Alle Artikel von @_ketterechts

Austria Giro 2016 – von Bregenz nach Wien. Tag 3.

Austria Giro - kurze Pause

Tag 3. Ich halte mich kurz. Der heutige Tag hat etwas länger gedauert als geplant. Es galt ja in der Früh noch ein Campagnolo Schaltseil zu tauschen. Geklappt hat das bei Zweirad Bodner in Sillian. Es war ein learning by doing. Noch nie wurde dort ein Campagnolo Schaltseil getauscht. Geschweige denn auf einem Pinarello. Warum? Weil man so etwas nicht vorrätig hat. Ein Shimano Schaltseil wurde einfach adapitert. Sonst war Vorsichtig das Gebot der Stunde. Logik und Fingerfertigkeit waren die Tugenden. Jetzt könnte ich es auch machen. Könnte. Danke an dieser Stelle an den Chef persönlich.

Start statt 0830 Uhr kurz vor 1000 Uhr. Von Sillian nach Lienz. 36 km in der ersten Stunde. Dann gleich der Iselsberg. Ich war heute nicht allein. Martin hat sich entschlossen, mich zu begleiten. Gemeinsam sind wir den Berg hinauf. Und hinunter. Von Winklern Richtung Heiligeblut nutzen wir den Rückenwind und machen brav Meter. Nach 2h10min sind wir bereits in Döllach. Wir überfallen den ADEG Markt und gönnen uns Getränke. Entgegen der ursprünglichen Route entscheide ich mich, über Apriach zur Fleißkehre zu klettern. Ich finde diese Straße, den schönsten Abschnitt der ganzen Region. Hoch über dem Mölltal ist der Ausblick genial. Keine einzige Wolke trübt den sattblauen Himmel. Als sich auch seine Majestät der Großglockner bemerkbar macht, ist das Glück komplett.

Ab der Fleißkehre fahren wir die Großglockner Hochalpenstrasse. Es herrscht bereits reger Verkehr. Es ist Mittag. Am Kasereck halte ich inne und warte auf Martin. Immer noch keine Wolke am Himmel. Doch. Eine einzige hat sich hier her verirr. Kurze Verschnaufpause und weiter geht es hinunter zum Kreisverkehr. Eh schon wissen. Den höchstgelegenen in Europa. Dann die letzten 7 km und knapp 650 Höhenmter. Je höher ich komme, desto frischer der Wind. Gegenwind. Teilweise. Und es liegt ab dem Wallack-Haus Schnee. Ok. Es liegen Schneereste. Die Reste der Kaltfront von Freitag. Busse, Autos und Motorräder überholen mich. Ich überhole Mountainbiker. Mit diesen fetten und schweren Bikes da hinauffahren – für mich unvorstellbar. Ich ziehe meinen Hut.

Hochtor. 2.504m. Die Temperaturanzeige am Tunnelportal ist leider ausgegfallen. In der Sonne lässt es sich aber gut aushalten. Genau so darf es sein. Ich vernichte den teuersten Eistee mit Höhenzuschalg. Fotosession und weiter gehts. Fuscher Lacke und Fuschertörl. Der gemeinste Gegenanstieg der Welt.

Die Abfahrt nach Ferleiten ist mir dieses Mal zu langsam. Zu viel Gegenverkehr. Ich will nichts riskieren. Überhole immerhin doch  ein paar Busse, Autos und Motorräder. Unten in Fusch begrüßt uns wieder starker Gegenwind. Bruck erreichen wir trotzdem. Dann biegen wir auf die B311 ab. Richtung Schwarzach. Den Radweg lasse ich aus. Er lässt keine angenehme Reisegeschwindigkeit zu. Auch ist er wie alle Radwege einfach zu verwinkelt. Links, rechts, auf, ab, unter der Straße, über der Straße. In Taxenbach erneuter Stop beim Billa. Ein Laugendreieck mit Schinken und Käse. Dazu ein Latella Marille. Saukalt. Aber so gut.

Kurz vor Schwarzach dann doch Radweg. Tipp von Paul. Hinauf nach Unteroberberg. Weitere extra 200 HM. Weil wir es können. Das nachfolgende Labyrinth bis nach St. Johann i. P. verdränge ich aus meinen Erinnerungen. Die Auffahrt nach Wagrain aber nicht. Vollgas. Früher, als ich noch den Amadè Marathon genau hier gefahren bin, habe ich gelitten. Heute war es ein Kindergeburtstag. Mehr oder weniger. Wagrein – Flachau detto. Schön Druck am Pedal. Martin im Windschatten.

Einzig die furia rossa machte mir jetzt Sorgen. Ein lautes Knacksen und Quietschen. Klingt starkt nach Tretlager. Hört sich überhaupt nicht gut an. Morgen mal selber was versuchen. Wenn das nicht klappt, muss ein Plan B her. Aber welcher?

Nach 7h23 Minuten Fahrzeit, 3.600 Höhenmetern und 4.400 verbrauchten Kaloiren ist Radstadt erreicht. Tag 3 hatte es in sich. Morgen Tag 4 und Halbzeit. Wenn mein Rad mitspielt. Und mein Hintern. Da hat sich wieder mal was eingewachsen. Tut höllsich weh bie Sitzen. Es warten mit Obertauern, Sölkpass und Phyrnpass gute 200 km. Ziel Kirchdorf an der Krems.

Gute Nacht.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#austriagiro16 #ketterechts

ps: Fotos gibt es auf Facebook

Austria Giro 2016 – von Bregenz nach Wien. Tag 2.

Austrai Giro - Timmelsjoch

Tag 2. Gestern die längste Etappe. Heute jene, mit den meisten Höhenmetern. Es waren 3.600. Über das Timmelsjoch und den Jaufenpass, durch das Eisacktal und dann das Pustertal. Von Sölden nach Sillian. 190 km. 8h14min Fahrzeit. Insgesamt 8h44min unterwegs.

Ab Sölden gleich bergauf. 1.250 Höhenmeter auf den ersten 25 km. Bis zum Jaufenpass bei km 72 dann gleich 2.600 Höhenmeter. Das nennt sich Einstand nach Maß. Moderat aus diesem Grund auch das Tempo. Obwohl von Sölden auf das Timmelsjoch habe ich heute meine persönliche Bestzeit unterboten. Um ganze 7 Sekunden. Das Wetter war heute nahezu perfekt. Typische Ötztal Frische am Morgen und Eis am Timmelsjoch. Aber dann weiter nach Süden Sonnenbrandgefahr.

Mit dem nötigen Respekt bin ich das Ganze angegangen. Die Gefahr war groß, das Frühstück schnell wieder loszuwerden. Heute erneut mit Knielingen und Ärmlingen. Dafür mit Windweste. Eine gute Entscheidung. Auch die Uhrzeit war gut gewählt. Kaum Verkehr auf der Mautstraße hinauf auf 2.500m Seehöhe. Ein paar Motorräder und ein paar Münchner. Sonst nur ich. Und die Kühe. Das Panorama atemberaubend. Ein dunkelblauer Himmel als Hintergrund einer trostlosen Felslandschaft.

Halbwegs schnell war ich oben. Die Abfahrt nach St. Leonhard für mich eine Premiere. Noch nie bin ich diese Strecke runtergefahren. Eine verdammt lange Abfahrt. Kaum zu glauben, dass ich beim Ötztaler Radmarathon Ende Augsut schon wieder da rauf muss. Eine verdammt lange Auffahrt. Es herrschte auf der engen Straße Hochbetrieb. Radfahrer, Autos und viele Motorräder, teilweise auf meiner Seite. Selten so oft und so lange bergab bremsen müssen. Und den Vogel gezeigt.

Unten angekommen suchte ich nach was Essbarem. Gefunden hat ich einen kleinen Kiosk. 0,5l Gatorade und ein Mars. Das Gatorade habe ich in die Trinkflasche gegeben. Das Mars habe ich dort vergessen. Als ich das bemerkt hatte, wollte ich nicht mehr umdrehen. 20 km Anstieg, 1.300 Höhenmeter ohne fester Nahrung. Ich war schon 2h15 unterwegs.

Nach knapp mehr als vier Stunden erreiche ich die Passhöhe. Gut dosiert. Ich überfalle den Kiosk links und schnappe mit eine Ritter Schokolade Schoko Keks. So schnell konnte ich nicht schauen, war sie schon weg. Verputzt. Dann in die Abfahrt. Bis Kalch lasse ich es krachen. Noch sind es 110 km bis nach Sillian.

In Sterzing entscheide ich mich für den Radweg nach Franzensfeste. Es weht Rückenwind. Ein Vorteil für mich. Der Nachteil ist der Radweg. Der führt auf und ab, von links nach rechts, vorwärts und wieder retour. Über kleine Umwege erreiche ich Franzensfeste. Nach der Festung biege ich links ab ins Pustertal. Vorbei an Aicha und Schabs. Alles Ortschaften, die ich von meiner Kindheit kenne. Habe ich doch hier überall das Tor gehütet. In der A-Jugend und in der Amateurmannschaft.

Kurz vor Mühlbach plagt mich der Hunger. Ich halte bei Lanz. Früher war das eine Holzhütte. Äpfel wurden verkauft. Heute ist es eine riesen Rasstation. Ich hätte gerne ein belegtes Brot. € 8,40 will der Wirt. Ich gehe wieder. Mein Budget von € 10,- reicht nicht aus. Ich fahre weiter Richtung Vintl. Dort kehre ich in einer Tankstelle ein. Zwei Marmelade Crossaints und 1l Eisteee für € 6,-. Es schmeckt. Weiter gehts. Noch 50 km bis Innichen. 64 bis ins Ziel. Seit dem Jaufenpass bin ich mit einem Schnitt von über 30 km/h unterwegs.

Bis Bruneck benutze ich die Staatsstraße. Kaum wieder zu erkennen. Fast nur mehr Umfahrungen. Am Horizont taucht schon der Kronplatz auf. Bruneck ist nicht mehr weit. Ich fahre durch die Stadt und über Umwege hinauf nach Percha. Dann weiter auf der Straße nach Olang. Hier nehme ich wieder den Radweg. Die Rennschnecke hat sich angekündigt. Sie will mir entgegenkommen. Am Radweg. Wieder geht es auf und ab, kreuz und quer. Vorwärts und Rückwärts. Keine Ahnung wer diesen Radweg geplant hat.

Beim Stausee in Olang endet der geteerte Teil des Radweges. Ich fahre knapp 7 km auf Schotter. Vollgas. Der Rennschnecke wegen. Dann passiert es. Das rechte Schaltseil reist. Vermute ich. Ich kann leider nicht mehr schalten. Das kleinste Ritzel ist aufgelegt. Ich habe nur mehr 2 Gänge. 50/11 oder 34/11. Die Rennschnecke hat inzwischen umgedreht.

Ich kämpfe mich mit einer Umdrehung von unter 40 über die Hügel des Pustertals bis Innichen. Dann nehme ich wieder die Staatsstraße. Bei starkem Gegenwind geht es nach Sillian. Mit zwei Gängen. Lustig wars nicht immer.

Morgen steht der Großglockner am Plan. Zuerst aber muss das Schaltseil ausgetauscht werden. Hoffentlich ist es nur das. Entweder gehts zum Zweirad-Center Bodner in Sillian oder mit Kette rechts zu ProBike Lienz. Wäre gelacht, wenn nicht einer von beiden ein Campagnolo Schaltseil hat.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#austriagiro16 #ketterechts

PS: durch die Radwegorgie hatte ich 190 kam statt 184 km am Garmin stehen.

 

Austria Giro 2016 – von Bregenz nach Wien. Tag 1.

Austria Giro - Bieler Höhe

Tag 1. Das könnte sich rächen. Das wird sich rächen. Ich konnte heute nicht wirklich das Tempo drosseln. Außer am Berg. 217 km von Bregenz nach Sölden. 2.900 Höhenmeter. Soloritt. Highlight das Panznauntal mit einem Schnitt von über 40 km/h. Mit Gegenwind. Das könnte sich rächen. Das wird sich rächen.

Es beginnt mit kühlen 12 Grad und Sonnenschein in Bregenz. Kurz die Festspielbühne betreten. Die Spiele beginnen. Der Track führt mich durch das Rheintal. Auf der B 191. Und ihren Seitenwegen. Wenig Verkehr. Zum Rennradfahren perfekt. Entweder eine eigene Radspur rechts am Fahrbahnrand oder eben ein Radweg. Es rollt. Mit über 30 km/h Schnitt auf den ersten 60 km bin ich rasch im Montafon.

Am Morgen habe ich mich entschieden, Knielinge, Ärmlinge und einen Craft Windstopper base layer anzuziehen. Mit dabei auch eine Windjacke. Beste Entscheidung. Erfahrung macht sich bezahlt. Mindesttemperatur am Berg 8 Grad.

Im Montafon bin ich zwiegespalten. Radweg oder Bundestraße. Der Radweg ist gemütlich, aber nass vom nächtlichen Regen. Die Straße befahren, aber trocken. Dann nehme ich beides. Zuerst bis Schruns am Radweg, dann weiter nach Gaschurn – sowohl als auch. Das Tempo ist immer noch hoch. 1000m Seehöhe sind erreicht, als es in die Slivretta Hochalpenstrasse geht. 12 km und weitere 1000 HM warten. Aufgeteilt auf über 30 Kehren. Die Auffahrt auf die Bieler Höhe ist eigentlich nicht steil. Die Kehren laden zum Ausruhen ein. Aber auch einen stärkeren Gang einzulegen. Ich dosiere. Fotografiere. Nein. Ich fotografriere. Es ist frisch. Der Winter hat die Silvrettakette über Nacht besucht. Auf den Berggipfeln liegt Schnee. Nach knapp 4h10min und 103 km bin ich oben auf 2.032m Seehöhe. Der erste Streich ist vollbracht. Der höchste Pass Vorarlbergs meiner.

Kurz umziehen. Windjacke anziehen und ab ins Paznauntal. Galtür, Ischgl, Kappl, See. 49 km bis Landeck. Bei Gegenwind. Von 2000 Metern hinunter auf 700. 70 Minuten Fahrzeit. Die Beine brennen. In Landeck steuere ich einen  Billa an. Mittagessen. Eine Wurstsemmel. Beinschinken und Gouda. Dazu ein Liter Eistee. 0,5l für sofort. Der Rest kommt in die Trinkflasche. Ein Snickers wird sicherheitshalber mitgenommen. Bis hierher habe ich mir drei Milka Tender Haselnuss und 1l Tiroler Iso-Drink einverleibt. Bevor ich die letzten 67 km in Angriff nehme, gönne ich mir noch ein Peeroton Gel.

Die B171 bis Imst wird vom Gegenwind beherrscht. Bei Mils überrascht mich ein fetter Anstieg. Ich hätte doch den Radweg im Tal nehmen sollen. Ich kann mir die A12 von oben anschauen. Auch nicht alltäglich. Imst – Roppen – Haiming. Es zieht sich. Dann bin ich schon auf der Ötztaler Bundesstraße. Noch 34 km bis Sölden. Pinkelpause. Danach muss das Snickers daran glauben.

Die 34 km vergehen überhaupt nicht mehr. Die letzten 500 Höhenmeter auch nicht. Der Verkehr ist auch nicht ohne. Audi RS quattro mit IM-Kennzeichen überholen mich in Massen. Das Ötztal ist ein reiches Land.

Nach 7h53 Minuten ist es geschafft. Tag 1 ist Geschichte. 28 km/h Schnitt. Das könnte sich rächen. Das wird sich rächen. Gute Nacht. Morgen gibt es das Timmelsjoch und den Jaufenpass zum Frühstück.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#austriagiro16 #ketterechts

PS: Besonderen Dank an dieser Stelle an meine Rennschnecke. Sie weckt mich frühmorgens und empfängt mich am späten Nachmittag.

Austria Giro 2016. Der Vorabend.

Bregenz am Bodensee

1723 Uhr. Nach mehr als 7stündiger Fahrzeit sind wir via Linz, Passau, München, Memmingen in Bregenz angekommen. Über 7h Fahrzeit statt der geplanten 5. Starker Regen, Baustellen und jede Menge deutscher Freunde haben mich etwas aufgehalten. Jetzt kann der Austria Giro 2016 endlich losgehen.

Vorfreude auf den Austria Giro 2016.

Die Vorfreude ist groß. Der Hunger auch. Etwas Sightseeing an der Promenade, obligates Seefoto inklusive Festbühne und dann die Suche nach einem Italiener. „Holzofenpizza“ googeln. Ein Suchergebnis. 20 Minuten Fußmarsch. Don Camillo erreicht. 30 Minuten mit knurrendem Magen auf die Pizza gewartet. Pizza verschlungen. Essbar. Aber nichts Besonderes. Zahlen. Zurück in die Stadt. Eis. Unbedingt. Schlemmen. Frieren. Zurück ins Hotel. Route für morgen checken. Track auf den Garmin laden. 217  km über die Silvretta. Ziel ist Sölden. Wetterbericht nicht so schlecht. Start früh. Wir lesen uns. Gute Nacht.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#austriagiro16 #ketterechts

PS: 1400 km in 8 Tagen warten auf mich. Mehr als 21.000 Höhenmeter. Österreich von West nach Ost.

Die Tauernrundfahrt 2016 – mein persönlicher Rückblick

Tauernrundfahrt

Herrlich. Ich muss heute nicht essen. Ich kann. Aber ich muss nicht. Heute habe ich Ruhetag. Zumindest aus sportlicher Sicht gesehen. Kein doppeltes Frühstück mehr. Kein Gel-Drücken im zwei Stunden Abschnitt. Kein Hingreifen zu Kuchen und Schokolade. Kein Kaiserschmarrn als Nachspeise nach der eigentlichen Nachspeise. Kein googlen nach offenen Döner- und Pizza-Buden. Kein nächtlicher Snack vor und weit nach Mitternacht. Kein „bringens her, wir essen das schon auf.“ Kein Zwang nach Kalorien. Kein Würgen nach fester Nahrung. Nichts von all dem. Die Tauernrundfahrt ist gestern zu Ende gegangen. Der normale Alltag hat mich wieder. Ich muss heute nicht essen. Und ich muss heute nicht Rennradfahren. Ich kann. Aber ich muss nicht.

Tauernrundfahrt. Essen. Schlafen. Rennradfahren.

Das ganze bitte fünf Mal wiederholen. Von Salzburg nach Salzburg über bekannte und weniger bekannte Bergstraßen. Dientner Sattel, Filzensattel, Griessenpass, Kerschbaumer Sattel, Gerlospass, Großglockner Hochalpenstrasse mit Fuscher Törl, Hochtor und der Kaiser Franz Josefs Höhe, Schönfeldsattel, Prebersee, Sölkpass, Koppenpass und Postalm. Macht in Summe 741 km und 11.226 Höhenmeter. Das Ganze in 27h und 25min bei einem Gesamtschnitt von 26,74 km/h und einem Energieverbrauch von 66.679 Kilojoule (dazu kommt noch der normale Bedarf von ca. 33.913 Kilojoule in 5 Tagen). Kopf, Beine und Verdauung waren bis aufs Höchste gefordert.

Die Tauernrundfahrt ist zu Ende. Zeit einfach ein wenig nachzudenken. Solange die Erinnerungen frisch sind. Für dieses Jahr nehme ich folgendes mit:

  • egal wie stark du bist, wie motiviert du bist, wie angriffslustig du bist. Es gibt immer einen, der stärker, motivierter und angriffslustiger ist. Als erster am Berg ankommen? Utopie!
  • Schmäh zählt nicht mehr. Alles was zählt ist Strava. Kaum angekommen wird der Tag schon hochgeladen. Und dann wird analysiert. Watt, VAM, PCO, sufferscore, KOM’s, Vorsprung, Rückstand …
  • 25, 27 und jetzt 29. Ich werde älter. Oder gescheiter? Egal. Das 29er Ritzel war eine Wohltat.
  • nach anfänglicher Skepsis habe ich mich in meinen Hutchinson Fusion 5 Galaktic 25mm Hinterreifen verliebt. Es ist erstaunlich was 2mm mehr ausmachen. Speziell bergab. Das bisschen mehr Grip verleiht dir in den Kurven schräge Flügel.
  • auf Garmin kann man sich leider nicht mehr verlassen. Ganze drei Systemabstürze in fünf Tagen. Zuerst beim Prolog nach Software Update für die Vector2 Pedale. Garmin ließ sich nicht mehr einschalten. Dann unterwegs. Garmin ließ sich nicht mehr in Gang setzen. Blockiert. 40 km meines Lebens wurden mir gestohlen. Gestern dann kein GPS Empfang. Weitere 40 km meines Lebens dahin. Zum Glück musste ich nicht navigieren – ich wäre sonst immer noch irgendwo in den Tauern.
  • Touristen bringen Geld. Und das ist gut für die Wirtschaft. Deutsche Touristen bringen aber auch Ärger mit sich. Sie hupen, schneiden und rasten aus. Wo ist da noch der Urlaub, wenn man sich über ein paar Rennradfahrer so aufregen muss?
  • wenn was kaputt geht ist a) das Material schuld oder b) man hat zu viel Kraft. Ich habe die Feder des Freilaufes zerstört. Jene Feder, welche die Sperrklinken zusammenhält. Es war nicht lustig die Etappe so zu Ende zu fahren.
  • Campagnolo Freilauf ist nicht Campagnolo Freilauf. Was bringt dir ein intakter Freilauf, wenn dieser nicht auf die Nabe passt? Nichts. Statt High Heels bin ich Alu-Heel gefahren.
  • Die Arbeit eines fahrenden Social Media Reporters scheitert an der Sprache. „Bitte mit genügend Abstand hintereinander abfahren, damit ich von jedem ein Foto machen kann“ wurde mit einem kompakten Gruppentreffen in besagter Kehre quittiert. Das nächste Mal vielleicht per WhatsApp Nachricht informieren.
  • Kollektives Leiden ist ein besonderes Leiden. Es tut weh. Doch es tut nicht so weh. Weil es anderen auch weh tut. Kompliment an alle, mit Betonung auf ALLE, welche die Tauernrundfahrt beendet haben. Von den Schnellsten zu den weniger schnellen. Chapeau.
  • Defektteufel sind manchmal auch im Urlaub. Meine Ausgeschlossen. Außer einem Dura Ace Schaltkabel, der sich selbst aufgefressen hat, musste in der schnellen Gruppe kein weiteres Teil einem Defekten weichen.
  • Intimpflege wird überbewertet. Eine Minderheit kümmerte sich nach den Etappen ums Rad. Obwohl in den Hotels Shampoo und Putzlappen zur Verfügung standen. Meine Devise: Zuerst das Rad, dann der eigene Körper.
  • Mach dich immer mit der Topografie der Bergankünfte vertraut! Dann packst du die Jugend mit Taktik. Schlauheit sticht Kraft.
  • Fokussiere dich auf deine Stärken. Und wenn diese im Abfahren liegen, dann fahre ab. Gas geben, bremsen, steuern, Gas geben, bremsen, steuern … Die Mühen der Auffahrt werden so vielfach belohnt. Das Gefühl mit dem kurveninneren Knie a la Valentino Rossi am Asphalt zu streifen ist kaum zu überbieten. Maximal bergauf.
  • Beherrsche dein Rad. Wenn dein Vordermann plötzlich langsamer wird und du mit deinem Vorderreifen beim Ausweichen seitlich seinen Hinterreifen touchierst, darfst du einfach nicht auf die Fresse fallen. Das tut weh. Egal wie, bring dein Fahrrad wieder dorthin, wo es dich verlassen hast. Mir geschehen auf der Auffahrt zur Postalm. Ich weiß nicht wie, aber ich weiß dass ich es geschafft habe, den Asphalt nicht zu küssen. Zuerst links dagegen gehalten, dann rechts. Und als das Fahrrad über das Bankett gesprungen ist, habe ich es wieder zurück geworfen.
  • Adrenalin kann man in Watt umwandeln. An der richtigen Formel und Dosierung bastle ich noch.
  • Eine perfekte Organsiation und Logistik, eine hoch motiverte Mannschaft, ein fachkundiger Mechaniker, eine gelungene Hotelauswahl (von Jungendherberge bis zu ****Hotel) und eine fordernde Streckenauswahl. Ich wurde gut gebettet, versorgt und betreut. Danke.

… Fortsetzung folgt, sofern neue Erinnerungen aufkommen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#trf16 #ketterechts #styliseyourride

Ich mache eine Rennradreise und packe ein.

Was kommt in den Koffer? © Fotolia

Was habe ich für ein Glück. Ich darf wieder auf Rennradreise gehen. Durch die Tauern bei der quaeldich.de Tauernrundfahrt. Dientner Sattel, Filzensattel, Gerlospass, Großglockner Hochalpenstrasse, Schönfeldsattel, Sölkpass, Postalm. Die wohl letzte Tauenrrundfahrt in dieser Form. Aber das ist eine andere Geschichte. In diesem Blogbeitrag geht es um das Thema Gepäck. Was packe ich ein? Was nehme ich mit? Was darf nicht fehlen? Auf was kann ich verzichten?

Fünf Tage am Rad sind nicht viel. Fünf Tage Material aber schon. Denn für die fünf Tage brauche ich nicht nur Gewand, sondern auch etliche Ersatzteile und Werkzeuge. Selbst ist der Rennradfahrer. Auch wenn bei den Reisen mit Roland W. von quaeldich ein Mechaniker dabei ist. Samt Ersatzteilen. Und Roli hat alles was ein Campagnolo Freak so braucht. Zum Ersatzmaterial dazu kommt noch jede Menge technisches Equipemeint für meine Video- und Fotoreportagen.

Also. Ich selber packe wie immer im letzten Augenblick. Etwas Erfahrung hilft mir vielleicht. Der Kick, etwas zu vergessen, ist immer dabei. Bevor das Packen aber beginnt, checke ich natürlich mein Rad. Für die 11.000 Höhenmeter benötige ich gut funktionierende Bremsen. Ja. Auch ich bremse. Selten. Und wenn, dann hauptsächlich bergab. Die Bremsbeläge sind also meine Achillesferse. So halbe Sachen mag ich nicht. Entweder tausche ich die Bremsbeläge gleich aus oder ich nehme mir neue mit. Für meine Alu-Laufräder sind das je nach Budget die original Campagnolo oder die Swisstop mit dabei. Auch dieses Mal. Beide funktionieren und sind leicht einzubauen. Mit leichten Vorteilen für die original Campagnolo. Die schnappen besser ein. Bremsbeläge verbrauche ich auch deshalb überdurchschnittlich, weil meine M.o.s.t. Laufräder eine Rille haben. Diese dienst zur Kontrolle, ob die Felge noch ok ist. In dieser Rille sammelt sich aber das Regenwasser und das wäscht mir dann die Bremsbeläge aus. Hat wohl keiner daran gedacht, als es das konzipiert hat. Für die Carbonlaufräder setzte ich auf die roten Campagnolo Bremsbeläge.

Je nach Profil wähle ich auch die richtige Übersetzung aus. Heuer werde ich eine 11-27 montieren. Reicht auf alle Fälle für die bevorstehenden Klettertouren. Für die Option Kitzbühler Horn packe ich ein 29er 3er Ritzelpaket ein (23, 26, 29 statt 23, 25 und 27) zusätzlich ein. Damit kann ich die 11, 12, 13, 14, 15, 17 , 19 und 21 jederzeit ergänzen. Vorne 50/34. Auch die Reifen kontrolliere ich und tausche diese aus, wenn ich merke, dass das Gummi spröde oder alt ist. Gerade eben habe ich hinten einen neuen Hutchinson Fusion Galactik montiert. 25mm. Bei den Carbonlaufrändern ist ein neuer Vittoria Corsa CX 23mm in Vorbereitung. Derzeit wird dieser ausgedehnt. Heute Nachmittag wird geklebt. Mit Magic Mastik ist er ja innerhalb von 12h fahrbereit. Einem Start am Mittwoch steht nichts im Wege. Die Entscheidung Carbon oder Alu wird kurzfristig getroffen. Mit Einbeziehung der 5-Tage Wetterprognose. Derzeit sieht es nach ganz passablem Wetter aus. Zunächst schwül und gewitteranfällig – im Laufe der Woche warm und trockener.

Damit wirklich nichts dem Zufall überlassen wird, schaue ich heute Nachmittag auch noch bei Radsport Grassinger vorbei. Kann sein, dass ich auch die Kette noch tausche. Sie hat schon eine hohe Anzahl an Kilometern am Glied. Kostet ja alles nichts. (Achtung: Ironie).

Zurück zum Packen. Heute fahre ich weg. Demnächst packe ich. Fünf Tage. Fünf ketterechts Garnituren nach dem Motto „look pro – go slow“. Also fünf Mal Radhose und und fünf Mal Radtrikot. Miteinander und zueinander passend. Dazu noch Windweste. In meinem Fall drei Sorten. Damit alles zusammenpasst. Ärmlinge, Beinlinge, Knielinge, Regenjacke, Regenhandschue, Regenüberschuhe, vier Unterhemden, zwei Radmützen, fünf Paar Radsocken, zwei Stirnbänder, zwei Buff-Mützen und eine Regenüberhose. Habe ich was vergessen? Hoffe nicht. Ja. Die Radschuhe. Vielleicht nehme ich zwei Paar mit. Und meinen Helm. Auch diesen möglicherweise doppelt. Und die Radbrillen. Auch in zweifacher Ausführung. Technische Geräte wie Garmin Edge1000 und Pulsmesser dürfen nicht fehlen. Zwei Mal GoPro und zwei Mal Garmin VIRB auch nicht. Dazu noch jede Menge Ladekabel und Stecker.

Medizinisch rüste ich mich mit einer Bepanthencreme auf. Dazu noch Aspirin für den Fall, dass mein Schädel brummt, Sonnencreme, Pantoloc für den Magen und falls die Verdauung nicht mitspielt auch etwas für die Darmreguliereung.

Der Rest ist für die Zeit zwischen dem Radfahren. Obligates und Optionales. Auch hier natürlich im ketterechts-Style.

Am Mittwoch gehts los. Und ihr könnt live dabei sein. Auf Twitter, Instagram und Snapchat (CristianGemmato).

Wir lesen uns.
#ketterechts #trf16 #styliseyourride 

Nicht alles was Gold ist glänzt. Nicht alles was Garmin ist, funktioniert.

Ein Erfahrungsbericht von ketterechts - dem Rennradblog
Nicht das, wofür es gedacht ist – Vector2 Teilstück

Eines vorweg. Garmin Produkte sind gut. Brauchbar. Ich will nicht sagen essentiell, denn auch andere Mütter haben brauchbare Töchter. Garmin Produkte sind aber auch nicht ganz unfehlbar. Vielleicht habe ich ein Händchen dafür, Dinge an ihre Schmerzgrenze zu führen und umzubringen. Denke aber, dass sie das aushalten sollten.

Seit Jahren benutze und verwende ich Garmin Produkte. Angefangen hat alles mit einem Garmin Edge500. Vor mehr als 5 oder 6 Jahren. Diesen Garmin habe ich noch. Er funktioniert. In der Trikottasche. In die Halterung passt er nicht mehr. Die Zapfen an der Unterseite des Gerätes sind gebrochen. Eine Reparatur unmöglich, da ich die Teile nicht mehr finde. Die Klebervariante interessiert mich nicht mehr. Darum geht es aber nicht. Der Edge500 hat seine Dienste erfüllt und ist ammortisiert.

Nach dem Edge500 habe ich mir einen Edge1000 zugelegt. Dazu noch die Vector2 Pedale, die VIRB Elite und die VIRB XE. Der 1000er und die Pedale sind seitdem in Dauereinsatz. Sofern sie funktionieren. Und das tun sie nicht immer.

Die Pedale sind ein geiles Spielzeug. Sie sind leider auch ein filigranes Spielzeug. Perfekt für eine Sonntagsausfahrt. Einmal in die Pedale und nie mehr raus. Das scheint das Konzept gewesen zu sein. Vermehrtes Ein- und Ausklicken vertragen die Pedale nämlich nicht. Die Vectorsensoren und die Pedale stehen sich nämlich im Weg.

Am Besten nur einmal einklicken.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber während einer Fahrt klickt man schon des öfteren aus. Ich zumindest. Ich bin ja kein Profi. Ich muss an Ampeln stehen bleiben. Genauso wie bei Pausen zum Pinkeln oder zum Essen. Ich bleibe auch stehen, wenn es darum geht Fotos zu machen. Das passiert oft spontan und schnell. Genau wie das wieder weiterfahren.

So jetzt suche in der Eile die richtige Position des Pedals. Meistens passiert das mit der Schuhspitze, was wiederum die schönen Schuhe beschädigt. Anderes Thema. Genau diese Bewegung ist für die Vectorsensoren fatal. Ein wenig zu viel Kraft, Hektik, Eile, Drehmoment, Winkel – und ist das schöne Teil ab. Siehe Foto oben. Mir ist das bereits nicht nur einmal passiert. Darf nicht sein. Sollte auch nicht sein. Speziell die Bewegung nach vorne mit Druck in die Pedale zu kommen ist tödlich, wenn man dabei den Sensor touchiert.

Wenn das alles wäre. Einmal ist mir sogar der kleine Imbusschrauben gebrochen. Jener, mit dem man den Vectorsensor an die Pedalachse befestigt. Trotz Drehmomentschlüssel. Wenn das alles wäre. Schon mal die Knopfbatterien getauscht? Es ist ein Lotteriespiel. Mal sitzt die Batterie so fest, dass sie schwer aus der Halterung springt. Und wenn, dann samt Kontaktplakette. Mir passiert. Vectorpedal kaputt.

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Nicht alles was Garmin ist, funktioniert. Bei mir. Ob es jetzt Pech ist oder ich einfach ungeschickt bin, kann ich nicht sagen. Zum Glück hat Garmin einen guten Service. Auf die neue Batteriehalterung samt Kontaktplakette warte ich aber noch.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Die Wahrheit über Einlegsohlen für Rennradschuhe mit Carbonkern.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennrad Blog
Solestar kontrol BLK im Suplest Edge3+

Jetzt habe ich sie getestet. Die Solestar Kontrol BLK Einlegsohlen mit Carbonkern. Über 1000 km haben sie schon in den Schuhen. Und es werden mit Sicherheit mehr. Denn hergeben werde ich diese Einlegsohlen sicher nicht mehr. Mein Gefühl am Rad ist ein ganz neues. Volle Kraft voraus. Jeder Tritt geht direkt ins Pedal. Jede Kurbelumdrehung ein schöner Schub nach vorne. Keine müden Zehen. Keine Druckstellen. Die Kombination meines Schuhs mit dieser Sohle einfach perfekt. Ich kann behaupten, dass ich schneller geworden bin. Mehrere längere Ausfahrten mit vierstelligen Höhenmetern jenseits des 30 km/h Schnitts belegen mein subjektives Gefühl. Leider habe ich nur diesen Parameter als Vergleich. Mein Garmin Vector2 muss repariert werden. Wattmessung steht mir also zur Zeit nicht zur Verfügung. Damit wäre die Sache für mich erledigt. Ist sie aber nicht. Mich interessiert auch warum das so ist bzw. so sein kann.

Der Schuh darf ruhig drücken. Als Ganzes aufs Pedal.

Es gibt zwischen Rennrad und Rennradfahrer drei Kontaktpunkte. Der Lenker, der Sattel und die Pedale. Letztere sind zusammen mit den Rennradschuhen dafür verantwortlich, die Kraft aus den Beinen aufs Rad zu übertragen. Je besser und kompakter dieses Pedal/Schuh-System ist, desto weniger Kraft geht dabei verloren. Ziel ist es, das Maximum an Kraftübertragung zu erzielen. Systemstörungen bedeuten Kraftverlust. Kraftverlust bedeutet weniger oder langsamerer Vortrieb.

Der Rennradfahrer braucht also einen guten Schuh. Perfekt ist der Schuh, wenn er den Fuß millimetergenau umschließt. Er muss einfach passen. Und zwar dort, wo der Fuß am breitesten ist. Im Vorfuß und an den zwei äußeren Mittelfußknochen. Er muss eng sein, darf aber nicht drücken. Zunge und Verschlusssystem sind weitere Parameter. Die Suche nach dem richtigen Schuh kann also ein längerer Prozess sein. Haben wir ja alle schon mitgemacht. Dann kommt noch die Einlegsohle. Ihre Aufgabe ist es den Fuß richtig zu betten und den guten Schuh zu unterstützen. Weiters kann eine Einlegsohle die Kraftübertragung unterstützen. Ein biomechanisches No-Go wäre das Einknicken des Fußes in der Längsachse. Eine steife und kompakte Sohle kann also nicht schaden. Das wäre zumindest die Theorie.

Die Praxis hat Standardlösungen. In jedem Schuh. Vom hochpreisigen bis hin zum günstigeren Modell. Für jeden Schuh die selbe Sohle. Für jeden Fuß, die selbe Sohle. Die Praxis hat aber auch ältere und ausgelaugte Schuhe. Mit kaputten Zungen, ausgeleierten Verschlusssystemen. Rennradschuhe, die eben nicht mehr perfekt sitzen können.

Egal ob jetzt neuer Schuh oder alter Schuh. Schaut euch einmal eure Sohle an. Taugt sie nicht, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie zu ersetzen. Von der orthopädischen Sohle, über Standardlösungen wie SQ-Lab oder BootDoc bis hin zu eben Solestar. Mit den Standardsohlen wie jene, die in den Suplest Schuhen „serienmäßig“ drinnen sind, bis hin zu den Kontrol BLK oder sogar den noch individueller anpassbaren Custom BLK.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog

Es ist jetzt nicht meine Aufgabe, die technischen Finessen dieser Sohlen zu beschreiben, noch deren Werbeaussagen zu wiederholen. Das kann jeder auf der Webseite nachsehen. Was ist kann ist meine subjektive Meinung dazu äußern. Nachdem ich in meinem Suples Edge3+ Schuhe bereits eine Solestar Sohle hatte, musste ich diese nur austauschen. 27,5 gegen 27,5. Sie neue Sohle hat als von Anfang an bestens gepasst.

Auffallend war (und ist immer noch), wie eng der Schuh mit der neuen Sohle geworden ist. Eine Enge, die aber nicht gestört hat. Ich musste beim Anziehen anfangs sogar den Schuhlöffel benutzen. Mittlerweile habe ich den Dreh heraus und behelfe mir mit dem Zeigefinger. Auffallend war auch ein gefühlter Fremdkörper im Schuh. Unter dem Fußgewölbe. Auch dieser war nicht störend. Mittlerweile spüre ich ihn auch nicht mehr. Ansonsten habe ich mich sehr schnell an die Sohle gewöhnt und will sie nicht mehr missen.

Ich habe mein Pedal/Schuh-System verbessert und ein paar km/h und Watt herausgeholt.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

Nachtrag 02.08.2016

Jetzt habe ich die Sohlen auch bei meinen 2 Jahre Alten Sidi Wire Carbon getestet. Und ich muss mich wiederholen. Der Schuh fühlt sich anfangs sehr komisch an. Nach 60 Minuten hat sich alles wieder normalisiert und ich konnte druckfrei in die Pedale treten. Die Sohle (selbe Größe) passt auch in den schmalen SIDI Wire und macht den Schuh wie oben bereits beschrieben ist zu einem perfektem Verbindungstück zum Rad.

Cuore sportivo. Ein Wochenende mit 170 PS.

Cuore sportivo

„Lieber Herr Gemmato, herzliche Gratulation zum Gewinn! Einem aufregenden Wochenende mit der neuen Alfa Romeo Giulietta steht nun nichts mehr im Weg!“ So einfach kann ein kleines Abenteuer beginnen. Und so einfach war es auch. Schade, dass es bereits zu Ende ist. „Cuore sportivo“ traf „Adrenalina italiana“.

Cuore sportivo

Alfra Romeo und PInarello

Es muss ja nicht immer die eigene Muskelkraft sein, die einem Freude bereitet. Es genügen auch bescheidene 170 PS aus einem 1,4 Liter Benzinmotor. Herzstück einer feurigen Italienerin Names Giulietta. Diese habe ich mir vergangenen Freitag Vormittag abgeholt. Sofort war mir nach dem Einsteigen und nach den ersten Metern klar – meine „furia rossa“ wird mit der Eifersucht zu kämpfen haben. Ob sie eine zweite Dame neben ihr dulden würde?

Wenn ein Alfa Romeo dein Herz erschüttert.

Der immer noch Italiener in mir freute sich wie ein kleines Kind endlich wieder in einen Alfa steigen zu können. Einen modernen Alfa. Stilgerecht erschien ich mit dunkler Sonnenbrille beim Alfa Importeur für Österreich, FCA Austria. Schnell war der Schlüssel in Empfang genommen. „Viel Spass“ wurde mir noch zugejubelt als ich in das Auto gestiegen bin. Der Duft des Neuwagens ließ meinen „cuore sportivo“ höher schlagen. Der Innenraum ganz nach meinem Geschmack. Carbonoptik wohin das Auge blicken konnte.

Pulssschläge im Griff.

Es ist schon etwas Wahres dran am Gerücht, dass die Italiener beim Design zu den Weltbesten gehören. In der neuen Giulietta passt aus meiner Sicht jeder Knopf und jeder Regler. Ich fühlte mich gleich zu Hause. Stile italiano. Typisch Alfa. Das Lenkrad hatte ich gut im Griff. Weniger im Griff hatte ich meine Pulsschläge. Und mein Grinsen im Gesicht.

Platz genommen habe ich in einem Schalensitz, der seinem Namen alle Ehre macht. Wie in Beton gegossen sitzt man hier ziemlich gemütlich tief über dem Asphalt. Ich war schnell mit dem neuen Fahrzeug vertraut. Ein paar Sekunden brauchte ich, um mich auf die Automaik einzustimmen. Irgendwo hatte ich die Bedienung verinnerlicht. Linker Fuß auf die Bremse, Zündschlüssel drehen, Schaltung auf D und schon gings los. Impressionante.

Cuore sportivo

Alles schön in Schale.

Spritztour zum Kopf verdrehen.

Als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen, kutschierte ich die Giulietta souverän aus der Stadt hinaus. Mit weit offenen Augen versuchte ich jedes Detail im Auto aufzusaugen. Die Lenkerschaltung für das 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe, das Schiebedach vorne, das Glasdach hinten, das Start-Stop System, die Schaltpunktanzeige, das Infotainment System mit 5″ Farb-Touchscreen, Bluetooth, USB, Audio-Streaming und Spracherkennung, das Bose Soundsystem und die Alfa D.N.A, das Fahrdynamiksystem mit dem Motor, die Bremsen, die Lenkung, das Getriebe und das Fahrwerk an die Wünsche des Fahrers und die Straßenverhältnisse angepasst werden. Wählbar sind die Modi „Dynamic“, „Natural“ und „All Weahter“. Natürlich bin ich nur mit „Dynamic“ gefahren. Straffe Lenkung, bissige Bremsen, ein Motor der vor dem Umschalten auf 5.000 Umdrehungen hochjault sowie eine Straßenhaftung wie zu besten Pattex Zeiten haben es mir angetan.

Cuore Sportivo

So „zoll’s sein“

Klein aber oho. Mein Fazit. Mit der neuen Giulietta kann man sich sowohl auf Landstrassen als auch auf der Autobahn sportlich dezent durchsetzen. Der cuore sportivo schlägt ganz schön fest. Die Blicke verdutzter Verkehrsteilnehmer sind einem sicher. Der Zug mit dem Kickdown jederzeit abrufbar. Die Fahrt zur nächsten Gelateria mit offenem Dach, offenen Fenster und fettem Beat wird zur Parade.

Alfa Romeo

Bitte einsteigen

Hervorzuheben ist auch, dass die neue Giulietta mit etwas Geschick und Tetris Erfahrung auch ein Rennrad mitnehmen kann. Somit war zwischen dem „coure sportivo“ und der „adrenalina italiana“ Frieden. Hätte ich die notwendigen € 36.100,- für das von mir gefahrene Modell müsste ich eine Nacht darüber schlafen.