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Vorbereitungswoche auf den Ötztaler Radmarathon. Der vierte Tag.

Eine Rennradreise mit ketterechts - dem Rennradblog
Die Gletscherstraße in Sölden – stairway to heaven

Sölden. 0830 Uhr. Die Sonne kitzelt bereits die westliche Flanke der Ötztaler Alpen. Giggjoch und Gaislachkogl brennen bereits im Sonnenlicht. Der tiefblaue Himmel lässt die Berge greifbar nahe erscheinen. Wir haben gerade unser Frühstück in den Verdauungsmodus geschickt und sitzen schon wieder am Rad. Der vierte Tag unserer Vorbereitungswoche auf den Ötztaler Radmarathon wartet mit einer Höhenmeterorgie auf. Der Menüplan gespickt mit Highlights wie die Gletscherstraße hinauf auf den Rettenbach- und Tiefenbachferner, ein Besuch in der Hotelretorte Hochsölden, ein Katzensprung nach Obergurgl sowie die Kletterei nach Hochgurgl und weiter auf das Timmelsjoch. Jeder Teilnehmer darf heute das Buffet plündern. All you can ride. Wir Guides stehen zur Verfügung und sind auf einen langen Tag eingestellt.

Pünktlich geht es los. Es ist kalt. Nur wenige haben sich für die Sommervariatne kurz/kurz entschieden. Windweste und Ärmlinge sind in der Mehrheit. Wir rollen durch Sölden und erreichen schnell die Abzweigung hinauf auf den Gletscher. 12 km und 14 km stehen zur Auswahl. Respektive Rettenachferner und Tiefenbachferner. Beide durch den Rosi Mittermaier Tunnel getrennt. 1,7 km hinauf auf 2.829 m über dem Meerespiegel. Der höchste Tunnel Europas und die höchste asphaltierte Straße der Alpen.

Eine Rennradreise mit ketterechts - dem Rennradblog

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Schnell wird allen klar. Das kann heute heiß hergehen. Rasch sind Ärmlinge und Windweste in den Trikots verstaut und der Aufstieg beginnt. Wir unterqueren zuerst die Gaislachkoglbahn, dann die Doppelsesselbahn Mittelstation. Die Sonne heizt ein. 13% Steigung sind kein Honiglecken. Das Tempo deshalb moderat. Die Gruppe zerfällt. Jeder fährt sein eigenes Tempo. Kehre um Kehre schrauben wir uns nach oben und erreichen die Baumgrenze. Je höher wir kommen, desto imposanter wird der Ausblick. Auf die andere Talseite mit dem Söldenkogel und die Ausläufer der vergletscherten Stubaier Alpen. Immer wieder haben wie die Straße auf das Timmelsjoch mit dem berüchtigten Gegenanstieg zur Mautstelle im Visier. Bis wir im Rettenbachtal verschwinden und die Mautstelle erreichen. Wir sind bereits auf über 2.000 m.

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Kinofreaks ist dieser Teil der Ötztaler Gletscherstraße aus dem Film Spectre mit Geheimagent 007 bekannt. Eine waghalsige Verfolgungsjagd wurde an dieser Stelle und im oben genannten Tunnel gedreht, bevor die Szene ins Lesachtal verfrachtet worden ist. Aber auch internationale Rundfahrten sind schon hier raufgefahren. Die Deutschlandrundfahrt und erst kürzlich die Schweiz Rundfahrt. Ungeachtet dessen kurbeln wir weiter nach oben und genießen die sich verändernde Landschaft.

Aus grün wird grau. In grau. Ab 2.300 Meter Höhe regieren nur mehr Geröll und Felsen. Kein Wunder. Warm ist es hier nicht mehr. Verschwitzt bis auf die letzte Lycra-Faser sind wir dem Gletscher bereits sehr nahe. Mit ständigem Blick auf den wieder belebten Garmin (der dritte Software Absturz innerhalb von einer Woche ist dank der Hilfe meiner Twitter Follower behoben) ist der Countdown auf die 2.600 Meter hoch gelegene Talstation im Gange. Die Gerade nach der allerletzten Kehre beträgt immerhin 2,4 km.

Bei der Abzweigung zum Tiefenbachgletscher bleibe ich rechts und fahre auf den Parkplatz der Skistation. Ich will auf gar keinem Fall das Strava-Segment verlieren. Beim letzten Aufsteig 2014 habe ich es nämlich nicht erwischt.

Eine Rennradreise mit ketterechts - dem RennradblogDiesmal klappt es und ich kann eine 1:12 verbuchen. Für 10,7 km bergauf. Vom Gletscher selber ist diesmal noch einiges zu sehen. Ein kalter April und ein niederschlagsreicher Mai mit Schnee in dieser Höhe haben dem ewigen Eis gut getan. Ein Gletscher wie damals. Abgesehen von den Planen mit denen versucht wird, den Schnee zu konservieren. Es ist eine Genugtuung hier oben zu sein.

Das Warten auf den Rest der Truppe senkt meine Körpertemperatur mit einem Wimpernschlag knapp an die Erfrierungsgrenze. Ich entscheide mich mit Tobias weiterzufahren und die letzten zwei Kilometer zum Tiefenbachferner zurückzulegen. Der Rosi-Mittermeier-Tunnel verschlingt uns. Drinnen ist es kalt, feucht und laut. Rennradspass sieht anders aus. Ein Abendteuer aber genau so. Wencke Myhre und ihr Lichtschein am Ende des Tunnels lassen grüßen. 1,7 km Blindflug. Bergauf. Ein Licht am Rad wäre von Vorteil. Ich habe Glück und ein Bus der Ötztaler Verkehrsbetriebe verfehlt mich nur knapp. Wenige Minuten später hat mich das Tageslicht wieder. Schnell umziehen und warten. Die Sonne versteckt sich. Unsere Zähne klappern.

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Die Abfahrt vom Gletscher nutzen wir um unsere Geschwindigkeitsverträglichkeit zu messen. Ich vertrage anscheinend mehr als 100 km/h. Genauer genommen 103 km/h. Ein entgegenkommender LKW bremst mich leider aus. An der Mautstelle kurze Lagebesprechung. Stefan verabschiedet sich direkt auf das Timmelsjoch. Wir nehmen Hochsölden in unser Palmares auf. Unspektakuläre 350 Höhemeter in eine fiktive Ortschaft bestehend aus Hotels, Hotels und Hotels.

Noch nicht satt, entscheiden wir uns eine Bäckerei in Obergurgl zu plündern. Davor noch Wasser tanken in Zwieselstein bevor es die Serpentinen hoch geht. Ich darf das Tempo vorgeben. Zum Glück. Obergurgl ist erreicht. 2.400 Höhenmeter auf 49 km. Respekt. Die Bäckerei bedankt sich auch für unseren Besuch.

Hochgurgl und das Timmelsjoch werden dankend abgelehnt. Für heute reicht es. Die Sauna wartet. Das Pool am Dach ist attraktiver. Unser Basishotel DieBerge wird angesteuert. Wir schließen unsere Vorbereitungswoche mit einer rasanten Abfahrt nach Sölden ab. 9.200 Höhenmeter in vier Tagen. Wir sind gerüstet.

Die Rookies haben die Strecke und die Tücken der Ötztaler Alpen kennengelernt. Die Wiederholungstäter sind sich ihrer Form jetzt bewusster. Der Ötztaler Radmarathon kann kommen. Wir freuen uns.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: Nächstens Jahr wollen wir wieder kommen. Vormerkungen auf unsere Vorbereitungswoche im Juli und das Rennen Ende August nehme ich gerne entgegen.


Vorbereitungswoche auf den Ötztaler Radmarathon. Der dritte Tag.

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Giplfelstürmer auf über 3000 Metern.

Als hätte ich es verschrien. Von wegen wir haben Beziehungen zu Petrus. Wir sind heute nass geworden. Ziemlich nass. Tag drei unserer Vorbereitungswoche für den Ötztaler Radmarathon bescherte uns eine unfreiwillige Trainingseinheit. Die Wettertauglichkeit. Bis 1300 hätte es trocken bleiben sollen. Um 1000 Uhr ging es los. Zuerst mit leichten Nieseln. Dann war schnell Land unter. 30 Minuten Vollgas. Es hat gereicht uns so richtig einzuweichen. Als wir zurück im Hotel waren, schien wieder die Sonne. Zu spät. Keiner von uns hatte Lust, sich nochmals aufs Rad zu setzen. Ein Fast Ruhetag wurde kurzfristig eingeschoben. Am Garmin magere 36 km mit 700 Höhenmeter. Sölden – Vent und dann wieder retour. Wetterbedingt. Morgen soll’s besser werden. Hoffen wir. Beten wir. Sagen wir. Dann steht der Gletscher am Programm.

Kurzerhand haben wir dann einen Plan B geschmiedet. Dank Ötztal Premium Card ging es hinauf auf 3.040m. Genauer gesagt mit der Gondel. Gaislachkoglbahn I und II. Auf den Spuren von James Bond 007.

Spectre – in Sölden allgegenwärtig.

Ganz Sölden ist nach wie vor 007 verseucht, pardon, gebranded. Am Dorfeingang, am Eingang der Gaislachkoglbahn, in der Mittelstation und natürlich in und rund um der Bergstation. Kenner wissen, wovon ich rede. Das Ice Q wurde im Film kurzerhand in ein Labor umgewandelt. Mit Garage für Autos. Ganz genau kann ich mich an die Szene nicht mehr erinnern. Außer an die Assistentin. Oder war es die Laborchefin? Egal. Wir waren 007. Inklusive Gipfelsturm. 3.058m. Alpines Gelände. Hier oben war der Winter noch präsent. Ziemlich viel Schneereste für Ende Juni.

Verbuchen wir es als Höhentrainingslager mit Panorama Sight-Seeing. Getrübt von der nächsten Schauerfront, die von Westen her schon am Weg nach Sölden war. Innerhalb kurzer Zeit wurde es grau und um gute 10 Grad kühler. Schnell waren die unzufriedenen Gesichter ob der verpassten Radfahrt wie weggespült. Das Sonnenfester seit Ankunft im Hotel dauerte nur knapp zwei Stunden. Sölden war wieder unter Wasser. Also doch wieder Sauna.

Morgen soll’s besser werden. Hoffen wir. Beten wir. Sagen wir. Dann wir die Gletscherstraße fallen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

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Vorbereitungswoche auf den Ötztaler Radmarathon. Der zweite Tag.

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Ötzi Dreamer – nomen est omen.

Tag zwei. Wir haben vollendet, was vollendet werden musste. Mit dem Kühtai heute sind die vier Pässe des Ötztaler Radmarathons gefallen. Der Traum vom Finish ist somit für die Ötzi Dreamer ein kleines Stück greifbarer geworden. Nach weiteren 144 km und 2.100 Höhenmetern. Über Sölden, Ötz, Kühtai, Kematen, Telfs, Haiming und zurück. Der Zweck unserer Vorbereitungswoche mehr als erfüllt. Ab jetzt nur mehr die Kür. Möglichkeiten dazu gibt es in Sölden genug. Ich bin mir sicher, dass auch die Gletscherstraße hinauf auf 2.800m fallen wird. Das Wetterglück scheint auf unserer Seite zu sein. Klopfen wir mal auf Carbon. Kreuzen wir die Finger. Tanzen wir Sonne. Oder noch einfacher: Verlassen wir uns auf den Wetterbericht und lassen unsere guten Beziehungen zu Petrus spielen. Wenn Ötzi Dreamer reisen …

Wir haben es heute etwas ruhiger angehen lassen. Die Strapazen der gestrigen Königsetappe waren noch tief in den Muskeln zu spüren. Zumindest bei mir. Was angesichts der Rampen am Kühtai nicht ganz umzusetzen war. Zum Glück war meine Waffe noch mit dem SuperGiroDolomiti anti Zoncolan 29er Ritzel garniert. So kurbelte ich mich hinauf. Mit der GoPro in der Hand. Was Zeit alles ausmacht. Zeit, die man hat und Zeit, die man nicht erreichen muss. Die Möglichkeit das Kühtai anders zu erleben habe ich voll ausgekostet. Keine Massen an Radfahrern die mich überholen wollen. Keine Massen an Radfahrern, denen ich bergauf ausweichen muss. Nur ein paar Schwertransporter. Fast schon pädagogisch die Auffahrt. Riechen. Spüren. Hören. Sogar das Rauschen der vielen kleinen Bäche und Wasserfälle am Straßenrand ist mir dieses Mal aufgefallen.

Die Passhöhe selber ist eine große Baustelle. Rohbau hier, gefräste Straße da. Busse, LKW’s und wir. Somit schnell obligates Passgruppenfoto und ab in die highspeed Abfahrt. 99,6 km/h. Den 100er habe ich dieses mal nicht geknackt. Kein Problem. Es gibt sicher wieder eine Revanche. Das Sellraintal selber ist auch nicht viel besser. Ich habe aufgehört, die roten Ampeln zu zählen, denen wir begegnet sind. Umso langsamer waren wir dann in Kematen im Backhaus der Bäcker Ruetz. Plünderung hätte man unser Verhalten früher beschrieben. Für uns war es ein Gustieren. Nach dem Auftanken mit Rückenwind nach Haiming und locker flockig zurück nach Sölden.

Danke, das wars. Ein wenig Plantschen über den Dächern von Sölden, Nachschwitzen in der Sauna und Essen. So ein Tag hat schon was Besonderes.

Cristian Gemmato aka @_dieketterechts

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Vorbereitungswoche für den Ötztaler Radmarathon

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Vorbereitungswoche für den Ötztaler Radmarathon.

Der Höhepunkt des Tages. Das Timmelsjoch.

Sölden. Ende Juni. Ich darf wieder Rad fahren. Bei der Vorbereitungwoche für den Ötztaler Radmarathon. Mit Rookies und Wiederholungstätern. Den Teilnehmern der von mir und quaeldich organisierten Schweißtour in die Ötztaler Alpen. Vier intensive Radtage. Einerseits um Höhenmeter zu sammeln und andererseits, um den Neulingen die Chance zu geben, die Strecke vorweg zu kauen und zu verdauen..

Nach der individuellen Anreise aller Teilnehmer am Montag, wurde am Abend beim Essen gleich der darauffolgende Tag mit der Königsetappe angekündigt. Die Wettervorhersage war so gut, dass wir uns entschlossen haben, gleich den Brenner, den Jaufenpass und das Timmelsjoch zu fahren. Der schönste Tag der Woche für die härteste Tour der Woche.

Es war die beste Idee der Tourstrategen (Selbstlob und Lob an Roli). Traumhaftes Wetter entlang der gesamten 224 km und mit gut 4.000 Höhenmetern gespickten Ötzi-Light Strecke haben uns für die Strapazen mehr als nur belohnt. Für mich eine neue Erfahrung, die genannten Pässe ohne Zeit- und Renndruck überleben zu müssen. Prompt fielen etliche persönliche Bestzeiten. Trotz mehrmaliger Pausen ob der Betreuungdienste. Sogar der Abschnitt St. Leonhard – Timmelsjoch war ein Vergnügen. Ob ich jemals wieder so schnell sein kann?

Eine Renradreise mit ketterechts - dem Renradblog.

Eine Renradreise mit ketterechts - dem Renradblog.

Beim Start im 0800 Uhr zeigte sich Sölden von seiner gewohnt kühlen und herbstlichen Seite. Vier Grad und viel Schatten bis hinaus nach Ötz. Altbewährt und altbekant. Das Jahr 2015 mit subtropischen Temperaturen bereits am Start wird eine Ausnahme bleiben. Ab Haiming dann wurde es von Kilometer zu Kilometer wärmer und richtig Sommer. Innsbruck war in der Gruppe über Telfs schnell erreicht. Die Auffahrt nach Schönberg auch, so dass nach weniger als vier Stunden Fahrzeit der Brenner nach knapp 120 km erreicht wurde. Der Brenner ohne dem Kühtai zuvor kein großes Hinderniss.

Wir folgten dann der original Streckenführung über Gossensass, Sterzing und weiter rauf auf den Jaufenpass. Jeder fuhr sein eigenes Tempo. Manche schnell, andere weniger. Easy going. Oben ein traumhafter 360° Blick. Die Abfahrt nach St. Leonhard prägten wir uns gut ein. Schlechter Asphalt und sehr breite, teils meterlange Spurrinnen.  In der Ortschaft warteten wir zusammen, um den letzten Anstieg zum Timmelsjoch in Angriff zu nehmen. Bei perfektem Wetter und einer Aussicht, die herrlicher nicht sein hätte können. Der Blick von Schönau hinauf auf die letzten 10 km wird vielen in Erinnerung bleiben.

Die Ötzi Dreamer hatten dann alle auf 2.504m einen ersten Eindruck von dem, wass sie Ende August erwarten wird. Den Traum es fast geschafft zu haben. Nur noch die geilste Abfahrt samt Kuhausweichmanöver, der perfideste Gegenanstieg zur Mautstelle und dann die Kür nach Sölden. We did it. Light. Aber immer hin. Heute steht das Kühtai am Programm.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

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Hutchinson Fusion5 Galactik. Ein Drahtreifen im Schnelltest.

von ketterechts - dem Rennradblog
Hutchinson Fusion5 Galactik im Volleinsatz

Zum diesjährigen SuperGiroDolomiti habe ich kurfristig meine Alu-Laufräder mit Hutchinson Drahtreifen überzogen. Die Auswahl fiel auf den Fusion5 Galactik. 23 mm vorne und hinten. Nach mehr als 700 km im Schnelltest, ist es Zeit ein paar Zeilen darüber zu verlieren.

Der Reifen kommt in Faltform. Schön aufwendig verpackt. Leicht lässt sich die Konstruktion öffnen. Heraus kommt ein schwarzer Ring aus Gummi, welcher händisch in die richtige runde Form gebracht werden muss. Was nicht allzu schwer ist und das Andocken an die Felge ohne größere Probleme ermöglicht. Mit sehr leichten Handgriffen, sitzt der Drahtreifen dann gleich im Felgenbett. Mit dem Logo auf Höhe des Ventils. Der Schlauch kann anschließend leicht eingelegt werden. Experten unter uns wissen, dass das mit ein wenig Luft am leichtesten funktioniert. Das Stülpen der Felge war dann zu meiner Überraschung ein Kinderspiel. Leicht ließ sich der Draht vom Ventil beginnend in das Felgenbett legen. Mit leichter Kraft auch die letzten Zentimeter zum Schluss. Wie gesagt: 10 Minuten nachdem ich den Faltreifen aus der Verpackung genommen habe. Ohne Schweißausbrüche, ohne Blessuren und ohne Schäden an Material. Jetzt nur noch auf 8 bar aufpumpen und fertig. Übirgens: Der Hersteller empfiehlt maximal 8,5 bar. Das ganze wiederholte ich mit der zweiten Felge. Insgesamt nicht mehr als 20 Minuten Arbeit.

ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog
Der Franzose kommt schön verpackt.

Die Jungfernfahrt erlebten beide Reifen am Donnerstag vor dem Rennen im Wiener Stadtverkehr. Am Weg zur Radwerkstatt. Hin und retour. Ohne besondere Vorkomnisse. Die erste Belastungsprobe dann am Freitag bei meinem Ausflug von Lienz über den Iselsberg ins Mölltal, wo ich von Döbriach zuerst nach Apriach geklettert bin, um dann auf der Großglocknerstraße bis zum Kasereck zu fahren. Beide Hutchinson verhielten sich unaffällig. Einzig die paar „Gummifühler“ an der Oberfläche verabschiedeten sich reihenweise.

Bei der Abfahrt ließ ich nichts anbrennen und stürzte mich ins Tal. Vollgas in die Kehren hinein, kurz anbremsen, einlenken, reinlegen, rausbeschleunigen. Es war trocken und der Halt war sehr gut.

Von Heiligenblut bis Winklern dann starker Gegenwind. Angesichts des bevorstehenden SuperGiroDolomiti habe ich mich ein wenig zurückgehalten und bin das Tral kräfteschonend, aber trotzdem zügig ausgeradelt. Rollwiderstand? Gebremst hat mich gefühlsmäßig nur der Wind. Das Fahrrad rollte sehr gut. Sofern ich die Kraft hatte es zu bewegen.

SuperGiroDolomiti – der erste Härtetest

Sonntag dann der erste wahre Härtetest. Nicht nur für mich. Die zwei neuen Reifen wussten um 0630 Uhr auch noch nicht, was auf sie zukommen würde. Letztendlich waren es 213 km und über 5.000 Höhenmeter. Rasante, steile Abfahrten (Monte Zocolan – Sutrio), katastrophaler Straßenbelag (Plöckenpass – Kötschach sowie streckenweise im Lesachtal), eine Baustalle (Abfahrt Kartitscher Sattel nach Tassenbach) und starke Nässe durch ein kurzes kräftiges Sommergewitter. All das haben beide Reifen überlebt. Sehr guter Grip in den langezogenen und engen steilen Kurven, keine Defekte in den Baustellen (die eine befand sich in einer Abfahrt und ich habe diese kaum bremsend mitgenommen), kein Rutschen bei Nässe und eine für mich zufriedenstellende Rolleigenschaft. Trotz der 8 bar sehr komfortabel. Eigenschaft, welche ich aber eher den Alu-Laufrädern zuspreche.

Alles in allem ein zufriedenstellender Schnelltest. Möge es so bleiben. Fortsetzung folgt.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: für diesen Blogbeitrag bekomme ich kein Geld.

SuperGiroDolomiti 2016 – in monte veritas.

Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger
Fressen oder gefressen werden – Monte Zoncolan

Ein großer Torbogen empfängt uns über der strada provinciale 123. Wir befinden uns in Ovaro und biegen gerade, von Comeglians kommend, mitten in der kleinen Ortschaft links ab. Vor uns stemmt sich der unumstrittene Mythos des Radsports in den Himmel hinauf. Il Kaiser Monte Zoncolan. 10,5 km voller Leiden und persönlicher Geschichten. Schmerzen, die man sich nur als radsportbegeisterter Masochist antun will. Er ist wie ein riesiges Maul, das dich hier verschlingt und oben auf 1.750m vielleicht wieder ausspuckt. Einer nach dem anderen begibt sich in den Rachen des eigenen Schicksals. Es wird hochgeschaltet, was Kettenblätter und Ritzel hergeben. Klack. Sum. Klack. Der SuperGiroDolomiti 2016 hat seinen Höhepunkt. Spekulationen, Ängste, Hoffnungen – das alles zählt nicht mehr. Die ersten Rampen hinauf nach Liariis sind nur ein bitterer Vorgeschmack. Hier ist eine direkte Linie noch im Bereich des Machbaren. Die Pizzableche hinten helfen dabei, das Ganze noch halbwegs dynamisch und anschaulich zu gestalten. Man fühlt sich wie ein langsamer nach oben schleichender Rennradfahrer. Noch.

Die Auto-Pause trifft dich direkt ins Rennfahrerherz.

Nach der ersten ernstzunehmenden wie auch sehr kurzen Verschnaufpause ändert sich das Bild schlagartig. Die Einfahrt in die Hölle ist unscheinbar. Sie trifft dich aber mit voller Wucht. Es fühlt sich an wie eine unsichtbare Kraft, die dein Vorderrad ruckartig nach oben hebt und dich nach hinten wirft. Deine noch so bikegefittete Rennmaschine wird zum Chopper. Dein Garmin stoppt ob der zu geringen Geschindigkeit. Die Auto-Pause trifft dich direkt im Rennfahrerherz. Dein Stolz verabschiedet sich verächtlich. Jetzt ist die Psyche gefordert. Die nächsten 7,5 km entscheiden darüber, was deine Enkelkinder von dir erzählt bekommen. Der Berg ist bereit, dich abzuwerfen.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog und Eventliveblogger
Schaut nicht nur steil aus – es ist auch so.

Mit großem körperlichen Einsatz stemmst du dich aber dagegen. Jeder Tritt ist ein kleiner Sieg gegen die Gesetze der Physik. Auch wenn der Rhythmus deiner Trittfrequenz nur mehr ein Trauermarsch in Moll ist. Dein Schicksal ist das der anderen um dich. Die gemeinsame Sprache ist ein wirres Zickzackfahren. Andernfalls ist die Steilheit hier kaum zu überwinden. Wer geglaubt hat, dass man mit den Beinen Rennrad fährt, der wird hier eines Besseren belehrt. Es sind die Arme, die ziehen, und der Oberkörper, der dabei mitgeht und einem balzenden Hahn täuschend ähnlich sieht. Der Monte Zoncolan ist wohl der einzige Berg, der mehr hält als er verspricht.

Steil. Steiler. Aufragend.

Es ist schon der Name, der einen müde macht. Zermürbt. Verlangsamt. Immobilisiert. Den Rest macht die Topografie. Ein untypischer Verlauf. Steil. Steiler. Aufgragend. Kaum eine Ecke, um sich auszuruhen. Kaum eine Möglichkeit, den Puls zu beruhigen. Kaum eine Chance, die Trittfrequenz zu erhöhen. Der Berg gibt vor. Du darfst ihm folgen. Widerstand ist zwecklos.

Noch fehlen knapp 2 km bis zur Erlösung. Du hast alles gegeben. Kannst nicht mehr. Und plötzlich verwandelt sich der Berg. Er schenkt dir unerwartet wieder Mut. Wenn du bis jetzt nicht gefallen bist, dann geht eine Tür ins Radfahrerparadies auf. Der Monte Zoncolan legt sich kurz flach vor dich hin. Du nutzt diese einzig verbliebene Chance, deine Brust zu schwellen. Alles macht wieder Sinn. Deine Gedanken enden nicht mehr oben am Scheitelpunkt. 10% Steigung fühlen sich verdammt abfallend an. Du bist wieder im Rennen. Beim SuperGiroDolomiti 2016. Nur noch die feuchten Gallerien. Dann die längsten 500 Meter deines Lebens. Die übliche Steilheit imponiert dir nicht mehr. Eine andere Welt. Die letzten drei Kehren sind deine Wiedergeburt mit starken Kontraktionen. Nach einer gefühlten Ewigkeit bist du oben und hast deine Radsportgeschichte neu geschrieben.

Die 123 km danach.

Der SuperGiroDolomiti 2016 war nicht nur der Monte Zoncolan. Gut. Dieser Berg stand sicher im Fokus vieler. Es gab aber auch noch den Gailbergsattel, zweimal den Plöckenpass, die Sella Valcalda und das Lesachtal samt Kartischer Sattel. Genug zusätzliche Höhepunkte, das Rennen nicht am Zoncolan gewinnen zu müssen. Oder zu verlieren. Die 10,5 km waren sehr schwer. Die 213 km sehr lang. Es hat aber Spaß gemacht. Wenn das nächste Jahr der Zoncolan wieder im Programm steht, komme ich wieder. Ansonsten auch.

Cristian Gemmato aka @_dieketterechts

PS: Die Teilnahme am diesjährigen SuperGiroDolomiti war wieder Teil meiner Rennradreise nach Osttirol in Zusammenarbeit mit quaeldich.

Cyclassics Hamburg – das Rookie Programm.

Ein Bericht von ketterechts - dem Rennradblog
Leider kein Rookie mehr

Das ist nicht irgend ein Rookie Programm. Sondern das ist das Cyclassics Hamburg Rookie Programm. Noch sind Plätze verfügbar. Wer also das Abenteuer nicht scheut und gut vorbereitet zum größten Radrennen Europas reisen möchte, der hat jetzt die Chance.

Als Ambassador der Cyclassics in Hamburg, möchte ich euch dieses Programm ans Herz legen. Es gibt die Chance, sich in 8 Wochen gut auf das Rennen in der Hansestadt vorzubereiten. Kompetente Trainer vermitteln dabei Know How und arbeiten mit den Rookies an Fahrtechnik und Ausdauer. Schön nach Plan. So dass die Bewältigung der Strecke (kurz oder lang) zum Vergnügen wird.

Die Facts:

  • Dauer: 8 Wochen
  • Trainingsinhalt: Technik, Kraftausdauer, Teambuildung, Regelwerk
  • 3 Trainings pro Woche
  • Individuelles Coaching
  • Inklusive: Cyclassics-Startplatz und Trikot
  • Eigener Rookie-Startblock
  • Professionelle Begleitung im Rennen
  • Limitiert auf 100 Plätze
  • Early-Bird-Preis bis 31. Mai: 179,- statt 199,- Euro (149,- statt 179,- Euro für sportspaß-Mitglieder)

Anmeldungen sind noch möglich – weil Restplätze verfügbar.

Es geht in erster Linie um geschultes Training unter professioneller Leitung. Ein idealer Einstieg in den Radsport. Neben Technik- und Kraftübungen, steht auch die Vermittlung von Basisregeln des Rennens auf dem Trainingsplan. Der körperliche und geistige Grundstein für eine erfolgreiche Teilnahme will gelegt werden.

Leider ist das Programm „nur“ für jene geeignet, die in der Nähe von Hamburg zu Hause sind, oder keine Scheu davor haben, in Abständen dorthin zu fahren. Zum Beispiel für den Body Check zu Beginn. Dieser dient den Fitnesslevel jedes Rookies zu bestimmen und ein realistisches Ziel für die Hamburg Cyclassics zu setzen. Der Rest sind viele Einheiten aus dem Core-Trianing und dem Functional Fitness. Wozu? Das Core-Training ist ein Top-Workout für den Sixpack inklusive Stabilisierung des Körpers aus dem Rumpf. Agilität und Temposteigerung sind angenehme Nebeneffekte. Ergänzende Elemente für Beine, Brust und Arme kommen vom Functional Training.

Detail am Rande. Das Programm ist heuer leider nur jenen vorenthalten, die noch nicht für das Rennen angemeldet sind.

Anmeldungen sind noch möglich – weil Restplätze verfügbar. Würde mich freuen, die/der eine/n oder andere/n in Hamburg persönlich zu treffen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Der Radrennfahrer in der StVO. Können. Dürfen. Müssen. Ein Nachtrag.

Die Straßenerkehrsordnung

Die letzten Tage habe ich unter anderem damit verbracht, Gespräche zum Thema zu führen. Unter anderem mit den StVO Rechtsexperten des ARBÖ und ÖAMTC. Danke an dieser Stelle an Dr. Stefan Mann (ARBÖ) und Mag. Martin Hoffer (ÖAMTC). Ich möchte euch nicht vorenthalten, was dabei rausgekommen ist.

In erster Linie habe ich die Thematiken „Nebeneinanderfahren“, „Trainingsfahrt“ und auch alles rund um Haftung bei gemeinsamen Ausfahrten angesprochen.

Der Rennradfahrer in der StVO.

Zur Erinnerung: §68 StVO regelt die Rolle des Radrennfahrers im öffentlichen Verkehr. Die Norm ist umfangreich und gespickt mit interessanten Absätzen und Formulierungen. Gleichzeitig sind diese Absätze für mich kleine Fallen, welche viel Interpretationsspielraum offen lassen und so Platz für kreatives Zurechtrücken und -biegen bieten. Grundsätzlich gilt:

Radrennfahrer dürfen zu Trainingszwecken auf öffentlichen Straßen* nebeneinanderfahren

Laut Herrn Mag. Hoffer vom ÖAMTC ist diese Regelung auf Wunsch der Radfahrer-Sportorganisationen legalisiert worden, weil anders ein Halten des Standards österreichischer Radsportler gefährdet gewesen wäre. Wer jetzt meint, damit wäre alles gesagt, der irrt. Denn damit ist fast nichts gesagt.

    • im §68 ist nirgendwo „geregelt“, was genau eine Trainingsfahrt ist. Man spricht von einer Fahrt im Rahmen eines systematsich geplanten, pädagogisch fundierten und methodisch zielgerichteten Handlungsverlaufs zur Steigerung und Optimierung sportlicher Leistungen.
  • Es gibt keine formalen Kriterien diesbezüglich. Ausrüstung und Geschwindigkeit können in diesem Fall Aufschluss darüber geben, ob oder nicht. Also gefahrene Geschwindigkeit, die mit jener wie einer radsportlichen Veranstaltung vergleichbar ist, ein den Normen entsprechendes Rennrad (Fahrrad mit Rennlenker, dessen Eigengewicht im fahrbereiten Zustand 12 kg nicht überschreitet, dessen äußerer Felgendurchmesser mindestens 630 mm und dessen äußere Felgenbreite höchstens 23 mm beträgt) und einer entsprechenden Bekleidung (Vereinstrikot?).

    Zum Thema Bekleidung: Gestern erreichte mich ein Schreiben (danke Thomas), in dem geschildert wurde, dass zwei nebeneinanderfahrende Radrennfahrer von der Polizei ermahnt worden sind. Laut Aussage der Beamten: „Wenn Rennradler mit unterschiedlichen Trikots unterwegs sind, ist Nebeneinanderfahren verboten“. Keine Ahnung ob das so stimmt.

    Wir sehen, dass es eine große Wissenslücke gibt. Sogar bei der Exekutive.

    Laut Herrn Mag. Hoffer: „Mit dieser Regelung sollte aber keinesfalls ein allgemeines Nebeneinanderfahren von Radfahrern (Rennradfahrer? Radrennfahrer?) legalisiert oder gefördert werden. Wenn daher jemand bei solchem Verhalten „kritisiert“ wird, erscheint dies in Hinblick auf das oben Ausgeführte nachvollziehbar.“

Heißt jetzt was? Für mich heißt das jetzt, dass es zwar eine Regelung gibt. Im Falle eines Falles müsste nachgewiesen werden, ob es sich um eine Trainingsfahrt gehandelt hat. Lizenzfahrer haben da sicher einen Vorteil, denn diese können damit nachweisen, dass sie sich für (ein) Radrennen vorbereiten (Ich gehe davon aus, dass jemand, der eine Lizenz hat, auch beabsichtigt Lizenzrennen zu fahren). Hobbyfahrer? Hier wird es wohl etwas komplizierter. Trainieren Hobbyfahrer? Natürlich. Aber wofür? Fitnesstraining (also Kondition und so) ist damit wohl nicht gemeint. Eine Vorbereitung auf einen Radmarathon (oder Triathlon) kommt dem viel näher. Möglicherweise genügt eine Anmeldebestätigung für einen Radmarathon. Oder ein Trainingsplan. Nicht, dass man diese Papiere jetzt mithaben sollte. Sie können aber im Beweisfall vorgelegt werden. Welches Tempo jetzt jenem einer radsportlichen Veranstaltung entspricht, bleibt offen. Eindeutig ist die Regelung was MTB und Triathlonräder betrifft. Mit solchen darf man nicht nebeneinander fahren. Siehe auch interessantes Urteil.

Noch eine Frage stellt sich: Es gibt Felgen bei Rennrädern, welche 24,2 mm breit sind. Laut Regelung also nicht zulässig für Nebeneinanderfahren.

Vorsicht und gute Absicht.

Kommt es bei einer Trainingsfahrt, bei der nebeneinandergefahren wird, zu einem Zwischenfall mit anderen Verkehrsteilnehmern mit Schadensansprüchen, kann man sich auf diese Regelung stützen. Es ist aber wie immer so, dass im Einzelfall ein Richter darüber entscheidet, wie eine Regelung anzuwenden ist. Auch rückwirkend aufgrund der Umstände. Da nicht alles gesetzlich geregelt werden kann, gibt es diesen Spielraum. Vor Gericht gilt es im Nachhinein zu beurteilen, was richtig und falsch war und ein Richter wird entscheiden. Zwei Parteien, zwei „ehrliche“ Sachverhalte, zwei Sachverständigengutachten … ein Richter. Gute Nacht.

Die Verkehrsexperten raten also deshalb immer, die Vernunft walten zu lassen. Es darf kein Hintergedanke verfolgt werden. Wer also durch Nebeneinanderfahren, andere Verkehrsteilnehmer provoziert (zum Beispiel durch langsames Fahren und gleichzeitiges Plaudern), dem kann auch eine Teilschuld anerkannt werden. Es gilt wie immer und überall der Vertrauensgrundsatz.

Sicherheit und Abstand.

Das Thema seitlicher Sicherheitsabstand ich auch so ein heikles. Es gibt ein Urteil des OGH, das besagt, dass der Seitenabstand davon abhängt, wie schnell die Geschwindigkeit des vorbeifahrenden Fahrzeuges ist. Der genaue Rechtssatz im Wortlaut: „Der Seitenabstand muss umso größer sein, je höher die Fahrgeschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges und je labiler das überholte Fahrzeug (mehrspurig, einspurig) ist. Beim Überholen eines einspurigen Fahrzeuges ist unter normalen Umständen ein Seitenabstand von einem Meter ausreichend, nicht aber bei einer Fahrgeschwindigkeit von fünfundachtzig bis einhundert km/h und einer Sichtbehinderung gegenüber dem zu überholenden Fahrzeug.“

Was heißt das? Das heißt, dass auf Bundesstraßen Autos seitlich mehr als einem Meter Abstand halten müssten. Bedenkt man jetzt, dass ein Rennradfahrer nicht genau am rechten Fahrbahnrand fährt (aus Sicherheitsgründen), ist ein Überholen eigentlich nur durch Verlassen der rechten Fahrbahn möglich. Also nicht bei Gegenverkehr, bei Verkehrsinseln, bei Sperrlinien (einfach und doppelt). Theoretisch. Die Praxis sieht da ganz anders aus. Die 1,5m Seitenabstand sind gesetzlich nirgends festgehalten. Sie können aber aus den Umständen heraus abgeleitet werden. Auf alle Fälle sind sie eine Forderung der Radfahrerlobby. Und noch eins. Dieses Urteil des OGH heißt nicht, dass es immer so sein muss.

Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Zu guter Letzt noch ein heikles Thema. Die Haftung. Das Nebeneinanderfahren (und auch das Hintereinanderfahren) birgt Risiken und Gefahren, die oft auch im Krankenhaus oder bei Radhändlern des Vertrauens enden können. Wer haftet denn wann für was? Gute Frage. Auch hier gelten die Grundsätze der StVO. Also ist der Hinterherfahrende jener, der das Risiko zu tragen hat. So lange alles nach normalen Umständen abläuft und dem Vordermann keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann. Rein rechtlich. Auffahren auf den Vordermann ist also eigenes Pech. Stürzt dabei der Vordermann, hat man ein Problem. Zivilrechtlich wie auch strafrechtlich. Beim Nebeneinanderfahren wird’s komplizierter. Hier kenne ich ähnliche Fälle, die beispielsweise unterschiedlich ausgegangen sind. Selber erlebt. Von der Staatsanwaltschaft (ja, diese schaltet sich automatisch ein, wenn es zu Personenverletzungen kommt) wurde in diesem Fall das Verfahren eingestellt. Auch weil alle Beteiligten auf gegenseitige Ansprüche verzichtet haben. Bei einem anderen Fall kam es zu einer Anklage und Verurteilung wegen Körperverletzung. Siehe hier.

Was heißt das jetzt? Auf alle Fälle heißt es aufpassen. Dass nichts passiert. Gegenseitiges Vertrauen. Und natürlich gegenseitige Hilfe. Unter „Kollegen“ und Freunden sollte hier der Verstand siegen. Jeder von uns weiß um die Risiken von Windschattenfahren und Nebeneinanderfahren. Diese Risiken bewusst einzugehen heißt auch mit den Konsequenzen zu leben. Ohne Anwälte. Einzelfälle oder Extremfälle ausgeschlossen. Falls sich jemand „Fremder“ jetzt anhängt oder mitfährt und es passiert was? Fragt mich was Leichteres. Eine Haftpflichtversicherung und eine Rechtschutzversicherung empfehle ich sowieso.

Organisierte Gruppenausfahrten.

Neben der persönlichen Haftung bei Fahrlässigkeit (mit Betonung auf Fahrlässigkeit) gibt es noch die Haftung von Veranstaltern. Wie zB. bei Radmarathons. Ein Veranstalter hat für einen reibungslosen Ablauf seine Veranstaltung zu sorgen. Er haftet für sein Verschulden. Was das ist, wird auch im Nachhinein zu definieren sein. Ein Veranstalter haftet nicht für Verschulden der Teilnehmer oder Dritter. Haftungsauschlüsse seitens der Teilnehmer sind bindend – außer sie sind sittenwidrig. Auch hier sind Einzelfälle und Spezialfälle nicht einfach so pauschal abzuhandeln.

Viel interessanter wird es aber ,wenn es um Gruppenausfahrten geht. So wie sie heute über Facebook oder andere Plattformen organisiert werden. Wird so eine Gruppenausfahrt von einer Person aktiviert, dann kann diese Person sehr wohl auch als „Veranstalter“ im Sinne des Haftungsgesetzes gesehen werden. Beispielsweise, wenn diese Person Startpunkt, Startzeit und die genaue Route festlegt. Mit Betonung auf dem „könnte“. In diesem Fall könnte eine Haftung zum Tragen kommen, wenn beispielsweise die Strecke über eine Passage führt, die für Rennräder nicht geeignet ist (Schotter, Baustelle …), dadurch jemand zu Sturz kommt und sich verletzt. Nicht haftbar ist die Person aber wiederum bei Verschulden einzelner Teilnehmer oder Dritter (parkende Autos, Gegenverkehr …). Pasagen wie „jeder fährt auf eigene Gefahr“ sind mit Vorsicht (seitens des Veranstalters) zu genießen. Eine genaue Kenntnis der Strecke inklusive Plan B oder Ähnliches kann von Vorteil sein.

Ob so eine Gruppenausfahrt auch als Trainingsausfahrt gilt und ab einer bestimmten Anzahl von Teilnehmern angemeldet werden muss – das werde ich noch herausfinden.

Ich hoffe, so etwas mehr Licht in die Dunkelheit des §68 der StVO gebracht zu haben. Weiterhin viel Spass bei der schönsten Nebenbeschäftigung der Welt. Und passt bitte auf euch und die anderen auf.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: auch der ORF hat sich dem Thema gewidmet. Systemgemäß mit einem Prominenten. Ehemaliger Exekutivbeamter und selber vor Gericht. Nicht alles was er sagt stimmt so. Das Video hier.

*nicht auf Schnellstraßen und Autobahnen

Der Radrennfahrer in der StVO. Können. Dürfen. Müssen.

Der Rennradfahrer und die StVO

Niederösterreich. B16. Auf meinem Rennrad am Weg von Wampersdorf  Richtung Weigelsdorf. Es ist Freitagnachmittag. Ich nehme ein immer lauter werdendes Motorgeräusch wahr. Dann taucht im linken Augenwinkel ein dunkler Ford auf, dessen rechter seitlicher Rückspiegel zuerst knapp meinen Oberschenkel und in weiterer Folge meinen linken Arm und meinen Lenker hauchdünn verfehlt. Im Affekt sage ich dem Vorbeirasenden mit italienischer Handbewegung meine Meinung . Das Auto macht eine Vollbremsung und kommt zum Stehen. Auf der rechten Fahrspur. Einfach so. Es riecht nach Gummi. Ich fahre weiter. Rechts am Auto vorbei. Der Fahrer hat das Beifahrerfenster geöffnet. „Oaschloch. Schleich di. Sunst fohr I di übern Haufn“. Ob dieser Drohung überlege ich mir, meine Trinkflasche zu nehmen und zu antworten. Mit einem Kavalierstart Marke fast and furious deeskaliert die Situation. Der Ford ist weg. Die StVO wohl verletzt?

Der Rennradfahrer und die StVO. Können, dürfen, müssen.

Kein Einzelfall auf Österreichs Straßen. Radrennfahrer und Autofahrer. Das ist schlimmer als Hund und Katz, Kai und Abel, Austria und Rapid, Plus und Minus. Aber warum? Ist ja alles geregelt. Benutzung der Straße, Nebeneinanderfahren …. Mit dem § 68 der StVO*. Klar. Deutlich. Vielleicht etwas zu viel Gesetzesdeutsch. Aber immerhin. Aus. Basta. Geregelt ist geregelt. Und an Regeln sollte sich jeder halten. Auch der Autofahrer.

Theoretisch. Das Problem ist, dass Autofahrer kaum akzeptieren können, dass es einen Paragraphen gibt, der sie in „ihrem“ Straßenverkehr schlechter stellt. Schon das Wort „dürfen“ ist Zündstoff. Was? Radrennfahrer dürfen etwas? Frechheit. Skandal. Unverschämtheit. Da wird recht schnell eine gesetzliche Verordnung selbst uminterpretiert. Das „Dürfen“ wird zum „Müssen“. Eine eigene Wirklichkeit (Autofahrerwirklichkeit) konstruiert. Radrennfahrer müssen hintereinanderfahren. Und überhaupt – sie müssen auf den Radweg ausweichen. Den hat man ja schließlich mit Steuern mitfinanziert. Je mehr Radrennfahrer dann in weiterer Folge auf ihr Recht pochen, desto größer wird der Konflikt. Weil in den Augen der Autofahrer ein solches Recht ja unmöglich ist. Was ein Autofahrer nicht kennt, das gibt es nicht. Schon gar keinen § 68 StVO.

§ 68 StVO.

Dazu kommt noch die mediale Berichterstattung. Das Thema, der Klassenkampf, ist ja interessant und schafft Quote. Also hier und da mal einen kleinen Bericht über diesen ewigen Streit im Straßenverkehr. Mit Zitierung des ominösen § 68 StVO und Betonung auf dem „Dürfen“. Redakteure, die womöglich selber noch nie mit einem Rennrad unterwegs waren, schreiben drauf los und gscheiteln. Mit dem einzigen Ergebnis, dadurch die falschen Mäuler zu nähren.

Nicht „dürfen“ und „müssen“, sondern „können“ und „sollen“.

Was tun? Chuck Norris rufen. Er ist der Einzige, der hier reinen Tisch machen kann und machen würde.  Ich selber kann nur vorschlagen, die Thematik einmal ganz von einer andere Seite aus zu betrachten. Kein „Dürfen“ und „Müssen“, sondern ein „Können“ und „Sollen“. Im Sinne der Verkehrssicherheit. Redakteure sollen endlich darüber schreiben, dass Radrennfahrer nebeneinanderfahren sollen. Ein Umstand, der Autofahrern entgegenkommt. Wie dieses Video zeigt. 3×2 Radrennfahrer sind leichter zu überholen, als 6×1. Ohne dabei diese in den Graben zu drängen oder den Gegenverkehr zu unterschätzen. 3×2 Radrennfahrer entsprechen einem Auto. Mehr Radrennfahrer einem Autobus. Nichts Außergewöhnliches. Das wäre einmal der Anfang und nach Chuck Norris ein guter Plan B. Plan C wäre eine Intervention des Verkehrsministeriums. Eine Vereinfachung des Paragraphen inklusive Aktualisierung veralterter technischer Beschreibungen wäre hilfreich. Und bitte, jemand soll mir den Unterschied zwischen Radrennfahrer und Rennradfahrer genau erklären.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #styliseyourride

*es empfiehlt sich für Autofahrer, Motorradfahrer, Mopedfahrer, Busfahrer und Radrennfahrer den Link zu öffnen und das Dokument zu lesen.

Ergänzung 1: RIS – Gesamte Rechtsvorschrift für Straßenverkehrsordnung 1960, Fassung vom 31.05.2016
Ergänzung 2: jusiline.at – Verhalten der Radfahrer StVO