Vom Titanmann zum Ironmann. Kärnten Radmarathon 2013. Das Rennen.

130 km. 1.900 HM. Der Kärnten Radmarathon „light“.

„Das Wetter. Ein Tief schaufelt vom Norden kühle und sehr freuchte Luft in den Alpenraum. Die Schneefallgrenze im Süden bei ca. 1.000 Metern“. Good news. Aber wir haben ja Sommer. Grinsen. Die Vorzeichen zum 5. Kärtnen Radmarathon waren also nicht wirklich einladend. Wo ist die Webcam der Nockalmstrasse? Schnell schauen. Schneefahrbahn! Giro 2013 feeling. Werden wir fahren?

Ja. Aber leider nicht über die Eisentalhöhe und die Schießtlscharte. „Cancelled due weather conditions“. Das Orgateam hat den Sicherheitsfallschirm geöffnet und uns Sportler vor möglicherweise Bösem verschont. Es gibt eine Ersatzstrecke. Plan B. Und diesen 2 Mal. Aufatmen und etwas Enttäuschung machten sich breit. Da die Wetterprognosen für den Sonntag von Tag zu Tag besser wurden. Abgesehen von der Temperatur. Die sollte im Keller bleiben. Ich beschloss trotzdem nach Bad Kleinkirchheim zu fahren. 600 km hin- und retour um 130 km Rennrad zu fahren. Leidenschaft.

Und es hat sich ausgezahlt. Auch wenn die Fahrt über die Turracher Höhe am Samstag Nachmittag eher nach Anreise zum Skiurlaub anmutete. Als „Wiederholungstäter“ war es für mich ein leichtes Spiel das Wichtigste vor Ort zu erledigen. Startnummer holen. Doch diese war nicht da. Verwunderung. Ob ein Kollege von mir diese schon abgeholt haben könnte? Kopfschütteln. Ob ich im Lindenhof in Feld am See übernachte? Ja. Und schon war das Geheimnis gelüftet. Hannes, der Chef des Hauses, hat bereits die Startersackerln abgeholt. Service. Deluxe.

Dann ein richtiger Schock. Helm vergessen. Schon wieder. 3 Sterling zu Hause. Und keinen mit. Typisch. Wiederholungstäter eben. Einen kaufen? Kein entsprechendes Angebot vor Ort. Ausleihen! Schnell zu Intersport. Die haben einen. Ich nehme ihn. Passform? Null. Aber besser als nix. Posingfaktor? Negativ. Passt farblich überhaupt nicht zu meinen Dressen.

Ab ins Hotel. Perfektes großes Zimmer. Akklimatisieren. Quatschen. Hoffen. Bangen. Es regnet immer noch. Und nach einem Helm fragen. Hannes hatte einen. Silber! Passform. Perfekt. Posingfaktor. Top. Das Rennen ist gerettet.

Der Tag danach. Strahlend blauer Himmwl. Die 10 km von Feld am See nach Bad Kleinkirchheim ein Wahnsinn. Farben. Als wäre es Herbst. Sattes Grün. Schneeweiße Bergspitzen. 5 Grad. Immerhin plus. Auto geparkt. Rad gecheckt. Startaufstellung. Ich durfte in der ersten Reihe starten. Danke Stefan Heinisch. Neben mir Promis. Armin Assinger. Paco Wrohlich. Rene Haselbacher. Und der Landeshauptmann von Kärnten. Der Neue. Der Kaiser. Nicht der Franz. Der Peter. Der andere Kaiser, der Franz, ist zwar vom Ort. Aber nicht da.

Es geht los. Ich führe das Feld an. Ca. 500 Meter. Dann kommt von hinten das Feld angerollt. Nein. herangeschossen. Ich halte mit. Ca. 50 km/h. Ich kriege langsam Platzangst. Die Meute füllt die gesamte Straßenbreite aus. Es wird gefightet. Um jeden Zentimeter. Und das auf dem ersten Kilometer. Gewinnt man hier rennen? Es ist sehr hektisch. Der Straßenbelag hinuter nach Patergassen schlecht. Vor mir „schwanzelt“ einer. Ich merke es sehr spät. Muss voll in die Bremsen. Auch mich schwanzelt es. Ich befürchte bereits das Schlimmste. Erwarte, dass mich von hinten jemand touchiert. Erinnerungen an den Mondsee Marathon. Damals. Doch ich habe Glück. Ein Zeichen. Ich nehme Tempo raus. Ich will heil ins Ziel kommen. Einen schönen Tag geniesen.

So lass ich das erste Feld rauschen. Fahre im zweiten großen Verfolgerfeld. Die anderen stets in Sichtweite. Es geht über Gnesau leicht wellig sehr zügig dahin. Mein Puls jenseits der 155. Kurz vor der Abfahrt nach Himmelberg dann Zusammenschluss des Feldes. Eigentlich wollte ich stehen bleiben um zu filmen. Ein Traum Bild. Eine Schlange an Radlern.

Unten dann eine 180 Grad Kurve und der erste Ansteig hinauf nach Klösterle. Einige fetzen voll in der Berg hinein und ich sehe sie nie mehr wieder. Ich bleibe halbwegs dabei. Ich spüre wie ich richtig überpaced habe. Ich muss mich fangen. Nehme Tempo raus. Fahre meinen Rhytmus. Je läger der Anstieg, desto besser geht es mir. Wir schmieren so dahin. Es überholt mich kaum jemand. Die Bergwertung ist gleich Labstation. Ich trödle mit dem Schließen des Windbreakers und verliere leider den Anschluss an eine großere Gruppe. Schade. Also Tria-Training. Unterlenker und ab geht die Post. Das Tal hinunter und dann rechts abzweigen nach Afritz und Feld am See. Michaela 180 Grad bei Tempo 40+. Es geht wieder bergauf. Ich gebe das Tempo vor. Habe aber keine Chance gegen das fast eingeholte große Feld. Ich sehe es nie mehr wieder. Hinter mir ein paar Mitstreiter. Sie hängen in meinem Windschatten. Ich? Kette rechts. 15 km Vollgas. Kurz vor Radenthein braust dann eine größere Gruppe heran. Ich reihe mich ein. Radenthein, dann zweite kleine Labe. Hektik. Der Moderator sagt uns mit 13 Minuten Rückstand auf die Spitze an. Nicht übel. Kurz vor dem Anstieg nach Bad Kleinkirchheim. Elend lang. Ich kann ein gutes Tempo fahren. Die Gruppe zersplittert sich. Da und dort vereinzelt Anfeuerungsschreie. Das motiviert. Nach 1:58 Minuten habe ich die erste von zwei Runden geschafft. 32,2 km/h. Wäre Platz 75 von 225 gewesen. Gesamt. AK Top Platz. 

Aber ich fahre noch eine. Diese wird zum Einzelzeitfahren. Kein Mensch weit und breit. Ich schließe auf ein paar Einzelne auf. Wir bilden eine 4er Gruppe. Im Wind? Ich. Logisch. Bin ja im Training. Am Berg auch. Ich gebe das Tempo vor. Unbendingt einen 30er Schnitt bis zum Schluss behalten. Immer lächeln. Speziell beim Fotopoint. The only victory is posing. 

An der Labe dann passiert es. Der Fahrer vor mir gestikuliert und will Red Bull in seine Trinkflasche. Ein solches Getränk hätte ich auch gerne gehabt. Der einzige Helfer mit den Red Bullen legt seine 5 Dosen auf den Boden um die Trinkflasche des Vordermanns zu nehmen. Und ich? Vorbei. Kein Red Bull. Scheiße. Und ich verpasse wieder den Anschluss. Volles Risiko. Hinuter. Auf der Verfolgung. Abfahrt auf höchstem Risikoniveau. Danke an dieser Stelle an die bestens abgesicherte Straße. Unten dann in der Kurve mit einem 500 Meter Sprint bergauf Richtung Afritz habe ich die Ausreißer. Ich muss Luft holen. Bleibe also am Hinterrad des letzten Mannes. Doch dieser verschaltet sich. Und ich muss bremsen. In diesem Augenblick starten vorne 2 Mann weg. Ich nehme fast aus dem Stand die Verfolgung auf. Ziemlich blau. Ich komme nicht ran. Halte aber das Tempo hoch. Bis Radenthein – keiner der hinteren kommt vor und löst mich ab. Mir ist es wurscht. Ich trainiere ja. Und bin nicht zum spazieren da. Feld am See. Radenthein. Und dann nochmals die Steigung nach Kleinkirchheim. Ich muss wieder langsam in den Berg. So bin ich halt. Mein Windschatten überholt mich. Und ich kontere. Meter für Meter fahre ich ran. Und überhole. Mit gleichmäßigem Tempo gehts hinauf. Die Beine jetzt schon schwer. Ein Soloritt bis ins Ziel. Geschafft. 130 km. 1900 HM in 4h11min. Das ist ein Schnitt von 30,3 km/h. Ich bin zufrieden. Offiziell letzter Platz für Runde 1 mit der Zeit für 2 Runden. Scheiß Technik. 

Es ist kalt. Ich fahre gleich zum Auto. Umziehen. Gehe ins Festzelt. Nudeln. Getränk. Quatsch hier, Quatsch da. Und zurück nach Hause.

Ich komme wieder – aber über die Nockalmstraße.

Fotos hier:
Garmin Aufzeichnungen hier:

Am Feiertag geht es mit bike4dreams von Wien nach Klagenfurt für einen guten Zweck. Hoffentlich bei trockenem Wetter. Eventuell dann wieder retour. Fürs Ego.

Fazit:
Oranisation: Top
Startgebühr: menschlich
Startersackerl: sehr üppig
Strecke: B Faktor (A konnte nicht gefahren werden)
Verpflegung: 2 x Gutschein für Essen (Samstag und Sonntag) inklusive Getränk
Servie: Gratis Eintritt Römertherme und Gratis Massage
Labe: Bananen, Wasser, Gel und Red Bull

Unterkunft: Lindenhof in Feld am See sehr empfehlenswert
Highlight: „el diablo“ Didi Senft persönlich getroffen
Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

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