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Dolomiten 2013. Vorschau auf Tag 4

Höhenprofil der Königsetappe.

Wo Königsetappe drauf steht muss nicht Königsetappe drinnen sein. Denn gestern sind wir (ein paar wenige) diese bereits gefahren . 120 km, 3.600 Höhenmeter. Pustertaler Höhenstraße, Hochstein und die Drei Zinnen.

Deshalb sollten die heutigen 100 km mit 3.200 Höhenmetern ein Spaziergang sein. Sollten. Denn das Höhenprofil verspricht ein auf und ab. 5 Berge, 5 Abfahrten. Kaum ein Zwischenstück. Tja. Das sind eben die Dolomiten, wenn man sich mitten in diesen herumtreibt. Unten Dörfer, oben Pässe und links und rechts Möglichkeiten diese zu erklimmen. Was wir auch machen werden. Es ist jetzt wieder einmal 6:00 Uhr morgens und um 9:00 geht es los.

Wir sind in Cortina und die heutige Nacht war schlimmer als die gestrigen. Die Rippenprellung hat sich jetzt voll ausgefalten. Das Bett in dem ich mich jetzt noch befindethat nichts dazu beigetragen, mein Leid zu lindern. Im Gegenteil. Cortina ist halt in den 50iger Jahren gebaut worden. Und seit dem nicht mehr renoviert. Es hat Flair. Es ist schön. Doch nicht für Radfahrer mit Abschürfungen, Rippen und Beckenprellungen.Das Leben geht weiter. Die Tortour auch. Aufs Rad lass ich mich heute auf alle Fälle aufsetzen. Dann sehen wir weiter.

Unmittelbar von Cortina aus beginnt der erste Anstieg zum Passo di Giau. Wieder so ein Verdauungsbeginn. Die schmale Straße windet sich nach oben und die Ausblicke auf Croda da Lago und hinüber zum Monte Cristallo werden immer besser. Der Passo di Giau ist vielen auch von der klassischen Maratona delle Dolomiti bekannt. Hier wird er aber von der  – meiner Meinung nach – schwierigeren Seite befarhen. Wir erreichen 2.233m Seehöhe. Dach der Tour war aber gestern mit den Tre Cime di Lavaredo.

In vielen Kurven udn Kehren geht es hinunter nach Selva di Cadore, wo schon der Anstieg zur Forcella Staulanza wartet. Ab hier ist auch für mich Neuland. Staulanza, Passo Duran und der Doppelpass Forcella Aurina, Passo di Cereda kenne ich nicht. Auch das Etappenziel Fiera di Primero. Übrigens der südlichste Punkt von Dolomiten 2013. Bis zur Adria bei Venedig wären es nicht einmal 150 km. Eine Option.

Ich lasse mich also überraschen. Highlight des Tages sicher der Blick auf die Civetta (italienisch für Eule). Ein 3000er. Vorgeschmack auf die Marmolada. Dem bekanntesten Gletscher der Dolomiten. Und ein Eis in Fiera di Primero.

Stay tuned.
Cristian Gemamto aka @_ketterechts

Dolomiten 2013. Vorschau auf Tag 3.

Die wahren Dolomiten warten jetzt.

Gecrashed. Gestern hat’s mich ziemlich auf die Schnauze geschmitten. Beim Antritt hatte ich plötzlich keine feste Verbindung mehr zwischen mir und meinem Rad. Einfach ausgeklickst. Nicht bewusst. Nicht irgendwie, weil ich wollte, musste oder darum gebeten habe. Wie aus dem Nichts. Wir waren noch zu 6 unterwegs Richtung Etappenzielort Lienz als es passierte. Soweit ich mich erinnern kann, war ich an dritter Stelle. Tempo? Halbwegs. Hoch. Vernüftigt. Nicht übertrieben. Wir hatten Rückenwind. Was dann passiert ist, kann ich noch genau nachfühlen. Es war laut. Es war chaotisch. Es war schmerzlich. Ich lag am Boden. Rutschte am Asphalt noch ein paar viele Meter. Schock sei Dank. War der erste Moment nach dem Stillstand im Nachhinein gesehen noch erträglich. Hinter mir ist natürlich die kleine Katastrophe passiert. Tut mir leid für die Drei. Einer konnte ausweichen und zwei sind voll in mich und mein Rad gefahren und aufgestiegen wie eine Sojus Rakete in Weltall. Beider Aufprall war hart. Alle waren bei Bewusstsein und ansprechbar. Die Straße ein Schlachtfeld. Rettung, Notartz und Polizei waren gleich zur Stelle. Chefquide Roland und unser Dr. Hannes (war uns entgegengekommen) hatten alles im Griff. Manuel wurde verarztet und zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht. Weil er ziemlich hart mit dem Gesicht aufgeprallt ist. Ich selber fühlte mal keine gröberen Knochenbrüche. Nur die Rippe und die Hüfte schmerzten. Die haben als Aufprallbock gedient. Meine bald Mitte 40iger Knochen haben gehalten. Die Abschürfungen lassen wir mal als Kollateralschäden durchgehen. Auch wenn Sie tief flächendeckend sind.

Die Polizei hat alle Personalien aufgenommen und mich einem Alkoholtest unterzogen. Ja. Einen Alkoholtest. Natürlich hat der nix gezeigt. 0,0 wie es sich gehört. Alles andere hätte mich gewundert. Ich denke nicht, dass in Squeezy und Peeroton Alkohol enthalten ist. Und in der Suppe am Lucknerhaus auch nicht.

Stunden später. Die Nachrichten über Manuel sind nicht die Feinsten. Tut mir leid. Kieferbruch. Tour zu Ende. Operation notwendig. An dieser Stelle an die besten Genesungswünsche und viel Kraft für die bevorstehenden Tage. Lieber Manuel. Leider ist das passiert. Blöd gelaufen.

Es ist jetzt 6.00 Uhr Morgens. Ich selber habe sehr schlecht geschlafen. Es gilt einen körperlichen und einen seelischen Schmerz zu überwinden. Der Körper wird das schon mit der Zeit verkraften. Ich selber habe noch diese Bilder im Kopf. Bin froh, dass mir verhältnismäßig wenig passiert ist. Da auch ein anderer Teilnehmer heute, unser kalifornische Teilnehmer Neal, ohne Fremdeinwirkung beim Ausziehen seines Windbreakers zu Sturz gekommen ist. Ihn hat es nämlich auch ziemlich getroffen. Schlüsselbein, Schulterblatt und Rippen. Operation.

Rennradfahrerrisiko.

Die heutige Etappe werde ich dann wohl antreten. Sofern mein Rad tauglich ist. Ich habe es noch nicht im Detail begutachtet. Einzig die Gewissheit, dass der Lenker im Bereich der Lenkerstöpsel ziemlich ramponiert ist. Das Ende ist wie gefräst. Weitere Schönheitsfehler gibt es genug. Ob der Rahmen irgendwas hat. Keine Ahnung.

Von Lienz geht es heute auf die Pustertaler Höhenstraße. Eine Option, welche fast alle ziehen werden, um die Pustertaler Bundestraße zu vermeiden. Mit dem Abstecher auf den Hochstein, sind das mehr als 1000 HM zum Frühstück. Und das nach nur wenigen Kilometern. Dass wir dann in Vierschach auf eine der besten Pizza einkehren werden liegt auf der Hand.

Nach der Stärkung geht es weiter nach Toblach und dann durch das Höhlensteintal hinein in Richtung der wahren Dolomiten. Eines der schönesten und markantesten Wahrzeichen der südlichen Kalkalpen sind die Drei Zinnen. Unser Highlight des Tages. Nach gut 90 km werden wir das Plansoll von 3.500 Höhenmetern erreicht haben. Die Stichstraße auf die Drei Zinnen: Das sind 4 km mit einer Steigung von an die 13 – 14%. Bekannt auch durch den Giro d’Italia, dessen Bergankunft heuer bei heftigem Schneetreiben von Vincenzo Nibali gewonnen worden wurde.

Das gemütliche Hinunterrollen nach Cortina ist dann nur mehr das Tüpfelchen auf dem i. Der mondäne Skiort in den Dolomiten wartet auf uns. Denke, dass wir bei entsprechendem Wetter, das beste Kaffeehaus ansteuern werden. Capuccino muss sein. Und ein Foto der Tofana, dem Wahrzeichen der Stadt ist Muss.

Also. Auf gehts. Allen Hals und Beinbruch.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Dolomiten 2013. Vorschau auf Tag 2.

Ausflug nach Österreich.

Tja. Schon wieder bin ich sehr spät dran mit der Vorschau auf Tag 2. Meine Princess of Pain wurde von @Florian (Buschaffeur, Mechaniker, Bursche für alles – fast alles) genauestens inspiziert, da ich ein lautes Knacksen nicht mehr ausgehalten habe. So was bremst einfach im Kopf. Und das kann ich mir im Heimspiel nicht leisten. Wir haben: a) den Sattel abmontiert, alles geputzt und gefettet, b) die Schrauben am Kettenblatt abmontiert, geputzt und gefettet und c) blöd dahergeredet. Wie ich meinen Job liebe.

Morgen machen wir einen kleinen Ausflug nach Österreich! Um zwischen 8:30 und 9:15 starten wir in St. Vigil. Einen km geht es bergab durch das Dorf und dann biegen wir kalt auf den Furkelpass. Ca. 7 km und 500 HM. Klingt leicht. Ist es nicht. Florian ist den Pass heute schon gefahren und er meinte lapidar: „Es werts des breakfast wida ausakotzn“. Ein paar mal soll es an die 14% haben. Soll es. Wir werden es sehen.

Vom Furkelpass geht es hinab nach Olang ins Pusteral und dann direttissima ins wunderschöne Antholzertal. Bekannt aus Funk und Biathlon. 1100 HM und nach 46 km ist das Tagessoll erreicht. Für jene, die dann 50 km bis nach Lienz rollen wollen. Der Rest – Gruppe 1 – ist verplichtet die Option auf weitere 1200 HM zu fahren. Zum Staller Sattel ist zu erwähnen, dass dieser auf italienischer Seite vom Antholzer See bis zum Grenzübergang eine Einbahnregelung ist. Mit Ampelschaltung. Eine enge Straße, wo maximal ein Auto Platz hat. Auto mit Rad, wird schon kritisch. Wir haben für ca 4 km mit 10% Steigung +/- 15 Minuten Zeit. Ich denke, das könnte für so manchen knapp werden. Wie gesagt. Auto und Radfahrer auf der schmalen Straße – mmhhh. Und ich meine entgegenkommende Autos.

Nach der von vielen erwünschten und von anderen gescheuten Mittagspause am Sattel düsen wir hinunter durch das Defreggental ins Iseltal. Und jetzt kommt der Spass des Tages. 21 km von Huben auf das Lucknerhaus. Via Kals am Großglockner. Ich freu mich drauf. 1200 HM. Mit Blick auf den Großglockner. Von der anderen Seite. Nicht die bekannte von der Großglockner Hochalmpenstrasse. Für alle Bergsteiger. Vom Lucknerhaus geht es hinauf auf den höchsten Berg von rot-weiß-rot. Mit Bergführer. Versteht sich. Unser Chefquide @Roland war schon oben. Der war eigentlich schon überall oben. Interessant wird auch der Blick auf das neue Großglockner Resort. Ein Mega Ding mitten in den Wäldern. Wer dort Ski fährt kann sich auf der Adler Lounge eine Gulasch Suppe um € 7,50 gönnen. Das Skigebiet Kals/Matrei – sicher eines der genialsten.

Lucknerhaus retour. Eine Einbahnstraße. Wir müssen also runter, wo wir rauf sind. Ca. 40 km gegen den Wind zum Etappenziel. Ostirol. Und weil uns lustig ist,  gehts dann noch mit Opiton 2 auf die Lienzer Dolomitenhütte. @Roland ist halt so. Will uns einfach die besten Sachen zeigen. Und zerstören.

Tag 2 ist die längste Etappe mit 140 km und 3.000 HM. Ohne Lienzer Dolomitenhütte. F***!

Gute Nacht. Ich muss mein Bier austrinken. Alkoholfrei.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Dolomiten 2013. Vorschau auf Tag 1.

Dolomiten 2013. Harter Anfang.

Es ist knapp nach 23.00 Uhr. Ich bin etwas spät dran mit der Vorschau auf Tag 1. Bis alle Teilnehmer in Bozen angereist waren hat es gedauert. Und bis wir unser Essen zu uns nehmen konnten auch.

Das warm up heute war ausgeprochen heavy. Wir haben zu viert die Seiser Alm besucht. In Summe waren es 90 km und 2.000 Höhenmeter bei spätsommerlich warmen Temperaturen. 

Wurscht. Morgen gehts los. Und gleich mit einem kleinen Hammer. An die 100 km und 3.000 Höhenmeter. Na Bum.

Vom Hotel geht es durch das Eisacktal Richtung Norden. Vorbei an dieversen kleinen Ortschaften, die ich noch von meiner Kindheit kenne. Bin ich ja ein Südtiroler mit tief italienischen Wurzeln. Das Eisaktal zeigt sich hier von seiner wohl unspektakulärsten Seite. Eine Staatsstraße, ein Radweg, ein Fluss (Eisack) und etwas weiter oben die Brennerautobahn. Die Eisenbahn ist in diesem Abschnitt nicht mehr zu sehen. Die hat man während meiner Abwesenheit und Auswanderung in den Berg verfrachtet. Statt dessen ziert ein schöner Radweg die alte Trasse.

Nach ca. 30 Kilometern erreichen wir Klausen. Eine klein Stadt berühmt durch das Kloster Säben, welches oberhalb der Stadt thront. Und berühmt für eine Autobahnausfahrt. Jene, welche man nimmt, wenn man ins Grödnertal fahren will. Sella Ronda – für alle Skifreaks unter uns. Und Abfahrtsweltcup auf der Salonge. Lange werden wir uns in Klausen nicht aufhalten. Eigentlich überhaupt nicht. Denn unser Weg führt uns weiter Richtung Brixen. In Villnöss biegen wir dann rechts ab ins Vilnösstal. Gleich von Beginn an schraubt sich die Straße hoch. Nach ca 42 km werden wir bereits an die 1.000 Höhemeter in den Beinen haben. Bei St. Peter dann das steilste Stück des Tages. Knapp 14%.

Es geht hinauf nach Palmschoss. Wir sind bereits schon sehr hoch. Links von uns die Plose. Rechts sehen wir die Geislerspitzen und hinten im Tal den Peitlerkofel. Weil uns fad ist nehmen wir die Straße hinauf nach Kreuztal. Mitten ins Brixner Hausskigebiet, der Plose. Oben genießen wir den Blick nach Norden. Den Gitschberg und im Hintergrund die 3000er der Zillertaler Alpen. Wir sind am höchsten Punkt der heutigen Etappe auf knapp über 2.000 m.ü.M. Schnell geht es aber dann wieder zurück nach Palmschoß. Es wartet das Würzjoch. Die Steigungen sind nicht mehr zweistellig und falls das Wetter mitspielt genißen wir eine wunderbare Almlandschaft. Immer im Blick der Peitlerkofel. Ein sehr markanter Berg. Dessen Namen schon viel über sein Aussehen sagt (Südtiroler und Tiroler bevorzugt, Anmerkund zu verstehen und den Berg bildlich vor sich zu haben).

Am Würzjoch gibt es eine kurze Verschnaufpause. Wer will kehrt ein. Der Rest nimmt die Abfahrt hinunter ins Gadertal. Wie im Grödnertal wird im Gadertal ladinisch gesprochen. Ladinisch ist die 3 Landessprache in Südtirol. Wir befinden uns mitten in den Dolomiten. Unten im Tal liegt Zwischenwasser von wo es nicht mehr weit zum Tagesetappenziel St. Vigill im Enneberg ist.

Jetzt bietet sich noch für die Pro’s unter uns die Möglichkeit auf den Spuren des legendären Giro d’Italia auf den Kronplatz zu fahren. Vor Jahren wurde extra für eine Etappe des Giro eine Straße auf den Kronplatz gebaut. Diese ist leider nicht asphaltiert. Sollte der Belag ok sein, wird es sicher ein paar geben, die das testen wollen. Zumindest die ersten asphaltierten Kilometer will ich auch dabei sein.

Ansonsten ist Tag 1 dann zu Ende. Zumindest offiziell. Je nach Hotel werden wir saunieren oder saufen.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts für quäldich.de

Dolomiten 2013.

Le Tre Cime di Lavaredo.

Wieder eine quaeldich.de Tour für Ketterechts. Diesmal geht es in die Dolomiten. Insgesamt warten mindestens 611 km und 15.700 Höhenmeter, welche in 7 Tagen bewältigt werden können. Mindestens, weil es immer eine A Tour und eine B Tour geben wird. Die B Tour (B für brutal) ist ein kleiner Umweg von ettlichen Höhenmetern. Entweder gleich am Anfag der Etappe oder am Ende. Ketterechts wird natürlich bei der B Tour dabei sein. Sofern sich jemand anderer findet. Allein leidet man nicht gerne.

In Bozen treffen wir uns für sieben Bergetappen der Extraklasse. Die Woche ist gespickt mit Highlights, die das Herz jedes Rennradfahrers höher schlagen lassen: Wir befahren die großen Klassiker der Dolomiten: das einsame Würzjoch, die Sichstraße zu den weltberühmten Drei Zinnen, die Giro-d’Italia-Klassiker Passo Giau und Passo Fedaia, den relativ unbekannten und fantastischen Staller Sattel, den Passo Rolle und den Passo Valles. Den Abschluss bilden die berühmten Pässe der Sellarunde bevor wir nach sieben ereignisreichen Tagen zurück nach Bozen fahren.

Die Berge der Dolomiten bieten durch den wunderschönen Kontrast zwischen den steil aufragenden, zerklüfteten Felsklötzen und den darunter liegenden, lieblichen Almwiesen ein unglaubliches Naturschauspiel. Zwischen den Gipfeln hindurch schlängeln sich kehrenreiche Asphaltbänder über die Pässe.

Genau das werde ich wieder in Wort und Bild festhalten. Sofern das italienische Roaming Datenpaket ausreicht und die italienischen Hotels mich mit WLAN glücklich machen. Geplant ist immer einen Tag vor der jeweiligen Etappe eine Vorschau zu bloggen. Das hat sich bei der Tauernrundfahrt bewährt. Während der Tour gibt es dann Live Einstiege über Twitter und Facebook. Mit Fotos und den einen oder anderen Kommentar. Natürlich begleiten mich wieder meine 2 GoPros. Entweder fest am Fahrrad befestigt oder in 360° Drehmöglichkeit in der Hand. Nach der Tour soll es ja schließlich wieder einen Bikebuster geben.

Wer will kann also auch von zu Hause mitfahren.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Ötztaler Radmarathon 2013. Mein Bericht. Teil 2.

Petrus war teils A…….. und teils halbwegs einsichtig.

Eigentlich beginnt der Ötztaler Radmarathon am Brenner erst so richtig. Das Vorher ist nur Geplänkel. Ein Kühtai gleich zum Frühstück kann nicht weh tun und eine Gruppenfahrt auf den Brenner ebenso nicht. Diesmal war es aber anders. Die vier Stunden Regen haben mir, meiner Kleidung und meiner Princess of Pain schon mächtig zugesetzt. Kurzzeitig sah ich am Horizont drei Buchstaben. Ein D, ein N und ein F. Und ich sah die bösen Kommentare auf Facebook und Twitter. Denke nicht, dass da jemand Verständnis gezeigt hätte, wenn ich auf den Besenwagen gewartet hätte. Mein Publikum will schließlich Leid spüren und meinen Untergang feiern. Ich hatte also keine andere Wahl, als weiterzufahren. Es ist schon verdammt hart ein Held zu müssen. Ehrlich.

Vom Brenner geht es die Bundesstraße hinunter über Gossensass nach Sterzing. Vereinzelt finde ich ein paar Radfahrer, welche ich mein Velo fest am Unterlenker haltend mit Kette rechts einhole und überhole. Das Triathlon Training lässt grüßen. Am äußersten vorderen Zipfel meines Catopuma Monolink Carbonsattel von Most fühle ich mich recht wohl. Wie eine Ballerina strample ich eine hohe Frequenz. Ganz im Sinne von Raimund Pucher. Bereits nach kurzer Zeit führe ich ein recht ansehnliches Feld an. Die zwei langgezogenen Kehren kurz vor Gossensass nehme ich voll. In der ersten rechts treibt es mich links weit hinaus. So weit, das sich die Leitplanke rieche. In der zweiten links nehme ich die Kampflinie und treffe millimetergenau den inneren Scheitelpunkt. Schade, dass das niemand gesehen hat. Außer vielleicht mein Schutzengel.

Die Strecke kenne ich wie meine Hosentasche. War ich doch schon im zarten Alter eines Giubilato 8fach Rennrades mit Pedalschlaufen hier gewesen. Ok, die Straße ist besser ausgebaut. Aber die Doppel-S-Kurve durch das Zentrum ist immer noch die selbe. Mit der richtigen Linie muss man nur einmal den Lenker nach links biegen. Knapp an der Hausmauer vorbei, dessen Ecke in die Straße reicht. Und weit weg von den Zuschauern, die rechts am Straßenrad darauf warten, etwas mehr Aktion als üblich zu erleben. Im besten Fall kann man versuchen, durch die Menschenmenge in die große Auslaufzone nahmens Dorfplatz zu gelangen. Wie gesagt. Im besten Fall. Der Schlimmste wäre sich mit dem Verputz der Häuser zu chamäleonisieren. Ich weiß nicht, welchen Dämmwert ich hergeben würde. 

Die Temperatur hat zwischenzeitlich frühlingshaftes Niveau erreicht und die Sonne wärmt die geschundenen Muskeln. Ich bin immer noch Herr einer Gruppe und fühle mich wie ein Star. Es geht hinein nach Sterzing. Die Zuseher hier stehen in Massen. Ob die wissen, was wir bis hier durchgemacht haben? Die Carabinieri sperren alle Zu- und Ausfahrtne vorbildlich ab. Mit mehr als 100 Umdrehungen die Minute pflüge ich durch die Fuggerstadt (ja, etwas Geschichte gehört auch hier in den Blog). Wie im Rausch und unter Drogen. Ich bin so Herr der Lage, dass ich sogar der gesamten Gruppe hinter mir die Richtungen anzeige. Den Kreisverkehr mit einer drehenden Armbewegung in der Luft und die erste Ausfahrt rechts durch klares Deuten. Nach rechts.

Wir biegen ins Ratschingstal ein. Links erkenne ich den Derby Club von damals. Heute heißt er Derby Stodl. Meine Jungenddisco aus den 90iger Jahren. In ein paar Kilometern beginnt der Anstieg zum Jaufenpass. Ich erinnere mich daran, dass ich was essen soll. Das nächste Gel ist fällig. Bis nach Gasteig bläst ein starker Föhn. Ich fahre voll im Wind. Untypisch für einen Italiener. Es ist jetzt schon frühsommerlich.

Kurz vor dem Anstieg noch aufmunternde Worte von den Zuschauern. Ich überquere die Datasport Zeitnehmungsmatte. Von hier sind es 14 km bei durchschnittlich 10%. Natürlich nehme ich wieder Tempo heraus. Ich bin nicht einer der voll in den Berg fährt. Fahren kann. Ich muss meinen Rhytmus finden. Nach ca 1 km habe ich diesen. Ich bleibe stehen. Mir ist zu heiß. Ich entledige mich der dünnen Regenjacke und mache mir auch die Ohren frei. Die Langfingerhandschuhe lasse ich noch an.

Der Jaufenpass ist grundsätzlich kein schwerer Pass. Trotzdem hat er so seine Tücken. Die ersten Kilometer sind voll in der Sonne. Und die heizt derzeit ganz schon ordentlich ein. Lange Rampen wechseln sich mit steileren Kehren ab bis man Kalch erreicht. Von hier windet sich die Straße dann durch den Wald und wird verhältnismäßig flacher. An die 7 – 8%. Ich wechsle immer wieder zwischen 34/25 udn 34/23. Der Puls geht aber kaum über 150 hinauf. Ich habe Hunger. Richtig Hunger. Nicht nach einem Gel. Sondern nach was Festem. Habe aber nix mit. So werden die letzten 600 Höhenmeter und 9 Kilometer zur Tortur. Mutterseelenallein schlängle ich mich hoch. Immer knapp um die 10 bis 11 km/h. Eigenartig. Normal ist man hier nie allein. Wohl typisch für dieses Rennen. Vorne weg die Guten, ganz hinten die Kämpfer und mittendrin die Nicht Fisch und nicht Fleisch Radler so wie ich. Zu schlecht für die Guten und etwas besser als die Kämpfer hinten.

Ich kann den einen oder anderen doch überholen und werde auch öfters überholt. Oberhalb der Baumgrenze das übliche Bild. Ich sehe die gesamte noch zu fahrende Strecke. Und die Labe. Diese erreiche ich. Nudelsuppe. Cola. Kuchen. Etwas Trockenobst und ein Besuch beim Mavic Servicewagen. Ein Franzose schmiert mir die 11fach Super Record Kette ein. Unter meinem Windbreaker habe ich ein Stück Karton. Soll mir in der Abfahrt den Fahrtwind vom Leib halten. Nach 300 Metern entledige ich mich wieder. Zu umständlich. Ich kann mich kaum bücken. 2 Kehren, 1 Fotograf und die Zeitmatte noch. Nach 6h 15 erreiche ich den Jaufen. Das ist immer noch just in time.

Die Abfahrt nach St. Leonhard nehme ich voll. Ich verzichte auf die Regenjacke. Bleibe nicht stehen. Die Straße ist trocken. Die Bremsen greifen. Ich stürze mich hinunter. Überhole gleich mehrere Radfahrer. Die ersten Kilometer kämpfe ich besonders gegen die Linie meiner Vorfahrer. Lästige Kurvenschneider und Spurwechsler. Meinen Antritten können sie aber nicht folgen. Weiter unten präsentiert sich die Straße als Speedstrecke. Perfekt ausgebaut. Gesperrt. Trotz Kurven kann ich eine millimetergenaue gerade Linie fahren. Yeahhhh. Die letzte 180 Grad Kurve unten in St. Leonhard fahre ich für das Publikum. Technisch nicht sauber, dafür spektakulär. Ich bleibe aber innerhalb der Straßenbegrenzung. Summa summarum fahre ich hier die 122. Zeit. Gesamt. Dh nur 121 Fahrer waren hier herunter schneller.

Jetzt wartet das worauf ich mich immer am meisten fürchte. Die Mauer von St. Leonhard mit ihrer dazugehörenden Hitze. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht. Entlang der Mauer hat es an die 50 Grad. Ich entledige mich auch noch der Handschuhe. Mein Rücken ist jetzt fast so wie jener des Glöckners von Notre Dame. Die gesamte Aerodynamik ist beeinträchtig. Bis nach Moos gilt es eine Rampensau zu sein. Denn die Straße ist hier gespickt von diesen. Wie ich so was hasse. Elends lang. Durch die Tunnels bis ins kleine beschauliche Dörfchen. Meine Geschwindigkeit hat jetzt Schnecken Niveau. Gerade noch schneller, als wenn ich mein Rad schieben müsste. Alles wirkt jetzt so langsam. Nach Moos eine Kehre und dann geht es noch steiler hinauf. Ich versuche gerade zu fahren. Neben mir zick zackt einer. Ich frage ihn, ob er die 250 km voll machen will. Ich bin Hungerast.

Jetzt kommt der Zeitpunkt, meinen iPod einzuschalten. „Feel so close“ von Calvin Harris pusht mich nach oben. Gestört werde ich nur vm Zupfen eines Mitstreiters. „Du mit der roten Jacke. Du hast einen Handschuh verloren.“ Ich frage wo und kriege keine mir genehme Antwort. Ich muss umdrehen. Ein paar hundert Meter bergab fahren um dann wieder hoch zu schnecken. Meine Handschuhe und ich. Wir gehören zusammen.

Als sich die Straße wieder vernüftigen Steigungsgraden nähert (das ist alles bis 10°) und die lange Gerade bis zur Labe nach Schönau sichtlich ist, beflügelt mich irgend etwas wieder. Ich kann Tempo aufnehmen und mich auf die letzten 11,9 km zum Timmelsjoch vorbereiten. An der Labstation selber wollte ich nicht stehen bleiben. Wollte. Ich holte mir noch eine Suppe.

Bald hast du einen Traum. Bald. Es werden wohl noch an die 60 Minuten sein. Die Straße hier ist in den Berg gemeiselt. Das Wetter mitlerweile ein Traum. Ich zucke erstmals mein Handy und fotografiere. Die Endzeit ist längst schon egal. Auf der Seeberalm, die allerletzte Labe, bleibe ich auch nochmals stehen. Gewaltig das Panorama und die Straße. Immer wieder. Ehrfürchtig blicke ich nach oben. Gönne mir ein Red Bull und ein Peeroton Cola. Minuten später bin ich ein anderer Mensch.

Ich habe plötzlich wieder richtig Kraft. Die letzten 7 km bis zum Timmelsjoch sind zwar psychisch ein Graus, aber körperlich kann ich zulegen. Ich hole ein und überhole. Und ich habe wieder Muse bei den Fotografen zu posen. Apropos Sportograf. So viele Fotostationen wie heuer hat es bei meinen 9 vergangenen Teilnahmen nicht gegeben. In Summe macht as 49 Fotos von mir. Bestellt sind sie schon. Und die Besten sind bereits gepostet. Die Erlösung ist dann der Tunnel. Noch 1000 Meter bis zum Pass. Ich schalte auf Kette rechts. Nicht lang. Dann überquere ich die Zeitmessung und fliege Richtung Ziel. Nicht ohne Hindernisse. Ein Mitstreiter mit St. Pauli Radtrikot und Radhose. Kurvenschneider und Spurwechsler. Diesmal der Sorte lästig deluxe.

Es kommt zum Gegenanstieg. St. Pauli verliert an Boden. Steigt quasi ab ;-). Die letzten Höhenmeter. Ich nähere mich der Mautstelle. Es ist geschafft. Jetzt nur mehr heim. 91 km/h Spitzengeschwindigkeit erreiche ich hier von Hochgurgl Richtung Abzweigung Obergurgl/Sölden. Ein Garminteamtrikotfahrer saugt sich ständig in meinen Windschatten. Fährt vor. Und verhungert dann. Ich übernehme. Die Kehren vor Vent im Geschwindikeitsrausch. Die letzte wird länger und immer länger. Die Zuschauer dort sind bereit, mich mit offenen Armen zu empfangen. Zum Glück reiße ich das Ruder, den noch Lenker um. Nur noch einmal voll treten bis zur Mülldeponie oberhalb von Sölden. Die Gruppe zerreist es. Nur mehr St. Pauli (da schau her) und Herr Garmin halten mit.

Einmal links. Einmal rechts. Und wir sind in Sölden. 1000 Meter Marke. Diesmal bin ich im Windschatten von Herrn Garmin. Vorbei an den Zuschauernmengen. Die Sonne scheint. Herr Garmin hat abreisen lassen müssen. Es geht rechts über die Brücke. Zeitmessung. Immaginäre Ziellinie. Aus. Fertig. Geschafft. Mein 10. Ötztaler Radmarathon ist Geschichte.

Detail am Rande. Vom Timmelsjoch nach Sölden bin ich die 112. Zeit gesamt gefahren. Samt Gegenanstieg. Dh. 111 Fahrer waren schneller. Der Schnellste war in diesem Abschnitt ein gewisser Jan Ulrich. 4 Minuten schneller als ich.

Fazit:
Es war kalt. Es war nass. Es war langsamer als erhofft. Und zum Schluss hat’s Spass gemacht. Schade. So nehme ich den „Ötzi“ mit guten Schlusserinnerungen mit. Eine 11 Teilnahme ist nicht ausgeschlossen.

Ötztaler Radmarathon 2013. Mein Bericht. Teil 1.

Freiwillig. Widerwillig. Durchsetzungswillig.

25. August 2013. 4:00 Uhr Morgens. Der wunderbar heiße und radfahrerfreundliche Sommer hat sich über Nacht verabschiedet. Wie das Amen im Gebet. Justament vor dem Start des Ötztaler Radmarathons 2013. Who cares. Ich bin schon mal munter. Also gehe ich frühstücken. Zwei Semmel mit Butter und Marmelade. Eines mit Butter und Honig. Alle drei sauber ausgeputzt. Ohne Innereien. Dazu Kaffee. Logisch. Die Entscheidung trotz des Sauwetters zu fahren war bereits längst gefallen. Ein DNS stand gar nie zur Diskussion.

Meine Arbeitsbekleidung hatte ich mir bereits tags zuvor akribisch zurechtgelegt. Eigentlich hätte ich auch eine Antarktis-Expediton fahren können. 3/4 meines Radfahrer Kleiderschrankes hatten mit mir die Reise nach Sölden angetreten. Trotzdem wurde das eine und andere Puzzlestück am Vortag noch mit Einkäufen ergänzt. So habe ich mir bei Palmers eine Damenleggins gekauft. 98% Lycra. Sollte meine Beine vor Kälte schützen. Beinlinge sind nicht mein Ding. Damit friere ich im Schritt. Und eine zweite dünne Schutzschicht war es mir wert. Und ich habe mir erstmals im Leben Radsocken gekauft, die ich normalerweise nie anziehen würde. Nächmlich die etwas längeren. Bis knapp Mitte Wade. Ein No-Go. Aber beim Tragen von Regenüberschuhen ein Hit. Man vermeidet Abschürfungen durch den Reißverschluss. Für Detailverliebte: CRAFT Kurzarm Windstopper Radunterwäsche, Palmers Leggins, Radsocken, Radhosen, Kurzarm Radtrikot, Ärmlinge, dünner Windbreaker, dünne langarm Windjacke, langfinger Handschuhe, Radüberschuhe für Regen. Und ein Tube Halstuch über Kopf und Ohren. Insgesamt wohl an die 5 kg im trockenem Zustand.

Es ist 6.00 Uhr. Noch 45 Minuten bis zum Start. Es regnet stark. Ich finde Unterschlupf in einem 110l schwarzen Müllsack. Hals und Arme ausgeschnitten. Und ich rolle zum Start. Nach ca. 100 Metern bin ich bereits nass. Als alter Fuchs weiß ich wo ich mich aufstelle. Diesmal ist es schwieriger. Blockieren jede Menge Regenschirme nicht nur die Sicht, sondern auch das Weiterkommen. Man stelle sich an die 3000 Radfahrer und nochmals so viele persönliche Betreuer vor. Weibliche. Der Mann fährt. Die Frau hält trocken. Rollenverteilung beim Ötztaler. Seit Jahren. Von den ca. 2.300 klassifizierten Fahrern waren 83 Frauen.

6.45 Uhr. Es geht los. Die knapp 40 km von Sölden nach Ötz werden halbwegs diszipliniert gefahren. Danke an alle rund um mich. Es regnet immer noch. Entlang der Strecke viele Zuseher. Und Gegenverkehr. Starter, welche es sich anders überlegt haben. Vernünftig. Mein Müllsack schützt mich. Die zwei Kehren kurz vor Ötz fahre ich in Super-Slow-Motion. Vorne Most Wildcat Alu und hinten Bora One Carbon. Beide bediene ich mit Campa Original Carbon Bremsbelege. Vergebens. Bremsleistung bereits jetzt bei knapp Null. Die Straße ist ein Bach.

Knapp 41 Minuten brauche ich bevor ich rechts in den Berg abbiege. Ich entledige mich des Müllsackes. Es geht 18 km hinauf. Und es regnet immer noch. Das bestens gepflegte Rad war einmal. Die Kette schmiert schon lange nicht mehr. Es ist laut. Entweder ist das mein Rad, oder es sind die anderen Räder. Dass es immer noch regnet brauche ich nicht zu erwähnen. Aber es geht bergauf. Das wärmt von innen. Meine Kleidung bereits um 5 kg schwerer. Voll durchnässt. Ich spüre das Wasser am Steißbein. Je näher ich der Waldgrenze komme, desto näher komme ich auch an den Schnee. Dieser hat sich bis ca. 2.200 Metern heruntergewagt. Das Kühtai liegt auf 2.000 Metern. Es hat knapp 3 Grad. Zum Glück Plus. Ich habe Mühe beim Fotografen zu Posen. Mir ist kalt. Den Pass erreiche ich noch unter 2 Stunden. Grenzgenial. Oben labe ich mich das erste Mal. Eine warme Suppe bitte. Getränke muss ich nicht auffüllen. Habe wohl vergessen zu trinken. Detail am Rande. Bin nur mit einer 0,75l Flasche gestartet. In der zweiten Halterung mein Repair Kit und meine Gels.

Ich fürchte mich vor der Abfahrt nach Kematen. Zu Recht. Weiterhin Regen. Starker Regen. Bäche kreuz und quer über die Straße. Viehsperren. Und mein Nacken samt Kiefer starr. Ich kann mit nicht umdrehen um zu sehen, ob ich verfolgt, überholt oder überfahren werde. Und ich zittere. Meine Arme und meine Beine sind unkontrollierbar. Mein Rad auch. Das kriegt alles mit und überträgt es auf den Asphalt. Ich habe Mühe eine gerade Linie zu fahren. Außer in dern Kurven. Dort habe ich Mühe diese zu fahren. Bremsleistung nach wie vor Null. Und es geht steil bergab. Ich bin mit den Bremsen am Anschlag. Aber es wird nicht langsamer. Auch das Dosieren geht nicht. Bis ich checke, dass ich meinen Hintern etwas heben sollte, um den Schwerpunkt nach vorne zu verlagern. Das nimmt Gewicht vom Hinterrad. Und siehe da. Ich kann halbwegs bremsen. Blöd, dass ich bereits in Kematen bin.

Von Kematen nach Innsbruck fahre ich allein. Vor mir niemand. Hinter mir niemand. Normalerweise bretterst du da hier im Packerl dahin. Also Kette rechts und vollgas. Es geht durch Völs. Allein. Es geht durch Innsbruck. Allein. Es fühlt sich so an, als wäre ich Führender. Oder Nachzügler. Aller Applaus gehört nur mir. Und der Regen ist auf einmal warm. Im Vergleich zum Kühtai. Ich stelle mir vor in einem Sommergewitter zu sein. Die Motivation steigt.

Es geht hinauf nach Schönberg. Ich bin immer noch allein. Wo sind sie denn alle. Vorbei an der Abzweigung nach Mutters. Immer noch allein. So fahre ich ein reduziertes Tempo. Ich muss ja nicht allein da rauf. Knapp kurz vor dem Anstieg dann eine Gruppe mit ca. 8 – 10 Fahrern. Aber die sind mir zu langsam. Also mache ich das Tempo. Es geht unter der Europabrücke durch. Mittelschwer bergauf. Mein Puls immer konstant unter 160. Hier kann man gerne überpacen. Ach ja. Es regnet immer noch.

Richtung Matrei will ich essen. Finde aber schwer zu meinen Gels. Alles ist nass und mit den dicken Handschuhen habe ich keine Haptik. Beim dritten Versuch ergreife ich ein Peeroton Gel. Zwei sind irgendwo auf der Straße. € 4, 38 Verlust. Das Ganze passiert auf der linken Seite der Fahrbahn. Zum Glück ist sie gesperrt. Der Himmel ist jetzt nicht mehr grau. Kleine weiße Fenster sind sichtbar. Und je näher ich mich dem Brenner nähere auch blaue. Wir fahren auf eine größere Gruppe auf. Die „meinbezirk.at“ Fanmeile mit Musik und Fans verleitet jetzt ein paar zur Tempoverschärfung. Mitziehen. Gries am Brenner. Die Sonne blinzelt durch. Die letzten 2 Steigungen hinauf auf den Brenner. Hier stehen Betreuer über Betreuer. Noch mehr als am Kühtai. Ach hätte ich jetzt auch gerne was zum Umziehen. Rennzeit 4h18 Minuten. Plansoll.

Die Labe hinterm Brenner nehme ich mir zur Brust. Nudelsuppe. Ein paar Stück Kuchen. Und ein paar Witze. Ich frage nach einem Fön und nach einem Wienerschnitzel. Der Schmäh rennt. Die Helfer leiden mit uns mit. Getränke nachfüllen. Und Pinkeln. Die Zeit vergeht. Der Körper hat längst schon auf Durchkommen umgeschaltet. Es geht jetzt ums Überleben. 120 km sind passè. 110 km warten. Mit Jaufenpass udn Timmelsjoch.

Bei der Rückkehr auf die Straße dann noch was für die Spannung. Es geht über eine Holzbrücke. Beim überfahren dieser im 90 Grad Winkel rutscht mein Hinterrad. Ich drifte. Die Bora bleibt zwischen den Ritzen der Holzbretter stecken. Und mich wirft es fast ab. Wie ich es geschaft habe, das feuchte und faule Holz nicht zu küssen bleibt mir ein Rätsel. Applaus vom Streckenposten. Ich bin halt ein Poser. Es geht weiter.

… Fortsetzung folgt.

Mythos Ötztaler Radmarathon

Das äußerst wellige Höhenprofil.

25. August 2013, 6:45 Uhr. Wenn mich bis dahin der schwarze Mann mit der Sense noch nicht geholt hat, werde ich wieder am Start stehen. Mit etwas Glück. Denn offiziell habe ich wieder einmal keinen Startplatz bekommen. So wie viele andere auch. Dank an Peter Katzinger, der mit seinen Startplatz überlassen hat.

Das mit der Startplatzvergabe ist ja in Sölden so eine Sache. Offiziell heißt es ja Verlosung. Inoffiziell heißt es Geld ausgeben. Denn gewisse Kontingente an Startplätzen werden den Hotels in Söden überlassen. Wer dann 3 – 5 Tage bucht (***, ****, *****, *****S), kann sich so einen Startplatz dann auch erkaufen. Weitere Kontingente gehen an sog. Fixstarter. Das sind jene, die 3x nicht zum Zug gekommen sind. Weitere Startplätze gehen nach Italien. Der Ötztaler Radmarathon ist Teil der italienischen Prestigio Rennserie und Italiener sind in Sölden herzlichst willkommen. Und dann gibt es noch Sternfahrten und Trainingswochen. Zb. Mit Jan Ulrich. Im Hotel Central (*****). € 5.000 für Hotel, Vorträge mit J. Ulrich und ein Satz Lightweigh. Do you know what I mean?

Wurscht. Ich habe einen Startplatz. Und bin somit offiziell zum 10x dabei. 2x bereits in den 90igern. Damals ging es noch von Steinach am Brenner weg. Es muss 1995 und 1996 gewesen sein. +/-. 1 x mit meinem Basso Coral, Vento Laufräder und Chorus 9fach. Meine Übersetzung: 54/39 und 12/23. Am Kühtai (der letzten Anstieg damals) kurz nach der Brücke in Ochsenboden (steilste Stück des Anstieges) habe ich mein Rad geschoben. Denn schneller als 4 – 5 km/h war ich zu Fuß auch.

Schon damals war das Wetter der entscheidende Faktor beim Ötzi. Am Timmelsjoch habe ich mein Rad in einen Schneehaufen gesteckt – und bin einen Tee trinken gegangen. Ein anderes Mal habe ich mich am Kühtai um einen Platz in einem Besenwagen gestritten. Zitternd und verzweifelt. Die Fahrt nach Steinach habe ich halbtot knapp mitbekommen. Diese meine Steinzeit Teilnahmen sind leider nirgends dokumentiert. Social Media oder ein Foto Service waren damals noch nicht bekannt. Hätte ich erfinden sollen. Fakt ist, dass ich damals sehr viel Lehrgeld bezahlt habe. Was Material und Bekleidung betrifft.

Zurück zur Neuzeit. 2003, 2004, 2005 und 2006 war ich wieder dabei. Habe mich von 11h39 Minuten auf 10h33 Minuten abgekämpft und halbwegs verbessert.  Mit 39/28 Übersetzung. Ich hatte ja gelernt. 2006 habe ich das letzte Mal aufgegeben. An der Mauer von St. Leonhard. Völlig leer und motivationslos. Ich saß da am Straßenrand. Gar nicht einmal schlecht in der Zeit. Habe 30 Minuten lang überlegt. Bis ein Bus Namens Besenwagen zuerst mich und dann mein Rad mitgenommen hat. Nach dem Rennen war es abzuholen. An der Talstation der Giggjochbahn. Mein Pinarello Prince mit Campagnolo Record. Carbongabel und Carbonhinterbau.

Kälte und Nässeschlacht 2003.

An das Jahr 2003 erinnere ich mich auch noch. Das war das Jahr der Helden. Strömender Regen vom Start weg und saukalte Temperaturen haben mehr als die Hälfte der Teilnehmer zum Aufgeben bzw. Nichtstart gezwungen. Wir – jene die durchgefahren sind, wurden für 2004 mit einem Pre-Startplatz belohnt. Rückblickend war es eine gesundheitliche Gratwanderung. Ich habe noch nie so gefroren wie 2003 auf der Abfahrt von Kühtai nach Sellrain. Außer 2010. Das Jahr, an dem der Winter das Ötztal zu früh besucht hat. Und 2011. Wegen des Winters eben. Diesmal am Vortag und am Tag danach.

Meine letzten Teilnahmen 2009, 2010 und 2011 habe ich auch noch recht gut in Erinnerung. 2009 mit neuem Pinarello Prince und erstmals mit Kompaktkurbel (50/34 und 11/25) und einer Zeit von 9h28 Minuten. Unter den besten 1000 Männern. 2010 hingegen ging es mir wieder äußerst dreckig und ich rettete mich mit 9h55 Minuten unter die Dusche. 2011 – mein Ironman Jahr, fuhr ich dann locker meine bisherige Bestzeit mit 9h 20 Minuten nach Hause.

Was macht aber jetzt den Ötztaler Radmarathon aus? Es ist ein Hass-Liebe. Eine perfekt organisierte Veranstaltung. 4 teilweise kaum vergleichbare Anstiege. Das Kühtai gleich in der Früh im Morgentau. Der Brenner – eine Raserstrecke. Der Jaufen als Standortbestimmung. Und das Timmelsjoch als Sieg oder Niederlage. Massen an Gleichgesinnten und der ewige Kampf gegen sich selbst und gegen die Uhr. Ich könnte Bände schreiben. Über die waghalsige Abfahrt bis nach Ötz. Mit über 60 Sachen. Mitten in einem Feld von über 3.000 Teilnehmern. Über die Kotzerei am Kühtai. Wo dir das Frühstück und das Abendessen unverdaut präsentiert werden. Über die ie Abfahrt nach Sellrain, wo ich 2010 die Schallmauer von 100 km/h durchbrochen habe (104,5 km/h). Über das Taktieren von Kematen nach Innsbruck. Keiner will im Wind fahren. Vor allem die Italiener nicht. Über den Brenner. Ein mäßige Steigung, welche dich verleitet und verführt und kaum erledigt. Das machen dann der Jaufenpass oder das Timmelsjoch. Je nachdem wie sehr du dich hinauf nach Schönberg, Steinach und Gries am Brenner im Griff hast. Über den Jaufenpass. Ein Anstieg in der Mittagssonne Südtirols. Über die Abfahrt nach St. Leonhard. Mörderisch. Über die Mauer von St. Leonhard. Wo gefühlte 50 Grad kein Seltenheit sind. Über den Anstieg nach Moos und den Ansteig gleich nach dem Ort und der Rechtskehre. Über die Tunnels und das Zick-Zack-Fahren. Über den motorisierten Getränkenachschub. Tour de France Feeling. Über Schöneben. Die letzte Labe. Mit Massageservice und dem Anblick der letzten in den Felsen gemeistelten 10 km zum Portal des Timmelsjoches. Über die elend langen Rampen zwischen den Kehren genau dorthin. Über den senkrechten Blick hinunter nach Schöneben und die schneebedeckten 3000er am Himmel. Über den Tunnel, der dir sagt, dass du es fast geschaft hast. Über den Passübergang und dem Transparent, der dir bestätigt, dass du genau hier deinen Traum erfüllt hast. Über die Abfahrt zwischen den weidenden Schafen und Kühen. Über den Gegenanstieg zur Mautstelle in Hochgurgl. Verdammt tut der weh. Und letztendlich über die letzten Kilometer bis nach Sölden. Über die Einfahrt in die Dorfstraße. Über applaudierende Menschen. Über die Rechtskurve und die Brücke zum Zielbogen. Über dein Finish und über deinen Stolz es geschafft zu haben.

Ich könnte Bände darüber schreiben. Mit einem neuen Kapitel. Jenes von 2013. 25. August 2013, 6:45 Uhr. Wenn mich bis dahin der schwarze Mann mit der Sense noch nicht geholt hat, werde ich wieder am Start stehen.

Mythos Ötztaler Radmarathon.
Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts.