Monat: Juli 2017

Monte Grappa – Liebe auf dem ersten Tritt

Monte Grappa

Bergstraßen haben für mich eine magische Anziehungskraft. Jede Kehre ist dabei ein Puzzleteil auf dem Weg nach oben. Jeder Schweißtropfen die Maut, die man dafür bezahlt, diese imposanten Naturdenkmäler mit dem Rennrad befahren zu dürfen. Keine Ahnung wie viele dieser menschlichen Meisterwerke ich schon gefahren bin. Der Monte Grappa reiht sich mit Sicherheit weit oben auf der Liste der besonderen Gipfel ein. Dieser Berg hat eine bewegte Vergangenheit und deshalb eine ganz besondere Energie. Es ist ein Privileg hier rauffahren zu dürfen. Über 22.000 gefallene Soldaten im 1. Weltkrieg haben den Grundstein dafür gelegt.

Zwischen Brenta und Piave. Ein Stück Geschichte.

Die 1.775 Meter hohe „Cima Grappa“ ist der höchste Punkt des Bergmassivs zwischen der Brenta im Westen und dem Piave im Osten. Beide Flüsse waren im 1. Weltkrieg Schauplatz brutaler Schlachten und Kämpfe. Der Berg sowieso. Umringt ist der Berg von vielen kleinen Ortschaften. Die bekanntesten am Fuße sind die Städte Bassano del Grappa im Westen, Feltre im Norden, Valdobiaddene, die Hauptstadt des Prosecco im Osten und Asolo gegen Süden. Hier endete 2016 die 11. Etappe des Giro d’Italia.

Was den Berg und die Gegend für Rennradfahrer so reizvoll macht, sind die 10+1 Anstiege hinauf zur Cima Grappa, der „Altipiano di Asiago“ gleich nebenan und der Monte Cesan in Reichweite. Auch der Passo San Boldo, die Foresta del Cansiglio, der bei Einheimischen sehr beliebte Anstieg San Lorenzo bei Vittorio Veneto sowie der Montello können in diverse Tagestouren eingebaut werden. Die ersten drei Anstiege waren heuer Schauplatz der Granfondo Pinarello.

Monte Grappa – der Berg der tausend Kehren.

Teile meiner Rennradbekleidung lasse ich „made in Italy“ in der Gegend produzieren. Meine Dienstreise zur Vorbereitung auf die Kollektion 2018 habe ich natürlich genutzt, die Gegend in Begleitung auf Rennradtauglichkeit zu testen. Denn nur vom Hören und Sagen gewinnt man keine wichtigen Erkenntnisse. Die 5 Tage Veneto brachten mir neben vielen Eindrücken vor allem müde Beine und extrem geile 400 km mit 9.500 Höhenmeter. Nicht schlecht für eine Dienstreise.

Als „Basislager“ eignen sich fast alle Orte rund um den Monte Grappe. Am interessantesten ist sicher die Stadt Bassano. Hier pulsiert das Leben und die Kulinarik lässt keine Wünsche offen. Der obligate Aperol Spritz in einer der viele Bars genießt man besten zu zweit. Bassano del Grappa ist auch deshalb als Standort gut gewählt, weil hier gleich zwei der 10+1 Auffahrten zur Cima Grappa in unmittelbarer Nähe beginnen. Ich selber war in Semonzo (Borso del Grappa) im Hotel Antica Abbazia untergebracht. Sehr gutes Essen mit regionalen Produkten (Frühstück und à la carte Abendessen), schicke auf rustikal eingerichtete Zimmer und kaum 500 Meter bis zur SP140 „Strada Generale Giardino“ entfernt.

Laute Italiener sind kein geeignetes Schlafmittel.

Einziger Wermutstropfen waren die Fenster auf die Restaurantterasse. Bis spät in die Nacht hinein tratschende Italiener sind kein geeignetes Schlafmittel. Auch weil sie sich minutelang mit „Ciao“ hin und „Ciao“ her verabschieden müssen oder wollen. Mit offenem Fenster kaum zu ertragen. Mit geschlossenem Fenster und Klima schon. Aber nicht gesund. Eine Live Band unter der Nase trägt leider auch nicht zum Schönheitsschlaf bei. Dorn im Auge oder besser gesagt Stein im Reifen war zudem der große nicht asphaltierte Parkplatz am Weg ins Hotel. 15 – 20 Meter des Grauens. Für Mountainbikes ein Traum. Für empfindliche 23mm Drahtreifen ganz das Gegenteil.

Ein perfekter Capuccino am Morgen, hausgemachte „dolci“ und ein geschmacksintensiver prosciutto sowie der „frittura“ am Abend haben diese kleinen Minuspunkt in Summe aber aufgewogen. Ich war ja schließlich nicht zum Schlafen da, sonden zum Arbeiten und zum Rennrad fahren.

Und täglich fährt das Murmeltier. Auf und ab.

Effizienz ist dann gegeben, wenn man neben der Pflicht noch Zeit für die Kür hat. Mit mehreren akribisch geplanten Tracks im Garmin bin ich angereist. Mit noch mehr Tracks dann abgereist. Es war nicht einfach nach Plan zu fahren. Überall lauerten interessante Straßen und anspruchsvolle Anstiege. Ein „fuori rotta“ war auf meinem Garmin Display gegenwärtig. Ich folgte mehr dem Instinkt als der Landkarte. Letzendlich waren es viele Giro d’Italia erprobte Leckerbissen. Wie beispielswiese die Auffahrt von Marostica nach San Luca, die „Via Foresto Nuovo“ hinauf ins Stadtzentrum von Asolo oder die „Forcella Mostaccin“ bei Maser. Allesamt sehenswerte Teilstücke, die sich leicht zu einer „Akklimatisierungstour“ zusammenstellen lassen. Der Monte Grappa läuft ja nicht davon.

Monte Grappa

Gute Technik und gute Beine

Das Erkunden der Gegend wäre ein 24h Job. Unbezahlbar was die Möglichkeiten und Eindrücke betrifft.

Wo ein Wille auch ein Weg. Oder 10+1 Auffahten.

Egal wie schön die Proseccogegend ist und war. Hauptziel musste die Cima Grappa sein. Kein einfaches Unterfangen bei ganzen 10+1 Monte Grappa Auffahrten. Wir haben uns zuerst für die „leichtere“, dafür längste entschieden. 27 km von Romano d’Ezzelino hinauf. Im Schnitt 6% steil mit maximal 10%. Gute 1.500 Höhenmeter am Stück. Schaffbar und machbar für jede/n. Neun Uhr war eine gute Zeit zu starten. Wenig Verkehr und Temperaturen, die unten heiß und oben angenhem waren. Für Sonja war es ein Highlight, erstmals so viele Kilometer und Höhenmeter am Stück bergauf zu fahren. Ein Highlight auch die 28 Kehren bergab Richtung Semonzo.

Monte Grappa

Kurz vor der Abzweigung nach Feltre

Noch am selben Tag, unmittelbar danach, habe ich noch eine Auffahrt draufgesetzt. Monte Grappa schmeckt am besten „doppio“. 20 km, die selben 28 Kerhen von Semonzo hinauf. Im Schnitt 8% mit maximal 14%. Weitere 1.500 Höhenmeter. Zwischen Kehre 20 und 21 war’s ganz schön hart. Zum Glück war vorsichtshalber das 29er Ritzel mit auf Dienstreise. Auch ab Kehre 25 habe ich die bis dahin knapp 2.800 Hm auf 62 km gespührt. Die Bardame im Rifugio Bassano war überrascht, mich ein zweites Mal hier oben zu sehen. „Ancora lei?“ Insgesamt 3.080 HM auf 82 km. Mit mehr als 100 Kehren. bergauf und bergab. Ein sehr gutes Training in Hinblick auf den Ötztaler Radmarathon 2017. Eine Zerreißprobe für mein Steuerlager.

„Il salto della capra“ – der Mortirolo Venetiens.

Mein Hersteller hat mich heiß gemacht. Er meinte ich soll den „Salto della Capra“ fahren. Das sei der giftigste aller Anstiege. Und was habe ich dann gemacht? Genau. Nach der Paar-Tour über Marostica, San Luca, Richtung Conco über Fontanelle, Tortima und Bassano am vierten Tag eben dieses Highlight gesucht und gefunden. Steil, geil und wieder steil. Die 22 km von Fietta zur Cima Grappa haben es in sich. 10% im Schnitt empor mit maximal 20%. Teilweise sogar darüber. Mein Garmin zeigte nicht selten 26, 28 aber auch 32% an. In den oberen Kehren innen. Kaum zu glauben, dass hier früher die Granfondo Pinarello heraufgefahren ist. Teilweise hat das mit Rennradfahren nichts gemeinsam. Erinnerungen an den Monte Zoncolan wurden wahr.

Am Ende der Leiden beim Anblick der Ziege hoch oben als Mahnmal hat man dann die Wahl zur Qual. Entweder weiter zur Cima Grappa oder hinunter zum Monte Tomba. Zu empfehlen ist das Weitefahren zur Cima Grappa am Hochplateau vorbei an einigen bewirtschafteten Almen.

Brevetto Monte Grappa – nur die fleißigen kommen in den Himmel.

Die Italiener lieben die Dramen. Nur so ist zu verstehen, dass sie den „brevetto grappa“ ins Leben gerufen habe. So wie in Österreich die verschiedenen Wandernadeln, kann man sich rund um den Monte Grappe altertümliche Lorbeeren in Form von Stempeln holen. Für die 10+1 Anstiege. Mit meinen drei hätte ich schon das „bronzene“ Abzeichen bekommen. Hätte ich. Habe ich aber nicht.

Die Monte Grappa Auffahrten im Detail:

Auffahrt Länge durchschn. Steigung max. Steigung Startpunkt
1 27 km 6% 10% Romano d’Ezzelino
2 20 km 8% 14% Semonzo del Grappa
3 22 km 10% 20% Fietta
4 20 km 8% 14% Passengo
5 23 km 10% 16% Cervaso del Tomba
6 25 km 7% 15% Pederobba
7 24 km 10% 14% Alano di Piave
8 25 km 7% 20% Seren
9 28 km 6% 12% Cuapo
10 26 km 8% 20% Cismon del Grappa
10+1 10 km 11,2% 20% Crespano del Grappa

Highlight dieser vielen Anstiege ist auch eine Nachtauffahrt, die ich um ein paar Tage verpasst habe (22. Juli 2017). Die Lichter der Teilnehmer waren bis weit in die Ebene hinein zu erkennen. Sicher ein imposantes Schauspiel. Die Italiener lieben Dramen.

Der letzte Berg – aber nicht der Allerletzte.

Der Monte Grappa ist nach Süden hin der letzte Berg. Für viele aber nicht der Allerletzte. Wer sich einmal nach oben geschwitzt hat, der wird es wieder und wieder tun. Es ist diese Anziehungskraft, diese Besonderheit. Bei schönem Wetter ist sogar der Blick weit bis in die Lagune von Venedig möglich. Hat man mir gesagt. Ich wollte am letzten Tag noch eine „Early Bird“ Auffahrt wagen. Die Reste eines nächtlichen Gewitters haben mir aber einen Strich durch die Rechnung gezogen. Schade. Ich komme aber bestimmt wieder. Spätestens im Mai 2018. Und ich nehme jeden mit, der mitkommen will. Termine demnächst auf ketterechts Website unter Rennradreisen.

Hier die Tracks von strava:

Forcella Mostaccin inkl. relive Video Tag 1
Crosara di Marostica „steil“ inkl. relive Video Tag 2
Doppio Grappa inkl. relive Video Tag 3
Crosara di Marostica über San Luca inkl. relive Video Tag 4
„Salto della Capra“ inkl. relive Video Tag 4
Bonustrack Cortina – Passo di Giau inkl. relive Video Tag 5

ktrchts

PS: Die Firmen „Selle Italia„, „Spezzotto„, „Pinarello„, „Dainese“ sind auch aus der Gegend. Kreditkarte nicht vergessen.

woom bike. Kinderleicht Radfahren.

woom bike

Meine Tochter ist fünf Jahre alt. Sie besucht den Kindergarten. Der tägliche Weg dorthin ist von zuhause weg nicht weit. Weit genug aber, um nicht selber dahin gehen zu wollen „Papa, trägst du mich?“ Gerne und ohne Rücksicht auf meine Bandscheiben, erfülle ich meiner Tochter diesen Wunsch. „Papas sind zum Tragen da. Und zum Kuscheln.“ Mit diesem Satz hatte sie mich. Und wird mich für immer haben. Zum Glück bin ich als Transportmittel nicht immer erste Wahl. Es gibt noch den orangfarbene Dreirad Tretroller und ihr geliebtes gelbes woom bike.

Der Porsche unter den Kinderrädern.

Mit passendem Helm und passendem Zubehör geht es mit dem woom bike in den Kindergarten. Dort wird das Kinderfahrrad dann vorschriftsmäßig durch den Kindergarten geschoben und im Hinterhof geparkt. Dabei grüßt hier täglich das Zweirad-Murmeltier. Perfekt geschlichtet und aneinandergereiht stehen sie da. Die verschiedenen woom bikes. woom 1, woom 2 und woom 3. Samt Zubehör. Denn wenn schon, denn schon. Jedem sein woom bike. Geschmäcker sind verschieden. Die Buben tragen meistens blau. Die Mädchen rot.

woom bike

Jedem sein woom bike

Irgendwie ein Phänomen, oder? Dieses Kinderrad hat anscheinend Wien erobert. Und Österreich sowie den Rest der Welt gleich mit. Warum? Die Frage hat mich beschäftigt

woom bike – Kinderräder mit hohem Intelligenzquotienten.

Überzeugt hat mich bei woom bike die Tatsache, dass sich nicht das Kind an das Rad anpassen muss, sondern dass sich das Rad an das Kind anpassen lässt. Schlau. Ein Kinderrad mit hohem Intelligenzquotienten. Ein woom bike ähnelt sehr einem Laufrad (woom 1). Der Umstieg ist also viel leichter und die lästigen Stützräder können gleich im Keller bleiben. Der Schwerpunkt liegt tiefer und das Kind kann viel leichter das Gleichgewicht halten. Meine Tochter hatte den Dreh schnell herausen.

Ein und dasselbe Rad von der Grundgeometrie her für jedes Alter. Nur der Körpergröße angepasst und mit technischen Finessen erweitert. Von 1 1/2 bis 11 Jahre. Vom Fuß- über Kettenatrieb von Fixschaltung über Gangschaltung. Von 12 bis 26 Zoll.

Es sind halt immer kleine und feine Details, welche den Unterschied machen. Und bei woom bike sieht man, dass „radlnarrische Väter“ dahinterstecken. Allein die farbige Markierung des vorderen und hinteren Bremshebels beim woom 3 ist so simple genial. Grün für hinten. Schwarz für vorne. Das kann sich jedes Kind leicht merken.

Kinderleicht Radfahren. Kinderleicht Rad (ver)kaufen.

In diversen Zeitungen und Magazinen überschlagen sich die Lobeshymnen für woom bikes. Zurecht. Denn es steckt viel Arbeit und Hirnschmalz dahinter. Das sage ich nicht nur als Vater, sondern auch als jemand, der sich seit Jahren mit Rädern beschäftigt. „Wir möchten so wenig Erwachsenenteile wie möglich verwenden.“ Diese Aussage aus einem Interview im Online Fahrradmagazin „drahtesel“ zeugt davon. Eine Kinderhand ist halt anders geformt wie eine Erwachsenenhand. Ergo, sollte ein Bremshebel diesen Unterschied berücksichtigen.  „Wo immer notwendig, sind die Komponenten der Woom-Räder Neuentwicklungen. Wenn möglich, sogar patentiert.“ Das macht Sinn.

Dass Qualität auch ihren Preis hat, ist logisch. Ein woom bike gibt es zwischen € 179,- (woom 1) und € 499,- (woom 6). Aber. Und jetzt kommt es. Die investierte Summe lässt sich aber durch den hohen Wiederverkaufswert und dem „upCYCLING“ rechtfertigen. upCYCLING bei woom bike heißt, dass man beim Kauf eines nächstgrößeren Rades, 40% vom Neupreis des alten zurück bekommt. Meine Tochter wird demnächst genau so von woom 3 auf woom 4 „upgraden“.

Von Klosterneuburg in die weite Welt.

Ich kann den Machern von woom bike nur für ihre Idee gratulieren. Für mich persönlich ist es eine große Freude, den Kinder zuzuschauen, wie sie ihre Lieblingstück durch die Gegend bewegen. Auch wenn ich als Papa zum Tragen dann nicht mehr gebraucht werde. Bleibt ja immer noch das Kuscheln.

ktrchts

 

 

Das Geheimnis des Radfahrens – das Buch

Das Geheimnis des Radfahrens

„Die Autoren garantieren bis zu 20% mehr Leistung, wenn die Erkenntnisse aus dem Buch genutzt werden.“ Wenn das keine Ansage ist. 20% mehr Leistung garantiert. Das hat mich neugierig gemacht und in weniger als zwei Stunden war das „Das Geheimnis des Radfahrens“ Seite für Seite verschlungen. In fünf Wochen findet der  Ötztaler Radmarathon statt. Darf ich jetzt von einer Sensation träumen? Ich meine 20% mehr Leistung. Nur mit Lesen?

Schön langsam und der Reihe nach.

Das größte Geheimnis des Buches wird wohl ein Geheimnis bleiben. Schnell überflogen verrät das Buch viel. Viel zu viel auf einmal. Sämtliche rennradaffine Themen werden sehr ausführlich und äußerst technisch behandelt. Training, Ernährung, Körper- und Radgewicht, Raddesign, Sitzposition, Streckenprofil, Wind, Temperatur und anderes mehr. Die Autoren zerlegen im Buch den menschlichen Motor in seine allerfeinsten Teile. Unterhaltsam, aber gleichzeitig auch voll von fachspezifischem Vokabular beschreiben sie dessen Funktion und Zusammenspiel mit Material und Umwelt. Rennradfahren ist halt mehr als nur aufs Rad setzen und lostreten.

So gesehen ist das mit dem 20% mehr Leistung vorsichtig zu betrachten, denn die Erkenntnisse aus dem Buch zeigen gnadenlos die Schwächen und die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit auf.

Das Geheimnis des Radfahrens. Schneller geht es immer.

Das Gehemnis des Radfahrens

Das Radfahrmodell

Rennradfahren ist komplex. Sehr komplex sogar. Nicht umsonst hat das „Geheimnis des Radfahrens“ mehr als 300 Seiten. Man braucht also Geduld, alle Kapitel miteinander zu kombinieren. Nur mit der richtigen Korrelation aller behandelten Themen sind die 20% mehr Leistung zu erzielen. Damit sind wir wohl auch bei der wichtigsten Erkenntnis des Buches. Leider. Ein einzelner alles entscheidender Tipp, wäre zu einfach gewesen.

So muss sich der Leser des Buches mit mehreren „No-Na“ Themen befassen. Diese gehen aber oft so in die Tiefe, dass „Aha-Effekte“ nicht auszuschließen sind und auch tatsächlich vorgekommen sind. Bei mir zumindest. Vieles, was ich im Buch gelesen habe, machte ich bis heute richtig. In Summe aber doch einiges verkehrt.

Jeder Mensch ist anders. Jeder Tag ist anders.

Nörgeln über das, was das Buch hergibt ist unangebracht . Das Geheimnis des Radfahrens ist mit Sicherheit ein umfassender, gut und übersichtlich aufgebauter Ratgeber für jene, die sich schon mit sich selbst und der eigenen Leistung beschäftigt haben. Begriffe wie FTP oder VOmax sollten keine Fremdwörter sein. Das Interpretieren von Trainingsdaten (sofern man diese hat und aufzeichnet) keine allzu große Schwierigkeit darstellen.

Wenn nörgeln, dann nur ganz leise. Jeder Mensch ist anders. Und jeder Tag ist anders. Neben Familie, Job und anderen Dingen kommt das Rennradfahren für die meisten von uns hintenan. Zumindest in der Theorie. Wann und wie viel Zeit hat man für das Training? Wie sehr hat der Chef den Bogen überspannt? Hat der Stau das Nervenkostüm angepatzt? Über diese für viele alltäglichen Incognitas verliert das Buch kein Wort.

Die Autoren des Buches gehen davon aus, dass wir alle die selbe Zeit und Voraussetzungen haben, einen geordneten und durchdachten Trainingsplan durchzuziehen. Keine Spur von Familiensonntage, Urlaube, Patchwork-Wochenenden, Überstunden, Babysitting, Candle-Light-Dinner und andere Aktivitäten, die dann wiederum Zeit fürs Rennradfahren gutmachen.

Fazit:

Das Buch hilft, die fürs Rennradfahren wichtigsten Zusammenhänge vieler für die Leistung verantwortlicher Faktoren zu verstehen. Ich denke, dass es in keinem Rennradhaushalt fehlen darf. Mein Exemplar wird am Nachttisch neben der Bibel einen besonderen Platz bekommen.

Zum Schluss noch meine persönlichen Erkenntnisse aus dem Buch zusammengefasst:

_weniger ist leider viel mehr
_Erholung tut gut und ist auch Training
_mein Körper hat Grenzen und Schwächen
_Planung macht vieles leichter, vieleicht aber langweilig
_man tritt was man isst
_schneller werden ist ein Prozess
_Kondition statt Carbon
_auch wenn dich die Beine nach vorne bringen ist es der Kopf der dich bremst
_Radfahren ist geil

ktrchts

Das Geheimnis des Radfahres ist im Meyer&Meyer Verlag erschienen. Kosten im Buchhandel: € 36,-.

PS: Unter allen, die bis 31. Juli 2017 diesen Blogbeitrag kommentieren, verlose ich ein Exemplar des Buches. Oder sogar drei.

Granfondo Pinarello – der Mythos ist endlich besiegt.

Pinarello

„Gianni!! „Franco?“ „Andrea!“ „Dove sei Gianni!“ „Qui Franco?“ „Valentina?“ Wenige Minuten nach dem Start bekomme ich neben dem Surren carbonfasergetränkter Laufräder eine Auswahl bekannter italienischer, vorwiegend männlicher Vornamen zu Gehör. Dass Italiener am liebsten in Rudeln auftreten ist ja bekannt. Bei knapp 4.000 Startern der Granfondo Pinarello müssen sich diese Rudeln erst bilden. Genau diese Rudelbildungen prägen die ersten Kilometer stadtauswärts Richtung Spresiano. Die Piazza del Grano platzt aus allen Nähten. Der Startschuss ist längst gefallen. Noch stehe ich mit beiden Beinen am Boden. irgendwo weit hinten. Treviso erwacht gerade aus der lethargischen Nachtruhe auf. Der Mythos Pinarello schlägt ein neues Kapital auf. „LaPinarello“, vom Veranstalter auch liebevoll „LaPina“ genannt, geht mit mir in die 21ste Auflage.

Ausflug zur Mutter aller Radmarathons.

An der Anreise und der Akklimatisierung ist wenig auszusetzen. Treviso ist für Italokundige leicht zu finden. Das Hotel mit Navi auch. Autosuggestives Parkplatz finden funtkioniert in Italien nicht immer. Wenn man daran glaubt, schon. Die Kurzparkzonen sind leistbar, auch wenn man beim Ticketing der Sprache mächtig sein sollte. In Treviso muss man zuerst die Nummer des gewählten Parkplatzes in den Automaten eintippen. Erst dann gibt es ein Ticket fürs Geld. Und man muss unterscheiden. Kurzparkzone oder Kurz-Kurzparkzone. Letzere erlaubt nur 20 Minuten. Ein Mal pro Halbtag. Capito?

Den Stadtkern – umgeben von einer imposanten Stadtmauer, erlebt man am besten per pedes. Von der Mitte aus sind es 10 bis maximal 15 Minuten in alle Richtungen, bis man dort anstößt. Die Orientierung ist nicht schwer. Einmal die Stadtmauer erreicht, einfach links, rechts oder retour. Man kommt schnell wieder dorthin, wo man schon einmal gewesen ist. Die Fläche, sich zu verlieren ist minimal. Und sollte man den Weg zurück doch nicht mehr finden, erleichtern die vielen Eissalons und Bars das Traurigsein. „Patatine“, die man zum Prosecco, dem Wein oder dem Apreol Spritz serviert bekommt auch. Veganer und Bioaner werden die Stadt auch lieben. Selten so viel Biogenes gesehen. Mein Tipp „soffioni„. Der Thunfischburger Bio 9, ein Traum.

Granfondo Pinarello – la „famiglia“ feiert sich selbst.

Freitag, 14. Juli 2017. Piazza del Grano, Borgo Mazzini. Dort, wo die Hölle los sein sollte, ist noch gähnende Leere. Ein großes weißes Zelt ist gegen zwei Uhr Nachmittags das höchste der Gefühle. Hier soll es ab fünf Uhr eine Expo geben? Ok. Italiener sind wohl die Meister der Improvisation. Ich besuche also den Pinarello Shop nebenan. Ja. Den Pinarello Shop in Treviso. Dieser ist so klein, dass ich zwischen der Castelli Wäsche mit Sky branding fast ersticke. Daneben ein paar Zubehörteile und jede Menge selbstinzenierender Fotos. Der zweite Raum ist auch nicht größer. Dafür bunter. Zeit für Radklamotten habe ich keine. Warum denn auch.

Ich erblicke die Hintertür. Diese führt in einen weiteren Pinarello Shop. Ein Outlet. Was ich dort finde ist auch nicht mehr als reduzierte Ware in den Größen 2XXL aufwärts. Was die letzten Jahre an eigener Panier nicht verkauft werden konnte, ist hier gelandet. Alle farblichen Anti-Trends quasi. War’s das? Ja. Für mich. Die Werkstatt nebenan hatte ich nicht auf der Rechnung und somit auch nicht im Visier. Die neusten Pinarello Modelle (F10, F10 Disk …) verpasst. Selber Schuld. Ganz Schlecht vorbereitet. Negativ. Setzen.

Wer italienisch denkt, findet sich im Chaos zurecht.

Mehrere caffè vergnano und Aperols später ist die Expo pünktlich um 1700 aufgebaut. Auch die Startnummern sind erhältlich. Es herrscht wie gewohnt ein geordnetes Chaos. Wer italienisch denken kann, findet sich hier zurecht. Auf einer riesen Tafel gibt es die zugewiesene Startnummer, mit dieser dann den richtigen Schalter. Nach sieben Unterschriften und einer einwandfreien, wenn auch dominanten Erklärung, dass ich das ärztliche Attest bereits wie in der Ausschreibung gewollt, per Email verschickt habe und die Tageslizenz mit dem Startgeld von € 72,- auch schon überwiesen habe, bekome ich das Starterpaket, die Startnummer und die Tageslizenz. Auf dem Kuvert mit dem Startnummer steht in großen Lettern: „Ärztliches Attest OK. Tageslinzenz bezahlt“. Die € 10,- Miete für den Chip sind an einem weiteren Schalter mit kurzer Wartezeit zu verschmerzen.

Mit Mortadella, Ricola Kräuterzückerln. luftdicht verpacktem Käse, einer Schnitzelpanier, Bavaria Bier und einer Enervit Flasche sowie einem Pastaguschein erkunde ich die Expo. Giordana, Pinarello mit mageren 3 Rädern, Rudis Porject Brillen und Helme, Shimano Servicestation, Enervit, Ricola und Selle Italia sind da. Und ich gleich wieder weg.

Nerven aus Stahl. Das zeichnet Rennradfahrer aus.

Sonntag, 16. Juli 2017. Bereits um 0645 stehe ich an vorderster Front in der Startreihe. „Griglia nera“, also die Nummern 2990 bis 4000. Das ist die Zweitletzte. Eine Stunde bis zum Start. Es ist nicht zu kalt. Zum Glück. Es dauert nicht lange und hinter mir füllt sich Borgo Mazzini. Über den Lautsprechern ertönen pathetische Parolen. Danke, super, gemeinsam, traumhaft … das Glück muss ein Rennradfahrer sein. Zumindest meint das der Sprecher.

Die Zeit vergeht. Meine Aufmerksamkeit  gehört meinem hinteren Laufrad. Gestern gegen 2300 Uhr habe ich im Hotel noch den Schlauchreifen gewechselt. Zu riskant war es mir geworden. Aus zwei kleinen Löchern am neuen Vittoria Graphene zischte immer wieder Luf raus. Der Reifen war schnell von 10 auf sechs Bar. reduziert. Der alte Vittoria Corsa Evo CX bekam eine neue Chance. Graphene mit Effetto Mariposa Carogna Klebeband problemlos entfernt, Vittoria Magic Mastik drauf und dann das rettende Runde. Sieben Stunden Klebezeit sollten reichen. Nerven aus Stahl muss man haben. Kurz vor dem Start war das hintere Laufrad immer noch dickfest.

Es kann losgehen. Zuerst überhaupt nicht. Dann stockend bis schiebend. Zwei Mal ums Eck. Erst nach ca. 10 Minuten die erlösende Zeitmatte. Pronti, via.

Die Goldene Ananas ist ganz schön gefährlich.

Die ersten 30 km kerzengerade und ohne nennenswerter Höhenmeter. Das Tempo gleich hoch. Sehr hoch. Die Goldene Ananas wird hier schon vergeben. Als ginge es darum für Peter Sagen den Sprint anzuziehen, fliegen bunte Radtrikots links und rechts an mir vorbei. Die auffälligsten konnte ich mir merken und am ersten Berg wieder überholen. Dass so eine sinnlose Bolzerei nicht notwendig ist, zeigen die vielen RennradfahrerInnen, die ich auf diesem Teil der Strecke bereits kreuz und quer über die breite Straße liegen sehe.

Das Rennen nicht einmal 30 Minuten alt. Eine Dame mit ihrem pinkfarbenen Pinarello Dogma und pinkfarbenen Trikot liegt am Bauch mit dem Kopf nach unten regunslos am Asphalt. Spätestens jetzt schalte ich von Rennmodus auf Sonntagsausflugmodus um. 4000 rennhungrige (kurze und lange Strecke starten gemeinsam) Fahrer sind auf so einer Straße mit Gegenverkehr (so mancher ließ sich nicht aufhalten trotzdem gegen die Rennrichtung zu fahren), Verkehrsinseln und Längsrillen ein paar zu viele. Eine selektierende Steigung ganz zu Beginn findet man hier nicht.

Prosecco und Schweiß. So schön kann Dolce Vita sein.

Bei km 40 trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Kurz davor war noch an ein paar kleinen Hügerln Stau. Wie auf der Wiener Südosttangente. Mit Fahrern, die von ihren Rennrädern gefallen sind, weil ein 50 Kettenblatt aufwärts doch zu stark ist, oder ein plötzliches Schalten von 50/28 auf 34/28 die Kette abwirft. Danach plötzlich Einzelzeitfahren Richtng Caneva zum ersten Berg. Die Strecke ein ständiges Zick-Zack auf Straßen, die ich lieber mit dem Crosser fahren würde. Mit giftigen kurzen Anstiegen vorbei an Betonwerken. Proseccoland, wo bist du?

Der Schock ob der unidyllischen Landschaft vergeht schnell am Anstieg hinauf zur „Foresta del Cansiglio“. Knapp 13 km bergauf. Mit ständigem Blick Richtung Adriatischem Meer und der Bucht von Venedig. Die Steigung moderat. Kehre für Kehre geht es nach oben. Ich passiere links und rechts die gut erkennbaren Pinarello Händler mit ihren speziallackierten Dogmas F10 (#GFP17) und den einheitlichen Trikots. Aus aller Welt sind sie gekommen. Mehr als 300 Räder hat Pinarello dafür springen lassen. Aus Insiderkreisen weiß ich, dass diese Räder dann mit den Händlern die Rückreise antreten dürfen.

Italiener nutzen gerne den Windschatten. Auch meinen.

Ich muss hier einen starken Eindruck hinterlassen. Denn immer mehr Windschattenfahrer finden Gefallen an meinem Hinterrad. Und das bergauf. So ziehe ich eine fette Meute hinauf auf den Berg, der mit der zweiten von vielen Labstationen auf knapp über 1000m Seehöhe endet. Sogar ein japanischer Pinarello Händler gesellt sich zu mir. Begleitet von einem Fotografen am Motorrad. Er fotografiert ihn. Und mich. Jetzt warte ich darauf, in Japan eine Star Karrier starten zu können.

Die lange Abfahrt hinunter nach Vittorio Veneto nichts für schwache Nerven. Dieser Teil der Strecke ist nicht gesperrt. Mitten im Wochenend-Ausflugs-Verkehr geht es halsbrecherisch nach unten. Teilweise ist ein Überholen von Autos nicht möglich. Gegenverkehr sei Dank. Ich riskiere nichts und genieße trevigianische Abgase. In Vittorio Veneto selber muß ich dann sogar an einer roten Ampel stehen bleiben. Auf Anweisung eines Stadpolizisten. Streng nach Vorschrift. Erst bei grün darf ich weiter zum nächsten Hügel. Drei km über San Lorenzo mit dem selben Spiel. Italiener nutzen gerne den Windschatten. Auch meinen.

Giro Feeling – mit viel Phantasie.

Muro Cà del Poggio. Spezielwertung. Das Rennen im Rennen. 0,8 km mit einem Schnitt von 17%. Ein Kreisverkehr, erste Ausfahrt rechts und plötzlich ein riesiger Garmin Bogen. Dahinter eine Mauer. Was die Veranstalter als Highlight verkaufen wollen, ist in Wirklichkeit das, was ich jedes Wochenende habe, wenn ich in Eisenstadt die Gloriettallee hinauffahre. Mit mehr Publikum mehr Fotografen und mit Nibali Aufschriften am Boden. Nichts besonders, aber ok. Marketing ist alles und alles ist nichts ohne Marketing. Also ich oben ankomme, war der Sprecher samt DJ schon beim einpacken. Letzte Klänge und ein „Grazie, ci vediamo in Piazza del Grano“ habe ich noch mitgehört. 13 km/h im Schnitt war meine performance hier herauf. Der Schnellste ist mit einem Schnitt von knapp 20 km/h heraufgeflogen. Die Italiener hätten doch dessen Windschatten nutzen sollen.

Zur Feier des Tages gönne ich mir 0,5 Liter Pepsi cola und ein Glas mit aufgelöstem Salz. Noch knapp über 40 km bis ins Ziel.

Heimwärts mit dem Russen-Express.

Die letzten Kilometer nochmals ein Einzelzeitfahren. Allein auf weiter Flur hauche ich mir die Landschaft und so manche ungesicherte Kreuzung ein. Bis zur letzten Steigung. Hier schließe ich auf 3 Russen auf, die ich schon mehrmals, immer wieder vor und hinter mir hatte. Einer von denen macht einen sehr starken Eindruck. Holte für die anderen zwei immer wieder Wasser und motivierte sie. Der Edelhelfer, den ich nie hatte.

Auf das Bier an der letzten Labestation verzichte ich. Statt dessen überhole ich erneut die Russen am Berg und setze mich in der Abfahrt allein Richtung Treviso ab. Zurück auf der langen Geraden stadteinwärts, gebe ich diesen Plan aber auf. Die Gruppe vor mir ist so nicht einzuholen und der Feind längst schon im Nacken. Bei der 15 km Marke resigniere ich. Nehme Tempo raus und warte auf den heranrasenden Russen Express. Jetzt geht so richtig die Post ab. Jenseits der 40 km/h nähern wir uns Treviso. Rote Ampeln können uns nicht stoppen. Auch die Gruppe vor uns muß dran glauben. Zwei km vor dem Ziel. ist sie gestellt.

Dank russischer Wattleistung bin ich nach 4h57min Fahrzeit auf 144 km und 2.300 Höhenmetern gesund im Ziel. Mit der Bruttozeit von 5h07min lande ich auf Platz 438 von über 1.400 Gesamtstarter „percorso lungo“ und auf Platz 88 in der Kategroie M4. Nicht schlecht für einen Sonntagsausflug. Ach ja: Bei der Granfondo Pinarello zählt die Bruttozeit für die Gesamtwertung und die Nettozeit (realtime) für die Kategoriewertung. Warum auch immer.

Insegamt 10 Leute mussten am Sonntag in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert werden. Und auch Raddiebe haben in Treviso ihr Unwensen getrieben. Berichte von Diebstählen aus geparkten Autos und vom Zielgelände machen in den sozialen Netzwerken die Runde. Leider.

Ende gut. Treviso gut.

Ich hatte hohe Erwartungen. Nicht an mich. An die Veranstaltung selber. Und ich weiß nicht so recht, ob diese erfüllt worden sind. Ein wenig mager war die Stimmung in der Stadt. Auch das Gesellige im Zielbereich hat mir gefehlt. Und Pinarello hat nur gekleckert. Nicht einmal eine Pinarello Trinkflasche gehört jetzt mir. Fahre ich halt mit der Colnage Flasche. Granfondo Colnago oder Granfondo Pinarallo? Urteilt selber.

Auf alle Fälle sind das Essen in Treviso und Desenzano del Garda am selben Niveau. Wenn man Insidertipps hat. Wie zum Beispiel die pizzeria e ristorante „Frank Bracca“ in Nervesa della Battaglia. Und das ist ja das Wichtigste, wenn man in Italien eine Granfondo fahren möchte. Neben gutem caffè darf das nicht fehlen Der Rest ist Draufgabe.

ktrchts

PS 1: Für alle strava Fans hier der track.

Granfondo Pinarello – bici e prosecco

Granfondo Pinarello

Dass die Italiener ihre Radmarathons – Granfondos, nicht nur gut organisieren, sondern regelrecht zelebrieren, ist mir spätestens seit meinem Besuch am Gardasee im Mai dieses Jahres bekannt und in bester Erinnerung. Nach dem Fremdgehen beim Colnago Festival musste ich also unbedingt zum hauseigenen Pinarello Familienausflug, der Granfondo Pinarello nach Treviso. Kommenden Sonntag ist es soweit. Nach Jahren der Abstinenz, bin ich dieses Jahr mittendrin statt nur daheim. Die Vorfreude ist dementsprechend groß, einer von über 4.000 zu sein, die sich nicht nur des Prosecco wegen, 100k oder 150k auf ihren Dogmas schinden werden.

La ventunesima. Alle guten Dinge sind 21.

Bereits zum 21. Mal findet die Granfondo Pinarello statt. Für mich ist es eine Premiere. Immer nur habe ich davon gehört und gelesen. Eine Einladung seitens meins Händlers des Vertrauen (Namen der Redaktion bekannt) blieb bisweilen aus. Trotz meiner subtilen Andeutungen, einmal im Leben mitfahren zu wollen. Selbst ist der Mann. Also kurzfristig angemeldet und schon war ich dabei. € 72 kostet der Spass für nicht in Italien Ansässige ohne UCI Lizenz. Dazu zwingend für jede Granfondo ein ärztliches Attest über die „Idoneità fisica“. Ohne so einem Wisch geht gar nichts. Mittels booking.com war schnell ein Hotel gefunden. Gar kein schlechtes. Feudal. Mit Whirlpool im Zimmer zum Preis von € 115,- pro Nacht mit Frühstück (für 2 Personen). Mitten im Zenrum.

Granfondo Pinarello

L’undicesima

Granfondo Pinarello – Marketing par excellence.

Wie bereits geschrieben. Die Italiener zelebrieren ihre Veranstaltungen. Die Trevisaner umso mehr. So sind die Ankündigungen keine normalen Informationsblätter. Es sind mehr hedonistische Schlagparolen. Sich selbst überbietende Superlativen. Höher, weiter, Granfondo Pinarello. Marketing par excellence. Da wird ordentlich geklotzt. Mit Headlines, Überschriften und Hashtags. Man bekommt das Gefühl bei ganz was besonderem mitmachen zu dürfen und dabei selbst etwas besonderes zu sein.

Granfondo Pinarello

Von HaTe aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12213756

Heuer wird es zwei ganz neue Strecken geben. Der Passo San Boldo und der Passo Praderadego werden leider nicht mehr gefahren. Dafür geht es in die „Foresta del Cansiglio“, einem wunderschönen Hochplateau an den Ausläufern der nach Norden hin in den Himmel ragenden Alpen. Was aber nicht heißt, dass ich diese zwei spektakulären Pässe nicht kennenlernen werde. Als Aperitif für den Sonntag habe ich mich dort bereits für Samstag angekündigt. Mit Begleitung.

Das Höhenprofil des „percorso lungo“ weist eine große Zacke auf. Eine 15 km lange Steigung. Der Rest eine Achterbahn. Insgesamt warten somit auf 150 km wohl 2.500 schmerzhafte Höhenmeter. Das Schöne daran: Ich kenne keinen einzigen Meter der gesamten Strecke. Einen GPS-Track haben die Veranstalter immer noch nicht zur Verfügung gestellt. Also doch nicht alles so perfekt. Dass ich die 150 km fahren werde brauche ich hier nicht zu erwähnen.

Radfahren mit Miguel Indurain.

Mitten in der Pinarello Meute soll heuer wieder der fünfmalige Tour de France und zweimalige Giro Sieger Miguel Indurain am Start sein. Auch der Pinarello Chef „Signor Fausto“ wird in der ersten Startreihe stehen und einen Prototyp der Modelle 2018 spazieren fahren. Mit Scheibenbremsen? Ich selber werde mich aufgrund der späten Anmeldung im vorletzen Startblock einreihen. Ca 3500 Starter werden vor mir sein. Cool, oder? Egal. Es wird ein Fest für’s Auge und für die Seele werden. Freue mich auf das eine oder andere ältere Pinarello Modell. Wie das erste Prince mit Carbon Gabel und Carbon Hinterbau. Meine erste großen Liebe. So eine vergisst man bekanntlich nie.

Mit dem Muro Cà del Poggio will man dann auch noch etwas Giro Feeling aufkommen lassen. Mehrmals sind die Profis diesen kleinen giftigen Stich hinaufgeklettert. Ein Kilometer mit 13,8% Steigung im Schnitt. Bei der Granfondo Pinarello wird hier nicht nur der Schnellste gewürdigt. Auch die 100ste und 1000ste Zeit darf mit einer Überraschung im Ziel rechnen. Für die Zuseher im Ziel auf der Piazza del Grano gibt es sogar einen Live Stream von diesem Streckenabschnitt. Wie gesagt: Die Italiener wissen wie man Radmarathons in Szene setzt.

Ride diem – genieße den Tag.

Ich fahre nach Treviso mit hohen Erwartungen. Nicht an mich. An die Veranstaltung selber. An die Stadt, Organisation, Strecke, Betreuung und die „punti di ristoro“. Bei den Granfondos kann und darf man unterwegs gut und viel essen. Hohe Erwartungen somit an alles, was mir geboten werden wird. Wer so laut balzt, muss die Braut auch dementsprechend schmücken.

Auf alle Fälle werde ich meine Kreditkarte zu Hause lassen. Es wird sonst schwer werden, der Versuchung und der Sünde zu widerstehen. Beim Besuch auf der Expo, im Pinarello Shop oder direkt in der Fabrik. Sofern ich dort noch einen Besuchstermin bekommen sollte.

Mehr dann nächste Woche nach getaner Arbeit und getanem Genuss.

ktrchts

Paketzustellung mit der Post – von Fiasko zu Fiasko

Paketzustellung mit der Post

„Wenn’s einmal wichtig ist, dann Paketzustellung mit der Post.“ Klingt gut, ist es aber nicht. Bereits zum dritten Mal muss ich akzeptieren, dass die Österreichische Post, nicht das halten kann, was ihr Werbespruch in großen Lettern verspricht. Eine von mir am 20.6.2017 in Wien aufgegebene Sendung ist am 7.7.2017 am Bestimmungsort in Friedrichshafen und somit beim Empfänger nicht angekommen. Ganze vier Wochen, 28. Tage. Beinahe dieselbe Strecke bin ich letztes Jahr mit dem Rennrad in 8 Tagen gefahren. Sogar mit Umwegen.

Liebe Post. Du bist einfach zu märchenhaft.

Online Handel haben sie gesagt. Gut, habe ich geantwortet. Dann schauen wir, dass ich meine ketterechts Radbekleidung mit Online Handel verfügbar mache. Für sie, für ihn und für beide. Einen Shop kann und will ich mir nicht leisten. Geiles Design, sehr gute Sitz- und Passform und leistbar im Preis. Dazu noch schnell versandt. Meine Bedingungen an mich selbst. Erstere erfülle ich – das sagen mir zumindest die Feedbacks die ich bekommen Das mit dem schnellen Versand ist so eine Sache. Denn die Post ist einfach zu märchenhaft. Es ist immer eine Lotterie und ein Zitterspiel, ob die bestellten Waren auch dort ankommen, wo sie ankommen sollten. Zwischen Österreich und Deutschland sind schon ein paar Sidi Schuhe, ein Garmin Edge 1000, und insgesamt fünf Trikots spurlos verschwunden. Gar nicht nach meinem Geschmack.

Paketzustellung mit der Post. Eine Ausrede jagt die andere.

Zurück zum letzten Paket. Wert € 350,- exkl. Versand. Logischerweise meldet sich der Empfänger und fragt nach. Mit versichertem Paket ist ein Tracking kein Problem. Paket ist am 23.6.17 in Friedrichshafen angekommen.

Paketzustellung mit der Post

Tracking

Leider nicht beim Empfänger. Ganze 11 Tage verweilt das Paket in Friedrichshafen, um dann zurück nach Memmingen (Depot) retourniert zu werden. Zu diesem Zeitpunkt ist auch meine Nachfrage (Paketnachforschung) bei der Post eingegangen. Schriftlich und telefonisch. In beiden Fälle zeigt man sich bei der Post nicht gesprächsbereit. „Tut uns leid. Wir sind nicht für die Paketzustellung im Ausland zuständig“. Was? Wer dann? „Unser Partner Hermes Deutschland hat das Paket übernommen.“ Schnell ist eine Ausrede und ein Schuldiger gefunden. „Warum fragen Sie nicht bei Hermes Deutschland nach?“ „Haben wir. Wir warten aber noch auf eine Antwort.“ Eine Ausrede jagt die andere. In der Zwischenzeit ist der Empfänger – zu Recht, sauer.

Kundenorientierung? Wie schreibt man das?

„Guten Morgen Cristian Gemmato, vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir können Ihre Reaktion auch verstehen. Dennoch müssen wir Sie um Verständnis darum bitten, dass es Zeit benötigt, um eine die Nachforschung beauskunften zu können. Wir sind hier auch von der Antwort unseres Zustellpartners in Deutschland abhängig. Wir sind bemüht, die Sendung zu finden und die zuständigen Kollegen werden sich auch ehestmöglich bei Ihnen melden. Wir sind weiterhin gern für Sie da. Liebe Grüße. (FB Antwort der Post am 10.7.)

Auch per Email sind die Informationen spärlich. Mehr als Floskeln sind da nicht zu lesen. Standard Beschwerdemanagement. Effizienz sieht anders aus. Die Post braucht Zeit. Für was? Ich habe keine Zeit. Kundenorientierung sieht anders aus. Ich nehme alles selbst in die Hand. Telefoniere hin und her. Maile auf und ab. Und nutze die sozialen Medien. Und siehe da. Hermes Deutschland reagiert auf meine Twitter Postings von Freitag, 7.7. Die Email an twitter@hermesworld.com findet einen Leser. Die Antwort von socialmedia@hermesworld.com:

„Ihre Sendung wurde leider am 07.07.2017 in den Rückversand gegeben. Der Empfänger konnte an der angegebenen Adresse nicht ermittelt werden.Sie erhalten Ihre Sendung schnellstmöglich zurück.“

Wo kein Wille, auch kein Weg. So sollte die Post werben.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat der Empfänger immer noch kein Paket und ich das Paket noch nicht retour, Hermes hat es verkackt und die Österreichische Post immer noch keine Ahnung über den Verbleib der Sendung. Wo kein Wille, auch kein Weg. Die Post sollte damit werben. Das wäre ehrlicher. Schlafen, nach Ausreden suchen und den schwarzen Peter anderen umhängen. Das kann die Österreichische Post. Traurig aber war.

Hermes Deutschland hingegen kann wohl nicht lesen. Denn warum sollte ein Paket den Empfänger nicht erreichen? Adresse überklebt? Empfänger überschrieben? Zusteller verirrt? Ich überlege echt, ob ich nicht selbst mit dem Rennrad die Sachen zustellen sollte.

ktrchts

PS: Bin schon auf die Retoure gespannt.