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King of the Lake 2015 – das Einzelzeitfahren rund um den Attersee. Die Analyse.

Foto und Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger
King of the Lake – 47 km Einzelzeitfahren

Nachdem meine Oberschenkel- und Wadenmuskulatur unmittelbar nach dem Rennen vom Massageinstiut Lukas schmerzhaft an ihre Grundfunktion zurückerinnert wurden, ist jetzt auch der Kopf wieder so weit, eine halbwegs objektive Analyse meines Antreten beim King of the Lake 2015 wiederzugeben.

Alles in allem ist meine Rennstrategie in Summe aufgegangen ist. Damit könnte ich leben, Wenn da nicht mehrere wenn wären. So bin ich die ersten 15 Minuten vom Start weg mit Ø 281 Watt statt wie geplant mit 245 Watt gefahren. 40 km/h Schnitt auf 10 km sind nicht schlecht. Für mich. Etwas übereifrig, aber geil war’s. Auch habe ich am Start etwas geblödelt und bin mit ausgeklicktem linkem Pedal die sehr steile Startrampe runter (Fotobeweis vorhanden). Den Aufschlag am Asphalt konnte ich nur mit einem “Bist du deppert” entgegentreten (Videobeweis vorhanden). Nach 15 Minuten habe ich versucht, den Plan einzuhalten. Doch hat mich in dieser Phase des Rennens bis knapp vor der Wende in Unterach ganz einfach eine gewisse Langweile eingeholt. In meiner natürlichen Naivität dachte ich mir, mehr Vorstarter auf der Strecke zu erspähen. Diese hätten mir dann (Wunschdenken) einen gewissen Kick geben sollen, noch mehr zu drücken, um sie ein- und zu überholen. Dem war aber nicht so. Im Nachhinein muss ich mir gestehen, dass der Kampf gegen die Uhr allein, mich nicht wirklich erfüllt hat. Kein Auto, kein Gegner, kein Hindernis, kein Mensch. Langweilig. Kein Schmäh. Kein Adrenalin. Keine Motivation. Mit Sicherheit hat auch das Wetter dazu beigetragen, meinen Endorphinausstoß in seiner Überschwänglichkeit zu stoppen. Grau. Trüb. Nass.

Erst als mich der hinter mir gestartete einholen konnte, kam bei mir Rennfeeling auf. Mit guten 10 Metern Abstand konnte ich mich an die Startnummer 288 anhängen. Bei der Auffahrt Unterach sogar überholen (Dank auch der wenigen Groupies dort in der Kurve). Genau deshalb hatte ich genug Kraft diese längere Steigung mit Kette rechts hinauf zu drücken. Dann ging es am Nordufer retour. Dieser Teil hatte eine ganz andere Toponomastik als das Südufer. Große Scheibenschupfer, statt der kleinen. Was zur Folge hatte, dass es auch längere Bergabpassagen gab. Hier verhungerte ich mit meinem 50er Kettenblatt vorne. Das 11er Ritzel hinten machte das Kraut auch nicht fett. Nicht nur die 288 fuhr mir davon, sondern auch weitere von hinten kommende (300er Nummern!) flogen an mir vorbei. Allesamt mit Zeitfahrrad und in Aero-Position. Ich machte mich zwar am Unterlenker so klein wie möglich, aber ich hatte keine Chance. Auch nicht mit einer Extraschicht Laktatproduktion. Mein Herz wollte sowieso nicht mehr so richtig pumpen (am Ende eine mäßig hohe maximale HF von 174. Die Ø lag bei 165 – was wiederum sehr viel Interpretationsspielraum eröffnet).

So musste ich leider ansehen, wo der Bartl den Most herholt. Auf den letzten 15 km. Zwar konnte ich an den vielen Zwischensteigungen (Nußdorf, Litzberg …) die 288 immer wieder einholen, auf der anderen Seite der Hügel, zog mir mein als Gegener Nummer 1 Auserwählte immer wieder davon (Videobeweise vorhanden). Jetzt könnten wir über Zeitfahrrad vs Rennrad bzw. Aero-Position vs Unterlenker in Verbindung Luftwiderstand und Leistung (Watt) diskutieren. Ich sage, dass das in paar kleine Wattchen bringt. Vielleicht war es in diesem speziellen Fall (Startnummer 287 vs 288) eine Frage der Kraft in den Beinen. Foto- und Videobeweis (siehe auch Foto oben) sprechen eine deutliche Sprache. Ein Oberschenkel der 288 ist so groß wie meine beiden zusammen.

Mit Sicherheit war auch meine innere Einstellung, alles mit Kette rechts fahren zu wollen, eine Schnapsidee. Mit dieser Einstellung konnte ich zwar bei jedem Hügel meine Wattperformance steigern, ich war “oben” aber jedes Mal ziemlich blau.

Schlussendlich habe ich das ins Zielgetragen, was unter diesen Voraussetzungen möglich war.

Fazit: Nicht die Beine entscheiden, sondern der Kopf. Den Kampf gegen die Zeit muss man mögen. Ich mags zwar auch, aber ich brauche einen physischen Gegner. Und eine Heldenkurbel. Am besten 54×11. See you next year – mit einem virtuellen Gegner von GARMIN.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#kingofthelake15
#ketterechts

King of the lake – das Einzelzeitfahren rund um den Attersee

Ein Vorbericht von ketterechts, dem Rennrad Blog und Event Liveblogger
47 km Vollgas rund um den Attersee

47 km Vollgas rund um den Attersee. Auf einer für den Verkehr gesperrten Straße (es gilt aber trotzdem die StVO). Wie geil ist das denn. Nach dem Jahrtausendsommer eine weitere Möglichkeit Spuren von Laktat zu hinterlassen. Und ich bin dieses Jahr mittendrin statt nur daheim. In der Kategorie Rennrad. Klassisch. Pur. Nackt. Reduziert auf einen normalen Rennlenker. So wie Gott das Velo schuf.

Logisch, dass ich mich ein wenig mit dem Thema Rennstrategie auseinandergesetzt habe. Dank der Hilfe von Paul. Er hat mich wieder mit interessanten  Excel Tabellen ausgestattet. Diesmal eine, welche meine 5 Trainingszonen nach Puls und Watt einteilt. Regeneration. Aerobe Ausdauer. Tempotraining. An der Schwelle, Über der Schwelle (Aerobe Kapatzität, Anaerobe Kapazität). Was ich dazu brauche? Pulswerte wie maximale HF und LSHF und Leistungswerte, also wieder den FTP Wert.

Diesen FTP Wert lege ich dieses Mal auf anraten von Paul etwas niedriger an. Also nehme ich 90% der 288 Watt, welche ich im Training einmal durchschnittlich über 20 Mintuten geleistet habe. Ohne selbsteingeschätzter Erhöhung. Mehr steht mir am Papier (Garmin) nicht zur Verfügung. Einen speziellen 20 Minuten Test habe ich ja noch nicht (trotzdem bin ich sicher, dass ich mehr leisten kann). Egal. Was liegt das pickt. Ein FTP Wert von 259 Watt.

Früher hätte ich mal so gerechnet: 47 km bei einem möglichen Schnitt von 36 km/h wären 1h18min. Damit wäre ich ja halbwegs zufrieden. Wobei der 36 km/h Schnitt etwas vorsichtig ist. Diesen Schnitt konnte ich “früher” bei meinen Ironman Starts über 180 km bei vielen Höhenmetern 5h halten können. Mit einem Zeitfahrrad.

Aber früher war alles anders. Am Samstag darf anders gerechnet werden. Ich soll mir das Rennen in 4 Abschnitte einteilen. Die ersten 15 Minuten mit einer Ø-Leistung von 245 Watt. Die zweiten 15 Minuten auf 255 steigernd, die dritten 15 Minuten dann mit 265 bolzen und den Rest dann all out – also Vollgas bis zum Kotzen. Das bedeutet Zurückhaltung am Anfang. Was nicht leicht sein wird.

Bin gespannt was herauskommt. Auf alle Fälle über 60 Minuten Unterlenker. Liebe Grüße an dieser Stelle an die Bandscheiben. Hoffentlich kann ich früh genug starten, denn um 20.00 Uhr muss mein Alter Ego bereits wieder in Wien sein. Bei Soso’s Comedy Club.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#kingofthelake15
#faceyourpassion
#ketterechts

PS: Natürlich starte ich mit der Garmin VIRB XE am Lenker. Damit auch alles dokumentiert wird.