Alle Artikel von @_ketterechts

quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015 – Tag 4.

von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20000 Höhenmeter
Tempotraining mit Gruppe 1.

Oberhof im Thüringer Wald. Bekannt aus Funk und Fernsehen. Bekannt aus den Übertragungen vom Biathlon Weltcup, vom Rennrodeln und der Nordischen Kombination. Das ist wie Semmering am Semmering. (Österreichischwer Lufkurort zwischen Niederösterreich und der Steiermark). Nur halt in Deutschland. Schaut genau so aus. Wintersport und Sommerurlaub wie vor vielen Jahren. Hier bin ich heute gelandet. Zum Schluss der 4. Etappe der quaeldich Deutschlandrundfahrt. Von Bad Sachsa kommend. Von Norden nach Süden. Auf dem Weg von Flensburg nach Garmisch. Die Nacht im Göbels Vital Hotel Bad Sachsa war geprägt von einer missglückten Evakuierung des gesamten Hotels wegen einer Betriebsstörung. Wir blieben alle im Haus. Von unseren Bieren wollten wir uns einfach nicht trennen. Da schaute auch die Feuerwehr, als wir Widerstand leisteten. Mit unseren Gläsern und Flaschen.

Das nächtliche Gewitter hat die Temperaturen erträglicher gemacht. Um 0830 Uhr ist mir nach Tagen der Hitze erstmal kalt. Kurz/kurz. Aber nicht lange. Ich bin heute bei Gruppe 1 vorangemeldet. Gastfahrer. Ich habe noch eine Rechnung mit der Speed Gruppe offen. Diese will ich begleichen. Also friere ich nur ca 2 km. Dann wurde mir schnell warm. Gruppe 1 ist die High Speed Gang. Hier fährt man Rad, wie man halt Rad fährt. Vollgas. 70 km in guten 2h bist zur ersten Verpflegung. Nicht ohne Hindernisse. Nach 10 km erwische ich ein Schlagloch und ich verliere eine Trinkflasche. „Haaaaalt“. „Trinkflasche“. Ich bleibe stehen. Die Gruppe verschwindet am Horizont. Ich drehe um, hole die Flasche und fahre weiter. Gerade aus statt rechts ab. „Streckenabweichung“. Der Garmin spricht Klartext. Ich bin falsch. Drehe um. Verloren? Zwei von der Gruppe kommen mir schon entgegen. Der Chef persönlich, der von Gruppe 6 zu Gruppe 1 gehoppt ist. „Sorry“. Richtig abgebogen sehe ich Gruppe 1 am Straßenrad auf mich wartend. Dann das nächste Missgeschick. Am nächsten Bergchen werde ich von der Gruppe eingeholt. Ich verschalte mich und die Kette springt raus. Ich versuche im Fahren die Kette wieder zu justieren. Doch es geht nicht. Ich bleibe stehen. Lege die Kette über das große Kettenblatt, doch sie will nicht rund laufen. Keine Ahnung warum. Bis ich sehe, dass die Kette hinten beim untersten Schaltröllchen aus der Führung gesprungen ist und außen läuft. Ja außen. Schaltwerk kaputt? Die mir beistehenden meinen ja. Ich kanns nicht glauben. Wieder Pech? Bei der Di2 gibt es aber kein fixe Verbindung beim Schaltkäfig. Also muss die Kette da wieder rein, wo sie raus ist. Mit Gewalt. Sehr schmutzige Hände später rollt das Rad wieder. Glück gehabt.

Getränkeverpflegung 1, Mittagsverpflegung und Getränkeverpflegung 2. Alles easy mit einer sehr harmonischen und sehr schnellen Gruppe. Es macht Spass hier mitzufahren. Kurzweilig. Extrem lehrreich. Eigentlich habe ich vor Gruppen zu wechseln. Mit Gruppe 5 oder sogar 6 ins Ziel zu kommen. Aber bei jedem Stopp reizt mich die Herausforderung weiter mitzufahren. Und das tue ich auch. Bis zum Ende. Ein genialer Tag. Highlight sicher die Fahrt von Arnstadt nach Crawinkel durch das Jonastal. Hier rollt es. Leicht bergauf. Eine perfekte Kette rechts Trainingsstrecke.

Die Freigabe bei Crawinkel löst dann das zu erwartende Feuerwerk aus. Die Truppe löst sich auf wie Zucker im Wasser. Vorne weg die Raketen des Alpecin Teams. Kai, Mister 44.000 Jahreskilometer (in Worten vierundvierzigtausend) lässt alle stehen. Ich kann nicht sehen, wer im folgt. Meine Leistung pendelt sich bei 220 – 250 Watt ein. Wie im Trance nach oben. Für mein Gefühl ganz ok. Aber andere sind besser. Weit besser. Bergfahrer. Möglicherweise.

Nach 4 1/2 Stunden sind 140 km und 1.700 HM mit einem Schnitt von 30,5 km/h geschafft. Nicht schlecht für einen alten Mann wie ich, oder?

Falls es wen interessiert heute mal was zum Thema Leistung. Ich habe ja mittlerweile ein geiles Garmin Spielzeug. 

Die Eckdaten zu Etappe 4:
140 km
1.700 Höhenmeter
4:35:10 Fahrzeit
30,5 km/h Schnitt
64,1 km/h Höchstgeschwindigkeit
146 Watt durchschnittliche Leistung
699 Watt max. Leistung
53 % links/47% rechts – Verhältnis links/rechts
22% links/21 % rechts – Gleichmäßigkeit des Tretens
185 Normalized Power (NP)
0,842 Intensity Factor (bis 8,5 ist es ein Ausdauertraining)
324,9 Training Stress Score (werde wohl mehr als 2 Tage brauchen, um alles zu „verdauen“

Morgen Königsetappe. Mit 3.300 Höhenmeter. Verteilt auf 171 km. Wir fahren nach Bayern.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

PS: dieser Blog kommt etwas verspätet, weil ich mir einen Vortrag von Besi angehört habe. Bitte unterstützt Besi. Mehr Infos auf seiner Webseite www.rad-statt-rollstuhl.de

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

Ketterechts - mittendrin statt nur daheim

quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015 – Tag 3

Von Flensburg nach Garminsch. 9 Tage. 1.500 km. 20.000 Höhenmeter
Endlich Berge bei der quaeldich Deutschlandrundfahrt

Heute morgen bin ich zur 3. Etappe der quaeldich Deutschlandrundfahrt angetreten. Nach einer etwas längeren Nacht mit partiellen Tiefschlafphasen ob der Kirmes 100m Luftlinie vom Hotel, einer auf 19 Grad heruntergedrehten Klimaanlage, einem halbherzigem Versuch ein Frühstück zu nehmen und einer Ungewissheit, ob ich den Tag überleben werde. Nicht mit Gruppe 1. Auch nicht mit Gruppe 2. Ich wählte Gruppe 4 für die Fahrt in den Harz. Harz 4. (Sickerwitz). Gemütlicheres Tempo. Das wollte ich haben. So waren die ersten Kilometer ein ständiges telefonieren mit meinem Körper. Wie geht es ihm? Das wollte ich wissen. Bin ich zu schnell? Diese Frage stellte ich ihm. Übertreibe ich es? Diese Gewissheit wollte ich nicht hören.

Anfangs rollten wir wieder flach bei brütender Hitze. Diesmal aber trank ich genug. Öffnete mein Trikot schon bald und schüttete mir permanent Wasser über den Kopf bzw. in den Nacken. Wissend ob der Verpfegungsstellen. Track sei Dank. Ich sparte also nicht mit Kühlung. Auch eine Dusche bei der Mittagsverpflegung ließ ich mir nicht entgehen.

Kalte Dusche
Eigentlich wollte ich bei der quaeldich.de Deutschlandrundfahrt nicht nass werden. #ketterechts #dlrf15 #quaeldich
Posted by Ketterechts on Sonntag, 5. Juli 2015

Man könnte sagen ich habe den gestrigen Hitzeschlag als sehr belehrend empfunden. Das Tempo in Gruppe 4 ist eindeutig gemäßigter. So hatte ich Zeit auch viele Videoaufnahmen zu machen. Und mit allen ein wenig zu plaudern.

Das Motto des Tages „Endlich Berge“ wurde keineswegs in Frage gestellt. Es ging über das Harzgebirge (Grenzgebiet zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt). Kein Großglockner oder Stilfser Joch. Aber immerhin. Über Elend und Braunlage zog sich unsere Route in Höhen von 500 bis 600 m Seehöhe. Das Sahnehäuptchen war dann der Wurmberg als Stichstraße. Eigentlich wollten wir den Brocken fahren. Aber das wurde uns aus umwelttechnischen Gründen nicht gestattet. Knappe 300 Höhenmeter war uns der Spass auf den Wurmberg wert. Wir kratzten die 900m Seehöhe. Ein Blick auf den Brocken blieben wir uns schuldig. Die letzten paar hundert Meter waren „strade bianche“. Muss nicht sein. War also nicht.

Nach dem Wurmberg noch knapp 30 km bis nach Bad Sachsa. Zuerst fast 10 km bergab der L600 entlang. Dann ein paar Gegenschupfer und das heutige Etappenziel war erreicht. Mir geht’s gut und ich freue mich auf morgen. Abendessen lasse ich aus – Appetit ist noch nicht ganz da.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

An dieser Stelle möchte ich ein paar Zeilen den Helfern dieser Deutschlandrundfahrt widmen. Helfer, die sich täglich für uns Teilnehmer regelrecht den Hintern aufreisen. Jeder Wunsch wird uns von den Lippen abgelesen und erfüllt. Die Mittagsverpflegung unter der Federführung von Volker gleicht einem Schlemmermenü der *****Kategorie. Saures, Süßes, Kaffee, Obst, Musikuntermalung, Dusche, Wasser, Cola, Apfelsaft (Schorle), Dextro Energy. Besonders hervorzugeben sind die Würsteln, welche sich großer Beliebtheit erfreuen.

Neben den Helfern für unser leibliches Wohl, sind auch Helfer da, welche uns mit genügend Flüssigem versorgen. Mehrmals täglich. Da wird jedes Mal ein Zeltlager aufgestellt. Auf die Minute. Abgebaut. Und weiter gehts. Eine logistische Meisterleistung. Danke Angie, Peter, Volker, Franz, Sascha und Daniel. 

Nicht zu vergessen ist die mechanische Unterstützung. Sergej sorgt dafür, dass niemand umsonst in Silles Besenwagen einsteigen muss. Sergej richtet Speichen ein. Sergej ersetzt gebrochene Sattelstüzten, Sergej hat Ersatzlaufräder für Shimano und Campagnolo. Sergej ist ein sehr gefragter Mann. Bei 180 Teilnehmern kein Wunder.

Über die Guides möchte ich mich in den nächsten Tagen auch noch lobend äußern. Aber das ist eine andere Geschichte. Oder besser gesagt, ein anderer Blog.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

Von Flensburg nach Garmisch in 9 Tagen, 1500 km und 20.000 Höhenmetern.

quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015 – Tag 2. Ein Zwischenbericht

Etappe zwei bei mörderischer Hitze
Das Gegenteil von Fitness.

Die gute Nachricht zuerst. Es geht mir halbwegs wieder gut. Appetit ist noch nicht da. Magen flau. Kopf tut weh. Und der Stoffwechsel im Arsch. (Doppeldeutung). Danke für die vielen besorgten Postings auf Facebook. Laut mitgereister Sanitäter und Ärzte habe ich wieder halbwegs Farbe im Gesicht. Was war aber passiert?

Ich hatte wohl einen Sonnenstich oder einen Hitzeschlag. Bei km 88 überqueren wir die Elbe mittels Fähre. Ich reihe mich danach hinter den Guides ein. Weil das meine Position war, mit der wir auf die Fähre gekommen sind. Nach wenigen Kilometern auf der Elbuferstraße heißt es für mich in den Wind. Ich merke sofort, dass ich nicht mehr wirklich kann. Es geht ein paar Höhenmeter auf den Berg. Mir wird schlecht. Ich muss abreisen. Wir fahren links rauf zum Aussichtspunkt. Ich folge. Gehe nicht mit auf die Plattform. Bleibe stehen. Man sieht mir an, dass es mir nicht gut geht. Ich bekomme ein Salt Stick und ein Dextro Energ Gel. Beides nehme ich sofort. Und plötzlich rebelliert der Darm. Ich muss. Schnell Papier und ab ins Gebüsch. Ich verpeste den Wald. Schwitze wie eine Sau. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich, dass der Tag für mich gelaufen ist. Noch acht km bis zur Mittagsverpflegung. Ich schaffe es mit Mühe und Not dorthin zu gelangen.

Kette gerissen #hitze #kreislauf #dlrf15
Posted by Ketterechts on Samstag, 4. Juli 2015

Mir ist so schlecht. Man hebt mich vom Rad. Und legt mich auf den Boden. Füße hochgelagert. Nasse Handtücher auf der Stirn. Victor misst mir den Blutdruck. Der ist ziemlich niedrig. Der Puls bei 167 im Liegen. Ein paar Minuten und es wird. Es wurde nicht. Ich stehe auf gehe in einen Getränkeladen. Kalter Eistee. Ein Mezzo Mix. Eine Cola. Eistee geht runter. Der Mezzo Mix nicht. Der Gaumen brennt. An Essen ist nicht zu denken. Ich rieche an einem Milchreis und kriege Brechreiz. Gruppe 1 fährt los. Ohne mich. Auch Gruppe 2 lasse ich aus. Gruppe 3 und 4 detto. Es steht fest. Ich nehme den Besenwagen von Sille. Keine Chance. Kraftlos. Schwindelig. Kotzend.

Gute Entscheidung. Man hebt mich in den Bus. Ich sitze vorne. Mit einem Cold Pack am Nacken. Ich kann dann 30 Minuten schlafen. Dann geht es mir etwas besser. 120 Minuten im Auto. Das Hotel ist erreicht. Ab unter die Dusche. Und aufs WC. Stoffwechsel immer noch im Arsch und in der WC-Schüssel. Sorry.

Es war wohl ein Sonnenstich. Ein Hitzeschlag. Ein Kreislaufkollaps. Ich bin doch alt geworden. Es tut mir leid. Jetzt Dinner canceling. Ich krieg noch nichts runter.

Morgen? Keine Ahnung.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: das war heute für alle brutal. Hoffe, dass zu diesem Zeitpunkt alle Teilnehmer im Hotel sind. Mehr in meinem Blog. Vielleicht bis morgen früh.

quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015 – Tag 1

von Flensburg nach Garmisch in 9 Tage und 1.500 km
Mediale Aufmerksamkeit für die quäldich Rennradreise

Flensburg. Heute Morgen. Lokale Medien sind auf das Spektakel der 7. quäldich Deutschlandrundfahrt aufmerksam geworden. Fotografen und Reporter umzingeln die Meute. Jan gibt als Chef ein Interview und auch Riccarda wird gefragt, wie verrückt muss man sein, Deutschland vom Norden in den Süden zu durchqueren. Bei angesagter Hitzewelle.

Damit die Tour auch einhält, was sie verspricht, sind wir heute unter Polizeischutz von Flensburg kurz über die dänische Grenze gefahren, um dann wieder hinzureisen. Ein großes Trara mit 180 Radfahrern. Wichtig zu sein, macht schon Spass. Später dann gab es die effektive Gruppeneinteilung. Von Gruppe eins bis sechs wurde in drei Minuten Intervallen gestartet. Ziel war Lübeck. 202 km weit entfernt von Flensburg.

Der Wettergott ist vorerst mit uns gnädig. Schickt sogar ein paar Regentropfen. Der Himmel ist bewölkt. Die große Hitze lässt auf sich warten. Gut so. Es geht zuerst recht zügig dahin. Teils monoton. Backsteinhäuser links. Backsteinhäuser rechts. Bäume links. Bäume rechts. Wiesen links. Wiesen rechts. Und alles eben. Relativ eben. Am Ende der 202 km waren immerhin 1000 HM am Garmin. Erstes Highlight des Tages ist die Überquerung der Schlei auf der Lindaunisbrücke. Eine enge Hebebrücke stellt sich uns in den Weg. Eigentlich den Gruppen drei, vier und fünf. Wegen eines technischen Defektes müssen sie warten und der gesamte Tagesplan aller Helfer wird ad absurdum geführt. Verpflegungzeiten inklusive. Zweites Highlight die Überquerung des Ostsee

Knapp vor Eckernförde ändert der Wettergott seine Meinung. Die Wolken verziehen sich und die Sonne Norddeutschlands sticht uns (mir) auf das Köpfchen. Kapitän Jan von quaeldich lenkt uns durch die Innenstadt. Es ist seine Geburtsstadt. Applaus. Wir haben knapp 88 km hinter uns. Dann die Fähre bei Sehestedt. Wir müssen eine Wasserstraße überqueren. Jene, welche die Ostsee mit der Nordsee verbindet. Mein Garmin läuft weiter. Das senkt den Schnitt.Bei km 118 wartet das Mittag essen. Es geht monoton weiter. Die Backsteinhäuser. Die Wiesen. Die Bäume. Die Alleen. Wo sind die Berge. Jene Berge, die ich nicht mag. Sie fehlen mir jetzt. Ich muss noch ganze 3 Tage warten. Ich freue mich jetzt schon sie zu verfluchen.

Essen es ist reichich. Es ist gut. Milchreis. Kuchen. Obst. Und geschmolzene Twix, Mars und Lions. Im Hintergrund ertönen Pavarotti und Friends. Simon Le Bon himself singt mit dem italienischen Tenor Ordinary World. Ich singe mit. Dank Playback im Hintergrund klingt das ganz vernünftig. Für mich zumindest. Der Rest ist nicht wirklich begeistert. Ich werde geduldet. Ich hau mir wieder die Wampe voll. Trotz Vorsätze. quäldich Rennradreisen sind Schlemmer- und keine Diätreisen. Nein sagen ist schwer.

Weiter gehts. 15 Höhenmeter rauf. 20 Höhenmeter runter. 15 Höhenmeter rauf. 20 Höhenmeter runder. Und so weiter. Und so fort. Die meiste Zeit zeigt mir Garmin an, dass wir uns unter dem Meeresspiegel befinden. Deshalb sind meine Ohren auch zu. Und das auftauchen, vulgo 15 Höhenmeter und mehr aufsteigen muss langsam erfolgen. Damit keine Luft ins Blut kommt und die Dekompressionskammer ruft.

Mittlerweile haben wir einen guten Rückenwind. Die Geschwindigkeit ist dementsprechend höher. Wir sind knapp 6 Stunden Fahrzeit unterwegs und es fehlen noch ca 12 km bis zum Hotel in Lübeck. Wir verfahren uns, müssen ein paar Hundert Meter gegen den Wind auf die richtige Route zurück und landen mit einem Schnitt von über 30 km/h an unser Etappenziel.

Das Gepäck ist schon da. In Gitterboxen. Nach Gruppen unterteilt. Wer sein Gepäck heute morgen ordentlich und pünktlich in die Gitterbox gehoben hat, der findet es jetzt 202 km später hier wieder. Ich schnappe mir meines, gehe ins Zimmer und fange an auszuwerten, was ich im Laufe des Tages so alles aufgenommen habe. Es ist viel. Sehr viel. Dank lahmen Internets kann man noch nichts davon sehen. Die Spannung bleibt also aufrecht. Gerne könnte ihr später mal vorbeischauen. Morgen. Vielleicht ist in Wolsburg High Speed Internet wirklich High Speed.

Wir lesen uns.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: Seit heute habe ich meinen Punkt in Flensburg. Einen Standpunkt.

quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015 – Tag 0

Von Flensburg nach Garmisch durch ganz Deutschland in 9 Tagen
Idylle in Flensburg

Tag 0. Es ist 2320 und ich bin seit 0430 munter. Also ziemlich lange. Über 12 Stunden von diesem ziemlich lange bin ich im Zug gesessen. Gestrandet in Flensburg. Das liegt auch ziemlich im Norden an der dänischen Grenze. Hier startet morgen die 7. quaeldich Deutschlandrundfahrt. In neun Tagen wollen wir in Garmisch sein und auf der Zugspitze die Sau rauslassen. Sofern wir noch die Kraft dazu haben.

Eigentlich wollte ich schon schlafen gehen. Aber hier oben ist es so lange hell. Das hat mit der Sonne zu tun. Weil diese ja am 21. Juni hier in der Nähe war, um sich dann wieder Richtung Süden zu vertschüssen. Habe ich in der Schule gelernt. Dann schreibe ich halt noch einen Blogbeitrag einen kurzen. Bin echt müde und dehydriert. Vor allem die Fahrt mit dem Regionalexpress von Hamburg nach Flensburg. 120 Minuten Sauna. Ein überfüllter Zug und mittendrin statt nur daheim ich mit meinem Rad. Ohne Klimaanlage. Alle verfügbaren Fenster offen. Ein Zugluft der Sonderklasse. Und ich verschnupft wie im tiefsten Winter. Super Ausgangslage.

Morgen 215 km mit 200 Höhenmeter. Also relative flach. Es wird windig. Von wo der Wind kommen wird, wissen wir nicht. Wenn er von hinten kommt, dann sind wir schnell in Lübeck und könnten dort baden gehen.

Selbstverständlich werde ich darüber berichten. Nicht jetzt. Es ist 2328 Uhr und es ist endlich dunkel draußen. Gute Nacht. Wir lesen uns.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

Die quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015.

Von Flensburg nach Garmisch mit Ketterechts - dem Rennradblog
Flensburg – Garminsch. 9 Tage, 1500 km, 20.000 HM

Diesen Freitag geht’s los. Die letzten Vorbereitungen sind voll im Gange. Gestern habe ich mein wiederhergestelltes Rennrad auf eine Installationsrunde gejagt. Garmin Vector 2S, Garmin EDGE1000 und die neue Garmin Virb XE sind miteinander synchronisiert. In Summe war es ein leichtes Spiel. Zu frisch ist noch die Einschulung von den Jungs von Garmin Deutschland beim Velothon in Berlin. Aber um ehrlich zu sein: Ein paar mal habe ich schon richtig geflucht. Geduld ist nicht unbedingt eine meiner Tugenden.

Etwas Bammel habe ich ob der Tatsache, dass am Rad sehr viel Elektronik montiert ist. Ballast würde der Freak sagen. Zwischen ein und zwei kg sind das schon. Die ganzen technischen Features im Auge zu behalten, hindert mich hoffentlich nicht daran in die Pedale zu treten. 1.500 km in 9 Tagen sind keine Spazierfahrt. Und auch die 20.000 Höhenmeter müssen erst einmal gestrampelt werden. Was tut man aber nicht alles für schöne Bilder und Aufzeichnen. Eben. Und das ist ja das Ziel und der Zweck meiner persönlichen Reise vom Norden Deutschlands in den Süden.


Heute wird noch gepackt. Ich darf maximal 13 kg mitnehmen. Diese Gewichtregel gilt für alle 180 Teilnehmer. Sonst überladen wir den 7,5 Tonnen Sattelschlepper. Dieses Monster ist da, um unser Gepäck von Etappenort zu Etappenort zu transportieren. Und diese Gewichtsregel ist nicht einfach einzuhalten. 3 – 4 Garnituren feinste Ketterechts Panier, Regensachen, Westen, Ärmlinge, Ersatzmaterial, frische Unterhosen, Ketterechts T-Shirts, Freizeithosen und -schuhe … Ich tippe mal ganz stark auf Übergebäck. Fünf kg mindestens. Auch mein Rennrad muss ich noch verpacken. Ich nehme es als Handgepäck mit in den ICE von Wien nach Flensburg über Würzburg und Hamburg. Ganze 12 Stunden sitze ich morgen im hoffentlich klimatisierten und pünktlichen Zug. Zwei mal umsteigen. In Würzburg nur 6 Minuten Zeit, Zug zu wechseln. Das gebuchte Sparticket ist zugebunden. Ich muss also im Zeitplan bleiben. Oder ein Neues Ticket kaufen. In Flensburg fehlen mir dann noch 10 km bis ins Hotel. Öffentlich? Wenn es das gibt ja. Mit dem Fahrrad und den Koffer hinterherziehen? Kaum machbar. Es wird also ein langer Tag. Aber die Vorfreude ist groß.

Zu guter Letzt ein paar nicht zu ernst gemeinte Tipps, damit die quaeldich Deutschlandrundfahrt 2015 unvergesslich wird:

  • Immer Voraus schauen: Vom ersten Tag weg schon über Schwierigkeiten der nächsten Tage oder sogar der Schlussetappe diskutieren. Aus kleinen Mücken riesige Elefanten machen. Das zermürbt die Gegner und macht sie schwach. Sie kriegen Angst.
  • Fressen: quaeldich Rennradreisen sind auch bekannt als Schlemmerreisen. Frühstück- und Abendbuffets verleiten zu großen Sünden. Das ist gut so. Weil man nicht selber kochen muss. Und etwas Übergewicht am Ende der Tour macht die Leiden in den Alpen größer.
  • Auf das Essen achten: Das Beste ist nicht gut genug. Koste alles. Vermische alles. Am besten du fängst abends beim Süßen an. Da steht meistens keiner Schlange. Dann kannst du dich langsam von den Beilagen über die Hauptspreise bis zur Vorspeise und Suppe vorarbeiten. Zum Schluss den Salat nicht vergessen.
  • Kein Sonnenschutz: Eine solche Tour ist perfekt, um die Formbräune an Beinen und Armen zu verstärken. Das geht am besten ohne Schutz. Stell dich möglichst oft und möglichst lange unter die pralle Sonne. Meide den Schatten. Trage zudem Schwarze Kleidung. Schweiß und Sonne sind perfekt für die Haut.
  • Immer im Wind fahren: Mitten in der Saison sind die Kräfte noch da. Also zögere nicht und zeigt dich. Egal ob es dann zu einer Überform kommt. Es zählt der Moment. Jede Ortstafel, jeder Bergwertung, jeder Etappensprint. Denke wie ein Kannibale. Das alles kannst du haben.
  • Scheiß auf Tourbuch: Überraschung ist alles. Attackiere an jedem Anstieg, jedem Hügel, jedem Berg ohne zu wissen, wie lange er ist und wie hoch es hinaufgeht. 
  • Jammere auf hohem Niveau. Mach aus allem ein Drama. Die Welt braucht Helden. Bringe Mückenstiche ins Spiel. Oder eine verrutschte Bettdecke. Mach deine Story draus. Wie du diese Schwierigkeiten überwunden hast, wie du das überlebt hast.
  • Genieße die Tour: sei der Letzte, der am Abend ins Bett geht. Erfreue dich der lokalen Bier- und Weinsorten. Es ist schließlich dein Urlaub.
  • Heldenekurbel: Nur mit einer solchen kannst du in den Olymp aufsteigen. 53/39 und 11/25 sind dabei das äußerste Maximum. 
  • Zusatzrunden: Imponieren mit täglichen Zusatzrunden. Vor dem Frühstück oder nach Etappenschluss. Hole dir noch die einer oder andere örtliche Stravawertung. Irgend einen kurzen knackigen Berg gibt es in jeder Ortschaft. Achte dabei darauf, dass die Steigung eine zweistellige Prozentzahl aufweißt. Mit vorne einer zwei.

Bevor ich es noch vergesse: Fahre Kette rechts. Immer. Oder probier es zumindest.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

PS: der offizielle Hashtag für die quaeldich Deutschlandrundfahrt ist #dlrf15. Damit kann man auf Twitter, Facebook und Instagram die Tour verfolgen.

Shimano Di2 – meine unendliche Geschichte

Einfach die Arschkarte gezogen

Es gibt Geschichten, die einem keiner glaubt. Eine solche Geschichte ist jene von mir und der Shimano Di2. Dass ich diese umgebracht habe, ist ja bereits bekannt. Falls nicht, hier zum Nachlesen. Letztendlich konnte mir Radsport Grassinger in letzter Instanz, die Dura Ace Di2 wiederbeleben. Ende gut, alles gut? Nein. Denn gestern will ich die montierten Garmin Vector 2S Pedale einstellen und mit dem neuen Garmin Edge1000 kalibrieren und diese Shimano Zicke will schon wieder nicht so wie sie tun müsste.

Der Umwerfer schafft es nicht mehr die Kette vom kleinen Kettenblatt auf den großen Bruder zu werfen. Er bewegt sich zwar, Strom ist auch da. Alles funktioniert. Aber die Wurfleistung ist zu schwach. In letzter Sekunde zieht der Werfer den Schwanz ein und verweigert seinen Dienst. Kette links.

Natürlich habe umgehend gegoogelt, um herauszufinden, was da wieder mal schief gegangen ist. „Hi wenn er die Kette nicht nach oben holt kann es sein das die 0 Anschläge nicht richtig eingestellt sind und bevor der Werfer beschädigt wird fährt er nicht weiter nach rechts. Die zweite Sache kann die sein das die Kette falsch montiert ist!? Oder die Ausrichtung vom Werfer ist nicht richtig!“ Meinte zum Beispiel Florian von popaflo.

Früher war alles besser. Eine mechanische Schaltung, ein Schraubenzieher, da und dort etwas Gewalt und schon war jeder Defekt an Umwerfer und Schaltung behoben. Bei diesem elektronischem Dingsbums brauchts ja ein Ingenieursstudium.

Ich kann mir vorstellen, was ihr euch jetzt denkt. Nein. Ich mache nicht alles kaputt. Nein, ich bediene die Dinger nicht falsch. Nein, ich mache das nicht absichtlich. Ja. Ich habe einfach einen Lauf.

Cristian Gemmato aka @_ketterchts
#faceyourpassion

Garmin Edge 20 und 25 – die kleinsten GPS-Computer der Welt

Die aktuell kleinsten und leichtesten GPS-Radcomputer der Welt
Der akutell kleinste und leichteste GPS-Computer der Welt

Klein aber oho.

Zeit, Distanz, Geschwindigkeit, Höhenmeter und Standort – das sind die essentiellen Daten, über die ein Radsportler informiert werden möchte. All das hat Garmin in die, nur 25 Gramm leichten und aktuell kleinsten GPS-Radcomputer der Welt, Edge 20 und Edge 25, gepackt. GPS und GLONASS sorgen für eine superschnelle und präzise Satellitenverbindung sowie zuverlässige Navigation. Dank ANT+ und Bluetooth lässt sich der Edge 25 mit Herzfrequenz-, Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensor sowie dem Smartphone koppeln. Nach dem Motto „der Platz am Lenker ist begrenzt“ bringt Garmin mit dem Edge 20 und 25 zwei GPS-Radcomputer, die durch ihre Größe zwar Platz sparen, dabei aber keine wichtigen Features vermissen lassen. Der Navigationsspezialist ergänzt damit sein Portfolio von High-End Radcomputern, mit umfassenden Navigationsfunktionen, Kartendarstellung sowie der Erfassung von Leistungsparametern, um zwei Geräte für Einsteiger und Minimalisten. 

Kontaktfreudig

Aufgezeichnete Aktivitäten lassen sich mit dem Edge 25 bereits unterwegs automatisch auf die Trainingsplattform Garmin Connect hochladen und analysieren. Möglich macht das die Bluetooth-Verbindung zu einem kompatiblen Smartphone mit Garmin Connect Mobile App. Über diese Verbindung kann sich der Fahrer auch über E-Mail, SMS und Anrufe seines Smartphones informieren lassen oder seine Aktivität als Live Tracking übertragen. So können Freunde und Familie in Echtzeit verfolgen, wo man gerade unterwegs ist. Wer seinen Edge 25 via ANT+ mit weiteren Sensoren koppelt, wird beispielsweise auch über seine Herz- oder Trittfrequenz informiert.  

Garmin ermöglicht weiterhin die Übertragung so genannter ‚Segmente’ auf den Edge 20 und 25. Dahinter verbergen sich beliebte Streckenabschnitte (z.B. Sprints, Anstiege, Abfahrten oder ähnliches). Anhand dieser Segmente erstellt das Gerät auf Basis der bisher gefahrenen Zeiten anderer User virtuelle Gegner. Nähert man sich einem Segment, weist der Edge darauf hin und man kann in Echtzeit gegen die virtuellen Konkurrenten antreten.

Die aktuell leichtesten und kleinsten GPS-Radcomputer der Welt.

Die aktuell kleinsten und leichtesten Radcomputer der Welt.

Die aktuell kleinsten und leichtesten Radcomputer der Welt.

Die aktuell leichtesten und kleinsten GPS-Radcomputer der Welt.

Klein und leistungsstark.

Mit einem Gewicht von nur 25g sind Edge 20 und 25 nicht nur klein, sondern dank Wasserdichtigkeit nach IPX7-Standard auch robust. Damit eignen sie sich für den Einsatz im Alltag wie auch beim Training oder Rennen. Durch die intuitive Bedienbarkeit sind Aktivitäten einfach zu starten, zu speichern und zu teilen. Digitale Landkarten können Edge 20 und 25 zwar nicht darstellen, Track-Navigation ist aber möglich. Das heißt: Man übertragt einen vorhandenen Track (eigene alte Tracks, aus dem Tourenportal oder selbst gebaut mit Hilfe von Basecamp von Garmin Connect) auf das Gerät udn fährt diese nach. Die Track-Navigation erlaubt außerdem den virtuellen Wettkampf mit anderen Radfahrern. Der integrierte Akku liefert mit einer Laufzeit von acht Stunden ausreichend Saft – auch für längere Ausfahrten. Beide Geräte sind GPS- und GLONASS-fähig, was eine schnelle Satelitenverbindung garantiert, um aufzuzeichnen wie weit, schnell und wo der Radsportler unterwegs. ist.

Verfügbarkeit und Preise

Die neuen GPS-Radcomputer Garmin Edge 20 und 25 gibt es ab Juli zu empfohlenen Verkaufspreisen von € 129,- bzw. € 169,-. Der Edge 25 kommt zudem als Bundle inklusive Herzfrequenzgurt zu einem Preis von € 199,- auf den Markt.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

Ich habe die Shimano Dura Ace Di2 umgebracht.

Tod einer hochgelobten Schaltgruppe
Joshua von Veletage Salon für Radkultur bein Tüfteln.

Die Shimano Dura Ace Di2 ein Wunder der Elektronik und der Präzision. Listenpreis ab € 2.299,-. Und ich habe sie umgebracht. Tot. Dead loss. Aus. Amen. Basta. Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Ich bin ein Mörder.

Was ist passiert? Vor der quaeldich Rennradreise zum SuperGiroDolomiti hole ich mir Radsport Grassinger ein Pinarello Dogma 65.1 Think2 mit Shimano Dura Ace Di2. Wert € 9.500,- Das Rad und die gesamte Gruppe werden vier Tage lang in und rund um die Lienzer Dolomiten ausgeführt. Alles funktioniert perfekt. Außer den regelmäßigen Fauxpas aufgrund meiner Unfähigkeit die richtigen Schaltvorgänge zu verinnerlichen. Jahrzehnte an Campagnolo kann man nicht einfach so verdrängen. Ca 350 km und 7.000 Höhenmeter spule ich ahnungslos als Laie in den Fächern Elektronik und Elektrotechnik ab. Vollstes Vertrauen in die japanische Ingenieurskunst.

Am Tag vor dem SuperGiroDolomiti lade ich sicherheitshalber den Akku der Di2 nochmals auf. Grünes Licht beim Einstecken am Ladegerät. Kein Licht mehr nach Beendigung des Ladevorgangs. Das Gewissen ist beruhigt. Es kann los gehen. Über das Rennen selber habe ich ja schon berichtet. Nicht aber über das, was nachher passiert ist.

Nach der Fahrt im Polizeiauto und im Zug ist bei der Di2 der Umwerfer ausgefallen. Ohne Voranmeldung. Einfach so. Die Schaltung hat nicht mehr vom kleinen auf das große Kettenblatt geschaltet. Das kleine deshalb, weil ich vom großen auf das kleine beim Herausnehmen des Hinterrades geschalten habe. Ich denke mir dabei nicht viel. Frage ein wenig bei Kollegen nach. Was da sein könnte. Etwas über Kabelanschlüsse kontrollieren wurde mir geraten. Natürlich auch ein Radwechsel. Aber das wäre eine andere Geschichte und wer den Schaden hat, braucht ja bekanntlich nie für den Spott zu sorgen. Danke an dieser Stelle an alle.

Wieder zu Hause habe ich das Fahrrad in eine Fachwerkstätte gebracht. Name mit bekannt. Hier blieb das Rad ganze drei Tage. Als ich es abholen wollte, ahnte ich bereits nichts Gutes. Das Rad stand da. Allein. Mit einem weißen Zettel. Die Schaltung funktionierte leider immer noch nicht. Originalwortlaut des Mitarbeiters: „Wir haben alles kontrolliert. Die Stecker sind alle richtig. Die Batterie geladen. Wir haben das Rad an die Check Software angeschlossen. Das System erkennt den Schalthebel nicht. Der Schalthebel gehört getauscht.“ Ich frage nochmals, was das konkret heiße. Mir wird wiederholt. Schalthebel tauschen. Da man diese einzeln nicht bekommt, gleich beide austauschen. Gute Nacht. Danke. Auf Wiedersehen.

Ich hole mir jetzt Rat von meiner Community.

An alle Shimano Dura Ace Di2 Fans. Bei meinem aktuellem Rad kann ich nicht mehr auf Kette rechts schalten. War schon in…
Posted by Ketterechts on Donnerstag, 18. Juni 2015

Ich bekomme viele Ratschläge. Von alles kaputt bis eh nur ein Klacks ist alles dabei. Ich fange jetzt selber an ein wenig zu basteln. Vielleicht ist es der Akku. Sattelstütze raus, Akku anschauen. Viel Wasser. Kontaktspray an den Anschluss. Sattelstütze und Akku wieder rein. Dann Junctionbox ausstecken. Kontaktspray. Wieder anstecken. Ich habe kurz Strom. Doch nicht lange. Schalthebel ausbauen? Nein. So weit gehe ich jetzt selber nicht. Ich hole mir Hilfe. Fahre zu Veletage in die Innenstadt. Joshua my friend für alle Fälle.

Und jetzt beginnt die Odyssee. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zuerst wieder alle Kabeln checken. Die Anschlüsse. Die Junctionbox. Die Schalthebel. Alles scheint fest zu sitzen. Doch wir haben keinen Strom. Auch hinten schaltet die Di2 nicht mehr. Batterie raus. Auch hier sitzt alles korrekt. Kein Strom. Wir schließen die Di2 an die E-Tube Software an. Diese zeigt, dass alles in Ordnung sei. Jedes Teil ist am Rad grün.

Die Softwar zum Checken der Di2 von Shimano

Wir haben aber immer noch keinen Strom und ein Reset ist auch nicht möglich. Die Software rechnet, aber dann ein ernüchterndes Ergebnis. Das Rad wird nicht erkannt. Jedes Teil einzeln wird nicht erkannt. Ratlosigkeit.

Ok. Weitersuchen. Vielelicht ist der Verteiler im Tretlager abgesoffen. Also Tretlager raus. Bei Shimano ja ein Klax. Bei Shimano an einem italienischen Lager mit geschraubten Lagerschalten dann doch nicht. Ein passender Innenlager Montageschlüssel fehlt, weil die Schalen wieder eine andere Dimension haben. Ein Anruf bei Paolo vom Roadbiker ums Eck und ein Adapter ist schnell gefunden. Doch dieser passt auch nicht. Schade. Tretlager wieder rauf. Dann eine Eingebung. Ein Kollege von mir hat ein F8 mit Shimano Dura Ace. Also dieselben Lagerschalen. Anrufen. Foto schicken. Er hat den passenden Adapter, weil er selber Schrauber ist. 20 Minuten warten.

Unendliche Möglichkeiten

Wir schaffen es dann, das Innenlager rauszunehmen und den Verteiler im Rahmen aus seinem fiesen Verstecke zu holen. Verdammt gut versteckt. Jetzt haben wir alles offen gelegt, was offen gelegt werden kann. Stecker sitzen. Aber immer noch keinen Strom. Verteiler und Junctionbox werden getauscht. Noch immer kein Strom. Wir tauschen die Batterie aus. Der Strom bleibt aus. Wir stecken die Batterie direkt an den Verteiler an, um auszuschließen, dass der Kabel von der Batterie zum Verteiler defekt sein könnte. Strom bleibt aus. Wir schließen die Batterie direkt an die Junctionbox an, um auszuschließen, dass der Kabel von der Junctionbox zum Verteiler defekt sein könnte. Der Strom bleibt aus. Unser Latein ist am Ende. Wir sind ratlos. Einziger Trost. Wir hatten kurz Strom, so dass die Kette vom kleinen auf das große Ketteblatt gesprungen ist. Mein Wochenende ist gerettet. Halb.

Ich habe wohl echt eine Di2 umgebracht. Ich Mörder, ich. Egal mit wem ich rede. So einen Totalabsturz hat noch niemand erlebt. Auch nicht Robert von Popaflo. Mit ihm habe ich gestern noch lange telefoniert. Und Robert hat mich auch auf eine neue Möglichkeit hingewiesen. Ich soll alles ausstecken. Die Schalthebel, die Batterie, den Umwerfer und das Schaltwerk. Und dann soll ich die E-Tube Software einzeln an jedes dieser Teile anschließen und das Programm mit einem Reset einzeln überschreiben. Teil für Teil. Sofern die Software die Teile erkennt. Dazu werde ich wieder Joshua von Veletage aufsuchen. Selber machen kann ich das nicht. Mit fehlt ein Windows Rechner. Den Kabel hätte ich mir schon irgendwo ausborgen können.

An alle Shimano Di2 Fans und Verehrer. Tut mir leid, wenn ich die Grenzen dieses Wunderdings aufgezeigt habe. Sorry.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts.
#faceyourpassion

PS: Thank you Joshua. For your willingness to help. I really appreciate it. Speak soon to you on Tuesday.