Kategorie: Rennradgeschichten

Geschichten rund ums Rennradfahren

Wiener Fahrradschau – mein persönlicher Rückblick.

Wiener Fahrradschau

Die Wiener Fahrradschau. Mit großem Trara wurde sie angekündigt. Mit noch größerem gingen gestern in der Marx Halle spät in der Nacht die Lichter aus. Eine mehr als gelungene Premiere – so mein Fazit nach drei Tagen Fahrrad schauen und Style tanken. Danke Berlin für diesen Export. Meine Wunschliste ist jetzt um einige Highlights reicher. Meine Brieftasche weint jetzt schon.

Die Wiener Fahrradschau war eine gänzlich andere „Radmesse“. Eine, die Wien schon lange verdient hat und eine, die ab sofort jährlich nach Wien gehört. Weg von der Technik, hin zum Style. Rad fahren ist nicht nur Race. Rad fahren ist eine wichtige Bühne für junge, innovative und interessante Labels.

Die Großen diktieren. Die Kleinen inspririeren.

Deswegen ein Hoch an alles was vom mainstream abweicht. Hier steckt Herzblut drinnen. Das mag ich. Glücklicheweise musste ich das auf der Fahrradschau nicht vermissen. Hier meine Höhepunkte.

Die Side Events: Vom Brompton Rennen über das Vienna Rad Cross bis hin zum Rad Polo, den diversen Openings und Workshops bis hin zu einer sehr langen Radkult Party. Es gibt sicher noch mehr und des wird sicher noch mehr geben. Die Wiener Fahrradschau zeigte Mut.

Die Mischung: Alles fein. Alles klein. Keine protzigen Messestände (ok, ein paar haben mehr Budget gehabt als andere), sondern kleine Nischen, in denen es sehr viel zu entdecken gab. Mehrmals durchgehen, mehrmals hinschauen hat sich gelohnt. Vor allem am Freitag bis 2300 Uhr. Wer bisher geglaubt hat, dass man mit Stahl und Carbon nur Rennräder bauen kann, der wurde hier eines besseren belehrt. Die Wiener Fahrradschau zeigte Abwechslung.

Ridentity: 23 Bezirke. 23 Teile. 1 Wiener Fahrrad. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Eine wohl einzigartige Idee. Herausgekommen ist ein wahres Schmuckstück. Mit viel Liebe zum Detail gedacht und gemacht. Chapeau. Die Wiener Fahrradschau zeigte Innovation.

Brothers Barbershop: Wo Hipster draufsteht, muss auch ein Barbershop drinnen sein. Cool die Idee, diesen in die große Halle zu verlegen. Noch cooler die Idee, Wartezeiten mit einem Bullet Bourbon zu verkürzen. Die Wiener Fahrradschau zeigte Trends.

8bar Mitte: Das 3in1 – all Roadbike aus Berlin. Rennrad, Crosser und Reiserad in einem. 8bar Mitte hat sicher noch Luft nach oben. Die Idee ist jetzt schon Top und clever. Eine zweite Gabel und ein verstellbarer Radstand macht’s möglich. Die Wiener Fahrradschau zeigte Zukunft.

MyEsel: Ein Rad nach Maß. Ok. Nichts Neues. Aber eines aus Holz und in nahezu jeder erdenklichen Geometrie und Holzart machbar nicht. MyEsel hat mich überrascht. Vor ein paar Jahren habe ich noch den Prototypen als Anti-Fahrrad abgestempelt. Heute stehe ich als Esel da und bestaune die Technik und den Style. Chapeau. Die Wiener Fahrradschau zeigte Start Ups.

Luchs Dillitos: Von Energienahrung habe ich bis jetzt genug gesehen. Aber nicht alles. Lucho Dillitos zum Beispiel. Aus dem Land, wo die guten Bergfahrer wohnen. Geschmacklich haben mich diese getrockneten Fruchtstücke ohne Zuckerzusatz überzeugt. Die Himbere/Kaffee Kreation hat mich verzaubert. Derzeit in Österreich und Deutschland noch nicht erhältlich, aber … Die Wiener Fahrradschau zeigte natürliches.

Nevi: Italienische Räder aus Titanium. Einfach nur schön. Ganz oben auf der Wunschliste. Ganz unten auf der To-By Liste. Rahmensets ab € 8.000,- sind nicht oberste Priorität aber bewundernswert. Die Wiener Fahrradschau zeigte Retro.

Katusha Sports: Bekannt aus Funk und Fernsehen, Giro, Tour und Vuelta haben sich die Macher von Katusch Sports jetzt auch im Commuter und Urban Bereich Gedanken über funktionelle Textilien gemacht. Radfahrerfreundliche Nähte sorgen beispielsweise dafür, das eine Winterjacke mit langen Ärmeln, diese auch lang genug halten. Die Wiener Fahrradschau zeigte Commute.

Veletage: Im Salon für Radkultur auf Abwegen habe ich den besten Kaffee bekommen und genossen. Die Wiener Fahrradschau zeigte Kaffeegenuss.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#fahrradschau #cyclingunites #ketterechts

PS: Welche Highlight sind euch ins Auge gefallen?

Off-Season – 12 Dinge, die Sie jetzt nicht tun dürfen.

Off Season oder der Mut zu stoppen

Hiermit tue ich meine Schuldigkeit. Nach den „12 Dingen, die Sie jetzt unbedingt tun müssen„, jene Dinge, die Sie in der Off-Season nicht tun dürfen. Warum? Weil Geist, Körper und Material eine Pause brauchen. Regeneration. Schreibt man. Sagt man. Und irgendwo habe ich das auch schon einmal gehört. Wie lange? Kommt drauf an. Auf die „12 Dinge, warum die Off-Season so kurz wie möglich aber so lange wie nötig dauern sollte“. Noch nie davon gehört? Ich auch nicht. Kommen wir deshalb zurück zum Thema. Was sollte man jetzt also unbedingt vermeiden, weil a) gefährlich, b) völlig unnötig, c) demotivierend und d) kontraproduktiv? Hier meine Top 12. Vermeiden Sie:

Regeneration im Radsport – was man vermeiden soll.

  1. Den Gang und den Blick auf die Waage.
  2. Das „eine Nummer kleiner“ umgetauschte Finisher Trikot vom Sommer anziehen.
  3. Laufen. Wer seinen Laufschuhen zwischen April und Oktober nur durch Zufall begegnet ist, der braucht jetzt auch nicht so scheinheilig tun.
  4. Lang laufen. Dazu fehlt noch der Schnee.
  5. Frieren. Das geht viel besser im Sommer. Dazu ist er ja da.
  6. Kalorien zählen. Die versteckten findet man sowieso nicht. Wenn überhaupt, erst bei den Frühjahrsklassikern. Weit hinten in der Wertung.
  7. Fragen stellen wie „Wie trainierst du über den Winter?“ Wer gut trainiert, wird das nie verraten.
  8. Eine Spätform als Frühform zu interpretieren, denn eine Spätform als Frühform, ist als Frühform zu früh. Wobei auch eine Spätform jetzt zu spät wäre.
  9. Bei Sonnenuntergang zu Hause sein. Wer zum Teufel ist denn gegen 1800 Uhr schon daheim?
  10. Langsamer fahren. Da wird einem nur kalt. Siehe Punkt 5.
  11. Merinowolle tragen. Siehe wieder Punkt 5. Die braucht ihr im Sommer.
  12. Nicht alles glauben, was man so liest.

Kommen sie gut durch den Winter.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #styliseyourride #rennradblog

Off-Season – 12 Dinge die Sie jetzt unbedingt tun müssen.

Weniger ist mehr

Endlich. Es ist Off-Season Zeit. Eine lange, anstrengende und hoffentlich erfolgreiche Radsaison ist zu Ende und die neue ist noch nicht in Sichtweite. Für viele Zeit aufzuhören ohne dabei nachzulassen. Zu schön ist noch das Wetter und zu gut sind noch die Beine. Auch wenn die Motivation nicht mehr ganz so mitspielt. Der Körper zwickt nach Erholung und der Kopf schreit nach Pause. Es ist Zeit für Alternativen. Es ist Zeit, Dinge zu tun, die man bis jetzt nicht tun durfte. Weg von Zwängen. Hier jene 12 Dinge, die sie jetzt vor, während und nach einer Ausfahrt tun dürfen. Und unbedingt tun müssen. Befreiung ist das Zauberwort. Rebellion das Geheimnis.

Off-Season – Zeit für Alternativen.

  1. Endlich einmal unverschwitzt im Kaffeehaus sitzen. Also gleich und unmittelbar beim nächstbesten Kaffeehaus anhalten, absteigen und dabei laut Cappuccino und Sachertorte* bestellen. Von mir aus auch dort verweilen. Möglichst lange. Möglichst in der Sonne. Der einzige Schnitt, der jetzt zählt ist der Kuchenschnitt.
  2. Auf der Fahrt öfters freiwillig stehen bleiben. Ab und wann die Landschaft genießen. Inne halten. Tief einatmen. Mit den Füßen am Boden bleiben.
  3. Alle technischen Hilfsmittel zu Hause lassen. Einfach treten und spontan entscheiden. Wohin des Weges. Wie schnell des Weges. Wie lange des Weges. Und wann des Weges retour. Eventuell das Garmin Gerät in der Trikottasche verstecken.
  4. Überholen lassen. Ja. Überholen lassen. Das tut weh, ich weiß. Die Zeit zurückzuschlagen kommt ja wieder. Keine Sorge.
  5. Alternativen suchen. Wie Damenrad, Waffenrad, Dreirad, Einrad, Windrad, Belgrad, Kamerad, Zahnrad, Lenkrad, Stützrad, Längengrad, Breitengrad.
  6. Auf Strava neue Segmente erstellen und dabei der Phantasie freien Lauf lassen. Als After-Off-Season-Motivation. Für sich selbst und für die virtuellen Gegner. Diesen Segmenten dabei bombastisch anmutende Namen geben. Wie zB. „Magenentleerungssprint“ oder „Oberschenkelmassakerhügel“.
  7. Fehdehandschuhe shoppen. Online oder beim Fachhändler des Vertrauens. Für die bevorstehenden Jahreszeiten passend. Damit man genug davon hat und diese auch hinwerfen kann.
  8. Verkehrsregeln einhalten. Radweg benutzen. Einfach stress- und sorglos das eigene Karmakonto ins Plus radeln. Karmaschulden begleichen und Karmaguthaben aufbauen.
  9. Planen, planen und planen. Und shoppen, shoppen und shoppen. Die Eurobike hat gerade das „best of“ alles präsentiert. Die Chance der absolute Trendsetter zu sein ist jetzt so groß wie sie erst wieder in einem Jahr sein wird. Ein Sieg, den man sich nicht nehmen lassen soll.
  10. Ausreden. Nein sagen. Niemand muss jetzt. Jeder darf. Wobei Off-Season nicht als Ausrede gelten darf. Off-Season gibt es ja nicht. Off-Season braucht man nicht. Also aufgepasst. Off-Season ja, aber nicht offensichtlich.
  11. Liegen bleiben. Sitzen bleiben. Hängen bleiben. Länger bleiben. Beieinander bleiben. Faul bleiben. Mit Rad. Ohne Rad. Am Rad.
  12. Dankbar sein. Für alles.

Fortsetzung folgt. Zum Beispiel die 12 Dinge, die Sie in der Off-Season unbedingt vermeiden müssen.

*oder einen bzw. Kuchen nach Wahl

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #offseason

Herbstzeit ist Crosserzeit. Meine Erfahrung als Erstkäufer im Überblick.

Norco Threshold Rival 1 Crosser

Der Herbst zieht unaufhaltsam übers Land. Die ersten Frühnebelfelder sind die noch harmlosesten Vorboten des natürlichen Feindes jedes Renrnadfahrers. Die Tage werden immer kürzer. Die Ausfahrten dafür rarer. Für die einen ist es die wohlverdiente Off-Season, für die anderen die heiß ersehnte Crosserzeit. Weg vom Asphalt, hinein ins Gemüse. Rollsplit statt Bananenspilt. Laub statt Staub. Crosser statt Rennrad.

Crosser? Was ist das?

Wer so einen Crosser hat, der kann sich glücklich schätzen. Wer keinen hat, so wie ich, der kann einem Leid tun. Die Auswahl an Crossrädern ist mittlerweile so riesig. Die Technik weit jener der Rennvelos voraus. Die gut gemeinten Meinungen vieler Experten so unterschiedlich. Die Gefahr, die Katze im Sack zu kaufen gegenwärtig. Deshalb habe ich die letzten Wochen damit verbracht mich zu informieren. Was ich dabei an Weisheiten gesammelt habe, hier im Überblick:

  1. Hersteller: mittlerweile baut fast jeder auch Crossräder. Von den bekannten Marken abwärts. Bis zu kleineren Schmieden. Wer kann’s am besten? Haha! Fangfrage. Erfunden haben es nicht die Schweizer. Aber die Belgier waren mit Ridley von Anfang an dabei. Aber auch Newcomer aus dem MTB Bereich wie Norco aus Kanada mischen mittlerweile brav mit.
  2. Rahmen: Carbon vs Alu. Alles dabei. Auch bei Crossrädern. Was besser ist? Das überlasse ich jedem selbst zu urteilen. Wie immer eine Preisfrage.
  3. Handel vs Internet: Da möchte ich mir die Finger nicht verbrennen. Aber die Realität sieht so aus, dass der Handel nicht immer durchsortiert ist. Hier sind längere Wartezeiten einzukalkulieren. Spezialisierte Onlinehändler (außer Canyon) können jetzt noch innerhalb von 5 – 7 Tagen liefern.
  4. Ausstattung: Außer Campagnolo sind hier Shimano und SRAM heimisch. 105er und Ultegra reichen auf alle Fälle aus. Apex, Rival oder Force natürlich auch.
  5. Übersetzung: Hier finden sich die markantesten Unterschiede wieder. Angefangen von der 1er Serie von SRAM. Ein statt zwei Kettenblätter ohne Umwerfer. Bis zu 300g weniger Gewicht. Jetzt müsste man nur noch rechnen können. 40 bis 50 Zähne vorne und 11 Ritzel hinten mit 10 bis 42 Zähne. Ansonsten Kompakt klassisch mit 2 Kettenblättern vorne. 48/36 gilt hier mehr oder weniger als Standard.
  6. Bremsen: Die Welt ist rund und die Bremse ist eine Scheibe. Inzwischen 140mm vorne und 160mm hinten. Mechanisch oder hydraulisch. Auch hier gilt: Preisfrage.
  7. Steckachsen: Der Schnellspanner hat ausgedient. Wie bei den MTB’s halten diese Vorder- und Hinterrad am Rahmen. Durch den größeren Durchmesser ist eine bessere Steifigkeit möglich. Die Laufräder können somit auch exakter positioniert werden. Bremsen und Quietschen wird vermieden.
  8. Geometrie: die Crosser benötigen eine agile Lenkergeometrie. Dementsprechend sind die Räder auch so gebaut. Auffallend ist, dass Crosser kleiner ausfallen und der Vergleich mit dem eigenen Rennrad, um 1 bis 2 Rahmenhöhen größer ausfällt. Mehr dazu in einem meiner älteren Blogbeiträgen über „stack“ und „reach“ – zwei Maßeinheiten, mit denen Rahmen miteinander koreliert werden können.
  9. Reifen und Laufräder: Stollen oder Slicks, Tubless oder mit Schlauch, Alu oder Carbon … mein Gott, wie soll man sich da noch entscheiden. Dann auch noch die Breite. 35 mm oder mehr?
  10. Preis: Ab € 1200 ist man dabei. Die Grenze nach oben offen. Wobei planetX mit einem Vollcabon Crosser (Rival 1 und hydraulischen Bremsen) um € 1.500,- inkl. Versand, das Rad mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis anzubieten hat.

Jetzt heißt es nur noch zuschlagen und loslegen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #styliseyourride

Ich schreib mich gesund – egal was die Ärzte sagen.

Was Ärzte nicht tun

Ich weiß was ich tue. Deshalb tue ich es. Ich schreibe mich gesund. Egal was die Ärzte dazu meinen. Ab heute. Ab sofort. Gestern habe ich schon eine Krücke entsorgt. Die linke. Das rechte Bein wird nicht mehr geschont. Es wird behutsam belastet. Nicht voll, aber immerhin. Die zweite Krücke brauche ich noch – die Gehmotorik ist noch nicht vollkommen hergestellt. Ich spare mir ganze 2 1/2 Wochen schulmedizinisches Abwarten auf bessere Zeiten.

Ärzte sind zu vorsichtig.

Ich weiß was ich tue. Deshalb tue ich es. Die kurzen Einheiten am Wochenende am Ergometer waren Balsam für die Seele. Zuerst nur 2x 30 Minuten bei 30 Watt. Tags darauf 2x 45 Minuten mit bis zu 100 Watt. Und am Sonntag dann 1h40 mit Spitzen bis zu 200 Watt. Schmerzfrei mit Freundentränen. Es war einfach nur geil, dem Surren des TACX-Gerätes zuzuhören. Starrer Blick nach vorne. Hände am Unterlenker. Beine, die auf- und abgehen. Zu Radeln war die beste Entscheidung. Die beste Therapie.  Mein rechtes Bein lässt sich im Sitzen und im Liegen bereits leicht heben. Die Muskeln reagieren auf die Physio. Das Hirn läuft wieder im Aktivmodus. Warum also länger warten?

Ich weiß was ich tue. Deshalb werde ich es tun. Ich werde am Wochenende eine Runde mit dem Rennrad drehen. Wetten?

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#beatmedicine #ketterechts

Compex – elektrostimulierte Muskeltherapie. Meine Erfahrung damit.

Muskelaufbau Compex

Man tut was man kann. Und man tut, was andere können. Im Kampf gegen den Muskelschwund. Dieser schreitet neben der Knochenheilung leider auch unaufhaltsam voran. Vorbeugend habe ich mir deshalb ein Compex Gerät zur elektrostimulierten Muskeltherapie zugelegt. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Eric Rosant von Compex Österreich für sein Leihgerät. Es ist schön, wenn virtuelle Freunde im Bedarfsfall zu echten Freunden werden. Eric ist mit dem SP 8.0, dem Topmodell von Compex, persönlich in mein Lazarett gereist, um mich einzuschulen.

Compex. Von nix kommt nix.

Tag 18 nach meinem Rendezvous mit dem bösen Asphalt. Es geht mir den Umständen entsprechend. Eine alltagstaugliche Mobilisaiton ist bereits wieder hergestellt. Auch wenn ich immer noch abhängig bin. Auf mich allein gestellt würde mir der Zugang durch sauschwere Brandschutztüren verwehrt bleiben. Allein müsste ich alles, was zu tragen und zu schleppen wäre, mit den Krücken am Boden entlang schieben. Einige Routen am Naturparkett sind schon gut gekennzeichnet. Bewährt hat sich auch für den Fall wenn keine Hilfe zur Stelle ist, das Zwischenlagern über mehrere Stationen im maximalen Umkreis von zwei Metern. Not macht erfinderisch. Und MacGyver Gene hatte ich immer schon.

Compex SP8.0 ist Selbsterklärend.

Wie heißt es so schön. Mit vollen Hosen ist leicht stinken. Das stimmt. Demnach stinkt das Topmodell SP8.0 sehr. Denn es hat die Hosen voll. Voller Funktionen. Gerät einschalten, Programm wählen, Elektroden nach exakter Display-Vorlage ankleben, verbinden, einschalten und loskitzeln. Autorange heißt das Zauberwort. Mit Autorange stellt der SP8.0 die optimale Intensität selbst ein und dies für jeden Kanal einzeln. Bei Regeneration und Schmerzbehandlung. Bei Training und Reha hingegen, kann man sich die Intensität selbst einstellen. Ohne zu übertreiben. So wie man die Gewichte oder den Widerstand beim Krafttraining selbst einstellen würde. Ein gewaltiger Quantensprung. Ich kannte Compex noch als Kabelsalatgerät.


Ich habe den Compex SP8.0 hauptsächlich für Muskelatrophie, Muskelkräftigung, Kapilarisation sowie Entspannungs- und Regenerationsmassagen im Einsatz. Am Oberschenkel vorne und hinten im Bereich Adduktoren und Hüftbeuger. Muskelatrophie, um dem Muskel sein Volumen zurückzugeben. Speziel mein rechtes, länger inaktives Bein hatte diese Funktion notwendig gehabt. Ein ganzer Zentimer Umfang sind verschwunden. Muskelstärkung, um den Muskel wieder aufzubauen. Logisch. Kapilarisation, um die Durchblutung zu fördern. In der Schmerztherapie ein wichtiger Aspekt. Die verschiedenen Massagen, um das Lot wieder zu finden. Ca 20 Minuten dauert jede Elektrostimulation.

Das interessante bei der Muskelkräfitgung ist, dass man im Moment des Stimulation mit aktiver Anspannung des Muskels, den Traiingseffekt verstärken kann. Der Rennradfahrer sollte dann im Sitzen seine Beine heben und runde Bewegungen aus der Hüfte machen – ähnlich dem Tritt in die Pedale. Bei mir ist diese Übung noch auf der Wunschliste.

Klingt alles sehr theoretisch. Die Praxis hat mir gezeigt, dass ich trotz längerer Inaktivität weniger Muskelmasse verloren habe. Sogar mein Physiotherapeut war erstaunt, „was da noch alles da ist“. Wenn ich bedenke, dass ich Compex SP8.0 nicht nur an dem Oberschenkeln, sondern auch den Waden, am Po, am Bauch, an der Armen, am Nachen und an der Brust verwenden könnte ….

Fazit:

Compex ist selbsterklärend und funktioniert tadellos, kabellos. Wireless mit MiSCAN, MiAUTORANGE, ACTION und TENS. Fast von selbst – na bravo. Nicht nur in der Reha, auch im Training ein nützliches Gerät. Schwerpunkt Regeneration und Massage, um schneller wieder leistungsfähig zu sein. Aber auch das Thema Muskelstimulation in der Vorbereitung ist trainingstechnisch ein Pluspunkt. Einziger Minuspunkt aus meiner Sicht: Die Elektroden sind sehr empfindlich. Nach ein paar Anwendungen kleben sie nicht mehr so gut. Falls eine Elektrode während einer Anwendung abfällt brennts höllisch.

Compex Geräte gibt es im Fachhandel und im Online Store. Das Modell SP8.0 kostet € 1.229,-. Ein neuer Satz Elektroden € 9,90.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#beatmedicine #ketterechts #compex

Neues aus der Hölle. Das Schlimme an einer Verletzung ist nicht die Verletzung.

Verletzung

Es gibt Wichtigeres. Es gibt Schlimmeres. Und es gibt Dringenderes. Leider gibt es aber auch eine Verletzung. Es gibt Hüfte und ein Becken, die nicht mehr das tun, was sie aus meiner Sicht tun sollten. Funktionieren. Rund funktionieren. Beim Rennradfahren. Lange Rennradfahren. Im Speziellen 235 km und 5.500 Höhenmeter. Nächsten Sonntag. Von Sölden bis Sölden. Bei prognostizierten traumhaften Bedingungen. Das tut weh. Mehr weh als die oben Besagten. Ich weiß. Es gibt echt Wichtigeres. Es gibt viel Schlimmeres. Und es gibt nochmals Dringenderes. Aber leider gibt es auch einen Ötztaler Radmarathon auf den ich möglicherweise verzichten werden muss.

Eine Verletzung ist so schlimm genug.

Bei den Dingen die nicht so einwandfrei funktionieren, handelt es sich um meine Hüfte und mein Becken. Beide Körperteile zusammengahalten und umgeben von vielen Weichteilen. Faszien, Sehnen, Muskeln. Ein ausgeklügeltes System, welches bei mir durch den wuchtigen Aufprall am Asphalt aus dem natürlichen Konzept geworfen worden ist. Mein gegenwärtiges System hat keine geregelten Abläufe mehr. Mein aktuelles System hat keine Selbstverständlichkeiten mehr. Mein beleidigtes System hat Prozesslücken. Mein Bewegungsystem muß nach einem Mißgeschick neu aufgesetzt werden. Ein Neustart dringend gesucht.

Mobilisation statt Degeneration.

Als ich vergangenen Samstag aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, stand auf den Papieren bei Therapie „6 Wochen Entlastung“. Mehr nicht. Danke und Aufwiedersehen. Die Schulmedizin hatte ihre Pflicht erfüllt. Erstversorgung. Röntgen. Stationäre Aufnahme. Mal schauen. Entlassen. Part of the game. Part of the system. Gut, dass es die Schulmedizin gibt. Sehr gut, dass es das Gesundheitsystem gibt. Sonst würde ich ja noch am Feiersteig liegen.

Sechs Tage nach meiner Entlassung sitze ich in der Sonne auf der Terrasse und schreibe diesen Blog. Auf die Terrasse bin ich über die Wohnzimmertüre gelangt. Vier Stufen tiefer. Auf meinen Krücken. Gestern war ich 29 Minuten spazieren. Auch auf meinen Krücken. Ich stretche und dehne täglich. Die verschriebenen Schmerzmittel habe ich abgesetzt. Mobilisation ist besser als Degeneration. Mein rechter Fuß immer brav entlastet. Genau so wie die die Ärzte im Krankenhaus es befohlen haben. Das Liegen bekommt mir nicht. Die Nächte sind nach wie vor der Horror. Gerade liegen ist nicht mein Ding.

Wunder geschehen. Selten.

Ich bin weder Wunder noch irgendwas. Ich bin nur selbständig. Auch beruflich. Ich kann und will nicht sechs Wochen liegen und warten. Die Schulmedizin hat ein System, welches über alle Patienten umhüllt wird. Somit ist das System auch halbwegs finanzierbar. Patienten sind aber nicht alle gleich. Ich bin nicht alle. Ich habe sicher Glück gehabt. Ich habe drei Sollbruchstellen: Hüftpfanne, Schambein und Sitzbein. Alle drei weder durch noch glatt. Ich kann kaum was verschlechtern oder verschieben. So dumm mich nochmals von einem Meter Höhe mit 44 km/h auf den Boden zu werfen bin ich ja nicht. Meine Knochen werden schnell heilen. Sie wollen. Sie müssen.

Alles braucht seine Zeit. Gut Ding braucht Weile. Eine gute Heilung auch. Wenn es sechs Wochen sind, dann eben sechs. Wenn es mehr sein sollten, dann eben mehr. Wenn es schneller gehen wird, dann darf das auch sein. Mein Ziel ist, wieder beweglich zu werden. Jeden Tag mehr. Mein Ziel ist, weniger Schmerzen zu haben. Beim Niesen. Beim Husten. Beim Bewegen. Beim Urinieren. Beim Stuhlgang. Faszien, Muskeln und Sehnen müssen wieder geschmeidig werden. Diese schmerzen. Die kaputten Knochen nicht wirklich. Die sind ja entlastet. Mein System muss wieder einwandfrei funktionieren. Die Schulmedizin wird dashalb keine Hilfe sein. Sie will mich erst in drei Wochen wieder sehen. Um mich neu zu röntgen. Was ich jetzt brauche ist Physiotherapie und Osteopathie. Jetzt. Nicht in drei, vier oder sogar sechs Wochen, wenn die Schulmedizin mich als „geheilt“ aus ihrem System entlässt.

Das Schlimme an einer Verletzung ist ja nicht die Verletzung, sondern die Art, wie man damit umgeht.

Cristian aka @_ketterechts

PS: Mein Kopf wäre bereit, am Sonntag den Ötztaler Radmarathon zu fahren. Mein rechtes Bein nicht. Es ist noch nicht rasiert.

Die Tauernrundfahrt 2016 – mein persönlicher Rückblick

Tauernrundfahrt

Herrlich. Ich muss heute nicht essen. Ich kann. Aber ich muss nicht. Heute habe ich Ruhetag. Zumindest aus sportlicher Sicht gesehen. Kein doppeltes Frühstück mehr. Kein Gel-Drücken im zwei Stunden Abschnitt. Kein Hingreifen zu Kuchen und Schokolade. Kein Kaiserschmarrn als Nachspeise nach der eigentlichen Nachspeise. Kein googlen nach offenen Döner- und Pizza-Buden. Kein nächtlicher Snack vor und weit nach Mitternacht. Kein „bringens her, wir essen das schon auf.“ Kein Zwang nach Kalorien. Kein Würgen nach fester Nahrung. Nichts von all dem. Die Tauernrundfahrt ist gestern zu Ende gegangen. Der normale Alltag hat mich wieder. Ich muss heute nicht essen. Und ich muss heute nicht Rennradfahren. Ich kann. Aber ich muss nicht.

Tauernrundfahrt. Essen. Schlafen. Rennradfahren.

Das ganze bitte fünf Mal wiederholen. Von Salzburg nach Salzburg über bekannte und weniger bekannte Bergstraßen. Dientner Sattel, Filzensattel, Griessenpass, Kerschbaumer Sattel, Gerlospass, Großglockner Hochalpenstrasse mit Fuscher Törl, Hochtor und der Kaiser Franz Josefs Höhe, Schönfeldsattel, Prebersee, Sölkpass, Koppenpass und Postalm. Macht in Summe 741 km und 11.226 Höhenmeter. Das Ganze in 27h und 25min bei einem Gesamtschnitt von 26,74 km/h und einem Energieverbrauch von 66.679 Kilojoule (dazu kommt noch der normale Bedarf von ca. 33.913 Kilojoule in 5 Tagen). Kopf, Beine und Verdauung waren bis aufs Höchste gefordert.

Die Tauernrundfahrt ist zu Ende. Zeit einfach ein wenig nachzudenken. Solange die Erinnerungen frisch sind. Für dieses Jahr nehme ich folgendes mit:

  • egal wie stark du bist, wie motiviert du bist, wie angriffslustig du bist. Es gibt immer einen, der stärker, motivierter und angriffslustiger ist. Als erster am Berg ankommen? Utopie!
  • Schmäh zählt nicht mehr. Alles was zählt ist Strava. Kaum angekommen wird der Tag schon hochgeladen. Und dann wird analysiert. Watt, VAM, PCO, sufferscore, KOM’s, Vorsprung, Rückstand …
  • 25, 27 und jetzt 29. Ich werde älter. Oder gescheiter? Egal. Das 29er Ritzel war eine Wohltat.
  • nach anfänglicher Skepsis habe ich mich in meinen Hutchinson Fusion 5 Galaktic 25mm Hinterreifen verliebt. Es ist erstaunlich was 2mm mehr ausmachen. Speziell bergab. Das bisschen mehr Grip verleiht dir in den Kurven schräge Flügel.
  • auf Garmin kann man sich leider nicht mehr verlassen. Ganze drei Systemabstürze in fünf Tagen. Zuerst beim Prolog nach Software Update für die Vector2 Pedale. Garmin ließ sich nicht mehr einschalten. Dann unterwegs. Garmin ließ sich nicht mehr in Gang setzen. Blockiert. 40 km meines Lebens wurden mir gestohlen. Gestern dann kein GPS Empfang. Weitere 40 km meines Lebens dahin. Zum Glück musste ich nicht navigieren – ich wäre sonst immer noch irgendwo in den Tauern.
  • Touristen bringen Geld. Und das ist gut für die Wirtschaft. Deutsche Touristen bringen aber auch Ärger mit sich. Sie hupen, schneiden und rasten aus. Wo ist da noch der Urlaub, wenn man sich über ein paar Rennradfahrer so aufregen muss?
  • wenn was kaputt geht ist a) das Material schuld oder b) man hat zu viel Kraft. Ich habe die Feder des Freilaufes zerstört. Jene Feder, welche die Sperrklinken zusammenhält. Es war nicht lustig die Etappe so zu Ende zu fahren.
  • Campagnolo Freilauf ist nicht Campagnolo Freilauf. Was bringt dir ein intakter Freilauf, wenn dieser nicht auf die Nabe passt? Nichts. Statt High Heels bin ich Alu-Heel gefahren.
  • Die Arbeit eines fahrenden Social Media Reporters scheitert an der Sprache. „Bitte mit genügend Abstand hintereinander abfahren, damit ich von jedem ein Foto machen kann“ wurde mit einem kompakten Gruppentreffen in besagter Kehre quittiert. Das nächste Mal vielleicht per WhatsApp Nachricht informieren.
  • Kollektives Leiden ist ein besonderes Leiden. Es tut weh. Doch es tut nicht so weh. Weil es anderen auch weh tut. Kompliment an alle, mit Betonung auf ALLE, welche die Tauernrundfahrt beendet haben. Von den Schnellsten zu den weniger schnellen. Chapeau.
  • Defektteufel sind manchmal auch im Urlaub. Meine Ausgeschlossen. Außer einem Dura Ace Schaltkabel, der sich selbst aufgefressen hat, musste in der schnellen Gruppe kein weiteres Teil einem Defekten weichen.
  • Intimpflege wird überbewertet. Eine Minderheit kümmerte sich nach den Etappen ums Rad. Obwohl in den Hotels Shampoo und Putzlappen zur Verfügung standen. Meine Devise: Zuerst das Rad, dann der eigene Körper.
  • Mach dich immer mit der Topografie der Bergankünfte vertraut! Dann packst du die Jugend mit Taktik. Schlauheit sticht Kraft.
  • Fokussiere dich auf deine Stärken. Und wenn diese im Abfahren liegen, dann fahre ab. Gas geben, bremsen, steuern, Gas geben, bremsen, steuern … Die Mühen der Auffahrt werden so vielfach belohnt. Das Gefühl mit dem kurveninneren Knie a la Valentino Rossi am Asphalt zu streifen ist kaum zu überbieten. Maximal bergauf.
  • Beherrsche dein Rad. Wenn dein Vordermann plötzlich langsamer wird und du mit deinem Vorderreifen beim Ausweichen seitlich seinen Hinterreifen touchierst, darfst du einfach nicht auf die Fresse fallen. Das tut weh. Egal wie, bring dein Fahrrad wieder dorthin, wo es dich verlassen hast. Mir geschehen auf der Auffahrt zur Postalm. Ich weiß nicht wie, aber ich weiß dass ich es geschafft habe, den Asphalt nicht zu küssen. Zuerst links dagegen gehalten, dann rechts. Und als das Fahrrad über das Bankett gesprungen ist, habe ich es wieder zurück geworfen.
  • Adrenalin kann man in Watt umwandeln. An der richtigen Formel und Dosierung bastle ich noch.
  • Eine perfekte Organsiation und Logistik, eine hoch motiverte Mannschaft, ein fachkundiger Mechaniker, eine gelungene Hotelauswahl (von Jungendherberge bis zu ****Hotel) und eine fordernde Streckenauswahl. Ich wurde gut gebettet, versorgt und betreut. Danke.

… Fortsetzung folgt, sofern neue Erinnerungen aufkommen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#trf16 #ketterechts #styliseyourride