Monat: Oktober 2018

Motivation zum Training. Wer zögert, bleibt zurück.

Motivation zum Training

Die Zeit ist umgestellt. Zurückgestellt. Eine Stunde weniger Tageslicht. Seit gestern. Das tut weh und zeigt, wie gnadenlos der Sommer sein Ende gefunden hat. Gegen 1700 Uhr war und ist ein sicheres Rennradfarhen auf öffentlichen Straßen kaum mehr möglich. Bei schlechter Sicht sogar viel früher. Das rote, blinkende Licht an der Sattelstütze kandidiert sich als täglicher Begleiter. Sicher ist sicher. Da hat sich in den letzten Jahren ja sehr viel getan. Vom Equipment her gibt es keine Ausreden. Einzig die Motivation zum Training lässt zu wünschen übrig. Der Blick raus aus dem Fenster und das akkurate Studium der verschiedensten Wetter-Apps werden zum Ritual. Zumindest bei mir.

Dunkel geht die Motivation zugrunde.

Sonntag. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind die Prognosen für den heiligen Tag des Rennradfahrers leider nicht die besten. Der erste Sonntag seit langem, der ins Wasser fällt. Die Wetteranimation der Zamg zeigt über meinem Kopf ein grünes, teils blaues Band, gegen den Uhrzeigersinn drehend. Niederschlag. Es ist 9 Uhr. Winterliche Sommerzeit. Bis 13 Uhr soll und kann es regnen. Die Straßen sind noch nass. Jetzt wird gerechnet. Kopfkino. Wieviel Zeit bleibt dann noch für die verpflichtende Sonntagsrunde?

Frühstück. Dann Büroarbeit. Ein paar Dokus auf youtube. Und schon läuten die Kirchenglocken. Es ist tatsächlich bereits 12 Uhr. Je mehr Zeit vergeht, desto kürzer muss die Runde werden. laKetterechts überrascht mit einer selbstgemachten Lasagne. Mittagessen deluxe. Sie will auch raus. Wenn. Ja wenn. Die Straßen trocken werden. Wunschdenken. Das Mittagessen gesellig. Es ist unangenehm chillig. Der Kopf macht es sich schon bei einem Ruhetag gemütlich. Der „Point of no Return“ steht unmittelbar bevor.

Motivation beim Training. Denken auf Messers Schneide.

Meine Gedanken darf und will ich hier nicht veröffentlichen. Surreal. Krank. Wie jene eines Süchtigen. Es fehlen noch ein paar Kilometer auf das Wochenziel. Und die Jahreskilometer? Zögern macht unglücklich. Nachdenklich. Und dick. Übergewicht droht. Denken auf Messers Schneide. Die Jeanshose spannt schon. Die Fettreserven wachsen. Nur keine Schwäche zeigen. Resolut sein. Sich stellen. Ich muss die Tischrunde unhöflich beenden. laKetterechts kann mir nicht folgen. Sie wil. auch nicht. Vielleicht doch? Umziehen. Wegfahren. Motivation beim Training ist keine Frage des Wetters und auch keine gute Laune. Diese Motivation beim Training ist eine innere Einstellung. Aufstehen. Immer. Und immer wieder. Den Hintern hochheben. Keine Gedanken verschwenden, ob das richtig sei, oder nicht. Wobei Training? Wir schreiben immer noch Ende Oktober.

Die ersten Kilometer sind diesmal wie immer die schlimmsten. Die Hoffnung auf trockene Straßen löst sich in Luft auf. 10° plus. Es ist bedeckt. Leichtes Nieseln. Warum einfach, wenn man es auch herbstlich depressiv haben kann. Spritzwasser von unten. Dusche von oben. Vorschau auf die kommenden Wochen und Monate. Umdrehen? Die Grenze zwischen Held und Memme ist schmal. Nein. Einmal umdrehen, immer umdrehen.

Wer zögert, bleibt zurück.

Es kommen wieder harte Zeiten auf uns zu. Viele Willensprüfungen werden auf uns warten. Nässe. Kälte. Schnee. Eis. Dunkelheit. Die Motivation fürs Training befindet sich im Keller. Der Weg dorthin steinig. Er führt vorbei am Kühlschrank und vorbei am Sofa. Zögern ist fatal. Sommersportler werden im Winter geformt. Wer zögert, bleibt zurück. Jetzt und dann im Frühjahr. Wenn es bei jeder Ausfahrt wieder heißt: Feuer frei.

ktrchts

Warum immer diese depperten Radfahrer?

diese depperten Radfahrer

Radfahrer-Bashing scheint ziemlich in Mode zu sein. Die Gesellschaft braucht wohl dringend einen Sündenbock. Für alles was auf unseren Straßen so nicht läuft. Und im eigenen Leben vieler. Zur Ablenkung. Immer diese depperten Radfahrer. Was sind das für Trotteln. Echt jetzt. Fahren alle bei rot über die Ampel. Alle meiden Sie die extra für sie errichteten Fahrradwege. Sie behindern Fußgänger auf Gehwegen. Sind rücksichtslos, frech und arrogant. Und sie fahren tratschend nebeneinander zum nächsten Kaffee. Auf öffentlichen Straßen. Furchtbar. Radfahrer sind das moderne Hass-Objekt der Begierde. Die Abels unter den Verkehrsteilnehmer. Und ein Ventil für frustrierte Zweispurer. Aber warum immer diese depperten Radfahrer?

Über Radfahrer wutbürgern ist in Mode.

Anstoß für diesen Blogbeitrag war und ist ein Artikel von Tom Drechsler, inthronisierter Chef der Auto-Bild. Ein Netzfund. Herr Drechsler schreibt darin, dass es ihm reicht. „Radfahrer sind nun mal die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Es würde helfen, wenn sie sich auch so benehmen.“ Zitat Ende. Dass der Chef einer von der Autoindustrie am Leben erhaltenen und finanzierten Zeitschrift nicht über „seine“ Autofahrer wutbürgern wird, ist logisch. Dass Herr Tom Drechsler seine schlechte Laune an den Radfahrern auslassen muss, ist fad, substanzlos und populistisch.

diese depperten Radfahrer

Was hat Herr Tom Drechsler geraucht?

Wobei ich gestehen muss, dass mir der Artikel und die Worte von Herrn Drechsler echt am A… vorbeigehen. Verhalten eines Profilierungsneurotikers und Reichweitenjägers, der seinen Schäfchen billigen und gepanschten Fuselwein einschenken muss. Süchtige brauchen Stoff. Und den liefert er. Viel mehr sind mir die vielen Reaktionen auf diesen Artikel fremd. Zum Beispiel bei Facebook. Scheint, als müsste unsere Gesellschaft keine gröberen Probleme lösen. Wenn ich mir das genau durchlese – und das habe ich gemacht, bekomme ich die Gewissheit, dass draußen potentielle Mörder herumrennen. Menschen, die öffentlich (ja, soziale Medien sind öffentlich) zugeben, den einen oder anderen Radfahrer am liebsten „niederzumähen“ zu wollen. Geht’s noch? Wird sind nicht beim Tatort. Das ist real life.

Diese depperten Radfahrer. Weg von der Straße.

Lustig ist das nicht. Und lustig ist es auch nicht, wenn große Brands wie sixt Autovermietung, sich demselben Spielchen anschließen. Auf die Schwächeren draufhauen, ein altbewährtes und probates Mittel, die Schuld von sich zu weisen. Warum sixt? Selber ein Urteil bilden. Mag sein, dass dies eine kreative Idee ist, mit der sich Kreativagentur und sixt Geschäftsführung selbst befriedigen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen.

diese depperten Radfahrer

Aufruf zum Radfahrer-Killen?

Egal wie man es nimmt, dreht und wendet. Das Problem dieser depperten Radfahrer sind nicht die depperten Radfahrer, sondern die Deppen. Die Trotteln. Guido Tartarotti hat das 2013 bereits in seiner Kolumne im Kurier treffend formuliert. „Der Fahrradtrottel ist kein Trottel, weil er Rad fährt – sondern weil er ein Trottel ist. Er ist es auch dann, wenn er nicht Rad, sondern Auto fährt oder ganz etwas anderes tut. Die Tatsache, dass das Fahrrad auch von Trotteln benutzt wird, macht es noch nicht zu einem schlechten.“ Das sollte man Herrn Drechsler einmal zeigen. Vielleicht sieht er die Welt dann etwas anders. Nicht nur aus seiner Vergaser- und Selbstzünder Brille.

Gesellschaftlich hilfreich wäre es auch, wenn sich zudem die anderen Wut-Fuzzis aus den sozialen Netzwerken Tartarottis Worte zu Herzen nehmen könnten. Die intelligenter angehauchten würden möglicherweise dabei erkennen, dass nicht diese depperten Radfahrer das Problem unserer Gesellschaft sind, sondern sie selbst.

ktrchts

PS: Ein auf Harry G. machender Marco Wagner tanzt da nicht aus der Reihe. Auch die Reaktionen auf sein Video im Netz.

Romeo und Julier – meine Liebe zu edco Laufräder.

edco Laufräder

Romeo und Julia. Wer kennt sie nicht. Diese äußerst tragische Liebesgeschichte zweier junger Liebender, die verfeindeten Familien angehören und unter unglücklichen Umständen durch Selbstmord zu Tode kommen. Weniger bekannt hingegen ist die Geschichte von Romeo und Julier. Die ketterechts Romanze. Begonnen im Spätsommer und jetzt im Herbst immer noch aktueller denn je. Eine weit weniger tragische, aber umso romantischere Geschichte rund um Liebe auf den ersten Blick. Hauptdarsteller dabei neben Romeo, die edco Laufräder. Genauer gesagt die Julier 28. 1.449 Gramm leicht, 28 mm tief, 25,5 mm breit (außen). Handgefertigt in Deutschland.

In der Not fährt der Teufel auch Alu-Laufräder.

Besser hätte auch Rosamunde Pilcher das Drehbuch dafür nicht schreiben können. Die eine Tür ist zugegangen, eine Neue hat sich aufgetan. Eine Entscheidung des Schicksals. Zuerst die glückliche Beziehung zu den enve Laufrädern Spes 4.5. Was war das für ein geiler Sommer.

Dann die Trennung. Endgültig. Rückgabe. Ein Abschied mit Tränen. Trost wurde bei den DT Swiss r-460 Alu Laufrädern gefunden. Ein schwacher Trost. Aber immerhin. In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Und er fährt, was zur Verfügung steht. Eine harte Lebensphase. Doch für Liebeskummer bliebt nicht viel Zeit. Andere Mütter haben auch schöne Laufräder. Sehr schöne sogar.

edco Laufräder – Wunder warten bis zuletzt.

Es war wie aus heiterem Himmel, als mich Christian D. von edco kontaktierte. Vielleicht hat er meinen Schmerz gelesen und gespürt. Oder er hatte einfach nur Mitleid mit mir. Egal. Ich solle doch auch einmal edco Laufräder testen. edco? Ich muss zugeben, diesen Namen hatte ich bis dahin nicht in meinem Mindset. Freund Google musste mir da schon auf die Sprünge helfen. Ich verbrachte viel Zeit damit, mich zu informieren und schlau zu machen. Das war kurz vor dem Austria Race Around Burgenland und dem Ötztaler Radmarathon. Neugierig und interessiert verfolgte ich die Spuren von edco im Netz. „Such dir was aus und dann reden wir darüber.“ Ich liebe diese Art von „shoppen“. Da ich mich nicht wirklich entscheiden konnte, bekam ich ein Blind Date mit Julier 28.

edco Laufräder

So schön darf Carbon sein.

Ein großes Paket kam dann rasch zu mir nach Hause. Das Auspacken erinnerte mich an die ungewisse Spannung zu Weihnachten. Samt Kribbeln im Bauch. Schritt für Schritt näherte ich mich dem Inhalt. Die Verpackung hochwertig. Intelligent. Schützend. Eine Wertschätzung gegenüber der Kostbarkeit, welche sich im Karton verstecken sollte. Dann der erste Anblick. Edel. Zauberhaft. Qualitätsvoll. Und leicht. Ich hob eines der beiden Laufräder vorsichtig in die Höhe. Mein Arm flog regelrecht durch die Luft.

Laufräder sind zum Laufen da.

Nie hätte ich gedacht dass Carbon-Laufräder eine derartige Faszination auslösen könnten. Zumal es keine klassischen, von uns allen wegen der Optik präferierten Hochprofil-Felgen waren. Es waren nur 28 mm. Diese 28 mm waren aber optisch einfach „Wow“. Vielleicht genau deshalb.

edco Laufräder

© Athletics Leithaprodersdorf

Natürlich fackelte ich nicht lange und begab mich gleich zum Umrüsten. Unterfangen, welches sich dann aber leider etwas zu sehr in die Länge gezogen hatte. Im Rückblick zum Ötztaler Radmarathon ist diese Odysee etwas ausführlicher dargestellt.  Kurzum: Die von mir verwendeten Drahtreifen (Conti 4000SII und Hutchinson Fusion Performance) wollten einfach nicht ordnungsgemäß auf der Felge Platz nehmen. Das hat mir ein paar graue Haare gekostet. Letztendlich war aber nach mehreren Versuchen im Abstand von Tagen dank Seifentrick alles dort, wo es sein musste. Der Reifenwulst schön genau im Felgenbett. Exakt. Alles sauber. Ohne Höhenschlag. Ich kann mich noch genau erinnern, wie die hinter mir auf der Terrasse ruhig gestellten Drahtreifen am Laufrad unter dem Druck von 10 Bar langsam und sicher die gewünschte Position eingenommen haben. Das mehrmalige laute Knallen war in diesem Fall ein wohlgesonnener Nebeneffekt.

edco Laufräder

Wer richtig bremst, verliert nicht.

Nun liebe ich als Romeo diese Juliers schon seit etlichen Kilometern und Abendteuern. Ich kann mich optisch nicht satt genug sehen. Sie sind eine Augenweide. Und sie sind schnell. Vor allem bergab läuft alles wie gut geschmiert. Diese Laufräder sind zum Laufen da.

Achtung Kurve. Na und? Ich fahre und bremse edco.

Diese edco Laufräder sind wendig, stabil und spurtreu. Wer richtig bremst, gewinnt. Die edco Bremsbeläge sorgen für die subjektive und objektive Sicherheit. Aber nicht nur bergab sind die Julier der Hamemr. Auch in der Ebene und am Berg spielen die Juliers ihre Qualitäten aus. Am Berg ihre luftige Leichtigkeit. In der Ebene ihre kompromisslose Steifigkeit. Man kann damit ganz schön Druck machen. Wie beispielsweise beim King of the Lake. Kompliment an die Macher. Ich bin begeistert.

edco Laufränder

edco Juier 28 – VR

Ich muss gestehen, dass ich diese Laufräder bis jetzt im Einsatz nicht geschont habe. Nirgends. Auch nicht im Regen. Selbstverständlich bin ich sorgfältig damit umgegangen. Habe sie regelmäßig gepflegt. Immer wieder von Staub und Schmutz erlöst. Wie es sich gehört. Sie sind nach X-Kilometern aber immer noch genau dieselben, die ich ausgepackt habe. Alles läuft noch rund und geschmeidig. Und für die Statistik: Kein Defekt. Genau so darf und muss es sein.

Fazit: Optik und Performance haben mich überzeugt. Die Alltagstauglichkeit erst recht. Mit knapp 8 bar und meinen 25mm Reifen gehe ich keine Kompromisse ein. Ich spüre das Rad in jeder Sekunde.

Ob ich die enve vermisse? Enve? Ach ja, da war einmal was. Doch einer Ex darf man nicht nachtrauern.

 

ktrchts

PS: Der Beitrag spiegelt persönliche Erfahrungen wider und erhebt keinen Anspruch auf einen wissenschaftlichen Test. Die Laufräder gehen nach Ende der Testphase wieder an den Eigentümer zurück. Leider. Dem nächsten Einsatz beim Rennradfahren in Südtirol wird schon entgegengefiebert.

Athletics Leithaprodersdorf – der nette Nachbar nebenan.

Athletics Leithaprodersdorf

Hinter den Bergen bei den sieben Zwergen. Moment. Stop. Das ist die falsche Geschichte. Richtig muss es heißen: Hinter dem Berg, bei den Athletics Leithaprodersdorf. Genau. Dort fand nämlich die Saison-Abschlussfahrt statt. Und Familie ketterechts mittendrin, statt nur daheim. Der nette Nachbar von nebenan ist ja nur 18 km vom Wochenend-Base Camp auf der anderen Seite des Leithagebirges weit entfernt. Und außerdem lockte das anschließende Essen im Weingut Liszt. Da spart man sich auch gleich das Kochen.

Ende gut, alles traurig. Servus Rennradsommer.

Standesgemäß trifft man sich im ländlichen Raum immer dann vor der Feuerwehr, wenn man etwas Größeres vorhat. Sonntags. Eine Autosegnung zum Beispiel. Oder eine Radausfahrt. Zum Abschied des Radsommers. Also ich dort in Leithaprodersdorf ankam, standen sie schon da. Die athletischen Hausherren und die geladenen Gäste. Kurz vor neun Uhr. Leicht zu erkennen waren die Athletics in ihren auffälligen Vereinstrikots. Und an ihren durchwegs unrasierten Beinen. Ob das zum Dresscode des Vereins gehört, konnte nicht restlos aufgeklärt werden. Auf jeden Fall war trotz kühler Temperaturen, es ist immerhin schon Oktober, die kurze Hose state of the art. Mit Beinlingen und Langarmtrikot war nur ich zur Stelle. Der Italiener friert eben leichter und Temperaturwahrnehmung ist und bleibt ein subjektives Empfinden.

Athletics Leithaprodersdorf

Der Berg ruft.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch das Duo Bernd und Bernhard ging es schon los. Irgendetwas mit 95 km und eher flach mit nur einem kleinen Berg. Eingefleischte wissen, was das heißt. Ach ja. Dass man niemanden zurücklassen wolle, wurde auch noch explizit erwähnt. Immerhin war auch eine „Newcomerin“ dabei. Ihre erste Gruppenausfahrt. Das sei noch festgehalten.

Athletics Leithaprodersdorf – die Gallier unter den Radvereinen.

Radvereine führen ein eigenes Leben. Ein Leben zwischen Statuten und Protokollen. Bei den Athletics Leithaprodersdorf scheint das nicht der Fall zu sein. Hier regiert mehr das Zwischenmenschliche. Verein bedeutet im Dorf an der Leitha vereinen. Zusammenbringen. Zusammenführen. Als Gast fühlt man sich schnell Teil des Ganzen zu sein. Zwar wird auch hier bei Fortdauer der Ausfahrt, das kompakte Feld immer mehr in die Länge gezogen. Am Ende landen aber alle gemeinsam hungrig und wohlauf beim Zielsprint an der Ortstafel.

Die Gallier unter den Radvereinen lieben es, sich der Herausforderung zu stellen. Gemeinsam. Bei den Radveranstaltungen in der Region und bei kollektiven länderübergreifenden Ausfahrten. Es geht also auch raus aus dem Burgenland. Das eine odere andere Bier noch vor dem Mittagessen ist nicht ausgeschlossen. Vielleicht sogar Standard. Die Gallier lieben es auch Feste zu feiern, wie sie fallen. Meistens fallen sie nach einer Radausfahrt an.


Ein Berg und flach. War wohl nicht ernst gemeint.

Ein Berg hat mehrere Gipfel und flach ist eine Frage der Interpretation. Das wissen alle, die sich Rennrad-Gruppen anschließen. Dazu kommt auch, dass 95 km dann doch über 100 sind. „Darf’s ein bisserl mehr sein?“ Natürlich darf es. Bei dem Wetter und der geselligen Runde war es auch kein Problem. Zudem war der Wind mehr als gnädig. So ging es stetig auf und ab, kreuz und quer, schnell und langsam durch das pannonische Hügelland. Gesittet und geordnet. So darf eine Sonntags-Ausfahrt sein. Beim netten Nachbar hinter dem Berg.

Athletics Leithaprodersdorf

Malzeit beim Liszt.

Ende gut, alles traurig. Der Radsommer endete für die Athletics Leithaprodersdorf spät aber doch bei Kümmelbraten und Semmelknödel im Weingut Liszt. Jetzt darf der Winter genau so mild bleiben bevor es im Frühjahr wieder wärmer wird.

ktrchts

Rad-WM 2018 in Innsbruck – wie geil ist Radsport.

Rad-WM 2018 in Innsbruck

Nach der WM ist vor der WM. Nach Innsbruck 2018 folgt Yorkshire 2019. Und es wird auch dort wieder die beste WM aller Zeiten sein. So wie es 2017 in Bergen war. Und 2016 in Richmond. 2016 lassen wir aus. Die WM in Doha ist ja bekanntlich im Sand verlaufen. Gegenwärtig ist noch Innsbruck Rad-Weltmeister. Mit Recht. Denn Ski-Tirol hat allen gezeigt, dass man dort auch Rennrad-Tirol sein kann. Ich war anfangs skeptisch. Hatte Bedenken darüber, ob der Funken Euphorie auf die Bevölkerung und das Publikum überspringen würde. Anfang August war bei meinem Besuch im Kufsteinerland das WM-Fieber noch in Quarantäne.

Rad-WM 2018 in Innsbruck. Mittendrin und doch daheim.

Auch wenn ich nicht live vor Ort sein konnte. Ich habe die WM soweit es mir möglich war, mittendrin und von daheim verfolgt. Via TV und Social Media. Vom MZF bis hin zur Entscheidung der Herren Elite gestern Nachmittag. Es war etwas ganz Besonderes. Und es bleiben mehr als nur ein paar Erkenntnisse.

Die Höll von Gramartboden.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ im gestrigen Herren Elite-Rennen. Knapp 450 Meter mit Spitzen bis zu 28%, die im Vorfeld bereits mythologisiert worden sind und jetzt auf der ganzen Welt Inbegriff für böse Rampen sein werden. Einen Dumoulin, der sich Zick-Zack nach oben windet ist schon ein starkes Bild, welches die Rad-WM 2018 in Innsbruck in die ganze Welt geschickt hat. Man wollte ein WM-Rennen für starke Bergfahrer und hat ein WM-Rennen für starke Bergfahrer bekommen. Es war ein klassisches Ausscheidungsrennen.

Die jungen Wilden.

Laura Stigger hat die österreichische Radsportgeschichte umgeschrieben. Als amtierende MTB Nachwuchs-Weltmeisterin hat die 18jährige Ötztalerin bei ihrem erst zweiten Straßenrad-Rennen in Innsbruck auch den Juniorinnen WM-Titel geholt. In einer souveränen und abgebrühten Manier die sonst nur wenige beherrschen.

Nicht minder sensationell hat sich bei den Junioren Remco Enevepoel wohl selbst am meisten überrascht. Doppel Weltmeister. Straße und EZF. Frech, draufgängerisch und mit viel Herz. Und mechanischen Fähigkeiten. Minutenlang hantiert er nach einem Sturz an der Hinterradbremse seines beschädigten Rades, warte auf ein Ersatzrad, lässt sich von seinen Mannschaftskollegen wieder nach vorne bringen und steht am Ende ganz oben auf der Eins. So muss und darf Radsport sein.

Rad-WM 2018 in Innsbruck

© Bettini Photo

Funkstille.

Der Italiener Caruso vorne und aus dem Feld greift sein Landsmann Cataldo an. Italien schlägt sich selbst. Radrennen ohne Funk können ganz schön verwirrend sein. Dafür sind sie spannend und bis zum Ende offen. Bitte mehr davon. Unbedingt. Wie in den guten alten Zeiten als man Rennen noch „lesen“ musste. Damals hat oft nicht der stärkste Fahrer gewonnen, sondern der intelligenteste. Wir wollen Rennen sehen. Rad an Rad. Und keine ferngesteuerten Computerspiele.

Die Sieger. Mehrfachnennung möglich.

Den einzelnen SiegerInnen herzlichen Glückwunsch. Auch an Alejandro Valverde. Ihm sei der Sieg, den er 15 Jahre lang nachgefahren ist, vergönnt. Er hat gezeigt, was es bedeutet, akribisch auf ein Ziel hinzuarbeiten und nichts dem Zufall zu überlassen. Die ganze spanische Mannschaft stand geschlossen hinter ihrem einzigen Kapitän. Die Rollen ganz genau definiert. Valverde ist ein schlauer Fuchs. Alter schützt nicht vor einem Weltmeistertitel. In der Hölle hat er Kräfte gespart, in der Abfahrt das Tempo gemacht und am Ende von vorne den Sprint angezogen. Trotz eines auf Zehenspitzen heranschleichenden Dumoulin. Ein würdiger Weltmeister.

Rad-WM 2018 in Innsbruck

© Bettini Photo

Das Wetter und das Massen-Picknick im Grünen.

Alle reden darüber. Tirol hatte es. Das schöne Wetter. Sonne pur am Höhepunkt der WM und die Woche davor. Was wäre gewesen, wenn. Ja, wenn. Egal. Es war nicht. Zum Glück. Somit hat sich alles was wollte und konnte Richtung Innsbruck auf die Beine gemacht. An die 600.000 Zuschauer. 250.000 allein am Sonntag. So die offiziellen Zahlen der Polizei. Die Bilder mit den vielen Tausenden am Straßenrand waren eine fantastische Werbung für den Radsport. Die Kulisse kitschig und wie von den Werbestrategen der Tirol Werbung am Computer entworfen.

Rad-WM 2018 in Innsbruck

© Bettini Photo

Was bleibt ist die Hoffnung auf eine weitere Rad-WM in unmittelbarer Nähe. Auf eine weitere Rad-WM, die nicht im Massensprint entschieden wird. Eine würdige Rad-WM mit einer selektiven und interessanten Strecke. Mit Experimenten a la „Höttinger Hölle“. Und natürlich weiterer Funkstille.

Möge der und die Stärkste gewinnen.

ktrchts

Mit dem Rennrad rund um Wien – Vienna Roundabout.

mit dem Rennrad rund um Wien

Wien ist groß, Wien ist anders, Wien ist anstrengend. Nein, nicht die Stadt. Die auch. Manchmal. Es ist anstrengend, wenn man mit dem Rennrad rund um Wien fahren will. Nicht in Wien, nicht durch Wien, sondern ein Mal rundherum ohne dabei das Stadtgebiet zu betreten. Dann sind es nämlich knapp 100 Meilen oder wie am vergangenen Samstag exakt 158 km. „Roundabout Vienna“ heißt dieser Spass, den eine noch überschaubare Anzahl an „Velocisti“ über sich ergehen hat lassen. Freiwillig. Versteht sich von selbst. Von Mödling bis Mödling. Durch den Wienerwald, das Marchfeld und zwei Mal über die Donau. Bei am Ende traumhaftem Herbstwetter. Die erschöpften Gesichter strahlten am finalen Checkpoint Hofer-Filiale mit der tiefstehenden Sonne um die Wette.

Viagra für die Rennradfahrer-Seele.

Die Route rund um Wien bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Highlights. Wie beispielsweise die zweimalige Überquerung der blauen Donau. Einmal mit der Rollfähre von Klosterneuburg Richtung Bisamberg und ein zweites Mal bei Orth an der Donau mit einem Behelfsboot nach Haslau. Erstere ist wenig spektakulär und recht solide. Nebelunfälle ausgeschlossen. Zweitere hingegen ist wohl von der Gattung „Stoßgebet“. Hier steuert der Kapitän 10 Räder samt Fahrer knapp über der Wasseroberfläche je nach Wellengang und Strömung irgendwo ans andere Ufer. Mit Spritzgarantie. Es empfiehlt sich, vorher ein schnelles Telefonat mit dem Liebsten zu führen und die eigenen Koordinaten für eine eventuelle GPS-Suche freizugeben. Man weiß nie. Blindes Vertrauen ist eine Sache. Die vielen Strudel und die aus dem Wasser herausragenden Steine eine andere.

Mit dem Rennrad rund um Wien

Testament schreiben und abschicken.

Nach drei Überfahrten und kollektivem Wandertag über Baumstamm und Stein Richtung „Austria next Top Asphalt“, war das Teilnehmerfeld wieder komplett und zur Weiterfahrt bereit. Die Wartezeit hätte für ein Lagerfeuer und saftige Steckerlfische gereicht. Statt dessen gab es eine kostenlose Apache-Hubschrauber-Show. Diese Stahldinger sind ziemlich laut. Speziell dann, wenn sie einem auf Augenhöhe begegnen.

Mit dem Rennrad rund um Wien.

Wessen Ideen es war, Wien so zu umrunden, weiß ich nicht. Auf alle Fälle eine gute und geniale Idee. Es war heuer meine dritte Teilnahme. Von sechs. Seit Siggi dieses „end-of-summer“ Großereignis in die Hand genommen hat, fahre ich mit. Bin quasi Wiederholungstäter-Light.

Roundabout Vienna ist kein Rennen. Dafür eine gemeinsame Ausfahrt mit Freunden. Teilweise mit Renncharakter. Wenn der Wind von hinten schiebt, geht vorne meistens die Post ab. Wind aus Nordwest ist dabei die beste Konstellation, die man sich auf dieser Runde wünschen kann. Dann vergehen die 50 km nördlich der Donau mit einem Schnitt jenseits der 30 km/h. Anders geht es auch. Bei starkem Ost- oder Südwind muss man ganz schön schwitzen, um nicht vom Rennrad zu fallen.

Diesmal war das Wind-Glück auf der Seite der Mutigen, die sich um 9 Uhr am Treffpunkt gezeigt hatten. Einige trotz kühler Temperaturen im einstelligen Bereich optimistisch (oder eher hartgesotten) im Sommer-Dresscode.

Mit dem Rennrad rund um Wien

Roundbaout Vienna – der Track.

Die Wiener Rennrad-Szenerie.

Mit dem Rennrad rund um Wien bedeutet auch, fast alles zu sehen, was die Stadt für Rennradfahrer bieten kann. Außerhalb der Stadtgrenze. Sanfte Anstiege im Wienerwald, teilweise verkehrsarm und in gutem Zustand. Den höchsten Punkt auf 525 Metern in Hochtorherd – die Cima Coppi. Die Atemberaubende Fernsicht am Tulbinger Kogel. Flache, windanfällige Passagen, Querfeldein-Spaziergänge nach den Landung in Haslau und die dortige Hölle. Keine ganz normale Berggasse, sondern die Berggasse. Sie lässt die Herzen höher schlagen und deckt unverschämt auf, wer über den Sommer gut trainiert hat. Oder wer rechtzeitig die richtige Übersetzung wählen kann. Einmal Absteigen heißt hier, Rennrad schieben.

Roundabout Vienna lässt sich in der Gruppe gut bewältigen. Die Möglichkeit sich taktisch zu verstecken und mitzurollen ist gegeben. Zum Glück gibt es immer welche, die gerne im Wind fahren wollen und sich in den Dienst der Gruppe stellen. Kritisch wird es nur, wenn da und dort das Rennfahrer-Herzblut durchgeht oder auch die Disziplin auf der Strecke bleibt. Schnell sind da ein paar „Löcher“ offen, die man schließen muss.

 

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Biketanic. #bikemovie #ketterechts #cyclingexplorers #fromwhereiride #lifebehindbars #cycling #cyclingapparel #inloveonbike #donube #roundaboutvienna

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Disziplin ist auch das Zauberwort. Wenn knapp 30 Velocisti die Straßen rund um Wien belagern, ist Ordnung geboten. Eine schöne und saubere Zweierreihe ist schon einmal der Anfang. Denn immer noch nicht ganz bei den Autofahrern durchgedrungen ist die „Erlaubnis„, dies tun zu dürfen.

Ungezwungen und miteinander Wien umrunden.

„Roundabout Vienna“ spiegelt sehr die Wiener Rennradszenerie wider. Sie ist ein ungezwungenes Miteinander. Und sie wächst. Bereits im April 2015 habe ich darüber einen Beitrag geschrieben. Seit dem hat sich vieles getan. Die Familie ist größer geworden. Aus ehemaligen „Facebook Gruppen“ sind „Racing Divisions“ geworden. Professionell. Mit Altersklassen-Staatsmeistertiteln und dergleichen. Dank der sozialen Netzwerke findet Mann und Frau sich in und rund um Wien da und dort zu einer gemeinsamen Ausfahrt. Oft auf Initiative einiger Unermüdlicher. Egal wie lange und egal wie weit: Hauptsache Rennrad fahren. Mit oder ohne Pausen für Kaffee und Kuchen.

Mit dem Rennrad rund um Wien.

Keine Ausfahrt ohne Kaffee und Kuchen.

Wien ist groß, Wien ist anders und Wien hat das gewisse Rennrad-Etwas. Glücklich, wer den Rennradsport hier leben kann. Auch wenn es manchmal nicht so einfach ist. Aber das wäre wieder eine andere Geschichte. Passend zur Wiener-Melancholie eine fast perfekte „Raunzer-Geschichte“.

ktrchts

PS: Mit dem Rennrad rund um Wien – 7th Roundabout Vienna 2019, am letzten Samstag im September. Oder so. Je nach Wetter. Und Wind.