Endlich schon wieder Ötztaler Radmarathon

Wieder Ötztaler Radmarathon© Ötztal Tourismus

Zuletzt aktualisiert am 26. August 2019 um 17:30

Es ist das Highlight des Jahres. Für viele. Auch für die ca. 4000 Glücklichen, die sich nächsten Sonntag um 6:45 Uhr auf den Weg machen werden, Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch zu besiegen. Im Kampf gegen die Uhr und gegen sich selbst. Und gegen das Wetter. Nirgendwo spielt dieses eine so übergeordnete und wichtige Rolle. Es wird auch nirgendwo anders so viel darüber diskutiert und gemutmaßt. Endlich schon wieder Ötztaler Radmarathon. Nur noch sieben Tage unzählige Apps konsultieren und ins Reich der Phantasie und Märchen hineinreichende Langzeitprognosen studieren. Um am Ende ist immer alles ganz anders.

Wieder Ötztaler Radmarathon

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Der Ötztaler Radmarathon und das Ötztaler Wetter.

Es gibt Lotto-Sechser. Die sind unwahrscheinlich. Äußerst unwahrscheinlich. Aber es gibt sie. Irgenwo und irgendwann. So wie es perfektes und warmes Radwetter über die gesamte Distanz des Ötztaler Radmarathons gibt. Stabiles Hochdruckwetter. Von der Früh weg bis in die Abend- und Nachtstunden hinein. Genau wie 2015. Eine Ausnahme. Zumindest bei meinen mittlerweile 14 oder 15 Teilnahmen. Es gibt aber auch Fünfer mit Zusatzzahl. Nicht so schön wie ein Lotto-Sechser, aber immerhin. Alles statistisch gesehen von der Wahrscheinlichkeit her unmöglich.

Viel wahrscheinlicher und fast fix ist das typische Ötztaler Bergwetter in all seiner Bandbreite. Kaum vorherzusehen und Mittelpunkt vieler Leidensgeschichten. 2003 und 2013 waren mit Sicherheit epische Höhepunkte. Oder im vergangenen Jahr. Wer dabei war, weiß wovon ich schreibe. Es ist somit unvermeidlich, dass jeder über das Wetter spricht, schreibt oder einfach nur passiv mitliest. Heute, sieben Tage vor dem großen Klassentreffen, sind die vielen Internet-Foren und Facebook-Gruppen schon voller hellseherischer Prognosen. Diese reichen wieder einmal vom Weltuntergang bis hin zur Hitzewelle. Jeder Post ein Hilferuf an Petrus. Und an die Veranstalter. Aber die können in Sachen Wetter außer nichts, leider nur gar nichts tun.

Der Ötztaler Radmarathon

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Das Wetter in Sölden interessiert nicht.

Egal wie das Wetter am 1. September in Sölden sein wird. Es interessiert mich persönlich wenig. Es muss nur trocken sein, wenn ich in der Früh am Start stehe und am späten Nachmittag, wenn ich ins Ziel kommen werde. Sollte es dazwischen in Sölden regnen, dann lässt mich das kalt. Viel Interessanter ist das Wetter entlang der 235 km über vier Pässe. Schnee am Kühtai? Kein Problem. Hat es auch schon gegeben. Strahlender Sonnenschein in Südtirol? Schaut nicht schlecht aus. Das kommt sehr häufig vor. So wie Wind und Kälte am Jaufenpass, oder Hitze in St. Leonhard und dann wieder Nebel und Graupelschauer am Timmelsjoch. Muss nicht sein. Kann aber passieren. Oder eben auch nicht. Das Wetter in den Ötztaler Alpen kann sich rasch ändern. Und es ändert sich auch rasch. Deshalb ist es verlorene Energie, sich jetzt schon damit zu beschäftigen.

Endlich schon wieder Ötztaler Radmarathon.

Nur noch eine Woche bis zum Ötztaler Radmarathon. Wären wir dieses Wochenende gefahren, dann hätten wir den Lotto-Sechser gezogen. Wären und hätten. Es lebe der Konjunktiv. Alles möglich, nichts wirklich. Wie es wirklich sein wird, das werden wir am Start in Sölden sehen. Pünktlich. Keine Sekunde davor. Endlich wieder Ötztaler Radmarathon ist der konjunktive Weg zum gemeinsamen Höhepunkt. Mit all seinen Unberechenbarkeiten. Allen voran das Wetter. Dieses beeinflusst den Rest. Wetter gut, alles gut. Und eine Ausrede weniger. Gefolgt wird das Wetter von der Zeit. Sechs, sieben, acht, neu, zehn, elf, zwölf, dreizehn oder vierzehn Stunden. Irgendwo dazwischen sollte man das Ziel erreichen. Wann genau, das weiß niemand. Nicht einmal eine Marschtabelle kann da helfen. Diese ist nämlich nichts wert, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Timmelsjoch Hochalpenstraße

© Ötztal Tourismus

Wetter, Zeit und dann noch die Fragen der Form. Habe ich genug trainiert? Zu viel oder gefühlsmäßig zu wenig? Ich habe auch heuer wieder alles genau nach Plan dem Zufall überlassen. Fühle mich müde. Wie immer. Fühle mit übergewichtig, wie immer. Fühle mich nicht gut genug. Wie immer. Aber ich werde am Sonntag, am Start stehen. Bis dahin gibt es nichts Schöneres als das Jammern. Im Vorfeld des Ötztaler Radmarathon ist der Konjunktiv der König. Das gehört dazu. Bei mir ist das schon Routine. Ein Teil der langen Vorbereitung. Egal ob es jetzt das Wetter ist, die Bürde der Zeit oder die Unsicherheit über Form und Übersetzung. Jammern kann ich über alles.

Egal was passiert: Wichtig ist nur, dass es nicht schneit. Denn bei großer Hitze ist Rennradfahren im Schnee, ganz schön anstrengend.

#ktrchts
#ötztalerradmarathon2019

Danke für die Empfehlung

6 Kommentare

  1. Sören Uloth

    Super geschrieben und genau so ist es, ich freue mich sehr auf meine 5. Ötzi-Teilnahmeund wünsche allen „Leidensgenossen“ eine unfall- und pannenfreie Fahrt
    keep cycling

  2. Heiko Lindemann

    Eine sehr aufwendig und inwendig recherchierte Gedankenwelt, die viele wohl mitgehen können. Ich jedenfalls Kann für mich sagen, das ich vieles gerade selber „durchmache“. Es wird mein erster Start sein, obwohl ich letztes Jahr schon angereist bin und auch einen Startplatz hatte. Aber krankheitsbedingt nicht starten konnte. Dieses Jahr bin ich ca 10 kg leichter, (immer noch 96 kg) und wesentlich besser trainiert. Aber die Zweifel bleiben bis zum Start und auch darüber hinaus. Die Antwort liegt auf der Strecke. Die Wetterkapriolen werden kommen, dafür durchfährt man zu viele unterschiedliche Wetterzonen. Also lieber für schlechtes Wetter planen und dann nicht überrascht sein, das ist meine Idee zum Thema.
    Aber schlußendlich es soll ein Radsportevent sein wo auch etwas Spaß und Freude eine Rolle spielen sollte und auch wird. Ich freue mich mit ganz viel Nervosität .

  3. Pingback: Ötztaler Radmarathon 2019. Ein Rückblick. ~ ketterechts

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