Schlagwort: rennrad

Rennradtraining in Istrien. Tag 2.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger.
Rennradtraining in Istrien.

Dobra vecer. Ich melde mich wieder aus Porec. Tag zwei meiner Stippvisite auf der kroatischen Halbinsel. Bei unserem morgendlichen Spaziergang kam uns in den Sinn, am Parkplatz des Hotels das lustige Kennzeichenraten zu spielen. K, VL, SB, OP, G, LL waren uns geläufig. Beim W scheiterten wir. Ich. Woher dieser wohl käme? Eine Ähnlichkeit mit meinem Auto hatte er. Sie.

Alles schien einfach zu sein. So wichen wir auf kroatische Kennzeichen aus. RI, PU, ZG. Ich weiß woher diese Autos kommen. Wisst ihr es? Rijeka, Pula, Zagreb. Bravo!

Tag 2 beginnt mit einem mehr als reichhaltigen Frühstück. Mann, kann man sich da überfressen. Die Pancakes (Eierkuchen – auch Pfannkuchen, Eierpfannkuchen, Palatschinken, Flädle, Eierpuffer, Omelettes und Plinsen genannt) haben es mir angetan. Mit Marmelade, Schokocreme und Honig. Auf einer Tafel steht 70 Kalorien pro Stück. Ohne Belag. Der ist mindestens drei Mal so enegiereich. Mein Kopf rechnet schon die erforderlichen Tageskilometer aus, damit mein Energiehaushalt wieder in die notwenige Balance kommt. So viele Stunden hat kein Tag. Scheiße.

Morgentoilette. Check. Ich bin bereit. Etwas Balasstoff fließt die Kanalisation hinunter. Meine „furia rossa“ ist gesattelt. Die Zügel stramm. Es hat knapp 10 Grad. Ich fahren heute ohne Stirnband. Dafür mit Ketterechts Cap. Ein „schneller UMAG 100er“ steht am Plan. Zusammen mit einigen Trirunnern, meinem alten Triathlon Verein aus Linz, geht es zuerst Richtung Landesinnere. Die Sonne knallt schon ihre Frühlingsgefühle direkt auf uns. Sonnencreme. Wo bist du? Sonnenbrand. Lass dich auf mich nieder. Die Straßen teilweise so neu wie meine Suplest Edge3 Schuhe. Hier rollt der Rubel. Teure Laufräder sind im Vorteil. Dann gibt es wieder Abschnitte, die Rütteln dich und schütteln dich, als wären die Äpfel schon reif. Der Wind bläst uns seitlich in die Frisur.

Ich habe keine Ahnung wo ich bin. Muss es ja nicht wissen. Zum Glück habe ich den Garmin. Dieser schickt mich jetzt nach links in Fahrtrichtung gesehen. Leicht bergab. Die ersten Attacken aus dem Feld. Horst lässt sich nicht bändigen. Der Spassfaktor ist hoch. Wir erreichen die Straße nach Novigrad. Eine lange Gerade trennt das Meer von einer Mündung. Der Wind bläst uns, mir, jetzt leider direkt ins Gesicht. Vorbei an Novigrad geht es Richtung Umag. Diesmal ist der Wind unser, mein, Freund. Leicht abschüssig und mit Rückenwind rollt die Gruppe sehr homogen. Ich vorne. Ab und wann leichtes Murren. Die Asphaltblasen soll ich mit Kette links fahren. Dem Gruppenkarma zuliebe. Ich und Kette links. Ha Ha.

In Umag verdirbt uns eine gesperrte Straße den Routenbrei. Ich bin so ortsunkundig, dass ich die Sperre nicht umfahren kann. So wähle ich die Route nach Buje. Wir kürzen den Track ab. Kurz vor Buje entscheiden wir die Bergwertung Buje zu nehmen. Wir treffen hier zufällig auf Mike. Mike ist am Freitag von Linz zum Loiblpass, am Samstag vom Loiblpass nach Triest und heute morgen von Triest nach Porec unterwegs gewesen. Mike gesellt sich zu uns. Wir sind die einzige Gruppe, bei der einer mehr ankommen wird, als weggefahren sind. Aus Freude, Mike getroffen zu haben, bitten wir ihn, uns Windschatten zu geben. Ha. Ha.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger
Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger

Von Buje bis Novigrad geht es gegen den Wind etwas temporeduziert dahin. In Novigrad wartet dann der wohlverdient Kaffee im Vitirol direkt am Meer. Cappuccino und Americano, dazu Cola, Wasser und ein paar Toasts für die Müderen. Die Sonne schenkt uns Wärme. Nach kurzer Rast die letzen 19 km zurück. In der Gruppe wird es still. Nach 84,1 km sind wir wieder im Hotel. Zwei verlassen uns. Wir wollen den 100er vollmachen. Also weiter Richtung Funtana und Vrsar. Am Ende von Vrsar geht es nochmals bergauf. 7% und 9%. Die Laktatproduktion wird nochmals angetrieben. Nach Exakt 92,1 km drehen wir um. Nebel zieht auf. Es ist jetzt ziemlich frisch. Ich habe Angst, dass die Black Pearle auftaucht und uns Captain Sperrow kapert. Gespenstisch die Stimmung. Am Ende sind es genau 100,9 km. Mission accomplished.

Zurück im Hotel. Duschen und dann ein feiner Spaziergang in die Stadt Porec. Idyllisch der Sonnenuntergang. Groß der Hunger. Mahlzeit. Mann, kann man sich beim Abendessen auch überfressen. Diesmal wähle ich Hühnerspieß und Gemüse. Sonja wählt Risotto mit Meeresfrüchten. Für die gewählte Nachspeisse bräuchte ich 2 GB Speicher. Ich bin voll. Laku noc!

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #istria #croatia #valamarmoments #valamarlovesbike

PS: Istrien ist echt ein Traum für Rennradfahrer.

Rennradtraining in Istrien. Tag 1.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog  und Eventliveblogger.
Istrien – nah genug für Kurzentschlossene.

Man muss im Leben spontan sein. So wie wir es waren. Schnell war das Auto gepackt. Poreč wir kommen. Von Wien sind es gute fünf Autostunden. Wien – Graz – Ljubljana – Poreč. Fast alles Autobahn. Wenig Verkehr und je südlicher wir gekommen sind, desto frühlingshafter die Temperaturen. Start bei minus 2 Grad um 0630 Uhr. Ankunft bei 19 Grad. Im Schatten. Rennradfahrerlunge, was willst du mehr.

Schnell ist eines der vielen Valamar Hotels bezogen und das Rennrad startklar gemacht. Ein Prolog muss es sein. Eine kurze, knackige Einheit. Ich wähle Poreč – Novigrad – Poreč. Knapp 40 km zum Einfahren. Teilweise entlang des Meeres mit Kurzvisite am Hafen. Viele Gleichgesinnte treffe ich unterwegs. Alleingänger und fette Gruppen. Ich bin zum ersten Mal mit dem Rennrad auf Istrien. Aber alles wirkt schnell sehr vertraut. Natürlich habe ich mich informiert. Wie darf man hier fahren. Was darf man hier fahren. Martin von Istra Outdoor hat mich zudem auch noch bestens instruiert. Die Gesetzeslage ist hier sehr kompliziert. Grundsätzlich gilt ein Verbot des Nebeneinanderfahren. Also immer schön brav im Gänsemarsch.

Ich fahre zum ersten Mal seit langem ohne Überschuhe und endlich auch wieder ohne Handschuhe. Meine neuen Suplest Edge3 sehen somit zum ersten Mal das Licht der Welt. Was ein Frühling so alles für Nebenerscheinungen mit sich bringt.

Die 40 km sind schnell heruntergespult. Wie immer im Trainingslager schon am ersten Tag die Sau rauslassen und sich zu Tode strampeln. Zum Glück sind mir die Garmin Vector2 ausgefallen. Meine Werte hätten mich sonst erschreckt. Morgen gibt es neue Batterien, welche ich selbstverständlich bei mir dabei habe. Ich bin ja bestens vorbereitet.

Istrien gefällt mir jetzt schon. Was ich während der Anreise gesehen habe, verspricht nur Gutes. Das Landesinnere mit den vielen Anstiegen. Die Küsten. Der Ucka und der Vojak. Von 0 auf 1400 m.ü.M in 22 km. Ein „must ride“. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Tage. Ihr auch?

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #istria #coratia #valamarmoment #valamarlovesbike

 

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradbog und Eventliveblogger


Kraftausdauertraining mit dem Rennad.

Alternativen von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger
Kraftausdauertraining mit dem Rennrad – freihändig

Die ersten stärkeren Sonnenstrahlen wärmen bereits die Thermoschichten. Der Asphalt ist teilweise schon vom Rollsplit befreit. Die Vögel zwitschern endlich wieder altbekannte Melodien. Die Wiesen haben ihr saftiges grün wiedergefunden. Die Sträucher entledigen sich ihrer Nacktheit. Einzig allein die Bäume ruhen noch. Auch wenn die Knospen zaghaft aus ihrem Winterschlaft erwachen. Die Tage werden länger. Es passiert. Der Winter verabschiedet sich.

Die Zeit des Wintertrainings ist jetzt endgültig vorbei. Während alle anderen auf Mallorca weilen (zumindest empfinde ich das), mache ich mir Gedanken, wie ich meinem monotonen Training etwas mehr Pep geben kann. Lag der Fokus bis dato auf Ausdauer und Kilometer sammeln (selten zuvor hatte ich um diese Jahreszeit schon so viele in den Beinen), fokussiere ich jetzt auf Kraftausdauer. Wo es möglich ist, drücke ich drauf. Lange. Länger. So lange es geht. In der Ebene. Bergauf. Gegen den Wind. Wieder und immer wieder. Zwei bis drei Minuten. Dann wieder Ruhe. Das ganze wiederhole ich. Ein paar PR auf strava sind schon gefallen. Im März. Trotz noch leichtem Übergewicht.

Neu im Programm bei mir ist Kraftausdauertraining bergauf. Freihändig. Aufrecht im Sattel sitzend. Das macht mir echt Spass. Gestern beispielsweise bin ich die gesamt Strecke rauf auf die Sophienalpe (Wien/Mauerbach) so gefahren. Samt Kurven und Kehren. Knapp 20 Minuten für fünf Kilometer. Nicht nur, dass man dabei die Beinkraft stimuliert. Man trainiert so auch Gleichgewicht. Und man erkennt, ob man gut am Rad sitzt oder nicht. Ich sitze zum Glück bombenfest. Danke bikefitting.

Je ruhiger man bei dieser Art den Berg hochzufahren sitzt, desto mehr werden die Oberschenkelmuskeln beansprucht und logischerweise trainiert. Ein paar mal die Hände vorne verschränken verschärft das Ganze noch um ein paar Nuancen. Drücken. Drücken. Drücken. Ziehen zahlt sich nicht aus.

Die Daten, die ich dann über das Cycling Dynamics von Garmin bekomme sind sehr aussagekräftig. Weil rein aus den Beinen getreten. Geschwindigkeit, Trittfrequenz, Leistung (Watt) und die Aufstiegsgeschwindigkeit (VAM) sind ein guter Indikator dafür, in welcher Form ich mich gerade befinde. Mein Radlerherz lacht. Und es pocht.

Cristian Gemmato @_ketterechts
#ketterechts #venividibici #garmin #vector #cyclingdynamics

PS: Freihändiges Fahren ist laut StVo verboten.

15 gute Gründe das Trainingslager zu beenden.

Gedanken von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger.
Alle Jahre Mallorca.

Irgendwann ist immer Schluss. Immer? Nicht, wenn man im Trainingslager ist. Sieben oder zehn Tage müssen bis aufs Letzte ausgenutzt werden. Es geht ja darum, den Daheimgebliebenen von erstrampelten Heldentaten zu erzählen. 1000 Kilometer sind das mindeste. Von den Höhenmetern will ich hier gar nicht schreiben. Die müssen schon fünfstellig sein – mit einer zwei davor.

Je länger so ein Trainingslager dauert, desto größer ist die Anstrengung sich Tag für Tag erneut aufs Velo zu schwingen. Es bedarf ausgeklügelter Motivationskünste, dies wieder und immer wieder zu tun. Ich habe es ja schon erwähnt. 100 km pro Tag sind das mindeste fürs Ego. Die Beine werden hier nicht gefragt.

Wann ist jetzt aber der richtige Zeitpunkt, das Trainingslager zu beenden? Hier die 10 stärksten Anzeichen dafür, dass der Rückflug angetreten werden muss.

  1. Strava löscht dein Profil, wegen zu hohen Datenaufkommens.
  2. Der Restaurantleiter spricht ein Betretungsverbot aus. Für das Frühstücks- und das Abendbuffet.
  3. Hürzeler bekommt Angst um den Zeitwert des ausgegebenen Miet-Rennrades.
  4. Die Strasse zum Cap de Formentor muss wegen dir nochmals neu asphaltiert werden. Das könnte aber wieder 20 Jahre dauern.
  5. In Petra gibt es deinetwegen eine Orangen mehr.
  6. Toursiten bleiben wegen deines Schweißgeruches von der Insel fern.
  7. Dein Handy kann dich beim Selfie nicht mehr schärfen, weil du zu dünn bis.
  8. Der Seitenwind bläst dich deshalb von von der Westküste direkt zu Ostküste. Das bringt einen Strava COM. Unerlaubterweise.
  9. Du kannst dann im Flieger auch gleich auf der Armlehne zwischen Platz A, B und C sowie D, E und F Platz nehmen.
  10. Beim Betrachten des Fotos deines Partners hast du Erinnerungslücken.
  11. Der Betreiber an der Tankstelle Lluc hält bei bestem Kaiserwetter seinen Stammtisch für dich frei.
  12. Du sprichst fließend mallorquinisch.
  13. VOX will dich für die Sendung „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ engagieren. 
  14. In Palma steht ein Denkmal mit deinem Konterfei.
  15. Deine Gesichtshaut ist trockener als die Dörrrzwetschgen am Wochenmarkt von Alcudia.

Ich wünsche eine gute Heimreise.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts 

Achtung Rennrad-Poser. So werdet ihr mit Sicherheit entlarvt.

Gedanken von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger.
Look pro. Go slow.

Sie sind der letzte Schrei. Sie sind die Brotgeber eines ganzen Industriezweiges. Sie sind die unumstrittenen Lieblinge der Marketing- und Werbeabteilungen. Sie lauern auf den Straßen. Sie nutzen jede noch so kleine Chance. Am Berg. Im Flachen. Am Kaffeetisch. Sie sind meist ganz vorne, wenn es ums Äußere geht. Manchmal etwas weiter hinten, wenn es in den Berg geht. Bei einem technischsen Defekt rufen sie schamlos ein Taxi. All das ist ihnen aber egal. Ihr primäres Ziel ist das Imponieren. Sie wollen sich anderen zeigen. Und natürlich sich selbst gefallen. Letzteres muss ganz schön anstrengend sein. Und auch nicht ganz einfach.

Wie erkennt man denn so einen Poser auf der Straße. Was sind seine typischen Erkennungszeichen? Hier eine kleine, selbstverständlich nicht ernst gemeinte Auswahl an Optionen.

  1. Rennrad-Poser klicken an der roten Ampel mit einem Bein aus und warten dann am Oberrohr sitzend auf grün. Natürlich nach der Haltelinie – in Fahrtrichtung gesehen. Das ausgeklickte Bein möglichst weit nach außen gestreckt. Entweder mit beiden Händen am Schalthebel oder noch besser aufrecht mit verschränkten Armen.
  2. Sie greifen am Berg im Pantani Stil an. Stehend. Mit dem großen Kettenblatt. Arme am Unterlenker. Der Blick nach vorne. Das Rennrad deutlich hin und herschwenkend. Dabei verstärken sie den Zug, damit die Wadenmuskulatur richtig zum Vorschein kommt.
  3. Rennrad-Poser beschleunigen bergauf in der Kehre im Stehen so sehr, dass sie am Kurvenausgang durch die Fliehkraft weit nach außen (Gegenfahrbahn) getragen werden müssen. Ein Verbleib auf der gewählten Linie innen würde aufgrund des Tempos und des erforderlichen Lenkereinschlages mit 99,9%iger Wahrscheinlichkeit einen Sturz mit sich ziehen.
  4. Sie fahren ohne Handschuhe. Dafür mit farblich zum Trikot passenden Energiearmbändern.
  5. Ihre Socken sind hoch und farblich aus der Rosa-Familie stammend.
  6. Rennrad-Poser fahren bergauf vorzugsweise mit offenem Trikot. Eine hin- und herpendelnde Goldkette verstärkt deren Kandidatur zum Poser des Monats.
  7. Ihr Rennrad glänzt. Ist nagelneu. Ist nicht das einzige im Keller. Ist teuer. Und stammt aus Italien – made in Taiwan.
  8. Rennrad-Poser fahren Profi Trikots. Maglia Rosa und Mailot Jaune nicht ausgeschlossen. Wobei sehr oft der Radsponsor am Trikot nicht mit dem gefahrenen Velo übereinstimmt.
  9. Sie fahren Schlauchreifen. Haben aber in ihrem Leben noch nie einen solchen geklebt. Noch werden sie jemals einen ordentlich kleben.
  10.  Ihre Trinkflaschen sind aus der Hightech-Kategorie „kühlhaltendundnieschimmelanfälliggeruchsneutralselbstreinigend“.
  11. Rennrad-Poser sind immer die letzten, wenn es darum geht das Fahrrad abzustellen und irgendwo anzulehnen, um sich einen Espresso zu gönnen. Wegen der Kratzer. Offiziell.
  12. Sie tragen ihre Hose immer knapp über dem Bräunungsstreifen. Das Trikot natürlich auch. Ganz so nebenbei. Bräunungsstreifen haben Profi Rennrad-Poser das ganze Jahr.
  13. Vom Auto zum Treffpunkt kommen sie hirnlos, … ähm, helmlos. Dieser hängt schön am Vorbau.
  14. Rennrad-Poser spiegeln sich in jedem Schaufester. Wenn es geht auch in Verkehrsspiegeln. Oder im Garmin Edge 1000 Display.
  15. Sie kennen jederzeit Geschwindigkeit, Kadenz, Höhe, Pulsfrequenz, Leistung und geographische Position. Auf ihrem Garmin Edge 1000 können sie zwischen 25 Seiten und 139 Informationen wählen. In Bruchteilen einer Sekunde.
  16. Die Poser haben ein öffentliches Strava und Garmin Connect Profil. Ihr Profiobild ziert eine Abbidlung in Siegerpose. Irgendwo. Irgendwann. Ihre Profilname sind legendäre Alpepässse gespickt mit Geburtsdatum oder ähnlichem. Wie beispielsweise „Alpdhuez69“.
  17. Bei Großveranstaltungen wie Velothon Berlin oder Cyclassics Hamburg sind sie jene, die man in drei Tagen unter Tausenden von Teilnehmern am öftesten trifft. Meist am selbem Ort.
  18. Sie fotografieren während der Fahrt. Bevorzugtes Motiv. Sie selbst. Wenn das nicht geht, dann helfen sie sich mit „Kannst du schnell ein Foto von mir machen“ aus.
  19. Die Poser alle Poser fahren in ketterechts Panier.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #venividibici #passionenera

PS: Jeder Bezug und Ähnlichkeit zu meiner Wenigkeit ist zufällig. Auch wenn einige Punkte voll auf mich zutreffend wären. Insbesondere Punkt 19.

Achtung Rennrad-Anfänger. Wie man einen Einsteiger sofort entlarvt.

Gedanken von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger.
Jeder hat einmal angefangen.

Jeder hat einmal angefangen. Oder wird es noch tun. Rennrad fahren ist in. Rennrad fahren macht süchtig. Rennrad fahren muss aber auch gelernt sein. Die Aufnahme in den Club der Arrivierten ist schwer. Fehler, Ausrutscher, Fettnäpfchen, Ungeschicklichkeit – schnell ist man als Rennrad-Anfänger entlarvt. Schnell ist die nächste Espresso-Runde fällig. Rennradfahrer sind erbarmungslos und ritualorientiert. Sie wittern. Sie riechen. Sie ahnen. Sie spüren. Sie haben Augen überall. Sie erkennen Rennrad-Anfänger von weitem. Woran? Ganz einfach. An folgenden unübersehbaren Details.

  1. Rennrad-Anfänger haben Ventilkappen. Am Vorder- und Hinterrad. Meist in gelb gehalten. Oder durchsichtig. Die blutigsten Anfänger unter ihnen haben sogar eine Reserve-Ventilkappe mit.
  2. Einsteiger kennen das Wort Farbkombination vom Hören und Sagen, haben leider dessen Auswirkung noch nie am eigenen Leib erfahren.
  3. Ihre Kette ist dunkler als der frisch aufgetragene Asphalt der Straße auf der sie sich gerade versuchen.
  4. Ihre Satteltasche streift am Hinterrad.
  5. Neulinge bremsen bergab.
  6. Novizen posieren stolz mit einem Sigma oder Cat-Eye Fahrradcomputer.
  7. Sie versuchen bereits 100m vor der Ampel hektisch aus ihren Pedalen zu klicken.
  8. Grünschnäbel am Rennrad tragen ein frisches Kettentatoo. Aus Folge von Punkt 3.
  9. Rennrad-Anfänger sind noch keine Meteorologen. Fahren deshalb gegen den Wind nach Hause. Bei Regen.
  10. Ihre Linie gleicht eher der Abbildung eines EKGs.
  11. Ihre vorderer Schnellspanner zeigt nach vorne oder nach unten, ihr hinterer Schnellspanner dienst als Spoiler rückwärts zeigend.
  12. Sie ölen ihre Kette seitlich und oben. Deshalb auch Punkt 3 und Punkt 8.
  13. Rennrad-Anfänger halten ihren Lenker mit dem Zeige- und Mittelfinger. Falls ihre Arme überhaupt dort hin gelangen.
  14. Sie kippen beim Treten jeweils mit dem druckgebenden Bein seitlich vom Rad. Mit der Arschbacke und mit der Schulter.
  15. Ihr Rennrad ist zu groß. Zu klein. Zu billig. Zu schmutzig. Zu alt. Von Trek, Specialized, Cannondale oder Canyon.
  16. Rennrad-Anfänger müssen zum Pinkeln stehen bleiben und vom Rad absteigen. Und das ist auch gut so.
  17. Sie entschuldigen sich bei vorfahrtnehmenden Autofahrern.
  18. Ihr Radtrikot reicht hinten fast zur Sattelstasche und ihre Rennradhose verdeckt leicht die Knie.
  19. Einsteiger fehlen meistens bei der zweiten gemeinsamen Ausfahrt.

Jeder hat einmal angefangen. Es ist also egal wie man es macht. Hauptsache man macht es.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #venividibici #passionenera #lookprogoslow

Der Frühling kommt. Was ziehe ich an? Die Sorgenfalten eines Rennradfahrers.

Gedanken von Ketterechts. Dem Rennradblog und Eventliveblogger.
kurz/kurz, lang/lang, kurz/lang, lang/kurz.

Österreich hat jede Menge Bauernregeln. Italien dafür Rennradregeln. Eine davon besagt, dass unter 20 Grad eine lange Hose getragen werden soll. Ich schreibe jetzt bewusst nicht „muss“. Weil ich weder Arzt bin, noch will ich jemanden maßregeln. Diese Regel kommt auch nicht von ungefähr. Sie hat einen medizinischen Hintergrund. Sagen wir einfach es ist eine Pro-Gesundheit Faustregel. Bei Kälte wird das Knie nicht so gut durchblutet, wodurch die generelle Beweglichkeit leidet und der Knorpel eher geschädigt werden kann, als bei angenehmer Wärme. Eine kurze Bekanntschaft mit Eis und Kälte ist nur in der Therapie Heilmittel. Mit Betonung auf kurz.  Das gilt auch für alle anderen Gelenke. Der allererste wärmere Tag muss also nicht gleich jener sein, bei dem die kurze Hose und das kurze Trikot eingeweiht werden. So wie gestern. Im Wiener Becken hatten wir föhnbedingt 20° plus. Ich war natürlich mit dem Rennrad unterwegs. So wie andere auch. Einige davon eigentlich genau so wie im Hochsommer. Mit dem Unterschied, dass deren Beine und Arme schneeweiß waren. Mit auffallend großen roten Flecken. Liebe Grüße vom Rheuma.

Wie gesagt. Ich bin kein Arzt. Ich hänge nur an meiner Gesundheit und an meinen Knie. Es kann also nie zu warm sein. Gestern noch trug ich meine Thermo Langhose. Sie war perfekt. Sollten sich diese warmen Tage wiederholen, dann kann ich die Thermo Hose behutsam mit einer leichten Lycra-Leggins ersetzen. Diese trage ich dann unter der Radhose. Die Leggins stört nicht. Reibt nicht. Sie hält mich warm, ohne dass mir heiß wird. Die kurze Hose allein kann noch warten. Da habe ich keine Eile. Übrigens: im Velodrom bin ich auch einer von wenigen, die mit langer Hose (Leggins unter der Radhose) fahren. In der Halle hat es im Schnitt 19°/20°.

Ich weiß, dass das Kälteempfinden eine subjektive Anglegenheit ist. Deshalb soll auch jeder das tragen, was für ihn am passendsten ist. Solange die Styling-Regeln eingehalten werden. Styling ist ja neben der Gesundheit das wichtigste Kriterium beim Rennrad farhen.

Erlaubt ist, was gut aussieht:

  • kurze Hose/Kurzarmtrikot (dann, wenn es draußen wirkich warm ist)
  • kurze Hose/Langarmtrikot dünn
  • kurze Hose/Kurzarmtrikot mit Ärmlingen
  • lange Hose/Langarmtrikot (auch dick)
  • kurze Hose mit Leggins oder Beinlingen/Langarmtrikot
  • kurze Hose mit Leggins oder Beinlingen/Kurzarmtrikot mit Ärmlingen
  • Übersocken 
  • Windweste darüber – je nach Bedarf und Kälteempfinden

Verpöhnt ist, was nicht gut aussieht:

  • lange Hose/Kurzarmtrikot
  • kurze Hose/Softshell Jacke (in der Regel übergroß)

Eigentlich ganz einfach, oder? Gerne könnt ihr eure Meinung dazu kundtun.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#rideinstyle #ketterchts #venividibici

Die am häufigsten gestellten Fragen rund um das Rennrad fahren.

Gedanken von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger
Fotocredit: fotolia

Immer wieder dieselben Fragen. Immer wieder dieselben Antworten. Gespräche zwischen RennradfahrerInnen und dem Rest der Welt haben eine kaum unüberhörbare Monotonie. Das Wiederholungspotential ist sehr hoch. Zumindest empfinde ich es so. Kaum ist das Thema angesprochen, muss ich mich in der Beantwortung gleichklingender Neugier (hauptsächlich ist es aber Unkenntnis) höflichst dulden.

Aus diesem Grund habe ich die 10 am häufigsten gestellten Fragen rund um das Rennrad fahren zusammengefasst. Mit der passenden Antwort. Falls sie auch einmal in die Situation kommen sollten, sich rechtfertigen zu müssen.

    Tut dir nie der Hintern weh, wenn du auf so einem schmalen Sattel sitzt? 
    Nein. Der Hintern tut nicht weh. Vielleicht am Anfang. Ein klein bisschen. Zumindest nicht weniger, wie wenn ich zwei Stunden im Auto sitze. Oder auf einem Stuhl während einer Besprechung, bei einem Flug oder vor der Glotze. Auch das Rasieren des Allerwertesten kurz vor einer Ausfahrt kann dazu führen, dass man da und dort schon Schmerzen verspüren könnte. Speziell dann, wenn sich die kleinen abgeschnittenen Häarchen in Reibung mit der Haut verkeilen, um sich dann wenig später unter der Oberhaut zu entzünden. Schmerzen kann auch ein zu dicker, weicher und breiter Sattel verursachen. (Achtung: die letzte Aussage kann den Fragenden zu einer Gegenfrage auffordern: Was? Wie? Verstehe ich nicht?)

    Wie lange und wie oft musst du so trainieren ?  
    Ich muss nie trainieren. Ich will trainieren. Am liebsten jede freie Sekunde. Vor dem Frühstück. In der Mittagspause. Nach der Arbeit. Bis in die Nacht hinein. Am Ergometer oder draußen im Freien. Auf dem Weg zum Familienessen. Am Rückweg vom Familienausflug. Wenn die Kinder schlafen. Wenn die Famile schläft. Wenn sie beschäftigt ist. Wenn sie mir frei gibt, weil ich schon unausstehlich bin. Wenn andere auf Mallorca weilen. Wenn die Waage es fordert. Wenn die Muskeln es verhindern wollen. In Summe aber eh nicht lange und nicht oft. Nur regelmäßig.

    Wird man durch zu viel Radfahren nicht impotent? 
    Keine Ahnung. Ehrlich. Ich behaupte mal nein. Ich selber habe 2 Kinder. Auch sonst läuft es. Gut und regelmäßig. Und somit bin ich wohl nicht repräsentativ. Reicht das?

    Hat du sonst noch andere Hobbies? 
    Ja. Rennrad ist ja nicht alles auf der Welt. Es gibt viele andere Möglichkeiten, die Freizeit sinnvoll zu nützen. Ich fahre zum Beispiel auch Fixie auf der Holzbahn im Velodrom. Im Kreis. Stundenlang. Außerdem nehme ich oft das MTB meiner Freundin und mache die Wälder unsicher. Jäger jagen uns so. Wenn das alles nicht geht, dann schraube ich gerne an meinem Rennrad, suche im Internet nach neuen Custom-Made Einzelteilen oder schnuppere und fachsimple bei den Radhändlern vor Ort. Zwischendurch blogge ich auch. Übers Rennrad fahren. Manchmal trifft man mich auch mit dem Gartenschlauch beim Reinigen meiner Räder. Ach ja. Ein weiteres Hobby von mir ist Strava.

    Stimmt das, dass man sich die Beine rasieren muss? 
    Müssen tut man nur sterben. Früher oder später. Das hat meine Mutter auch immer gesagt. Mann soll sich aber die Beine rasieren. Schaut nicht nur gut aus, sondern ist zudem äußerst hilfreich. Dann, wenn man einen Asphaltausschlag hat. In der Wunde verklebte Haare sind neben Schmutz und Unreinheiten, Infektionsgefahr Nummer 1. Auch der Masseur freut sich, wenn er sich beim Kneten nicht erst durch einen Urwald kämpfen muss, um die Faszien und Muskelfasern zu erreichen. Auf alle Fälle sollte man sich die Beine rasieren, um gut auszusehen, Danut die Formbräune und die Muskeln noch besser zur Schau gestellt werden können. Mit Eitelkeit hat das überhaupt nichts zu tun.

    Wieviel kostet denn so ein Fahrrad? 
    So ein Fahrrad kostet immer zu viel. Zumindest jenes, welches man gerne haben würde. Und da es mit einem Rennrad allein selten getan ist, kostet das Zweite erst recht zu viel. Will man sich ein Drittes kaufen und eventuell das Erste verkaufen, bekommt man dafür meistens zu wenig.

    Fährst du auch Rennen? 
    Ja. Nur. Ausschließlich. Denn jede Ausfahrt ist ein Rennen. Ein Rennen gegen die knappe Zeit, ein Rennen gegen sich selbst in Form des virtuellen Partners, ein Rennen gegen jene die Mitfahren und nichts davon wissen, ein Rennen gegen den öffentlichen Verkehr, ein Rennen gegen Mopeds, Traktoren, LKW’s, Straßenbahnen und Autobusse. Manchmal mache ich auch so Radmarathons.

    Ist dein Rad aus Carbon?
    Ja, weil Gold kann ich mir leisten. So wie alle weiteren Teile aus Carbon sind. Sattelstütze, Vorbau, Lenker, Krubel, Bremsen, Laufräder, Trinkflaschenhalter, Sattel. Man gönnt sich ja sonst nichts.

    Könntest du mit den Profis mithalten? 
    Ja. Kurz. Sehr kurz. Wenn alle einen schlechten Tag haben und sich gemeinsam darin verständigen, mich einfach gehen zu lassen, vielleicht auch etwas länger. Kurz länger. Bis einer von denen ein klein wenig aufs Gas drückt. Ja. Ich könnte.

    Gehen wir mal gemeinsam Radfahren? 
    Natürlich. Warte ich schau, wann ich meine Regenerationswoche habe. Da darf ich nicht schnell fahren. Ich strample dann vorher mein Trainingsprogramm ab und wir treffen uns anschließend. Locker Ausfahren mit dir. Ok?

    Cristian Gemmato aka @_ketterechts
    #venividibici

    PS: Falls ich gefragt werde, wo ich meine Radbekleidung kaufe, dann verweise ich natürlich auf meine Webseite.

    Fahrradhandel vs Internet. Ist das ein fairer Kampf?

    Gedanken von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger.
    Fahrradhandel vs Internet. Fair oder unfair?

    In meinem letzten Beitrag hier im Rennradblog habe ich mir der Passage „Ich selber kaufe beim Händler, aber auch im Internet. Natürlich ist es zu begrüßen, wenn sie einen lokalen Händler aufsuchen. Beratung und Betreuung von Ort sind ein großes Plus. Dass sie damit auch sozial Gutes tun, sollte ihnen bewusst sein.“ einen wunden Punkt getroffen. Einen Punkt, welcher wohl schon länger blutet. Immer weniger Händler und immer mehr Internetanbieter. Ist der Fahrradfachhandel noch zu retten oder bereits tot? Gute Frage.

    Ein Beispiel. Vor knapp 2 Wochen war ich auf der Suche nach Neopren-Überschuhen. Ich hatte noch kein Vertrauen in den sich ankündenden Frühling und rechnete mit noch ein paar kalten Rennradausfahrten. Mein erster Gedanke galt natürlich dem Fahrradfachhandel. Ich besuchte mehrere Geschäfte (Namen möchte ich an dieser Stelle fairerweise nicht nennen) in Wien. In allen (es waren vier an der Zahl) musste ich enttäuscht den Heimweg antreten. Das von mir Gesuchte, war nicht vorrätig. In Größe, Modell, Material und Farbe. Natürlich hätte ich jetzt weitere Geschäfte abklappern können. In einem (welches?) wäre ich mit Sicherheit auch fündig geworden. Oder? Ich habe mich dann halt für die Variante Internet entschieden. Zuerst googlen, dann stöbern und zum Schluss bestellen. Ich habe ein Produkt bei einem Internetanbieter bestellt. Mit der Option die Ware im Shop abzuholen (spart nicht nur die Versandkosten, sondern lässt auch die Möglichkeit eines raschen Umtausches bzw. einer raschen Rückgabe offen). Nach 3 Tagen die Nachricht, dass die Ware nicht lieferbar ist. Punkt. Ok. Nochmals googlen, stöbern und anderswo bestellen. Nach 3 Tagen hatte ich mein gewünschtes Modell in der gewünschten Farbe und Größe. Es hat sofort gepasst. Ganz ohne „lokalem Händler vor Ort.“

    Vielleicht ist das jetzt ein krasses Beispiel und unglückliche Umstände haben dazu geführt. Vielleicht auch nicht. Möglicherweise ist das auch das Dilemma der Branche: Problemlösungskompetenz (sorry für diesen holprigen Fachbegriff). Übersetzt: man hat wenig Interesse, ein Problem zu lösen. „Hamma ned“, „Kriagma ned“, „Gibs nimma“ … Sortiment und Auswahl sitzen jetzt wohl auf der Anklagebank. Zu Recht?

    Kurt Stefan von Veletage – Salon für Radkultur – hat mir bezogen auf meinen bereits erwähnten Blogbeitrag folgende Zeilen geschrieben: „Beim lokalen Händler zu kaufen ist weniger ein sozialer Akt, als eine bewusste Entscheidung für Beratung, Erlebnis und die Möglichkeit anzugreifen und zu probieren, was ich kaufe. Wem das etwas wert ist, der sollte beim lokalen Händler kaufen. Wem das nichts bedeutet, der kann bedenkenlos im Internet kaufen.“

    Genau dieses „Erlebnis und die Möglichkeit anzugreifen und zu probieren was ich kaufe“, wäre die Stärke des Handels vor Ort. So weit so gut. Und schön. Aber was ist, wenn das was ich kaufen möchte nicht vorrätig ist? Ok, kann passieren. Kein Fachhändler kann stets durchsortiert sein. Vorfinanzierung, Lagerhaltung … das alles kostet Geld. Was ist dann? Warten? Wiederkommen? Alternativen kaufen, die man nicht haben will? Sieht so Einkaufserlebnis aus?

    Ich habe ganz erhlich leicht schreiben. Muss kein Geschäft führen und sehe alles sehr pragmatisch. Aus Kundensicht. Meine Sympathien für den Fachhändler kann und will ich aber nicht verleugnen. Fachsimpeln, Kaffee trinken, schauen, gustieren. Geil werden. Herrlich. Ich denke, dass viele andere auch so ticken wie ich. Das alles habe ich beim Kauf über das Internet nicht. Zumindest nicht kombiniert. Also liebe Fachhändler. Es ist eure Aufgabe, uns Kunden emotional zu wecken. Uns ein Einkaufserlebnis zu bieten. Es ist nicht eure Aufgabe mit uns Verstecken zu spielen. Uns mit Ausreden abzuspeisen. Wir wollen aktive Fachhändler. Fachhändler die agieren und nicht reagieren. Wir wollen, dass unsere Problemchen gelöst werden. Wir schieben den Ball zu euch. Nehmt ihn auf und schießt ihn nicht einfach wieder zu uns zurück. Holt uns in euer Geschäft.

    Lieber Fachhändler. Wir Kunden sind heute viel informierter. Wir sind Gscheid-Daherredner, die zeigen wollen, was sie alles wissen. Wenn ihr weniger wisst, wie wir, dann wird es schwierig mit uns. Hört uns einfach nur zu, statt selber zu reden. Wir sind teilweise stur und fixiert. Ihr aber auch. Keine gute Kombination. Seid klug und gebt nach. Fragt uns ohne uns etwas einreden zu wollen. Führt uns. Was tausende andere schon gekauft haben interessiert uns nicht. Wir wollen was eigenes. Unseres. Macht uns Massenware einfach individuell schmackhaft. Es interessiert uns nicht, was ihr selber schon alles als Rennradler oder Biker erreicht habt. Wir wollen was erreichen. Wir wollen schneller werden. Wir wollen schöner sein. Uns interessieren keine aalglatten Werbesprüche oder Verkaufsschulungsargumente. Auch ist es für uns völlig irrelevant, ob ihr ein Prodoukt bereits hunderte Kilometer gefahren seid. Wir sind jene, die das Produkt fahren wollen. Am besten gleich. Jetzt. Montiert. Serviciert. Geschmiert. Wir wollen was anziehen. Wir wollen was herzeigen. Wir wollen das Gefühl haben, dass ihr unser Geld gerne haben wollt. Dass ihr uns als den Lieblingskunde behandelt.

    Wir wollen nicht im Internet kaufen. Manchmal müssen wir aber. Und das liegt nicht an uns.

    Cristian Gemmato aka @_ketterechts

    PS: Kurt Stefan hat mir in seinem Schreiben auch folgendes geschrieben. Und ich stimme ihm dabei voll und ganz zu: „Was wir aber ächten sollten ist: Beim Händler unentgeltlich Beratung konsumieren, Schuhe probieren, nachfragen, welche pads bei welchen Felgen am besten bremsen, und dann im Internet kaufen. Das ist schlicht und ergreifend Diebstahl. Denn wie bereits gesagt, die Beratung und die Möglichkeit, das Produkt in natura zu begutachten, ist Teil des Produkts, das ich beim lokalen Händler kaufe. Wenn mir das was Wert ist, sollte ich dafür auch etwas bezahlen.“