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Bahnfahren. Meine Premiere.

Oval. Alles andere als trivial.

„Ich scheiß mich an.“ Das war mein einziger Gedanke, als ich das erste Mal im Innenfleld auf dem dicken blauen Streifen mit meinem Bahnrad die zigte Aufwärmrunde drehe während die anderren Rookies bereits Meter über mir mit den Fliekräften spielen. „Da komme ich nie hinauf. Und wenn, dann rutsche ich wie ein Kartoffelsack wieder runter.“ Mein nächster Gedanke.

Ich muss zugeben. In der Schule hatte ich keinen Physikunterricht. Vielleicht war es mir deshalb unerklärlich, wie ein Rad da oben überhaubt fahren kann. Ohne dass der Vorder- und der Hinterreifen abrutschen. Ich fahre also immer noch am dicken blauen Streifen. „Tempo. Tempo. Aufschließen“. Es war Florian, der mit der zweiten Gruppe bereits eine halbe Runde aufgeholt hatte. Ich war also der letzte der anderen.

Als Bernhard Kohl den Aufruf zum Bahnfahren startete war ich natürlich gleich dabei. Ich bin für Neues stets aufgeschlossen. Cool, denke ich mir. Ich holte mir theoretische Tipps aus dem Internet und probierte schon mal ein Rad in Kohls Geschäft aus. Keine Bremsen und kein Freilauf. Was soll das? Hmmm! Zu kurz war aber das Anprobieren. Die Gewöhnung an das Gerät nicht nennenswert lange genug. Ich konnte mir kaum was vorstellen. Außer, dass ich ohne Bremsen und ohne Freilauf fahren werde.

Freitag. Wir sind um 17 Uhr im Ferry Dusika Stadion. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich eine Bahn von innen und in echt. Der Vienna Grand Prix wird gerade ausgetragen. Ein internationales Rennen. Mit dem Weltmeister Robert Förstermann. Mister Oberschenkel. Einer seiner misst 73 cm Durchmesser. Das kriege ich nicht einmal mit meinen beiden zusammen hin. Seine Fotos aus dem Internet kennt man. Live sieht Herr Förstermann aus wie Popeye. Ohne jetzt wertend zu sein.

Keirin, Verfolgung, Punkterennen und Madison. Irgendwo schon mal gehört und gesehen. Aber nie live. Schaut alles nicht so schlimm aus. Von der Ferne. Kaum Zuseher. Bahnfahren ist eine Randrandrandsportart. Polen, Tschechen, Deutsche und junge Österreicher/Innen. Und eine Finnin, die aus 3 zarten Österreichern bestand. Ich schaute interessiert zu. Schnell plagten mich dann ein paar wesentliche Fragen. Wie groß wird der Splitter sein, den ich mir einziehen werde, wenn ich auf der Holzbahn ausrutsche bzw. hinfalle? Und kann ich mit dem Rad in der Steilkurve überhaupt fahren ohne, dass es mich auf die Goschn (Pappn, Fresse, Gesicht) wirft? Ich werde es wohl tags darauf selber erfahren.

Es ist Samstag. 8.30 Uhr. Ich bin im Innenfeld. Bernhard Kohl samt Manschaft richten uns die Räder her. Ich krieg ein BMC Alurad. Größe L. Dura Ace Kurbel. 170 mm Kurbellänge. Also kürzer wie üblich. Höheres Tretlager. Und eine Übersetzung von – uuups vergessen zu schauen. Bevor wir um 9.00 Uhr loslelgen eine kurze Einführung von Florian. „Ihr habt keine Bremsen und keinen Freilauf.“ Das kenne ich ja schon. „Und wie bremst man trotzdem?“ Gute Frage. Ich lausche zu. Gegen die Steilwand fahren, also nach oben. Tipp Nummer 1. Das bremst. Gegentreten. Bremst auch. Tut halt etwas weh in den Oberschenkeln und in den Knien. „Was ist, wenn die Kette reist. Passiert eh nicht?“ Was?  Die Kette reist? Ich bin gespannt auf die Lösung. Mit den Handschuhen auf den Reifen drücken und bremsen. Jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Die Handschuhe.

Es geht los. Aufsteigen. Losfahren und dann lernen abzusteigen. Alles nicht so einfach. Schon das Losfahren ist eine Kunst für sich. Ich probier es. Schnell habe ich es heraußen. Wie, das verrate ich nicht ;-). Absteigen. Auch nicht so schwer. Gegentreten und erst im letzten Moment aus den Pedalen steigen (ausklicken). Die ersten langsamen Runden drehen wir im Innenfeld und auf der Laufbahn. Solange keine Leichthleten da sind, ist das erlaubt. Dann gehts langsam auf das Holz. Und in die Nähe des dicken blauen Streifens. Immer schön treten. Was anders geht nicht. Nach ein paar Runden bin ich immer noch am blauen Streifen. Die anderen Rookies schon in der Höhe. Zum Glück wollte man uns langsam an das Bahnfahren heranführen.

Ich drehe immer noch weit unten meine Runden. In den Geraden wage ich mich etwas nach oben. In der Kurve aber treibt es mich automatisch nach unten. Ich schaffe es nicht die Kurve durchzuiehen. Etwas blockiert mich. Ich habe Schiss, dass ich abrutsche. Der Winkel Fahrrad und Steilwand kommt mir einfach physisch gesehen unmöglich vor. Ich breche einen Versuch nach dem anderen ab. Werde überholt, überrundet und durchgereicht. Ist das das Ende meiner beschaulichen und kurzlebigen Bahnfahrerkarriere.

Ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich schon als Kind kaum am Spielplatz Freude finden konnte. Eine Schauckel war der Tod für mich. Ein Ringelspiel auch. Achterbahnen kenne ich nur vom Fernsehen. Hinten auf einem Motorrad sitzen geht nur, wenn der Fahrer die 19 km/h nicht überschreitet.  Dafür sind 104,5 km/h am Rennrad kein Problem. Es ist also eine Kopfsache. Alles, wo ich das Gefühl habe, gesteuert zu werden ist mir ein Graus. Dort, wo ich keinen Einfluss habe einzugreifen bekomme ich Paniik. Und auf der Bahn, mit diesem Rad, ohne Bremsen und jeder Menge Leute ober, unter und neben mir war es nicht anders.

Eine kurze Pause. Wir treffen uns im Innenfeld. Alle werden gelobt. Alle? Nein. Es ist wohl aufgefallen, dass ich etwas ängstlicher bin. Ich kriege einen Spezialcoach. Bernhard himself und Florian pushen mich. Und ich kämpfe mit mir selber. Ich will und muss es schaffen. Ich fahre nochmals raus. Mit den anderen. Beschleunige. Nehme das Hinterrad von Bernhard. In der Geraden. Es geht in die Kurve. Ich bleibe leicht oben. Lenke gegen die Fahrrichtung. Motorradfahrer kennen das. Links fahren, aber rechts lenken. Unlogisch. Aber beim Driften mit meinem ex Audi Quattro war das auch so. Bricht das Heck in der Linkskurve aus, muss ich nach rechts lenken (leicht lenken), um es wieder einzufangen.

Mein Blick in der Linkskurve (Steilkurve 45 Grad) also nach rechts. „Mehr Schwung. 15 km mehr.“ Bernhards Worte höre ich kaum. Ich bin verspannt. Konzentriert. Ich beschleunige. Und ziehe die Kurve durch. Puls weit über 180. Schweißgebadet. Ich fahre weiter. Die nächste Steilkurve. Wieder Augen zu und durch. Es geht. Gleich weiter. Und immer höher. Kurve für Kurve. Ich kriege Sicherheit. Das Rad rutscht nicht. Physik eben. Oder einfach nur Glück. Die Fliekräfte sind jetzt meine Freunde. Und Freunde meienr Drahtreifen. Ich mag Freunde. Vor allem, wenn auf sie Verlass ist. Blind.

Leider ist es schon zu Ende. Die nächste Gruppe wartet. Ich nehme mir noch das Recht, ein paar Runden zu drehen. Ich bin fast allein auf der Bahn. Und fahre die Kurven am äußersten oberen Rad an und lasse mich dann am Ende nach unten treiben. Das beschleunigt. Etwas mulmig ist mir noch. Es könnte ja unten noch jemand daherkommen. Die zweite Gruppe beispielsweise. Noch eine Runde. Unbedingt. Meine Karriere als Bahnfarer startet erst gerade. Ein Spätzünder. Was für Parallelen mit meinem bisherigen Leben. Ich brauche etwas länger. Kann halt dann auch länger. Dann kommt Bernhard Kohl mit einer neuen Teilnehmerin. Sie fahren unten. Ich oben. Ca 1. Runde vor mir. Ich beschleunige, Runde für Runde hole ich auf. Zum Überholen muss ich ganz nach oben. Das schaut schon fast nach irgendetwas aus, das mit Bahnfahren zu tun hat. Ich grinse im gesamtne Gesicht. Und lass mich lautstark bemerken. In der Kurve am steilsten Stück fahre ich vorbei. Bernhard fährt gefühlsmäßig 20 Meter unter mir! Das ist Bahnfahren. Und ich habe es erlebt. Ein Sieg gegen mich selbst.

Nach ca. 50 Minuten ist alles aus. Meine Beine zittern. Meine Oberschenkel brennen. Es war saugeil. Ich komme wieder. Mit Leihrad und Lizenz. Regelmäßig, wenn’s geht. Ein eigenes Rad? Kostet an die € 3.000,-. Das ist zuviel. Ich will ja einen Crosser. Aber vielleicht schaue ich mich um ein gebrauchtes Bahnrad um. 

Spinning war gestern. Heute ist Bahnfahren. Und Crosser. Der Winter kann kommen. Ich bin bereit. Danke Bernhard Kohl. Danke Wien. Danke Ferry Dusika.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

PS. Sollte jemand auf den Geschmack gekommen sein. Bitte nicht machen. Ich brauche eine Bahn für micht. Bis ich noch sicherer werde. Und schneller. Dann können wir sprinten, keirinen, uns verfolgen (zu Zweit oder zu Viert) und madisonen.

Ich bin Crossrad schwanger.

Crosser mit hydraulischen Scheibenbremsen.

Jetzt hat es mich erwischt. Ein Crossrad muss her. Schon seit Jahren verfolgt mich dieser Wunsch. Und wie immer dauert es bei mir eben etwas länger. Mein erstes Pinarello habe ich auch 5 Jahre nachdem ich stets davon geschwärmt haben gekauft.

Jetzt hat es mich erwischt. Voll. Ich will durch den Winter crossen. Auch weil ich umgezogen bin und dort wo ich jetzt zu Hause bin, die Berge weit weg sind. So dass ich kaum zum Freeriden, Langlaufen oder Skitouren gehen kommen kann. Und mein Fitness-Center ums Eck ist verschwunden. Der Nachfolger hat keine Spinningräder, mein Daum ist rostig und eine Walze/Rolle mag ich nicht. Auch habe ich keinen Platz dafür. Wegen des Kleinkindes.

Jetzt hat es mich erwischt. Ich will crossen. In Wien gibt es sogar einen Cup (RC Schnecke). Und Bernhard Kohl will einen neuen ins Leben rufen. Ab Mitte November 2013.

Damit fängt es an. Welches Crossrad? Kompliziert. Denn es gilt sich umzustellen. Crossrad ist nicht Rennrad. Und Crossrad ist nicht MTB. Wobei die MTB Welt habe ich schon vor langem verlassen. Mein Alu MTB mit Marzocchi Federgabel ist ein 25kg Urgestein und kaum mehr fahrbar.

Es fängt schon mal damit an, dass das Angebot immer umfangreicher wird, weil die Industrie das Potential erkannt hat. Italien, Holland, Belgien … diese Radnationen crossen schon seit ewig. Jetzt soll auch Österreich crossen. Und ich.

Beim Kauf von Sportgeräten bin ich halt einer, der nicht gleich das Billigste haben will. Natülrich will ich das Beste. Doch auch mein Budget ist nicht nach oben unbegrenzt. So gilt es zu sondieren. Ab € 1.000 ist man eigentlich dabei. Mit einem Alu-Rahmen und Tectro Cantilever Bremsen.

Bei Bernhard Kohl bin ich auf das Begamont PrimeCX Team gestoßen. Ein Vollcarbon Crosser mit hydraulischen SRAM Scheibenbremsen. Das Thema Scheibenbremsen habe ich schon mal getrennt erörtert. Und ich bin dagegen. Auf Rennrädern. Bei MTB’s und Crossern mittlerweile ein Befürworter. Auch wegen der bombastischen Optik. Gestestet habe ich sie auch. Die normalen Cantilever Bremsen und die mechanischen Scheibenbremsen. Vergesst es. Wenn man im trockenen schon kaum stehen bleibt und eine Verzögerung hat. Wie wird das dann draußen im Dreck und im Nassen sein? Auf einem Rundkurs mit ständigem auf und ab?


Das Bergamont übersteigt zwar meine Budgetvorstellugnen (bin ein ordentlicher Kaufmann). Klingt aber im Vergleich zu den Top Modellen (zB. Cannondale CAADX und SUPERX oder Colnago WORLDCUP oder PRESTIGE ) vernünftig.

Ich muss rechnen. Und budgettieren. Aber es muss sich ausgehen. Rennrad fahren – ok crossen – auf Wiesen und Feldern. Im Schnee. Im Gelände. Und auch auf der normalen Straße. Eine perfekte Alternative zum Spinningrad.

Jetzt hat es mich erwischt. Ich will meine Rennradsaison auf 365 Tage verlängern. Und ich will es in so einem Cup versuchen.

Stay tuned. Mal sehen, wie weit ich mit meinem rechnen, budgetieren und träumen komme.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

Dolomiten 2013 by quaeldich.de. Mein Rückblick

Über 700 km und 23.000 Höhenmete für die Optionsfahrer.

Seiser Alm. Kreuztal. Würzjoch. Furkelpass. Staller Sattel. Lucknerhaus. Pustertaler Höhenstraße. Hochstein. Tre Cime di Lavaredo/Rifugio Auronzo. Passe 3 Croci. Passo Giau. Passo Staulanza. Passo Duran. Forcella Aurine. Passo Cereda. Passo Rolle. Passo di Valles. Passo San Pellegrino. Passo Fedaia (2x, von Canazei und von Malga Ciapela aus). Passo Pordoi. Passo Falzarego (2x, von Cernadoi und von Cortina aus). Passo Valparola. Passo Campolongo. Passo Gardena. Passo Sella. Rifugio Gardeccia. Passo Costalunga. 8 Tage en suite am Rad und am Zahnfleisch. quaeldich.de Dolomiten 2013 ist Geschichte. Zeit zu resümieren und in Erinngerungen zu schwelgen. Tief sind noch die Emotionen und die Wunden. Greifbar das Erlebte. Stark die Empfindungen. Lebendig die Bilder. Spürbar die Anstrengung.

Es war einfach genial. So viel Erlebtes in einem Wort zu fassen ist schwierig. Ich bleibe einfach beim Wort genial. 7 Tage quaeldich.de Dolomiten 2013. 7 Tage ideales Wetter. 7 Tage perfekte Organisation und Betreuung. 7 Tage erstklassige Unterkünfte und kulinarische Schmankerln. 7 Tage Konzentration aufs Bergauffahren. 7 Tage Kehren und einkehren. 7 Tage anbremsen und 7 Tage beschleunigen. 7 Tage Logistik. 7 Tage bloggen und 7 Tage posten. 7 Tage ein Leben wie ein Profi.

Hier die Highlights im Schnelldurchlauf.

quaeldich: Ein Name. Ein Programm. Dolomiten 2013 war kein Sonntagsspaziergang.

Roland Wagner: Guide, Organisator, lebendes Tourbuch, Garmintracker, Südtirolerer als ich. Sein zweiter Name ist Freytag & Berndt. Kennt jeden Gipfel. Kennt jeden Pass. Und er kennt kein Pardon, was Optionen, Options Optionen und Stichstraßen angeht.

Jahn Sahner: Chef. Tritt selbst in die Pedale. Macht sich am Berg und in den Abfahrten alle Ehre. Auch in Sachen Posing stets in den Top 3. Einzig die Straßenschuhe zum Frühstück samt Radress sollten ihm Abzüge bringen.

Florian Kohlschläger: Busfahrer. Mechanicker. Zwichendruchhöhenmetersammler. Tausendsassa. Und Poser vom Dienst. Abendessen und Frühstück mit Mütze, das rockt!

Stichstraße: So was kannte ich bis dato nicht. Weiß jetzt aber, dass so eine Straße Stichstraße heißt, weil sie dich sticht. Überall. Sie tut einfach weh. Hinauf und wieder herunter. Sie ist kurz, knackig, eng und steil. Hochstein, Tre Cime, Lucknerhaus und Rifugio Gardeccia – unsere Stichstraßen, falls wer den Worten hier nicht glauben schenken will.

Tre Cime/Rifugio Auronzo: Das sind 6 km bei einer durchschnittlichen Steigung von über 12%. Das ist Zickzack fahren. Das ist Vorderrad lupfen. Das ist fluchen. Das ist schwitzen. So etwas fährt man nicht freiwillig. Vor allem dann nicht, wenn zuvor die Pustertaler Höhenstraße samt Hochstein gefahren worden ist. Tre Cime, das ist Respekt vor jedem der da mit Muskelkraft hochfährt und Respekt für die Profis, welche hier hinauffliegen. Ich bin jedenfalls hinaufgekrochen. Immerhin bin ich nicht abgestiegen.

Kehren: Die Dolomiten sind das Land der Kehren. Ich habe Sie nicht alle gezählt. Allein der Passo Pordoi hatte 33 davon bergab und an die 29 bergauf. Der Passo Falzarego von Cernadoi 17 hinauf. 50 Kehren pro Tag? Das wären dann 350 Kehren. Die spektakulärsten bergauf waren: Staller Sattel, Passo Rolle, Passo Giau, Passo Falzarego und die klassische Sellarunde (Gardena, Pordoi, Sella, Campolong).

Abfahrt: Am letzten Tag galt es vom Passo Costalunga (Karerpass) auf 1.700m hinunter nach Bozen zu fahren. Knapp 32 km und 1.500 HM. Berabwärts. Wir waren in weniger als 30 Minuten am Ziel. Durch das Eggental. Laut Roli wurden wir sogar im Tunnel geblitzt. Einem sehr langen Tunnel. Abfallend und eimal nach rechts und einmal nach links ziehend. Dazwischen eine offene Passage. Bergab, Windschatten und einen Kamineffekt – so was geiles habe ich noch nie erlebt.

Hotel Pineta: Was nach Pineta klingt muss nicht zwangsläufig irgendwo in Lignano oder Jesolo sein. Knapp oberhalb von Caprile gelegen entpuppte sich dieses Hotel als ein Schlaraffenland. Keiner von uns hatte mit so einem Schlemmeressen gerechnet. Schon die selbstgemachten Tortellini mit Ricotta und Birnenstücke hätten ausgereicht, der Küche das Prädikat paradiesisch zu verleihen. Die Maccheroni mit Tomaten und Pilzen waren ebenbürtigt. Das Tüpfelchen auf dem „i“ und somit die ultimative Extase war das Nachspeisenpuffet. Als der Junior Chef des Hauses die gesamte Konditoreivitrine von der Bar auf den Buffettisch gebracht hatte, sahen wir uns alle erstaunt an. Als das Herankarren von Tiramisu, Creme Brulee, Fruchttörtchen, Vanillekrapfen, Sacher Torte, Bignès, Vanilleröllchen, Käsesahnekuchen und & Co. nicht aufhörte wurden die Augen aller größer als der Druchmesser unserer Laufräder. Sogar die eingefleischesten Asketen machen hier die Ausnahme und griffen zu als wäre dies eine Henkersmahlzeit. Gut, dass sich das ganze beim Frühstück wiederholt hat. Es gab nämlich welche, die am Vortag nicht genug bekommen haben.

PS: die zukünfigen Dolomitenfahren werden hier öfters wenn nicht ausschließlich halt machen.

Hotel Kolfuschgerhof: Dieses ****Hotel war nach dem Hotel Pineta an der Reihe. Am letzten Tag. Am Fuße des Passo Gardena. Pech. Für das Hotel. Und für uns. Super Hotel. Super Wellness (ja, es gab auch welche von uns die Wellness nutzen – meist jene, die abgekürzt haben). Typisches Gadertaler/Grödnertal Flair. Leider aber eine Diätküche. Gut, ein betuchter Münchner oder Mailänder wäre hier gut aufgehoben. Aber nicht 25 hungrige Radfahrer. Denn ein Großteil hatte an diesem Tag die 4.000 HM Marke überschritten. Das Saltatbuffet war in 3,9 s geplündert. Ständiger Nachschub überforderte das Personal. Die Suppe Standard. Die Schweinshaxn mit 1 (in Worten einer) Kartoffel nicht ganz artgerecht. Der Wunsch, nach einem Ersatzschnitzel wurde mit einem „sel geat net, mir hobn di Kuchl voll unter Strom“ quittiert. Die Vegetarianer unter uns (das sind italienische Vegetarier, deutsch ausgesprochen) bekamen eine Omelett so groß wie das 27er Kranzel hinten. Als ich mich dann als Südtiroler outete wäre plötzlich ein Fischfilet möglich gewesen. Zweiklassengesellschaft. Das Frühstück war ok. Nein es war gut. Denn wir bekommen echten Cappuccino und nicht Automatenkaffee.

Automatenkaffe:
Jetzt kriegt man auch schon in Italien in den Hotels Automatenkaffee. Dh. Wasser, Kaffeepulver und Milchpulver. Erhitzt und verdünnt. WTF!

Sprühpflaster: Das brennt wie die Hölle. Nachdem ich am zweiten Tag Bekanntschaft machen durfte mit dem Lienzer Asphalt war Sprühplaster die einzige logische Chance, die Tour fertig zu fahren. Die andere wäre gewesen, das Lienzer Spital aufzusuchen. Aber das lagen bereits 2 von uns. Eine weitere sollte tags darauf folgen. An die € 100 für Apothekenprodukte habe ich im Laufe der Tour verbraucht. Das Sprühpflaster hätte ich noch. Ich glaube ich stelle es auf eBay. Ansonsten war es Bepanthen, Voltaren, Leukoplast, Verbände jeder Art, Betaisodona Wundgel und was pflanzliches für den Schnupfen, den ich mir eingeholt habe.

Stürze: Wir hatten leider welche. So was kann passieren, wenn man in der Gruppe fährt. Es war in allen Fällen Pech der Auslöser. Denn wir sind soweit sehr diszipliniert gefahren und haben kein unnötiges Risiko genommen. Alles Gute nochmals allen Gestürzten.

Viecher: Es gibt sie. Gemeint sind nicht die weidenden Kühe, Schafe oder Pferde. Diese haben wir auch gesichtet. Gemeint sind jene Fahrer, die bergauf stehts vorne weg waren. Axel, Tobias, Niels, Oliver und bei Gelegenheit Roland und Jan. Ich hätte gerne auch das gegessen, was die gegessen haben. Chapeau. Zum Glück war ich verletzt und musste fotografieren. Somit hatte ich eine Ausrede für das Gruppetto.

Aufstiesgeschwindigkeit: Alles unter 1000 HM pro Stunde wurde gar nicht wahrgenommen. Von 1200 bis 1800 war die Rede. In der schnelleren Gruppe versteht sich. Was soll ich dazusagen. Ich musste fotografieren und bloggen. Und überhaupt war ich am zweiten Tag mit xx km/h auf den Asphalt geknallt. PS: die xx sind der Redaktion bekannt.

Posing: Auch wenn das nicht meiner Philosophie entspricht. Es gab Teilnehmer mit unrasierten Beinen und mit schmutzigen Rennräder. Der eine und andere sogar schneller als ich. Das ist doppelte Strafe. Aber vielleicht habe ich mir diese ja verdient. Sogar Trekkingbikes hatten wir dabei. Und Gepäcksträger. Tja. Es gibt halt immer noch ungläubige und unbelehrbare Schäfchen auf dieser Welt.

Helden: Es gabe viele Helden. Es gab nur Helden. Die einen weil sie schnell waren. Die anderen, weil sie aufhörten bevor es zu spät hätte werden können. Andere wieder sind über sich hinausgewachsen. Großen Heldenrespekt auch an Neal und Manuel. Ersterer saß 4 Tage nach seiner Operation (Schlüsselbein, Schulterblatt, Rippen) am Ergometer. Zweiterer nach dem doppelten Kieferbruch in der Schweiz bei flüssiger Ernährung. Angemeldet für eine quaeldich.de Tour im Frühjahr. Freaks!

Bremsen: Wichtigstes Element bei so einer Tour über viele, viele Höhenmeter. Da es fast nur bergauf und bergab ging, haben wir an die 300 Abfahrtskilometer hinter uns. Meine nagelneuen Bremsgummist haben sich ausgezahlt. Richtig dosiert haben sie mich brav nach Hause gebracht.

Kaiserschmarren: So mancher Aktivist behauptet, dass Südtirol nicht Italien sei. Ich behaupte, dass Südtirol nicht Österreich ist. Denn nirgends haben wir einen Kaiserschmarren bekommen. Jan hätte so gerne einen gehabt. Dafür haben wir Polenta und Tagliatelle ai funghi bekommen. Mehr als nur ebenbürtiger Ersatz. Und es gab auch keinen aufgewärmten Apfelstrudel mit aufgewärmter Vanillesouce. Danke.

Wertung: Dolomiten 2013 war kein Rennen. Ich weiß. Trotzdem war ich stets bester Italiener. Und in der Gesamtwertung der Optionszieher bin ich nach Roli (Guide) und Tobias (Dresdner Bolzer) jener, der die meisten Kilometer und Höhenmeter mitgemacht hat. Außer Wertung und Reichweite Axel. Der hat sich da und dort seine eigent Tour zusammengestellt.

Pizza: Ganz kurz: Die Pizzeria beim/am Helmhotel in Vierschach. Mehr muss ich nicht sagen.

Bevor ich hier jetzt einen Roman verfasse mache ich Schluss. Nochmals danke quaeldich.de. Danke Jan. Danke Roland. Danke Thorsten. Danke Florian. Und danke euch fürs folgen. Vielleicht sehe ich einen von Euch nächstes Jahr. Die Touren 2014 von quaeldich.de sind bereits alle ausgeschrieben.

Stay tuned.
Cristian Gemamto aka @_ketterechts