Schlagwort: rennrad

Giro d’Italia Granfondo Vienna. Mit 42 km/h durch Wien und rund um Wien.

Spitzenfeld 2 km vor dem Ziel auf der Reichsbrücke.

„Italian cycling passion in the heart of Vienna.“ Klingt nicht ganz nach Schlachtruf. Verlockend war es trotzdem. Und so standen knapp 500 Teilnehmer Sonntag um 9.00 Uhr vor dem Ernst Happel Stadion am Start der Gran Fondo. Die Premiere dieser Rennserie (sogar in New York). Offizielle 120 km und 500 HM durch Wien und ins Marchfeld. 30 Minuten davor wagten sich ca. 270 Rennradler auf die Medio Fondo über 60 km. Endlich wieder ein Radrennen rund um Wien. (Nächste Woche gibt es mit dem Veloton Vienna ein zweites).

Versprochen wurden abgesperrte Straßen und eine einmalige Sightseening Runde durch Wien. Dazu italienisches Flair. Your Passion. Your Race. Your Challenge. Am Ring. Am Praterstern. Über die Reichsbrücke. Das wurde auch eingehalten. Was mich gleich zum größten Pluspunkt dieser Veranstaltung bringt. Bin noch kein Rennen gefahren, das so vorbildich abgesperrte Straßen vorzuweisen hatte. In der Stadt und außerhalb. Kein einzig fahrbarer Untersatz weit und breit. Weder entgegenkommend noch querend. Abgesehen von ein paar parkenden Autos in Wiens Außenbezirken. Ob es jetzt der Sonntag Morgen war oder die ausgestorbene Gegend im Marchland. Egal. Ein Traum. Ein Danke den Organisatoren. Drei Stunden im Sattel ohne Stinkefinger, „Schleich di“ und „Sautrottel“ in und rund um Wien. Einzigartig.

Das mit dem Sightcycling durch Wien war sicher gut gemeint. Aber ganze 20 km hinter einem 20 km/h fahrenden Führungsauto zu krebsen war irgendwann langweilig. Schleichen und trotzdem volle Konzentration. Sonst wäre die hart erstrittene Position vorne wieder weggewesen. Der Feind lauert hinten, links und rechts. Und er schläft auch nicht. Nutzt jede noch so kleine Lücke, um sich nach vor zu kämpfen. In der Neutralisation. Eine endlos lange Wurst an Rennrädern. Durch ein graues, verschlafenes Wien. Hat man auch nicht jeden Tag. Muss man aber nicht. Vielleicht bei Sonne und warmen Temperaturen. Denn am Sonntag war es in der Meiereistraße richtig nass und schmutzig. Zwei km haben genügt um aus einer glanzpulierten Princess of Pain eine vesaute Carbonschlampe zu machen. Danach hielt das Wetter. Zum Glück. Bewölkt mit Rücken-, Seiten- und Gegenwind

Die Strecke. Offizielel 120 km.

Irgendwo am Ende der Wagramer Straße wurde das Rennen dann endlich freigegeben. Noch 97 km bis ins Ziel. Von 20 km/h auf über 50 km/h innerhalb eines Wimpernschlages. Wer im Spitzenfeld dabei sein wollte, musste richtig Laktat produzieren. Die Post ging plötzlich so richtig ab. Ich war mit zwei Teams am Start. Dank der Unterstützung von Stiegl. Ketterechts I und II powered by Sportweisse. Ein schnelles und ein mixed Team. Zwei aus meinem Team eröffneten sofort nach Rennfreigabe das Feuer. Martin und Roli setzten sich vom Feld ab. Nicht lange. Aber lange genug, um Ketterechts dort zu haben, wo es hingehört.
Es war nicht die einzige Attacke aus dem Feld. Immer wieder versuchten es ein paar Selbstbewusste. Immer wieder wurden sie eingeholt. Immer wieder zog sich das Feld auseinander. Immer wieder schrumpfte es wieder zusammen, sobald die Aussichtslosigkeit der Solisten erkannt wurde, bzw. diese wieder geschnappt wurden. Ein kräfteraubender Ziehharmonika Effekt. Ideal für Laktatjunkies. Hartb beschleunigen und konzentriert bremsen. So kann man die ersten 50 km kurz beschreiben.

Das Feld vorne bestand zu diesem Zeitpunkt nur mehr aus ca. 50 Fahrern. Dahinter hatte es einen Crash gegeben, so dass eine rießige Lücke entstanden war. Nicht der einzige Crash. Bereits während der neutralisierten Fahrt krachte es neben mir. Ich konnte ausweichen. Der Fahrer vor mir hatte beide Lookplatten am Boden und verhinderte so seinen Sturz und den Sturz anderer. Der Nebenmann lag am Boden. Carbon und Asphalt, das ist keine Symphonie für die Ohren. Dann weiter auch wieder. Vor mir eine Unachtsamkeit. Und schon lag ein weiterer mit seinem teuren Carbonrad am Boden. Ich konnte wieder ausweichen. Mein Nachbar nicht. Er schoß quer über die Fahrbahn in die Botanik. Riss dabei andere mit. Überschlug sich und landete mit dem Helm voraus im Acker. Ich habe dieses Bild immer noch im Kopf. In Zeitlupe. Seine Brille – eine Oakley flog noch durch die Luft. Auch an das kann ich mich noch erinnern.

Warum? Weil durch die flache Strecke Leute im vorderen Feld unterwegs waren, die eine Geschwindigkeit von über 45 km/h allein nie fahren könnten. Ziemlich blau hielten sie sich und verbreiteten Angst und Schrecken. Durch ihre Fahrweise. „St. Franzikus“ möchte ich hier an dieser Stelle erwähnen. Bis ca. km 70 oder 80 noch im Vorderfeld. Dann im Ziel mit 10 Minuten Verspätung. Reif für das Sanizelt.

Für mein Team rollte es recht brav. Wir waren noch zu sechst im Spitzenfeld. Und wir zündeten immer wieder Raketen. Roli genoss es sichtlich vorne für Unruhe zu sorgen. Dahinter haben wir uns ausgemacht 10 km vor dem Ziel abzustellen um kein unnötiges Risiko einzugehen. Das war zumindest der Plan.

Der Plan ging nicht auf. Auch weil die letzten Kilometer ziemlich heavy waren. Statt kerzengerade zurück nach Wien zu fahren mussten wir im Zick-Zack Kurs durch ein unspektakuläres Industriegebiet fahren. Bestens abgesichert. Aber etwas eng. Links und rechts Absprerrungen mit bösen Alufüßen in die Fahrbahn. Bekannt aus den Übertragungen der Tour de France und des Giro d’Italia. Ich hatte echt Mühe in den Kurven die Linie zu halten. Meine Linie. Zur meiner Sicherheit und zur Sicherheit der anderen. Das Feld war deswegen jetzt schon etwas in die Länge gezogen worden. Vorne weg der spätere Sieger. Ausreißer. Sein Vorsprung recht groß.

Zu fahren waren noch die Reichsbrücke. Davor noch eine Unterführung. Wo ich von hinten kommend ein paar sichtlich blaue (nicht das Trikot) Rennradler überholen konnte. Das Feld mittlerweile in Einserreihe. Hohes Tempo also. Zu meiner Verwunderung befand ich mich dann schnell wieder an der Spitze dieses Feldes. Links und rechts wurde bei jedem Ausreißversuch geschrien und gewarnt. Sachen, die ich bis dato so nicht live miterlebt habe.

Reichsbrücke. Leichte Steigung. Kette rechts. Vollgas. Ich war voll dabei bei der Musik. Eine Attacke nach der anderen. Und immer wieder diese Warnschreibe. Wie geil. Ich bin vorne im Feld. Warum auch immer. Es geht dann scharf nach links runter auf den Handeslkai. Ich lasse mir die Schneid abkaufen. Bremse. Und bekanntlich verliert derjeneige, der bremst. In der Kurve haben wir alle mindestens eine Neigung von 45 Grad. Nach links. Um die Kurve zu schaffen und um die Linie zu halten. Dann gleich nochmals 90 Grad nach rechts. Wieder in kurbelasphaltkratzender Schräglage.

Noch ca. 1000m. Ich bin seitlich im Wind. Fahre an der Spitze nebenher. Der Vorsprung des Ausreißers wird immer kleiner. Eigentlich müsste ich jetzt sprinten. Das könnte ich. Doch ich bin irgendwie gelähmt. Bin schon froh, hier vorne zu sein. Hätte ich mir nie gedacht. Ein geiles Gefühl. Die letzte Kurve. Wieder 90 Grad nach rechts. Es wird eng. Eine Fahrbahnbreite hat man uns zur Verfügung gestellt. Der Rest gehört den Autofahrern. Mit Absprerrgittern. Ich bin innen in der Kurve. Muss bremsen (musste auch). Und schon sind wieder ein paar von hinten frecher. Viel frecher. Dreister. Abgebrühter. Cleverer. Vorbei. Es kommt zu Berührungen. Axel aus meinem Team wird abgedrängt. Kann einen Sturz vermeiden. Fliegt aus den Pedalen. Vor mir schwanzelt es einen. Ich habe wieder Glück und noch Restgeschwindigkeit. Diese ziehe ich durch. Es war kein echter Sprint von mir. Zu sehr immer noch meine Verwunderung ob der Postion, die ich inne hatte. Es war ein fast gemütliches Heimfahren. Vor mir wird angetreten. Automatisch mache ich das auch. Aber nie mit dem eiseren Willen das Ding abzuschließen. Von aktivem Sprint keine Spur. Ich Trottel. So eine Chance kriege ich wohl nie wieder.

Ich überquere die Ziellinie. Spekuliere mit einem Top 10, Top 15 Platz. Es war Platz 8 gesamt. Platz 5 in meiner AK. 1 Sekunde hinter dem Sieger. Das Stockerl wäre drinnen gewesen. Schade. Dafür Platz 1 und 2 beim Stiegl Company Giro. Gratulation an alle im Team. Die Mixed Wertung haben wir auch gewonnen.

Fazit. Geiles Rennen. Sehr gefährlich. Sehr schnell. 37 km/h Schnitt. Gesamt. Inklusive Sightcycling. Schnitt 42 km/h ab Rennfreigabe. Geschätzte Leistung: 270W im Schnitt. Nach dem Zieleinlauf habe ich gesagt, dass ich das nicht mehr fahren werden. Ob es dabei bleibt?

Prost.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: Noch eins. Für € 71 Startgeld kam wenig italian cycling feeling in the heart of Vienna auf. Sehr mageres Startersackerl mit 1x Thunfisch von Rio Mare, 1 Isogetrnk, 1 Finisher T-Shirt in geilem Rosa, fesche Medaille, keine Labstation (wäre auch keiner stehen geblieben) und eine Finishlabe mit Salzbrezerln, Metro Orangen- und Apfelsaft. Darüber hinaus keine Siegerehrung für den Stiegl Company Giro, obwohl dieser als eigene Wertung geführt und beworben worden ist. Schade. Am Stockerl wäre ich dann doch gerne gestanden. Mit meinen Teammitgliedern vom Team Ketterechts I und II powered by Stiegl Sportweisse. 

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag sechs.

Monte Zoncolan. Auch „il Kaiser“ genannt. 10,5 km mit 1.250 HM. Legendär. Bekannt aus Funk und Fernsehen. Vor allem vom Giro d’Italia. Mit seiner imposanten Bergankunft in einer Naturarena, die ihresgleichen sucht. Knapp 12% durchschnittliche Steigung und Spitzen von bis zu 22%. Diesen Berg muss man als Rennradfahrer mindestens ein mal im Leben gefahren sein. Gilt er doch als der steilste im gesamten Alpenraum. Geheimtipps ausgeschlossen. Tag sechs der quaeldich Rennradreise hatte dieses Monster am Programm.

Für mich war es heute der zweite Zoncolan innerhalb von nur 15 Stunden. Für viele die Premiere. Dementsprechend auch die Stimmung unter den Teilnehmern. Nervosität wie vor einem ersten Date. Respekt, Demut und etwas Angst war zu spüren. Der Zoncolan war Gesprächsthema Nummer eins am Vortag bei der Henkersmahlzeit. Schilderungen einiger, die schon oben waren wie „Er ist nicht steil, aber es ist das steilste was ich je gefahren bin“ nährten die gemischten Gefühle.

Geschafft haben ihn alle. Der eine im Eiltempo, die anderen gemütlicher. Ineinander und aneinander zick zackend. Schnaufend. Schwitzend. Fluchend. Heldenkurbelnd oder dreifach drehend. Was zählt ist aber, dass dieser Berg jetzt in vielen Erinnerungen verewigt ist. Und der eigentliche Höhepunkt dieser Rennradreise bei guten Wetter stattfinden konnte. Der Zoncolan ist gefallen. Es lebe der Zoncolan.

Meine zweite Auffahrt? Gefühlsmäßig härter als gestern. Von der Zeit habe ich mich trotzdem sogar um zwei Minuten verbessert. Dafür sind meine Beine jetzt ziemlich leer. Denn nach dem Zoncolan war noch der Passo Monte Croce Carnico/Plöckenpass zu fahren. Davor wurde aber wieder einmal eine Bäckerei geplündert. Diesmal in Paluzza. In Paluzza machten sich auch drei von uns aus dem Staub, um ihre Höhenmetersucht zu stillen. Forcella di Lius, Passo Cason di Lanza und Passo Pramollo. Insgesamt 101 km und an die 3.900 HM. Mehr sage ich dazu nicht.

Die gesamte Route ist ja so konzipiert, dass etliche Optionen zur Verfügung stehen, die Tagesetappen zu verkürzen oder wie eben oben geschrieben zu verlängern. Die Region bietet ja genug Auswahl namhafter Anstiege. Wie beispielsweise den Monte Crostis von Ovaro aus.

Der Plöckenpass ist von Paluzza aus 20 km entfernt. Die letzten 10 eine Orgie an Kehren. Eine gemäßigte Steigung verleitet die Laktatproduktion anzukurbeln. Dieses Mal war Max der Übeltäter. Jene die folgen konnten folgten. Ich hatte zum Glück wieder die Ausrede fotografieren zu müssen. Was ich auch tat. Somit war es keine Ausrede.

Gesund und trocken, müde und erschöpft, stolz und froh. Die Mannschaft liegt früh im Bett, während das WLAN diese Bilder hochlädt. Morgen siebter und letzter Tag. Mit weiteren zwei Pässen. Das Adria Tief hat uns bis auf einen Tag in Ruhe gelassen. Es soll aber dafür auf unserer Tour d’honneur zuschlagen. Wir warten mal ab.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: ein Video vom Anstieg auf den Kaiser Zoncolan ist in Arbeit.

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag fünf.

Tag fünf. Regen. Viel Regen. Strömender Regen. Vernunft und Verantwortung haben unsere Guides dazu veranlasst, den ersten Berg des Tages, den „Passo Cason die Lanza“ zu umfahren. Zu gefährlich die Abfahrt von oben hinunter nach Paularo.

So ging es in einer verbotenen Zweierreihe das Kanaltal hinaus Richtung Tolmezzo. Die erste Stunde mit einem Schnitt von über 37 km/h. Und trotzdem war mir kalt. Sehr kalt. Was mich dazu veranlasste nach vorne in den Wind zu gehen. Herzfrequenz und Körpertemperatur fingen langsam an zu steigen.

Richtung Villa Santina machten wir dann auch noch Bekanntschaft mit den lokalen Carabinieri. Als diese uns entgegen gekommen sind und uns in 2er Reihe erblickten, wurde mittels akustischem Signal schon mal gezeigt, dass dies wohl nicht ganz legitim war. Unbeirrt davon, wurde unsere Gruppe in 2er Reihe weitergeführt. Bis die Carabinieri von hinten an uns heranfuhren und einer der beiden Männern bei offenen Fenster in feinem aggressiven italienisch uns klar machen wollte, dass wir gefälligst in „fila indiana“ fahren sollten.

Dank der fehlenden Sprachkentnisse der anderen Gruppenteilnehmern – ich habe mich fein rausgehalten, dauerte diese Belehrung seine Zeit. Die Carabinieri beließen es aber nicht dabei. Hinter eine Kuppe warteten sie dann und zogen uns aus dem Verkehr. Nochmals wurde uns klar gemacht – diesmal auch mit eindeutigen Handzeichen, dass wir „routa a ruota“ fahren sollten. Ein aufgerichteter Zeigefinger ließ schon schlimmeres erahnen. Ich habe schon mit einer Strafe spekuliert. Hielt mich aber aus der ganzen Sache raus, um nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen. Roli ließ auch seine Italienischkenntnisse im Guide Rucksack und versucht sich nur auf englisch zu verständigen. Ein „Ciao“ zum Schluss ließ aber alle Wogen wieder glätten. Der Carabiniere hatte wohl seine tägliche Autoritätsbestätigung bekommen.

Sella di Razzo. Ja oder nein. Es regnete nicht mehr. Aber der Himmel war noch sehr wolkenverhangen. So meldeten sich „nur“ 3 Freiwillige für den zweiten Pass. Der Rest fuhr ins Hotel nach Ovaro. Ich auch.

Später dann am Nachmittag juckte mich es doch wieder und zusammen mit Florian nahmen wir den berüchtigten „Kaiser“ in Angriff. Lo Zoncolan hielt was er verspricht. Ein Monsterberg. Vom Hotel weg knapp 11 km und nur bergauf. Der Mittelteil 6 km kaum unter 15%. Eigentlich wäre er morgen zu fahren. Fahre ich ihn halt nochmals.

Ohne Zick-Zack fahren, lässt sich dieses Monster fast nicht bewältigen. Die Auswertungen von Strava und Garmin zeigen auf diesem Berg deutlich, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Bin gespannt wie es mir morgen geht. Da ich jetzt weiß, was auf mich zukommt.

Zwei Mal Zoncolan in zwei Tagen. Ob das zu einer Ketterechts Challenge wird?

Stay tuned
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag 4.

Tag 4. Und endlich hatten wir Sommerwetter. Jenes von 2014. Mindestens 27 Wetter-Apps haben wir von gestern Abend auf heute morgen konsultiert. 28 verschiedene Prognosen hatten wir. Die optimistische meinte es nicht wirklich gut. Pünktlich um 0830 Uhr öffnet Petrus die Schleusen. Dichter Nebel zog durch das Isonzotal. Und schon war es in der gesamten Gruppe unruhig. Wer wird wohl was fahren? Plötzlich hatten wir mehr Optionen als Guides. Vom schnellsten Weg ins Hotel mit „nur“ einem Pass bis hin zur Gesamtvariante für die Hartgesottenen.

Ich habe mich freiwillig für die Gruppe 1 gemeldet. Um nicht wieder ein Debakel wie beim Ötztaler Radmarathon zu erleben. Regen hin oder her – wahre Männer fahren mit dem Rad bei jedem Wetter. Die Königsetappe begann mit der Montage des MudCatcher. Posingfaktor negativ – aber dafür einen sauberen Hintern. Somit ist dieser legitim und Ketterechts proved. Und sie begann mit meinen Hofer Leggins um € 5,90. Leider nicht ganz blickdicht. Sauerei. Darüber noch die Beinlinge. Handschuhe – jene aus dem Baumarkt. Ärmlinge und Regenjacke. Dazu noch das Radkäppi. Fünf Kilo Zusatzgewicht.

Von Log pod Mangartom – der wohl genialste Ortschaftsnamen der Welt – hieß es 17,5 km nur bergauf. Hier findet auch ein legendäres Bergrennen statt. Das Wetter hatte sich zum Besseren gewandelt und die Straßen waren trocken. Der Mangrt ist Sloweniens höchste asphaltierte Straße bzw. Stichstraße mit bis zu 15% Steigung. Denn im unteren Teil hat eine Gerölllawine zwei Kehren verschüttet. Statt diese neu zu bauen hat man einfach eine gerade Linie (Straße) nach oben gemeiselt. Hat man dieses Steilstück gemeistert, geht es zuerst durch einen dichten Laubwald bis man die felsigen Wände des Massivs erreicht. Durch viele finstere Tunnels und etlichen Kehren schlendert man nach oben. Am besten man verlässt nie die Ideallinie. Die Abgründe sind tief. Aufpassen muss man auch auf die vielen Ziegenbemmerln vulgo Gämseneier. Oben wenig spektakulär weil vom Nebel verhangen fährt man eine Einbahn und erreicht den höchsten Punkt auf 2.055m über der Adria. Welche ja Luftlinie von da oben ca. 200 km entfernt ist. Wir haben sie nicht gesehen und nicht gerochen. Gesehen haben wir eigentlich nichst. Gar nichts.

Mangart Abfahrt retour, dann Predil, Sella Nevea und in Chiusaforte gab es bei Luisa einen Capuccino samt Gazzetta dello Sport. Für € 2,-. Hier war dann auch wieder der Sommer. Der andere. Der warme und sonnige. Also entschlossen wir uns die Tagesetappe komplett zu beenden. Es wartete mit 16 km und 700 HM die Sella di Cereschiatis auf 1.059m am Weg nach Pontebba. Eine kleine Zusatzschleife, denn von Chiusaforte nach Pontebba im Kanaltal wären es 10 km mit nur 200 HM.

12 dem Wetter trotzende Gladiatoren begaben sich auf den Weg hinauf. Zu schnell. So dass Roli mehrmals mit „Kürzer“ den Testosteronspiegel senken musste. 4,5 km vor dem Pass dann doch die Freigabe. Eine Ketterechts Attacke am Berg (!!!!) eröffnete wieder einmal die Festspiele. Der Vorsprung wahrte aber nicht lange. Die Bergziegen waren sofort wieder zur Stelle. Ich stellte auf Eigentempo um und litt. Bis nach oben.

Am Pass musste ich mich als Italiener wieder dem einsetztenden Regen beugen und umziehen. Dafür schoss ich dann Richtung Pontebba bei Sonnenregen und gefährlichem Einsatz an den davor fahrenden vorbei. Ich hätte gerne Abfahrtssegmente bei strava.

Zwischen Pontebba und unserem Hotel hatte ich dann auch noch einen Defekt. Morgen kriegt die Princess of Pain neue Conti 4000er. Die Ultra haben ausgedient. Das Wechsel des kaputten Schlauches hat der Gruppe eine wohlverdiente Pause gebracht. Mir auch.

Nach knapp 6 Stunden und an die 131 km später war der Tag zu Ende. Rad putzen, Kette pflegen, duschen und essen. Bloggen und bald ins Bett.

Morgen Passo Cason di Lanza und Sella di Razzo. 142 , 5 km und knapp 3.000 HM. Leider wieder unsicheres, kühles und nasses Wetter. Perfekt freue mich schon. Gute Nacht.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag zwei.

Tag zwei. Ein großes Lob jenem, der heute das Wetter gemanagt hat. Ein Traum Sonnenaufgang in Preddvor. Dann eine etwas nebelige Anfahrt Richtung Kamnik und auf dem Weg hinauf auf den ersten Berg den Volovljek hat sich der Spätsommer noch einmal für uns stark gemacht. Ich habe nicht mehr damit gerechnet heuer nochmals bergauf mein Ketterechts Radtrikot zu öffnen und es im Wind flattern zu lassen. Das schöne Wetter hat sich dann über den Paulitschsattel und den Schaida Sattel bis zu unserem Etappenzielort gehalten. Kleiner Sonnenbrand inklusive. Die Formstreifen sind wieder aktuell. Rock it.  

In Summe sind wir heute wieder 141 km und über 2.500 HM durch Slowenien und Südkärnten unterwegs gewesen. Wieder aufgeteilt in drei Gruppen. Rund um die Steiner Alpen. Mit drei echten Highlights. Volovljek, Paultischsattel und Schaida Sattel. Allesamt verkehrsarm und reich an Steigungsprozenten und Kehren. Zum rauf und runter fahren. Scharf Bremsen war angesagt. Für eine Xentis Carbonfelge der Tod. Diese hat sich ins Nirvana verabschiedet. Ich sage nichts dazu. Ich habe ja meine Campagnolo Bora.  

Ich denke, dass die Bilder heute für sich sprechen und ich mich mit meinen Worte zurückhalten kann. So macht Rennrad fahren Spass. Gruppe eins ist sehr harmonisch. Uns schnell. Vor allem am Berg. Mit zwei Damen die uns (mir) das Fürchten lehren. I got chicked. Tja. Ich werde älter und schwächer. Ein großes Lob an Roli und Hannes für die Tourplanung. Ein schönes Fleckerl Erde neu kennen gelernt. Morgen geht es dann in bekannte Gefilde. Loiblpass zum Frühstück und dann Vrsic zum Mittagessen.

Das Wetter soll morgen noch halten. Ab Mittwoch ist Sommerwetter angesagt. Jenes von 2014. Mit einem Adria Tief. Aber die Hoffnung lebt noch. In den Tauern soll es schneien. Aber da fahren wir ja nicht hin.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag eins.

Meinen Bericht von Tag eins der quaeldich.de Rennradreise nach Kärnten, Friaul und Slowenien beginne ich mit einer sehr erfreulichen Nachricht. Es hat heute NICHT geregnet. Gut, die Straßen waren nicht immer trocken, aber es hat heute NICHT geregnet. Ich kann es kaum glauben. Wie sich das auf meine Motivation ausgewirkt hat brauche ich hier wohl explizit nicht zu erwähnen. Ein Hoch auf uns.

Erfahrungsgemäß ist Tag eins immer der stärkste Tag. Wie immer bei einer quäldich.de Tour, war es auch heute so. Männer eben. Testosteron und wattgesteuert. So muss Rad fahren. Was zur Folge hatte, dass wir den ersten ernst zu nehmenden Berg von St. Margareten im Rosental Richtung Freibach mit einer Steigleistung zwischen 1.100 und 1.300 m/Stunde mauserten. Nicht übel. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits an die 60 km in den trockenen Beinen. Die Abfahrt und das Rollen nach Bad Eisenkappel waren dann kaum zu spüren.

In Bad Eisenkappel dann der erste Stopp. Quasi die Mittagsverpflegung. Anders wie bei der Tauernrundfahrt und Schweizrundfahrt sind wir bei dieser Tour Selbstversorger. So wurde mein Tipp eine ganz spezielle Konditorei anzufahren gerne angenommen. Gruppe eins war natürlich zuerst da und plünderte die armen unvorbereiteten Damen. Als dann noch Gruppe zwei und drei zusammen ankamen, war das Angebot bereits etwas dürftig. „Hättet ihr gesagt, dass ihr kommt, hätten wir mindestens 10 Kuchen mehr gebacken“. Die Damen hinter der süßen Theke hatten das Geschäft ihres Lebens vor Augen und mussten ansehen, wie das Angebot dafür zu gering war. Als Trost. Wir werden morgen retour auch wieder dort einkehren. Vorher rufen wir aber an. Damit man sich auf uns einstellen kann.

Nach der Mittagspause zog Gruppe ein die einzige Option des Tages. Nicht ganz freiwillig. Aber Guide Roli wollte unbedingt. Auch Tobias hatte noch zu wenig Höhenmeter. Brav wie wir sind, folgten wir dem Ruf. 7 km und 500 HM war die Ansage. Als ich nach 7 km aber nur 180 HM feststellen konnte, ahnte ich bereits Schlimmes. Im Endeffekt waren es an die 12 km und über 700 HM. Wobei 550 HM auf den letzten knapp 4 km als Rampe mit einer Vielzahl von Kehren unser – mein – zügiges Weiterkommen mächtig hinderten. Zwischen 10 und 13% Steigung. Ein Mortirolo light. Danke Hannes. Wir lieben dich.

Nach 12 km Abfahrt wartete zum Ende des Tages der Seebergsattel. Und hier erlebte ich seit langem wieder einen Radfahrer Tod. Ich bekamt Besuch vom Hungerast. Mir wurde schwarz vor Augen und plötzlich ging nichts mehr. Ich flehte um Beißbares. Bat Roli um seine Manner Schnitten. Ich wurde nicht erhöht. Außer einem Power Gel bliebt ich mit leeren Händen und leeren Energiespeichern zurück. Der Rest der Gruppe fuhr geschlossen hinauf. Ich sah sie erst wieder oben.

So verpasste ich eine der spektakulärsten Passstraßen. Eine Kehren Orgie der Superlative. Keine 5 – 7% Steigung dafür 12 km, die einen schwindelig machen könnten. Ein Kette rechts Pass wie er sein sollte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich oben. Und der Rest war froh wieder weiterfahren zu können. Danke fürs Warten. Noch 25 km bis ins Ziel. Bergab. Eine Schrecksekunde hatten wir da noch als ein betagter Slowene mit seinem grünen Polo unsere Gruppe mit einer Unachtsamkeit bei 40 km/h Geschwindigkeit sprengte in dem er sich von rechts kommend mitten hinein schlich. 12 Vogelzeichen und ein paar Schimpfwörter später überholte er nochmals von hinten die gesamte Gruppe, wich entgegenkommenden Motorradfahren so gekonnt aus, dass er zuerst mich und dann Roli an den rechten Fahrbahnrand drängte. Ich denke nicht, dass das die gewohnte Fahrweise in Slowenien ist.

Zum Glück ist nichts passiert und nach 5h33min erreichten wir nach 151 km und 2.400 HM mit einem Schnitte von 27 km/h unser Ziel.

Tag eins ist somit geschafft. Morgen geht es zurück nach Österreich. Über drei Pässe und hoffentlich mit schönen Wetter.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Gran Fondo Vienna – mit Stiegl Sportweisse.

Am Sonntag, 14.9.2014 findet die 1. Gran Fondo Vienna statt. 120 vorwiegend flache Kilometer. Zuerst durch die Wiener Innenstadt und um den Opernring!

Und jetzt aufgepasst. Stiegl Sportweisse sucht zusammen mit Ketterechts noch fünf FahrerInnen, welche den Company Giro auf die 120 km im Namen von Stiegl in Angriff nehmen wollen.

Voraussetzung? Ein Rennrad, gute Beine und einen guten Grund warum man dabei sein will.

Alle bis diesen Donnerstag 28.8.2014, 20.00 Uhr im Anschluss an diesen Blogbeitrag deponierten Startwünsche und Bewerbungsargumente werden von einer Fachjury bewertet. Die fünf aussagekräftigsten Postings sind dabei. Die Glücklichen werden schriftlich verständigt (also bitte keine anonymen Postings).

See you.
Crisitan Gemmato aka @_ketterechts

PS: Es gibt nur die Startplätze zu „gewinnen“. Keine Barablöse der Preise möglich. Anreise nach Wien bzw. Übernachtungen sind im Paket nicht inkludiert. Das Rennen bestreitet jeder auf eigenes Risiko und auf eigene Gefahr. Weder Stiegl noch Ketterechts übernehmen dafür irgendwelche Haftungen.

PS: Stiegl Sportweisse obendrauf!

Rice like a Phonix – die Garmin Wiederaufersteheung.

Sommer 2014. Das ist eine Ice Bucket Challenge am laufenden Bad. Egal, wann und wo du mit dem Rennrad losfährst – du kriegst mit Sicherheit einen Kübel Wasser über deinen Kopf geschüttet. Regen. Regen. Regen.

Nicht nur wir Radler leiden darunter. Nein auch unser so sehr geliebtes Material hat mit den Tücken des Regens arg zu kämpfen. Ich rede da jetzt nicht in erster Linie von klassischen Verschleißteilen wie Bremsgummis, Ketten, Zahnkränze. Auch wenn die Lebendauer dieser nicht billigen Accessoires dadurch – bei mir zumindest – dramatisch unter den langjährigen Durchschnitt geschraubt wird. Ich meine aus gegebenen Anlass die Elektronik. Das technische Lieblingsspielzeug unserer digitalen Zeit. Garmin. Beispielsweise. Mein EDGE 500 mit schon ein paar Jährchen auf dem Tacho hat die quaeldich.de Tauernrundfahrt inklusive der quaeldich.de Schweiz Rundfahrt knapp vor dem Ötztaler Radmarathon nicht überlebt. Trotz meiner sehr peniblen Sicherheitsmaßnahmen.

Schon beim Kauf des Gerätes ist mir die etwas filigrane Abdeckung des USB Anschlusses negativ aufgefallen. Schon nach 3x öffnen konnte die Schließung nie und nimmer dicht gemacht werden. So entschloss ich mich bereits vor meiner ersten Inbetriebnahme, diese Abdeckung zusätzlich mit einem Leukoplast abzudichten. Nach regelmäßigem öffnen und schließen für die Übertragung der Daten, habe ich das in die Farbe gekommene Pflaster dann immer wieder ausgetauscht.

Jetzt entpuppt sich diese Maßnahme als lebensverlängernde Idee. Denn wohl genau dadurch hatte ich bis vor kurzem keine Probleme mit der Elektronik des Garmin. Ich habe einfach eine „bekannte Garmin Schwäche“ etwas ausgetrickst. Doch auch das beste Leukoplast nutzt nichts gegen den vielen Regen, den ich die letzten Tage erwischt habe.

Was ist passiert. Mein Garmin EDGE 500 ließ sich nicht mehr mit meinem PC koppeln. Das Gerät selber funktionierte noch. Einwandfrei. Es ließ sich ein- und ausschalten. Es ließ sich laden. Und es ließ sich bedienen und verwenden. Dank sei Leukoplast, sage ich jetzt mal.

Zwei drei Suchmaschinenanfragen haben sofort die Ursache ans Tageslicht gebracht. Wasser. Oxidierung des USB Anschlusses. Der allgemeine Tenor: „Kenne ich.“ „Hatte ich auch.“ „Ist bekannt.“ Lösung? Gerät einschicken und warten.

Einschicken bei Garmin ist aber so eine Sache. RMA Formular nennt sich die Hürde. Es muss so eine beantragt werden. Hat man diese, kann man das Gerät einsenden. Mit einer detaillierten Beschreibung des Problem, des Zubehörs, welches man mitschickt. Und des Kaufbeleges. Garmin gewährt ja 2 Jahre Garantie. Mein Gerät ist aber etwas älter. 2 – 4 Tage hin und retour (Postweg) und 24h Bearbeitungszeit. So die Zeitspanne, für die Garmin Verständnis erhaschen will. Macht also mindestens 7 Tage ohne Garmin,

Ich hasse etwas einzuschicken. So habe ich mich nach anderen Lösungen umgegoogelt. Vom Föhnen bis hin zum nächtlichen Reisbad. Ich habe alles probiert. Ergebnislos. Auch die Behandlung mit 200ml Kontaktspray war erfolglos. Heute, 9 Tage vor dem Ötztaler Radmarathon habe ich mich resignierend im Internet nach einem neuen Garmin umgeschaut. Ich wusste, wenn ich meinen einschicke, habe ich ihn bis zum 31.8. nie zurück. Und ob der Garantiefrist bin ich überhaupt nicht sicher was mit meinem Gerät passiert.

Ein EDGE 810 um € 299,-. Das habe ich sofort gefunden. Den Haken auch. Ohne Brustgurt. So ein Paket heißt Bundle. Und findet man nicht unter € 399,-. Vielleicht schon – ich habe halt nicht länger gesucht. Gesucht habe ich nach der Möglichkeit, den eventuell zu erwerbenden 810er mit meinem 500er Brustgurt kompatibel zu machen. Vergebens.

Nach der Resignation und der Gewissheit den Ötztaler Radmarathon mit dem Forerunner 910xt zu fahren habe ich mich dann nochmals mit dem EDGE 500 beschäftigt. Mit dem kleinsten Torcx Schraubenzieher den ich finden konnte, habe ich das Gehäuse geöffnet. Zwar nur oben (an den USB Anschluss bin ich nicht rangekommen), aber immerhin. Mit einem anderen spitzem Gegenstand habe ich das USB Gehäuse des Garmin ausgeputzt. Die Oxidierung der Metalle etwas weggekratzt.

Dann habe ich den Garmin nochmals am Computer angeschossen und es ist ein Wunder geschehen. Er koppelte. Sofort sichern. Sofort updaten. Sofort Track vom Ötztaler draufspielen. Akku ist voll. Gerät sollte funktionierten. Bis zum Ötzi wird er konserviert. Trocken gelagert. Auf Watte gebettet und ins Abendgebet eingebaut. Falls Gott Garmin verwendet, wird er mich nicht im Stich lassen.

Elvis lebt. Nummer 5 lebt. Und mein Garmin lebt. Die Frage ist nur, wie lange. Auf jeden Fall verpasse ich ihm noch eine Extra-Leukoplast Kur.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

quaeldich.de Schweiz Rundfahrt. Tag 7.

Müde. Ich bin nur müde. Nicht von den 7 Tagen in der Schweiz. Nein. Von den 8 Stunden Autofahrt von Bern nach Wien. Im Anschluss an die 7. und letzte Etappe der quaeldich.de Schweiz Rundfahrt 2014. Das waren noch einmal 120 km und 2.300 Höhenmeter mit zwei kleinen Gemeinheiten. Den Glaubenbüelenpass und Moosegg. Aber wie immer der Reihe nach.

Luzern. Nach einem Fr. 5,- Eis (ca 2 Kugeln) am Abend war die letzte Nacht der Tour geprägt von der Hoffnung auf ein Zwischenhoch (Meteo SF meinte es würde kommen) und der Hoffnung, dass die durchnässten Sachen endlich trocken werden könnten. Zumal in meinem Zimmer keine Heizung funktionierte. Die Restfeuchtigkeit aus den gewaschenen Sachen (ja, ich wasche meine Sachen!) habe ich mit dem Handtuch Trick entfernt. (Ad Handtuch Trick: man nehme die feuchten/nassen und gewaschenen Sachen und lege diese in ein Handtuch. Vorzugshalber eines aus dem Hotel. Dann rollt man das Handtuch zusammen und dreht es mit meiden Armen/Händen. Links nach recht und rechts nach links – funktioniert auch umgekehrt. Am Punkt, an dem nichts mehr weitergeht, verweilt man dann einige Zeit. 30 – 60 Sekunden. Dann ist der Spuk vorbei. Handtuch öffnen und Sachen aufhängen).

Frühmorgens um 0700 Uhr. Frühstück wie immer. Die Straßen sind nass. Es hat geregnet. Der Himmel wolkig. Das Zwischenhoch irgendwo. Nur nicht über Luzern. Wir starten trotzdem. Müssen ja. Diesmal ist Reto unser Lokal Guide. Er führt uns raus aus der Stadt. Entlang des Vierwaldstätter Sees. Richtung Hergiswil und Alpnachstadt. Und tatsächlich. Es beginnt zu regnen. So richtig zu regnen. Endlich (Achtung: Sarkasmus).

Unsere Gruppe wird durch einen Kettendefekt gesprengt. Drei vorne Weg (mit Gruppe 2) und vier bleiben zurück. Ein Kettenglied muss entfernt werden. SRAM sei Dank. Bei Campa geht das nicht ohne Spezialwerkzeug. Ich schaue zu. Man kann ja was lernen. Die Aufholjagd nach ca. 30 Minuten Stehzeit beginnt. Es geht entlang des Sarner Sees nach Giswil. Von hier aus könnte man nach Meiringen fahren. Dort wo wir Tage zuvor auch schon waren. Auf dem Weg zum Grimselpass und zum Furkapass. Aber auch zum Sustenpass oder den Gotthardpass . Ach was hat denn die Schweiz für schöne Pässe (Achtung: Nostalgie).

Weder noch. Wir sind rechts in Fahrtrichtung abgebogen. Auf den etwas unbekannteren aber nicht minder harten und meiner Meinung nach landschaftlich wunderschönen Glaubenbüelenpass. Knappe 12 km bei konstanten 10% Steigung. Kaum waren wir in der Steigung, zeigte sich eine kleine Wolkenlücke aus der die Sonne mit voller Kraft durchscheinte. Also ausziehen. Wieder einmal.

Was uns als harter Brocken vorgestellt wurde, erwies sich auch als solcher. Aber nicht in dem Ausmaß wie befürchtet. Vielleicht war es die Euphorie des letzten Tages. Vielleicht waren es die anderen Teilnehmer (Gruppe 4, 3 und 2) welche von hinten aufgerollt werden konnten. Keine Ahnung. Ich hatte gute Beine und genoss diesen vorletzten Berg. Schade wieder um die Sicht. Denn auf dem letzten Drittel der Strecke war wieder nichts zu sehen. Keine Seen im Tal, keine 3000er im Hintergrund. Nur saftiges Grün. Bäume und ein paar Lifte.

Oben erwartete ich mir Verpflegung. Umsonst. Diese wurde kurzerhand nach unten verlegt. So hatte ich wieder einmal falsch gepokert und bin die Abfahrt runter, so wie ich den Berg hoch bin. Mit zu wenig warmer trockener Kleidung. Selber Schuld ich weiß. Rucksack? Niemals. Vorbei am Brienzer Rothorn schoss ich hinunter nach Sörenberg in der Hoffnung den Verpflegungstrupp zu finden. Gefunden. Kurzer Stopp. Verpflegung und Wäsche wechseln. In der Zwischenzeit fing es wieder an zu schütten. Eh klar. Ein trockenes Unterhemd, trockene Socken, Beinlinge und weiter Richtung Bern. Noch 50 km. Entlang des Emmental konnten wir noch mächtig Tempo machen. Gegen den Wind und gegen das April Wetter. Mal Regen, dann wieder Sonne. Dann wieder Regen. Mir war es jetzt mittlerweile egal.

25 km vor dem Ende der Tour dann noch der letzte Streich. Eine 5 km lange Steigung hinauf nach Moosegg. Diese tat weh. Echt weh. Auch weil ich vorher gute 20 km im Wind gefahren bin. Auf diesen 5 km ließ ich die gesamte quaeldich.de Schweiz Rundfahrt Revue passieren und erlebt alles, was ich bereits geschildert habe. Die Schweiz hat Regen. Die Schweiz hat Berge. In den Alpen und vor den Alpen. Die Schweizer Berge enden nie, dort wo man es erwartet. Es geht immer noch mindestens 1x hinter der Kurve nach oben. Und ich bin kein Bergfahrer.

Oben geschafft. Gruppe 1 hat die Schweiz Rundfahrt ohne gröbere Defekte und ohne Stürze überstanden. Chapeau. Danke an Lukas, Janina, Thomas 1 und Thomas 2, Guido und Nils. Für die kurzweilige Woche. Es hat sehr viel Spass gemacht mit Euch. Sollten wir uns nochmals treffen, werde ich weniger reden. Versprochen.

Die quaeldich.de Schweiz Rundfahrt ist somit Geschichte. 800 km und gut 17.000 Höhenmeter. Geprägt von traumhaften Strecken, namhaften Pässen und Etappenzielorte. Bern, Interlaken, Andermatt, Pontresina, Stelvio, Bad Ragaz, Luzern, Bern. Chuderhüsi, Beatenberg, Grimselpass, Furkapass, Oberalp, Albula, Bernina, Forcella di Livigno, Passo Foscagno, Stelvio, Umbrail, Ofenpass, Fluelapass, Wolfgangpass, Kerzenberg, Sattelegg, Iberegg, Glaubenbpelen, Moosegg. Die Schweiz ist ein teures aber schönes Pflaster. Für das Sauwetter kann niemand was dafür. Oder doch?

Ich verabschiede mich in die Regeneration. Am 31. August 2014 wartet der Ötztaler Radmarathon auf mich. Und am 6. September startet die quaeldich.de Reise durch Kärnten, Friaul und Slovenien. Ich sage nur: Seebergsattel, Wurzenpass, Vrisic, Mangart, Zoncolan, Passo Cason di Lanza, Plöckenpass, Passo Pramollo …

Gruezi.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: Dass die nächste Schweiz Rundfahrt wegen der Regensicherheit in Irland oder im Amazonas Gebiet stattfinden soll, ist nur ein Gerücht.