Linienkunde. Die Linien für die Linien auf der Bahn.

Linien für die Linie.

Im Ferry Dusika Stadion herrscht mittlerweile reger Betrieb. Es hat sich schon eine eingefleischte Gruppe gebildet. Treffpunkt täglich. Auf der einen Seite die Rookies und auf der anderen Seite die etablierten Haudegen. Von Ihnen kann man viel lernen. Allen voran, welche Linien zu fahren sind.

Mittlerweile weiß ich auch, dass in der Halle Linie nicht gleich Linie ist. Die eine ist schneller, die andere kraftaufwändiger. Eine Frage auch der Physik. Aber das war nie mein Schwerpunkt. Mein Motto: Kopieren geht über Studieren. So versuche ich stets die Linien anderer zu folgen, mir einzuprägen und zu spüren. Wo brauche ich mehr Kraft und wo kann ich diese sparen.

Der Reihe nach. Unterschieden wird nach Linien im Sinne von Markierungen und Linien im Sinne von Weg. Weg den ich zurücklege, eine Runde auf der Bahn zu absolvieren.

Die Markierungen (aus Wikipedia):

Auf die Bahn werden drei Linien in Fahrtrichtung aufgebracht:

  • (schwarze) „Messlinie“ (frühere Bezeichnung: Mallinie): Ihre Länge stimmt mit der offiziell ausgewiesenen Bahnlänge überein. Um ein „Abkürzen“ zu verhindern, werden bei Meisterschaftszeitfahren in den Kurven ca. 50 cm lange Kunststoffschwämme unterhalb der Messlinie auf die Bahn gelegt, so dass der unterhalb dieser Linie liegende Bahnteil gesperrt ist. Der 20 cm unterhalb der Messlinie (links davon) liegende Teil der Bahn heißt wegen des hellblauen Farbanstriches „Côte d’Azur“ oder „Teppich“ und dient als Übergang zwischen Innenraum und der eigentlichen Bahnfläche. Die Breite der „Côte d’Azur“ beträgt mindestens 10 % der Bahnbreite. An der Messlinie ist alle 10 m die ab dem Ziel zurückgelegte Strecke in Metern angebracht.
  • (rote) „Sprinterlinie“: Sie ist im Abstand von 70 cm zur Messlinie aufgebracht. Fährt ein Fahrer unterhalb dieser Linie, darf er im Sprint nicht links (= innen) überholt werden, fährt er oberhalb dieser Linie und wird innen überholt, darf er nicht „dichtmachen“, d. h. er darf nicht nach unten schwenken und den überholenden Fahrer an der Überholung hindern, es sei denn, er hat mindestens eine Radlänge Vorsprung vor dem von hinten angreifenden Fahrer.
  • (blaue) „Steherlinie“: Sie erfüllt verschiedene Zwecke und ist im Prinzip auf 2/3 der Fahrbahnbreite, mindestens aber 2,50 m vom Innenrand der Fahrbahn angebracht. Bei Steherrennen erfüllt sie eine ähnliche Funktion wie die rote Linie im Sprint, d. h. angegriffene Steher müssen unterhalb der blauen Linie bleiben und dürfen, wenn sie unterhalb der blauen Linie fahren, nicht links überholt werden. Bei 2er-Mannschaftsrennen fahren die abgelösten Fahrer (langsamer) oberhalb der blauen Linie, um die im Rennen befindlichen Fahrer nicht zu behindern.
  • Den Abschluss der Bahn nach unten bildet die Côte d’Azur.

Weitere Markierungen finden sich quer zur Fahrtrichtung:

  • „Ziellinie“: Die Ziellinie wird kurz vor Ende der Zielgeraden quer über die Fahrbahn markiert. Es ist eine 72 cm breite, weiße Markierung aufzubringen und in der Mitte mit einem 4 cm breiten, schwarzen Zielstrich zu versehen.
  • „Verfolgerlinien“: Genau in der Mitte der beiden Geraden sind quer über die Fahrbahn die jeweils 4 cm breiten, roten Verfolgerlinien aufgebracht. Sie bezeichnen Start und Ziel der Verfolgungswettbewerbe und reichen bis zur Hälfte der Bahnbreite.
  • „200-m-Linie“: 200 m vor dem Ziel wird quer über die Fahrbahn eine weiße, 4 cm breite Linie markiert, die den Abstand zum Ziel anzeigt und als Messlinie für die letzten 200 m im Sprint dient. Bei 200-m-Bahnen ist diese Linie nicht vorhanden.

Kompliziert genug. Oder?

Der Weg:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Runde auf der Bahn zu absolvieren. Aufgrund der Neigung der Kurven (45°!) sind diese Möglichkeiten unterschiedlich anstrengend. Am Leichtesten fährt es sich im Innenfeld oder auf der Côte d’Azur. No, na! Am Kürzesten ist die Runde auf der schwarzen Messlinie. Am Längsten ganz oben an der Zuschauerbande. Aber welche Linie ist die Schnellste? Das herauszufinden ist das spannendste beim Bahnfahren. Denn es geht hier um eine Mischung zwischen Muskelkraft und etwas Intelligenz bzw. Gefühl für die Bahn. Logisch ist, dass wer schneller tritt, auch schneller ist. Logisch ist auch, wer schneller tritt auch schneller übersäuert und ermüdet.

Grundsätzlich ist es ja so, dass man auf einer geneigten Bahn in Fahrrichtung hinauf und nach hinunter fahren kann. Je nachdem wo man gerade ist. Hinauf bedeutet Geschwindigkeit verlieren, hinunter bedeutet Geschwindigkeit aufnehmen. Achtung: aktive Geschwindigkeit, denn die Räder haben keinen Leerlauf. Man kann also das Rad nicht einfach „laufen“ lassen. Eine sog. Attacke kann also mit Hilfe des Gefälles gestartet werden. Eine schnelle Runde meistens auch. Eine Attacke sollte auch immer von hinten gestartet werden. Aus dem Windschatten heraus oder aber auch überraschend. Hinter einen Gegener zu kommen bedeutet langsamer zu sein als dieser. Dieses Spielen ist auch Gegenstand und Ausgangspunkt der Sprints auf der Bahn.

Gestern hatte ich das Vergnügen einem „Profi“ beim Runden drehen hinterherfahren zu dürfen. Zuerst drehten wir auf der schwarzen Linie unsere Runden. Sehr gleichmäßig. Die Kurven sind einfach zu nehmen. Dann ging es hinauf auf die Blaue. Das ist dann schon anstrengender. Man muss in der Kurve schon etwas kräftiger treten um den Vorderman halten zu können. Einer weitere Variante dieser Linie ist in den Geraden beim Kurvenausgang in Richtung Bande zu fahren. Nach der Ziellinie (auf einer Seite ist diese dick, auf der anderen Seite dünner) dann aber wieder Richtung blauer Linie zu stechen und die Kurve zu nehmen. Das ergibt durch die Fliehkraft eine Kraftersparniss im Kurveneingang. Richtig anstrengend war die Runde ganz oben quasi an der Zuschauerbande zu fahren. Kräftezährend, weil man in der Kurve ein hohes Tempo halten muss, um an der höhsten Stelle der Bahn nicht runterzurutschen. Das Runtefahren von oben in die Gerade in der Mitte hat sich angefühlt wie ein freier Fall. Für mich zumindest.

Wie man sieht ist Bahnfahren kein monotones im Kreis fahren. Es ist ein Spiel aus Geschwindigkeit, Fliehkraft und Muskelkraft. Am meisten Spass macht eine Runde ganz oben an der Bande zu beginnen. Mit entsprechender Geschindikeit. Mit anschließendem Vollgas Stich über die blaue Linie hinunter auf die schwarze, um die nächsten Runden am Laktatanschlag zu beenden.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Internet – Fachhandel 0:1 (1. Halbzeit)

Ready to track.

Was ich bereits gebloggt habe. Mein Dilemma, (m)ein Bahnrad im Internet oder im Fachhandel zu kaufen. Ich habe mich nicht nur entschieden, sondern die Entscheidung auch vollzogen. Gestern holte ich bei Bernhard Kohl das Fuji track 1.1 Modell 2014 ab.

Gesehen hatte ich das Bike bei Cycletec um € 799,-. Und im Fachhandel um € 1.250 –  1.299,-

Zur Entscheidung hole ich etwas aus. Natürlich habe ich mit Bernhard Kohl darüber gesprochen. Gemeinsam haben wir dann auch die Webseite des Internetanbieters angeschaut und das Rad auch um diesen Preis gesehen. Was ihn dazu veranlasst hat bei Fuji anzurufen und den Sachverhalt zu prüfen. Anscheinend (nach Aussage von Bernhard Kohl), hat Cycletec gar keine Räder bei Fuji gekauft. Ein Testkauf von Fuji bei Cycletec hat ergeben, dass das gewünschte Rad gar nicht verfügbar sei.

Wenn man es genau nimmt ein klarer Fall von Beschiss dem Kunden gegenüber. Unerlaubter Wettbewerb, Betrug und so … Eine alte Internetshop Masche. Kunden mit Angeboten anlocken, diese nicht verfügbar haben und dann hoffen, glauben bzw. dazu beitragen, dass der Kunde, wenn er schon mal auf der Seite ist, andere Käufe tätigt. Und möglicherweise diese wiederholt.

Ich kann jetzt nicht behaupten oder bestätigen, dass das so stimmt (Fuji bei Cycletec nicht verfügbar). Aber Cycletec sieht mich sicher nicht mehr wieder. Hat wiederum mit meinen Verständnis für Geschäfte und Deals zu tun.

Wurscht. Ich habe mein Rad bei Bernhard Kohl gekauft. Weil er mich zum Bahnfahren gebracht hat. Durch seine Initiative, Besuch im Ferry Dusika Stadion bei einem Wettkampf, Probefahren mit BMC Testrädern, Organisation der Jahreslizent und Anschaffung der Räder. Das muss ein Fachhändler erst einmal nachmachen.

Einen ausführlichen Bericht über das Fuji track 1.1, welches ich nicht mehr im Originalzustand verwende, demnächst. Muss noch an der richtigen Übersetzung und Position tüfteln. Eines vorweg: Der serienmäßig mitgelieferte OVAL Lenker im Style japanischer Keirinfahren ist ein Verbrechen gegen alle Posinggesetzte. Ich habe diesen auch gleich getauscht und mit einer Eigenkreation ersetzt.

Stay tuned.
Cristian Gemamto aka @_ketterechts

PS: Wer den OVAL Lenker haben will, erst steht zum Verkauf 😉

Internet vs Fachhandel. Der ewige Preiskampf.

€ 799,- vs € 1.299,-

Über meine Entscheidung im Ferry Dusika Stadion zu überwintern habe ich ja schon gebloggt. Die Jahreslizenz und somit den Zugang in das Wiener Oval habe ich heute abgeholt. Jetzt fehlt nur noch das passende Rad.

Nach langem hin- und her sowie diversen Recherchen im Internet inklusive Angebotsvergleichen hätte ich mich für das Fuji Track 1.1 entschieden. Auch wenn andere Mütter viel schönere Töchter hätten. Colnago, Bianchi, De Rosa, Pinarello – alle namhaften Marken führen auch Bahnräder. Diese sind aber schwer zu finden und kosten dazu mehr als ich mir leisten will (und kann). Das Fuji ist sicher ein sehr gutes Einstiegsmodell. Alurahmen und Carbongabel. Nur der Lenker ist serienmäßig Schrott (optisch). Der würde sowieso ausgetauscht werden.

Bei Cycletec habe ich das Rad um € 799,- gesehen. Bei einem namhaften Händler an den Toren von Wien um € 1.299. Gut. Zweiteres ist das 2014 Modell. Das billigere das 2013. Beide Räder unterscheiden sich lediglich durch die Lackierung.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wo zuschlagen. Einerseits bin ich ja niemanden was schuldig und könnte das Angebot im Internet nehmen. Andererseits würde ich aber auch beim Händler kaufen. So bin ich halt. Die Föderung der lokalen Wirtschaft liegt mir auch am Herzen. Doch ein Preisunterschied von € 500 ist rational kaum zu rechtfertigen. Der Händler sagt, dass er mit dem Preis aus dem Internet nicht mithalten kann.

Nach einer Lösung wird gesucht.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

2013 im Rückblick.

Scheißwetter draußen. Zeit um eine kleine Bilanz zu ziehen. Meine persönliche Bilanz. Es war ja doch ein aufregender Sommer. Highlights der Ironman Austria als GoPro-Athlet und die beiden Touren mit quaeldich.de. Tauernrundfahrt und Dolomiten 2013.

Ich hole etwas aus. Meine Radsaison und auch die Vorbereitung auf den Ironman haben heuer erst im April begonnen. Ich war ca. 12 Wochen wegen meines Bruches an der Elle vm 19.2.13 außer Gefecht. Etwas Spinning (viel Spinning) und Crosstrainer halfen mir halbwegs fit zu bleiben. Doch dann habe ich wohl etwas viel Gas gegeben. Für meine Verhältnisse. Das kann ich behaupten. Wenn ich einen Blick auf meine Bankkonten mache und die Warnungen meines Steuerberaters nicht verdränge. Meine kleine Tochter kennt mich zum Glück von Facebook.

Die nackten Zahlen (April – Oktober 2013):

8.757 km am Rad, im Laufschritt und kraulend
370 Trainingstunden (und ich habe nicht immer meine zwei Garmins mintgehabt)
2h32min eine durchschnittliche Trainingseinheit
23,7 km Durchschnittsgeschwindigkeit
113,4 km/h maximal Speed (sagt der EDGE 500)
222.713 verbrauchte Kalorien
132 bpm Durchschnittspuls
193 bpm Maximalpuls
112.024 Höhenmeter (Aufstieg)
111.382 Höhenmeter (Abstieg).

Wie gesagt. Laufen, Schwimmen und Rad zusammen. Das Trennen würde zu viel Mühe bedeuten. Aufgezeichnet mit dem Garmin Forerunner 910XT und dem Garmin EDGE 500.

Und jetzt gehe ich Geld verdienen. Ein Bahnrad muss her. Und ein Crosser. Der aber wohl erst im nächsten Winter. Denn im Frühjahr muss ein Triathlonrad her. Und die Princess op Pain sollte nach dem Sturz auch ausgetauscht werden.

Ich träume weiter.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Weniger Masse + schlechte Klasse = Schnelligkeit

Aus Zeitmangel (es gibt ja auch die Passion zum Geld verdienen) und auch aus metereologischen Gründen (es wird bereits um 1830 finster und in der Früh will der Tag vor 0700 auch nicht wirklich in die Gänge kommen) ist derzeit ein regelmäßiges Radtraining (24 Stunden/7 Tage die Woche) kaum zu bewältigen. Der heiß ersehnte Crosser ist noch nicht erworben (siehe Zeile eins) und das mit dem Bahnfahren hängt auch noch irgendwo fest. Nicht zu vergessen, dass ich mit dem Schwimmtraining vor 2 Wochen anfangen hätte sollen. So bleibt mir nichts anderes übrig als zu laufen. Will ich ja nicht verfetten.
Zum Thema laufen folgendes. Am 3. Juli 2013 bin ich im Rahmen des Ironman Austria zum letzten Mal etwas länger gelaufen. Dann waren es 2 Einheiten in der Woche darauf und dann waren es von Mitte Juli bis Mitte September ganze null Laufeinheiten (die ein bis zwei zufälligen Laufeinheiten sind außerhalb der statistischen Schwankungsbreite einzuordnen). Dafür sehr viel Rad. Schwimmen lassen wir aus. Ein paar mal plantschen ist sich schon ausgegangen.

Umso mehr wundere ich mich seit einigen Wochen über meine Laufform. Waren es anfangs nur ein paar kurze Einheiten über 5 – 8 km in moderatem Tempo um meine Muskeln wieder halbwegs an eine andere Belastung zu gewohnen, habe ich mich dann schön langsam gesteigert. Ein 12er, ein 10er und vergangenem Sonntag sorgar mein erster 20iger. In 1:45. A.d.R. Und genau hier hat mein „mich wundern“ den fast Höhepunkt erreicht. Ich konnte ein Tempo von 5:15/km halbwegs halten. Puls bei unter 140 Schlägen pro Minute. Am Abend dann aber Spatzen in den Unterschenkeln der Kategorie Deluxe.

Montag Pause. Gestern dann eine weitere Laufeinheit. Ich laufe derzeit ohne Plan. Es geht im Oktober um nichts. Wirklich nichts. Ich brauche nur Bewegung. Im Kopf halbwegs ein Konzept. Um nicht monoton zu sein. Ziel gestern hätten 60 Minuten locker sein sollen. Sagen wir 6:00/km.

Ich laufe weg. Nach 200 Metern kreuzt mich eine Gazzelle. Weiblich. Beine wie im Bilderbuch. Schlank. Drahtig. Und einen lockeren Schritt drauf. Ich wiederhole mich. Bilderbuch. Ich hänge mich an die Gazzelle. Der männliche Jagdinstinkt. Aufgewärmt? Ich? Scheiß drauf. Nach einem km eine Zeit von 4:35/km. Die Gazzelle biegt ab. Ich denke mir lauf halt schnell weiter. Nach 5 km hatte ich 21 Minuten auf meinem Garmin Forerunner 910XT stehen. Ich rechne kurz nach. Ned schelcht. Ok. Die restlichen 7 km locker heimlaufen. Für den 6. km brauche ich über 5:30. Locker. Wollte ich ja. Doch dann denke ich mir warum locker? Und ich beschleunige wieder. Km für km. Nach weiteren 23 Minuten hatte ich die 10 km absolviert. In 44 Minuten (43:58 um es genau zu sagen). Ich rechnet wieder kurz nach. Bin zwischenzeitlich stehen geblieben. Musste dingend ins Gebüsch. Leibniz Schoko Vollkorn kurz vor dem wegrennen – nie mehr wieder. Ich rechne nach. Ned schlecht.

Die letzten 2 km bin ich dann echt locker heimgleaufen. In Summe 12 km in 55 Minuten.

Was mich jetzt wundert ist:

  • warum bin ich für meine Verhältnisse schnell, obwohl ich kein spezifisches Lauftraining bzw. Intervalltraining hatte? 
  • warum laufe ich nach einer intensiven Radsaison mit mehr als 60.000 Höhenmetern knapp 2 Minuten über meiner All-Time Bestzeit über 10 km. Einfach so?


Ich habe eine Antwort. Eine Theorie. Einen Weckruf. Weniger Masse + weniger Training = trotzdem schnell. Bis vor kurzem (1 oder 2 Tage) schleppte ich ein All-Time Niedriggewicht durch die Gegend (Inflation und Alter bereinigt). Die intensive Radsaison hat an mir genagt. Das kommt wohl beim Laufen am besten zum Tragen bzw. zum Schweben. Weniger Masse ist mit weniger Aufwand leichter zu bewegen. Physik.

Und jetzt: Würde ich jetzt noch schneller werden wollen, müsste ich über den Winter hungern und auf die ganzen Weihnachtskekse verzichten.

Lasst mich nochmals darüber nachdenken ob ich überhaupt schneller werden will bzw. muss.

stay tuned
Cristian Gemmato aka @_ketterechts



Bahnfahren. Meine Premiere.

Oval. Alles andere als trivial.

„Ich scheiß mich an.“ Das war mein einziger Gedanke, als ich das erste Mal im Innenfleld auf dem dicken blauen Streifen mit meinem Bahnrad die zigte Aufwärmrunde drehe während die anderren Rookies bereits Meter über mir mit den Fliekräften spielen. „Da komme ich nie hinauf. Und wenn, dann rutsche ich wie ein Kartoffelsack wieder runter.“ Mein nächster Gedanke.

Ich muss zugeben. In der Schule hatte ich keinen Physikunterricht. Vielleicht war es mir deshalb unerklärlich, wie ein Rad da oben überhaubt fahren kann. Ohne dass der Vorder- und der Hinterreifen abrutschen. Ich fahre also immer noch am dicken blauen Streifen. „Tempo. Tempo. Aufschließen“. Es war Florian, der mit der zweiten Gruppe bereits eine halbe Runde aufgeholt hatte. Ich war also der letzte der anderen.

Als Bernhard Kohl den Aufruf zum Bahnfahren startete war ich natürlich gleich dabei. Ich bin für Neues stets aufgeschlossen. Cool, denke ich mir. Ich holte mir theoretische Tipps aus dem Internet und probierte schon mal ein Rad in Kohls Geschäft aus. Keine Bremsen und kein Freilauf. Was soll das? Hmmm! Zu kurz war aber das Anprobieren. Die Gewöhnung an das Gerät nicht nennenswert lange genug. Ich konnte mir kaum was vorstellen. Außer, dass ich ohne Bremsen und ohne Freilauf fahren werde.

Freitag. Wir sind um 17 Uhr im Ferry Dusika Stadion. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich eine Bahn von innen und in echt. Der Vienna Grand Prix wird gerade ausgetragen. Ein internationales Rennen. Mit dem Weltmeister Robert Förstermann. Mister Oberschenkel. Einer seiner misst 73 cm Durchmesser. Das kriege ich nicht einmal mit meinen beiden zusammen hin. Seine Fotos aus dem Internet kennt man. Live sieht Herr Förstermann aus wie Popeye. Ohne jetzt wertend zu sein.

Keirin, Verfolgung, Punkterennen und Madison. Irgendwo schon mal gehört und gesehen. Aber nie live. Schaut alles nicht so schlimm aus. Von der Ferne. Kaum Zuseher. Bahnfahren ist eine Randrandrandsportart. Polen, Tschechen, Deutsche und junge Österreicher/Innen. Und eine Finnin, die aus 3 zarten Österreichern bestand. Ich schaute interessiert zu. Schnell plagten mich dann ein paar wesentliche Fragen. Wie groß wird der Splitter sein, den ich mir einziehen werde, wenn ich auf der Holzbahn ausrutsche bzw. hinfalle? Und kann ich mit dem Rad in der Steilkurve überhaupt fahren ohne, dass es mich auf die Goschn (Pappn, Fresse, Gesicht) wirft? Ich werde es wohl tags darauf selber erfahren.

Es ist Samstag. 8.30 Uhr. Ich bin im Innenfeld. Bernhard Kohl samt Manschaft richten uns die Räder her. Ich krieg ein BMC Alurad. Größe L. Dura Ace Kurbel. 170 mm Kurbellänge. Also kürzer wie üblich. Höheres Tretlager. Und eine Übersetzung von – uuups vergessen zu schauen. Bevor wir um 9.00 Uhr loslelgen eine kurze Einführung von Florian. „Ihr habt keine Bremsen und keinen Freilauf.“ Das kenne ich ja schon. „Und wie bremst man trotzdem?“ Gute Frage. Ich lausche zu. Gegen die Steilwand fahren, also nach oben. Tipp Nummer 1. Das bremst. Gegentreten. Bremst auch. Tut halt etwas weh in den Oberschenkeln und in den Knien. „Was ist, wenn die Kette reist. Passiert eh nicht?“ Was?  Die Kette reist? Ich bin gespannt auf die Lösung. Mit den Handschuhen auf den Reifen drücken und bremsen. Jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Die Handschuhe.

Es geht los. Aufsteigen. Losfahren und dann lernen abzusteigen. Alles nicht so einfach. Schon das Losfahren ist eine Kunst für sich. Ich probier es. Schnell habe ich es heraußen. Wie, das verrate ich nicht ;-). Absteigen. Auch nicht so schwer. Gegentreten und erst im letzten Moment aus den Pedalen steigen (ausklicken). Die ersten langsamen Runden drehen wir im Innenfeld und auf der Laufbahn. Solange keine Leichthleten da sind, ist das erlaubt. Dann gehts langsam auf das Holz. Und in die Nähe des dicken blauen Streifens. Immer schön treten. Was anders geht nicht. Nach ein paar Runden bin ich immer noch am blauen Streifen. Die anderen Rookies schon in der Höhe. Zum Glück wollte man uns langsam an das Bahnfahren heranführen.

Ich drehe immer noch weit unten meine Runden. In den Geraden wage ich mich etwas nach oben. In der Kurve aber treibt es mich automatisch nach unten. Ich schaffe es nicht die Kurve durchzuiehen. Etwas blockiert mich. Ich habe Schiss, dass ich abrutsche. Der Winkel Fahrrad und Steilwand kommt mir einfach physisch gesehen unmöglich vor. Ich breche einen Versuch nach dem anderen ab. Werde überholt, überrundet und durchgereicht. Ist das das Ende meiner beschaulichen und kurzlebigen Bahnfahrerkarriere.

Ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich schon als Kind kaum am Spielplatz Freude finden konnte. Eine Schauckel war der Tod für mich. Ein Ringelspiel auch. Achterbahnen kenne ich nur vom Fernsehen. Hinten auf einem Motorrad sitzen geht nur, wenn der Fahrer die 19 km/h nicht überschreitet.  Dafür sind 104,5 km/h am Rennrad kein Problem. Es ist also eine Kopfsache. Alles, wo ich das Gefühl habe, gesteuert zu werden ist mir ein Graus. Dort, wo ich keinen Einfluss habe einzugreifen bekomme ich Paniik. Und auf der Bahn, mit diesem Rad, ohne Bremsen und jeder Menge Leute ober, unter und neben mir war es nicht anders.

Eine kurze Pause. Wir treffen uns im Innenfeld. Alle werden gelobt. Alle? Nein. Es ist wohl aufgefallen, dass ich etwas ängstlicher bin. Ich kriege einen Spezialcoach. Bernhard himself und Florian pushen mich. Und ich kämpfe mit mir selber. Ich will und muss es schaffen. Ich fahre nochmals raus. Mit den anderen. Beschleunige. Nehme das Hinterrad von Bernhard. In der Geraden. Es geht in die Kurve. Ich bleibe leicht oben. Lenke gegen die Fahrrichtung. Motorradfahrer kennen das. Links fahren, aber rechts lenken. Unlogisch. Aber beim Driften mit meinem ex Audi Quattro war das auch so. Bricht das Heck in der Linkskurve aus, muss ich nach rechts lenken (leicht lenken), um es wieder einzufangen.

Mein Blick in der Linkskurve (Steilkurve 45 Grad) also nach rechts. „Mehr Schwung. 15 km mehr.“ Bernhards Worte höre ich kaum. Ich bin verspannt. Konzentriert. Ich beschleunige. Und ziehe die Kurve durch. Puls weit über 180. Schweißgebadet. Ich fahre weiter. Die nächste Steilkurve. Wieder Augen zu und durch. Es geht. Gleich weiter. Und immer höher. Kurve für Kurve. Ich kriege Sicherheit. Das Rad rutscht nicht. Physik eben. Oder einfach nur Glück. Die Fliekräfte sind jetzt meine Freunde. Und Freunde meienr Drahtreifen. Ich mag Freunde. Vor allem, wenn auf sie Verlass ist. Blind.

Leider ist es schon zu Ende. Die nächste Gruppe wartet. Ich nehme mir noch das Recht, ein paar Runden zu drehen. Ich bin fast allein auf der Bahn. Und fahre die Kurven am äußersten oberen Rad an und lasse mich dann am Ende nach unten treiben. Das beschleunigt. Etwas mulmig ist mir noch. Es könnte ja unten noch jemand daherkommen. Die zweite Gruppe beispielsweise. Noch eine Runde. Unbedingt. Meine Karriere als Bahnfarer startet erst gerade. Ein Spätzünder. Was für Parallelen mit meinem bisherigen Leben. Ich brauche etwas länger. Kann halt dann auch länger. Dann kommt Bernhard Kohl mit einer neuen Teilnehmerin. Sie fahren unten. Ich oben. Ca 1. Runde vor mir. Ich beschleunige, Runde für Runde hole ich auf. Zum Überholen muss ich ganz nach oben. Das schaut schon fast nach irgendetwas aus, das mit Bahnfahren zu tun hat. Ich grinse im gesamtne Gesicht. Und lass mich lautstark bemerken. In der Kurve am steilsten Stück fahre ich vorbei. Bernhard fährt gefühlsmäßig 20 Meter unter mir! Das ist Bahnfahren. Und ich habe es erlebt. Ein Sieg gegen mich selbst.

Nach ca. 50 Minuten ist alles aus. Meine Beine zittern. Meine Oberschenkel brennen. Es war saugeil. Ich komme wieder. Mit Leihrad und Lizenz. Regelmäßig, wenn’s geht. Ein eigenes Rad? Kostet an die € 3.000,-. Das ist zuviel. Ich will ja einen Crosser. Aber vielleicht schaue ich mich um ein gebrauchtes Bahnrad um. 

Spinning war gestern. Heute ist Bahnfahren. Und Crosser. Der Winter kann kommen. Ich bin bereit. Danke Bernhard Kohl. Danke Wien. Danke Ferry Dusika.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

PS. Sollte jemand auf den Geschmack gekommen sein. Bitte nicht machen. Ich brauche eine Bahn für micht. Bis ich noch sicherer werde. Und schneller. Dann können wir sprinten, keirinen, uns verfolgen (zu Zweit oder zu Viert) und madisonen.

Ich bin Crossrad schwanger.

Crosser mit hydraulischen Scheibenbremsen.

Jetzt hat es mich erwischt. Ein Crossrad muss her. Schon seit Jahren verfolgt mich dieser Wunsch. Und wie immer dauert es bei mir eben etwas länger. Mein erstes Pinarello habe ich auch 5 Jahre nachdem ich stets davon geschwärmt haben gekauft.

Jetzt hat es mich erwischt. Voll. Ich will durch den Winter crossen. Auch weil ich umgezogen bin und dort wo ich jetzt zu Hause bin, die Berge weit weg sind. So dass ich kaum zum Freeriden, Langlaufen oder Skitouren gehen kommen kann. Und mein Fitness-Center ums Eck ist verschwunden. Der Nachfolger hat keine Spinningräder, mein Daum ist rostig und eine Walze/Rolle mag ich nicht. Auch habe ich keinen Platz dafür. Wegen des Kleinkindes.

Jetzt hat es mich erwischt. Ich will crossen. In Wien gibt es sogar einen Cup (RC Schnecke). Und Bernhard Kohl will einen neuen ins Leben rufen. Ab Mitte November 2013.

Damit fängt es an. Welches Crossrad? Kompliziert. Denn es gilt sich umzustellen. Crossrad ist nicht Rennrad. Und Crossrad ist nicht MTB. Wobei die MTB Welt habe ich schon vor langem verlassen. Mein Alu MTB mit Marzocchi Federgabel ist ein 25kg Urgestein und kaum mehr fahrbar.

Es fängt schon mal damit an, dass das Angebot immer umfangreicher wird, weil die Industrie das Potential erkannt hat. Italien, Holland, Belgien … diese Radnationen crossen schon seit ewig. Jetzt soll auch Österreich crossen. Und ich.

Beim Kauf von Sportgeräten bin ich halt einer, der nicht gleich das Billigste haben will. Natülrich will ich das Beste. Doch auch mein Budget ist nicht nach oben unbegrenzt. So gilt es zu sondieren. Ab € 1.000 ist man eigentlich dabei. Mit einem Alu-Rahmen und Tectro Cantilever Bremsen.

Bei Bernhard Kohl bin ich auf das Begamont PrimeCX Team gestoßen. Ein Vollcarbon Crosser mit hydraulischen SRAM Scheibenbremsen. Das Thema Scheibenbremsen habe ich schon mal getrennt erörtert. Und ich bin dagegen. Auf Rennrädern. Bei MTB’s und Crossern mittlerweile ein Befürworter. Auch wegen der bombastischen Optik. Gestestet habe ich sie auch. Die normalen Cantilever Bremsen und die mechanischen Scheibenbremsen. Vergesst es. Wenn man im trockenen schon kaum stehen bleibt und eine Verzögerung hat. Wie wird das dann draußen im Dreck und im Nassen sein? Auf einem Rundkurs mit ständigem auf und ab?


Das Bergamont übersteigt zwar meine Budgetvorstellugnen (bin ein ordentlicher Kaufmann). Klingt aber im Vergleich zu den Top Modellen (zB. Cannondale CAADX und SUPERX oder Colnago WORLDCUP oder PRESTIGE ) vernünftig.

Ich muss rechnen. Und budgettieren. Aber es muss sich ausgehen. Rennrad fahren – ok crossen – auf Wiesen und Feldern. Im Schnee. Im Gelände. Und auch auf der normalen Straße. Eine perfekte Alternative zum Spinningrad.

Jetzt hat es mich erwischt. Ich will meine Rennradsaison auf 365 Tage verlängern. Und ich will es in so einem Cup versuchen.

Stay tuned. Mal sehen, wie weit ich mit meinem rechnen, budgetieren und träumen komme.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

Familienurlaub auf Mallorca. Teil 1.

Wir schreiben September 2013. Ironman, qualdich.de Tauernrundfahrt und Dolomiten 2013 sowie der Ötztaler Radmarathon sind bereits Geschte und der versprochene Familienurlaub musste angetreten werden. Geplant war Griechenland. Geworden ist es Mallorca. Das alles ist nicht von mir gesteuert worden. Es ist einfach passiert. Als ich davon in Kenntnis gesetzt worden bin, war ich natürlich mehr als nur erfreut. Zu allem Zufall, war das ausgesuchte Hotel in Playa del Muro auch noch ein Max Hürzeler Partnerhotel. „Darf ich einen Tag Rad fahren?“ war natürlich die obligate Frage. Zu meiner Freude wurde diese positiv beantwortet.

Abflug von Wien am Samstag. Ankunft auf Mallorca und Bezug des Hotels noch am selben Tag. 2009 war ich zuletzt auf der Insel. 10 Tage lang. Ende März/Anfang April. 8 Tage hatten wir damals Regen. Ich nutze gleich die Gelegenheit um mich schlau zu machen. Ein kleiner Lauf durch die noch bestens in Erinnerung gebliebene Ramschmeile Richtung Alcudia. Ziel die Vermietstation von Max Hürzeler. Kurze Info, was wie viel kosten würde und zurück ins Hotel. Am Sonntag dann gleich vor dem Frühstück ein 10 km Lauf. Am Strand. Von Playa del Muro nach Can Picafort und dann auf der Hauptstraße zurück ins Hotel. Wie damals. Nur halt etwas langsamer. Seit dem Ironman Anfang Juli war ich ca 3 oder 4x laufen. Am Nachmittag dann noch ein Open Water Schwimmen im 24 Grad warmen Meer bei hohem Wellengang. Nach 500 Metern und einer unerfreulichen Begegnung mit einer Qualle habe ich das Thema Schwimmen für die nächsten Tagen ad Acta gelegt. Noch 30 Minuten im der bestens ausgestatteten Kraftkammer rundeten den Sonntag ab.

Am Montag dann ging es mit Erlaubnis der Familie von Playa del Muro zum Cap de Formentor. Vorbei an Alcudia und Port de Pollenca. Und dann hinauf. Mallorca im September hat was eigenes. Weil man glaubt besser in Form zu sein als im Frühjahr, wo man quasi die Form hier finden möchte. So bin ich auch die Straße hochgefahren. Bis zum Defekt der Di2 am Cube Agree Vollcarbon, welches extra für mich zusammengebaut wurde. Das Rad war also mehr als nur neu. Ich konnte hinten nicht mehr schalten. Vorne gings. Also 50/25 für die restlichen 45 von 65 Kilometern. Bergauf war das ja noch kein Problem. Aber bergab einfach nur rollen. Das war nicht meins. Deprimierend. Das halbflache Stück unten zwischen Formentor und den weiteren kurzen Kehren zum Tunnel waren dann mit 50/25 zu stark (der Asphalt hier ist eine Katastrophe) und mit 34/25 zu leicht. Keine Ahnung wie oft ich vorne auf den 3 km das Kettenblatt gewechselt habe. Egal. Der Leuchtturm musste erreicht werden. Und er wurde erreicht. Auch der Weg retour. Zwischenzeitlich hatte sich auch die Sonne wieder von ihre starken Seite gezeigt. Mallorca im September ist schon was anderes als im Frühjahr. Unten in Port de Pollenca habe ich versucht händisch die Kette auf ein angemessenes Ritzel zu bringen. Außer eingezwickten Fingern, brachte dieses Vorhaben kein zufriedenstellendes Ergebnis. So ging es extremkurbelnd (50/25) 15 km zurück nach Playa del Muro. Direkt zu Max Hürzeler. Kann passieren sagte man dort. Darf nicht passieren sagte ich. Wir konnten uns nicht einigen. Ich bekam einen neuen Akku.

Zurück im Hotel der Deal mit der Familie für die restlichen Tage. 2 Ausflüge mit Mietauto. 2 Ausflüge mit dem Rennrad. Ein Ausflug mit einem Mietauto ist sich ausgegangen. Highlight Port Soller und die Altstadt von Palma. Ein Ausflug mit dem Rennrad ist sich auch ausgegangen. Dazu später. Der Rest des Planes ist irgend etwas zum Opfer gefallen, was mich einen ganzen Tag im Bett und am WC verbringen ließ. Ohne Essen. Das war nicht möglich. Ich bin an diesem Tag um eine Kleidergröße geschrumpft.

So kam es auch, dass meine Mallorca Deluxe Tour (180 km und 4000 HM) zur Tortour wurde. Ich für etwas später als geplant weg. Denn vorher musste ich wieder zu Max Hürzeler. Wieder was passte mit der Di2 nicht. Diesmal werkte der Mechaniker gute 20 Minuten an diesem elektronischem Ungeheuer herum. Bis er mit brachialer Gewalt das Ausfallende bog, damit beim Schalten auch die kleinsten Gänge bedient werden konnte. „Manchmal liegt es ganz woanders, als vermutet“ die Begründung dieses Schrittes.

Gut ich fuhr weg. Von Playa de Muro nach Sa Pobla. Gleich mit mehreren Mitstreitern im Windschatten. Ohne zu fragen haben, die sich dort eingenistet. Von Sa Pobla dann Richtung Büger, Campanet, Moscari, Selva, Biniamar und Lloseta. Ein paar Mal habe ich mich da schon verfahren. Und einen Unfall hätte ich obendrauf auch noch gehabt. Als ich eine vor mir fahrende Gruppe überhole (ca. 10 – 12 Radfahrer) hat jeder, den ich überholt habe geschrieben „Radfahrer von Links“. Nur der ganz am Anfang der Gruppe fahrenden dürfte das egal gewesen sein. Denn sie bog als ich am überholen war, einfach links ab. Vollbremsung. Di2 Bremsen auf DTSwiss/Cube Felgen haben ihren Test bestanden. Ich bin dabei von der richtigen Route etwas abgekommen und ca 1 km falsch Richtung Pollenca bergab gefahren. Als ich wenden wollte hatte ich bergauf den falschen Gang. Die Di2 nicht beherrschend, habe ich mich so was von verschalten, dass die Kette sich so was von verkeilte, dass ich so was von nicht mehr weiter fahren konnte, dass ich so was von einen Grant hatte, dass ich so was von weinen hätte können. Denn ich bin der schlechteste Mechaniker der Welt und habe die schlechteste Geduld. Irgendwie schaffte ich es doch. Der Kettenstrebenschutz des Cube Agree musste dabei daran glauben. Ich hinterließ ihn dort. Fein begraben unter Steinen.

Zu erwähnen in diesem Zusammenhang, dass zwar die kleinsten Gänge der Di2 funktionierten. Dafür aber der ganz große (34/25) nicht. Der schaltetet automatisch immer einen Gang höher. Ich bin also von Fixie zum Automatikgetriebe gewechselt. 

Wie gesagt war ich 2009 das letzte Mal auf Mallorca. Auch damals sind wir nach Orient hinauf. Das wollte ich auch heute. Laut Karte von Alarò nach Bunyola. Alarò fand ich. Doch zur Zufall und über einen extra Berg. Dort traf ich auch 2 britische Fahrerinnen, welche sich Zick Zack auf eben diesen hinaufquälten.

Als ich dann Richtung Orient unterwegs war hatte ich einmal einen Orientierungssupergau. denn ich fuhr nach Orient hinauf, wo wir 2009 runter gefahren sind. Und das hat mich mehr als irritiert. Meine Erinnerungen an 2009 waren wohl nicht exakt genug. Richtig oder falsch unterwegs? Ich hatte kein gutes Gefühl. Der Anstieg von Alarò ist ca. 5 km bei 5,5% keine große Herausforderung. Außer man ist tags zuvor im Bett gelegen und am WC gesessen. Schon jetzt wusste ich. Das wird ein langer Tag. Die Straße zog sich, dann nach Orient und einem längeren Flachstück gings wieder hoch. Kurvenreich. Die Abfahrt nach Banyola konnte ich kaum genießen. Unten eine flüssige Stärkung. Feste Nahrung aufzunehmen war nicht mehr möglich. Den Anstieg zum Col de Soller hab ich dann gleich mitgenommen um in Soller selber Rast zu machen. Normal fliegst du dort im September in der Blüte deiner Form nur so hoch, als hättest du einen Akkumotor in deinen Beinen. Ich habe mich gequält, als wären das mindestens Zoncolan Werte. Schande. Und ich dachte an die Familie. An den Strand. An den Pool.

Bis Soller waren es bereits 80 km und 1.700 HM.

Fortsetzung folgt.