Kategorie: Rennradgeschichten

Geschichten rund ums Rennradfahren

24 Stunden Burgenland Extrem Tour 2018 – Countdown

24 Stunden Burgenland

Dicke weiße Schneeflocken tänzeln im Morgengrauen vom Himmel. Leicht zu erkennen im Lichtschein der Straßenlaternen. Wiesen und Bäume sind schon angezuckert. Die Schneeschaufel bekommt ihren heiß ersehnten Einsatz. Es ist erst der zweite in diesem Winter. Verwöhnt von den überdurchschnittlich milden Temperaturen, fühlt sich dieser Wintereinbruch mehr als Osterüberraschung an. Genau 10 Tage vor der 24 Stunden Burgenland Extrem Tour 2018 hat der Winter das pannonische Flachland erreicht. Zum Leidwesen der mehr als 3.500 Geher/Läufer und 100 Biker, die ab 25. Jänner 12:00 Uhr das Abenteuer ihres Leben gehen, laufen und radlen werden.

„Großvati, es hat geschneit“ – Pezibär jubelt, der Rest grübelt.

Dramatischer hätte man den Countdown für die Lakemania nicht inszenieren können. Petrus versteht was von seinem Fach. Der vermeintliche Spaziergang wird wohl zu dem, was die 24 Stunden Burgenland Extrem Tour sein muss. Extrem. Drei Mal um den Neusiedler See mit dem Rad. Drei Mal offizielle 120 km. Das sind 360 km im Hochwinter. Wer die Gegend rund um den Neusiedler See kennt, der weiß, dass hier Winter vor allem eines heißt: Wind. Eisiger Wind. Starker Wind.

24 Stunden Burgenland

Hart. Härter. 24 Stunden Burgenland.

Während Geher und Läufer heuer bereits zum siebten Mal ihr Durchhaltevermögen stark auf die Probe stellen, werden dieses Jahr rund 100 Biker zum zweiten Mal ihre Kälteempfindlichkeit neu definieren müssen. Natürlich war ich letztes Jahr bereits mittendrin, statt nur daheim. Die Vorbereitung damals eine ganz andere. Wussten wir (ich) im vergangenen Winter nicht was uns erwarten wird, wissen wir es heuer erst recht nicht. Das macht es spannend und erlaubt kein Ausruhen auf vergangenen Lorbeeren. Michael und Tobias waren wohl der Meinung, dass es nicht genügt, die unberechenbare Wetterkomponente als Spannungselement beizubehalten. Nein sie haben die Startzeit so gelegt, dass es für viele die längste Nacht ihrer winterlichen Radlaufbahn werden könnte. Und werden wird. Für mich bestimmt.

24 Stunden Burgenland – Extrem muss extrem sein.

Der Start um 12:00 Uhr Mittags vom Gemeindezentrum in Oggau aus, bedeuted, dass maximal eine Runde bei Tageslicht absolviert werden kann. In der zweiten von drei Runden wird bereits das Licht abgedreht und wir Teilnehmer sind auf technische Finessen wie Lux und Lumen angewisen. Und auf gute Akkus. Mehr als 10 Stunden in der Dunkelheit Pannoniens. Gibt es Schöneres? Bestimmt. Dasselbe beispielsweise an einem heißen Sommertag und lauer Sommernach. Aber das könnte ja jeder, oder?

Nicht nur die Dunkelheit wird eine große Rolle spielen. Ich vermute auch die Müdigkeit. Die Schnellsten werden tags darauf gegen 01:00 Uhr Nachts ihr Abenteuer beendet haben. Ich wohl eine Weile später. Das ist immer noch eine Zeit, in der ich normalerweise die Kunst des Tiefschlafs praktiziere. Nach 360 km, ein paar Stunden vor Sonnenaufgang zahlt es sich dann nicht mehr aus, ins Bett zu gehen. Deshalb habe ich für heuer eine Idee. Wo 24 Stunden draufstehen, sollten auch 24 Stunden drinnen sein. Mehr will ich noch nicht verraten.

24 Stunden Burgenland

Lakemania Tour Guide

Und warum macht man das? Warum mache ich das? Ganz ehrlich? Keine Ahnung. So was passiert mir. Leider. Nur noch 10 Tage.

ktrchts

PS: Sofern Wetter und Akkus mitspielen, wird es von meiner 24 Stunden Burgenland Extrem Tour 2018 ein paar Live-Einstiege geben. Für moralische und seelische Unterstützung via soziale Medien (Twitter, Instagram und Facebook) bedanke ich mich jetzt schon. Hashtag #lakemania18

 

Digitsole – was können die beheizten Einlagesohlen?

Digitsole

Warme Füße und Zehen sowie warme Hände und Finger sind die wesentlichsten Kriterien für einen ungetrübten Radspass in den kalten Monaten. Nichts ist am menschlichen Körper empfindlicher als die äußersten Extremitäten. Jeder hat so seie Geheimformel, diese warm zu halten. Von do it yourself bis zu Hightech-Lösungen, von altbewährter Alufolie bis zu modernem Elektro-Schnickschnack. Auch ich habe bis dato all das probiert. Bis ich von der preisgekrönten Digitsole gelesen habe. Die beheizte Einlagesohle musste ich haben. Zwar bin ich mit den Northwave Winterschuhen gut bedient – aber ganz traue ich den bis zu -10° Versprechen der Italiener nicht. Die Lakemania wird mir einiges abverlangen. Doppelt gemobbelt kann also nicht schaden.

Footwear reinvented – klingt vielversprechend.

Eine kurze Email an den Hersteller hat gereicht. Ein paar Tage später brachte mir der Paketdienst zwei Paar Digitsole. Die Warm Series und die smart, intelligente running/cycling 2.0. Die hochwertige Verpackung der Warm Series durfte gleich durch meine ungestüme Neugier ein hartes aber faires unpacking über sich ergehen lassen. Im Nullkommenix war ich bereit für meinen Test.

Digitsohle

Digitsole Warm Series Seitenansich

Zum Test eine kurze Anmerkung. Meine „Tests“ haben nie einen wissenschaftlichen Charakter. Das steht mir nicht zu. Auch haben sie keinen Anspruch auf irgend etwas. Ich teste immer nur die Brauchbarkeit und die Tauglichkeit eines Produktes. Und ich teste, ob ein Produkt das hält, was die Industrie verspricht. Dass meine Tests nicht gekauft sind, versteht sich von selbst.

Und noch was: Ich teste (manchmal) ohne Gebrauchsanweisung. Für mich muss ein Produkt im Groben unkompliziert selbsterklärend sein. Das schätze ich am meisten.

Digitsole – Wunderwuzzi mit Zukunftspotential

Die Sohlen wurden mir in Größe 44 geliefert. Meine Radschuhe variieren zwischen 43 (Suplest Edge3), 43,5 (Lake CX404 und Northwave Raptor Artik GTX) sowie 44 (Sidi Wire Carbon). Ich musste also zuerst die Schere verwenden und beide Warm Series Sohlen auf ein Zwischenmaß stutzen. Achtung dabei! Man darf die Sohlen nur bis zur Demarkationslinie schneiden. Diese ist gut erkennbar und sichtbar. Wer diese Linie überschneidet, der zerfetzt sich seine Investition von € 199,-.

Digitsohle

Die Sohlen können/dürfen zugeschnitten werden

Das Gummi lässt sich nicht wirklich geschmeidig schneiden. Eine ruhige Hand und ein Stanley-Messer hätten geholfen, eine bessere B-Note (Stylenote) zu bekommen. Who cares – die Sohle sieht ja keiner.

Alles was mit Akku funktioniert muss zuerst aufgeladen werden. So auch die beiden Digitsole. Das mitgelieferte Ladekabel hat zwei (!!) Stecker und so können beide Sohlen gleichzeitig aufgeladen werden. Die Anschlüsse findet man leicht auf der Innenseite der Sohle. Eine zuerst rot leuchtende Lampe zeigt an, wie lange geladen werden muss. Bei grün sind die Sohlen einsatzbereit.

Bedienung über’s Smartphobne: mit Bluetooth und App

Als nächster Schritt folgt der Download der Digitsole App. Android und iOS. Geht schnell und ist schmerzlos. Eine Anmeldung ist natürlich auch ein Muss. Wobei diese „nur“ mit Facebook oder Twitter geht. Eine Anmeldung über Email mit Benutzername und Passwort habe ich vergebens gesucht. Über Vor- und Nachteile einer solcher Anmeldung über die sozialen Netze brauche ich in diesem Zusammenhang nicht ausführlicher einzugehen.

Über Bluetooth verbindet sich das Handy mit den Sohlen und über die App kann jetzt jede Sohle einzeln temperaturtechnisch geregelt werden. Zwischen 20° und 35° liegt die Empfehlung des Herstellers. Will man mehr, wird man von der App gewarnt.

Die Einstellung ist einfach. Das Setzen der gleichen Temperatur je Sohle erfordert dafür etwas Geduld, denn der Regler am Handy springt gerne hin und her – bevorzugterweise auf die 20° zurück. Kann jetzt auch an meinem mangelnden Fingerspitzengefühl oder an meinem Display gelegen haben. Muss es aber nicht. Denn es ist mir mehrmals passiert.

Reingelegt. Das kann die Digitsole wirklich

Startklar ist die Sohle erst dann, wenn diese im Schuh seine Funktion ausüben kann. Hier habe ich die größten Hindernisse erlebt. Der hohe Schaft meines Raptor Artic erschwert diesen wichtigen Part. Das Reinlegen inkludiert leichten Ärger. Der sehr weiche und flexible Vorderteil der Sohle trägt kaum zur Deeskalation bei. Schiebt man die Sohle von oben in den Schuh, biegt sich dieser gerne nach hinten. Ein Nachjustieren ist nicht vermeidbar. Mehrmals. Dann muss man nur hoffen, beim Cutten richtig Augenmaß genommen zu haben.

Digitsole

Displayanzeige am Handy

Ganz wichtig ist, dass die Sohle im Schuh gut liegt und millimetergenau passt. Logisch. Das muss jede Sohle. Bei der Digitsole ist das aber umso wichtiger, da die Sohle in der Mitte eine ungewohnte Wölbung und an der Ferse eine ungewohnte Höhe aufweist. Hier ist ja der Akku verbaut. Ein paar Millimeter vor oder zurück sind entscheidend. Der kleine Druck im Längsgewölbe des Fußes hat mich nicht gestört. Das ist nicht Jedermanns/frau Sache. Die Solestar Carbonsohlen haben eine ähnliche Form. Mit der Zeit spürt man diesen leichten Druck nicht mehr. Am Anfang ist es aber gewöhnungsbedürftig. Aufgefallen ist mir, dass die rechte Sohle besser gepasst hat, als die Linke.

Die damit verbundene Erhöhung an der Ferse hat zur Folge, dass der ganze Fuß hinten höher ist und im Schuh ungeahnte Druckstellen entstehen können. Die Erhöhung ist nicht unwesentlich. Ich merke das am Verschluss meines Raptor. Die Überlappung am Rist ist nicht die selbe wie ohne .Auch die Sitzposition am Rad ändert sich damit. Das darf man nicht unterschätzen.

Zu guter Letzt geht es auch noch darum zu erwähnen, dass die Sohlen laufend über Bluetooth reguliert werden können. Von der Temperaturregelung bis hin zum Aus- und Einschalten. Ich selber habe Bluetooth unterwegs stets ausgeschaltet. Spart am Handy wertvollen Akku. Die Sohlen brennen dabei trotzdem weiter.

Die Zukunft gehört dem itelligenten Schuhwerk

Das Fazit fällt wie immer sehr nüchtern aus. Die Frage wozu man die Digitsole braucht stelle ich mir nicht. Es gibt sie und sie erfüllt ihre Funktion. Die Füße bleiben warm. Auch wenn ich das nicht zu 100% bestätigen kann. Bis jetzt. Es war für den Test leider nicht so kalt. Weitere Tests werden folgen. Auch mit herkömmlichen Schuhen. Auf alle Fälle geht Digitsole bereits damit mit großen Schritten in Richtung Zukunft. Vernetzte Schuhe.

Neben den bereits beschriebenen kleinen praktischen Hürden gibt es noch das Nachladen. Um dies zu tun, muss die Sohle aus dem Schuh genommen werden. Das macht nach jeder Ausfahrt (nach gut 4 Stunden maximaler Leistung – also 35° – sind die Akkus leer) die selbe nervige Prozedur. Das Reinlegen der Sohlen nervt. Mich.

ktrchts

PS 1: running/cycling 2.0 wird noch getestet. Interessant dabei: diese Sohlen haben eine Tracking Funktion.

PS 2: schaut euch auch den Digitsole Smartshoe an. Marty McFly Jr. würde vor Neid erblassen.

 

 

Das Radjahr 2018 – eine kleine Vorschau

Das Radjahr 2018

Es war wieder einmal ein spannendes wie auch kilometerreiches Radjahr mit vielen Highlights. Der Ötztaler Radmarathon, die Granfondo Pinarello, die Lakemania, der Mythos Monte Grappa, die Heimat Südtirol um nur ein paar zu nennen. Ich durfte viele neue Produkte testen und habe das Jahr ohne gröberen Verletzungen überstanden. Was nicht immer selbstverständlich ist. Der alljährliche und obligate Strava Rückblick hat erstaunliche Zahlen ans Licht gebracht. Alles Vergangenheit. Schauen wir nach vorne. Was wird das Radjahr 2018 bringen?

Möglichst oft und möglichst lange Radfahren.

Das Radjahr 2018 aus der Sicht von ketterechts wird nicht weniger spannend werden. Das ist meine Hoffnung und mein Bestreben. Möglichst oft und möglichst lange Radfahren. Das wird mein persönliches Motto bleiben. Motto welches ich mit vielen Gleichgesinnten teilen möchte. Aus diesem Grund, werden im nächsten Jahr neu die ketterechts Rennradreisen stattfinden. Dafür habe ich sehr gute Hotels, verslässliche Partner und vor allem sehenswerte Routen ausgewählt. Sechs Highlights stehen im Angebot. Für alle gibt es noch Restplätze.

Rennrad fahren in Dalmatien. Ostern in Zadar  24. bis 31. März

Radeln. Reden. Relaxen – chilliges Rennradwochenende beim Mohrenwirt in Fuschl am See. 10. bis 13. Mai

Rennrad fahren in Südtirol – Berge & Seen vom 5. bis 10. Juni 

Monte Grappa – kulinarisches Rennradwochenende am Monte Grappa. 19. bis 22. Mai und 18. bis 22. Juli

Austria Giro  – mit dem Rennrad von Bregenz nach Wien. 11. bis 18. August

Rennrad fahren in Südtirol – Wein & Kastanien vom 24. bis 28. Oktober

Hervorzuheben ist sicher der Austria Giro 2018. In 8 Etappen von Bregenz nach Wien und über die höchsten befahrbaren Pässe je Bundesland. Silvretta Hochalpenstraße, Timmelsjoch, Jaufenpass, Iselsberg, Hochtor, Fuschertörl, Obertauern, Sölkpass, Koblbergpasse, Pfaffensattel, Feistritzsattel, Geschriebenstein und dier Wiener Kahlenberg. Ein Begleitbus steht stets an der Strecke zur Verfügung und ein Mechaniker wird dafür sorgen, dass der Defektteufel keine Spur hinterlässt.

Das Radjahr 2018 – alles bleibt besser.

In Sachen Radbekleidung bleibt alles besser. Sowohl Teamdress und Camouflage bleiben im Sortiment. Die Serie „passione colorata“ wird um eine neue Farbe erweitert. Damit sind bereits 7 verschiedene feschgeilen Farben erhältlich. Als Überraschung folgt noch eine neue Radhose. Für sie, für ihn, für beide.

Das Radjahr 2018

Neue Farbkombination 2018

Neu 2018 ist, dass im meinem Shop lake Rennradschuhe angeboten werden. Neben dem klassischen Sortiment CX332 Damen und Herren, auch eine ketterechts custom made Serie. Lake Schuhe sind aus echtem Känguru Leder und die Modelle CX402 und CX332 können im Ofen gebacken werden (heat molding). Damit lässt sich der Fersenbereich noch besser an den Fuß anpassen. Das ganze funktioniert perfekt. Selbst getestet.

Einen Einteiler habe ich noch in Planung. Der Trend geht ja in diese Richtung. Gespräche mit dem Hersteller laufen. Beim Design bin ich mir noch nicht ganz sicher. Vorschläge nehme ich gerne entgegen.

 

Review passieren lassen.

Natürlich wird es wieder den einen oder anderen Produkt-Review geben. Der Garmin 1030 ist aktuell noch im Langzeittest. Auch Wärmesohlen von Digitsole sind in den Schuhen. Zugesagt hat man mir das neue Specialized Tarmac. Einige neue Regionen werde ich auch ausgiebig unter die ketterechts Lupe nehmen. Routen finden, Routen befahren und Routen beschreiben. Einfach dranbleiben. Am besten den Newsletter abonnieren, um keine Neuigkeiten zu verpassen.

Neue Blog-Schwerpunkte.

Viele neue Ideen, die Seite zu erweitern kreisen im Kopf herum. Wenn nicht dieses lästige Rennradfahren wäre. Mir fehlt oft einfach die Zeit, mich mit der technischen Seite des Bloggens zu beschäftigen. Das sei mir verziehen. Zwei Dinge nehme ich mir für das Radjahr 2018 vor. Ziel ist es, die Industrie noch näher zu uns zu bringen.

Das Radjahr 2018

Darf ich vorstellen: La ketterechts

Noch nicht gelungen ist es mir, „la ketterechts“ zu überzeugen, selbst über ihre Rennrad-Leidenschaft zu berichten. Eigentlich hätte ich für sie eine eigene Rubirk vorgesehen. Schauen wir mal, ob wir das intern lösen können. Sonst müsst ihr mir helfen. Sie ist witzig, sie ist charmant, sie fährt gerne und vor allem ist sie kritisch.

In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen sportlichen Jahresausklang und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Wie lesen uns 2018.

ktrchts

PS: Wünsche, Anregungen, Lob und Sonstiges packe ich gerne ich meine Trikottasche.

The Rapha Festive 500 – alle Jahre wieder.

The Rapha Festive 500

Ein Stück Stoff als Belohnung für kalt feuchte 500 km zwischen dem 24. und 31. Dezember. Das ist „The Rapha Festive 500“ powered by strava. Belohnung, welche sich wieder Zehntausende Außerirdische vom Rennradplaneten holen werden. Die einen in warmen südlichen Gefilden. Die anderen in unseren winterlichen alpinen Breitengraden. Gut haben es die aus dem Süden. Sehr gut. Weniger gut die Alpenländler. Wir Alpenländler. Hier isst man nicht nur üppiger und süßer. Bei uns ist auch das Wetter womöglich alles andere als rennradfreundlich. Nach 2015 und 2016 bin ich heuer wieder mittendrin statt nur daheim. Diesmal in Begleitung. La ketterechts hat sich angemeldet. Auch sie will den Stoff, der mein Radleben bedeutet.

Gruppendruck ist der moderne freie Wille.

Ich muss gestehen, dass ich vor 2 Jahren nicht ganz freiwillig das äußerst knappe Minimalziel von 501 Kilometern erreicht habe. Es war der kollektive Gruppendruck der mich einerseits motiviert und andererseits auch verpflichtet hat. Grupendynamik ist der moderne freie Wille. Im vergangenen Jahr, war es schon viel entspannter. Nach 250 km Vorglühen am 23.12. bin ich weit über das 500er Ziel hinausgeschossen. Heuer geht es darum, als Domestique gute Arbeit zu leisten.

The Rapha Festive 500

Das begehrte Stoffabzeichen

So wie bei vielen, wird es wohl ein hartes Stück Arbeit werden. Nicht für jene, welche die #festive500 Challenge an einem Tag erfüllen. Ja. Die gibt es auch. Freaks nennt man sowas. Verrückte. Kranke. Ich meine eher jene, die das zum allerersten Mal machen wollen. Sie werden mit sich und anderen Faktoren kämpfen müssen. Gut, wenn man ein paar Tage frei hat. Da kann man es sich besser einteilen. Einteilung ist auch das Zauberwort. Strategisch planen und vorgehen. Was man hat, das hat man. Wer am Ende um Kilometer kämpfen muss ist klar im Nachteil.

Wie aber sollte Mann und Frau es aber angehen? Ich habe mir ein paar Gedanken über Strategie und Zeiteinteilung gemacht.

The Rapha Festive 500 – digitale Gladiatorenkämpfe.

Der Heilige Abend eignet sich heuer perfekt dafür, sich einen angenehmen km-Polster zu verschaffen. Da dieser auf den Sonntag fällt und viele Geschäfte nicht aufsperren werden/wollen, ist es am 23.12 mit dem Shopping-Stress geschehen. Aus diesem Grund kann der Christbaum am Heiligen Abend ein paar Stunden später stehen. Die leuchtenden Kinderaugen dürfen auch warten. Ein 100er ganz zu Beginn wäre eine feine Sache. Status: -400 km.

Der Christtag schreit nach einem „early morning“ ride. Alternativ „night ride“. Das Mittagessen im Kreise der Lieben (Eltern, Schwiegereltern …) kann man kaum canceln. Darum früh raus und den 50er voll machen. Status: -350 km.

Der Stefanitag gibt das zurück, was man am Heiligen Abend und am Christtag geopfert hat. Nämlich die Zeit. Jetzt Zeit für sich zu beanspruchen ist nicht egoistisch. Nein es ist fair. Und in jeder guten Beziehung vertretbar. Partner, Kinder, Haustiere können heute gerne Skifahren oder Eislaufen gehen. Man trifft sich dann am Abend zum gemeinsamen Abendessen. Oder zum Aufwärmen. Die 200er Marke muss überschritten werden. Es geht schon Richtung 250 von 500. Status: -270 km

Alles was jetzt noch zählt ist Mitzählen.

Tag 4. Die Lebensmittelgeschäfte haben wieder geöffnet. Wer seine Reserven nicht aufbrauchen will, der füllt heute seine Vorräte. Zu Hause in der Speisekammer oder im eigenen Körper. Nein. Keine Pause. Ein regenerativer Tag bringt uns in Richtung 300er. Plus. Was man hat, hat man. Alles was jetzt zählt ist Mitzählen. Und Aufzeichnen. Status: -200 km.

Für die Fleißigen bleiben ab 28. Dezember noch 200 km in 4 Tagen. Ein Kindergeburtstag. Wenn alles glatt läuft. Ist es aber glatt, dann schaut’s anders aus. Gut, wenn in der Garage neben dem Rennrad auch ein Mountainbike oder ein Crossrad zur Verfügung stehen. Mit Spikes. Für den Fall der Fälle. Den Schneefall. Damit uns nichts aufhalten kann. Irgendwo in der Nähe des 400er darf der 28. Dezember zu Ende gehen. Status: -130 km.

In drei Tagen bist du tot. Oder frei von Zwängen.

Wir schreiben den 29. Dezember. Noch drei Tage um zu sterben. Sofern jetzt Hausfrieden, und Beziehungsstatus noch in der Norm sind, geht es in den Endspurt. Die fehlenden Kilometer vor Augen werden einige noch ihr Bestens geben. Andere hoffnungslos das Rad gegen eine Couch tauschen. Oder gegen einen Wellnessbeziehungs-Kiturlaub. Genau. Kinder gibt es ja da und dort auch noch. Einsame Kinder mit einer nagelneuen Rodel oder frisch vom Christkind herbeigeflogenen Skiern. Wer erklärt denen, dass ein Stück Stoff wichtiger sind? Wem das alles wurscht ist der schreit „mission accomplished“. Status: -80 km.

Die letzten zwei Tage gehört den Fleißigen. Sie fahren nach dem Pflichtteil bereits die Kür. Herzlichen Glückwunsch. Sie haben ihr Ziel erreicht. Silvester kann genossen werden. Am Rad. What else. Der Rest kämpft. Mehr oder weniger.

Silvester. Jetzt oder nächstes Jahr. Darüber, ob man die 500 km erreichen wird oder nicht, ist schon entschieden worden. In den ersten drei Tagen. Jetzt brauchen viele noch einen Kraftakt und Motivationsschub. Möge die Macht mit ihnen und der Wettergott gnädig sein.

Wünsche allen Freude, Frieden und diesen Fetzen Stoff.

ktrchts

PS: wer glaubt, The Rapha Festive 500 am Ergometer oder am Bahnrad zu meistern. Dem sage ich nur eins: #mimimi

Rennrad E-Bike. Ist jeder Trend gerechtfertigt?

Rennrad E-Bike

Kein anderer bisher veröffentlichter Blogbeitrag hat mich so viel Überwindung gekostet wie dieser. Er schwebte mir schon lange im Kopf herum. Soll ich, oder soll ich nicht. Darf ich, oder darf ich nicht. Bei den Scheibenbremsen war und ist es ja noch einfach. Hier bekenne ich mich klar dagegen. Solange es noch eine Alternative gibt. Und die gibt es derzeit zum Glück. Also keine Panik. Die Entwicklung rund um das Rennrad E-Bike aber beunruhigt mich. Der Fluch (oder Segen) ist auch hier nicht mehr zu stoppen. Die Grenze zwischen Sinn und Zweck habe ich aber noch nicht gefunden. Deshalb zweifle ich. Und ich verzweifle.

Was hat ein Rennrad E-Bike noch mit Sport zu tun?

Die Frage ist absichtlich provokant gestellt. Denn das sind auch meine Gedanken. Und das zweischneidige Schwert. Was in manchen Bereichen wie Radtourismus seinen Sinn und Zweck erfüllt, hat aus meiner sicht im Rennradsport (oder Radrennsport) keine wirkliche Berechtigung. Mir geht hier der Grundgedanke des Rennradfahrens verloren. Nämlich mit eigener Kraft von A nach B zu kommen. Auf den Berg, über den Berg. Ansporn ist ja, aus einem Berg mehrere Berge zu machen. Die eigenen Grenzen zu verschieben. Durch Training und durch Verbesserung der eigenen Leistung. Mit Schweiß und Wille. Nicht durch Hinzufügen eines Hilfsantriebs.

Das ist meine subjektive Meinung. Und ich kann die Gegenargumente (Buh-Rufe) schon hören. Argumente, welche auch die Industrie in ihren Werbeanzeigen verwendet. Da ist einmal das mehr als klischeehafte Mann/Frau Bild. „Ich wollte schon immer mit meinem Freund Rennrad fahren. Aber das war bisher unmöglich. Jetzt wird alles möglich“. Eigentlich ist diese Aussage gemein.

Rennrad E-Bike

© Pinarello Facebook

Zusammen Rennrad fahren mag schön sein. Ist es auch. Ich habe das Glück, dass  meine Partnerin die selbe Leidenschaft aufbringt. Und wir fahren gemeinsam. Es geht ja um’s Rennrad fahren. „Couple riders“ mit Herz und Hirn. Was die Beine nicht schaffen, ermöglichen gegenseitige Rücksicht und Pausen. Nicht ein E-Motor. Der ist sowieso bei 25 km/h abgeriegelt.

Der Mensch ist faul und versteckt sich hinter der Technik.

Menschen sind faul geworden. Das war nicht immer so. Es wird aber schlimmer. Für alles gibt es mittlerweile ein Hilfsmittel. Das Hilfmittel E-Motor für Rennräder könnten wir uns sparen.
Egoistisch? Möglich. Die einen opfern Zeit und Famiie für’s Training. Die anderen kaufen sich für ein paar tausend Euros Faulheit und werden dann zu „weekend riders“. Keine Zeit für Training. Egal, kauf dir ein Rennrad E-Bike und du bist am Sonntag bei der gemeinsamen Ausfahrt der König der Bergstraße.

Ich behaupte, dass man hier versucht krampfhaft einen Markt zu schaffen und Bedarf zu wecken. Mit fadenscheinigen Motiven und Argumenten. Marken wie Pinarello jetzt allen voran.

Rennrad E-Bike

© Pinarello Facebook

Ich bleibe dabei und mache mir damit ein paar Freunde weniger. Oder gar keine. Der Spirt des Rennrades ist ein anderer. „Weekend rider“ und „Couple rider“, so wie die Industrie ihre Rennrad E-Bike Fahrer sieht sind ein anderes Thema. Deshalb meine Frage: „Was hat ein Rennrad E-Bike noch mit Sport zu tun?“

ktchts

PS: bevor dicke Steine gegen mich fliegen: Nicht das E-Bike an sich ist das Gerät des Teufels. Es ist das Rennrad E-Bike.

Radfahren im Winter – wie man Ausrutscher vermeidet

Radfahren im Winter

Der erste Schnee ist gefallen. Ich auch. Hingefallen. Ausgerutscht. Selber Schuld. Ein glatter Bauchfleck. Ich hätte es wissen müssen. Radfahren im Winter ist halt eine glatte Disziplin. Die Chancen auszurutschen sind groß und allgegenwärtig. Kann passieren. Muss aber nicht. Wenn man sich an ein paar einfache Gesetze der Physik und der Vernunft hält und diese nicht unnötig strapaziert. Leichtsinn ist keine Erfahrung.

Leichtsinn ist keine Erfahrung.

Bodenhaftung ist das Zauberwort. Auf trockener Straße denken wir nicht einmal daran. Im Winter sollten wir (ich) aber der Traktion mehr Aufmerksamkeit schenken. Sie entscheidet darüber, ob und wo wir eine Ausfahrt beenden. Ich spreche aus Erfahrung. Die 24Stunden Burgenland Extrem Tour Lakemania 2017 habe ich mit 3 Rippenbrüche absolviert. Folgen eines Sturzes bei der letzen Erkundungstour rund um den Neusiedler See. Nicht das einzige Malheur im vergangenen Jahr. Wo gearbeitet wird, fallen bekanntlich Späne. Im Winter reichen diese von blauen Flecken bis zu angeknacksten Knochen.

Radfahren im Winter

Vorsicht Rutschgefahr

Deshalb lassen wir uns die Lust am Radfahren im Winter aber nicht nehmen. Die kalte Jahreszeit ist nicht nur zum Langlaufen oder Skitouren gehen da. Die nachfolgenden Tipps sollen dabei helfen, die Zeit bis zum nächsten Trainingslager im Süden zu überstehen. Ich bin kein Fan von Zwift, Tacx und Wahoo. Vielleicht weil ich es nie richtig ausprobiert habe. Vielleicht auch, weil ich Jahrhunderte vor dieser Zeit, auf einem Daum Ergo 8008 TRS die Winterzeit totgeradelt habe. Egal. Ich will raus.

Radfahren im Winter. So vermeide ich Ausrutscher.

Die nachfolgenden Tipps sind selbstkritisch und vor allem an mich gerichtet. Weil diese Punkte die Gründe für meine Liebschaften mit Schnee, Eis, Asphalt und Unfallambulanzen waren.

  • Geschwindigkeit: Geringeres Tempo ist nicht nur sicherer, sondern vermindert auch den Fahrtwind bei kalten Temperaturen. Also zwei Fliegen mit einem Streich.
  • Luftdruck: Es muss nicht immer der maximale Luftdruck sein. Weniger bedeutet mehr Bodenhaftung.
  • Reifenbreite: Je breiter, desto besser. 35mm Continental Cyclocross Speed wie ich sie fahre sind Selbstmord.
  • Reifenprofil: Was im Sommer rollt, schmollt bei Schnee. Die paar Euros für ein grobes Profil zahlen sich aus.
  • Bremsen: Lieber zu früh, als zu spät. Speziell in der Kurven. Solang das Rad noch gerade ausfährt.
  • Kurvenradius: Zu viel einschlagen bedeutet oft aufschlagen. Einfach den maximalen Kurvenradius ausnutzen. Mit geringerer Geschwindigkeit lässt sich das Rad auch auf glattem Untergrund in die gewünschte Richtung lenken
  • Vorausschauen: Nicht lässt sich Voraussehen, aber wer voraus schaut, erkennt die Gefahr viel früher.
  • Tourenwahl 1: Die Straße ist im Winter immer noch der sicherere Weg. Hier funktioniert Schneeräumung und Salzstreuung. Was die Schneeräumung vernächlässigt, sollte man auch tun.
  • Tourenwahl 2: Was im Sommer idyllisch ist, ist im Winter tückisch. Holzbrücken zum Beispiel. Oder Waldwege. Wenn die Sonne bestimmte Plätze meidet, dann sollte man es ihr gleich tun. Sie wird schon ihre Gründe haben.
  • Neuschnee: Die weiße Pracht ist zwar nett, flauschig und romantisch. Sie kaschiert aber. Alles, was gefährlich ist. Eisplatten insbesondere. Siehe Bild oben. Hände weg und Räder weg.
  • Hände: beide Hände am Lenker. Ja. Also Selfieverbot. Hart, aber wichtig. (Danke an dieser Stelle an Dieter Sch. für diesen Tipp). 
  • Spikes: Was die können, kann keine Erfahrung und kein Fahrtechniktraining auf dieser Welt. Sind diese montiert, kann man alle Punkte oben vernachlässigen und den Leichtsinn-Modus wieder ein wenig aktiveren.

Wünsche mir unfallfreies Radfahren im Winter sowie Hals- und Beinbruch.

ktrchts

PS: Bekleidungstipps für das Radfahren im Winter gibt es hier.

Aero Rennrad Specialized Venge ViAS

Aero Rennrad

Frei nach der Devise andere Mütter haben auch schöne Rennräder, habe ich dieses Mal nicht lange gezögert und bin dem Ruf vom Mountainbiker am See gefolgt, als mir angeboten wurde, das Aero Rennrad Specialized Venge ViAS unter die ketterechts Fittiche zu nehmen. Gesehen hatte ich das Rad schon ein paar Mal. Meine Neugier also groß genug, um mich trotz Sturm und Regen mit meinem Pina von Eisenstadt Richtung Weiden am See auf den Weg zu machen.

Andere Mütter haben auch schöne Rennräder.

Specialized Venge ViAS mit Scheibenbremsen, Ultegra Di2, Pirelli P-Zero Drahtreifen 25mm vorne und hinten, Roval Carbonfelgen mit DT-Swiss Naben und ein S-Works Power Sattel. Vor mir stehen 7.499 Aero gebündelte Carbon Euros. Clean, auf das Wesentliche reduziert, bereit das Weite zu suchen und ordentlich getreten zu werden. Kurzer und obligater Espresso im Shop, ein wenig Small Talk mit Mike, ein kurzer Besuch in der Werkstatt zur Einstellung der Sitzhöhe und schon war ich in der freien Wildbahn.

Aero Rennrad

Specialized Venge ViAS

Gleich von Anfang an fühle ich mich nackt ohne Garmin. Mein Edge 1000 muss in die Trikottasche. Der specialized Specialized Lenker ist so specialized, dass herkömmliche Garmin Halterungen nicht passen. Oder Mike hat einfach keine montiert. Fakt ist, dass flach und konvex nicht zu rund passen. Eventuell ganz nahe am Vorbau. Nicht einmal die Halterungen, welche man direkt an die Schrauben des Vorbaus befestigen könnte, würden passen. Das Venge ViAS misst mit eigenen Maßstäben und nicht in der Norm. Alles ist viel breiter angelegt. Aero. Schade eigentlich. Ich hätte gerne Tempo und Watt im Auge. Vor allem bei einer Testfahrt.

Ein Aero Rennrad. Sexy oder doch nicht.

Das Specialized Venge ViAS fühlt sich weich an. Komfort würde der Kenner meinen. Dafür sehr kompakt. Ich fahre einen 56er Rahmen und dieselbe Sattelhöhe wie beim Dogma. Trotzdem sitze ich kürzer. Nicht ungut. Ich mag es so. Im Wiegetritt, klopfe ich mit meinen Knien ab und wann auf den besagten Lenker. Ok. Speichern. Das muss ins Unterbewusstsein. Die Pirelli P-Zero mit 25mm und 7,7 bar zeichnen sich als Komfortspender aus. Das Gesamtpaket Rad, Laufrad, Reifen schluckt Kanaldeckel als gäbe es sie gar nicht. Das stockbockige Dogma mit Carbon-Boras und 10 bar gibt im Vergleich dazu, jede Bodenunebenheit direkt an die Wirbelsäule weiter. Wer es lieber weich hat, findet im Venge ViAS einen Verbündeten.

Ich verschmelze sehr schnell mit dem S-Works Power Sattel. Sitzt, passt. Kann bis an den vordersten Zipfel rutschen und spüre keinen Schmerz. Hätte ich jetzt Aufleger würde ich zum Flug ansetzen. Die Ultegra Bremshebel sind wuchtig, liegen aber trotzdem gut in der Hand. Daumen nach innen, Finger nach außen. Ich habe das Gefühl, dass man hier für alles den richtigen Platz vorreserviert hat. Einzig das elektronische Schalten funktioniert noch nicht. Ich bin ja ein Campagnolo Jüngling und so ein Di2 Dingsda habe ich schon einmal umgebracht. Ein wenig probieren geht über studieren. Die Fehlerquote reduziert sich im Laufe der Ausfahrt.

Seitenwind ist der stärkere Gegenwind.

Das Wetter spielt nicht mit. Es weht ein böiger Wind und immer wieder gehen leichte Regenschauer nieder. Zuerst übe ich ein wenig specializen am Radweg. Schnell ist mir das zu langweilig und ich verlasse diesen in Jois Richtung B50. Dort mache ich am Weg Richtung Winden am See Bekanntschaft mit des Rades Feind Nummer eins. Den Seitenwind. Über das Leithagebirge bläst dieser in einem 90° Winkel zur Fahrbahn mit voller Wucht auf das Venge. Die hohen Laufräder sind eine attraktive Angriffsfläche. Meine Neigung in den Verkehr hinein nimmt skurrile Formen an. Ich surfe. Es fällt mir schwer, mein Geschoss zu kontrollieren. Nach ein paar Kilometern ist der Spuk vorbei. Ich biege rechts ab und setze mich frontal in den Wind. Klingt einfacher, ist es auch.

Aero Renrnad

Shimano Disk-Brake

 

Bergauf überrascht mich die Agilität des Aero Rahmens. Trotz der 25er Reifen und der nicht unbedingt auf Alp d’Huez getrimmten Geometrie. Im Wiegetritt wie auch im Sitzen. Die Übersetzung ist mit 52/36 vorne und 11/28 hinten für burgenländische Verhältnisse optimal. Die Sprünge sind gering und somit lässt sich die Kette problemlos über die volle Bandbreite der Ritzel steuern. Auch 53/28 läuft geräuschlos und ohne Probleme. Trotz müder Beine drücke ich. Das Rad reagiert gut. Eine PB geht sich knapp nicht aus.

Genetisch bedingt auf Speed getrimmt.

So richtig geil wird’s hinunter nach Kaisersteinbruch. Das Venge beschleunigt gut und dank der Scheibenbremsen kann ich in den paar Kurven inklusive der letzten Kehre einen späteren Bremspunkt setzen. Richtig schräg wird es erst im Kurvenscheitel. Die Linie ist gesetzt und die Spur wird treu gehalten. Danach geht es ohne Gegenlenkung weiter. Dieses Rad ist genetisch bedingt auf Speed getrimmt. Es schreit danach. Ich schenke mir nichts und lass es krachen. Strava wird es mir am Ende des Tages mit einer neuen PB bis Wilfleinsdorf danken.

Der Rest ist jetzt nur mehr die Kür. Bruck an der Leitha, Bruckneudort, Parndorf. In der Waldschneise. Seitlich von hinten schiebt es mich nach vorne. Die 52 Zähne werden voll ausgenutzt. Der Griff zum Unterlenker unvermeidlich. Ich starte den Triathlon-Modus. Schwerpunkt vor das Tretlager und Druck nach hinten. Es rauscht. Die Bestie hat den Käfig verlassen. Die freie Wildbahn ist das natürliche Habitat des Aero Rennrades. Ein Wildkatze, die aber leicht zu zähmen ist.

I’am specialized – das Fazit fällt nüchtern aus.

Die postiiven Eindrücke überwiegen nach der ausgiebigen Testfahrt. Geiles Rad. Interessantes Spielzeug mit einer Menge neuer teschnischer und aerodynamischer Teilen. Vielleicht ist das Venge ViAS nicht für jeden Tag und jede Ausfahrt geeignet. Aufgefallen wird damit aber sicher.

Einzig und allein die Bremsen haben Abzüge in der A Note bewirkt. Nach jeder stärkeren Bremsung haben die Shimano Scheiben angefangen zu heulen. Ja. Nach dem Bremsen. Sobald die Bremse ausgelassen worden ist. Wie eine Nachtigall beim Balzen. Lauter und immer lauter. Erst beim Wegfahren oder erneutem Bremsen verstummte das Konzert. Fragt mich nicht warum. Mike bestätigte mir diesen Effekt.

Dass Hinter- und Vorderrad so nahe am Sattelrohr und Unterrrohr liegen würde mich in Sachen Rahmenschaden beunruhigen. Hier ist viel Platz für Rollsplitt und anderen Teilen, welche die Straße freigibt.

Es war eine kurze Liaison. Das Aero Rennrad und ich haben uns respektvoll verabschiedet. Wir hatten Spass. Ob wir uns wiedersehen? Vielleicht. Möglicherweise. Auf alle Fälle gibt es bald ein Date mit dem neuen Specialized Tarmac. Einmal specialized, immer specialized?

ktrchts

Danke nochmals an Mountainbiker am See für die Leihgabe des Rades. Falls das Venge S-Works frei verfügbar wäre: Ihr wisst, wo ich zu finden bin. eTap oder Dura Ace mit Wattmesskurbel ist egal.

PS: Dieser Blogbeitrag erfolgt unentgeltlich. Nein. Ich habe dafür zwei Espresso bekommen.

Haftung bei Radmarathons – wie schlau ist die Behörde?

Haftung bei Radmarathons

Am 25. Jänner 2017 findet die 24Stunden Burgenland Lakemania Extrem statt. Das ist kein – mit Betonung auf kein – Radrennen über 224 Meilen bzw. 360 km rund um den Neusiedlersee. Es ist ein Abenteuer, welches Gleichgesinnte gehen werden. Ohne Zeitnehmung. Ohne Wertung.  Organisiert und betreut wird das Ganze im Rahmen der 24Stunden Burgenland Extrem Tour für Läufer und Geher. Und trotzdem dreht sich alles zum Thema Haftung bei Radmarathons. Aus gut informierten Kreisen weiß ich, dass man bezüglich Genehmigung für die Biker – nicht für die Gehe rund Läufer – mit der Behörde derzeit noch nicht einig ist. Wie schlau ist eigentlich die Behörde? Oder anders formuliert, für wie dumm verkauft diese willige und engagierte Veranstalter? Durch Messen mit zweierlei Maßstäben, will man sich hier gekonnt (für mich plump) aus der eigenen Verantwortung nehmen.

Behörden messen mit zweierlei Maßstäben.

Die Diskussion über Haftung beim Radmarathons ist in Österreich vor genau zwei Jahren so richtig ins Rollen gekommen. Die Initialzündung war der ARBÖ Kärntner Radmarathon. Seit dem liegt der Haussegen zwischen Behörden, Gutachtern und Veranstaltern ziemlich schief. Die Angst bei Radunfällen als Veranstalter verantwortlich gemacht zu werden geht um. Dort wo sich die Behörde und die Gutachter mit wenig nachvollziehbaren Regeln und Argumente aus der Schusslinie nehmen wollen, tappen die Veranstalter in die Behördenfalle. Die einen haben schon aufgegeben, andere wiederum versuchen mit neuen Ideen Graubereiche auszuloten.

Der Knackpunkt ist die allgemeine Sicherheit. Die Behörde will, dass der Veranstalter die Strecke so absichert, dass keine Unfälle passieren. Mit Auflagen. Jeder Menge Auflagen. Eine davon besagt, dass Gefahrenstellen gut markiert werden müssen. Schlaglöcher zum Beispiel. Bei 120 km rund um den See ist das sehr schwierig. Jeder Stein bei den Gravel Passagen könnte ja so eine Gefahrenstelle sein. Oder plötzlich einsetzender Regen, Schneefall, Vereisung …. Wie gesagt: Die Behörde will das, obwohl es sich bei der Lakemania nicht um einen Radmarathon handelt. Und die Behörde will das nur bei den Bikern. Nicht bei den Gehern und Läufern.

Haftung bei Radmarathons. Eine Farce zum behördlichen Selbstschutz.

Was mich etwas aufregt ist die Tatsache, dass dieses monkische Getue nur für Radmarathons (und der Lakemania) gelten soll und willige sowie engagierte Veranstalter zu enormen Mehraufwand zwingt. Gleichzeitig kümmert sich aber bei den Behörden keiner darum, auch außerhalb gleich zu handeln bzw. zu agieren. Stichwort Radwege und Straßen. Wer haftet bei schlechter Instandhaltung? Hier gibt es keinen Veranstalter, sondern nur Grundbesitzer. In den meisten Fällen die Gemeinde. Oder das Land auf Landstraßen und der Bund auf Bundesstraßen. Gekonnt wird hier aus Gründen darüber hinweg gesehen, dass es Schlaglöcher, Rollsplitt, Schnee, Eis und Dreck gibt. Wie bei Radmarathons und der Lakemania. Gefahrenstellen, für die laut Gesetz auch jemand haftbar gemacht werden kann. Dieser „Jemand“ ist aber für die Behörde der eigene Herr im Haus. Statt Radwege und Straßen rein zu kehren, wird in diesem Fall alles unter den Tisch gekehrt. Was für einen Veranstalter gilt, gilt plötzlich nicht für Gemeinden oder Grundbesitzer.

Wenn die Behörde alles und immer so genau nehmen würde, dann wäre kaum eine Straße und kaum ein Radweg sicher genug. Neulich bin ich über einen mehr als 2 cm vom Boden herausragenden Gullideckel gefahren. Nicht langsam. Habe nicht damit gerechnet. Normal sind diese ja tiefer als der Rest der Straße. Zum Glück ist nichts passiert. Aber wer hätte für einen materiellen oder auch körperlichen Schaden gehaftet? Passiert das bei einer Renn/Radveranstaltung, dann wohl der Veranstalter. Und sonst? Eben. Sonst ist niemand zuständig. Nichts sehen. Nichst hören. Nichts sagen. Die Behörde misst mit zweierlei Maßstäben.

Bleibt nur zu hoffen, dass es zu einer Einigung kommt. Denn ich will die Lakemania nicht missen. Sonst fahre ich allein und melde jeden, der mir Gefahr auf die Runde legt.

ktrchts

PS: Das Thema Fahrlässigkeit habe ich hier nicht erwähnt und auch nicht behandelt. Denn ich gehe davon aus, dass niemand ein solches Handeln gut heißt und praktiziert.

Die teueresten Rennradschuhe – Mavic Comete im Test

Rennradschuhe

Jetzt haben wir den Salat. Besser gesagt, die teuersten Rennradschuhe der Welt. Mavic Comete für läppische € 1.000,-. „Der Rennschuh mit der besten Kraftübertragung und direktesten Verbindung zum Bike aller Zeiten“. Genau das versprechen die Franzosen. Gut, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, mit diesen Rennradschuhen ein paar Runden zu drehen. Nicht vorenthalten möchte ich euch, wie es mir dabei ergangen ist.

Was ich alles für € 1.000,- Schuhe mache.

Mittwoch Vormittag. Ich plage mich über den Radweg am Gürtel Richtung Mountainbiker. Etwas was ich sonst nie mache. Denn ich hasse Radwege. Die Wiener Radwege insbesondere. Wer diese so angelegt hat, war wohl noch nie mit einem Rennrad unterwegs. Schlimmer als jede Form des Autoverkehrs in Bari oder Neapel. Die Gefahr lautert überall. Links- und rechtsabbiegende Autos, Straßenbahnen, Busse und Taxis. Letztere sind die Ärgsten. Gesetzeslos agieren sie. Alles und alle im Auge zu behalten fällt mir schwer. Zum Glück fährt die U6 oberhalb. Ein Feind weniger. Dazu noch Schienen, Fußgänger und Polizeiautos. Ein solches patroullierte mitten am Radweg. Seitlich kaum 30 cm Abstand. Ich habe mir erlaubt die Beamten auf gut wienerisch mit Schweibenwischer freundich zu grüßen. Alles nur für € 1.000,- Rennradschuhe.

Dann der große Moment. Ich bekomme beim Mountainbiker die Rennradschuhe. Nein. Ich bekomme eine schwarze Box mit einem kleinen gelben Streifen. Unboxing – nennt sich das in der Fachsprache. Fritz „Magic“ assistiert mich. Der 6fache Staatsmeister und 8fache WM-Teilnehmer ist heute mein Mann an Ort und Stelle. Box öffnen, Schuhe einzeln aus einer feinen Stofftasche nehmen, eine kurze Einführung in das neue Verschlusssystem (Mavic Ergo Dial-Drehverschlüsse mit Zwei-Wege-Mikro-Justierung) und ich darf mich austoben.

Mit diesen Rennradschuhen muss man schnell fahren.

Vorsichtig und behutsam schlüpfe ich in den Innenschuh. Ich will jede Sekunde voll aufnehmen und spüren. Natürlich habe ich ein anderes Gefühl wie im Suplest Edge3. Der Mavic Comete fühlt sich eben anders an. Enger und steifer. Vor allem seitlich und in der Ferse. Das Anziehen erinnert mich an meine Zeiten als Skifahrer und das Plagen mit dem Dobermann von Nordica mit 150er Flex. Mit beiden Beinen am Boden wage ich erste Schritte. Nein. Der Mavic Comete ist nicht zum Gehen geeignet. Da gibt nicht viel nach. Nur der Innenschuh hebt sich beim Spaziergang durch den Shop hinten ein wenig aus dem Schaft heraus. Ob Größe 42 die richtige ist? Größer auf keinen Fall.

Rennradschuhe

Macht einen schlanken Fuß

Ich weiß nicht ob es eine Steigerungsform für Beton gibt. Wenn ja, dann beschreibt sie die Kombination aus Mavic Comete und Solestar Carbonsohle. Diese habe ich nämlich den zwei mitgelieferten Mavic Sohlen vorgezogen. Vorerst ohne nennenswerten Durckstellen, verlasse ich den Shop und mache mich auf den Weg.

Der erste Eindruck nach ein paar Flachkilometern auf der Donauinsel? Mit diesen Rennradschuhen muss man einfach schnell fahren. Vielelicht aus Furcht verletzt zu weden oder einfach nur, um schneller wieder retour zu sein. Man weiß ja nie, wie lange die Blutzirkulation in den Fußen damit gewährleistet ist. Möglicherweise auch, weil am Versprechen von Mavic etwas dran sein könnte. Direkte Kraftübertragung. Das Gefühl, immer genug Druck am Pedal zu haben ist schon da. Placebo hin oder her. Kopf, Beine, Schuh und Pedal harmonieren ganz gut und agieren sehr schnell. Die Wattangaben sehen vielversprechend aus. Insbesondere im Wiegetritt und mit der Kette rechts habe ich den Eindruck, dass der Schuh sein ganzes Potential aussschöpft.

55 Strava Pokale – jetzt darf man interpretieren.

Die Schuhe sitzen fest im Sattel. Stehend wie sitzend. Die niedrige Zunge erlaubt ein besseres Rotieren am Toten Punkt. Keine Wissenschaft. Reines Bauchgefühl. Und nach wie vor keine nennenswerten Druckstellen. Links vorne tut mir die große Zehe weh. Die Hornhaut war Schuld. Und eine leichte Falte in der Innensohle. Der Schuh also hier unschuldig. Solestar und Mavic sind vielleicht nicht so gut abgestimmt. Teilweise fahre ich sogar mit komplett offenen Schuhen und habe trotzdem mehr als genug Halt. Sowohl beim Drücken wie auch beim Ziehen.

Rennradschuhe

Mavic Comete Rennradschuhe

Strava vermeldete mir 55 Pokale bei der Ausfahrt und Garmin Cycling Dynamics gab mir auch weitere Daten zur profunderen Analyse. Natürlich ist nicht nur der Schuh dafür verantwortlich. Ich war ja auch müde von der BikeAttack100 am vergangenen Sonntag. Eines ist klar. Der Schuh kann was. Die Frage ist, ob er € 1.000,- kann. Mir hat es sehr viel Spass gemacht. Ob ich den Fuß für einen Mavic Comete habe, wird sich zeigen. Ein paar Runden darf ich noch drehen. Zu Hause war einzig eine kleine Druckstelle links vorne unterhalb der kleinen Zehe zu sehen. Metatarsal.

Wir Konsumenten bestimmen den Preis.

Wie viel sind jetzt die € 1.000,- wert? Gute Frage. Berechtigte Frage. Es ist nicht meine Aufgabe über die Sinnhaftigkeit solcher Rennradschuhe und Preise zu urteilen. Auch nicht der Handel. Wie mir „Magic“ erklärt hat. Mavic hat es gewagt Evolution und Innovation in höhere Sphären zu heben. Aus meiner Sicht hat die Industrie das Recht und die Pflicht dazu. Es sind letztendlich wir Konsumenten jene, die entscheiden, ob dieser Schuh einen realen Platz am Markt finden wird. Immerhin haben wir den Preis für Carbonräder weit über die € 10.000 Grenze geschraubt. Jene für Carbonlaufräder liegt auch schon jenseits der € 4.000,-. Da machen € 1.000,- für ein Paar Schuhe das Kraut auch nicht mehr fett. Wer nicht damit einverstanden ist, der kann ja einen anderen Schuh kaufen. Und ganz unter uns: Neben einem € 1.000,- Schuh wirkt ein € 400,- Schuh gleich viel günstiger.

Interessant ist der Mavic Comete abgesehen von den subjektiven Empfindungen wie Optik und Preis schon. Die Konstruktion mit Carbonschadft und herausnehmbaren Innenschuh, das neue Verschlussystem, die Optik der Verpackung und das Gesamtpaket mit mitgelieferten zum Patent angemeldeten Überschuhen, separaten Schutzbeuteln aus Stoff sowie einem extra Putztuch sind stimmig.

Fazit: Ich kann persönlich jedem nur emfpehlen, sich selbst seine Meinung zu bilden. Mountainbiker in Wien hat Testschuhe. Hingehen, Größe auswählen und lostreten. Eines ist gewiss. Der Mavic Comete ist nicht für jeden geegnet. Ich behaupte mal, dass man schon einen sehr schmalen „Sidi“ Fuß haben muss.

ktrchts

PS: Den Mavic Comet habe ich als Leihgabe zu Testzwecken bekommen. Danach findet der Schuh wieder den Weg zurück unter die Viaduktbögen. Der Artikel erscheint unentgeltlich. Ich bin zwar jung und würde das Geld brauchen, ober so sind die Regeln.

Ergänzung:

Jetzt habe ich auch die mitgelieferten Radüberschuhe testen können. Bei leichtem Nieselregen und 9°. Fazit: wenn schon die Schuhe ihr Geld nicht werd sind. Die Überschuhe sind es allemal. Perfektes Fitting, sehr gut verschweißt (nicht genäht). Einzig der Reißverschluss hinten hat ein wenig gezickt. Muss sich wohl noch etwas einarbeiten.

Rennradschuhe

Geschweißt – nicht genäht.