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Mit dem Rennrad rund um Wien – Vienna Roundabout.

mit dem Rennrad rund um Wien

Wien ist groß, Wien ist anders, Wien ist anstrengend. Nein, nicht die Stadt. Die auch. Manchmal. Es ist anstrengend, wenn man mit dem Rennrad rund um Wien fahren will. Nicht in Wien, nicht durch Wien, sondern ein Mal rundherum ohne dabei das Stadtgebiet zu betreten. Dann sind es nämlich knapp 100 Meilen oder wie am vergangenen Samstag exakt 158 km. „Roundabout Vienna“ heißt dieser Spass, den eine noch überschaubare Anzahl an „Velocisti“ über sich ergehen hat lassen. Freiwillig. Versteht sich von selbst. Von Mödling bis Mödling. Durch den Wienerwald, das Marchfeld und zwei Mal über die Donau. Bei am Ende traumhaftem Herbstwetter. Die erschöpften Gesichter strahlten am finalen Checkpoint Hofer-Filiale mit der tiefstehenden Sonne um die Wette.

Viagra für die Rennradfahrer-Seele.

Die Route rund um Wien bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Highlights. Wie beispielsweise die zweimalige Überquerung der blauen Donau. Einmal mit der Rollfähre von Klosterneuburg Richtung Bisamberg und ein zweites Mal bei Orth an der Donau mit einem Behelfsboot nach Haslau. Erstere ist wenig spektakulär und recht solide. Nebelunfälle ausgeschlossen. Zweitere hingegen ist wohl von der Gattung „Stoßgebet“. Hier steuert der Kapitän 10 Räder samt Fahrer knapp über der Wasseroberfläche je nach Wellengang und Strömung irgendwo ans andere Ufer. Mit Spritzgarantie. Es empfiehlt sich, vorher ein schnelles Telefonat mit dem Liebsten zu führen und die eigenen Koordinaten für eine eventuelle GPS-Suche freizugeben. Man weiß nie. Blindes Vertrauen ist eine Sache. Die vielen Strudel und die aus dem Wasser herausragenden Steine eine andere.

Mit dem Rennrad rund um Wien

Testament schreiben und abschicken.

Nach drei Überfahrten und kollektivem Wandertag über Baumstamm und Stein Richtung „Austria next Top Asphalt“, war das Teilnehmerfeld wieder komplett und zur Weiterfahrt bereit. Die Wartezeit hätte für ein Lagerfeuer und saftige Steckerlfische gereicht. Statt dessen gab es eine kostenlose Apache-Hubschrauber-Show. Diese Stahldinger sind ziemlich laut. Speziell dann, wenn sie einem auf Augenhöhe begegnen.

Mit dem Rennrad rund um Wien.

Wessen Ideen es war, Wien so zu umrunden, weiß ich nicht. Auf alle Fälle eine gute und geniale Idee. Es war heuer meine dritte Teilnahme. Von sechs. Seit Siggi dieses „end-of-summer“ Großereignis in die Hand genommen hat, fahre ich mit. Bin quasi Wiederholungstäter-Light.

Roundabout Vienna ist kein Rennen. Dafür eine gemeinsame Ausfahrt mit Freunden. Teilweise mit Renncharakter. Wenn der Wind von hinten schiebt, geht vorne meistens die Post ab. Wind aus Nordwest ist dabei die beste Konstellation, die man sich auf dieser Runde wünschen kann. Dann vergehen die 50 km nördlich der Donau mit einem Schnitt jenseits der 30 km/h. Anders geht es auch. Bei starkem Ost- oder Südwind muss man ganz schön schwitzen, um nicht vom Rennrad zu fallen.

Diesmal war das Wind-Glück auf der Seite der Mutigen, die sich um 9 Uhr am Treffpunkt gezeigt hatten. Einige trotz kühler Temperaturen im einstelligen Bereich optimistisch (oder eher hartgesotten) im Sommer-Dresscode.

Mit dem Rennrad rund um Wien

Roundbaout Vienna – der Track.

Die Wiener Rennrad-Szenerie.

Mit dem Rennrad rund um Wien bedeutet auch, fast alles zu sehen, was die Stadt für Rennradfahrer bieten kann. Außerhalb der Stadtgrenze. Sanfte Anstiege im Wienerwald, teilweise verkehrsarm und in gutem Zustand. Den höchsten Punkt auf 525 Metern in Hochtorherd – die Cima Coppi. Die Atemberaubende Fernsicht am Tulbinger Kogel. Flache, windanfällige Passagen, Querfeldein-Spaziergänge nach den Landung in Haslau und die dortige Hölle. Keine ganz normale Berggasse, sondern die Berggasse. Sie lässt die Herzen höher schlagen und deckt unverschämt auf, wer über den Sommer gut trainiert hat. Oder wer rechtzeitig die richtige Übersetzung wählen kann. Einmal Absteigen heißt hier, Rennrad schieben.

Roundabout Vienna lässt sich in der Gruppe gut bewältigen. Die Möglichkeit sich taktisch zu verstecken und mitzurollen ist gegeben. Zum Glück gibt es immer welche, die gerne im Wind fahren wollen und sich in den Dienst der Gruppe stellen. Kritisch wird es nur, wenn da und dort das Rennfahrer-Herzblut durchgeht oder auch die Disziplin auf der Strecke bleibt. Schnell sind da ein paar „Löcher“ offen, die man schließen muss.

 

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Biketanic. #bikemovie #ketterechts #cyclingexplorers #fromwhereiride #lifebehindbars #cycling #cyclingapparel #inloveonbike #donube #roundaboutvienna

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Disziplin ist auch das Zauberwort. Wenn knapp 30 Velocisti die Straßen rund um Wien belagern, ist Ordnung geboten. Eine schöne und saubere Zweierreihe ist schon einmal der Anfang. Denn immer noch nicht ganz bei den Autofahrern durchgedrungen ist die „Erlaubnis„, dies tun zu dürfen.

Ungezwungen und miteinander Wien umrunden.

„Roundabout Vienna“ spiegelt sehr die Wiener Rennradszenerie wider. Sie ist ein ungezwungenes Miteinander. Und sie wächst. Bereits im April 2015 habe ich darüber einen Beitrag geschrieben. Seit dem hat sich vieles getan. Die Familie ist größer geworden. Aus ehemaligen „Facebook Gruppen“ sind „Racing Divisions“ geworden. Professionell. Mit Altersklassen-Staatsmeistertiteln und dergleichen. Dank der sozialen Netzwerke findet Mann und Frau sich in und rund um Wien da und dort zu einer gemeinsamen Ausfahrt. Oft auf Initiative einiger Unermüdlicher. Egal wie lange und egal wie weit: Hauptsache Rennrad fahren. Mit oder ohne Pausen für Kaffee und Kuchen.

Mit dem Rennrad rund um Wien.

Keine Ausfahrt ohne Kaffee und Kuchen.

Wien ist groß, Wien ist anders und Wien hat das gewisse Rennrad-Etwas. Glücklich, wer den Rennradsport hier leben kann. Auch wenn es manchmal nicht so einfach ist. Aber das wäre wieder eine andere Geschichte. Passend zur Wiener-Melancholie eine fast perfekte „Raunzer-Geschichte“.

ktrchts

PS: Mit dem Rennrad rund um Wien – 7th Roundabout Vienna 2019, am letzten Samstag im September. Oder so. Je nach Wetter. Und Wind.

Der Ötztaler Radmarathon 2018. Für eine Handvoll Lycra.

Der Ötztaler Radmarathon

Kühtai. 2.017 Meter hoch. Es ist kurz vor 9 Uhr. Die Wolken hängen tief. Das wunderbare Bergpanorama versteckt sich hinter einem düsteren grauen Schleier. Ungetrübt ist hier oben am Berg zu diesem Zeitpunkt nur die Stimmung. Fans und Betreuer hüpfen, klatschen und schreien. Nicht wegen mir. Vielleicht wegen der knapp 5° feuchtkalten Temperaturen. Es regnet. Nein, es schüttet mittlerweile. Entgegen aller Wetterprognosen. Diese waren die vergangenen Tage eine Achterbahn der Gefühle mit Happy End in Gestalt von Wetterfee Lisa Brunnbauer. Ihre Worte bei der Fahrerbesprechung fühlten sich an wie eine hochsommerliche Brise inmitten des in Sölden heimgekehrten Winters. Die Worte „trocken“ und „Aufhellungen“ genügten, um massenweise ganze Felsbrocken von den Herzen der 4.112 auf Erlösung Wartenden fallen zu lassen. Trotzdem wird der Ötztaler Radmarathon 2018 in seiner 38. Auflage als einer der härtesten in die Mythologie eingehen.

Das einzig Sichere am Wetter ist die Unsicherheit.

Übers Wetter reden viele. Beim Ötztaler Radmarathon alle. In diesem Jahr noch mehr. Auslöser war die Großwetterlage. Seit Wochen ist die Entwicklung bekannt. Hitzeschlacht wird es keine. Der Hochsommer hatte sich pünktlich verabschiedet. Schnee? Regen? Kälte? Die verschiedensten Wetter-Apps schwanken zwischen allem, was für eine Prognose zu Verfügung stehen kann. Niemand will sich festlegen, niemand kann sich festlegen. Spannend. Speziell. Unsicher. Im kleinen Bergdorf Sölden fast am Ende des Ötztals gibt es schon Wartelisten für Regenüberschuhe und Handschuhe. Das einzig Sichere am Wetter ist die Unsicherheit. So stehen um 6:45 Uhr Optimisten, Pessimisten und ich gleichermaßen gespannt am Start. Noch ist es trocken. Irgendwo und irgendwann werden wir nass werden.

Der Ötztaler Radmarathon

Lukas Ennemoser © Ötztal Tourismus

Die Startvorbereitung wie immer ein Stelldichein Prominenter und Hobbyisten. Die einen werden persönlich begrüßt, die anderen verschwinden anonym in der Masse knalliger Regenjacken. Der frühe Vogel fängt den vordersten Startplatz. Wer zuletzt kommt, der steht hinter der 1000m Marke an der Talstation der Gaislachkogelbahn. Noch 10 Sekunden bis zum Start. Zweisprachige Moderation aus allen Lautsprechern. Der TV-Hubschrauber kreist. Ein lauter Knall und das Feld bewegt sich neutralisiert von vorne nach hinten über die Zeitnehmungsmatte bei km 0. Ab hier beginnt der Traum über 4 Pässe und 5.500 Höhenmeter.

Der Ötztaler Radmarathon. Ein ambivalenter Mythos.

Und es beginnt das Unverständnis. Darüber, was an „neutralisiert“, „StVO“, „Rechts fahren“ aber auch an „Müll wegwerfen verboten“ schwer zu verstehen ist. Vor allem dann, wenn von der Organisation und der Rennleitung eine Sperre von zwei Jahren angedroht worden ist. Bei der verpflichtenden Fahrerbesprechung in der Freizeit-Arena. Dreisprachig. Deutsch, italienisch und englisch. Schade. Das passt so gar nicht zum Mythos Ötztaler Radmarathon. Ein perfekt organisiertes Fest. Eine Traningsfahrt mit 4000 Freunden. Es ist erstaunlich, was intelligente Menschen bereit sind, beispielsweise auf den ersten 20 km eines 238 km langen Rennens zu riskieren. Gesundheit, Material, das eigene und das Leben anderer. Dieses Mal waren es nicht nur ein paar wenige schwarze Schafe, sondern eine ziemlich große Herde.

Das ist die Sucht nach Anerkennung. Alle wollen und müssen immer höher, schneller und weiter. Schade. Diese Entwicklung ist nicht gut. Der Ötztaler Radmarathon hat sich das nicht verdient. Wie auch nicht den ganzen Müll, der außerhalb der dafür vorgesehenen Zonen, direkt auf oder neben der Straße weggeworfen wird. Danke an all jene, die nach dem Rennen die Sauereien dieser in einer anderen Welt lebenden Esel einsammeln und richtig entsorgen.

Ricardo Gstrein © Ötztal Tourismus

Schwimmen statt Rennardfahren.

Endlich habe ich den ersten Anstieg zum Kühtai überlebt. Mit den anderen mache ich mich auf eine nasse und kalte Abfahrt durch das Sellrain gefasst. Die Optimisten fahren immer noch mit kurzer Hose. Die Pessimisten und ich sind halbwegs eingepackt. Zittern aber trotzdem. Es ist so kalt, dass mir Nacken und Kiefer steiffrieren. Die Sicht äußerst eingeschränkt. Meine Bremsen im Dauereinsatz. Links und rechts fliegen die schwarzen Schafe an mir vorbei. Der Schutzengel habe sie lieb. Ich stelle mir zu Recht die Sinnfrage. Finde aber keine Alternative, um nach Sölden zurückzukommen. Die ersten Besenwagen stehen erst am Brenner.

Die Laune des Wetters schlägt hier voll ein. Lisa Brunnbauers Worte vom Vortag klingen jetzt mehr nach PR-Gag und Einladung, doch an den Start zu gehen. Bis weit nach Innsbruck fahren wir nicht Rennrad. Wir schwimmen ohne aufzuschwimmen. Kanaldeckel, Zebrastreifen und Bodenmarkierungen werden zu natürlichen Feinden. Einige hissen bis hierher bereits die weiße Fahne. Ich fahre für eine Handvoll Lycra weiter auf den Brenner. Das Schwimmen habe ich ja bereits im Hotel dieBerge üben können.

Leiden und beißen und das Verlangen nach Schmerz.

Erinnerungen werden wach. 2003 und 2013 war es ähnlich extrem. Damals war von Schauerneigung am Nachmittag aber keine Rede. Leiden und beißen. Diesmal würde das Ende ins Wasser fallen. Und das tat es auch. Auch wenn für viele unterschiedlich. Trocken, nass, nass, trocken. Brenner, Sterzing, Jaufen, St. Leonhard, Schönau, Timmelsjoch, Sölden. Eine Willensprüfung folgt der anderen. Im Dreivierteltakt geben sich Herbst und Winter die Klinke in die Hand. Anziehen, ausziehen, überziehen. Der Ötztaler Radmarathon 2018 wird auch deshalb seinen Platz in der Hall of Fame finden. Viele nutzen das Hinterlegungsservice. Haben sich am Samstag strategisch oder einfach zockend für einen blauen, grünen, orangen oder rosa Beutel entschieden. Kühtai, Brenner, Jaufen oder Timmelsjoch. Wo soll trockene Kleidung platziert werden? Aufgrund des Andrangs am Jaufen, hat dieser das große Los gezogen. Mir ist es mittlerweile egal. Nass ist nass und wird sich auch nicht ändern.

Der Ötztaler Radmarathon

Ricardo Gstrein © Ötztal Tourismus

Am Ende sollen es knapp 600 Fahrer nicht geschafft haben, das Ziel in Sölden zu erreichen. Sie werden es wieder probieren. So wie es jeder nochmals probieren will und muss. Der Ötztaler Radmarathon macht süchtig. Fährt man von hier zurück nach Hause, gibt es immer irgendeine offene Rechnung, die man begleichen muss.

 

Jeder Ötztaler ist anders. Aber immer gleich hart.

Meine Erkenntnis nach der bereits 12. Teilnahme ist nicht überraschend. Jeder Ötztaler Radmarathon ist anders. Aber immer gleich hart. Dieses Jahr war die Abfahrt vom Jaufenpass im Nebel ein Novum. Fünf bis zehn Meter Sicht. Ein Sturzflug im freien Fall. Ohne Anhaltspunkte. Ohne Bremspunkte. Niemand kann von Langweile sprechen, wenn man sich Jahr für Jahr das freiwillig antut. Und dabei noch eine Startgebühr bezahlt. Dass jeder einzelne der 238 km diese Startgebühr wert ist, wäre eine andere Geschichte.

Der Ötztaler Radmarathon

© sportograf.de

Eine von vielen Geschichten, welche der Ötztaler Radmarathon haufenweise schreibt. Jene über die 1000 freiwilligen Helfer. Auch sie stehen stundenlang an der Strecke. Ohne zu jammern. Die Geschichten über die Exekutive, die Feuerwehr, die Sanitäter, die Rennleitung. Ohne sie wäre nichts möglich. Und natürlich die persönlichen Geschichten jedes einzelnen Teilnehmers. Von den Siegern Laila Orenos und Mathias Notgegger bis hin zum Letzten, der nach 13 Stunden und 25 Minuten Sölden wieder erreicht hat. Helden sind sie alle.

Inzwischen befinde auch ich mich auf den letzten Kehren Richtung Tunnel kurz vor der Passhöhe am Timmelsjoch. Es ist ruhig. Die Zuschauer verständlicherweise irgendwo im Warmen. Dank Livestream und Internetübertragung auch kein Wunder. Die Strecke vom Tunnel zum Pass gleicht mittlerweile einer gut ausgebauten Autobahn. Es rollt, obwohl es immer noch leicht bergauf geht. Einer der insgesamt vier Pacemaker winkt mich am höchsten Punkt auf 2.474m durch. „Locker unter 10 Stunden“. Wieder verzichte ich auf’s Umziehen, Anziehen und Überziehen. Ich will nur noch ins Tal. Abfahrt, Kompression, Gegenanstieg Mautstelle, Abzweigung Obergurgl, Zwiestelstein, Sölden, Ziel. Und dann direkt in die Badewanne, wo ich gut 20 Minuten auftaue. Auf die Sauna habe ich verzichtet. Das hätte mir mein Kreislauf übel genommen.

Der Ötztaler Radmarathon

Lukas Ennemoser © Ötztal Tourismus

Mindestens einmal sterben ist normal.

Hart. Härter. Ötztaler. Keiner schafft den Ötztaler, ohne nicht mindestens einmal an der Strecke zu verzweiflen. An sich zu zweifeln. Am Material zu scheitern. Das Thema Übersetzung kommt 365 Tage im Jahr im Zusammenhang mit dem „Ötzi“ gleich nach dem Thema Wetter. Mindestens ein Mal sterben ist hier normal. Der Ötztaler ist und bleibt eine Obsession. Das Überqueren der Ziellinie ist eine gewaltige Erlösung. Eine Explosion an Gefühlen. Ein Sprung in die Unsterblichkeit. Hier weinen gestandene Männer. Das Tragen des Finisher-Trikots ist ein Balzen auf müden Beinen. Blicke anziehen, Gratulationen entgegennehmen, vieles vergessen, um gleich neue Pläne zu schmieden. Für 2019. Denn nach dem Ötztaler ist vor dem Ötztaler. Und es gibt noch jede Menge offener Rechnungen.

ktrchts

Ergebnisse hier.
Bilder Ötztal Tourismus: hier

*aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

Bergfahren mit dem Rennrad. Gedanken eine Flachländerin.

Bergfahren mit dem Rennrad

Ich bin eine Flachländerin. Aufgewachsen und verwurzelt in der Pannonischen Tiefebene. Endlose Weiten. Sanfte Hügel. Er ist ein Bergmensch. Aufgewachsen in den Dolomiten. Hohe Berge. Karge Spitzen. Dünne Luft. So unterschiedlich wie unsere Herkunft auch unser Zugang zum Thema Berg. Zum Thema Bergfahren mit dem Rennrad. Wenn ich von Berg spreche, denke ich an den Ruster Berg. Oder vielleicht an den Leithaberg. Maximal an die Rosalia. 100 bis 500 Höhenmeter. 3 bis 7 Prozent Steigung.

Wenn er von Berg spricht, schwärmt er vom Monte Zoncolan, den Drei Zinnen, dem Col du Galibier. Ab 1000 Höhenmetern. In einem Stück. Mindestens 10% Steigung.

Höhenmeter müssten eine Faszination ausüben.

Wenn das Denken und Schwärmen aufhört und das Radfahren beginnt, sind bei uns Diskussionen vorprogrammiert. Wie viele Höhenmeter unsere nächste Ausfahrt denn hätte, stelle ich vorsichtig als Frage in den Raum. Laut Strava-Routenplanung 2000, seine Antwort. Aber das seien in Wirklichkeit ohnehin nur 1600. Ein Klacks also. Und sowieso auf 130 Kilometer verteilt. Also wirklich kein Grund zum Jammern.

Mir würden aber eigentlich schon 130 Kilometer ohne Höhenmeter reichen, werfe ich ein. Sein verständnisloser Blick sagt alles, bevor er überhaupt etwas sagt. Wie solle aus mir nur jemals eine richtige Radfahrerin werden? Höhenmeter müssten eine Faszination ausüben und meinen Ehrgeiz wecken. Der Berg rufe mich. Ob ich ihn denn nicht hörte?

Bergfahren mit dem Rennrad

Das pannonische Hochgebirge

Bergfahren mit dem Rennrad.

Bedingt, meine Antwort. Natürlich – das Ankommen hoch oben gefällt mir. Der Ausblick, der sich – manchmal sogar schon beim Hinauffahren – bietet, natürlich auch. Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, ist auch nicht schlecht. Die Aussicht auf eine lange Abfahrt sogar höchst verlockend.

Wenn ich in meinem Tempo klettern kann, macht das Bergauffahren manchmal sogar Spaß. Ich mit mir in meiner Zeit. Kein Drängen. Kein Strava-Segment. Oft erlebe ich es dann auch meditativ. Atmen. Treten. Ankommen. Das gefällt mir. Vorausgesetzt die Steigung bleibt unter 10 Prozent. Idealerweise natürlich im Schatten.

Alles darüber ist ein Kraftakt für mich. Wenn dann – wie heuer so oft – auch noch die Sonne von oben und der Asphalt von unten brennen, stelle ich die Sinnfrage. Mir und ihm. Und bevor er noch antworten kann, beginne ich damit, mir unendlich leid zu tun. Und ihn, den Bergmenschen, der mir das antut, zu verfluchen. Wenn ich dann auch noch sehe, dass mein Garmin bereits die, vor der Ausfahrt ausgemachten, 1600 gefahrenen Höhenmeter anzeigt und der Berg noch lange nicht zu Ende ist, steigert sich meine Unrundheit ins Grenzenlose. Nie wieder würde ich auf seine Routenplanung hereinfallen. Nie wieder.

 

Strava lügt. Und alle anderen auch.

Das Problem ist nur. Nicht nur seine Höhenmeterangaben davor stimmen nicht. Auch allen anderen sollte man (Frau) nicht trauen. So erlebt heuer gleich zweimal im Sommer. Die vorgeschlagenen Touren der einzelnen Tourismusverbände sind immer mit einem gewaltigen Höhenmeterplus zu Ende gegangen. Vielleicht absichtlich für Leute wie mich gemacht. Hätte ich zuvor gewusst, was mich erwartet, hätte ich wohl manchmal gestreikt und den Pool auf der Dachterrasse bevorzugt. Besonders gefährlich sind auch – wie kürzlich erlebt – Höhenmeterangaben von Einheimischen.

Wenn einem ein gestandener oberösterreichischer Rennradler sagt, dass die eine oder andere Tour wenig Höhenmeter habe und angenehm zu fahren sei, dann sollten bereits alle Alarmglocken klingeln. Denn Wahrnehmung ist relativ. Seine Wahrnehmung ist nicht meine. Und seine Beine sind schon gar nicht meine. Zum Glück hat die traumhafte Kulisse immer wieder die Mühe belohnt. Und der eine oder andere Kuchen danach hat jegliche Strapazen schnell vergessen lassen.

Bergfahren mit dem Rennrad

Freuden einer Flachländerin

Bergfahren kommt vom Bergfahren.

Was ich am Ende aber fairerweise zugeben muss: Jeder gefahrene Höhenmeter macht stärker. Im Kopf und in den Beinen. Das spüre ich aber immer erst später. Wenn ich Flachländerin dann nach einem Urlaub in den Bergen wieder die heimischen Berge emporklettere, habe ich kurzfristig sogar das Gefühl, dass der Begriff Berg für diese Erhebung vielleicht doch nicht ganz richtig gewählt ist.

laketterechts

Austria Race Across Burgenland – ein Radabenteuer.

Austria Race Across Burgenland

Sommer 2018. Heiß und schön. Mit einer Hitzeperiode nach der anderen. Perfektes Rennradwetter für alle. Doch dann patzt sich dieser Sommer einen einzigen Tag so richtig an und genau an diesem Tag findet das Austria Race Across Burgenland statt. Das Ultra Lauf- und Radevent von Kittsee nach Kalch. Burgenland von Norden nach Süden über 223 km (für die Rennradfahrer) und 217 km (für die Läufer). Als Wahl- und Wochenend-Burgenländer war es für mich heuer eine Pflicht, dabei sei zu müssen. Trotz schlechter Wetterprognosen und mitten in der Tapering Phase zum Ötztaler Radmarathon. 

Eine Sonntagsausfahrt mit offiziellem Charakter.

Das Austria Race Across Burgenland ist ein empfehlenswertes Abenteuer. Es gehört aus meiner Sicht auf die Liste jener Dinge, welche man als RennradfahrerIn gemacht haben muss. Als BurgenländerIn und nicht nur. Dieses Event hat einen ganz speziellen Charakter. Es ist wie eine Sonntagsausfahrt mit offiziellem Flair. Aufstehen, zum Start fahren, in der Ströck Filiale in Kittsee frühstücken. Mit Kaffee, Tee, Krapfen, Butter, Brot, Marmelade und Honig. Sponsored. Wenig Hektik und wenig Stress. Nicht ganz. Die Logistik ist eine Herausforderung. Denn wie kommt man nach dem Rennen von Kalch wieder retour nach Kittsee? Ein Rückholservice powered by Verwandte, Freunde, Familie ist quasi Voraussetzung.

Relive ‚Fahrt am Morgen‘

Zurück zum einzigen Wintertag im heurigen Sommer. Die Nacht davor erfüllte alle Prognosen. Der Morgen wolkenverhangen, windig und nass. Einziger Lichtblick die positiven Aussichten auf ein trockenes Ankommen in Kalch. Und der Wind aus Nordwest. Beim Start in Kittsee ist es trocken von oben. Ein Blick in die Runde. Zuversicht und Kälteempfinden sind subjektive Wahrnehmungen. Ich entscheide mich für Beinlinge, Ärmlinge und leichte Windjacke. Und für Regenüberschuhe. Doch diese werden plötzlich überflüssig. Ich stehe am Start ohne Rennradschuhe. Ja. Auch mir darf so etwas nicht passieren. DNS?

Das Austria Race Across Burgenland.

Die Liebes-Hotline rennt heiß. laketterechts wird geweckt. Wie komme ich zu meinen 55 km entfernten Rennradschuhen bzw. wie kommen diese zu mir? Die Entscheidung fällt. Sie kommen mir entgegen. Bis nach Jois. Das sind 24 km vom Start weg. Das Zweitpaar eines Teilnehmers in Größe 42 mit Look KEO hilft mir bis dahin aus. Danke Sigi. Mein Held des Tages. Mit den Überschuhen im Trikot und deutlichem Platzmangel bei Zehen und Ferse starte ich ins Abenteuer Austria Race Across Burgenland 2018.

Es geht gesittet los. Bis zum ersten Kreisverkehr. Vorne das Führungsfahrzeug. Zwei Motorradfahrer begleiten das Feld und kümmern sich um Kreisverkehre und Kreuzungen. Schnell zieht sich das Feld in die Länge. Hinten reißen die ersten ab. Wir sind vorne ca 20 Mann. Unser Bulk benötigt die ganze Fahrbahn. Ein wenig auch jene, welche für den Gegenverkehr gedacht wäre. Starker Seitenwind. Es ist Sonntag morgen, und das ist gut so. Kittsee, Gattendorf, Parndorf, Neusiedl am See. Tempo hoch. Sehr hoch. Smal Talk hier und da. In Jois verabschiede ich mich in Führung liegend auf den Parkplatz des Gut Leithaberg. laketterechts und meine Schuhe stehen schon da. Als Ex-Triathlet schwinge ich gekonnt vom Rad. Schnell sind die Schuhe gewechselt. Die Gruppe natürlich weg. Ich eine gute Minute hinterher.

Austria Race Across Burgenland

fette Ausbeute

Mein eigenes Rennen im Rennen.

Vollgas auf der B50. Ein paar hundert Meter vor mir das Feld. Dazwischen Autos. Ich drängle und schlängle mich durch und vor. Nutze da und dort den Windschatten. Der Abstand wird nicht kleiner. Der starke Seitenwind macht die Sache nicht einfacher. In Breitenbrunn geht es bergauf. Ich spüre das Frühstück hochkommen. Und ich gebe mich auf. Das wird sich nie ausgehen. Schon rechne ich mit einem Soloritt bis ins Ziel. Mache mich auf einen langen Tag gefasst. Das Feld biegt auf den Begleitweg zur B50 ab. Ich auch. Spät. Über die Wiese. Auf nicht interpretierbaren, aber wenig freundlichen Zuruf zweier dort versteckt stehenden Polizisten.

Dann taucht der weiße Mercedes Vito des Teams Mountainbiker am See auf. Vor mir. Hinter anderen Begleitfahrzeugen und dem enteilten Feld. Meine Rettung. Seitlich vom Bus ist es windstill. 300 Watt und mehr auf Anschlag. Durch Purbach durch. Eine rote Ampel. Aus. Vorbei. Sie springt aber auf gelb und dann auf grün. Weiter geht’s. Nochmals Güterweg. Nach 10 km Laktatgemetzel bin ich wieder in der Gruppe und kann endlich meine Rennradschuhe schließen.

Austria Race Across Burgenland

Ein paar Daten zum Rennen.

Das Burgenland ist nicht flach.

Inzwischen hat es zu regnen begonnen. So richtig nass es ist jetzt. Von oben. Von unten. Meine Überschuhe immer noch brav in der Trikottasche. Am ersten ernstzunehmenden Berg, dem Sieggrabner Sattel, wird die Sonntagsausfahrt zum Rennen. Die 20 Mann starke Gruppe zerfällt. Wir sind erst bei km 80. Die erste Labe spendet eine Banane und ein nicht identifizierbares Iso-Getränk bevor es mit Rückenwind ins Mittelburgenland geht. Zuerst allein. Dann wird eingesammelt. Team Mountainbiker am See mit zwei Mann. Ich und ein oder zwei Mitfahrer. Ein Motorradfahrer ist nach wie vor in unserer Nähe. Die Zeit vergeht. Die Kilometer kaum. Oberpullendorf, Piringsdorf, Hochstraß, Lockenhaus. Das Burgenland ist nicht flach. Immer wieder kurze Rampen. Und weiterhin Regen, Wind und Nässe.

Jetzt wartet der Geschriebenstein. Der höchste „Pass“ im Burgenland. 400 Höhenmeter auf knapp 9 Kilometern Länge. Maximale Steigung 12%. Es herbstelt. Nebel hängt über der Straße. Die Nadelbäume schwingen. Der Wind rauscht wie in Heidis Zeichentrickfilmen. Ich bin allein auf weiter Flur. Brauche trotz Müdigkeit und kaputten Beinen, nur 3 Minuten länger als meine PB hier hinauf. Aufgestellt noch vor ein paar Wochen. Oben wieder eine Labe. Es hat knapp 8°. Im August. Pepsi, Iso und Magnesia. Dazu ein Potpourri an Riegel und Gels. Ich nehme, was ich finde. „Beim Abfahren bitte aufpassen. Es liegt sehr viel Laub auf der Straße und es ist rutschig“. Ich nehme mir diese Worte zu Herzen und bremse mich Richtung Rechnitz. Team Mountainbiker am See bremst mir nach. Dass ich am Geschriebenstein auf 780m Seehöhe einen Kältetod hätte sterben können, ist schon paradox. Sommer 2018.

Das Südburgenland. Neues auf meiner Landkarte.

Ab hier ist mir alles fremd. Im Südburgenland war ich noch nie Rennradfahren. Schade, denn die Gegend ist ein Traum. Unendliche Weiten und Ortschaften mit klingenden Namen wie „Kohfidisch“ und „Kirchfidisch“. Dazu jede Menge Achterbahnen. Auch das Südburgenland ist nicht flach. Und es ist nicht windstill. Heute auch nicht trocken. Immer noch hängen die Wolken tief. Es graut. Die Straßen ein paar Kilometer trocken. Dann wieder nass. Meine Kette mittlerweile laut wie die Ketten eines Baustellen-Baggers. Ich suche schon die Nässe, um die Kette zu befeuchten. Das quietschende Geräusch nervt.

Austria Race Across Burgenland

Garmin Edge 1030 mit Regenverhütung.

Zu viert und ab Güssing dann zu fünft strampeln wir den Countdown herunter. Noch 60, noch 50, noch 40 … Kilometer bis Kalch. Essen, trinken und beißen. Jennersdorf ist erreicht. Irgendwo im Kopf habe ich noch die Warnung vor einem letzten Berg. Doch wann kommt der? Wir fahren entlang der ungarischen und dann entlang der slowenischen Grenze. Einmal kurz verfahren und dann sind es nur mehr weniger als 10 Kilometer. Vom Berg noch keine Spur. Inzwischen haben wir noch 3 Läufer überholt. Diese sind am Tag zuvor gestartet. Also bereits mehr als 30 Stunden unterwegs. Hut ab. Chapeau.

Alles hat ein Ende. Auch das Austria Race Across Burgenland.

Nach exakt 223,15 km laut Garmin, knapp 2.000 Höhenmetern und einer Fahrzeit von 7:00:14 erreiche ich Kalch und beende das Austria Race Across Burgenland. Das ganze Dorf ist in Festlaune. Beim Gasthof Zum-Hendlwirt hat die örtliche Feuerwehr zum Finisher-Fest geladen. Schnitzel, Pommes, Spare-Ribbs, Bratwurst und Blechkuchen inklusive Schlagermusik vom Band. 56 Männer und 4 Frauen haben Kalch erreicht. Gewonnen hat ein Ungar bei den Herren mit einem Schnitt von über 35 km/h. Jahrgang 85. Bei den Frauen eine Österreicherin mit knapp 30 km/h Schnitt. Jahrgang 64. Der letzten Teilnehmer braucht 9h33 und hat noch die Sonne genossen. 19 Personen sind gar nicht an den Start gegangen. Selber Schuld. Nur zwei Teilnehmer haben das Rennen nicht beendet.

Ich bleibe dabei. Das Austria Race Across Burgenland ist ein Rennrad-Abenteuer. Mit viel Liebe und Leidenschaft auf die Beine gestellt. Einfach. Reduziert. Urig. Ein Muss nicht nur für alle BurgenländerInnen. Finisher-Medaille, Finisher-Trikot, Essens, Trinken und eine Landschaft, die mehr bietet als den Regen, den wir erlebt haben. Das ganze für € 50,- Startgeld.

ktrchts

PS: Danke MSC Rogner Bad Blumau für den Startplatz und die tadellose Organisation. Danke auch an das Team Mountainbiker am See für die Betreuung im Rennen und für das „Bring me back“ Servcie am Ende dieses langen Tages.

Rennradregion Wels. Stadt, Land, Fluss. Im Überfluss.

Rennradregion Wels

August 2001. Der gewisse Mario Cipollini dreht in Wels mit dem Rennrad seine Runden über die Ringstraße und am Kaiser Josef Platz. Supermario, der „re leone“, braun gebrannt mit weißem Sturzring und ärmellosem Saeco-Trikot. Später folgen ihm weitere Größen des internationalen und nationalen Rennradsports nach. Zum Welser Innenstadtkriterium, immer mittwochs nach Ende der Tour de France, schmückt Wels schon seit 1999 Jahr für Jahr die Auszeichnung Rennrad-Hauptstadt. Eine Charaktereigenschaft, welche sich die Rennradregion Wels jetzt gerne ganzjährig auf ihre Fahnen heften möchte. Und kann.

Rennradregion Wels

Urbanes Flair in ländlicher Umgebung

Urbanes Flair in ländlicher Umgebung.

Rennradurlaub in der achtgrößten Stadt Österreich. Was anfangs sehr ungewöhnlich klingt, endet genau deshalb außergewöhnlich. Hier in Wels findet man als Rennradfahrer urbanes Flair in einer ländlichen Umgebung. Stadt, Land, Fluss. Und das im Überfluss. Kurzum: vom belebten Stadtkern mit seinen vielen kulinarischen Möglichkeiten bis zum kleinen Sandstrand samt Beach-Cafè an der Traun. Die Vielfalt könnte nicht gegensätzlicher sein. Genauso wie die Seen im Salzkammergut, die Voralpen, die Donau oder das hügelige Mühlviertel. Alles nur ein paar Kurbelumdrehungen weit entfernt. Insgesamt stehen dem passionierten Rennradfahrer von Wels aus 14 ausgesuchte und gpx-getrackte Touren zur Auswahl. In alle Richtungen. Wer diese nicht allein entdecken will, der schließt sich den vielen lokalen Rennradgruppen an, die fast täglich ihre Runden drehen. Zum Beispiel kurz und knackig als After Work oder lang und ausgedehnt zum Wochenende. Gemütlich, flott oder auch sportlich.

Franz, Chef beim Gasthof zur Kohlstatt in Thalheim, ist selbst begeisterter Rennradfahrer. Auch er opfert mit großer Freude seine Zimmerstunde und fährt mit Gästen und „Locals“ durch die Region. Oder Erwin, das Zugpferd der Hobbygruppe „Rückenwind„. Er kennt jede Seitenstraße wie seine Westentasche. Hinter ihm wird jeder Gegenwind zum lauen Lüfterl. Als Gast findet man in Wels schnell Anschluss. Unter anderem auch mit diversen Profis, die sich vor Ort gerne und oft rennradnah zeigen.

Rennradregion Wels

Mit den „locals“ unterwegs

Rennradregion Wels. Gelebte Leidenschaft.

Es hat nicht lange gedauert und wir sind mittendrin, statt nur daheim. Mittendrin in der Rennradregion Wels. Vergangenes Wochenende. Unterwegs mit den „locals“. Freitag und Samstag. „Was wollt ihr fahren?“ Schneller als jeder Routenplaner stand die Ausfahrt fest. Einheimische lassen sich nicht zweimal bitten, ihre Schätze herzuzeigen. Also ruhige Landstraßen, versteckte Güterwege, windgeschützte Geraden und gemütliche Radwege. Sogar eine „Nove Colli“ wäre im Angebot gewesen. Schon zwei davon haben gereicht, um den Reichtum der Region erlebbar zu machen. Man glaubt hier im Schlaraffenland zu sein. Die Versuchung, an den Apfel- und Zwetschgenbäumen anzuhalten und sich zu bedienen ist groß. Bio Snacks to go. Mit Verlaub der dort ansässigen Landwirte. Egal ob an der Traun, der Alm oder an den Seen. Hier ist die intakte Natur die echte Attraktion.

Anders formuliert, die Rennradregion Wels erweckt zeitweise den Eindruck, hier hätten sich Landschaftsmaler unter der Leitung von Bob Ross zu ihrer Meisterprüfung getroffen.

Rennradregion Wels

Der Traunstein bei Wels.

Wels am Traunstein. Der Traunstein bei Wels.

Allgegenwärtiger Begleiter auf allen Touren in der Rennradregion Wels ist der 1691 Meter hohe Traunstein. Der markante Fels am Traunsee ist kaum zu übersehen und bietet Orientierung. Einmal links, einmal rechts, dann wieder direkt im Blick oder als Rückendeckung. Wels liegt am Traunstein. Oder der Traunstein liegt bei Wels. Ganz bestimmt liegt die Rennradregion Wels sehr zentral gelegen. Nahe genug für einen Wochenendausflug, keine drei Stunden von Wien oder München entfernt.

Wels erfindet gerade das Rad neu. Immerhin das geliebte Rennrad. Das spürt man als Gast da und dort recht deutlich. Folglich rüsten sich die Rennradhotels in der Stadt. Zwei Nächte mit Frühstück, After-Bike-Snack und ein umfangreiches Goodie-Bag gibt es pro Person bereits ab € 149,-. Wir logierten im Boutique Hotel Hauser, wo es uns an Nichts gefehlt hat. Hier ruhen die Rennräder in einem alten Gewölbe, sanft gehalten von High-Tech Radständern. Radreinigungstools, umfangreiches Werkzeug und Motorex-Schmiermittel stehen parat. Trinkflaschen werden von den Mitarbeitern mit gekühltem Wasser gefüllt. Der Pool am Dach lockt nach jeder Ausfahrt und das reichhaltige Frühstück mit „self-made“ Charakter motiviert. Wer auf selbstgemachte Marmeladen oder Kuchen steht, und einem selbst zubereiteten warmen Müsli am Morgen den Vorrang gibt, der wird sich hier wie im Paradies fühlen. Ganz zu schweigen von den vielen alternativen Aufstrichen.

Ebenfalls besonders hervorzuheben ist die ausgesprochene Freundlichkeit und Herzlichkeit aller Mitarbeiter im Haus, beim Hauser. Und das Rückholservice. Die entsprechende Notfallkarte mit allen Kontaktdaten ist im Goodie Bag zu finden. Ein großes Plus.

Rennradregion Wels

Rennradregion Wels – Goodie Bag

Rennradurlaub in Wels. Eine pfiffige Idee.

Rennradurlaub in der achtgrößten Stadt Österreichs. Eine pfiffige und durchaus reizvolle Idee. In nicht einmal 5 Minuten ist man vom Stadtzentrum aus in der freien Wildbahn. Vorbei am Wahrzeichen der Stadt, dem Lederertrum. Von hier geht es in alle Himmelsrichtungen. Empfehlenswert sind sie alle. 347 km in drei Tagen durften wir all dies genießen. Bei traumhaftem Wetter, rauschenden Bächen, kristallklaren Seen und atemberaubenden Weitblicken. Wir waren am idyllischen Almsee, in der Keramik-Stadt Gmunden, am kaiserlichen Traunsee, hoch oben auf der Grossalm und am malerischen Attersee. Wir haben Steckerlfische gerochen und Hendl gegessen. Eine interessante Premiere für uns beim Rennradfahren. Viel haben wir gesehen. Noch mehr erlebt. Wenngleich wir viel zu kurz da waren.

Stadtaus und stadtein. Wer am Abend nicht genug haben sollte, der kann sich der vielen Möglichkeiten bedienen, die Wels nach Sonnenuntergang bietet. Vom Sommerkino (FilmFestiWels) im August, anderen kulturellen Angeboten über das Night-Life in der Fußgängerzone und die Szene-Lokale. Mit etwas Glück, trifft man hier Gleichgesinnte zum Meinungsaustausch. Böse Zungen behaupten nämlich, dass hinter jedem Welser ein Rennradfahrer steckt.

Praktische Infos im Überblick.

Anreise:
Bahn: westbahn oder ÖBB
Auto: von Süden über die A9, von Westen und Osten über die A1 (Knoten Haid) und dann die A25 (Knoten Wels) und von Norden kommend über die A8

Unterkünfte:
Boutique Hotel Hauser oder eines der weiteren Rennradhotels

Essen:
Olivi: Gute italienische Küche mit Pizza und Pasta. www.olivi.at
Gössser Bräu: Gut bürgerliche Küche, ganztägig geöffnet, großer Gastgarten. www.goesserbraeu.at
Gasthaus zur Kohlstatt: lokale Küche, hausgemachte Kuchen, spezial Erfrischungsgetränke. www.kohlstatt.at

Freizeit:
Welldorado: Hallenbad, Sauna, Freibad
Welios: Science Center. www.weilios.at

Radverleih/Radreparatur:
4sports Bike-Store-Wels. www.4sports.at

Ausfahrten:
Dienstag: 17:30 Uhr: Mauthstadion, 17:30 Uhr: Gasthaus Hofwimmer
Donnerstag: 17:30 Uhr: Gasthaus Kohlstatt, 17.30 Uhr:  Polizzeisportverein
Samstag:  9:00 Uhr: Mauthstadion
Sonntag: je nach Wetterlage
Info: Astrid Pöcherstorfer –  info@olivi.at

Auskunft Wels Info: info@wels.at;
07242/ 67722, www.wels.at

Unsere Touren:
Due Colli, Welser Umland, 85 km, 988 Höhenmeter
2 Seentour, Gmunden, Traunses, Grossalm, Attersee, 138 km, 1.388 Höhenmeter
Almsee, 114 km, 830 Höhenmeter

ktrchts

PS: Da es sich in diesem Fall um einen bezahlten Aufenthalt in der Rennradregion Wels handelt, ist der Beitrag im Sinne der Transparenz mit “Produktplatzierung” gekennzeichnet. Es handelt sich dabei trotzdem und wie immer um einen eigenen verfassten Beitrag, der meine/unsere eigene Meinung sowie meine/unsere persönlichen Erfahrungen widerspiegelt.

*aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

 

Kufsteinerland. Auf Du und Du mit dem Rennrad.

Kufsteinerland

Ob ich die Perle Tirols kennen würde, fragte mich des Öfteren schon ein sehr bekanntes Volkslied. Das Städtchen Kufstein, wurde mir dann suggeriert, das kennst du wohl. Nicht ganz, muss ich gestehen. Ich war zwar ein paar Mal dort, aber noch nie mit dem Rennrad. Selber Schuld. Heute weiß ich, was ich dabei alles verpasst habe. Viel. Sehr viel. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt. Das Kufsteinerland hat für RennradfahrerInnen einiges zu bieten. Heuer sogar eine Straßenrad-WM.

Die UCI Straßenrad-WM startet in Kufstein.

Kufstein ist vom 28. bis 30. September gleich 4-facher Startort der UCI Straßenrad-WM 2018 und das Kufsteinerland begleitet dann die Damen, Herren und Junioren auf ihrem Weg zu den Medaillen nach Innsbruck. Auf einem mit über 4.000 Höhenmetern gespickten Kurs durch das Inntal bis zur Ziellinie vor der Hofburg. In Kufstein selbst fiebert man diesem Ereignis entgegen. Frischer Radwind weht durch die Stadt. Viel ist davon noch nicht zu sehen. Dafür umso mehr zu spüren. Der Gedanke, dass die weltbesten Radsportler hier sein werden, vielleicht genau dort, wo man gerade steht, elektrisiert. Gänsehaut.

Kufsteinerland

Frischer Radwind weht in Kufstein.

Das Kufsteinerland und Kufstein sind aber nicht nur Straßenrad-WM allein. Das wäre unfair gegenüber dieser Region, die auf mich wie eine verzauberte Prinzessin wirkt. Des Gebirgs-Kaisers Prinzessin. Gut geschützt und behütet von der Festung Kufstein, welche Start- und Endpunkt vieler wunderbarer Rennradtouren ist. Wer hier die Zeit findet, muss sie ausnutzen. Beginnend mit einem kurzen Espresso in einem der vielen Cafés in und rund um die Fußgängerzone der Stadt. Danach wird für jeden etwas samt gewissem Extra geboten. Man muss nur in die Pedale treten wollen. Tourenvorschläge gibt es als Download auf der Seite des Tourismusverbandes. Flach, hügelig, bergig. Kurz, knackig, lang und anspruchsvoll. Sowohl Highligts wie Kitzbühler Horn oder der Großglockner sind von hier aus zu erreichen, wie auch echte Geheimtipps wie die Brandenberg-Runde oder die Abstecher nach Thiersee und Hinterthiersee.

Kufsteinerland

Festung Kufstein. Start- und Endpunkt vieler Radtouren

Kufsteinerland – eine verzauberte Prinzessin.

Mittendrin, statt nur daheim. Nicht, dass die verzauberte Prinzessin wachgeküsst hätte werden müssen. Das war nicht notwendig. Die Prinzessin lebt und pulsiert. Reges und buntes Treiben, wohin man schaut und wohin man mit dem Rennrad fährt. Sogar auf Nebenstraßen. Verkehrsarm, aber reich an Eindrücken. Eine Landschaft, die fasziniert und einen Einblick gibt in das Kulturgut Tirols. Wer ein Auge für die Details hat, der kann sich dieser erfreuen. Herrliche mit Blumen geschmückte Höfe, Kirchen, Kapellen, Seen, Schluchten. Tirol isch lei oans.

Wer hier die Zeit findet, muss sich diese nehmen. Das Kufsteinerland braucht Zeit. Es ist kein Durchfahren. Vielmehr ein aktives Erfahren. Tag für Tag wächst die Vertrautheit und die Orientierung. Zusammehänge werden erfasst. Vor allem, wenn man sich geographisch ein wenig auskennt. Plötzlich bekommen Ortschaften, die man nur als Autobahn-Ausfahrten kennt, eine ganz andere Bedeutung. Vieles muss man gesehen haben und noch mehr bekommt ein Gesicht. Der Spagat zwischen Österreich und Deutschland, Tirol und Bayern ist fließend.

Trotz unseres kurzen Aufenthaltes, haben wir sehr viel gesehen und erlebt. Von den 400 km und 4.275 Höhenmeter in drei Tagen bleiben intensive Erinnerungen. Und es bleibt die Lust auf noch mehr Kufsteinerland.

Kufsteinerland Radmarathon

Die nächste Gelegenheit dafür wäre der 9. September 2018. Der Kufsteinerland Radmarathon findet heuer bereits zum dritten Mal statt. Die 125 km lange Tour verspricht einiges und wird den Teilnehmern auch einiges abverlangen. Natürlich sind wir diese vorab abgefahren. Inklusive dem Pfarrwirt Stich in Thiersee  (1,6 km mit 10%), der Brandenberger Landstraße (1,2 km mit 18%) und dem Aschau Stich (1,5 km mit 12%). Gemütlich sieht anders aus. Chillig fühlt sich bestimmt nicht so an. Laut Strava Bestenliste, waren hier Egon Bernal und Thibaut Pinot auch schon am Werk. Schneller. Ziemlich schneller. Es lohnt sich aber. Brandenberg und Hinterhiersee sind die Idylle in Person. Hier ist ein Spar noch ein Nahversorger und kein Interspar. Eine Aufstiegsanlage ist hier noch ein kleiner Schlepplift und die Volksschule so urig, dass man gerne nochmals darin Platz nehmen würde.

Kufsteinerland

Auffahrt nach Brandenberg

Rennrad fahren im Kufsteinerland.

Die Topographie im Kufsteinerland könnte rennradfreundlicher nicht sein. Lockeres Einrollen entlang des Inn-Radwegs, Aufwärmen rund um die umliegenden Feriendörfer und Schwitzen in den Anstiegen Richtung luftige Höhen. Brandenberg und Thiersee sind schon erwähnt worden. Ein Muss. Dazu Sudelfeld von Bayrischzell hinauf. 1000 Höhenmeter auf 56 km. Knackig und dem Training zuliebe wäre die Aschinger Alm zu empfehlen. Keine 13 km von Kufstein entfernt, dafür aber 500 Meter höher. Kilometerfresser erfreuen sich an der großen und langen 178 km Chiemgau Runde. Und wer das Ultracycling liebt, der plant die Glockner-Tour mit knapp 300 km und 4.000 Höhenmetern. Wem das alles noch zu wenig ist, der kann ja zwischendurch noch das Kitzbühler Horn einschieben. Bis zu 23,5% geht es hier hinauf. Zu guter Letzt bliebe noch die Straßenrad-WM, um sich mit der Elite zu messen.

Kufsteinerland

Da und dort ist zu berücksichtigen, dass das Kufsteinerland nicht nur für Rennradfahrer ein Paradies ist. Auch deutsche und holländische Urlauber lieben die Gegend und erkunden diese hauptsächlich motorisiert. Wenn dann auch noch Badewetter herrscht und halb München sich am Walchsee, Tegernsee oder Schliersee zum Sonnenanbeten trifft, dann kann es schon eng werden zwischen den vielen SUV’s und Cabrios.

Riding the Heart of the Alps.

Ob ich die Perle Tirols kennen würde. Jene am grünen Inn. Ich kenne sie jetzt etwas näher. Nicht genug. Sie hat sicher noch viele mir verborgene Seiten. Links und rechts von ihr erheben sich Straßen und Wege, die regelrecht nach dir rufen. Am besten einfach selber einmal vorbeischauen. Vielleicht trifft man sich dort zu Kaiserschmarrn mit Apfelmus und Zwetschgenröster. Oder beim 3. Kufsteinerland Radmarathon.

ktrchts

PS: Infos über Möglichkeiten und Unterkünfte gibt es auf der Webseite kufstein.com. Als bleibe kann ich den Gasthof Sattlerwirt empfehlen. Neue, sehr traditionelle modern eingerichtete Zimmer und eine sehr gute Küche sprechen dafür. Für etwaige Radreparaturen empfehle ich Inn-Bike. Auch am Wochenende geöffnet.

PS: Da es sich in diesem Fall um einen bezahlten Aufenthalt in Kufstein handelt, ist der Beitrag im Sinne der Transparenz mit „Produktplatzierung“ gekennzeichnet. Es handelt sich dabei trotzdem und wie immer um einen eigenen verfassten Beitrag, der meine eigene Meinung sowie meine persönlichen Erfahrungen widerspigelt.

 

Bräunungsstreifen. Das Dilemma einer Rennradfahrerin.

Bräunungsstreifen

„Sie san a a Radlfoahrarin, gö?“ Der mitleidige Blick der Supermarktkassiererin wandert über meine Oberarme. Bevor ich noch reagieren kann, ihre Erklärung: „Mei Maun schaut a so aus…“ Ertappt. Aber wenigstens von einer, die sich offensichtlich auskennt. Von einer, die mit meinen Bräunungsstreifen etwas anfangen kann. Sympathische Frau. Sehr sympathisch.

Anders als jene, die mich oft durchdringend mustern oder jene, die mir verstohlene Blicke zuwerfen und sich überlegen, in welchem fernen Land und in welchem Badekostüm ich wohl Urlaub gemacht habe.

Tan lines – oder wie er sagt: Formbräune.

Der einen Fluch, des anderen Segen. Schon die erste Sonneneinstrahlung im April nach einer Kurz-Kurz-Ausfahrt versetzt ihn in helle Aufregung. Seine Augen beginnen zu blitzen und er freut sich wie ein Schneekönig, wenn er sieht, dass die Sonne ein gutes Werk getan hat. An seinen Oberschenkeln. An seinen Oberarmen. Sogar die sich abzeichnenden Ränder seiner Socken findet er attraktiv. Er nennt so etwas Formbräune. Und er ist immer hellauf erstaunt, wenn ich das nicht genauso sehe.

Während er seine tan lines kultiviert, darauf achtet, dass jede Radhose richtig abschließt, dass jedes Trikot, die scharfe Linie fördert, seine Streifen stolz vor sich herträgt und sie und sich bewundern lässt, suche ich von der ersten Frühlingsausfahrt an fieberhaft nach Möglichkeiten, die sich anbahnenden, schier unabwendbaren Schönheitsmakel so unauffällig wie möglich ausfallen zu lassen. Sonnenschutzfaktor 50 ist mein ständiger Begleiter.

Meine Bräunungsstreifen als Visitenkarte.

Doch all meine Bemühungen sind leider erfolglos. Spätestens Ende Mai sehe ich genauso wie er aus. Und fast noch ein bisschen schlimmer. Weil ich nämlich als Burgenländerin schneller braun werde als er, der Italiener. Ziemlich braun.

 

Dann beginnt es kompliziert zu werden, mein Leben. Als wäre es nicht schon anstrengend genug, in der Früh die passende Kleidung für den Tag zu finden, verschärfen meine Bräunungsstreifen die Situation im Frühsommer dramatisch. Der eine Rock überhaupt zu kurz. Der andere Rock im Sitzen zu kurz. Das Kleid ebenso. Das nächste würde passen, gefällt mir aber nicht. Habe ich unten endlich die passende Länge gefunden, beginnt das Drama von Neuem. Kaum ein Oberteil in meinem Kasten, das lang genug ist, um diese störenden Streifen an meinen Armen zu verdecken. Und dann kommt er ins Zimmer. Unterbricht meine Ankleidezeremonie kopfschüttelnd und ohne jegliche Empathie für mein Kernproblem. Warum um alles in der Welt ich denn so kompliziert sei, fragt er. Er, der jeden Tag in Jeans und T-Shirt oder Hemd das Haus verlässt. Er, der lediglich in der Badehose seine tan lines der ganzen Welt präsentieren muss. Ich werfe das Handtuch. Angle mir irgendein Leiberl und irgendeinen Rock und setze mich zum Frühstück.

 

Sie san a Radlfoahrarin, gö?

Wenigstens mein Sockenproblem fällt in diesem Sommer geringer als im letzten aus. Weil ich mich nämlich bereits im Frühling entschieden habe, mit sehr kurzen Socken zu fahren. Also zumindest keine störenden Sockenränder mehr. Sehr zu seinem Leidwesen. Du setzt dich über all meine internationalen Rennrad-Style-Regeln hinweg, wenn du kurze Socken trägst, hat er gesagt. Es reicht, wenn ich sonst überall aussehe wie ein Streifenhörnchen, meine Antwort.

Letztens waren wir auf einem Sommerball. Ich im Ballkleid. Schulterfrei. Das bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Ich will endlich ein ärmelloses Trikot. Meiner Forderung gibt er aber nicht nach. Das gehe nicht. Wir seien keine Triathleten, sagt er dann. Seine Kollektion hat nichts übrig für Ästhetinnen wie mich. Ganz im Gegenteil. Die Trikotärmel werden immer länger. Die Radhosen auch. Ihn inspirieren die Radprofis. Nicht ich.

Bräunungsstreifen

Minirock – Minishock

In einem Freibad bin ich heuer noch nicht gewesen. Nur an einem See. Ich im Bikini ist noch schlimmer als ich im Ballkleid. Für Ausgleichsbräunungen im Liegestuhl fühle ich mich mittlerweile zu alt. Die Zeiten des ewigen Sonnenbadens sind vorbei. Der Schutz meiner Haut ist mir wichtiger als eine durchgehende Bräune. Das Dilemma ist also nicht zu lösen. Nur anzunehmen. Und das tue ich.

Fakt ist, er findet mich schön mit Streifen. Zumindest das ist beruhigend. „San Sie a Radlfoahrarin?“, fragt er schelmisch grinsend, während ich vor dem Spiegel das zweite Oberteil probiere. Dann schaue ich auf seinen Kopf, lache über seine, durch Sonne und Helm verursachten, Alienstreifen und bin glücklich, dass ich keine Glatze habe. Und darüber, dass Bräunungsstreifen derzeit mein größtes Problem sind.

la ketterechts

Rennradsturz mit Folgen. Für Körper und Psyche.

Rennradsturz

Es hätte mein erster 200er werden sollen. Von Linz nach Wien. Eingebettet in seine 400k-Ausfahrt zur Sonnenwende. Hätte. Denn bei Kilometer 98 ist es passiert. Mein erster heftiger Sturz. Ein Rennradsturz mit Folgen. In der Gruppe. Wie bei der Tour de France. Nur etwas kleiner. Nicht schön anzusehen, hat er gesagt. Nicht gut anzufühlen für mich und für andere in der Gruppe. An den genauen Unfallhergang erinnere ich mich nicht. Alles viel zu schnell. Auf jeden Fall bin ich kopfüber vom Rad gestiegen. Mein Kinn hat den Asphalt geküsst. Und einige andere Teile meines Körpers haben es ihm gleichgetan. Und wie es eben so ist bei Stürzen in der Gruppe, hat jeder von jedem etwas abgekriegt. Die einen mehr, die anderen weniger. Ich ziemlich viel. Und doch weniger, als möglich gewesen wäre. Zum Glück.

Eine nette Rennradreise mit Tatütata.

Du schaust nicht gut aus, hat er gesagt und sein sorgenvoller Blick hat mich Schlimmes ahnen lassen. Auch die Blutflecken auf meinem Trikot und mein schmerzendes Kiefer haben nichts Gutes verheißen. Es war die erste Fahrt mit der Rettung in meinem Leben. Und wären nicht der Schock so groß und meine Verletzungen so schmerzhaft gewesen, hätte ich sie vermutlich ein kleines bisschen mehr genossen. Währenddessen hat er sich um mein ebenso verletztes Rad gekümmert und ist damit – selbst fahrend und mein Rad schiebend – 12 km zu mir ins Krankenhaus gefahren. Rettungen nehmen keine verletzten Rennräder mit.

Im Krankenhaus dann Entwarnung. Alle Knochen sind heil. Prellungen, Stauchungen, Abschürfungen, Rissquetschwunden, aber keine Brüche. Ich durfte noch am selben Abend nachhause. Meine Kinder waren froh, mich in Gedanken halbwegs heil in die Arme schließen zu können. Praktisch war eine Umarmung aufgrund meines Zustands leider nicht möglich.

Rennradsturz

Sichtlich mitgenommen

Du musst nach einem Rennradsturz so schnell wie möglich wieder aufs Rad, hat er gesagt, glaub mir. Ich habe versucht, ihm zu glauben, aber mein Körper hat auch zu mir gesprochen. Und er hat eindeutig die besseren Argumente gehabt. Zumindest eine Zeit lang. Meine Zeit lang. Anfangs habe ich Speisen nur im pürierten Zustand zu mir nehmen können. Ich lernte schnell zu improvisieren. Mein Speiseplan bestand aus Hummus, Hummus und zwischendurch auch noch etwas Hummus. Er wollte mir sogar vieles vorkauen. Aber so weit habe ich es nicht kommen lassen. Ich habe stattdessen begonnen, Chips zu lutschen. Zum Wein natürlich. Das hat gut getan. Und trotz all dieser Widerlichkeiten war ich jede Sekunde dankbar, dass nicht mehr passiert war. Der Radsturz hätte viel schlimmer ausgehen können.

Rennradsturz mit kleinen Folgen.

Meine erste Ausfahrt nach meinem Unfall hat mich viel Überwindung gekostet und ist kein Genuss gewesen. Auch die zweite, die dritte, die vierte und die fünfte waren mehr Überwindung als Genuss. Irgendetwas hatte sich verändert. Dieser eine Tag hatte viel verändert. Ich fühlte mich plötzlich verletzlich. Verwundbar. Unsicher. Mit weichen Knien und einem mulmigen Gefühl im Bauch habe ich Kilometer für Kilometer absolviert. Jede Unebenheit auf der Fahrbahn hat mich in Angst versetzt. Hinter ihm zu fahren, war eine große Herausforderung. Hinter anderen zu fahren schier unmöglich. An eine Gruppenausfahrt gar nicht zu denken. Geschwindigkeit, die ich zuvor so geliebt hatte, war plötzlich eine Bedrohung für mich. Das Vertrauen in meine Fähigkeiten erschüttert. Der Schreck hatte sich in all meinen Gliedern breitgemacht, hatte meinen Körper und meinen Geist geflutet.

Und das Schlimmste nach dem Rennradsturz: Ich hatte scheinbar den Spaß verloren. Diese große, unbändige Lust aufs Radfahren war wie ausgelöscht. Da half auch der mich freudig begrüßende Fahrtwind nicht. Ich hatte das Gefühl, dass alles, wofür ich brannte, mir genommen worden war. Würde das jemals wieder anders werden?

Es wird anders, hat er gesagt, ich weiß es, es braucht nur Zeit. Zeit. Der heilsamste Faktor von allen. Beim Radfahren wie sonst im Leben.

Rennradsturz

Alles wird gut

Radlerinnen sind hart im Nehmen.

Ich bin also drangeblieben. Ich bin weitergefahren. Und ich fahre weiter. Dank seiner motivierenden Beharrlichkeit und meinem festen Willen, meine Angst besiegen zu wollen und zu können. Ich weiß mittlerweile auch, dass es wieder anders wird. Ich spüre, dass es anders wird. Zaghaft breitet sich Vertrauen aus. Vorsichtig kommt der Mut zurück. Die letzte Ausfahrt hat schon beinahe ein kleines bisschen Spaß gemacht. Und die gestrige Krone hat mich schon ziemlich gefreut.

la ktrchts

Rad und Recht. Rennradfahrer haben immer die Arschkarte.

Rad und Recht

Rad und Recht. Oh, mein Gott. Recht haben und Recht bekommen. Oh, mein Gott. Nichts ist so frustrierend wie die Tatsache, dass man als Rennradfahrer (und Radfahrer) auf Österreichs Straßen die Arschkarte zieht, sobald man sich aufs geliebte Rad schwingt. Zwar gibt es in der StVO zum Schutz oder einfach nur, um ein Miteinander zu regeln, einen § 68. Dieser ominöse § 68  StVO ist aber für den Hugo. Für die Katz. Für die Würste. Im Fall des Falles ohne Aussicht auf irgendwas. Und solche Fälle gäbe es genug. Schneiden, drängeln, Vorfahrt nehmen. Vergehen, die ein Autofahrer oder Busfahrer rein von den Regulativen her, nicht begehen dürfte. Vom Hausverstand aus betrachtet auch nicht begehen sollte.

Rennradfahrer – die Parasiten auf Österreichs Straßen.

Der Alltag auf Österreichs Straßen. Sodom und Gomorrah. Der Stärkere frisst den Schwächeren. Der Schnellere überfährt den Langsameren. LKW, Bus, Klein-LKW, Klein-Bus, SUV, Auto, Motorrad, Radfahrer. So lautet die Rangordnung. Unterbrochen von Polizeiautos, die da und dort diese Hierarchie etwas durcheinander bringen. Das schwächste Glied in diesem ganzen Zirkus? Genau. Der Radfahrer. Ein ungern gesehener und nur teilweise geduldeter Gast in der Manege. Ein lästiges Hindernis. Ein Parasit. Autofahrer zahlen die Straßen und der Radfahrer nutzt sie. Weil er nicht freiwillig das Feld (die Straße) räumt, wird er einfach hinausgedrängt. Oder man tut so, als gäbe es ihn nicht. Frei nach den Gesetzen der Natur.

Rad und Recht

Alltag auf Wiens Radwegen

Ich kann ein Lied davon singen. Noch besser. Ein paar Zeilen darüber schreiben. Es sind schon ein paar Kilometer im Jahr, welche ich landein und landaus am Straßenrand verbringe. Meistens entlang des Farbahn-Begrenzungsstreifens. Links von mir fahren dann die anderen vorbei. Die schnelleren Verkehrsteilnehmer. Die meisten klopfen dabei an der Illegalität an. Einige davon ziemlich eindeutig und laut. Meine Wahrnehmung dabei ist, dass es vor allem Busfahrer sind, die hier den Schöpfer spielen und über Leben und Tod entscheiden. Einen kürzlich erlebten Fall kann ich in meine fiktive Statistik aufnehmen.

Rad und Recht. Und die unfehlbaren Busfahrer.

Samstagmorgen. B59 zwischsen Eisenstadt und Großhöflein. Ein Bus der Wiener Neustädter Verkehrsbetriebe überholt mich ziemlich knapp, ohne den Fahrbahnstreifen zu wechseln. Damit ist schon alles gesagt. Natürlich äußere ich meinen Unmut über dieses unnötige Manöver mit ziemlich eindeutigen Gesten. Der Busfahrer dürfte das gesehen haben und bleibt an der nächsten Haltestelle stehen. Er öffnet die Tür. Ich nähere mich und frage ihn, warum er mir den Platz zum Überleben genommen hat. Seine Antwort lapidar: „Hast du nicht gesehen, dass mir ein Auto entgegenkommen ist?“ Meine Reaktion darauf waren viele Fragezeichen im Kopf. Meine Antwort „Dann hätten Sie sich hinter mir einreihen müssen und warten“. Ein „ok“ „sorry“ oder ähnliches hätte die Situation besänftigt. Stattdessen werde ich vom Busfahrer daran erinnert, dass ich eigentlich nicht auf die Straße gehöre. Weitere Fragezeichen. Den Rest können sich viele hinzudenken. Einiges war nicht jugendfrei.

Rad und Recht

Anderer Tag. Anderer Busfahrer.

Wer glaubt, die Geschichte sei zu Ende, der täuscht sich. Selber Tag. Ca. 8 km später. Derselbe Bus. Kurz vor Steinbrunn. Die Straße eine Gerade. Kein Gegenverkehr. Leicht abschüssig. Ich werde von demselben Bus nochmals überholt. Diesmal weniger als nur knapp. Der Bus hat erneut den rechten Fahrbahnstreifen nicht verlassen. Rache? Revanche? Egowiederherstellung?

Leben oder Spital. Eine Entscheidung der Busfahrer.

So etwas hinterlässt Spüren. Ich versuchte die Sinnhaftigkeit dieser Aktion zu reflektieren. Fragte mich, was in einem Busfahrer vorgehen kann. Am Abend dann, setzte ich mich an den Computer und schrieb den Wiener Neustädter Verkehrsbetrieben eine kurze Email mit der Schilderung des Vorfalles. Hier die Antwort.

„Wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 30.06.2018 und möchten uns für die von Ihnen übermittelten Informationen bedanken.

Aufgrund des von Ihnen geschilderten Vorfall wurden interne Überprüfungen durchgeführt. Wir teilen Ihnen mit, dass ermittelt werden konnte, dass Sie bei beiden geschilderten Situationen genügend Platz hatten und der Lenker den gesetzlichen Abstand zum Radfahrer gehalten hat. Uns ist durchaus bewusst, dass ein vorbeifahrender Bus anders wahrgenommen wird und bedauern diesen Vorfall sehr. Unser Buschauffeur blieb bei dem ersten Zwischenfall kurz nach Steinbrunn stehen und öffnete die Tür um mit Ihnen zu sprechen.

Unsere Buslenker sind dahin geschult die StVO einzuhalten und die Gefahren der allgemeinen Sicherheit, welche im Straßenverkehr auftreten können, richtig einzuschätzen.

Wir werden auch noch mit dem zu diesem Zeitpunkt im Dienst befindlichen Lenker über den von Ihnen geschilderten Vorfall sprechen und ihn zu mehr Rücksichtnahme bewegen.

Wenn Sie sich durch unfreundliches Verhalten negativ angesprochen gefühlt haben, möchten wir uns höflichst bei Ihnen entschuldigen.

Wir verbleiben mit der Bitte um ihre geschätze Kenntnissnahme!“

Also. Keine wirkliche Einsicht. Zeilen gespickt mit physikalischen und räumlichen Fehlern. Eindeutigen Fehlern. Und natürlich Schuldumkehr. Alles ist gut. Danke und Aufwiedersehen. Rad und Recht ignoriert. Zumindest eine höfliches Bedauern, welches ich zum Glück lebend noch annehmen kann.

Rad und Recht

Parkplatz Radweg

Die Arschkarte – Ticket einer gefährlichen Rennradreise.

Ähnlicher Vorfall im vergangenen Herbst. Natürlich habe ich das Gespräch mit dem Busfahrer gesucht. Rad und Recht eingefordert. Höflich und interessiert. Daran, warum man einem Rennradfahrer nicht Platz lassen will. Seine Reaktion konnte ich mit einem Foto festhalten. Die Reaktion der Postbus AG:

„Ich danke Ihnen für die Rückmeldung und nehme Ihre Bedenken und Ängste sehr ernst..Wenn etwas passiert ist, ist es zu spät. Ich habe die Erhebungen zu dem Vorfall durchgeführt und mir vom Lenker die Situation beziehungsweise seine Wahrnehmung zu dem Vorfall schildern lassen. Er hat mir die Situation aus seiner Sicht geschildert. Ich habe ein Gespräch auf sachlicher Ebene mit Ihm geführt und Ihm mit den Bedenken und Ängsten die aus seinem Verhalten entstanden sind konfrontiert. Nach dem  ausführlichen Gespräch wurde Ihm klargelegt dass er sich dem Verkehrsaufkommen und der Verkehrssituation entsprechend zu verhalten hat und auch ein Maß an Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer an den Tag legt. Auf keinen Fall soll es soweit kommen, dass sich Verkehrsteilnehmer gefährdet fühlen.

Nach dem Gespräch mit dem Fahrer als unmittelbar Vorgesetzter, kann ich Ihnen mitteilen dass der Lenker Einsicht gezeigt hat und er sah ein, dass er sich auf ein Gespräch mit Ihnen und eine Klarstellung mit Ihnen vor Ort  einlassen hätte sollen.“

Es sind also keine Einzelfälle. Und meine Wahrnehmung täuscht nicht. Egal ob jetzt ein Stadtbus in Eisenstadt (Stopptafel ignoriert und mich auf die Gegenfahrbahn geträngt) oder ein Dr. Richard Linienbus in Tulbling (Radfaher auf einspuriger Fahrbahn überholt währed ich entgegen kam – also zwei auf einem Streich). Die Könige der Straßen sind die Großen und jene, die diese lenken. Menschen, die davon leben, einen gültigen Führerschein zu haben. Gegen die ist man machtlos. Rad und Recht vertragen sich nicht. Rad und der Rest der Welt auf der Straße auch nicht.

Rad und Recht

Aus und vorbei.

Was man als Radfahrer darf: Gar nichts.

Mehrmals habe ich ähnliche Vorfälle auch bei den Dienststellen der Polizei gemeldet. Mein Leben ist mir zu wertvoll. Hier wurde jedes Mal nach Vorschrift alles brav protokolliert. Einmal hat man mich, weil kein Ausweis dabei, wieder nach Hause geschickt. Vorschrift eben. Alle Anzeigen sind im Sand verlaufen. Nötigungen sind schwer nachweisbar. Aussagen gegen Aussagen. Videos und Fotos nicht zulässig. Und solange sich niemand ernsthaft verletzt, ist das sowieso kaum relevant. Dazu kommt noch, dass kaum ein Autofahrer oder Busfahrer sich selbst einmal bei der Nase zieht und Fehler eingesteht. Victim-blaming.

Das ist die Realität auf Österreichs Straßen. Das ist § 68 StVO. Ein Pseudo-Paragraph, den kaum jemand kennt, noch irgend ein Auto- oder Busfahrer befolgt.

ktrchts

PS: Bevor die Diskusison losgeht: Es gibt auch die guten Auto- und Busfahrer und es gibt auch die sehr guten Auto- und Busfahrer, sowie es die weniger guten Renn- und Radfahrer gibt. Rad und Recht sind nie objektiv.

 

Rad und Recht – Aktualisierung:

Und täglich grüßt das Murmeltier. Und täglich schneidet dich ein Autobus. So passiert vergangene Woche und gestern. Diesmal war ich bei der Polizei und habe Anzeige erstattet. Irgendwas mit Verwaltungsstrafe wird sich schon finden. Strafrechtlich ist ein absichtliches Schneiden nicht relevant.

Kurz die Geschichte: Postbus 200 (Wien – Laxemburg – Eisenstadt). Fahrer überholt trotz Gegenverkehr. kurz nach Großhöflien. Lässt kaum 20 bis 30 cm Platz zwischen mir und seinem Ungetüm. Mit den entstandenen Verwirbelungen habe ich Mühe mein Rennrad zu halten. Zum Glück passiert nichts. Ich folge dem Bus. Dank Wut im Bauch und Adrenalin gibt es eine Strava PR auf den Strecke Müllendorf – Bergkirche. Den Buss erreiche ich am Domplatz. Der Busfahrer steht vor dem Bus und begrüßt mich „Wos willst?“ Ich erkläre ihm, dass … und er könne doch etwas mehr Rücksicht auf die Radfahrer nehmen. Seine Antwort „Weil ich auf die Radfahrer aufpasse!“ Mit einem süffisantem Lächeln im Gesicht. Mir steigt es bis zum Hals. Muss mich beherrschen. Mir reicht es. Ich fahre zur Polizei. So ein arrogantes, herablassendes und abwertendes Verhalten erlebt man selten. Foto des Fahrers habe ich.

Rad und Recht

Autobus delicti

Verkehrspsychologen – wo seid ihr?

Ob was rauskommt? Keine Ahnung. Gestern dann ein weiterer Bus. Diesmal wieder die Wiener Neustädter Verkehrsbetriebe. Knapp vorbei. Voll daneben.

Das sich nicht der einzige bin, zeigt dieses Schreiben, welches ich im Netz gefunden habe. Ein Radfahrer hat sich die Mühe gemacht, beim Bundesministerium zu intervernieren. Hier die äußerst interessante Antwort:

„Sehr geehrter Herr Ing. Schlögel!
Herzlichen Dank für Ihre Eingabe vom 07. Juli 2018. Wir können die von Ihnen geschilderte Problemlage nachvollziehen, es ist mit Sicherheit äußerst gefährlich und verunsichernd, wenn man als Radfahrer von Fahrzeugen überholt wird. Die polizeiliche Überwachung dieser Übertretungen gestaltet jedoch äußerst schwierig, um eine solche Übertretung beweiskräftig und einspruchsresistent zur Anzeige bringen zu können, müsste man sich als PolizistIn unmittelbar vor oder hinter dem Geschehen befinden, wobei fraglich ist, ob dann noch eine Übertretung stattfindet. Obwohl natürlich bei Wahrnehmung solcher Übertretungen Anzeige erstattet wird, möchten wir Sie aus den erwähnten Gründen auf die Möglichkeit der Privatanzeige hinweisen. Bei besonders gefährlichen Situationen sollten Sie sich also das Kennzeichen, Fahrzeugbeschreibung, Zeit und Ort merken und Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle erstatten.


Radfahrer sollen sich laut Polizei „breit machen“.

Ein weiterer Aspekt ist jener, dass sich RadfahrerInnen oft „zu wenig breit machen“, was FahrzeuglenkerInnen dazu verleitet anzunehmen, dass sich ein Überhol- bzw. Vorbeifahrvorgang ohne Gefährdung oder Behinderung ausgeht. Man sollte als RadfahrerIn zwar einerseits am äußerst rechten Fahrbahnrand fahren, sich andererseits aber auch den notwendigen Platz lassen und evtl. Hilfseinrichtung wie „Abstandskellen“ am Fahrrad anbringen, die das Fahrrad breiter erscheinen lassen und die nachkommenden FahrzeuglenkerInnen darauf hinweisen, dass ein Überholen bzw. Vorbeifahren nur ohne Gegenverkehr bzw. an geeigneter Stelle möglich ist. Sichtbare Bekleidung bzw. Warnwesten sind vermutlich bereits selbstverständlich. Dass sich die Situation für „Radrennfahrer“ nochmals schwieriger darstellt, ist uns bewusst, es sollte nur ein Denkanstoß in der Sache sein.

Abschließend können wir Ihnen versichern, dass bei entsprechender Wahrnahmung unsere PolizistInnen Anzeige erstatten werden, müssen allerdings nochmals erwähnen, dass sich das Gesamtproblem auf Grund der schwierigen Wahrnehmung solcher Übertretungen mit polizeilichen Möglichkeiten nicht lösen wird lassen und weisen deshalb nochmals auf die Möglichkeit der Erstattung von Privatanzeigen hin.

Mit besten Grüßen

BM.I, Abt. II/12 – Verkehrsdienst der Bundespolizei“