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Rennrad fahren am Monte Grappa.

Rennrad fahren am Monte Grappa

Sie wurde in 100 Tagen von Pionieren der österreich-ungarischen Armee gebaut und die Bauweise gilt heute noch als technische Hochleistung. Die Rede ist von der Straße zum Passo San Boldo zwischen dem Val Mareno und der Val Belluna. Von Tovena aus kommend überwindet die Straße dabei über fünf übereinander liegende Kehrtunnel und über sechs Brückenbauwerke eine senkrechte Wand am Fuße des Passes. Befahrbar ist diese Straße auf den letzten Kilometern einspurig. Wer hinauf oder hinunter darf, wird von zwei Ampeln bestimmt. All das macht den Passo San Boldo zu einem Highlight beim Rennrad fahren am Monte Grappa.

Der Passo San Boldo ist also schon ein Muss, wenn man zum Rennrad fahren in der Gegend verweilt. So wie eine Gruppe Unerschrockener aus der Serie Urlaub machen und Rennrad fahren nach zwei Jahren Abstinenz. Schon die Anfahrt über die “Strada del Prosecco” ist voll von Eindrücken. Die Hauptstadt des Prosecco, Valdobiadene, hätte man nicht schöner in die Landschaft einbetten können. Guia, Combai, Miane, Follina und Cison di Valmarino ebenso. Besonderes Wetterglück, also strahlend blauer Himmel und eine saftig grüne Vegetation, macht eine Radfahrt mitten durch die Reben zu einer besonderen Ausfahrt. Diese kann sich ganz schön in die Länge ziehen, wenn man die vielen Einkehrmöglichkeiten ausgiebig nutzt. Ein Espresso hier, ein selbst gemachter Tramezzino da, zwischendurch ein Dolcetto – das hat schnell Auswirkung auf den geplanten Tagesablauf. Wer aber auch zum Urlaub machen an den Monte Grappa kommt, der wird schnell seinen Frieden mich sich selbst und der Gegend finden.

Urlaub machen und Rennrad fahren.

Es waren zwei harte Jahre. Zwei Jahre ohne den Mythos Monte Grappa. Das Warten hatte aber ein Ende und der Berg der tausend Kehren war endlich wieder Ziel einer Rennradreise. Same time, same place. Pfingsten und Monte Grappa gehören zusammen. Es ist die Energie des Berges und die magische Anziehungskraft der Cima Grappa auf über 1.700 Metern Höhe. Drei Kilo Übergewicht haben sich gelohnt. Alles brav aufgegessen für ein Bilderbuchwetter. Satte Plusgrade am Gipfel, eine Fernsicht bis weit in die Dolomiten hinein und ein Gefühl über den Wolken zu schweben. Gleich am ersten Tag war also alles erledigt, wofür man diesen Rennradurlaub gebucht hatte. Würde man aufhören wollen, wenn es am schönsten ist, dann wären die Koffer jetzt gepackt. Aber manchmal kommt es besser, als man denkt.

Dass der Monte Grappa 10 + 1 Auffahrten hat, will an dieser Stelle nur nebenbei erwähnt werden. Dass 10 + 1 Auffahrten auch 10 + 1 Abfahrten sind, nicht. Eine davon, sicher die längste über den Kamm bis nach Pederobba, war dieses Mal ein Abenteuer in mehreren Akten. Gleich zu Beginn verabschiedete sich der die Gruppe führende Autor in einer Kurve statt zu bremsen, ganz bewusst in die grüne Wiese. Um diese dann schnell und akrobatisch am direktesten Weg wieder Richtung Fahrbahn zu verlassen. Ohne einen der vielen Felsen zu touchieren und womöglich die kommenden Tage zu kompromittieren. Der Regen vom Vortag hatte nämlich einiges an feinem Sand auf die Straße geschwemmt, sodass das Steuern in den Kurven ein Tanz auf rohen Eiern hätte sein müssen. Ab diesem Zeitpunkt wussten es alle. Der Vorführeffekt hat Wirkung gezeigt.

Wer zuerst bremst, ist später unten.

Der zweite Akt war eine Nebelbank der Marke “Fluch der Karibik”. Nach der Black Pearl Ausschau haltend schlich sich die gesamte Gruppe im Schneckentempo und bremsquietschend der Fliehkraft folgend in die Tiefe. Mittendrin, statt nur im Stall, dann eine Herde Kühe und Jungstiere, die sich der Gruppe stoisch in den Weg stellen musste. Perfekte Therapiemöglichkeit für Kuh-PhobiotikerInnen. Zeit zum Fotografieren war keine, denn die Kühe waren in Überzahl und eine Eskalation war zu vermeiden. Danach wurde es wieder hell und steil, bevor die nächste Abfahrt den Bremsbelägen alles abverlangte. Ein Pop-Up Store mit Shimano L03A Resin Belägen hätte am Ende der Abfahrt ein gutes Geschäft gebracht.

Ende gut, alle unten. Bremsen und Steuern ausgiebig geübt. Als Belohnung gabs Getränke, Eis und natürlich wieder dolci. Bei über 30° war Kühlung gefragt. Die Weiterfahrt erfolgte dann getrennt. Die einen locker ins Hotel, die anderen erreichten möglichst viel Fahrtwind schaffend, mit einer Extra-Schleife über Monfumo, Maser und Asolo das wohlverdiente Abendessen etwas später.

Oft ist es nicht einfach, die unterschiedlichen Interessen, Wünsche und Hoffnungen der TeilnehmerInnen unter dasselbe Laktat zu bringen. Deshalb ist Improvisation gefragt. Der Monte Grappa und die gewählte Location eignen sich perfekt dazu. Wer nicht mehr will, lässt sich einfach zurückfallen und landet bergab direkt im Hotelzimmer. Unentwegte hingegen können in einer Endlosschleife vor dem Wegfahren, während der Auffahrt und nach dem Ankommen beliebig viele Kilometer und Höhenmeter anhängen. Schlau, intelligent und vor allem empathisch gelöst.

Geschichten erleben, Geschichte leben.

Jede Rennradreise schreibt ihre eigenen Geschichten. Jene zum und rund um den Monte Grappa ist dabei bestückt mit viel Geschichte aus vergangenen Tagen. Stichwort Piaveschlachten. Aktueller ist aber die Geschichte von Jo. Jo ist zur Rennradreise vom Comersee angereist und dorthin auch wieder abgereist. Bikepacking, wie es sein sollte. Abenteuer pur. Ganz ohne Elektronik und moderne Taschen. Jos Lenkertasche, eine alte Gasmasken-Tasche, schwebte auf Gummibändern, die an den Unterrohren befestigt waren. Damit das Gewicht, die Tasche nicht auf den Reifen drückt. Das dürfte allerdings nicht immer so funktioniert haben. Auf Ebay würde die Tasche keine Neupreise erzielen. Ein echter Freak.

Die Geschichten von Jo haben die Gruppe fasziniert und unterhalten. Egal ob er davon erzählte, wie er die Kette unterwegs mit Olivenöl geschmiert hat, oder wie er sich vom Schlosser und Schweißer zum Audiologen verwandelt hat. Seine Lebensweisheiten waren einfach, bescheiden, vorbildhaft und interessant. E

Ein Urlaub am Rennrad fürs Seelenwohl.

Es ist der letzte Tag. Die Gruppe hat noch 16 von 116 Kilometern vor sich, um gesund im ehemaligen Kloster retour zu sein. Die Temperatur zeigt noch immer über 30 Grad an. Ein Teil der Gruppe inklusive Jo tobt sich noch am Nordhang des Monte Grappa aus. Zwei haben sich diese Auszeit gegönnt. Von den 10 + 1 Anstiegen (jetzt hätten wir sie wieder), haben sie leider nicht den vorgeschlagenen erwischt, sondern einen Hochprozentigen. Spricht eindeutig für geführte Touren und weniger für Selbstversuche. Aber auch Selbstgeißelung kann ein Hobby sei. Der Rest der Gruppe sitzt in Asolo im Cafe Centrale und ist nach den Strapazen endlich im Urlaub angekommen. Monte Grappa ist abgehackt, San Boldo Geschichte und weitere Auf- und Abfahrten überlebt. Cafè speciale, Tramezzini, Granita, Dolci und Wasser. Ohne die noch bevorstehenden 16 Kilometern hätte es mit Sicherheit Campari oder Aperol werden können.

Wiederkommen, wiederkehren.

Nach zwei Jahren Abstinenz hat das Rennrad fahren am Monte Grappa Erinnerungen wachgeküsst und die Radgeister geweckt. Das Essen ist gleich gut geblieben, die Unterkunft vertraut, die Landschaft grüner und die Auffahrten herausfordernder denn je. Nur der Straßenzustand hat sich da und dort verändert. Ins Positive wie auch manchmal ins Gegenteil.

Egal. Wir kommen wieder. Monte Grappa und Pfingsten gehören zusammen. Save the date. 26. bis 30. Mai 2023. Urlaub machen und Rennrad fahren am Monte Grappa.

#ktrchts

PS: Für alle, die nicht so lange warten wollen. Urlaub machen und Rennrad fahren in den Dolomiten. Vom 4. bis 10. Juli 2022.

Rennradcamp für Rennrad Einsteiger*innen.

Rennradcamp für Rennrad Einsteiger*innen

Aller Anfang ist hier. Das hatten wir schon. Doch meistens kommt es anders, als man denkt. Und genau deshalb ist die Premiere einem Virus zum Opfer gefallen. Aber neues Jahr (neue Freiheit) neue Chance. Das Rennradcamp für Rennrad Einsteiger*innen findet vom 27. April bis 1. Mai 2022 in Mörbisch am Neusiedlersee im Burgenland, der Sonnenseite Österreichs, statt. Richtig und sicher Rennradfahren lernen. Und es geht darum, Antworten auf alle Fragen zu geben, die sich Rennrad Rookies (Anfänger*innen) gerne und oft stellen. Trainingsfragen, Materialfragen, technische Fragen, Ernährungsfragen, Fragen zu Fahrten in der Gruppe, zur richtigen Sitzposition oder zum Thema Verkehrssicherheit.

Sicher und richtig Rennrad fahren lernen.

Keine Fragen sollen unbeantwortet bleiben, denn Österreichs erste praktische Rennradschule will eine Lücke füllen, die durch den Rennrad-Boom entstanden ist. Immer mehr Rennrad-Verliebte wollen auf die Straße. Und das ist gut so. Noch besser ist, wenn Mann und Frau sich dort selbstsicher bewegen. Das Rennradcamp für Rennrad-Einsteriger’innen ist somit die praxisnahe Alternative zu den vielen Facebook Gruppen und Google Suchergebnissen zum Thema.

Rennrad fahren kommt vom Rennrad fahren. Wer also das Rennradfahren lernen möchte, sollte Rennrad fahren. Möglichst lange und möglichst oft. Richtig und sicher von Anfang an. Weil ein unbeschwerter und angstfreier Umgang mit dem eigenen Rennrad, die Lust auf und die Motivation für die nächste Ausfahrt steigert. Aber wie fährt man richtig und sicher? Genau diesen Fragen geht man beim Rookie Rennradcamp in Mörbisch am See nach. Bei gemeinsamen Ausfahrten, gemeinsamen Workshops, vielen Tipps und Tricks und natürlich auch mit Reifenheber, Inbus, Torx, Montagefett, Schraubenzieher, Kassettenabzieher, Drehmomentschlüssel, Kettenpeitsche und Standpumpe. Das ganze alternierend bergauf, bergab, geradeaus und in den Kurven. 

Die praxisnahe Einsteiger*innen Rennradschule.


Die Idee der Rennradschule kann einfacher nicht sein. Viel Rennrad fahren und viel übers Rennradfahren fachsimpeln. Das Rookie Rennradcamp soll allen Rennrad-Einsteiger*innen die Chance geben, sich selbst und das eigene Rennrad zu verstehen, um mit diesem eins zu werden. Abseits der digitalen Welt, wo jeder jeden belehren muss und gerne Ferndiagnosen stellt. Geleitet wird das Rennradcamp für Rennrad Einsteiger*innen vom Autor dieses Beitrages selbst und einem zertifiziertem Trainer.

Urlaub machen. Rennrad fahren lernen.

Vier Tage lang wird am Ufer des Neusiedlersees im Burgenland logiert. Ende April herrscht hier schon ein sehr fahrradfreundliches Klima. Inmitten der Weinberge, entlang und über das Leithagebirge sowie höher hinauf auf die Rosalia oder in die Buckelige Welt. Das Programm umfasst wichtige Themen rund ums Rennradfahren.

Was Mann und Frau in diesen 4 Tagen alles lernen können:

  • Rennradfahren (nicht nur von Eisdiele zu Eisdiele)
  • sicher Rennrad fahren
  • sicher Rennrad fahren in der Gruppe
  • Fahrradtechnik (Bremsen, Steuern, Bergauf- und Bergabfahren, Kreiseln, Windkante …)
  • am Rad Herumbasteln und Finger schmutzig machen
  • effizient trainieren
  • ausgewogen und richtig Energie zuführen
  • Spaß haben und lachen
  • weniger Spaß haben mit der BlackRoll
  • mit dem Rennrad übers Wasser fahren

Anmeldungen sind ab sofort möglich.

#ktrchts #machurlaubfahrrennrad #rennradschule

Sind das die Rennrad-Trends 2022?

Rennrad-Trends 2022

Könnte der Autor in die Zukunft sehen, dann wäre obiger Titel wohl ohne Fragezeichen zu verstehen. Nachdem das aber nicht so ist, kann er nur darüber spekulieren, welche aktuellen Rennrad-Trends 2022 letztendlich tatsächlich das Zeug dazu haben, old fashioned zu werden. Schauen wir, wohin die Reise geht (oder gehen kann).

Gravel. Der Trend “two in one”.

Fangen wir einmal mit dem Leichtesten an. Das Gravelbike oder Schotterrad (Eigendefinition) wird auch 2022 Thema Nummer 1 sein und sofern das Angebot da ist, seinen triumphalen Siegeszug weiter fortsetzen. Schottern ist einfach in. Weg vom Racen hin zum Curisen. Dieser Trend geht weg von der Straße und nimmt jede Abzweigung, die am Weg zu finden ist. Die mittlerweile perfekt abgestimmten Räder bieten nunmehr alles, was man sowohl Offroad als auch auf bewährten Pfaden benötigt, um schnell, flink und wendig zu sein. Egal ob long ride mit den Rad-Buddies oder Schotterpfad allein. Wer in ein gutes Gravelbike und 2 Laufradgarnituren investiert fängt mit einem Kauf zwei Fliegen. Fürs Grobe und fürs Feine. Der Trend in Richtung “two in one bike” lässt sich erkennen und nicht aufhalten.

Bikepacking. Der Trend Freiheit.

Rauf aufs Rad und los. Von bis. Der Hang zum Bikepacking wird immer größer. Auch der Drang, sich diesem Abenteuer zu stellen. Was es immer schon gegeben hat, ist jetzt viel cooler und angesagter denn je. Die seitlichen Radtaschen wurden durch Satteltaschen ersetzt. Auch die Lenkertasche ist en vougue. Die Zauberwörter heißen across und around. Bikepacking ist die Freiheit des Seins. Einmal rundherum oder durch. Selbst sind jetzt die Radfahrenden und schön ist die Welt. Altes ist jetzt voll salonfähig.

Bikepacking

Reifenbreite. Der Trend Protzen.

Reifen werden immer breiter und der Standard von 25 mm beim Rennrad ist längst überholt. Es geht bereits in Richtung 28 mm, sofern der Rahmen dazu geeignet ist. Beim Aero-Rennrad wird’s eng. Ansonsten heißt es Breite frei. Auch im Peloton. Die Scheibenbremsen haben Platz geschaffen, der jetzt genutzt werden will. Breitere Reifen versprechen mehr Komfort, bessere Bremsleistung und weniger Rollwiderstand (bei weniger Druck). Und bei den Gravelbikes sind wir längst schon bei 40 mm +.

Hamstern und horten. Der Trend Knappheit.

Muss man in Zukunft für ein Ersatzteil zum Nachbarn gehen? Weil man weiß, dass er schon seit längerem hamstert und hortet? Oder vielleicht doch um die Welt reisen, auf der Suche nach dem missing link? 2021 war das Jahr der leeren Ersatzteillager. Für eine Shimano Kassette 11/32 musste man teilweise 16 Wochen warten. Für die Shimano Bremsbeläge L03A sogar länger. Fahrradketten wurden so gehandelt wie Gold oder Bitcoins. Hohe Nachfrage + knappes Angebot = hohe Preise. Eine ganz einfache marktwirtschaftliche Rechnung. Wie knapp wird 2022? Wer auf Nummer sicher gehen will, der deckt sich vorsichtshalber einmal mit dem Nötigsten ein. Bremsscheiben, Bremsbeläge, Ketten, Ritzel …

Aero vs. Endurance. Der Trend Alleskönner.

Interessant wird es beim Duell Aero vs. Endurance. Die letzten Jahre waren ja ausschließlich der “Aerotisierung” (Schelm wer hier Falsches denkt) gewidmet. Mit teils furchtbaren optischen Verbrechen. Diese Entwicklung hat sich zum Glück etwas verlangsamt. Auch durch die UCI-Restriktionen. Umso mehr wird jetzt ganz nebenbei ordentlich durch das Endurance-Feld gepflügt. Es geht um die Suche nach passenden Geometrien für Langstreckenfahrer*innen. Diese Rahmen sollen Komfort fördern, dabei Schnelligkeit und die Spritzigkeit aber kaum einbüßen. Vielleicht gelingt dem einen oder anderen Hersteller das sogenannte eierlegende Wollmilch-Bike.

Nachhaltigkeit und Regionalität. Der Trend Gutes zu tun.

2021 hat uns auch gezeigt, dass die gesamte Fahrradindustrie zu stark von Fernost abhängig ist. Abgesehen von der Pandemie. Wenn ein Containerschiff im Suezkanal strandet, steht gleich eine komplette Branche still. Für Wochen. Der Trend geht also zu mehr Regionalität. So holt Bianchi beispielsweise seine Produktion wieder nach Italien zurück und investiert dafür 40 Millionen Euro. Andere Hersteller wie MyEsel hingegen setzen von Haus aus auf “Made in Austria” und halten so viel Wertschöpfung wie möglich im Land. Die Rahmenproduktion aus heimischen Holz stellt das Herzstück dieses neuen Weges dar. Das schafft Arbeitsplätze und verkürzt Lieferzeiten.

MyEsel Gravelbike

Auch sonst stehen die Themen Umwelt im Fokus neuer Produktentwicklungen. Die auf Pannenschutz und Zubehör spezialisierte Firma Effetto Mariposa entwickelt Pannenmilch aus gepressten Olivenkernen oder Kettenreiniger mit Pinienöl. Der Trend gute Produkte zu entwickeln, die weniger oder kaum der Umwelt schaden, ist erst am Anfang. Gutes Tun ist voll im Trend.

Dichtmilch zu Weihnachten

Digitale Vernetzung. Der Trend Sicherheit.

Ein großes Zukunftsthema wird die nächsten Jahre die digitale Vernetzung sein. Mensch, Fahrrad und alles was rundherum passiert. Strava, Zwift, Garmin, Komoot … das war wohl erst der Anfang. Aktuell erzählen wir gerne, was wir gemacht haben. Vielleicht wird uns in Zukunft das Fahrrad oder ein anderes Smart Device erzählen oder befehlen, was wir zu tun haben. Denkbar wären zum Beispiel Energierückgewinnungssysteme. So könnte man beim Treten Energie für die elektronische Schaltung, für den GPS-Computer und für die Lichtanlage gewinnen. Das lästige Laden würde entfallen. Speziell in puncto Sicherheit kann die Digitalisierung ein großer Schritt sein. So finden immer mehr auch Sturzsensoren ihren Weg in die Serienproduktion.

Überfluss und Komplexität. Der Trend Verwirrung.

Fortschritt hat nicht nur Vorteile. Ein großer Nachteil des immer schneller werdenden Fortschrittes ist die Tatsache, dass man als Konsument einfach nicht mehr mitkommt (oder mitgehen will). Zu viel Auswahl erschwert die Wahl. Super Record, Super Record EPS, Super Record EPS Disc Brake, Super Record Disc Brake, Record Disc Brake, Record, Chorus, Chorus Disc Brake … wo ist der Unterschied?

Vorgestern noch 10fach, dann 11fach und schon ist 12fach der Standard, während 13fach schon die Zukunft eingeläutet hat. Man kauft sich ein Rennrad (sofern verfügbar), bezahlt es und wenige Monate später hat man eine schon veraltete Technologie. Diese funktioniert tadellos, aber … Man will natürlich das Neueste.

Auch das Bestreben vieler Hersteller sich immer neu zu erfinden bringt den Markt und die Konsumenten ins Dilemma. SRAMs Etap AXS zum Beispiele besticht mit einer umfangreichen Auswahl an Kettenblattkombinationen wie neue 46/33T, 48/35T, 50/37, 52/39 und schnelle 54/41T oder 56/43T. In Kombination mit einem 10-26t, 10-28t oder 10-33t Ritzel ergeben sich unzählige Möglichkeiten. Mindestens die Hälfte davon gebraucht man nicht. Oder?

Prosit Radjahr 2022.

Egal welcher Trend sich durchsetzen wird. Hauptsache am Rad bleiben und 2022 auch viele schöne und spannende Runden drehen. Das ist der Wunsch an das Radjahr 2022. In diesem Sinne: Prosit Radjahr 2022.

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad.

Istria 300 – Ride your limits.

Istria 300

300 Kilometer, 5.300 Höhenmeter, 12 Stunden Zeitlimit. Das war Istria 300. Das neue Rennformat, welches im vergangenen Oktober 2021 mit einem Kurs von und nach Porec eine feine Premiere feiern konnte. Bei fast perfekten Bedingungen. Angenehm kühl und sonnig. Perfekt für einen aktiven Saisonsausklang. Wenn nicht die störende Bora mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 – 80 km/h einigen auf der Strecke den Spass verblasen hatte. Inklusive Autor, der sich an dieser Stelle wieder erinnern kann, nach unzähligen Kilometern in Stuntman-Manier und im 45° Winkel zur Fahrbahn von dieser fast gefegt worden zu sein.

Zur Auswahl standen drei Strecken. Offizielle 155, 235 und 300 Kilometer mit respektive 2.200, 3.600 und 5.300 Höhenmeter. Zum Großteil auf gesperrten und gut abgesicherten Straßen. Teilweise waren dies die längst vergessene Seitenstraßen verlassener Nebenstraßen. Entsprechend auch ihr Zustand. Zwei Gravel Passagen und eine Abfahrt, die mehr in die Kategorie Single-Trail einzuordnen wäre, haben das Abenteuer Istria 300 maßgeblich aufgewertet. Aber auch breite und gut ausgebaute Hauptstraßen durften ohne vermeintlicher Gefahr benutzt werden. Einzig bei den Stadtdurchfahrten in Labin und Pazin mussten sich die Teilnehmer*innen der Ungeduld einheimischer Autofahrer beugen. Hier wurde die Verkehrs- und Vorfahrtsordnung pro Rennradfahrer*innen von der Frechheit und Dreistheit einiger Halbinselbewohner untermauert.

Istria 300 Zeitlimits

Rennradfahren als Rechenaufgabe.

Vermutlich haben viele Teilnehmer*innen im Vorfeld viel gerechnet und sich auf der Strecke verkalkuliert. Die Zahlen lassen einiges an Schlüssen zu. Insgesamt sind 122 Fahrer*innen zwischen DNS, DNF und OTL auf der Strecke geblieben oder zu spät ins Ziel gekommen. Einige (ca. 400) haben sich gleich den Weg nach Porec erspart. Von den Gestarteten haben 302 Männer und 33 Damen die Strecke über 155 Kilometer beendet. 156 Herren und 17 Damen haben sich mit dem “Mittelmaß” abgefunden und 119 Männer sowie 3 Frauen sind aufs Ganze gegangen und vor dem “Licht aus” um 1900 Uhr ins Ziel gekommen. Chapeau an dieser Stelle.


Diese Statistik ist sicher auch durch die zwei nicht zu unterschätzenden Zeitlimits entlang der Strecke zustande gekommen. Vom Start weg wussten wohl wenige, wie sie die Balance zwischen Kraftdosierung und Zeitmanagement finden sollten. Auch weil es vom Start weg gleich höllisch rasant zur Sache ging. Alle auf einmal. Ohne Rücksicht auf Streckenwahl. Schnell bildeten sich viele kleine Gruppen, in denen niemand wusste, was die anderen vorhatten. Schnell mitfahren hieß Zeit gewinnen, aber Kraft vergeuden, langsamer schlendern das Gegenteil. Zeit verlieren und Kräfte sparen. Rennradfahren als Rechenaufgabe. Die Streckenposten waren da auch nicht zimperlich und schlossen die Strecken sowie das Ziel exakt nach Vorschrift.

Und über allem schwebte sowieso das Damoklesschwert der 12 Stunden für die 300 Kilometer. Das hätte ein Schnitt von 25 km/h sein müssen. Bei 5.300 Höhenmeter. Frei nach dem Motto der Veranstaltung: Ride you limits. Wobei im Nachhinein betrachtet, dieses Limits reine Kopfsache war. Aber nachher ist man immer schlauer und schneller.

Granfondo Istria 300

Bora et labora. Die Grenzen im Kopf.

Istria 300 hat gerufen, um den Teilnehmer*innen die Möglichkeit zu geben, ihre persönlichen Grenzen kennenzulernen und diese Grenzen zu verschieben. Rückblickend gesehen wurden dabei die mentalen Grenzen am meisten strapaziert. Mit all den bereits erwähnten Hürden. Wer sich hier letztendlich durchgesetzt hat, musste hart im Nehmen sein. Neben starkem Willen, guten Beinen, einwandfreiem Material war Stehvermögen gefragt. Die Bora hat allen alles genommen und das meiste abverlangt. Selten waren die Meinungen nach einem Rennen so unisono. Die einen wurden gebrochen, andere haben diese Herausforderung angenommen. Entweder ging es bergauf oder gegen den Wind. Istrien kann schon hart sein. Nur die letzten 50 Kilometer waren einfacher. Denn auf diesem Streckenabschnitt war der starke Wind auch Freund und Helfer. Nicht immer, aber immerhin.

Istria 300 war auch hügelig. Den einzigen “richtigen” Berg hat man bei der Streckenführung ausgebootet. Dafür mehrere kleine und giftige Zwerge berücksichtigt. Dazwischen ging es immer wieder von 0 auf maximal 500 Meter über dem Meeresspiegel. Und das mehrmals hintereinander. Irgendwo mussten ja die vielen Höhenmeter ja herkommen.

Herbstradeln in Istrien – nema problema.

Es lohnt sich also, sich auf das Abenteuer #istria300 einzulassen. Egal ob A, B oder C Strecke. Die Organisation, das ganze Rundherum, die Atmosphäre in Porec, die Bars direkt in der Marina, Valamar als Hotel-Partner – das sind nur einige Wohlfühl-Faktoren, die das Wochenende rund um das Rennen aufwerten. Die Eindrücke, die man gewinnen kann, sind vielfältig. Jene, die bleiben, einzigartig. Man muss Istria 155, Istria 235 oder Istria 300 gefahren sein, um zu verstehen warum. Es gibt einiges, das man so einfach nicht beschreiben kann. Wie beispielsweise

_die streng bemessenen und herausfordernden Zeitlimits, die vom Start weg im Kopf herumschwirren
_die Grenzen, die der Kopf bestimmt und die Beine befolgen
_den Gruppen-Fahrtechnikkurs in der holprigen Abfahrt nach Ravni
_der permanente Seiten- und Gegenwind und die missglückten Windkanten
_der enge Zickzack-Kurs in Pazin
_die Trüffelspaghetti an der letzte Labestation
_einige Längsrillen so breit wie Krater (und 28 mm Reifen)
_die gegen sich und die Natur kämpfende Einzelsportler in einem eigentlich lässigem Mannschaftssport

Istria 300 ist keine Sonntagsausfahrt. Auch weil das Rennen samstags stattfindet. Es erfordert Mut, Kraft und Intelligenz. Nur so können die gesetzten Ziele auch erreicht werden. Durchkommen ist in diesem Fall nicht alles, denn auch das ist nicht so einfach.

Cristian Gemmato
#rideyourlimits #ktrchts

PS: Interessierte können sich direkt beim Autor melden und sich für das Rennen am 8.10.2022 ein Paket “Teilnahme + Unterkunft von DO – SO” sichern. Einfach informieren: blog@dieketterechts.com oder buchung@machurlaubfahrrennrad.com

Schnell. Schneller. King of the Lake.

Schnell. Schneller. King of the Lake.

Traumhaft. Es war traumhaft schön. Perfektes Wetter. Keine Wolke am Himmel. Dafür ein unsichtbarer und lästiger Wind. Eine echte Spaßbremse. Jede Menge Prominenz und schnelle Beine haben sich am vorletzten Samstag im September am Attersee eingefunden, um die 47,2 Kilometer rund um den See so schnell wie möglich zu umrunden. Der King of the Lake 2021 hat dabei seinen Nimbus als Klassentreffen für Geschwindigkeitsfanatiker*innen untermauert. Nein, gestärkt. Schnell, schneller, King of the Lake. Nach der sechsten Teilnahme fehlen dem Autor schön langsam die Superlative. Kein Wunder. Irgendwie scheint am Attersee die Perfektion zu Hause zu sein. Langweilig. Worüber also schreiben? Über die Fabelzeiten und den Streckenrekord bei den Damen, über das 4er Team „Early-4-Birds, welches mit Klapprad an den Start gegangen ist oder über die Präsenz von GCN (auf Deutsch)? Es wäre auch möglich, die ultraschnelle Runde von Ultracyclist Christoph Strasser zu beleuchten, aber das hat er bereits selbst gemacht.

Bleibt nur noch das Kehren vor der eigenen Haustüre. Und die Tatsache, dass man ein Mannschaftszeitfahren Solo nicht gewinnen kann.

Vier Solisten sind keine Mannschaft.

„Servus, lange nicht mehr gesehen.“ Stimmt. Seit dem 15. August hat sich das Team foahrmaarunde aus verschiedenen Gründen aus den Augen verloren. Bis zum 18. September. Dem Tag des King oft he Lake. Die fast perfekte Vorbereitung auf ein 4er Mannschaftszeitfahren. Die Erwartungen waren trotzdem sehr hoch. Schnell, schneller, King of the Lake. Die 20 Minuten Warmfahren kurz vor dem Start ließen aber gleich Böses erahnen. Vier Solisten unter eine Mannschaft zu bringen, wird kein leichtes Unterfangen werden. Eine Vermutung, die schnell zur Gewissheit wurde. Aber schön der Reihe nach. Der Autor erinnert sich.

Die Startrampe im Kammer ist ein Wohnzimmer. Groß und breit. Musik tönt aus den Lautsprechern mit tiefen Bässen. Schon hier oben fühlt man sich als King und Queen. Die Zuschauermenge ist für 30 Sekunden auf jene fokussiert, die da oben gehalten werden und auf die Sekunde genau losgelassen werden. Das ist ungewohnt und verpasst man den richtigen Startpunkt, greifen physikalische Gesetze. Umfallen oder wegfahren. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Das Team foahrmaarunde hätte für diesen einen Augenblick eine ganz klare Strategie gehabt. Mit Siggi zuerst, dann mit Martin, Ariane und zuletzt mit dem Autor den ersten Berg hinauffahren. Es kam jedoch wie immer im Leben alles anders. Nach dem Bad in der Menge und dem “Go” fand sich der Autor plötzlich allein vor den anderen. Das erste von einigen vielen Missverständnissen.

Umfallen oder Wegfahren. Die Physik ist ein Hund.

Zum Glück ist der Weg von Kammer nach Kammer noch weit. Zeit sich noch besser zu verständigen sollte es demnach genug geben. Also zuerst einmal schauen, in dieser nicht geplanten Formation Tempo aufzunehmen. Welches Tempo? Die Anzeige am Garmin zeigt Null an.  Anfängerfehler. Die Start-Taste war noch nicht betätigt worden. Nicht genug, auch der Dura Ace Powermeter streikt. Wie bekommt man das Ganze bei gefühlten 40 km/h geregelt? Man wechselt in die hinterste Position und drückt am Garmin Display herum. Drücken am Pedal und Tippen am Gerät – ein Duathlon der besonderen Art.

Gleichzeitig geht vorne die Post ab. Siggi und Martin wechseln sich ab. Ariane hat den Befehl, nur ganz kurz im Wind zu bleiben und dann Platz zu machen. Das funktioniert die ersten Kilometer überhaupt nicht. Das Tempo ist so unterschiedlich schnell. Gleichmäßigkeit schaut anders aus. Kurz vor Weyregg ist der Autor wieder vorne. Zu weit vorne. Der Rest des Teams trödelt im Gänsemarsch hinten nach. Zumindest hat der Autor das so empfunden. Runter vom Gas und warten. Das dauert. Das Wiedersehen gelingt aber. Team foahrmaarunde zeigt sich in der Fanzone mitten im Ort wieder kompakt und vereint. Also, alles wieder von vorne. Es läuft besser. Dann steht Ariane wieder im Wind und soll von Martin übernehmen. Sie kommt aber nicht nach vorne. Sie ist zu leicht, zu zart und eher für die Berge geschaffen.

Plan B. Ab sofort wechselt Ariane zusammen mit Martin. Aus einem 4er Rad wird ein 3er Rad. Die Intervalle vorne länger, dafür öfter.

Um den Anschluss und gegen den Ausschluss kämpfen.

Der King of the Lake ist lang. Zu lang, wenn man sich innerhalb der Mannschaft uneins ist. „Lange nicht mehr gesehen“ wird zum Verhängnis. Der King of the Lake ist auch kein Race Around Austria. Am Ende zählt am Attersee nicht die Summe der Einzelleistungen, sondern die gemeinsam erbrachte Gesamtleistung. Ein bunter Haufen ist also lustig, aber vielleicht nicht effizient genug. Anderen ergeht es aber auch nicht besser. Einige Teams überholen nur mehr zu Dritt. Herbe Verluste, die das Team foahrmaarunde mit viel Geduld und ein wenig Bremsen vorbeugen kann. Einer für alle, alle für einen. Auch am Berg. Zum Beispiel in Unterach. Hier trennt sich nicht nur die Spreu vom Weizen. Hier trennen sich Teams und verpuffen Ziele. Man kämpft um den Anschluss und gegen den Ausschluss. So auch Ariane, Siggi und Martin. Gedanklich vereint, aber auf der Strecke weit auseinandergezogen. Die Tücken eines Mannschaftszeitfahrens sind schwer zu ertragen. Vorne der Autor, der schneller könnte.

Was folgt, sind weitere Auf und Abs. Wie im Vorbericht exakt beschrieben. Streckenkenntnisse bringen Vorteile. Die letzten 20 Kilometer sind wellig und fies. Die bis hierher akkumulierten Kraft- und Formunterschiede wirken sich progressiv aus. Der Sportograf hält das Desaster bildlich fest. 3 + 1 oder 1 + 3 von 4. Die Neuinterpretation eines Mannschaftszeitfahrens. Es bedarf eines Dirigenten. “Schneller”, “Wechsel” sind die häufigsten Befehle aus den hinteren Reihen. Dreimal darf geraten werden, wer den Takt vorgibt.

Den Umständen entsprechend

Am Ende steht eine Zeit, die bis auf vielleicht zwei oder maximal drei vergeudeten Minuten ein gutes Ergebnis darstellt. Den Umständen entsprechend. Man darf zufrieden sein. Martin nicht ganz fit, Ariane und ihre Krankheit und ein überraschter Siggi, welcher erkannt hat, dass es auch ein Leben außerhalb der Komfortzone gibt. Und der Autor? Der wollte mehr und konnte aber nicht. Oder durfte er nicht? Egal. Es hat wieder Spass gemacht. Und das ist das einzige, was neben einer schnellen Zeit zählt. Schnell. Schneller. King of the Lake. Man sieht sich 2022 wieder.

#ktrchts

King of the Lake. Endlich wieder.

King of the Lake

Sie sind wieder da. Gemeint sind der King of the Lake und die Queen of the Lake. Das alljährlich stattfindende Klassentreffen für Geschwindigkeitsfetischisten rund um den Attersee am Samstag, 18. September 2021. Knapp 48 km Speed-Rausch total. Allein oder in der Mannschaft. Mit dem Rennrad oder mit der Zeitfahrmaschine. Frauen, Männer oder gemischt. Vierer oder Zehner. Vergleichbares gibt es in Europa nicht. Wo sonst kann man sich auf einer komplett für den Autoverkehr gesperrten öffentlichen Straße so richtig austoben und auf Teufel komm raus Laktat produzieren. Es ist der Höhepunkt für viele Aero-Aficionados und Unterlenker-Vergötter*innen. Quasi eine praktische Gesundheitsvoruntersuchung. Die Chance, die persönliche Watt-Geschichte neu zu schreiben und die FTP-Schwelle neu zu definieren. Endlich wieder Vollgas fahren.

Queen of the Lake

Einmal im Jahr Rampensau. Ein Jahr lang.

Der King und die Queen of the Lake sind etwas Spezielles. Ganz spezielles. Es sind honorige Titel, die in der Szene große Beachtung und Bewunderung finden. Umso mehr, wenn die Schallmauer von einer Stunde unterboten werden kann. Hier zählen ausschließlich Ergebnisse. Alle die teilnehmen wissen das. Die Zeit, die durchschnittlichen Watt, die Maximalwatt und natürlich der Sieg. Gesamt oder Altersklasse. Rund um den Attersee legen die Teilnehmer*innen ihre Meisterprüfung ab. Sie messen sich. Mit sich selbst und mit allen anderen. Mensch und Fahrrad stellen sich. Der Herausforderung und den neugierigen und neidvollen Blicken. Geld ist hier abgeschafft. Nur das Beste zählt. Aero über alles. Räder, Laufräder, Anzüge. Alles vom Feinsten. Strömungsoptimiert. Klotzen ist das oberste Gebot. Sehen und gesehen werden. Wer hier mitfährt, muss abliefern und kann dann ein ganzes Jahr davon zehren.

Der wilde Ritt um einen Platz am Thron.

Am Attersee geht nächsten Samstag wieder die Post ab. Die modernen Ritterspiele werden eröffnet. Der wilde Ritt um einen Platz am Thron beginnt. Erhaben stehen die Teilnehmer*innen dann wieder auf der überdimensionalen Startrampe in der Marina in Kammer. Umgeben vom Publikum. Nach dem Start geht es im Spalier leicht bergauf bevor dann die ersten 20 Kilometer leicht wellig den Grundstein für ein gutes Abschneiden legen können.

Mehrere Fanzonen puschen die Teilnehmer*innen. Weyregg und Steinbach am Attersee sind beliebte Hotspots. Sie zündeln. Hier entlang sind die Träume noch greifbar, die gesteckten Ziele erreichbar. Es läuft. Bis zur ersten ernsthaften Bewährungsprobe. Die Steilkurve in Unterach. Langgezogen, bergauf und nicht endend wollend. Jetzt beginnt der Schnitt zu sinken. Einzelfahrer*innen und Mannschaften zerschellen an dieser unscheinbaren Mauer. War es einfach bis hierher flüssig und rund zu drücken oder zusammenzubleiben, müssen einige auch hier ihre Grenzen erfahren. Der Autor kann ein Lied davon singen. Dranbleiben, oder der Zug fährt ab.

In der zweiten Hälfte wird einem dann unmissverständlich bewusst, dass das hier kein Kindergeburtstag ist. Die Beine werden schwer, der Kopf leert sich, die Kraft schwindet. Parschallen und Nussdorf sind zwei weitere Asphaltblasen, die gewiss weh tun. Hier hilft nur Beißen. Entspannung gibt es erst kurz vor Attersee, wo noch einmal das Publikum gefragt ist, Tote zum Leben zu erwecken. Aber ja nicht zu früh freuen. Buchberg und Litzlberg stehen noch bevor. Zwei knackige Rampen mit Kult-Charakter. Die Fanzone des Race Around Austria mildert etwas die Schmerzen. Aber nur etwas. Fast geschafft. Nur noch einmal aus dem Sattel und dann im Sinkflug Richtung Kammer. Die 90° Rechtskurve und die Agerbrücke eröffnen den finalen Sprint über die Ziellinie. Jetzt beginnt das Durchatmen und das Analysieren.

King und Queen of the Lake

Dabei sein ist alles. Schnell sein noch mehr.

Man sieht sich am Attersee. Zum Flanieren, Fachsimpeln und natürlich zum Schnellfahren. Was sonst. Alles andere wäre gelogen. Denn beim King of the Lake zählt nur eins: Dabei sein ist alles. Schnell sein noch viel mehr.

#ktrchts

Race Around Austria Rückblick.

Race Around Austria Rückblick

Mittwoch, 11. August 2021. Pünktlich um 19:06 Uhr startete das Team foahrmaarunde ihr Abenteuer Race Around Austria. 2.200 Kilometer entlang der Außengrenze Österreichs. Von hügelig im Norden, bis flach im Osten und dann ziemlich bergig im Westen. Diese spektakuläre Runde wird mittlerweile jährlich aufgetischt. Schon seit über 10 Jahren. Gespickt mit 30.000 Höhenmetern. Für einzelne Helden oder Zweier- und Vierer-Teams. Diese Extrem-Ausgabe ist das härteste Ultracycling-Rennen Europas. Und der Autor war wieder einmal mittendrin, statt nur daheim. Endlich Der Race Around Austria Rückblick erzählt somit seine gewonnenen Eindrücke ungefiltert und direkt vom Asphalt der schönsten Straßen rund um Österreich.

Viel zu viel Organisation. Sehr wenig Schlaf.

Das Race Around Ausgria ist ein Rennen, welches im Vergleich zum Aufwand, den man im Vorfeld hat, ziemlich kurz erscheint. Im Falle des Teams foahrmaarunde waren es schlaflose 3 Tage, 14 Stunden und 15 Minuten.  Die Vorbereitungszeit hingegen lief über 12 Monate. Gut 365 Tage sind von der Schnapsidee bis zum Zieleinlauf in St. Georgen am Attersee vergangen. Ein ganzes Jahr mit Pandemie und immer wieder neuen Restriktionen und Lockerungen. Überblickslos. Planlos. Es galt ja trotz allem ein großes Team zusammenzubringen, Sponsoren zu finden und natürlich ordentlich und nach Plan zu trainieren. Mehr oder weniger. Alles in allem mit dem Fokus, aus diesem Abenteuer ein Charity-Projekt zu formen.

Zugunsten der Sklerodermie-Forschung. Mit und für Ariane. Teammitglied, Fahrerin und selbst Sklerodermie-Betroffene. Sklerodermie ist eine heimtückische Autoimmunkrankheit, die wenig Spielraum lässt. Ariane hat sich diesen Spielraum eigenmächtig vergrößert. Durchs Rennrad fahren. Das Race Around Austria war für sie also eine wohlverdiente Pause, die sie ihrer Krankheit gönnen wollte.

© Martin Granadia

Kraft und Geld. Das Race Around Austria kostet.

Das Race Around Austria kostet Kraft und Geld. Allein die Startgebühr von knapp € 1.000,- für 4er Teams hat’s in sich. Dazu kommen noch jede Menge weiterer Kosten. Begleitfahrzeuge, Mietauto, Caravan, Wohnwagen, Team, Unterkünfte, Verpflegung … Je nachdem wie man plant, kommt da schon einiges zusammen. Das Team foahrmaarunde hat deshalb Spenden gesammelt, um das Race Around Austria zu finanzieren und dazu zu nutzen, auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Mit dem Versprechen, den Reinerlös abzüglich der Kosten eben zu spenden. Aktuell wird noch gerechnet, aber der Autor kann schon spoilern. Dank der vielen Sponsoren und Unterstützern kann von Ariane dem Landesklinikum Graz demnächst persönlich ein dicker fetter Scheck übergeben werden. Mission erfüllt. Gedacht, gesagt, getan.

In Zahlen bedeutete das Race Around Austria: 17 fixe Teammitglieder, 4 Fahrer*innen, 6 Springer, 1 Pacecar, 2 Betreuerautos, 2 Shuttle,  5 komplette Garnituren Rennradbekleidung (Radhosen, Radtrikots, Windjacken, Ärmlinge, Beinlinge, Regenjacken …), 1 eigene Webseite und 2 Social-Media-Kanäle sowie 9 Schlaf- und Ruhemöglichkeiten. Letztere waren ein Autohaus, eine Rot-Kreuz-Station, zwei Turnhallen, ein Kloster, ein Vereinshaus, ein Radlager, eine Fußballverein-Umkleidekabine und ein Schulheim. 

Auf die Räder, fertig, los.

Das Race Around Austria hat einfache Regeln. Starten und ankommen. Alles innerhalb einer vorgegebenen Maximalzeit entlang der offiziellen Strecke. Abkürzen verboten. Was man innerhalb dieser Zeiten macht, obliegt jedem selbst. Bei den 4er Teams müssen alle Vier starten. Ankommen hingegen nur eine*r. Wer sich dazwischen wann, wie oft und wie lange aufs Rad schwingt, bleibt den Teams überlassen. Strategien und Taktiken sind also entscheidend. Für die Fahrer*innen galt es, auf den Punkt genau bereit zu sein. Auf die Räder, fertig, los. Bei Tag oder bei Nacht. Fahren und pausieren. Mehrmals hintereinander. Dazwischen wurden sie zum nächsten Wechselpunkt gebracht. Und alles hat wieder von vorne begonnen. Wie in einem Raum-Zeit-Kontinuum zwischen Am-Rad-sitzen, Im-Bus-hocken oder Im-Ruhemodus-dösen.

Brüderlich und schwesterlich aufgeteilt waren pro Fahrer*in 550 km zu fahren. Der Autor hat es auf 618 km gebracht. Der Teamchef hat ihn dank seiner Verdienste mehrmals für heikle Aufgaben nominiert. Allen voran waren es die endlosen Abfahrten in der Nacht. Dem stockfinsteren Geschriebenstein, dem gespenstischen Gerlospass, die regennasse Großglockner Alpenstrasse und das Kühtai im Morgengrauen. Mann und Frau taten, was sie konnten. Für das Team. Und für den eigenen Spass.

Im Endeffekt war das Race Around Austria im 4er Team körperlich keine große Herausforderung. Es war mehr eine mentale Challenge. Speziell zu Beginn konnte sich der Autor kaum vorstellen, jemals ins Ziel zu kommen. Danach waren es immer wieder die kleinen Kilometer-Häppchen, die den Kopf des Autors beschäftigt haben, um die vom Teamchef vergebenen Aufträge zu erfüllen. Zuerst durfte er, dann musste er und am Ende wollte er. Meistens waren es verordnete 20, 30 und sogar 45 Kilometer-Aufträge. Am Berg auch weniger. Dafür öfters. Das Ende jeder Schicht das erlösende weiße Betreuerauto.

In der Nacht sind alle Berge flach.

Alle Fahrer*innen des Race Around Austria hatten heuer das Wetterglück auf ihrer Seite. So schön soll es bis dato noch nie gewesen sein. Auch das Team foahrmaarunde blieb bis auf wenige Ausnahmen trocken. Laue Nächte machten zudem die so gefürchteten Nachtschichten mehr als erträglich. Wenn auch spooky. Was da alles in der Dunkelheit auf Österreichs Straßen herumläuft, wäre ein eigener Beitrag wert. Und wenn sich dann noch eine feine Nebelbank auf Augenhöhe breit macht, dann wird man das Gefühl nicht los, demnächst auf die Black Pearl zu treffen oder von Zombies angegriffen zu werden.

Ein weiterer interessanter Aspekt ausgiebiger Nachtfahrten ist die Tatsache, dass in der Nacht alle Berge (fast alle) flach sind. Beweise dafür hat der Autor mit einigen Kette-rechts-PRs gelegt. Bergauf. “Weil man kein Gefühl für die Steilheit entwickelt und deshalb unbewusst höhere Gänge wählt”. Seine Worte fallen wohl unter die Psychologie der Dunkelheit. Einzig das Geräusch des im ersten Gang hinterher fahrenden Pace Cars störte diese traute Einsamkeit. Zumindest dann, wenn die Geschwindigkeit unter 30 km/h fiel. Darüber sorgte der Tempomat für viel ruhigere Begleitung.

Auch Sonnenaufgänge haben beim Ultracycling ihren Reiz. Egal ob um 6 Uhr morgens im Waldviertel oder am Kühtai. Wenn sich der Himmel vom Tiefschwarzen ins immer heller werdende Blau verwandelt, werden die inneren Geister geweckt und neue Kräfte freigegeben. Momente, für die die Organisation des Race Around Austria immer wieder gerne die Werbetrommel rührt. “We create emotion” ist ein Slogan, der sich über die gesamte Renndauer immer wieder neu bewahrheitet.

Essen auf zwei Rädern.

Ein paar Tage durchfahren, wenn auch mit Pausen, wirft den gesamten Rhythmus über den Haufen. Inklusive Stoffwechsel, da eine geordnete und gewohnte Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist. Frühstück, Mittag- und Abendessen irgendwann. Das war die Befürchtung. Was tun? Gute Frage. Der Autor hat sich einiges von Christoph Strasser bei seinem Weltrekordversuch abgeschaut und sich dann auch auf flüssige Nahrung konzentriert. Allin vor jedem Einsatz, dazwischen Aerobee Energiegels und nur in den Pausen feste Nahrung. Das hat sehr gut funktioniert, aber nicht ganz. Denn alles hätte vorher ausprobiert werden sollen. Um den Darmtrakt damit zu konfrontieren und ihn daran zu gewöhnen. Etliche Gänge aufs “große” WC, teilweise in der freien Natur, haben für Hektik vor und nach den jeweiligen Einsätzen gesorgt. Mit der Zeit hat sich alles normalisiert. Vielleicht auch dank der Schulmäuse und der Milchbrötchen mit reichlich Marillenmarmelade.

In Summe war es eine große Kunst genug zu essen, aber nicht zu viel. Das Begleitauto bat ja genug Möglichkeiten zu schlemmen. Gummizeugs inklusive. Dieses war oft die Belohnung nach einer harten Schicht.

Campingurlaub mit Rennraderlebnissen.

Nicht wissen, wo man schlafen wird und nicht wissen, wann man wieder etwas Schlaf bekommen kann. Das Race Around Austria ist wie ein Campingurlaub mit Rennraderlebnissen. Das macht das ganze Abenteuer auch sehr speziell und spannend. Wenn bis zu sieben Menschen auf engstem Raum tagelang ausharren müssen, dann müssen alle lernen, zusammenzurücken, zusammenzuwachsen und zusammenzuhalten. Das ist nicht leicht. Gut, wenn man sich auf Menschen verlassen kann, die man sonst auch gut kennt und leiden mag. Und gut, wenn der eine laute Schnarcher bei der nächsten Gelegenheit statt im gemeinsamen Bettlager ein eigenes Zimmerchen bekommt.

Schlafentzug ist wohl das Hauptthema und Haupthindernis bei derartigen Rennen. Schlafentzug, der durch kleine Powernaps nicht wirklich behoben werden kann. Dieser Schlafmangel begleitet die Fahrer*innen und kumuliert sich. Er verleitet auch zu gefährlichen Experimenten. Schon einmal probiert am Rad nach drei Tagen im Sattel (wenn auch mit Pausen) die Augen kurz zu schließen? Und dann vielleicht etwas länger? Besser nicht. Nein, überhaupt nicht. Es kann so schnell gehen und man ist im Tiefschlaf. Gerüchten zufolge soll der Autor dieses Experiment am Weg durchs Lechtal bei Gegenwind ein paar mal praktiziert haben. Es gilt aber die Unschuldsvermutung.

Wer behauptet, Schlafen werde überbewertet, der sollte einmal beim Race Around Austria mitmachen. Als Fahrer*in oder Betreuer*in. So ein Rennen ist ein Wettlauf um die größten und dunkelsten Augenringe.

Am Ende gab es Tränen.

Auf dem Weg rund um Österreich erlebt man viel. Zu viert verpasst man aber auch einiges. Einige Stimmungsnester zum Beispiel auf den ersten 100 bis 150 Kilometern. Da hier auch die Challenge vorbeifährt (ein Mal rund um Österreich – supported oder unsupported) steppt hier am Straßenrand der Bär und es herrscht Volksfeststimmung. Genau wie im Ziel beim traditionellen Attergauer Marktfest. Wer seinen Zieleinlauf so timen kann, dass er am Samstag zwischen 22 und 24 Uhr, vielleicht auch später, durch die überfüllten und feuchten Bierzelte fahren darf, der wird diesen Moment wohl nie mehr im Leben vergessen können. Wie viele andere Momente auch. Man erfährt viel Neues, erlebt Altes wieder und nimmt Hürden, die man sonst selten oder gar nicht bezwingen will. Das Race Around Austria führt dorthin, wo man schon einmal war und wo man unbedingt einmal hinwollte. Es macht viele Häkchen auf der persönlichen Bucket List.

Und am Ende gibt es Tränen. Selbst die hartgesottensten gehen zum Schluss in die Knie, wenn sie die Rampe hinauffahren. Jene Rampe, die den Beginn dieser langen Reise eingeleitet hat. Der Autor selbst war nah am Wasser. Er konnte sich nur mit Mühe retten. Arianes Blick in den Himmel hat auch ihn berührt. Das ganze Team hat gefeiert und es sind tonnenweise Lasten abgefallen. Ein Abenteuer hat sein Happy End gefunden.

Zu verdanken ist alles einer sensationellen Teamleistung. Menschen, die in diesen 3 Tagen, 15 Stunden und 14 Minuten in verschiedenste Rollen geschlüpft sind und ihr Aufgaben mit Bravour gemeistert haben. Sie haben eine Rundumbetreuung garantiert und sie haben dafür gesorgt, dass die Fahrer*innen sich auf das Herunterspulen von Kilometern konzentrieren konnten. Sie waren Chauffeur*innen, Motivator*innen, Masseur*innen, Entertainer*innen, DJs und DJanes, Koch und Köchinnen. Der Race Around Austria Rückblick ist eine Würdigung ihrer Leistungen. Chapeau.

Und jetzt geht’s weiter.

Das Race Around Austria ist etwas, was dich packt und schwer wieder loslässt. Einmal ist definitiv keinmal. Man soll erst dann aufhören, wenn es am schönsten ist. Vielleicht noch einmal ganz allein oder erneut im Team? Etwas kürzer? Dafür unsupported? Es gibt so viele Möglichkeiten sich von St. Georgen im Attergau aus auf den Weg zu machen. Einen Weg zu sich selbst und wieder zurück. Die Bühne am Marktplatz ist ein magisches Sprungbrett. Hier lässt dich eine Familie ziehen und fängt dich dann wieder auf. Danke Race Around Austria.

ktrchts
#racearoundaustria #wecreatemotion

Das Ötztaler Radmarathon Jubiläum.

Ötztaler Radmarathon Jubiläum

Was wurde im Vorfeld nicht alles über dieses heiß ersehnte Ötztaler Radmarathon Jubiläum geschrieben und diskutiert. Über die neue Strecke hinauf auf den Haimingerberg, über das Wetter und über alles andere, worüber vor dem Rennen Jahr für Jahr sowieso auch unzählige Male debattiert wird. Diesmal vielleicht zurecht. Möglicherweise wenig sachlich, dafür umso emotionaler. Weil eben die Kombination aus all dem bei vielen Teilnehmer*innen am Freitag und Samstag und sogar am Sonntag in der Früh etwas ausgelöst hat. Ob es Angst, Respekt, Sorge oder einfach nur ein ungutes Gefühl war, lässt sich schwer sagen. Auf alle Fälle hat das 40. Ötztaler Radmarathon Jubiläum nicht nur einiges versprochen, sondern auch gehalten. Hart. Härter. Jubiläum.

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Radmarathons auch.

Es hätten apokalyptische Zustände sein sollen. Wenn die Vorhersagen einiger (fast aller) Wetter-Apps und Wetterexpert*innen eingetroffen wären. Diese Radwelt-Untergangsstimmung hat viele davon abgehalten überhaupt nach Sölden zu fahren und letztendlich am Sonntag um 6:30 Uhr am Start zu stehen. Der Autor ist selbst im Dilemma zwischen Gesundheit und Abenteuer fast verfallen. Am Ende waren von den 4.010 Gemeldeten gerade einmal 2.754 am Start. Auch der Autor. Das Ziel gesehen haben davon 2.261. Nicht der Autor. Aber diese Geschichte wollen wir etwas später erzählt bekommen.

Die Vorhersagen haben also das Schlimmste befürchten lassen. Zum Schluss hat sich nur eine der vorhergesagten Katastrophen bewahrheitet. Der Haimingerberberg. Das Sattele mit seinen 1.000 Höhenmetern auf knapp 9 Kilometern Länge war kein Aufwärmen nach der Abfahrt bis Haiming, sondern ein frühmorgendlicher Saunaaufguss. Zu schwer. Viel zu schwer. Natürlich auch der Berg selbst. Viel mehr war es aber der Ballast an Winterjacken, Überschuhen, Beinlingen, Handschuhen und Mützen vieler, die, weil sie gut aufgepasst hatten, sich vorsichtshalber zu warm angezogen haben und eher für ein Winter-Opening gerüstet bereit gewesen wären . Autor inklusive. Es war die Hölle. Und das Flehen nach etwas Kühle wurde erst hoch oben am Kühtai erhört. Ist schon paradox. Man startet in der Früh eingepackt mit der Angst zu erfrieren und wünscht sich dann am ersten Berg etwas mehr Abkühlung. Hart. Härter. Ötztaler Radmarathon Jubiläum.


Meistens kommt es anders. Und schöner als man denkt.

Dem nicht genug. Während die Abfahrt vom Kühtai nach Kematen dank Thermo von der Temperatur her angenehm war, stieg am Weg zum Brenner und dann weiter nach Sterzing die Gefahr, das Lungen-Muskel-System weiter zu überhitzen. Der Höhepunkt dieser Overdressed-Strategie wurde dann am Fuße des Jaufenpasses erreicht und in St. Leonhard wiederholt und sogar übertroffen. 20° plus hatte niemand auf der Rechnung. Statt des erwarteten und prognostizierten Schneefalls wurden die meisten Teilnehmer*innen mit typischen Ötztaler Radmarathonwetter vom Wettergott so richtig auf die Schaufel genommen. Das Gefühl, innerlich an Hitze zu explodieren, hat auch der Autor mehrmals erlebt. Ausziehen war aus Mangel an Taschen zwecklos. Die Lehre daraus? Manchmal kommt es anders, als man denkt. Und das sogar noch viel schöner und besser.

Aller Fahrer*innen unter 8, 9 und sogar 10 Stunden hatten also ein mehr als passables Ötztaler Radmarathon Jubiläum. Mit dem Prädikat trocken. Etwas unterkühlt vielleicht. Die anderen haben das erwischt, was allen hätten blühen sollen. Zuerst Eisregen, dann Regen, später und am Ende Land unter. Von Schönau bis Sölden. Von 17:30 Uhr bis zum Eintreffen des letzten Teilnehmers im Ziel. Spät aber doch. Leider. Es bleibt der Trost, dass der Montag noch grauslicher gewesen wäre. Hart. Härter. Sauwetter am Timmelsjoch. Wie jedes Jahr.

Jubiläum mit Tücken.

Es war also ein Jubiläum mit Tücken. Ein klassischer Ötztaler Radmarathon. Das Jahr Pause hat dem Event überhaupt nicht geschadet. Ganz im Gegenteil. Es war fast alles wie immer. Das Flanieren in der Expo, die Fachsimpeleien unter Kolleg*innen, die Hektik am Mavic Reparaturstand, das Relaxen im Hotel, der acht Euro 50 teure Apfelstrudel im ice Q am Gaislachkogel, das Zuschauerspalier am Kühtai, die Fankurve am Bergisel in Innsbruck, die Dolce Vita am Brenner, der Adrenalin-Kick im Gossensaß-S, das rettende Wasser am Alpenblick in Kalch, die mittlerweile zur Autobahn gewordene Abfahrt nach St. Leonhard in Passeier …

Das Ötztaler Radmarathon Jubiläum hat nichts ausgelassen und business as usual angeboten. Das Fehlen der Pasta-Party ließ sich mit einem € 12 Gutschein gut verkraften. Und die 3G-Regel hat nur einmal einen kleinen Aufwand verursacht. Das gelbe oder rote Band haben alles schnell in Normalität übergehen lassen. Dominik Kuen und sein Team können (und dürfen) aufatmen.

Ötztaler Radmarathon

Über das bessere Wetter darf und soll man sich also nicht beschweren. Die Ausweichstrecke war auch keine gewollte Schikane. Zum Jubiläum hat alles so sein wollen. Dass einige die Gesundheit über das Risiko gestellt haben, ist groß anzurechnen. Egal ob sie jetzt nicht gestartet sind oder aufgegeben haben. Und wer gar nicht nach Sölden gekommen ist, der wird auch seine Gründe gehabt haben. 2022 gibt es wieder eine Chance. Dann heißt es 40 Jahre Ötztaler Radmarathon, nachdem der erste im Jahr 1982 ausgetragen wurde. Noch ein Jubiläum am 28. August 2022. Noch einmal Haiminberberg? Vom Wetter reden wir jetzt noch nicht. Das tun wir sowieso.

DNF is an option. Der Autor hat sich aufgegeben.

Zurück zum Autor, der bei seiner 15. Teilnahme am Ötztaler Radmarathon zum dritten Mal das Finisher-Trikot nicht abholen konnte und zum zweiten Mal das Rennen im Besenwagen zu Ende bringen musste (wollte). Einmal ist er gar nicht an den Start gegangen. Auch das gibt es.

Für ein DNF gibt es keine Ausreden. Es war eine lang aufgeschobene Entscheidung, die schon am Weg zum Sattele maturierte. Zu groß die Rückenschmerzen, die schon einige Wochen den Alltag und das Training geprägt hatten. Kühtai, Kematen, Innsbruck, Brenner, Sterzing, Jaufenpass und St. Leonhard wollten noch mit Willenskraft erreicht werden. Letztendlich kam knapp 27 Kilometer vom Timmelsjoch entfernt das freiwillige und erlösende Aus. Es war eine schmerzliche, aber richtige Entscheidung. Am Straßenrand sitzend und wartend zuerst und im ewig nicht daherkommenden Besenwagen danach, konnte deshalb eine andere Sicht auf den Ötztaler Radmarathon geworfen werden. Jene mit Fokus auf die wahren Helde*innen. Bei den Fahrer*innen und Helfer*innen.

Was hinter den Schnellsten passiert, gehört in den Mittelpunkt. Der Autor möchte die letzten Zeilen genau diesen Menschen widmen. Sie machen den wahren Spirit des Ötztaler Radmarathons aus. Jene Menschen, die unbedingt das Ziel erreichen wollen und jene Menschen, die alles geben, damit jeder das Ziel auch erreichen kann. Die letzten Kilometer hinauf auf das Timmelsjoch sind zwischen 18 und 19:30 Uhr ein Film in Zeitlupe. Die verzweifelten Blicke jener sich Tritt für Tritt nach oben Kämpfenden sprechen Bände. Sie sind emotionale Ausdrücke einer verbissenen Leidenschaft. Der Allerletzte wird umzingelt und angefeuert. Er hat die wartende Ausflugsmeute im Nacken und ist jener, der entscheidet, wann hier alle Helfer*innen Feierabend haben werden. Großen Respekt.

Man muss nicht schnell sein, um zu gewinnen.

Eine war die Schnellste, einer der Schnellste. Einige schnell und andere nicht schnell genug. Aber gewonnen haben alle. Jene, die ins Ziel gekommen sind und jene, die ihren Traum auf ein anderes Mal verschieben mussten. Hauptsache alle gesund. Was bleibt, sind viele persönliche Eindrücke und Geschichten sowie ein starkes Miteinander. Die kleinen Kinder in Steinach am Brenner, die zum Abklatschen am Straßenrand stehen, sind hoffentlich die Starter von morgen. Die zwei Trommler vor dem Schlössl ausdauernder als so mancher im Feld. Das ist der Ötztaler Radmarathon. Mit oder ohne gemeinen Haiminberberg. Ebenfalls mit oder ohne Regen, Schnee und Hitzestau. 2021 wird als der vermeintlich härteste Ötztaler Radmarathon in die Geschichte eingehen. Alle Finisher-Trikot Inhaber*innen werden diesen ganz besonderen Lycra-Stofffetzen mit breiter Brust ewig in Ehren halten und stolz ausführen dürfen.

#ktrchts

Ötztaler Radmarathon Wetter. Vorschau.

Ötztaler Radmarathon Wetter

Nichts wird so heiß diskutiert wie das Ötztaler Radmarathon Wetter. Weil das Wetter beim Ötztaler Radmarathon Freund und Feind sein kann. Und sein wird. Monate und Wochen davor fängt das Fachsimpeln an. Und die ewige Diskussion. Fallen die Langzeitprognosen einhellig aus – was ausnahmsweise nie der Fall ist, dann ist alles gut. Kommen hingegen Wörter wie Schnee, Regen und Kälte dazu, dann ist die Hölle los und die ganzen Diskussionen schaukeln sich hoch. Zum 40. Jubiläum des Ötztaler Radmarathons (und zum 40. Jubiläum des Ötztal Radmarathon Wetters) haben wir aktuell genau diesen Worst Case. Ein Tief über Polen hat den Sommer im Ötztal abrupt gebremst. Der Winter hat hoch oben bereits seine Fühler ausgestreckt. Und das Wetter am Sonntag, 29. August 2021? Keine Ahnung. Dafür keine rosigen Prognosen.

Das Wetter in den Bergen ist wie Lotto spielen.

Es sei schlimmer als 2018. 2002 und 2013 waren es schlimm, aber nicht so kalt. Alte Hasen des Ötztaler Radmarathons haben die Jahrgänge im Kopf. Jahrgänge des Zitterns und des Bibberns. 2021 soll und kann in die Geschichte des Ötztaler Radmarathons werden. Die Prognosen sehen düster aus. Auch wenn sie sich täglich (stündlich) ändern. Sonniger und wärmer wird es nicht. Ganz im Gegenteil. Alles, was warm hält, ist auf der Expo schon ausverkauft. 4.000 Starter bereiten sich auf das Winter Opening vor. Zum Glück wird die Suppe oft nicht so warm gegessen wie gekocht. Aber die Ängste uns Sorgen haben ihre Berechtigung.

Lisa Brunnbauer (aka Lisa Wetterfee und mehrmalige Ötztaler Radmarathon Finisherin) bringt es schon seit Tagen auf den Punkt. Es wird kein Kindergeburtstag. Die Großwetterlage ist eindeutig. Das Tief über Polen ist schuld. Den Rest werden wohl die lokalen Wetterphänomene anrichten. Und die sind schwer vorauszusagen. Sie hängen von vielen Faktoren ab, die man schwer prognostizieren kann. Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind, Niederschlagsmenge … Mit und ohne, korreliert gibt es dann das was man dann als “war aber nicht vorausgesagt” bezeichnet.

Das Wetter für Sonntag, 29. August 2021

Wie soll und darf also das Wetter werden? Dank eines Insiders (Meteorologe) liegen folgende Informationen vor: Stand Freitag, 27. August 2021:

Also, meine Einschätzung nach Sichtung der neusten Modelle… 3 kamen in Betracht und der Ablauf ist relativ ähnlich, die Intensität unterschiedlich. Zum Start dürfte es von oben her trocken sein, Restnässe von der Nacht wird es geben… 8 Grad. Am Vormittag wird es aus den reingestauten Wolken rund um Innsbruck immer häufiger tröpfeln, aber man sollte ohne großen Regen zum Brenner kommen, auf 2000 m rund 2 Grad, am Brenner 9. Der Südtiroler Abschnitt wird deutlich wärmer, trocken, wolkig mit etwas Sonne, Sterzing 14 Graf, Jaufenkamm 4 Grad.

Zum Anstieg aufs Timmelsjoch immer dunklere Wolken und noch vor dem Passübergang einsetzender Regen, Schneefallgrenze etwas unsicher, im schlechtesten Fall 2200 m, im besten Fall 2400, am Passübergang rund 1 Grad und Schneefall, feucht und immer wieder etwas Regen bis ins Ziel. Die Modelle schwanken bezüglich der Intensität dieses Niederschlags zum Ende des Kurses, von leicht bis kräftig, nass ist es aber in jedem Fall. Ich hoffe, das gibt Euch einen Eindruck, Detailfragen jederzeit hier.”

Stand Samstag, 28. August 2021:

“Ich hab nun die aktuellsten Frühläufe der mir vorliegenden 4 Modelle gecheckt… das gestern gesagte hat bis vor dem Anstieg auf das Timmelsoch bestand… nun ist es einhellige Simulation, dass von Nordwesten her zwischen 13 und 15 Uhr, je nachdem, eine umgebogene Okklusion (😝) die Ötztaler Alpen erreicht und es oben bei einer Schneefallgrenze von etwa 2200-2300 m kräftig schneien lässt. Wie die RL damit umgeht, wenn es so eintrifft, kann ich kaum beurteilen.”

Wetterglück oder Badass

Ein weiterer Insider:

Also Wetter sieht bis auf das Timmelsjoch eigentlich weiterhin ganz OK aus … Nur haben jetzt alle Modelle den Niederschlag der aus dem Norden am Nachmittag reinzieht nochmal deutlich angezogen… Demnach würde irgendwann zw 14 und 16 Uhr am Timmelsjoch starker Schneefall einsetzten bei um 0 Grad der dann auch bis zum Abend/in die nach hinein anhalten würde.”

Es kommt also auch am Sonntag wie immer im Leben darauf an. Wann man wo ist. Die Wahrscheinlichkeit mit einem blauen Auge davonzukommen ist gegeben. Sub 8 Stunden Fahrer*innen haben dabei die besten Chancen. Bei den sub 9 Stunden Fahrer*innen wirds eng. Alles andere muss den Fahrer*innen selbst und der Organisation überlassen werden.

Auf alle Fälle der Tipp an alle: Vergesst Bestzeiten und Heldentum. Die eigene Sicherheit geht vor. Und ein Aufgeben oder Abbrechen ist keine Schande. Wenn wir am Sonntag alle wieder gesund im Ziel sind, dann haben wir alle gewonnen.

#ktrchts