die B50, welche mit behördlicher Bewilligung benutzt werden durfte. Meine erste Startreihe bescherte mir einen Platz an der Sonne. Und natürlich auch einen Platz im Wind. Der war ab der Linkskurve Richtung Donnerskirchen dann gleich etwas stärker. Ich überlegte nicht lange und nutzte einfach die Gelegenheit, einmal ein Rennen anzuführen und zog das Feld jenseits der 300 Watt von Purbach nach Donnerskirchen und dann hinein in die erste Steigung.

Eine gute Idee, weil damit war mein Rennen nach knapp 10 km zu Ende. Hitze, Wind und müde Beine. Schnell sterben muss auch gekonnt sein. Durch die verschwitzten Augen sah ich noch das Feld enteilen. Automotivation wie „Die sind ja nicht viel schneller“ hielt mich am Leben. Wenn auch nur auf Sparflamme. Gemeinsam mit ein paar Nachzüglern erreichten wir die Grenze zu Niederösterreich und die erste Abfahrt. Mit offenen Trikot versuchte ich bergab meinen überhitzten Körper und Dickschädel abzukühlen.

Flüchtige Freundschaften zerbrechen spätenstens am Anstieg.

Das Burgenland hat seine Eigenarten. Eine davon ist, dass der Wind stets von vorne kommt. So auch auf dem Weg von Hof über Mannersdorf Richtung Kaisersteinbruch. Eine kleine Gruppe vor mir, eine nachkommende hinter mir und ich vereinten uns am Weg dorthin. Nicht lange. Denn am zweiten Anstieg Richtung Breitenbrunn zerbrach diese flüchtige Freundschaft daran, dass manche ein Rennen führen, die anderen – mich inklusive – bereits im Radausflug Modus umgeschaltet hatten.

Inzwischen hatten wir gefühlte 35 Grad und der Wind mutierte zum Föhnsturm, der mir direkt ins Gesicht bließ. Abkühlung unmöglich. Das Wasser in meinen Trinkflaschen kochte bereits. Die einzige Labstation in Purbach als Rettung war nicht mehr weit entfernt. Und leider auch wieder hinter mir. Keiner meiner Mitstreiter hielt es für notwendig anzuhalten. Warum denn auch. Die meisten hatten zwei Flaschen. Schlau. Kommt auf meine „mache ich das nächste Mal auch“ Liste. Die erste von drei Runden war um. 1h7 Minuten für die Statistik.

Danach erlebte ich ein Déjà-vu. Nur mit weniger Leute und noch langsamer. Bis Donnerskirchen in Front der kleinen Gruppe und am Anstieg dann durchgereiht bis ins Nirvana. Nach 50 km war der Leithaberg Radmarathon für mich ein Einzelzeitfahren.

Neidlos anerkennen. Es gibt bessere Tage.

Ich nehme es vorweg. Die zweite Runde beendete ich in 1h15 Minuten (samt Pause an der Labe). Dabei wurde ich am Weg nach Breitenbrunn von der Spitzengruppe der 80 km Schleife eingeholt. Ich schreibe nicht, dass diese 15 Minuten später gestartet waren. Das würde meine Leistung noch mehr abschwächen. Eine Zeit lang konnte da noch mithalten. Als sich diese dann aber für den Zielsprint formierten und den letzten Schubser in Breitenbrunn Vollgas durchzogen musste ich neidlos anerkennen, dass heute nicht mein Tag war. Also zurück zum Einzelzeitfahren.

Allein auf weiter Flur, gönnte ich mir einen Stop an der Labe. Eine Festzeltbank unter einem kleinen Zelt. Die Damen dahinter bereits Medium durchgegrillt. Zur Auswahl standen 6 Becher kochendes Wasser, 4 Becher lauwarme Cola und 3 Becher Isosuppe. Ich nahm soweit ich mich noch erinnern kann alles. All-In. Das halbe Honigbrot kratzte ich zudem auch noch in meine Kehle. Die dritte Runde war dann ein Muss.

Burgenlands Autofahrer mögen keine Radfahrer.

Letzte Runde. Immer noch durfte ich auf der B50 fahren. Was dem Fahrer eines Toyouta Celica mit dem behördlichen Kennzeichen (Zensur: mir bekannt und dokumentiert) sauer aufstieß. Wild hupend, mit offenem Fenster und mit deutlich gestreckten Mittelfinger wurde ich unsanft aus meinem lethargischen Dahinradeln geweckt. Für eine Reaktion war ich zu tot. Nicht aber für ein Foto, eine Rechtskurve später. Derselbe Autofahrer war jetzt in Rage mit einem anderen Radmarathon Teilnehmer. Zuerst nur über das offene Seitenfenster, dann auch Nase an Nase stehend. Ich hörte Worte, die dem Autotypen (samt Spoiler) und dem Männertyp entsprachen. Die Psyche der Menschen ist unergründlich. Ein Highlight auf der sonst so faden dritten Runde. Ich habe den Vorfall der Polizei gemeldet – samt Beweisfoto. Sachverhalt ist wohl in den Akten untergeganen.

Die dritte und letzte Leithaberg-Urundung beendete ich nach genau nach 1h25 Minuten. Samt Fotostopp und Brunnenstopp in Hof am Leithagebirge. Immer noch und schon wieder gegen den Wind. Im Ziel holte ich mir mein Finisher Geschenk. Ich wählte ein Handtuch. Die Weinflasche ließ ich zurück. Musste ich ja noch 21 km zurück nach Eisenstadt. In Donnerskirchen war aber Schluss. Ein starkes Gewitter befreite mich von meinen Qualen. Das hübscheste Taxi von ganz Eisenstadt holte mich ab und brachte mich nach Hause.

Fazit.

Einfach kann auch schwer sein. Für den Leithaberg Radmarathon braucht Mann und Frau gute Beine. Die hatte ich nicht. Viele waren besser. Ich habe nur durchgehalten. Trotzdem. Gute Veranstaltung, die Edmund Kiss bereits zum 15. Mal tadellos organisiert hat. Ein reichliches Startersackerl, ein attraktives Finisher Geschenk, eine familiäre Atmosphäre und eine sehr gut abgesicherte Strecke mit Polizei an den wichtigsten Stellen bis zum Schluss – keine Selbstverständlichkeit für € 45 Startgeld.

Einziges Manko waren die vielen lästigen Viecher, die mich speziell bergauf auf Schritt und Tritt verfolgten. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das mit der Labe kann und werde ich bei einem eventuell erneutem Antreten selber lösen.

ktrchts

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.