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Rennradfahren am Gardasee. Seenswert.

Rennradfahren am Gardasee

Sie war schon hier und sie hatte davon in großen Tönen geschwärmt. Vom Rennradfahren am Gardasee. Das was ich auf Strava verfolgen konnte, hat mich neugierig gemacht. Neugierig darauf, die Gegend im Norden vom Gardasee auch mit dem Rennrad zu erkunden. Ich war schon zum Surfen hier. Und zum Mountainbikefahren. Mit starrer Gabel, Pedalriemen und Aluminium-Gestell. Damals habe ich mir die Tage am Brett oder am Bike und die Abende (und die Nächte) im Moby Dick um die Ohren geschlagen. Exklusive Jugendsünden. laketterechts ist es also zu verdanken, dass ich wieder hier bin. Mit jeder Menge Tracks und Plänen. Für sie, für mich und für beide.

Die Rennradreise an den Gardasee. Tag 1.

Wenn zwei reisen, gibt es nicht immer Konsens. Zum Beispiel darüber, wann man zum Rennradfahren am Gardasee aufbrechen soll. Der eine will so früh wie möglich. Der anderen ist das zu früh. Das hat viele Gründe. Einer davon heißt Frühstück. Mit einem Trick und die Verlegung des Frühstücks zum Dawit nach Tarvisio, einigten wir uns auf fünf Uhr. Die Wahl der Route oblag mir sowieso. Der Italiener weiß, wie man nach Italien kommt. Und wie man den Bayern und den Baden Württembergern aus dem Weg fährt.

Autogrill

Typisch Autostrada. Der Autogrill.

Trotz Ortskenntnisse und fiesen Tricks, endete die flüssige Fahrt kurz vor Affi. Google Maps hatte es gewusst. Die geplante Ankunftszeit schlitterte von Minute zu Minute nach hinten. Wir steckten auf der A22 Richtung Trento fest. Stop and Go. Schneckentempo. Die Nachmittagsausfahrt geriet ins Wanken. Ich wollte unbedingt noch eine Runde drehen. Auch in Hinblick auf den für Samstag Nachmittag und Sonntag (ganztags) vorhergesagten Weltuntergang. Kachelmann approved.

Google Maps ist nicht wie Garmin.

Bei Affi musste ich die Autostrada verlassen. Die Geduldsprobe hätte ich nervlich nicht überlebt. Ich wollte Rennradfahren. laketterechts auch. Nach einer kleinen Irrfahrt ist es uns (mir) gelungen, den See zu erreichen und am Ostufer Torbole anzusteuern. Google Maps ist nicht wie Garmin und ein etwas in die Jahre gekommener Italiener ist nicht mehr ganz so ortskundig. Statt um 1400 Uhr, waren wir kurz nach 1500 Uhr am Rad. Nicht ohne einer vorausgegangenen Debatte über die zu fahrenden Runde. Ich hatte den Monte Velo und die Auffahrt nach Santa Barbara bei Arco im Kopf. 35 km und 1.200 Höhenmeter. Eine Route abseits der Gewitterzellen. Das war laketterechts als Wochenantipasto nicht wirklich genehm. Die vernüftige Entscheidung fiel dann zu ihren Gunsten auf den Lago di Tenno.

Es war keine schlechte Entscheidung. Die Auffahrt von Varone hinauf nach Tenno ist echt ein Traum. Der ständige Bick auf den See und die vielen Kehren machten Druck am Pedal und erhöhten die Schweißproduktion in der labilen Luft. Leider wurde es immer dunkler und mein Flehen nach Abbruch wurde erhöht. Alles retour. Vor dem heftigen Gewitter ging sich noch eine “Melanzana al parmiggiano” in der Case Beus direkt am See aus. Kaum waren wir in der Unterkunft ging hier in Torbole die Welt unter. Der Abend bracht keine nennenswerte Höhepunkt mehr.

Rennradfahren am Gardasee

Auffahrt von Varone nach Tenno

Rennradfahren am Gardasee. Tag 2.

Der zweite Tag begann mit einem intensiven Studium aller möglichen zur Verfügung stehenden Wetterkarten. Es war alles dabei. Weltuntergang war die positivste zulässige Interpretation. Wir konnten uns als nicht wirklich weit aus dem Fenster lehnen und peilten den Lago die Cavedine an. Nochmals am Radweg nach Arco, weiter Richtung Norden nach Dro und über den Passo San Udalrico in die “Valle dei laghi”. Hier fing es an, leicht zu regnen und wir entschieden uns den Rückwärtsgang einzulegen. Bei Cavedine kürzten wir die geplante Runde ab. Belohnt wurden wir für diese Entscheidung mit einer rasanten Abfahrt auf einer kaum 2 Meter breiten Neben-Nebenstraße. Steil und schnell. Mit dem Gefühl, in dem immer unter uns liegenden Lago di Cavedine abbremsen zu müssen.

Die Rückkehr nach Torbole war nass und feucht. Schade. Die 50 Kilometerrunde laut Garmin trotzdem intensiv. Das kurze Kräftemessen mit einem Einheimischen auf den Pass hinauf war trainignstechnisch richtig. Außerdem konnte ich ihm ein paar Geheimtipps entlocken. Gut wenn man die Landessprache beherrscht. Der Rest des Tages war dann Regenschirm-Flanieren und Menschen beobachten. Die beste Location dazu ist die Wind’s Bar. Und die beste Pizza gibt es bei Pizza Burger. Für ein Eis zwischendurch empfehlen wir die Bottega del Gelato direkt am kleinen Bootshafen.

Pizza Burger Torbole

So darf Pizza sein.

Rennradurlaub am Gardasee. Tag 3.

Wenn es nicht schon in allen Gazzetten steht, dann könnt ihr es hier exklusiv als Erste erfahren. la ketterechts und ich haben uns getrennt. Ja. In Arco. Nach ca 100 km haben wir beschlossen getrennte Wege zu gehen. Sie fuhr zurück in die Unterkunft und ich nahm noch den Monte Velo als Tagesdraufgabe dazu. Mehr davon später.

Passo Balino und Passo Durone standen heute auf der To-do-Liste. Eine knappe 100 km Runde mit 1.500 Höhenmeter. Über den Lago di Tenno, den Basso Balino eben, Fiavè, Passo Durone, Stenico, die Sarca Schlucht, Sarche und dann Express zurück nach Arco. Eines muss ich nach diesem Tag sagen: Die Italiener können Cafè machen und Radweg bauen. Selten so einen genialen Radweg (pista ciclabile) wie den durch die Sarca Schlucht gesehen, geschweige denn gefahren. Eine Autobahn. Zweispurig. Wir sind ihn bergab gefahren und hatten großen Spass dabei. Auch der Radweg von Sarche nach Arco ist ein netter Spielplatz für Familien, Kinder und Rennradfahrer. Die einen mit reiner Muskelkraft, die anderen mit E-Motor unterstützung. Sogar die Knirpse sind schon E-mobil. Passagen mit 20% sorgen dafür, dass nicht jeder Tourist davon schwärmen wird. Ich glaube wirklich, dass einige nicht genau wissen, worauf sie sich da einlassen.

Radweg durch die Sarca Schlucht

Der Radweg durch die Sarca Schlucht

Monte Velo – le grandi salite del Trentino.

Die Pflicht haben wir gut erfüllt. Bei wieder Gardasee typischen Bedingungen. Der Schweiß floss erneut in Strömen. Überschwemmungsgefahr. Für die Kür habe ich mit dann noch was eigenes ausgedacht. Den Monte Velo. 1000 Höhenmeter auf 12 km. Direkt von Arco hinauf nach Santa Barbara. Mit 36/28 eine ziemliche Plagerei. Kehre für Kehre genoss ich die Einsamkeit. Für alle, die hier in der Gegend weilen wollen ein Muss. Auch wegen der Abfahrt hinunter nach Loppio. Über Ronzo und Valle San Felice. Eine breite Straße, bestens asphaltiert. Vollgas. Einen Abstecher zum Passo Bordala habe ich mir erspart. Ich wollte nicht unpünktlich beim Abendessen sein. In Summe 2.700 Höhenmbert. Das wird eine gute Nacht werden. Davor noch Essen, Flanieren, am See sitzen, Menschen beobachten und die Wind’s Bar. Business as usual.

Und noch ein am Rande: la ketterechts und ich vertragen uns wieder. Die Trennung hatte nur trainingstechnische Gründe.

Rennrad fahren am Gardasee. Tag 4.

Es gibt immer und überall einen Plan B. Beim Rennradfahren am Gardasee heißt der Plan B, Baldo oder Bondone. Diese zwei Anstiege muss man gefahren sein. Beide jenseits der 20 km. Bergauf. Mit etlichen Höhenmetern. la ketterechts und ich haben uns für den Monte Baldo entschieden. Langsam und behutsam habe ich sie darauf vorbereitet. In San Valentino war sie ja schon. Die zusätzlichen 10 km musste ich ihr mit psychologischer Spitzfindigkeit schmackhaft machen. Mit Erfolg. Wir haben den Monte Baldo von Avio aus bezwungen. Bei brütender Hitze. la ketterechts mit gezogener Handbremse. Sie hatte zu viele Berichte über diesen Berg gelesen. Da waren wohl ein paar Effekthascher dabei. Märchen von “brutal” bis zu “2,5 km mit 20%” haben gereicht, um ihren Kopf etwas zu hemmen. Nicht die Beine. Die können viel mehr. Rennradfahren am Gardasee ist Sport und Psychologie.

Monte Baldo

Zum Monte Baldo von Avio

Von Torbole fuhren wir den Radweg hinauf nach Nago. 200 Höhenmeter nüchtern und nicht aufgewärmt. Von Nago zum Passo San Giovanni sind es dann noch ein paar Höhenmeter dazu, bevor es via Radweg hinunter nach Mori ging. Nach Avio benutzten wir einfach den Etschtal-Radweg. Mit Rückenwind. Dann begannen die Bergspiele. 12 km hinauf zur Abzweigung. Nach San Valentino wären es rechts weg nur mehr weitere fünf gewesen. Zum Monte Baldo mussten wir aber unbedingt rechts abbiegen, um weitere 12 km genießen zu dürfen. In Summer also 24 Kiometer hinauf auf 1.607m. Teilweise recht knackig, aber sonst auch schön zum Fahren. Mit 36/28 nicht immer. Den Wolf-Tooth Schaltwerkadapter habe ich immer noch “nur” im Werkzeugkoffer. Er wird wohl beim Ötztaler Radmarathon seine Premiere feiern. Rennradfahren am Gardasee braucht keine Experimente. Nur Muskelkraft.

Monte Baldo – ein Berg, wie ich ihn mag.

Die letzten Kilometer hoch zum Rifugio waren genau so, wie ich mir Bergstraßen vorstelle. Zwischen 6 und 8 Prozent und kaum breiter als ein Auto. Tempo machen. Deshalb mussten auch drei E-Mountainbiker sterben. Ich konnte es mir nicht verkneifen, sie einzuholen und ihnen die Höchststrafe zu geben: Überholen. Oben angekommen, retour und la ketterechst auf den lezten Kilometern begleiten. Ohne Pause flitzen wir schnell Richtung San Valentino. Mittagszeit. Den Hunger haben wir in der Bar Trattoria Al Passo gestillt. Direkt an der Abzweigung nach Mori links und Avio rechts, vom Monte Baldo kommend.

Lago di Garda

Blick auf den Lago di Garda

Der Weg retour ging über eine lange und schnelle Abfahrt hinunter nach Mori. In Loppio haben la ketterechts und ich uns wieder getrennt (um uns dann in Torbole wieder glücklich zu vereinen). Ich musste links abbiegen und den Monte Velo (Passo Santa Barbara) verkehrt passieren. Die Auffahrt vom Vortag als Abfahrt hat es mir angetan. Zuerst aber 15 km bei brütender Hitze über Valle San Felice, Pannone, Varano und Renzo-Chienis bis nach oben. Was folgte, waren 12 atemberaubende, technisch anspruchsvolle  und sehr schnelle Kilometer hinunter nach Arco. Jede Menge 180°Kehren, die so zumachten, dass es ganz schön tricky war, nicht auf die Schnauze zu fallen. Steuern und Abfahren, wie im Lehrbuch. Rennradfahren am Gardasee bildet weiter.

Radservice in Torbole

Ohne Worte. Mit viel Wahrem.

Der Plan Baldo samt Verlängerung hat sich voll ausgezahlt. Der Rest des Tages wie immer am See sitzen, viel essen, Menschen beobachten und über weitere Touren sinnieren. Zu erwähnen ist noch, dass man nach vier Tagen Gardasee schon langsam 50% der Gäste kennt. Wenn man sich am Torbole-Hotspot den Logenplatz sichert. Ach ja: Italienerinnen tragen Birkenstock Modell “Madrid.” (la ketterechts auch). Ich schwöre: Das ist keine Werbung.

Mit dem Rennrad am Gardasee. Tag 5.

Eigentlich wollten wir viel länger bleiben. Leider haben wir kein passendes Zimmer gefunden, welches uns unseren Wunsch erfüllen konnte. Wir hofften verlängern zu können. Hatten stark damit spekuliert. Doch das glocal Torbole war ausgebucht. Schade. Torbole hat uns sehr gut gefallen. Das Flair ist besonders. Eine Mischung aus Rad- und Badeurlaub. Aus Rimini mit Niveau und Adria ohne Niveau sowie aus Badeschlapfen oder eben der ominösen Birkenstock Modell “Madrid”. Gut ausgebaute und ausgeschilderte Verbindungs-Radwege mischt man am besten mit feinen Anstiegen oder langen Klettertouren. Die Nähe zu den “Dolomiten” (Dolomiti del Brenta) geben der Region Alto Garda ihr unverkennbares Gesicht. Vom Wasser geht’s direkt in luftige Höhen.

Keego Titanium Trinkflasche

Wasser gegen den Schweißverlust

Abseits der Hauptverbindungen gibt es hinter jeder Hauskannte eine Möglichkeit eine Bergstraße zu fahren. An Langweile kann man hier als RennradfahrerIn nicht sterben. Höchsten wegen Erschöpfung. Einfach wie man kann und will. Spätestens am Abend trifft an sich wieder am Strand, im Hotel oder in einer der vielen Bars und Restaurants.

Der Gardasee und Torbole.

Torbole ist perfekt für einen Rennradurlaub am Gardasee. Weil das Wasser seinen Teil dazu beiträgt. Wer das Glück hat beschlagnahmt eine der Bänke direkt am Ufer und gibt sich dem Sinnieren hin. Die Augen und die Ohren bekommen so viel geboten, dass der Abend schnell vergeht. Für alle, die es schaffen, sich auf den See einzulassen, kann er therapeutische Wirkung haben. Jede Welle bringt einen neuen Gedanken ins Spiel. Die Enten, die Schwäne, die Surfer, die Fähren, die untergehende Sonne. Alle sind sie Teil des Erlebnisses. Und wir waren mittendrin statt nur daheim.

Urlaub am Gardasee

Der See und die Gedanken.

Es war nicht leicht Abschied zu nehmen. Jetzt sind wir in Südtirol. Dort ist es auch schön. Aber das ist eine andere Geschichte.

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

Colnago Cycling Festival – mittendrin statt nur daheim.

Colnago Cycling Festival

Längst bin ich wieder zurück vom Gardasee. Teile von mir sind aber noch in der Gegend um Desenzano del Garda verstreut. Am See und in den Bergen. Sie haben das Colnago Cycling Festival nicht überlebt. Mein Sattel, meine GoPro, Teile meiner Schaltung und meine nagelneue Caomuflage Radhose. Ruhet in Frieden. Die 159 km Schleife der Granfondo waren also nicht unbdingt ein netter Familienausflug nach Italien. Auch wenn ich mit der Leistung halbwegs zufrieden sein kann. 30,7 km Schnit bei knapp 2.000 Höhenmeter auf 159 km.

Gardasee: Das schönere Rennradfahren.

Die Vorzeichen standen schon mal besser. Mit einer nicht ganz einwandfreien Waffe bin ich angereist. Ganze 8 Stunden Autofahrt. Zwischen Stau und ewigen Geraden. Einziger Lichtblick der “Autogrill”. Ja, jener, der quer über die Autobahn gebaut ist. Kindheitserinnerung. Dazu kam noch ein Navi, welches mich in Verona Sud von der Autobahn gelotst hatte. Obwohl 20 km weiter die Autobahnausfahrt “Desenzano del Garda” für mich vorgesehen wäre. Ich habe mich also verarschen lassen und bin in der Industriezone von Verona im Kreis gefahren, bevor ich mich wieder auf meinen Instinkt verlassen habe und über Peschiera endlich unser Quartier erreichen konnte.

Vom Hunger geplagt haben wir gleich eine Pizzeria aufgesucht. Die nächstbeste auch betreten. War nicht ganz nach meinem Geschmack. Pizza die nicht aus dem Holzofen stammt, darf es in Italien nicht geben. Fader Geschmack. Es fehlte der Duft der “pomodori” und der “mozzarella”. So eine Pizza kriege ich überall auf der Welt. Italienische Pizzas müssen mehr können. Bekanntlich ist der Hunger aber der beste Koch.

Ganz schön viel los beim Colnago Cycling Festival.

Die Pizza war schnell weg und die Stimmung halbwegs wieder in Ordnung. Samstag morgen. Italienische Frühstück. Mit Cappuccino aus dem Automaten. Mein Gott. Italien ist nicht mehr das Italien. Zum Glück waren die Brioches ganz nach meinem Geschmack. Gestärkt ging es mit dem Rennrad auf Erkundungstour. Zuerst rein in die Ortschaft und dann auf der Originalstrecke, entlang einer traumhaften Landschaft mit Blick zum See bis nach Salò. Am Hafen gab es dort einen echten Cappuccino. Für € 1,90. Viva l’Italia del caffè. Am liebsten wären wir dort sitzen geblieben.

Der Berg hat uns aber gerufen. So war die Weiterfahrt nach Riviera del Gardone und anschließend die Auffahrt nach San Michele eine logische Schlussfolgerung. Rauf ein Genuss. An die 5° Steigung waren es im Schnitt. Das Unheil machte sich aber jetzt schon bemerkbar. Meine Schlatung mit Shimano Schaltseil und No-Name Bowdenzug zickte gewaltig. Die Notlösung erwies sich als falsch. Da musste  was gemacht werden.

Starke Nerven und gute Bremsen.

Die Abfahrt zurück war ein sehr gutes Training. Steil und spitz. Die Kehren haben es hier in sich. Man hat das Gefühl gleich im See zu landen. Dazu noch Schlaglöcher. Arme Carbonfelgen. Wir haben es aber alle überlebt und rauschten zurück nach Desenzano.

Am Weg ein kleiner Disput mit einem italienischen Autofahrer, der uns (mich) mehr gedrängt als überholt hatte. Natürlich musste ich ihm meinen Unmut deutlich zeigen. Auf italienisch mit den Händen. Prompt blieb das Auto stehen. Der Fahrer stieg aus. Ich hielt an. Und wir fingen an zu diskutieren. “Glaubst du ich fahren 20 km hinter dir her, nur weil du hier einen Sonntagsausflug mit dem Rennrad machst?” Ich “Ja, das ist eine Pflicht. Oder willst du mich umbringen.” Darauf der Fahrer “Das ist dein Risiko, wenn du Rad fährst.” Mehr hat es nicht gebraucht. Das Gespräch ab jetzt nicht mehr jugendfrei. Ich bekam die Drohung, nicht mehr vom Rad steigen zu können. Ich zog den Kürzeren, klopfte dem Autofahrer auf die Schulter und wünschte ihm eine angenehme Weiterfahrt.

Vor dem Rennen ist vor dem Essen.

Zurück in Desenzano. Den Rest des Tages haben wir dann bei der Startnummerabholung und in der Expo Zone verbracht. Fast hätte ich mir beim Shimano Stand, meine Campagnolo Schaltung anschauen lassen. Fast. Eine kleine Strandbar, 30° und ein Corona Extra gaben uns dann den Rest. So darf Rennradfahren sein.

Italien ist auch Essen und Eis. In unserem Fall auch Colnago Räder. Ja. Ich als Pinarello Jüngling hatte auch ein Auge für die Colnagos. Besonders für das C60 mit Campagnolo Disc Brake. Wobei die Ravioli mit Sesam in Butter geschwenkt leistbarer waren. Sehr gut im Geschmack obendrauf auch noch. In der Trattoria Alessi. Kann ich empfehlen. Essen ein Traum. Pizza bitte trotzdem woanders bestellen. Ein rießengroßes Eis rundete den Abend und die Nacht ab.

Im Hotel wurde dann noch von Chefmechaniker Alex die Campagnolo Schlatung gecheckt. Mit mäßigem Erfolg. Raufschalten ok. Runterschalten Scheiße.

Das Rennen. Oder mein Ausflug in die Berge.

Das Rennen selber lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen. Sauschnell (für mich) und schmerzhaft. Circa bei km 18 hat es “knack” gemacht. Sofort hatte ich die richtige Vermutung. Bin aber weitergefahren. Bis in den ersten Berg. Stutzig hat mich die Tatsache gemacht, dass ich beim Aufstehen aus dem Sattel jedes mal irgendwie daran hängen geblieben bin.

Colnago Cycling Festival

Made in China.

Im Anstieg stieg ich kurz vom Rad und meine Befürchtung bestätigt sich. Sattel gebrochen. Made in China. Destroyed in Lago die Garda. Sofort tritt Plan B in Kraft. Ins Ziel kommen. Die gesamte Steigung fahre ich sitzend. Oben bei der ersten Labe versuchte ich eine technische Assistenz zu checken. Vergebens. Runter nach Salò. Weiter zum zweiten Berg. Es lief trotz allem ganz ok. Abgesehen vom Sattel und der Schaltung. Am Berg konnte ich nur 34/27 fahren. Alle anderen kleineren Gänge blieben nicht drinnen.

Zweite Labe. Ich fand zwei Motorradfahrer und fragte nach Klebeband. Wir gingen zum Motorrad und ich fing an zu kleben. Sofort kam ein Fotograf. Und hielt alles fest. Auch meine Startnummer, meinen Namen und den Namen des Geschäftes, wo ich den Sattel gekauft haben soll. Ich gab Auskunft. Und alle lachten. Mit Kabelbinder befestige ich alles noch zusätzlich.

Aus Plan B wurde dann doch wieder Plan A.

Ich fuhr weiter. Der Gedanke den “percorso medio” zu fahren schwindet. Ich wollte das jetzt durchziehen. Wenig Später auf einer Geraden in der Gruppe bei über 40 km/h erwischte ich eines der vielen Schlaglöcher. Durch die Wucht, brach die GoPro Halterung am Lenker. Die Kamera löste sich und fog. Der Aufschlag am Asphalt und das Abrollen dieses Plastikteils. Was für Schmerzen. Ich musste stehen bleiben, zurückfahren und das einsammeln, was noch da war. Die schnelle Gruppe natürlich weg.

Weiter ging es trotzdem. Km 93 Abzweigung. Ich nehme den “percorso lungo”. Es folgt der fadeste Teil der Stecke. 18 km geradeaus Richtung Westen mit Gegenwind. Durch die Vorfälle hatte ich vergesen zu essen und meine Trinkflasche zu füllen. Hunger, Durst und Krämpfe begleiten mich bis in den letzen Anstieg und über den Berg. Wasser aus einem Brunnen fühlte sich an wie ein 5 Sterne Menü. Highnoon hinauf zum Castello. Km 125. Labe. Das künstlichste Crossaint aller Crossaint mit Marillenmarmelad ein Highlight des Tages. Zuckerschock Deluxe. Nach 500 ml Cola ging es weiter. Das Ende nahte.

Sonne, See und Rennrad.

Auf den letzten Kilometern wurde es nochmals spannend. Eine Gruppe Italiener glaubte für Mario Cipoollini den Sprint anziehen zu müssen. 20 km vor dem Ziel. Das Tempo war jetzt höllisch. Im Flachen. Sobald sich die Straße aber etwas Richtung oben hob, wurde herausgenommen. Gut. Ich wusste,wer mich Heim bringt. Nach 5h10min inklusive aller Klebepausen war ich dann auch wieder zurück.

Colnago Cycling Festival 2017. Erstens kommt es anders, und zweitens wird viel kaputt. Für den 16.7. habe ich mich deswegen für den Granfondo Pinarello angemeldet. Rennradfahren ist Italien ist cool. Wenn man die aggressiven Autofahrer ausblendet. Und von denen gibt es mittlerweile viele. Vom Essen ganz zu schweigen. Buon appetito.

ktrchts

PS: Details zur Strecke hier