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Rennradfahren in Istrien als Wiederholungstäter

Rennradfahren in Istrien

Mallorca im Frühjahr ist schön. Aber schon zum zweiten Mal hintereinander habe ich mich für Rennradfahren in Istrien entschieden. Halbinsel statt Insel. Istrien hat mich bereits letztes Jahr fasziniert und viele Fragen bzw. Routen offen gelassen. Eine Wiederholungstat war kaum zu unterlassen. Die fünf Stunden Autofahrt von Wien bildeten kein allzu großes Hindernis, mich davon abzuhalten. Somit war und ist Porec wieder Austragungsort meiner vorsaisonalen Laktatschlachten.

Rennradfahren in Istrien – Sommerfeeling vor der Haustür.

Der Frühling 2017 hat auch hier einen klassischen Frühstart hingelegt. Das merkt man überall. Kaum zu übersehen: Ganz Istrien ist jetzt schon in Vollblüte. Das gibt dem ganzen einen sommerlichen Touch. Sattes grün, wohin das Auge reicht. Einzig und allein das noch etwas frische Meer trübt dieses Gefühl, bereits jetzt schon den Sommer am Rennrad genießen zu können.

Ich musste nicht lange überlegen und gönnte meinen Armen und Beinen die ersten tönenden Sonnenstrahlen. Gepflegte Tan-Lines nach nur drei Ausfahrten verraten in puncto Formbräune schon einiges. Der Grundstein ist gelegt.

Porec eignet sich aufgrund der zentralen Lage an der Westküste perfekt als Standort für den geplanten Aufenthalt. Von hier sind der Norden, der Süden aber auch der Westen Istriens leicht erreichbar. Die Städte Rovinj und Pula erreicht man mit dem Rennrad von Porec direkt oder über empfehlenswerte Umwege. Die Küstenstraße im Osten des Landes von Plomin nach Opatja und der Kvaner Bucht ist mit guten Beinen auch ein spannender Kindergeburtstag. Je nach Wind. Der höchste Pass Poklon  (Ucka) mit knapp 1000m kann auch mit einer gut geplanten Eintagestour mitgenommen werden.

Dank Strava und bikemap ist es ein Kinderspiel, sich spannende Touren und Routen zurechtzuklicken. Meine sind eine Mischung aus den bereits vor einem Jahr erkundeten und diesmal neu interpretierten Ausfahrten sowie Empfehlungen befreundeter Kollegen, die auch schon öfters hier waren. Darunter auch Fast-Einheimische. Diese Touren sind besondere Highlight, weil sie mich dorthin geführt haben und führen werden, wo in den letzten 5 Jahren wohl kaum mehr als 50 Rennradfahrer vorbei geschaut haben. Optionale Ortskenntnisse sind sowieso von Vorteil. Man vermeidet damit einerseits viel befahrene, wenn auch perfekt asphaltierte Straßen und andererseits auch Paris – Roubaix ähnliche Holpereien nur ohne Kopfsteinpflaster.

Radklassiker gibt es auch in Istrien.

Selbstverständlich waren und sind Radklassiker wie Montovun, Limski-Kanal, Sveti Lovrec , Sveta Lucija oder Plokon/Ucka von Icici aus dabei. Die Kaffeefahrt in das slowenische Portoroz über Buzet steht noch an. Aufgrund der derzeitigen Grenzkontrollen an der EU-Außengrenze überleg ich noch. Radfahren mit Reisepass ist nicht so meins. Dazu kommen noch vergebliche Versuche, meine Bestzeit im Delta Mirna zu verbessern. Über die „Hure von Novigrad“ schreibe ich mal nichts. Die Geschichte dazu müsste von Andreas Madlmair kommen, der mir diese Steigung gezeigt hat.

Eine Woche Rennradfahren in Istrien ist wie immer viel zu kurz. Ich halte schon bei der Halbzeit und würde noch gerne dies und jenes sehen, rauf- und abfahren, ersitzen und ertrinken. Das Wetter hätte ich dabei nicht besser erwischen können. 20 Grad plus im Schatten. Täglich. Das heißt hoher Sonnenschutzfaktor. Genau wie man es sich vorstellt. Wenn Engerln reisen!

Mallorca ist schön. Aber Istrien ist schönerer 😉

ktrchts

PS: Beitrag wird noch laufend aktualisiert. Das war ja noch nicht alles.

PS I: Die Bestzeit im Delta Mirna ist heute gefallen. 52,8 km/h Schnitt auf 0,8 ebenen Kilometern.

Radservice in Wien. Ich war dabei.

Radservice in Wien

„Saisonstart: Top Radservice in Wien ab nur 75,- Euro. Die Temperaturen steigen und die ersten Frühlingsausfahrten stehen an!  Zum Saisonstart bieten wir Dir unser Basic Service für nur 75,- statt 84,- Euro an. Unser Chefmechaniker Gino bietet Dir aber selbstverständlich auch das Full Service Paket. Das gibt es jetzt zum Saisonstart als Testangebot statt um 249,- Euro um nur 199,- Euro“. Da kann man ja nicht nein sagen, oder? Das ganze bei Ghisallo – dem neuen Restaurant mit Rennradshop und Rennradwerkstatt. Unter anderem mit und für Marken wie Pinarello, Bianchi und Colnago. Kommt mir mehr als gelegen. Ich musst das ausprobieren.

Für mein Radservice in Wien war ich viel zu motiviert.

Obwohl ich im Winter meine Diva kaum benutzt hatte, wollte ich ihr ein großes Service nicht vorenthalten. Nach den guten Diensten im letzten Jahr, hat sie sich das auch mehr als verdient. Das Nachfetten der Lager ist etwas, was ich selber nicht machen will. Oder auch nicht machen kann. Tretlager und Steuerlager überlasse ich lieber den Profis. Die haben das Händchen und das Werkzeug dazu. Vor allem das Campagnolo Ultra Torque Innenlager ist nicht ohne. Geile Sache, aber für jemanden mit zwei linken Händen wie mich zu kompliziert. Bei mir würden zum Schluss ein paar Federn und Schrauben fehlen oder sogar übrig bleiben. So ließ ich Ghisallo Chefmechaniker Gino frei walten. Schenkte ihm blind mein vollstes Vertrauen und gewährte ihm meine „furia rossa“.

Was dann passiert ist, bohrte ein tiefes Loch in meine Brieftasche. Die Vorahnung war groß. Die Realität übertraf dann alles noch schlimmer. Logisch. Bei meinen gefahrenen Kilometern letztes Jahr. Da hilft auch kein Hegen und Pflegen. Verschleißteile verschleißen. Sie müssen ab und wann erneuert werden. War zuerst nur die Kette geplant, folgte prompt darauf das hintere Ritzelpaket. Denn die neue Kette wollte unter Zug mit dem alten 11er und 12er Ritzel nicht mehr kombinieren. Ein klarer Fall von Kausalität.

So ein Ritzelpaket macht bei Campagnolo die Angelegenheit gleich einmal etwas teurer. Ein Super Record Titan Ritzelpaket (11-25) kostet laut Listenpreis € 292,-. Das 11-29er sogar über € 350,- Nein danke! Muss nicht sein. Die paar Gramm Gewichtsersparnis kann meine Wampe locker wettmachen. Ich musste recherchieren, improvisieren und kalkulieren. Einzelteile? Das 11er Ritzel allein kostet € 70,-, das 12er auch. Das sind € 140. Ok – zahlt sich niemals aus. Also ein Chorus Paket 11-25 für € 149,-. Und zwar flott. Schneller als der Versandhandel erlaubt. Normalerweise sind sämtliche Campagnolo Ersatzteile bei RIH in der Wiener Praterstraße erhältlich. Normalerweise. Diesmal leider nicht. Dafür ein paar Häuser weiter bei Veletage. Radservice in Wien bedeutet auch Flexibilität. Und Mobilität.

Ein Unheil kommt selten allein.

Vom neuen Ritzelpaket habe ich mir das 11er, 12er, 13er, 14er und 15er genommen und mit den (doppelt) vorhandenen 17-19-21 und 23-25-27 Paketen kombiniert. Das macht 11-27. Meine älteren Titanpakete 16-17-19 sowie 21-23-25 sind noch gut und warten zu Hause brav auf auf den King of the Lake Ende September.

Neue Kette und neues Ritzelpaket bedeuten einen komplett neuen Antrieb, wenn man auch die Kettenblätter tauscht. Nicht irgendwann, sondern gleich. Was ich auch gemacht habe. Nach mehr als ca 70.000 km in gut 5 Jarhen keine schlechte Idee. Kosten für beide € 178,95.

War’s das? Nein. Natürlich nicht. Ich war ja beim großen Service. Da kommt ganz viel ans Tageslicht. So viel auch das Steuerlager durch die Qualitätskontrolle. Es musste getuscht werden. Zuerst aber musste es besorgt werden. Pinarello baut da was ganz eigenes ein und ein nomales Industrielager passt um ein paar verdammte Millimeter nicht hinien. Also bei Radsport Grassinger in Lambach anrufen und bestellen – 3 Tage Postweg abwarten und dann finalisieren. Kosten für das Steuerlager € 59,-

Wenn ich jetzt alles zusammenrechne komme ich auf einen stolzen Menüpreis von € 672,95. Wobei das Dessert noch nicht einmal serviert worden ist. Da fehlen noch die Tretlager. Es war zwar ein leichtes Spiel diese zu öffnen, zu putzen und neu zu fetten. Aber dieses leichte Spiel hat das leichte Spiel nicht behoben. Ich muss nochmals zurück an der Start. Davor müssen die Dinger erst bestellt werden, weil sie  – dreimal darf man raten, Pinarello Spezialteile sind.

Spezialteile haben eben Spezialpreise.

Fazit: Wer viel Rad fährt, fährt viel Rad kaputt. So ist es. Wer Campagnolo fährt, fährt dabei etwas mehr Geld kaputt. So ist es leider auch. Lustig wird es erst dann, wenn alles zusammenkommt. Zum Glück gibt es beim Radservice in Wien genügend Rennradshops und Rennradwerkstätten wo man sich im Bedarfsfall das holen kann, was man braucht. Auch ganz ohne Versandhandel. Dafür mit fähigen und guten Mechanikern. Grazie Gino.

ktrchts

 

EuGH Urteil. Der Wind ist ein Arschloch.

Wind

EuGH verkündet Urteil. Ab sofort darf der Wind ohne Konsequenzen als Arschloch bezeichnet werden, wenn dieser in Form von „Gegenwind“ von vorne kommt und das Rennradfahren erschwert. Die obersten Richter in Luxemburg haben nach mehreren Beschwerden zahlreicher Rennradfahrern die Sachlage genauestens geprüft und dieses Verdikt gefällt.

Der Wind ist ein Arschloch.

Was vielen Rennradfahrern des Öfteren schon auf der Zunge gelegen ist, darf nun straffrei geäußert werden. Egal in welcher Tonart und in welcher Sprache. Auch die Häufigkeit spielt keine Rolle mehr. Einzig und allein die genaue Wortwahl ist ausschlaggebend, ob es Sanktionen geben kann oder nicht. Nur der Begriff „Arschloch“ wurde aus dem Register der Fluchwörter gestrichen.

So bleiben alle verwandten Aussagen zum Arschloch nach wie vor in einem Graubereich. „Blödes Arschloch“, „richtiges Arschloch“ oder „riesen Arschloch“ sind eigentlich nicht erlaubt und können unter Umständen sanktioniert werden. Begriffe wie „Wichser“ sind nach wie vor Tabu. Das Thema Seitenwind wurde noch nicht begutachtet.

Fluchen beim Rennradfahrern. Nicht immer eine Sünde.

Was genau unter Wind und Gegenwind fällt ist im Gesetzestext nachzulesen. „Wind bzw. Gegenwind ist de jure dann geben, wenn die Lautsträrke des Fahrtwindes lauter ist, als die Musik in den Ohren bei Benutzung von iPod shuffle“.

Heftige Kritik kam von diversen katholischen Vereinigungen. Auch der Papst hat sich bereits zu Wort gemeldet. „Der Wind kann ja nichts dafür, wenn Rennradfahrer zu schwach sind, gegen ihn anzukämpfen. Fluchen ist nur eine Ausrede und ein Eingestehen des eigenen persönlichen Trainingsrückstandes. Wer schwach ist flucht. Hier sollte man ansetzen. Bei den Trainingsmethoden, den Trainern und den vielen unnützen Power Riegeln.“ Papst Franziskus hat auf Twitter seinen Unmut geäußert. „Ich vermute dahinter die Strava Lobby und werde in meiner nächsten Predigt dagegenhalten. Eigentlich ist der Rückenwind ein Arschloch. Denn dieser verfälscht sämtliche KOM’s und PR’s“.

Bei den Rennradfahrern macht sich indes Erleichterung breit. Alex M. (Name der Redaktion bekannt) meint: „Endlich kann ich mit reinem Gewissen sagen, was ich mir denke. Weil der Wind ist echt ein Arschloch. Nicht nur, dass er dich langsamer macht. Nein, auch die Unterhaltung mit deinem Mitstreiter oder das Diskutieren mit Autofahrern wird erschwert.“

Wir sind gespannt, was als nächstes kommt.

ktrchts

Nahrungsergänzung – ob sie hilft?

Nahrungsergänzung

Und schon wieder schreibt einer über Nahrungsergänzung. In diesem Fall bin ich es. Der Grund ist genaz einfach. Im Zuge meiner Arbeit habe ich die Fa. Krätuermax aus Ried im Innkreis kennengelernt. In und auswendig. Kräutermax ist eine alt eingesessene Drogiere. Mit einem großen Angebot an natürlichen Kräuterhausmitteln unterschiedlichster Wirkung. Unter anderem auch Nahrungs- und Vitalergänzung. Diese habe ich mir genauer unter die Lupe genommen.

Nahrungsergänzung. Fluch oder Segen?

Was ich dabei gelernt habe: Nahrungsergänzung ist kein Ersatz für eine abwechslungsreiche
und ausgewogene Ernährung. Für die muss ein Radsportler wohl selbst sorgen. Warum dann also doch die Ernährung ergänzen? Gute Frage. Pragmatisch würde ich sagen, weil es einfach praktisch ist. So können Vital- und Wirkstoffe in hoher Konzentration dem Körper verabreicht werden. Mit Kapseln und Tabletten. Das ist einfacher als vor dem Feuer zu sitzen und wie der Druide Miraculix im großen Topf zu rühren bis man die richtige Konzentration und Menge hat.

Zudem beraupt uns die industrialisierte Nahrungsproduktioen leider zunehmend an der Möglichkeit, was „gesundes“ zu uns zu nehmen. Eine mangelhafte Darmflora mit komplexen Resorptionsstörungen, Unverträglichkeiten, Allergien, gehen damit Hand in Hand. Wollen wir ja nicht, oder?

Ich denke, dass ich nach zig Jahren am Rennrad weiß, was mein Körper braucht, meinen Beinen und meinem Kopf die nötige Energie zur Vergügung zu stellen. Mein Leben besteht aber (leider) nicht nur aus Rennrad. Ich habe einen Brotjob. Und hier bin ich selten so fokussiert wie im Sport. Hier arbeitet der Kopf. Multitasking. Bei Terminen, zwischen Terminen und all dem, was dazwischen auch noch zu tun ist.

Genau dafür werde ich jetzt auf Anraten von kräutermax mit Nahrungs- und Vitalergänzung etwas nachhelfen. Mit Coenzym Q10 und Glucosamin. Ersteres wirkt aktivierend und wohltuend bei Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Stress, Unruhezustände und Zellschutz und Zweiteres wirkt aufbauend bei Gelenksabnützung, -beschwerden, -entzündungen, mangelnder Gelenksschiere, Knieschmerzen und Knochenschwund. Eigentlich perfekt für einen alten Mann wie mich. Ich will ja das pensionsfähige Alter erreichen.

Ich bin schon gespannt, ob und wie sich das alles auswirkt. Für’s erste habe ich schon mal das regelmäßige Einnehmen schleifen lassen. Wie gesagt, ich muss fokussierter und konsequenter werden. Dann klappt das mit der Nahrungsergänzung.

ktrchts

PS: das ist kein bezahlter Beitrag. Es ist ein Selbstversuch.

Geniale Scheiße. Rennradblog nominiert für den Literaturnobelpreis.

Rennradblog

„Erstmals in der Geschichte wird ein Rennradblog für den Literaturnobelpreis nominiert“. Mit diesen Worten ließ die Schwedische Akademie in den letzten Tagen eine Bombe platzen. Der Vorschlag kam geschlossen von den Mitgliedern der Akademie, dem Präsidenten repräsentativer Schriftstellervereinigungen und von bekannten Litaratur- und Linguistikprofessoren. „Das was in Rennradblogs derzeit literarisch geboten wird, ist kaum zu überbieten. Es ist teilweise so schlecht, dass man dahinter wahre Genies vermuten muss. Schreiblaien kann so ein absoluter Schwachsinn nicht einfallen“ so die Begründung.

Rennradblog als literarisches Meisterwerk ausgezeichnet?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die vielen Rennradblogs auch in der konservativen Literaturszene Aufmerksamkeit verschaffen. Das liegt sicher auch daran, dass es heute mehr Rennradblogs als Bücher in der Nationalbibliothek gibt. Auch sind Rennradblogs im Gegensatz zur klassischen Literatur einfach zu lesen, weil man nicht mitdenken muss. Die Bilder, die dabei im Kopf gar nicht entstehen, müssen auch nicht verarbeitet werden. Neue Gedanken kommen dabei selten auf.

„Das Bemerkenswerteste an Rennradblogs sind ihre geniale, inhaltliche Banalität und die vielen Fehler. Diese sind so gesetzt, dass sie dem Leser kaum auffallen. Die horrenden Form- und Fallfehler sowie die katastrophalen Grammatikfehler werden von den darin beschriebenen sportlichen Marginalleistungen kaschiert. So eine literarische Feinmechanik muss man erst einmal beherrschen.

Eine Fahrt zum Bäcker ist für die Leser auch viel mehr Wert als ein korrekt gesetzter Beistrich oder eine variantenreiche Wortwahl.“ Volker Weidermann, deutscher Literaturkritiker und Journalist hat sich die Mühe gemacht, die 100 beliebtesten Rennradblogs 2016 von Anfang bis zum Ende zu lesen.

„Das Wetter war schön, aber windig“ – Literatur vom Feinsten.

„Es sind Passagen wie ‚Das Wetter war schön aber windig. Unsere Gruppe bestand aus 6 Personen‘, welche die Rennradblogs charakterisieren. Diese anspruchslose ‚Wurstigkeit‘ ist die höchstmögliche Steigerung der Trivialität. Das muss neidvoll anerkannt werden'“. Volker Weidemann lässt keine Zweifel daran, dass mit Rennradblogs eine neue literarische Ära eingeleitet worden ist.

ktrchts

Suffer score. Eine episch harte Tour.

suffer score

Was für ein Tag. Was für ein suffer score. 323 (in Worten dreihundertdreiundzwanzig) – ein episches Ergebnis. DerRadsporttreff hatte mich gerufen und ich bin wieder einmal diesem Ruf gefolgt. Nach der Sommerliga 2016, der Winterliega 2017, sind es dieses Mal die Frühjahrsklassiker. Fünf Etappen. Fünf Herausfoderungen in Anlehnung an Mailand – Sanremo, Flandern Rundfahrt, Paris – Roubaix, Amstel Gold Race und Lüttich – Bastogne – Lüttich. Lange Ausfahrten, Rundkurse, giftige Anstiege, Kopfsteinplaster – ein Hauch von internationalem Radsport in Wien.

Quäl dich bis zum epischen suffer score.

„Etappe 1. Ausschließlich die längste Aktivität zählt – maximal 300 km!“ Genau meins. Aber nicht schon wieder. Bin ich doch bereits am 27.1. bei der 24Stunden Burgenland Extrem Tour elends lange 334 km gefahren. Als Teamkapitän von #lookprogoslow konnte ich aber nicht kneifen. Also doch. Wieder. 300 km. An einem Tag. Einen ganz bestimmten. Bei einem Zeitfenster von einer Woche und vielen Terminen, musste ich alles auf eine Karte setzen . Und Glück haben. Wetterglück.

Schnell war eine Route mittels bikemap.net erstellt. Die Vorgaben: Möglichst weit wegfahren, um dann wieder möglichst weit zurückfahren zu müssen. Innerhalb der 12 Stunden Licht, die ein 21. März erlaubt. 300 km in 12 Stunden = 25 km/h Schnitt. So der Plan. Sollte sich ausgehen.

Wie jede Rennradausfahrt begann auch diese 300 km Reise bei Null. Und genau diese Null schreckte mich dieses Mal richtig ab. So wie die 1, die 2, die 3 und jeder andere Kilometer bis ca km 290. War ich doch allein unterwegs. Vom Start weg durfte mein Kopf nur rechnen. Meine Gedanken waren zwischen Zeit und Entfernung verloren. Ich hatte Raureif, ich hatte Gegenwind – viel Gegenwind, ich hatte Schneereste, ich hatte Hitze, ich hatte Hunger, ich hatte Langweile, ich hatte Hochs, ich hatte Tiefs, ich hatte Motivationslöcher. Und nach 10h und 40min hatte ich einen epischen soffer score.

Es war also hart. Strava amtlich hart. Für meine Beine, für meinen Hintern, für meine Arme, für meinen Rücken und für mein Hirn. Aber dank des gruppendynamischen Einflusses habe ich das einzig Richtige getan. Ich bin maximal 300 km gefahren. So wie von mir erwartet.

ktrchts

PS: Statt des 25er Schnitt, hatte ich einen 28er Schnitt. Leicht Anzeichen von Frühform.

Zu wenig Selfies. Radfahrer aus Gruppe gemobbt.

Selfies am Rennrad

Erster konkreter Fall von Mobbing im Rennradsport. Ein 47-Jähriger wurde aus seiner Rennradgruppe gemobbt, weil er während der Ausfahrent viel zu wenige Selfies von sich geschossen hatte. Darüber hinaus, wurde er dabei erwischt, keinen einzigen Social Media Account angemeldet zu haben.

Keine Selfies – keine Radgruppe.

Die Geschichte klingt wie ein Albtraum für jeden begeisterten Rennradfahrer. Nichtsahnend war Hannes B (Name der Redaktion von dieketterechts bekannt), schon öfters mit seinem alten Nokia 3100 in einer geselligen Rennradgruppe unterwegs. Während die anderen ständig Selfies schossen, war Hannes B. immer konzetriert im Wind. Sein Handy brav in der Trikottasche verstaut. Genau das aber, stieß dem Rest der Rennradgruppe sauer auf.

Hannes B. war eine Macht an der Spitze des Feldes. Sein unabdingbarer Wille, die Gruppe zu führen sollte ihn eigentlich zum Hero machen. Kaum zu glauben, dass es aber trotzdem zum  Psychoterror kam. Statt Lob und Ruhm erntete Hannes B ständige Schickanen. So ließ man ihn oft einfach fahren. Machte kein Loch zu, schloss nicht auf oder fuhr extra langsam. Bei jedem Ortstafelsprint hatte Hannes B. plötzlich keine Gegner mehr. Er siegte allein und geriet in eine soziale Isolation. Die Frustrationen, keine Gegenspieler zu haben, nagten an der Psyche von Hannes. B. So wurde auch er mit der Zeit immer langsamer. Deprimiert und demotiviert. Hannes B. ritt keine Attacken mehr. Sein inneres Feuer erlosch. Sein Rad nur mehr eine Ansammlung von Fliegen, Dreck und getrocknetem Schweiß. Der stärkste Mann in der Gruppe war nur mehr ganz weit hinten abgeschlagen zu finden. Die vielen Anfeindungen und das Verbreiten falscher Tatsachenbehautungen haben ihn dazu bewegt einen Schlussstrich zu ziehen. Hannes B. spielt jetzt Fußball.

Du musst nicht stark sei. Du musst nur posten.

Es ist wohl das Problem der heutigen digitalen Zeit. Stärke, Wille und tolle Führungsarbeit zählen unter Radsportfreunden nicht mehr. Selfies und Postings sind der Maßstab, an denen ein Rennradfaher gemessen wird. Mobbing im Amateurradsport ist gefährlich.

ktrchts

 

 

Zu vage. Neue Vorschriften für Wetterbericht.

Wetterbericht

Die viel zu vagen Wetterprognosen der letzten Jahre in den diversen Zeitungen, im Radio, im Fernsehen und im Internet und die dadurch verursachten Frustrationen bei Rennradfahrern, haben dazu geführt, dass ein Wetterbericht ab sofort neuen Vorschriften unterliegt. So ist es Wetterfröschen untersagt, allgemeine Behauptungen zu tätigen und die vielen Asphalthungrigen mit Floskeln zu verärgern. Auf Initative des Vereins „Wir wollen Wetter und keine Märchen“ wurden dafür 500 Unterschriften gesammelt. Damit ist das Anliegen vor den Nationalrat gebracht worden, der wiederum nach vielen Debatten, dieses Dekret erlassen hat.

Radfahrer erkämpfen Streichung von Floskeln im Wetterbericht.

Wetterberichte dürfen ab sofort Passagen wie „möglicherweise“, „eventuell“, „wahrscheinlich“, „lokal möglich“, „voraussichtlich“, „gelegentlich“, „aller Voraussicht nach“, „unter Umständen“, „höchstens“ und „allenfalls“ nicht mehr enthalten.  Auch muss das Wetter immer nur für den aktuellen Tag gelten und nicht wie üblich über mehrere Tage hinaus, vorzugsweise Wochenende. Damit soll vermieden werden, negative Stimmungen zu verbreiten. Die Zeiten, wo am Mittwoch bereits die nächste Regenfront für den Sonntag feierlich verkündet worden ist, sind vorbei.

„Es freut uns außerordentlich, endlich diese für uns Radfahrer wichtige Regelung zugesprochen bekommen zu haben. Somit können wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren und laufen nicht mehr Gefahr am Stammtisch über das Wetter jammern zu müssen.“ Herr Josef Rad, Chef des Vereins, der die Sache ins Rollen gebracht hat, kann seine Genugtuung kaum verbergen.

Perfid und zynisch sein, das war unsere Aufgabe beim Wetter. (Marcus Wadsak)

Weniger zu lachen haben indes die Meteorologen. Marcus Wadsak, Chefwetterfrosch im ORF meint dazu „Da kann ich klein zusperren und mir einen anderen Job suchen. Die tägliche Stimmungsmache und das zynisch, perfide Formulieren der Wetterberichte, war genau das, was mir an meinem Job gefallen hat. Das ist wie, wenn man einem Mauerer seine Kelle wegnimmt. Oder dem Politiker seine Krawatte.“ Marcus Wadsak erwägt einen Protestmarsch zu organiseren. Passend zur derzeit laufenden Krötenwanderung, sollen dabei alle Frösche am Weg zu den Laichenplätzen Richtung österreichisches Parlament umgeleitet werden.

Das letzete Wort ist also noch nicht gesprochen.

UCI legt sich fest – Scheibenbremse für alle. Auch für die Bahn.

Rennrad mit Scheibenbremse

Die ewige Diskussion rund um die Scheibenbremse am Rennrad ist Geschichte. Michael Brian Cookson, Präsident des Weltsportverbandes (UCI) hat ein Machtwort gesprochen. „Damit wir nicht noch weitere 20 Jahre diskutieren“. Mit diesen Worten ist wohl alles gesagt und die Scheibenbremse findet Einzug in allen Disziplinen innerhalb der UCI.

Das Kriegsbeil rund um die Scheibenbremse ist von der UCI begraben worden.

„Es macht nur dann einen Sinn, wenn wir alle Disziplinen der neuen Technik öffnen“. Das macht eine Kontrolle einfacher und gibt auch der Industrie neue Möglichkeiten.“ Michael Brian Cookson ist überzeugt, dass diese Entscheidung die beste ist, welche der Weltradsportverband in den letzten Jahren getroffen hat.

„Natürlich freut es mich ganz persönlich, dass es mir gelungen ist, auch den Bahnradsport in diese Regelung mit einzubeziehen“. Dass Bahnräder ohne Bremsen auskommen, war vielen schon ein Dorn im Auge und ein Schönheitsfehler, den wir hier ausmerzen konnten.“ Dem Präsidenten ist da wohl ein Meilenstein in der Radgeschichte gelungen. „Diese Entscheidung wird für viel Diskussionsstoff sorgen, aber in 100 bis 200 Jahren wird keiner mehr darüber diskutieren.“

Im Bahnradsport sollen dieselben Scheibenbremsen wie in etwa jene auf der Straße zum Einsatz kommen. 140 mm Durchmesser und Steckachsen von 12 cm. Möglich aber, dass sich hier aufgrund der Nutzlosigkeit einer solchen Bremse, andere Dimensionen durchsetzen werden. Die Industrie ist schon mal gefordert. Erste Test im Dusikastadion in Wien wurden positiv bewertet. Ein Testteam spulte im Geheimen mehr als 2000 Runden ab. Dabei war nur ein einziger Sturz zu dokumentieren. Das von der Scheibenbremse aufgerissene Loch im Wiener-Parket ist erst viel später aufgefallen und wird gerade untersucht.

Stellungnahmen seitens der Athleten konnten noch nicht eingefangen werden. Möglicherweise ziert sich noch der eine oder andere mit einem Kommentar. Die Gefahr zum Buhmann abgestempelt zu werden ist groß.

Bei der vom 12. bis 16. April stattfindenden Weltmeisterschaft in Hongkong werden die Bahnräder noch im „old-shool“ style zu sehen sein.

ktrchts