Kategorie: Rennradreisen

Geschichten rund um Rennradreisen

Mythos Stilfser Joch. Königlich aber nicht majestätisch.

Mythos Stilfser Joch

Stelvioman aka Daniele Schena nennt sie liebevoll #theprincess, #thequeen, #thebastard und #theking. Gemeint sind die Anstiege zu den Laghi di Cancano, dem Passo Gavia, dem Passo Mortirolo und dem Passo Stelvio. Das Stilfser Joch eben. Klingende Namen mit großer Radsporttradition. Bekannt aus Funk, Fernsehen und dem Giro d’Italia. Allesamt leicht und bequem von Bormio aus erreichbar. Dort wo wir zum Rennradurlaub Station gemacht haben. Endlich und nicht zum letzten Mal. Der König (die Königin) ist 2.758 Meter hoch und damit hinter dem Col de l’Isèran (2.770 Meter) der zweithöchste asphaltierte Pass in den Alpen. Vom Namen her ist das Stilfser Joch (Passo Stelvio) ein Magnet und Anziehungspunkt. Am Pass-Scheitel, dem höchsten Rummelplatz Europas, findet man zu Stoßzeiten kaum Platz für ein Foto vor den vielen offiziellen und inoffiziellen Pass-Schildern. Hier treffen sich die Kurvenliebhaber auf zwei Rädern. Man kann getrost von einem Mythos Stilfser Joch sprechen.

Vor allem die Westauffahrt von Prad. Ein Orgasmus in 48 Akten inmitten einer von sattem grün auf bedrohlich grau wechselnden Landschaft. Entlang des König Ortlers (3.905 Meter hoch) und den Resten wuchtiger Gletschserwelten. Die knapp 25 km hinauf sind ein bauliches Meisterwerk unvergessener Straßenbaupioniere. Die 1.800 Höhenmeter empor bleiben für Rennradfahrer*innen ein Muss. Ein Traum. Eine Obsession.

Rennradurlaub am Stilfser Joch.

Genau deshalb haben wir nach den Dolomiten unsere Zelte in Bormio aufgeschlagen. Ein idealer Ausgangspunkt, um nicht nur den König zu Fall zu bringen, sondern auch seine Nachbar*innen zu bezirzen. Die Flirt-Möglichkeiten mit den umliegenden Pässen sind hier besonders hoch. In unmittelbarer Nähe gibt es mehr als 15 Anstiege unterschiedlicher Längen und Schwierigkeiten. Konventionell, klassisch oder episch. Und wenn man Glück hat, trifft man in der Gegend einige World Tour Teams. Wir haben Ben Zwiehoff (BORA Hansgrohe), Eros Capecchi (Bahrain Merida), Alessandro Tonelli und Filippo Zana (Bardiani-CSF-Faizanè) sowie Guy Sagiv (Israel Start-Up Nation) getroffen und sind Ihnen unauffällig bei ihren Bergintervallen gefolgt. Nur kurz. Und nur dann, wenn sie sich dazwischen ausgeruht haben. Sogar Alexander Winokurow, ehemaliger Olympiasieger ist uns auf einem goldenen Wilier entgegengekommen.

Aber Rennradurlaub am Stilfser Joch ist nicht nur Pässe fahren. Auch wenn die Verlockung groß ist. Bormio ist ein nettes kleines Städtchen und bietet das, was einen Urlaub ausmacht. Bormio ist auch flanieren und gustieren. Die unzähligen Lokale ködern mit heimischen Speisen und Getränken. Insbesondere nach 17 Uhr lässt sich der “apertivo” mit kleinen mundgerechten Häppchen bestens ertragen. So sehr, dass man Gefahr läuft, das Abendessen im Hotel zu verpassen.

Konventionell, klassisch oder episch.

Schon die Anfahrt nach Bormio hat’s in sich. Weil man gleich einmal das Stilfser Joch oder den Umbrailpass mit dem Auto hochklettern muss. Die Alternativen sind nicht minder spektakulär. Egal von welcher Himmelsrichtung – ein paar Berge sind bis Bormio zu überwinden. Einzige Ausnahme ist die Anfahrt von Westen über die gesamte Valtellina (Veltlin) vom Lago di Como kommend. Aber zuerst muss man ja auch erst einmal dorthin gelangen. Ein netter Umweg. Eines ist sicher: Die Anfahrt lohnt sich. So wie es sich lohnt etwas länger in Bormio zu verweilen. Wir durften ganze 7 Tage lang das Radbein schwingen. Mit dichtem Programm und A-, B- sowie C-Plänen.

Schon am Anreisetag sollte es losgehen. Keine 50 Meter vom Hotel startet die Auffahrt nach Bormio 2000. Perfekt, um die Reisemüdigkeit aus den Beinen zu wirbeln. 9 km und 700 Höhenmeter auf einer perfekt ausgebauten Straße mit traumhaftem Blick auf Bormio. Die Auffahrt nach Bormio 2000 ist das, was man hier immer radeln kann. 60 Minuten für 1x hinauffahren und 1x hinunterfahren. Kurzarbeit für jene, die echten reinen Urlaub wollen.

Ein wahres und erst seit kurzem aus dem letztjährigen Giro d’Italia bekanntes Highlight ist die Auffahrt zu den Torri di Fraele über die “Via Imperiale di Alemagna”. Der perfekte Apetizer für eine traumhafte Woche. Von Bormio aus je nach Route knapp an die 15 km und 800 Höhenmeter bis nach oben. Wobei die letzten 10 Kilometer traumhafter nicht sein könnten. Imposant die zwei immer in Sichtweite über den Felsen herausragenden Türme und am Ende die Laghi di Cancano. Der Rundumblick oben reicht bis zur Ostflanke des Stelvio Gletschsers. Übrigens war diese Straße früher die einzig Verbidung vom Veltlin in die Schweiz und dann weiter nach Innsbruck. Mit einem Gravel- oder Mountainbike ist diese Verbindung ist Münstertal noch fahrbar.

Mindestens ein Highlight pro Tag.

Langeweile kommt in Bormio keine auf. Egal wie viel man Radfahren will, wie weit und wie hoch hinauf. Bormio liegt so zentral, dass man jederzeit umkehren kann, oder einen zusätzlichen Berg anhängen kann. Das Beste daran, am Ende geht es meistens nur mehr bergab. Episch, klassisch oder konventionell. Bormios Anstiege verzaubern. So wie der Anstieg zum Bernina Pass von Tirano aus. Entlang und teilweise auf der legendären Bernina Express Strecke, die Tirano mit St. Moritz verbindet. Mit dem Rennrad sind von Tirano zum Bernina Pass 34 km und 1.800 Höhenmeter zu absolvieren. Ein Abstecher dorthin lohnt sich. Der Pass ist Schweizer Idylle par excellence. Ospitz Bernina, Piz Bernina, Lago Bianco … Hinter dem Bernina Pass eröffnet sich eine große weite Schweizer Pässe-Welt, die eine Rückkehr nach Bormio aber verspäten würde.

Besser man fährt zurück und biegt dann links zur Forcola di Livigno ab. Von dort hinunter nach Livigno und über den Passe d’Eira und Passo Foscagno retour nach Bormio. Bei Schönwetter eine traumhafte Tour über 130 km und 3.000 Höhenmeter. Wir hatten ausgesprochenes Wetterpech an diesem einen Tag. Livigno ist übrigens zollfreies Gebiet. Zeit zum Shoppen hatten aber wir nicht.

Schwer. Schwerer. Am schwersten. Mortirolo.

Muss man nicht. Kann man. Aber auf alle Fälle sollte man auf den Passo della Foppa aka Mortirolo unbedingt hinauf. Wenn man schon einmal in der Gegend ist. Er gilt als einer der schwierigsten Ansteige der Alpen. Zu Recht. Nicht umsonst nennt in Stelvioman #thebastard. 12 Kilometer lang und mit 1.317 Höhenmeter auch ziemlich steil. Im Schnitt 10 % mit Spitzen bis zu 18 %. Die klassische Auffahrt von Mazzo (nur diese zählt) ist eng und lässt keine Zeit zum Ausatmen. Hier fällt die Trittfrequenz in den Keller und jeder Tritt gibt dir die Gewissheit im Winter zu wenig für die Rumpfmuskulatur gemacht zu haben. Mortirolo ist ein Kraftakt und hat mit Rennradfahren wenig gemeinsam. Hier, wo einst Marco Pantani erstmals sein Talent zur Schau gestellt hat, kann und soll man sich verewigen. Oben angekommen, steht der Limubs der Unsterblichkeit zum Abholen bereit.

Die Zwillinge Gavia und Mortirolo.

Sie gehören zusammen wie Salz und Pfeffer, wie Dick und Doof oder Ying und Yang. Ich nenne sie die Zwillinge. Die Rede ist vom Passo Gavia und Passo Mortirolo. Der eine ist brutal, der andere brutal schmal. Wer einen fährt, muss den anderen mitnehmen. Das ist Pflicht, wenn man in Bormio zuwege ist. Am besten gegen den Uhrzeigersinn. Also Bormio, Mazzo, Mortirolo, Ponte di Legno, Passo Gavia, Bormio. Knappe 110 km und 3.000 Höhenmeter. Eine nette Runde für rennradbegeisterte Höhenluft-Afficionados. Der Passo Gavia ist 2.621 hoch und von Ponte di Legno 17,3 km lang. Knapp 1.400 Höhenmeter windet man sich bis zum Rifugio Bonetta hinauf. Die Straße ist eng, oben voller Schlaglöcher und ein unbeleuchteter, stockdunkler Tunnel kurz vor der Passhöhe sorgt zum Schluss nochmals für Nervenkitzel. Entschädigt wird man durch den Blick auf die Adamello Gruppe mit dem Presena Gletscher Richtung Süden, den Lago Negro und dem Corno dei Tre Signor im Norden.

Mythos Stilfser Joch.

Wenn der Berg ruft, ist ihm zu folgen. Und wenn der Guide bereit ist, dann auch. Für viele der Höhepunkt des Rennradurlaubes in Bormio. Mythos Stilfer Joch. Eigentlich nicht allzu schwer. Aber lang und hoch. Die Auffahrt von Bormio ist 21 km lang und mit 1.533 Höhenmeter um 300 Höhenmeter “leichter” als jene von Prad. Mit insgesamt 38 Kehren auch noch so schwindelerregend. Spektakulär sind Tunnels am Anfang. Beleuchtet aber etwas krumm und deshalb adrenalingeladen. Kommt jemand entgegen? Zum Glück hat eine Tunnelpassage eine Ampfelregelung. In der Mitte des Anstieges dann die postkartentaugliche “Mauer” von Spondalunga mit ihren in den Berg geschlagenen Kehren und der “Cascata del Braulio”. Fast senkrecht ragt sie hinauf. Nur noch 10 Kilometer bis zur Passhöhe, die sich am Ende der “flacheren” Geraden (5 % fühlen sich fast wie bergab an) beim “Santuario Militare” zu bemerken gibt.

Wer jetzt hinaufschaut und das Hotel Folgore erblickt wird sich täuschen. 5 Kilometer können noch lang werden. Die Auffahrt von Bormio zieht sich am Ende in die Länge. Ab der Abzweigung zum Umbrailpass wird es auch steiler und das Ende will einfach nicht näher kommen. 10 Kehren auf den letzten 4 Kilometern sind mühsam. Jede davon ein Schritt näher zum Ziel, welches nicht kommen will. Doch Ende gut, alle oben. Mission accomplished. Jetzt folgt die Kür. Nach den obligaten Fotos, geht’s entweder zurück nach Bormio oder über Umbrail, Sta Maria und Glurns nach Prad. Dort wartet die Westauffahrt zum Stilfser Joch. 25 km und 1.800 Höhenmeter. Doppio Stelvio und damit 3.300 Höhemeter im Gepäck. Der Mythos Stilfser Joch muss und darf zelebriert werden.

Sag zum Abschied leise Gavia.

Es ist eine Kunst und eine Tugend, das Angebot rund um Bormio in gerechte Häppchen aufzuteilen. Nicht jede*r in der Gruppe will alles und dann aber doch. Als Dirigent ist man deshalb gefordert keine*n zu überfordern und zu unterfordern. Die gefahrenen Kilometer und Höhenmeter helfen dabei, dass zum Ende hin alles gechillter wird und kleinere Brötchen zum Festmahl werden. So auch eine abschließende Fahrt nochmals zur Königin Gavia. Diesmal von Bormio aus. 25 km lang und mit 1.400 Höhenmetern auch kein Spaziergang. Damit die Mitreisenden das anfangs aufgezählte Quartett auch abhaken kann. Die Nordauffahrt zum Passo Gavia ist leichter als jene von Süden. Landschaftlich aber mindestens gleich imposant und schön. Die Luft auf 2.612 Metern dünn und der Espresso im Rifugio Bonetta verdient. Hier oben ist die Freiheit grenzenlos.

Die Abfahrt nach Santa Catarina Valfurva rasant und fordernd. Hier kann man persönliche Skills verbessern. Die Woche ist gelaufen, das Aperitif in Bormio wartet. Nicht für alle. Es gibt sie immer, die Bonus Runden. Bis der oder die Letzte genug hat. Als Guide muss man nicht schnell am Berg sein, sondern als Letzter vom Rad steigen. Was für ein Vorteil. So biegen die Unersättlichen noch einmal vom Heimweg zum Rifugio dei Forni ab. Von Santa Catarina 5,4 km mit 410 Höhenmeter. Ein Mini-Mortirolo für die Verbliebenen. Geiler Scheiß. Am Ende, um die 15.000 Höhenmeter in 7 Tagen vollzumachen, nochmals Bormio 2000. Jener Anstieg ums Eck, den man hier immer wieder einbauen kann. Ende. Basta. Finito.

Königlicher Rennradurlaub. Majestätische Eindrücke.

Der König ist besiegt. Lang lebe der König. Egal ob einfach, doppio oder triplo (ja, das geht auch). Der königliche Berg und seine majestätischen Nachbarn haben es in sich. Bormio ist und bleibt eine Rennradreise wert. So werden wir auch 2022 wieder kommen. Urlaub machen und Rennradfahren. Vom 24. bis 31. Juli 2022. Mit all dem, was dazugehört. Der Termin kann jetzt schon vorgemerkt werden. Ideal für sie, für ihn und natürlich für beide. (Vor)Anmeldungen gerne unter buchung@machurlaubffahrrennrad.com.

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

Rennradreise in die Dolomiten. Süßes oder Steiles.

Rennradreise in die Dolomiten

Endlich wieder Reisen. Endlich wieder Rennradreisen. Urlaub machen, Rennrad fahren. Und zwar in den Dolomiten. Genauer gesagt wieder in Alta Badia. Offene Grenzen und sinkende Fallzahlen sei Dank. Das erste Highlight aus dem kurzfristig zusammengestellten Programm für 2021 welches ich als Guide begleiten durfte. Mein heimatlicher Fixpunkt, denn das Auf- und Abfahren der Dolomitenpässe ist nie langweilig und will wiederholt werden. Die Gegend fühlt sich auch für mich Jahr für Jahr immer vertrauter an. Meine Touren werden jedes Mal um eine Zusatzschleife reicher und die Einkehrmöglichkeiten selektiver und punktgenauer. Obwohl sich das atemberaubende Bergpanorama nicht ändert, erlebe ich die Eindrücke von Mal zu Mal intensiver. Meine Rennradreise in die Dolomiten belebt und bereichert.

Rennradreise in die Dolomiten

Genussvoll hinauf, schwungvoll hinunter.

Die Dolomiten haben Geschichte. Und sie erzählen Geschichten. Auch meine Geschichten. Über meine Kindheit und Jugend, meine ersten Bergerfahrungen mit dem Rennrad hier in der Region, über die Berge und die Gipfel rundherum, den Giro d’Italia der hier vorbeifährt, über meine Marmelade (Marmolata), über den Skiweltcup auf der Gran Risa oder der Sasslong und über die maratona delle dolomiti, die ich schon gefahren bin, als der Rennradsport noch etwas Exotisches war. Offene Augen und offene Ohren gehören deshalb hier genauso dazu wie gute Beine. Beine, die man braucht, um schwungvoll zwischen Sellamassiv, Cir Spitzen, Marmolada, Lagazuoi, Sass de Putia sowie Lang- und Plattkofel Höhenmeter zu sammeln. Längere flache Passagen sucht man hier vergeblich. Es geht nach dem Frühstück schnell zu Sache. Entweder hinauf oder hinunter. Süßes oder Steiles.

Ich rede viel, ich rede gerne und während die anderen fahren, erzähle ich ihnen etwas oder ich singe ihnen etwas vor. Das soll die Zeit vertreiben. Meine Rollen sind nicht fix definiert. Der Übergang zwischen Guide, Unterhalter, Motivator, Mentalcoach wie auch strenger Offizier ist fließend. Hauptsache angekommen.

Fixer Stützpunkt. Flexible Touren.

Für den Rennradurlaub in die Dolomiten habe ich auch dieses Mal einen fixem ***S Stützpunkt gewählt. Ein traumhaftes Bike-Hotel geführt von Klaus. Er fährt selbst auch Rennrad. Die Zimmer sind groß und geräumig, der Blick auf den Heiligkreuzkofel auf der anderen Talseite im Morgenrot und in der Abenddämmerung kraftvoll und energievoll. Unsere Unterkunft hat einen eigenen “Pass” mit eigenem Segment auf Strava (Passo Melodia). Direkt vor der Haustür. 170 m lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 12,7 %. Eine lustige Sache am Ende jeder Ausfahrt. Hier entscheidet sich, wer den nächsten Radler zahlen darf.

Ein fixer Stützpunkt in den Dolomiten macht die tägliche Tourplanung flexibler und setzt die Teilnehmer*innen nicht so unter Druck unbedingt von A nach B kommen zu müssen. Das Schöne daran ist auch, dass die geplanten Touren so auf Wunsch jederzeit verlängert oder in Ausnahmefällen auch verkürzt werden können. Sofern die Bestechung dazu mindestens einen Espresso und ein Stück Kuchen beinhaltet. Gut, dass ich fast jeden Winkel kenne. Auch das Wetter kann sich nach meinen Plänen richten und die Sommergewitter erst dann schicken, wenn der Großteil der Gruppe beim After Bike Snack verweilt. Einmal früher, einmal später. Einige früher, andere später.

Viele Pässe-Klassiker auf einem Fleck.

Es ist nicht schwer, von den Dolomiten zu schwärmen. So viele spektakuläre Pässe auf einem Fleck sind woanders kaum zu finden. Alle moderat steigend. Mit den gewohnten Ausnahmen. So wie der Passo Fedaia von Malga Ciapela (Südauffahrt) oder der Passo Giau von Caprile aus (Westauffahrt). Eine weitere Ausnahme ist die Stichstraße hinauf auf die Drei Zinnen via Cortina, Passo Tre Croci und Lago di Misurina. Bei dieser großen Anzahl an Klassikern sind die Tage stets zu kurz und die Pausen zu lang, will ich den Teilnehmer*innen meiner Rennradreise in die Dolomiten die kulinarische Seite nicht vorenthalten. Eine Seite, die hier kaum vielfältiger sein könnte. Im Gadertal vermischen und bereichern sich die typische Küche Südtirols mit jener aus dem mediterranen Raum. Fleisch, Fisch, Wild, Teigwaren und Süßes werden untereinander in vielen außergewöhnlichen Varianten kombiniert und vermengt. Wir durften das in unserem Hotel mit eigenen Augen und am eigenen Gaumen erleben.

Mahlzeit Dolomiten.

Fast wären wir zu Foodbloggern geworden. Zu schön die angerichteten Teller. Schon die Menüauswahl zum Frühstück war ein außergewöhnliches Highlight. Zwei Mal fünf Gänge. Beliebig kombinierbar. Vegetarisch oder klassisch. Dazu die Möglichkeit auch andere Sonderwünsche zu äußern und erfüllt zu bekommen. Am Abend dann staunende Blicke und ungläubige Grimassen. Die Gabeln wanderten von einem Teller zum anderen und eine neue Tischmanier zog ein: Überkreuztes Essen.

Verhungern kann hier niemand. Auch nicht verdursten. Feinstes Quellwasser findet man abseits der Pass-Straßen zur Genüge. Auch hat jede Ortschaft noch einen für die Region typischen Brunnen. Wem das durch Kalkgestein gesäubertes Wasser aus den Bächen zu gefährlich ist, der bedient sich in den diversen “Rifugi”. Eine Dose Cola, mit 33 cl kann jedoch bis zu € 3,50 kosten.

Pedalare per le Dolomiti.

Das Motto des Hotels passt perfekt zur Philosophie der Rennradreise in die Dolomiten. Und zu allen anderen Rennradreisen, die ich begleiten darf. Mach Urlaub, fahr Rennrad heißt in die Pedale treten und die angebotenen Kulissen genießen. Offen zu sein für neue Herausforderungen. Den Berg hinauf kurbeln und hinunter rauschen. Im Flachen mühelos mitzureisen, sich Zeit zu nehmen anzuhalten und innezuhalten. Ein Rennradurlaub inspiriert und bildet. Sportlich wie menschlich. Er verschiebt Grenzen und öffnet neue Horizonte. Man muss nur dafür bereit sein.

Wir haben getan, was wir tun mussten, sind gefahren, was wir fahren wollten (und mussten). Im dichten Trouble und abseits davon. Bis zu 12.160 Höhenmeter und 450 Kilometer. Nach Lust, Laune und Kraft. Passo Valparola, Passo Falzarego, Passo Giau, Passo delle Erbe, Passo Sella, Passo Gardena, Passo Pordoi, Passo Campolongo, Colle Santa Lucia … Wir konnten unsere Hitzeverträglichkeit testen und unsere Skills beim Abfahren unter erschwerten nassen Bedingungen unter Beweis stellen. Wir haben das Rennradfahren theoretisiert und praktisch erlebt. Sehnsüchten sind wir gefolgt. Den Ruf der Berge nachgegangen. Wir haben vieles gesehen aber immer noch nicht alles erlebt.

Urlaub machen. Rennrad fahren.

Ein Rennradurlaub ist immer zu kurz. Viel zu kurz. Wehmut begleitet stets die Heimreise. Doch wenige Tage später steigt schon wieder die Vorfreude. Auf das nächste Mal und die kommenden Gelegenheiten. Mach Urlaub, fahr Rennrad ist nicht nur ein Angebot oder ein Aufruf. Es ist eine Philosophie. Für alle die Zeit haben und sich Zeit nehmen wollen. Rennrad fahren ist ein Stück Freiheit, die wir uns nicht nehmen lassen sollen. Es ist die Möglichkeit, zwischenmenschlich zu wachsen und sich sportlich zu entwickeln. Das Leben ist zu kurz, um es auf der Couch zu verbringen. Mach Urlaub. Fahr Rennrad.

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

PS: Die Rennradreise in die Dolomiten findet auch 2022 wieder statt. Termin: 4. bis 10. Juli 2022. Weitere Termine demnächst online. Last Minute Möglichkeiten für den heurigen Sommer und Herbst gibt es hier. Newsletter anmelden und keinen Rennradurlaub verpassen.

Urlaub machen und Rennrad fahren. Aber wo?

Urlaub machen. Rennrad fahren.

Vor ein paar Tagen wurde in Österreich die Einreiseverordnung bis 31. Mai 2021 verlängert. Im Klartext (Verordnungstext) heißt es, wer bis dahin von einer Auslandsreise nach Österreich zurückkehrt, muss verpflichtend eine 10-tägige Quarantäne antreten. “Freitesten” ist erst ab dem 5. Tag mit einem negativen Covid-Test möglich. Damit sind wohl organisierte Rennradreisen ins benachbarte Ausland bis dahin kaum durchzuführen. Das vorläufige Programm wird und muss nochmals auf den Kopf gestellt werden. Zum x-ten Mal bereits. Urlaub machen und Rennrad fahren trotz Pandemie?

Trotz Pandemie Rennradurlaub machen?

Ich würde gerne lieber über andere Dinge diskutieren. Zum Beispiel aktuell über das neue Garmin RALLY CX200 Powermeter SPD Pedal, dessen Fotos gerade durchs Netz gehen. Schaut gut aus und könnte mein gebrochenes Verhältnis zu Garmin möglicherweise kitten, auch wenn 1.200 USD ganz schön viel Geld sind. Geht aber nicht. Ich muss mich den Tatsachen stellen und auch das Thema Rennradeisen trotz Pandemie aufgreifen. Soll und darf man aber vor allem darf ich? Darf und soll ich für meine Partner Empfehlungen aussprechen und über spannende und Rennradreisen informieren? Niemand weiß wie und ob sie jemals stattfinden werden. Ist es angebracht, dann selbst vor Ort dabei zu sein, um Gästen meine Lieblingsstrecken zu zeigen und sie dabei zu begleiten? Natürlich mit entsprechendem Sicherheitskonzept, welches in der Schublade liegt (Testung, Abstand, Maske, Hygiene …). Keine einfache Sache, wenn sich Sicherheit und Gesundheit mit wirtschaftlichen Aspekten beißen. Soll ich einfach abwarten und Däumchen drehen? Bezahlen würde mir (uns) das niemand. Es ist unser Beruf und unsere Berufung. Rennradreiseveranstalter und Rennrad-Guides am Abstellgleis.

Dass es möglich wäre zeigt ja die Praxis. Verboten ist es ja auch nicht. Nur kompliziert. Nein komplex. Dort sind die Hotels geschlossen, anderswo darf man nicht in einer Gruppe Radfahren (Abstands- und Haushaltsregeln) und etwas weiter weg ist hingegen alles erlaubt. Nur dass man schwer hin und wieder zurückkommt. Rennradurlaub buchen heißt aktuell sieben Tage Urlaub und im worst case 24 Tage Quarantäne. Außer man ist Deutsche*r und fliegt nach Mallorca.

Gewissenskonflikt statt Urlaubsglück.

Alles wird gut. Nur noch nicht heuer. Das Frühjahr ist abgeschrieben. Die Aussicht auf einen unbeschwerten Sommer wie damals (vergangenes Jahr) sind düster. Waren wir 2020 noch etwas unbeholfen im Umgang mit der Pandemie, so werden wir aktuell von der Ratlosigkeit regiert. Und als Sicht eines Unternehmers perspektivlos. Vergleichbar wie das Gefühl das man als Radfahrer vor einem langem und steilen Berg hat, nachdem man schon mindestens drei davon überlebt hat.

Gesundheit geht vor. Trotzdem darf das Leben nicht stehen bleiben. Meine (unsere) Ideen sind da, die Konzepte fertig und wir warten nur auf die erlösenden Worte “Urlaub machen. Rennrad fahren.” Ich gebe dann gerne Bescheid, wann, wie, wo und ob es losgehen wird. Denn solange die Zahlen steigen, sinkt auch die Motivation weiterzumachen

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

Erfahrungen mit Zwift. Persönliche Gedanken.

Erfahrungen mit Zwift

Wie immer bin ich bei allem ein notorischer Späteinsteiger. Ein “Late Adopter” wie aus dem Bilderbuch. So war es auch mit Zwift. Erst seit November 2019 bin ich in Besitz eines Smarttrainers und zahlendes Mitglied in der Zwift-Sekte. Anfänglich sehr zurückhaltend, hat sich meine Begeisterung im Laufe der Zeit und vor allem in diesem Winter exponentiell gesteigert. Die Gründe sind verschieden. Einmal die knappe Zeit nach draußen zu gehen, dann das gehobenere Alter und die Einsicht, Risiken wie chronische Rippenbrüche lieber zu vermeiden und zu guter Letzt das Aufkeimen von Euphorie und Lust, das eigene im Keller liegende Level nach oben zu schwitzen. Nach ein paar Kilometern mehr also Zeit, den persönlichen Erfahrungen mit Zwift ein paar Zeilen zu schenken.

Informieren geht über pedalieren.

Bevor ich mit gelangweilt und ungeduldig irgendwelche Anleitungen lese oder Foren besuche, schmeiße ich mich lieber ins Geschehen. Das war bei Zwift nicht anders. Rad eingespannt und losgetreten. Irgendwo und irgendwas bin dann ich gefahren. Was dazu geführt hatte, dass ich im Stand am Stand getreten bin. Nichts ist weitergegangen. Anders als heute wo ich mittlerweile eine Liste der Strecken habe und diese systematisch abfahre, um viele Punkte (XPs) zu sammeln. Damit ich höhere Level-Sphären emporklettern kann. Informieren geht über pedalieren. Zwiftinsider ist da schon ein guter Tipp für alle jene, die sich mühevolles Punktehamstern ersparen wollen. Einmal Mega Pretzel zum Beispiel bringt 2140 XP, also 107 km, die man sich ersparen kann. Diese späte Erkenntnis hat meinen Badge-Jägerinstinkt geweckt.

Zwiftinsider

Zwift geht auch ohne Ventilator.

Sicher. Nicht. Einen ganzen Winter lang bin ich ohne gefahren. Es war heiß, es war nass und es war nicht auszuhalten. Ich habe mich jedes Mal schon nach fünf Kilometern so gefühlt wie Jack Dawson alias Leonardo DiCaprio in Handschellen auf einem Holzstück treibend kurz vor dem Ertrinken. Mit allen möglichen Tricks habe ich versucht, das Abrinnen des Schweißes zu stoppen. Stirnband, Ärmlinge und Handtuchwickel standen hoch im Kurs. Ein Jahr später ersetzt ein Ventilator diesen Erfindergeist mit Bravour. Im Nu haben sich Performance und auch Ausdauervermögen dramatisch verbessert. War noch vor einem Jahr die Schallmauer von einer Stunde das höchste der Gefühle, so kann ich jetzt schon den ersten 100er und die Vier-Stunden-Schallmauer archivieren. Das ist im Vergleich zu dem, was sonst noch auf Zwift getrieben wird Anfängerniveau, trotzdem: ein kleiner Schritt für diese Verrückten, ein großer Schritt für mich.

Zwift-Erfahrung ist Lebenserfahrung.

Das klingt so weise als käme es aus dem Mund Sokrates’, Kants oder Schopenhauers. Es ist aber von mir. Auf diesem Smarttrainer lernt man viel fürs Leben. Zum Beispiel jede Menge Deep House Remixes mit Hits aus den 80ern und 90ern. Oder Purple Disco Machine. Denn alles über 100 Beats per Minute wirkt auf mich wie Opium, das intravenös eingenommen wird. Probiert einmal “Il Cuore” von Andor Gabriel mit vollster Lautstärke. Wenn euch das nicht mitnimmt, dann solltet ihr zu echtem Opium greifen.

Man lernt aber auch die eigene Arbeit darauf zu verrichten. Telefonate mit Kunden oder das Beantworten von E-Mails. Letzteres ist etwas einfacher. Telefonieren hat so einen Touch Erotik, wenn es nicht gelingt das Hecheln zu unterbinden. Was ich auch gelernt habe ist meinen Sony TV via HDMI Kabel mit dem Laptop zu verbinden. Lebensnotwendige Erfahrungen mit Zwift.

Zwift-Erfahrung ist Lebenserfahrung.

Unrühmlich ist dagegen mein Herausfinden, dass man eine abschließende Abfahrt auf Zwift auch unter der Dusche verbringen kann. Das gilt auch für das Pinkeln während man von Alp du Zwift abfährt. Nach Protokoll ganz brav auf der Toilette sitzend. Geschenkte Kilometer.

Zwift ist launisch und zickig.

Einmal zu schnell, dann zu langsam, dann zu leicht und ein anderes Mal wieder zu stark. Zwift ist launisch und zickig. Wenn ich draußen fahre, dann habe ich stets dieselbe Rückmeldung der Straße. Und nach vielen tausend Kilometern auch ein Gefühl für Druck oder Trittfrequenz. Bei Zwift hingegen steuert mich ein Algorithmus. Steigungen fühlen sich nie gleich steil an. Während ich den Zwift KOM bis zum Pass problemlos mit großer Scheibe fahren kann, ist dies bei Alp du Zwift oder hinauf zum Sender unmöglich. Trotz gleicher Steigungsprozente. Und die Glasbrücken in New York sind sowieso unfahrbar. Da werde ich jedes Mal zur Schnecke. Trotz hoher Trittfrequenz, während mich andere spielend überholen. Es kommt auch vor dass sich -1 % anfühlen wie eine unüberwindbare Mauer.

Stichwort Mont Ventoux. Etwas Langweiligeres gibt es wohl kaum. Weder online noch real. Egal wie kraftvoll und schnell ich in die Pedale trete – mein Avatar bewegt sich immer nur in Zeitlupe. Einmal und nie mehr wieder.

Zwiftpower – Events für Starke.

Als Spätberufener habe ich mich logischerweise erst heuer bei Zwiftpower angemeldet. Um ein paar Rennen zu fahren. Als Digital-Analphabet keine leichte Aufgabe. Aber ich bin drinnen. Habe mich bescheiden wie ich bin in der dritten Reihe (also C) eingestuft. Mein erstes Rennen war in Innsbruck. Ich dachte mir, ich starte mit Gleichgesinnten. Doch ich hatte mich nicht richtig informiert und plötzlich war ich mitten im Gewühl von A, B, C und D-Startern. Gemäß meines Lebensmottos “Augen zu und durch” bin ich natürlich laktagestört von den As überfahren und mit dem Bs mitgeschwommen. Am Ende reichte es für den Sieg bei C und eine eminente Disqualifikation. Weniger gute Erfahrungen mit Zwift eben.

Zwift und Zwiftpower

Mein Zugang zu Rennen war somit gestört. Also habe ich mir dann auch so Trainingsfahrten in der Gruppe angeschaut, wie ein “Haute Route” Tempotraining. In Hinblick auf das 3-Tages-Rennen Ende Februar. Am Plan 5x 10 min mit 230/240 Watt und entsprechender Trittfrequenz. Und ich? Ich war ständig “overpaced”. Entweder zu stark oder zu schnell. Zu viel Watt oder zu hohe Trittfrequenz. Und die Erkenntnis, dass es sehr schwer ist, mir etwas vorzuschreiben. Vor allem dann, wenn dies eine Maschine machen will.

Zwift ist Kopfkino.

Oh ja. Kopfkino. Zwift ist Kopfkino. Da fährst du irgendwo und irgendwas in der Gegend herum. Im Hintergrund läuft Musik und du lässt dich von dieser verleiten. Frankreich, London, Innsbruck, New York oder Watopia. Und du bist nie allein. Du fährst gegen Fremde. Geheimnisvolle Avatare. Und dann heißt es Film ab. Wer sind diese? Plötzlich werden Länderfahnen zu Spuren und Indizien. Nicknamen werden interpretiert und eine computeranimierte Figur wird zu Freund oder Feind. Wer lässt sich auf dich ein? Windschatten geben oder Windschatten nehmen? Matchen oder Pushen? Vorerst einmal ein “Ride on” um das Eis zu brechen. Dann kann man ja weitersehen. Kommt die Antwort? Ja. Oje, eine Abzweigung. Wohin fährt der oder die Fremde? Weiter mit mir oder ist jemand anderer die oder der Glückliche?

Zwift ist wie Tinder. Entscheidet bei Tinder ein Wisch über die gemeinsame Zukunft, ist es bei Zwift ein Tritt. Und ich stelle mir die Frage, ob sich jemand bei Zwift schon in einen Avatar verliebt hat. Auch das wären Erfahrungen mit Zwift.

Erfahrungen mit Indoor-Training.

Ich habe nicht nur Zwift probiert. Auch myE-Training von Elite, RGT Cycling oder Trainer Road. Hängen geblieben bin ich bei Zwift. Da ist mehr los. Irreal und surreal. Der Gaming-Effekt steht voll im Vordergrund. Gefühlsmäßig auch der Trainingseffekt, wenn ich Strava Glauben schenken darf.

Trainingseffekte mit Zwift

Meine Erfahrungen mit Zwift sind positiv. Die € 15 pro Monat sind kein Geld, welches ich aus dem Fenster werfe. Außer im Sommer. Aber das ist nur meiner Faulheit zurückzuführen. Zwift macht mich unabhängig. Von Zeit und Wetter. Und es macht mit hungrig. Es ersetzt aber in keinster Weise eine Fahrt im Freien. Ich sehe Zwift als Ergänzung. Wo’s geht will und muss ich raus.

ktrchts
#machurlaubfahrrenrnad

Rennradfahren in Kärnten – Einmal rundherum.

Rennradfahren in Kärnten

Das war der fünfte Streich. Der nächste folgt sogleich. Frühestens aber im nächsten Jahr. Schade. Nach Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Oberösterreich habe ich dieses Mal Kärnten umrundet. Mit dem Rennrad. Solo. Unsupported. Bikepacking light. Angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit habe ich mir etwas mehr Zeit gelassen und das Abenteuer auf 3 Tage aufgeteilt. Im Summe 505 km und knapp 8.000 Höhenmeter. Unbestrittene Highlights: die Nockalmstraße extended, Hochrindl und Flattnitz an einem Tag. Das Rennradfahren in Kärnten hat mich von der Strecke her fasziniert und elektrisiert, von der Straßenbeschaffenheit ziemlich durchgerüttelt. Obwohl ich fast jeden gefahrenen Winkel schon kannte, war die Kombination aus allem Neuland.

 

Bikepacking

“Lafn losn” – wenn Rennradfahren nur so einfach wäre.

Ich wurde gefragt, ob ich einmal rund um Kärnten fahren möchte. Ja. Meine Antwort knapp und spontan. Die Strecke war vorgegeben. Wie und wie lange habe ich mir selbst zurechtgestutzt. Ich wusste um die Berge. Deshalb habe ich mich für folgende Strategie entschieden: Flach und lang am ersten Tag, hochalpin und anstrengend am zweiten sowie hügelig und kürzer am letzten. Am Papier hatte das alles machbar ausgesehen. Chillig. Am Ende durfte ich das nicht mehr behaupten. Ich hätte gelogen. Mit einem Kampfgewicht von über 90 kg samt Rennesel und Packtasche haben sich die Berge als äußerst charakterbildend präsentiert. Auch weil ich mich am ersten Tag um ein paar hundert Höhenmeter verschätzt hatte. Aus flach und lang wurde gar nicht flach und zu lange. Rennradfahren in Kärnten ist rundherum eine geile Hatscharei.  

Die Idee Kärnten mit dem Rennrad zu umrunden zusammengefasst auf drei Tagesetappen. 

1. Tag: Klopein – Gmünd. 240 km und 2.891 Höhenmeter
2. Tag: Gmünd – Althofen, 138 km und 3.260 Höhenmeter
3. Tag. Althofen – Klopein, 128 km und 1.867 Höhenmeter

 

Seen, Berge und Schlaglöcher. Kärnten ist genau meins.

Auf meiner Bundesländer-Umrundungstour habe ich einiges erleben dürfen. Mein Verhältnis zu den heimischen Autofahrern hat sich dabei nicht gebessert. Fix ist, dass es überall ganz besondere Trotteln gibt. Ganz oben auf der Kärntner Best-of-Liste die Truppe von City Dach Klagenfurt. Auf der Abfahrt von der Hochrindl habe ich die Schlaglöcher mit Bravour überlebt, den Konvoi von City Dach nur knapp.

Schlagwort Schlaglöcher: Diese sind in Kärnten stets ein treuer Begleiter. Einige Abfahrten beanspruchen die Vorausseh-Fähigkeit, die Bremsen und das Steuerlager enorm. Die Auffahrten zwar auch, aber da ist es ziemlich egal. Ich habe die Abfahrt vom Schaidsattel und jene von der Hochrindl immer noch im Nacken und in den Oberarmen. Die an drei Tagen zu Tode gebremsten SHIMANO Bremsbeläge L03A sind ausgediente Zeitzeugen. Die Nockalmstraße ist da eine Ausnahme. Diese für Motorradfahrer*innen beliebte Strecke ist ein hochalpiner Asphaltteppich in 1A Qualität. Laut und schön. Ich war dort zusammen mit gefühlten Millionen von Harley-Davidson Maschinen unterwegs. Das jährliche Harley Treffen am Faaker See war bis hinauf zur Schiestlscharte und Eisentalhöhe zu riechen und zu hören. Was dem atemberaubenden Panorama und die einzigartigen Formen der Nockberge nicht geschmälert haben. Für mich war es eine Premiere. Die Nockalmstraße war ich noch nie von Norden Richtung Süden gefahren.

Die Strecke rund um Kärnten ist ein Leckerbissen.

Schon der Startpunkt meiner Tour war eine gute Wahl. Der Klopeinersee ist idealer Startpunkt für einen Rennradurlaub oder einer Rennradreise. Die Überlegung nächstes Jahr auch hier zu verweilen schwingt immer noch nach. Zu schön die Gegend rund um die Seetaler Alpen mit dem Seebergsattel oder dem Paulitschsattel. Aber nicht nur. Slowenien und Italien sind vor der Haustür. Wo ein Wille auch eine lange Tour.

Gleich nach dem Start gibt es zum Aufwärmen den Schaidsattel. Kennt man kaum, sollte man aber. Der Schaidsattel ist durch und durch zweistellig. Besonders die letzten Kilometer. Dann öffnet sich das Tal und nach ein paar Schupfern ist man schnell in Ferlach, wo das Rosental wartet. Übrigens Originalstrecke des Race Around Austria. Wellig und entlang der Drau gehts am Faaker See vorbei Richtung Villach. Hier war 1987 die UCI-Straßenweltmeisterschaft zu Gast. Mit Sicht auf die Ruine Finkenstein ist Arnoldstein nicht weit weg. Am Weg dorthin empfehle ich den Radweg zu benutzen. Hohes Konfliktpotenzial vorhanden. Eben weil es neben der Straße einen Radweg gibt. Den man nicht benutzen muss.

Hat man die hupenden Trotteln hinter sich biegt man ins Gailtal ab, welches bis Kötschach-Mauten nicht mehr verlässt. Zuerst abseits der B111 und dann verkehrstechnisch mittendrin. War aber nicht so tragisch. Hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Vielleicht war auch der Rückenwind daran schuld, dass ich gut mit dem Verkehr mitschwimmen konnte. Der Teilabschnitt Hermagor – Kötschach ist auch beim Super Giro Dolomiti dabei. Für einen Zwischenstopp empfiehlt sich die Bäckerei Matitz Stärkung vor dem Gailbergsattel. Ein feiner Übergang vom Gailtal ins Drautal.

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Feistritz, Ferlach und Dellach. Kärntner Déjà-vu.

Rennradfahren in Kärnten heißt sich ständig zwischen Feistritz, Ferlach und Dellach zu bewegen. Alle drei Ortschaften gibt es in wohl in allen Tälern. Drautal, Gailtal, Rosental …

Dafür ist Rennradfahren im Drautal teils lebensgefährlich. Man kann sich hier aussuchen: Gravel-Nebenstraßen mit mehr Schlaglöchern als die Paris-Dakar oder feiner Asphalt mit Holztransportern, die einem um die Ohren fliegen. Ich habe mich für einen Mittelweg entschieden (entscheiden müssen). Bin aber auf der B100 teilweise um mein Leben geradelt. Nach 200 km hatte ich deshalb noch gut Druck am Pedal. Zwischen Oberdrauburg und weit nach Greifenburg. Dann die Rettung über Steinfeld, Lengholz, Kleblach bis Sachsenburg. Ein wenig B100 noch bis Lendorf und dann ist man wieder halbwegs “safe”. Tag 1 endete bei mir im Liesertal auf der B99 Richtung Katschberg in Gmünd. Hier hatte ich nur Hunger und keine Zeit für das Porsche Museum. 

Ab Gmünd fährt man das Katschtal bis nach Kremsbrücke. Immer leicht bergauf. Die Abzweigung nach Innerkrems bedeutet bergauf fahren. Zuerst 12 km taleinwärts und dann 12 km bergauf bis auf über 2.000 Metern. Die Eisentalhöhe ist auch der höchste Punkt der Tour. Rundumblick nicht vergessen. Ein paar Kehren und 500 Tiefenmeter bergab und schon geht es erneut hoch. Wieder auf über 2.000 Metern. Die Schiestelscharte ist erreicht. Erneut Rundumblick nicht vergessen, bevor es lange und zügig nach unten in die Ebene Reichenau geht.

 

Nockamlstraße

Achtung Straßenschäden. Und Längsrillen.

Ausrasten und die Hochrindl als weiteren Zwischenstopp sehen. Das kleine Skigebiet in den Nockbergen lockt mit typischer Kärntner Landschaft und ganz oben an Dekadenz grenzende Ferienhäuser. Das einzige Hotel oben ist hingegen dem Verfall überlassen worden. Hier war City Dach sicher nicht am Werk.

Über die Abfahrt schreibe ich nichts mehr. Viel mehr über das Gurktal, welches die Weiterfahrt prägt. Bis Klein-Glödnitz. Hier wäre es geradeaus nach Alhofen gegangen. Mein Ziel für den zweiten Tag. Überlegt hatte ich es mir schon. Aber ich wollte ja rundum Kärnten fahren. Nicht teilweise durch. Also rechts abbiegen und den vierten Berg in Serie genießen. Die Flattnitz. Am besten bei praller spätsommerlicher Sonneneinstrahlung. Mir bekannt aus früheren Jahren, aber nicht von der Südseite hinauf. Erinnerungen wurden wach. Zum Glück sind die KM-Angaben bis zur “Passhöhe” nicht so ernst zu nehmen, denn man biegt ein paar hundert Meter davor ins Metnitztal Richtung Friesach ab. Zum Metnitztal muss man sagen, dass es zum Drücken einlädt. Achtung aber auf Längsrillen und Straßenschäden.

Von der Burgenstadt Friesach bis Althofen ist es nicht mehr weit. Außer man macht in Hirt Station in der gleichnamigen Brauerei. Kärntner Kasnudeln sind dort wärmstens zu empfehlen. Das Hirter Bier hingegen ist bevorzugterweise kühl zu genießen. Meine Nacht in Althofen verlief ruhig und die Möglichkeit schon ab 6.30 Uhr im Hotel Prechtlhof frühstücken zu können, erleichterte mir meine Zeitplanung für den dritten Tag. Früh raus, früh ankommen und früh die Heimreise antreten.

 

Rennrad fahren in Kärnten

Ultracyling ist rückwärtsrechnen.

Alles was man frühstückt, merkt man spätestens, wenn nach 15 km die letzte große Hürde beim Rennradfahren in Kärnten vor sich hat. Das Klippitztörl auf 1.642 Metern. Zum Glück musste ich nicht die Ostauffahrt nehmen. Die ist nämlich 28 km lang. Diese 28 km durfte ich bergab fahren. Dabei habe ich mir die Zehen, die Ohren und die Fingerspitzen abgefroren.

Die Westauffahrt von Guttaring ist mit 13 km auch nicht leicht. Dieser Berg zieht sich und ich habe in meinem Leben selten so oft zurückgerechnet wie an diesen drei Tagen rund um Kärnten. Noch, noch und noch noch. Egal. Ist die Auffahrt zum Skigebiet einmal geschafft, geht es tendenziell nur mehr bergab. Auf alle Fälle bis Wolfsberg. Aber hier dann Neuland für mich. Denn die Strecke führt nicht über den Griffner Berg (zum Glück), sondern ins Lavanttal bis Lavamünd, nur wenige Tritte von der slowenischen Grenze entfernt. Hier trifft man auch wieder auf die Drau und der Kreis scheint sich zu schließen. Gut 60 Kilometer fehlen aber noch. Entlang der B81 geht es zügig und zweisprachig vorbei an Bleiburg mit Blick auf die Petzen zurück an den Klopeinersee, wo das Abenteuer fast mit einem Sprung in den See endete. Fast, weil es schwer ist einen öffentlichen Zugang zu finden. Und wenn man ihn gefunden hätte, darf dieser mit dem Rad nicht erreicht werden. Die Promenade ist mit einem Rad-Fahrverbot belegt.

Ich habe mich mit einer Katzenwäsche begnügt und bin dann die dreistündige Heimreise mit dem Auto angetreten.

Ende gut. Alles tut weh.

Mit dem Rennrad rund um Kärnten

Ich weiß nicht welche meiner Umrundungen bisher die Schönste war. Kärnten-Ummadum war jeden Fall irgendwie besonders. Ich freue mich auf die Steiermark, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Und vielleicht checke ich mir auch noch Südtirol. Und dann wäre ja noch ganz Österreich. Aber das ist eine andere Geschichte und ein anderes Projekt.

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

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Rennradfahren in Oberösterreich – die RAA Challenge.

Rennradfahren in Oberösterrich

Feste soll man bekanntlich feiern, wie sie fallen. Das gilt auch für die Umrundung der Bundesländer mit dem Rennrad. Nach Wien, dem Burgenland und Niederösterreich stand dieses Mal Oberösterreich am Programm. Nicht nonstop wie bei der RAA Challenge im Rahmen des Race Around Austria, sondern in einer etwas gemütlicheren Variante auf zwei Tage aufgeteilt. Alte Männer brauchen ihren gewohnten Schlaf. Ich zumindest. Um trotzdem ein wenige Race Around Austria Feeling zu spüren, sind wir die originale Challenge-Strecke gefahren. Mit all ihren Highlights sowie Höhen und Tiefen. Vor allem jenen des Mühlviertels. 563 km mit 6.300 Höhenmetern. Herzlich willkommen beim Rennradfahren in Oberösterreich rund um Oberösterreich.

Mit dem Rennrad rund um Oberösterreich.

Einfacher geht’s nicht. Rennrad schnappen, das Nötigste in eine Satteltasche verstauen, Route hochladen und in die Pedale treten. Routine macht sich dabei schon bezahlt. Das Packen hat dann bereits System und die Planung ist eine schnelle Angelegenheit. Für ein Mal übernachten braucht es nicht viel. Sechs Ladekabel (iPhone, Garmin, RE-Camera, GUEE-Lichter, Di2 und Dura Ace Powermeter – sicher ist sicher), ein geladener Akkupack (man weiß nie), ein Reservetrikot, eine Unterhose für die Nacht (ich schlafe nicht gerne nackt), ein T-Shirt und eine leichte Hose für das Abendessen und das Frühstück, sowie das übliche wie Ärmlinge, Beinlinge, Windweste und Regenjacke. Etwas vergessen? Ja. Ein paar Gels, Iso-Tabletten und natürlich Mannerschnitten. Zur Sicherheit dabei auch immer ein Pannenspray, Kettenöl und ein Stofffetzen für die Radpflege.

Also Termin fixieren, Startpunkt wählen und Quartier bei der Hälfte der Strecke vorreservieren. Das Wetter sollte man auch nicht ganz außer Acht lassen. Wer will schon nasse Schuhe und Socken?

Wir haben uns für eine Ein-Stopp-Strategie entschieden, um das Ganze in zwei Tagen erledigt zu haben. Tagwache um 0245 Uhr, 1. Frühstück, um 0345 Uhr Abfahrt von Eisenstadt Richtung St. Valentin (mit Pick-Up Service für Siggi), Ankunft im Park & Ride und Abfahrt pünktlich um 0630 Uhr. Am Plan 280 km und mit gut 3.000 Höhenmetern. Etappenziel: Straßwalchen beim Jägerwirt. Warum Jägerwirt? Die Möglichkeit, bereits um 6 Uhr Morgens zu frühstücken war das entscheidende Pro-Argument. Nicht der Preis. Der war für ein paar Stunden Schlaf verhältnismäßig hoch. Für den zweiten Tag haben wir uns die restlichen 290 km und 3.300 Höhenmeter reserviert. Inklusive Heimfahrt retour nach Eisenstadt. Gegen 23 Uhr war das Abenteuer dann vorbei. Fast & Furious.

Ultracycling: Das ist mehr Tankstellen und Supermärkte plündern.

Trend ist, was im Trend ist. Ultracycling ist im Trend. Egal ob jetzt als Rennen oder einfach nur so. Die Herausforderung besteht darin, auf einer bestimmten Strecke möglichst viele Tankstellen und Supermärkte zu plündern. Weil “Unsupported” auch so ein Trend ist. Einfach einmal das Rennrad schnappen, die Satteltasche füllen und den Beinen das Kommando übergeben. Frei von Zwängen. Das Ziel ist immer B von A ausgehend. Dazwischen viel Landschaft. Rund um Oberösterreich strampelt man durch den Nationalpark Kalkalpen, durch die Region Phyrn-Eisenwurzen, das Salzkammergut, das Hausruck- und Innviertel sowie das Mühlviertel. Man sieht Berge, Seen und Flüsse. Zwischendurch tänzelt man zwischen Autobussen und Motorradfahrern, vorbei an Fähren und Booten sowie kleinen Hütten und pompösen Hotels. Da und dort begegnet man Kühe und Pferde, Wanderer und E-Biker. Und immer wieder überwindet man Grenzen. Die eigenen und jene zur Steiermark, Salzburg, Niederösterreich und Tschechien.

Highlights sind auf der Rennradrunde rund um Oberösterreich mit Sicherheit der Hengstpass, der Ziehberg, die Grossalm, der Attersee und der Mondsee, die Mauer von Schärding hinauf nach Schardenberg, der Passaublick, die blaue Donau und die hohen Wellen des Mühlviertels. Die gesamte Strecke ist “nachfahrenswert”. Rennradfahren in Oberösterreich ist rundum betrachtet überhaupt nicht langweilig. Ganz im Gegenteil.

individuelle Radbekledng

Mach Urlaub. Fahr Rennrad.

Ich weiß. Die wahren Helden fahren so etwas nonstop durch. Und weiter fahren sie auch noch. Viel weiter. Hut ab. Allein die Vorstellung, eine ganze Nacht freiwillig im Mühlviertel verbringen zu wollen macht mir Angst. Ich mache lieber Urlaub und fahre Rennrad. Das Mühlviertel war bei Tag schon eine charakterbildende Angelegenheit. Hier kann man ganz schnell verhungern und verdursten. Die offene Tankstelle in Kollerschlag war unser Schlaraffenland und im Cafè Kastner in Bad Leonfelden haben wir uns eine Henkersmahlzeit gegönnt. McDonalds in Freistadt haben wir ausgelassen. Zu schwarz der Himmel rund um uns. Und die Zeit schien im Regenwasser davonzurinnen.

Dazwischen war Askese angesagt. Auch weil wir zu Dritt unterwegs waren. Da wird nicht nur Rennradfahren in Oberösterreich eine komplexe Sache. Die Knack- und Streitpunkte? Meistens das Essen und das Pinkeln. Und die unterschiedliche Auffassung darüber, was gemütlich ist. Da kommt es schon vor, dass man diskutiert, ob wer heute zu schnell ist oder der andere einfach zu langsam. Kinderspiele für Erwachsene. An dieser Stelle beende ich dieses Kapitel. Es geht immerhin um Freundschaften.

Am Ende bleibt eine weitere perfekt genutzte Gelegenheit, sich ein wenig in der Gegend umzusehen. Vieles kannte ich noch von meiner Zeit als Linz-Exilant. Dort war ich über 10 Jahre dahoam. Die Hengstpass Ostrampe bin ich beispielsweise zuletzt vor 8 Jahren gefahren. Diese Challenge war teilweise wie eine schamanische Rückführung.

Wenn man es nicht drawig hat, ist Rennradfahren in Oberösterreich ein Märchenurlaub auf zwei Rädern. Goi!.

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

Fotokredits: Siggi & Andi

 

Rennradurlaub in den Dolomiten – besondere Emotionen.

Rennradurlaub in den Dolomiten

Wir haben es wieder getan und sind verreist. Dieses Mal in die Dolomiten. Sieben Tage imposante Kulissen und atemberaubende Felsformationen. Dazu ein Pass nach dem anderen und unzählige Kehren nach oben und nach unten. Dazwischen Apfelstrudel, Espresso, Cappuccino, Knödel in den Variationen Käse, Spinat, Speck und rote Rübe, gegrillte Steinpilze, Pizza und viel Schüttelbrot. Unser Rennradurlaub in den Dolomiten hat sportlich wie auch kulinarisch die hohen Erwartungen übertroffen. Zudem war er für mich eine Reise in die Jugendzeit. “Vecchi tempi” oder “tempi passati” würde man sagen. Besondere Emotionen mit besonderen Menschen.

Rennradfahren in den Dolomiten

Mit dem Rennrad die Dolomiten entdecken.

Eigentlich hätte es ja Bormio werden sollen. Kurzfristig sind es die Dolomiten geworden. Das UNESCO Weltkulturerbe ist somit für einige Teilnehmer’innen der ketterechts Rennradreise auf der Bucket List abgehackt. Voraussichtlich nicht zum letzten Mal. Auf den Pässen rund um Sella, Langkofelgruppe, Peitlerkofel, Marmolada, Civetta, Lagazuoi & Co herrscht Suchtgefahr. Auch weil das Gebiet so riesig ist. So schnell kann man gar nicht radeln. Wer sich auf die Dolomiten einlässt, kommt schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Man könnte ja noch dies und jenes mitnehmen oder das eine umfahren. Es wären ja nur ein paar Höhenmeter mehr. Wer hier aufgewachsen ist, der kennt viele Winkel und beherrscht die Distanzen samt Höhenmeter im Schlaf. Da braucht es keinen Garmin. Ich bin hier aufgewachsen. Ohne Garmin.

Als Ausgangspunkt und somit Base-Camp eignen sich viel Ortschaften. Oft ist die Wahl der Unterkunft eine Frage des Budgets und der Add-Ons. Natürlich auch der Verfügbarkeit. Im August ist hier Italo-Hochsaison. Da ziehen die Preise in den Hotspots wie Corvara deutlich an. Wer drei Sterne plus residieren will, der braucht eine dicke Brieftasche. Wir haben uns für Badia/Predraces entschieden. Kein Luxushotel. Aber dafür eine feine ***Pension mit fast angrenzender Pasticceria im Zentrum von St. Leonhard. Badia ist ein guter Ausgangspunkt talauswärts (Würzjoch, Furkelpass, Bruneck, Pustertal), taleinwärts geradeaus (Corvara, Sellarunde …) und taleinwärts links (Valparola, Falzarego, Cortina, Giau …). Perfekt für den Rennradurlaub in den Dolomiten.

Alpenpässe und Dolomiten mit dem Rennrad

Rennrad-Achterbahn mit vielen Kehren.

Das Schöne in den Dolomiten ist die Möglichkeit, die Anstiege und die Ziele täglich variieren zu können. Sogar stündlich. Was wir auch getan haben. Wetterbedingt, kräftebedingt, und launebedingt. Meistens geht es 10 km bergauf und dann 10 km bergab. Das ganze wiederholt sich mehrmals. So oft man will. So oft man kann. Wer nicht mehr muss, kann umdrehen oder abkürzen. Höhenmeter kommen so oder so einige zusammen. Bis auf ein paar Ausnahmen, alle auf moderaten einstelligen Anstiegen. Die Ausnahmen? Passo Fedaia von Rocca Pietore/Malga Ciapela aus, der Passo Giau von Selva di Cadore, das Würzjoch von St. Martin/Thurn oder St. Peter/Villnöss, der Furkelpass von St. Vigil und etwas weiter weg die Drei Zinnen (Rifugio Auronzo) vom Lago di Misurina aus. Diese Auflistung ist nicht vollständig. Die Dolomitenpässe sind eine unendlich lange Achterbahn mit vielen Kehren.

Es gibt in den Dolomiten Klassiker. Grödnerjoch, Sellajoch, Pordoijoch und Campolongo. Und es gibt Pässe, welche das Potenzial zum Klassiker haben. Alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Aufgeteilt auf zwei Regionen und drei Provinzen reichen die Dolomiten weit in den Süden bis zum Monte Grappa. Man bräuchte Zeit. Viel Zeit, um alle möglichen Pässe zu fahren und das gesamte Angebot in Anspruch zu nehmen.

Mit breiter Brust gegen breite Autos.

Die Dolomiten sind einzigartig. Ihre Geschichte faszinierend und gleichzeitig tragisch. Entstanden vor 250 Millionen Jahren sind sie heute eine Attraktion für viele. Auch für Autofahrer und Motorradfahrer. Und egal, wie breit die Dolomitenstraßen auch sind: Busse und SUV sind breiter.  Schade, dass dann immer nur ein paar schwarze Schafe das Erlebnis Rennradurlaub in den Dolomiten trügen. Wild hupende Italiener auch. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass es auch unter Rennradfahrern dunkelschwarze Schafte gibt. Denn wer in einer Kehre bergab durch Autos schlängelt und diese dann innen rechts überholt, hat entweder zu viel Testosteron oder zu wenig Hirn.

Man muss in den Dolomiten mit breiter Brust gegen breite Autos und Busse antreten und manchmal auch den sicheren Weg vom Rad wählen. Wenn ein öffentlicher Bus des Südtiroler Autobusdienstes (SAD) bergauf ein Überholmanöver startet, obwohl im Gegenverkehr gerade ein Kollege bergab fährt, wird es auf gleicher Höhe eng. Bus 1 bergwärts, Bus 2 talwärts und ein Rennrad sind wohl ein Rennrad oder ein Bus zu viel. So ist ein Sprung ins Bankett und ins Gras der sicherste Weg, eine solche Situation zu überleben, wenn ein Bus immer breiter wird, um den anderen Bus seine Rückspiegel zu retten. Ganz nebenbei, hat natürlich keiner was bemerkt. Ein offizielles Protestschreiben verläuft dann logischerweise im Sand. Bürokratische Mühlen mahlen langsam und Eier haben ist heutzutage keine Tugend mehr.

Dolomitenflair spüren. Natur, Kitsch und Tracht.

Die Dolomiten versprühen ein besonderes Flair. Natur, Kitsch und Tracht  begleiten dich hier auf jeden Tritt. Eine Naturarena, welche ihresgleichen sucht. Hier verschmelzen Tradition und Moderne zu einem einzigartigen Ganzen und einem Farbenspiel der Gegensätze. Alles wird hier perfekt in Szene gesetzt. Vieles ist von Natur aus gegeben, den Rest hat man gekonnt und klug dazugesellt.

Deshalb darf man die Dolomiten mit dem Rennrad nicht einfach nur so bereisen. Die Dolomiten verpflichten. Man muss sich mit Ihnen beschäftigen. Zeit dazu hätte man. Weil hier großartiges geleistet worden ist. Nicht nur im Straßenbau. Die Erschließung geht weit über die vielen Pässe hinaus und reicht bis auf fast jeden Gipfel. Wanderer, Kletterer, Luftschnapper, Ausflügler … hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Mit Maß und scharf an der Grenze des Übermaßes. Manche Eingriffe in die Natur wären aber nicht notwendig. Auch muss nicht jeder Gipfel mit einer Seilbahn erreichbar sein.

Mit dem Berg und nicht gegen den Berg. Das ist der Dolomiten-Walzer.

Als die Rennradreise noch in Planung war, zeigte sich schon das Dilemma der Dolomiten. Innerhalb kürzester Zeit waren ganze 17 Routen geplant. Für eine Woche Rennradurlaub einige zu viel. Der Verzicht ist also die größte Herausforderung, welche man sich als Rennradfahrer*in in den Dolomiten stellen muss. Das gezielte Auswählen eine Überwindung. Einmal in Fahrt aber geniest man jeden Höhenmeter umso mehr. Denn die Dolomitenpässe haben eine ganz besondere Eigenschaft. Sie haben die sanftesten Kehren im gesamten Alpenraum. Teilweise geht es in den Kehren sogar leicht bergab. So bekommt man Zeit sich zu erholen und Tempo aufzubauen. Das Bergauffahren wird zu einem Spiel der Kräfte. Ein schwungvoller Tanz nach oben. Mit dem Berg und nicht gegen den Berg. Das ist der Dolomiten-Walzer. 

Rennradurlaub in den Dolomiten ist praktisch. Man sieht viel, man erlebt viel und man lernt viel dazu. Das Ansteuern, Anbremsen und Antreten zum Beispiel. Bergab in den Kehren. Links, rechts und nochmals links und rechts. Ist die Straße frei und die nächste Kurve einsehbar, dann … natürlich immer schön nach der StVO. Das ist der Dolomiten-Swing.

Dolomitenpässe mit dem Rennrad entdecken

Das Dolomiten-Büffet. Aufruf zur Selbstbedienung.

Das riesige Dolomiten-Büffet war eröffnet. Wir haben uns reichlich selbst bedient. Einige Leckerbissen haben wir öfters geholt. So wie das Würzjoch, welches ganze viermal am Menüplan gestanden ist. Die würzige Variante von St. Martin in Thurn hinauf, die mehrgängige und schwer verdauliche Variante vom Villnössertal über St. Peter empor sowie die kalorienarme Route über Brixen und St. Andrä entlang. Alle Routen können natürlich via STRAVA abgerufen und heruntergeladen werden. Als Aperitif und Vorspeise empfehlen sich diverse Zu- und Anfahrten. Interessant die Rampenanfahrt von St. Ulrich hinauf Lajen und dann der Sturzflug über Gufidaun Richtung Villnössertal.

Zu den Dolomiten muss man eine Beziehung aufbauen. Sie sind kein One-Night-Stand. Wer ihnen einmal verfällt, der wird die Räder nicht mehr davon lassen können. Auch wenn es schwer ist, sich diesen Harem zu erhalten. Deshalb kommen wir wieder. Nächstes Jahr. dieKetterechts Rennradreise in die Dolomiten findet 2021 Mitte/Ende Juli statt. Um den genauen Termin nicht zu verpassen, einfach Newsletter anmelden. ⬇️

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Tipps für den Rennradurlaub in den Dolomiten.

Pastry Hotel Pineta in Rocca Pietore (beste süße Belohnungen)
Restaurant, Pizzeria La Tor in Stern (schnell und gut)
Villa Mayr Rooms & Suites in Vahrn (Essen und Übernachten)
Edelweißhütte Würzjoch (bestes Ködeltris)
Hotel de la Poste Cortina (decadentes Cortina Millionärsflair)
Hotel Kabis St. Peter Villnöss (traumhafte Terrasse mit Blick auf die Villnösser Geisler)
Cafè Corso St. Ulrich (Espresso Kick mit Aussicht)

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Rennradfahren in Niederösterreich – einmal rundherum.

Rennradfahren in Niederösterreich

Es könnte ein Hobby werden. Oder auch eine Sucht. Eine Sehnsucht. Das Rundherumfahren. Mit dem Rennrad ein Bundesland umrunden. Nach Vienna Roundabout und Burgenland Radlummadum hat sich dieses Mal Niederösterreich aufgedrängt. Solo, unsupported. 620 km und 6.000 Höhenmeter aufgeteilt auf zwei Tage. Tag eins mit dem Alpenvorland rund um Semmering, Adlitzgräben, Kalte Rinne, Höllental, Ochsattel, Kernhof, Gscheid, Annaberg, Wastl am Wald und das Waldviertel rund um das Kleine Yspsertal, Arbersbach, Weitra sowie Gmünd. Dazwischen die blaue Donau. Tag zwei mit noch einmal viel Waldviertel, die tschechische Grenze zu Südböhmen, viel an der Thaya, die Weingegend rund um Retz und dann viel und noch mehr geradeaus zwischen Laa (an der Thaya), Hohenau an der March, Dürnkrut und Hainburg. Rennradfahren in Niederösterreich ist bergig, hügelig und flach. Genau deswegen interessant und schön. Manchmal auch etwas monoton.

Bikepacking und das Rennradlerleben wird langsam.

Rennradfahren in Niederösterreich hat viele Facetten. Ich habe mir jene entlang der Grenzen zu Oberösterreich, Tschechien, Slowakei, dem Burgenland und der Steiermark vorgenommen. Die Strecke war jene des Race Around Niederösterreich. Mit leichten Adaptionen, um von Eisenstadt starten zu können und wieder in Eisenstadt ankommen zu müssen. Ein einfacher Plan: Zwei Mal über 300 km täglich. Mit jeweils 4.000 und 2.000 ungerecht aufgeteilten Höhenmetern. Alles einen Level höher als all das, was ich bisher im Sattel erleben durfte.

Mein Rennesel wurde schnell zum Packesel umgestylt. Der TopPeak Backloader 15L stand ihm gut und stramm. So wenig wie möglich und so viel wie nötig mitzunehmen ist und bleibt beim Bikepacking die Königsdisziplin. Erfahrung zahlt sich dabei immer aus. Der Frühstart war programmgemäß als früher Vogel hingelegt und ein kitschiger Sonnenaufgang begleitete mich ins Abenteuer. Zu Beginn gleich die erste Eingebung. Bikepacking macht das Rennradlerleben langsamer. Und unberechenbar. Zumindest das Handling des Rennrades. Erst als ich das kapiert hatte, kam ich in den Flow und der Pedaldruck wich dem Fahrgenuss.

Mathematik ist anstrengender als Rennradfahren.

600 Kilometer in 2 Tagen sind vor allem eine mathematische Herausforderung. Speziell am zweiten Tag, wo alles wieder bei null anfängt. Was man hatte, zählt dann nicht mehr. Ein harter Schlag. An beiden Tagen löste jeder Blick auf das Garmin-Display im Kopf eine Rechenaufgabe aus. Ich rechnete ständig herum. Kilometer, Höhenmeter, Zeit und Durchschnittsgeschwindigkeit mussten dem Ziel angepasst werden. Tagesziel, welches darin bestand, rechtzeitig bevor das Licht ausgehen würde, die schon im Vorfeld gebuchte Pension in Gmünd und das verdiente Bett in Eisenstadt zu erreichen. Gleichungen waren schon in der Schule meine Stärke und die Gefahr, mich zu verrechnen gering. Für den Fall hatte ich natürlich entsprechende Beleuchtung dabei. Vorne wie hinten.

Ein Highlight bei dieser ganzen Rechnerei war der erlösende psychologische Switch von “erst” zu “nur noch”. Wobei das “nur noch” am zweiten Tag erst bei 99 so richtig Freude aufkommen ließ. Eine schmerzverzerrte Freude.

Neben der vielen Rechnerei beschäftigte sich meine Ratio auch mit der Erfindung vieler Ausreden und Gründe, die Tour vielleicht doch noch zu vereinfachen. Am Anfang war das ein pragmatisches “Umdrehen”, später das Einreden, einen der vielen Bahnhöfe im Land aufzuspüren. Eine Verbindung nach Wien oder ST. Pölten sollte immer und überall zu finden sein. Perverser und unverschämt hingegen der immer wiederkehrende fromme Wunsch nach einem technischen Defekt. Je länger die Tour, desto erfinderischer wurde mein Geist. Es waren also nicht die müden Beine, die mich bremsten, sondern die Monotonie der Gedanken im Kopf.

Verkehrsarm und naturreich. Auch das ist Niederösterreich.

Das Waldviertel glänzt nicht unbedingt mit Abwechslung. Es geht hier auf und ab und dann wieder auf und ab und wenn es nicht auf und ab geht, dann geht es länger auf und ab. So gesehen war das wenig spannend. Also kämpfte ich mich von Lagerhaussilo zu Lagerhaussilo. Diese landwirtschaftlichen Leuchttürme waren stets am Horizont zu erkennen. Noch bevor der Kirchturm der nächsten Ortschaft sein Kirchturmspitze vorauswerfen konnte.

Interessant war auch die Tatsache, dass im Waldviertel 99 % der Orte an der Thaya liegen. An der Thaya hier, An der Thaya dort. Die Thaya selber habe ich nie gesehen. Oder einfach nicht bemerkt. Bemerkt, nein gemerkt habe ich mir hingegen die Autokennzeichen. WN, WB, NK, LF, SB, ME, ZT, GD, WT, HO, HL, MI,  GF, BL und BN – lauter Hirnnahrung. Wobei mir die Aufklärung der Herkunft GF am meisten Hirnschmalz gekostet hatte.

Auf meinem Weg rund um Niederösterreich war ich nicht nur allein unterwegs, sondern mutterseelenallein. Abgesehen von einigen “kritischen” Verbindungsstücken (Orstzentrum Wieselburg, Laa an der Thaya – Staatz, Wiener Neustadt – Neunkirchen) bei denen die LKW die Statik meines Packesels durcheinander gewirbelt haben, konnte ich die motorisierten und menschlichen Begleiterscheinungen auf meiner Nase zählen. Genial war das kleine Yspertal (L7285) bergauf nach Dorfstetten und dann weiter über die B119 nach Arbersbach. Oder die Abfahrt von Wastl am Wald (Cima Coppi der Niederösterreich-Umrundung auf 1.100 Meter Seehöhe) über Puchenstuben und St. Anton an der Jeßnitz nach Scheibbs (B28 und B25). Nicht zu vergessen der Anflug nach Retz von Hofern kommend durch die Weinberge (Reblaus Radweg/Windmühlenweg) oder das zufällige Ansteuern von Braunschlag aka Eisgarn. In Erinnerung bleibt mir auch das Teilstück des Traisental-Radweges hinauf nach Gscheid. Bist du g’scheit, war das steil. Rennradfahren in Niederösterreich. Verkehrsarm, naturreich und serienfilmreif.

Niederösterreich rundherum ist mittendrin.

Man muss sich bei solchen Umrundungen in das Rennradabenteuer einlassen können und man muss es zulassen. Und verlangsamen. Auch beim Bikepacking. Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Am Ziel angelangt gehört dann alles der Vergangenheit an. Niederösterreich rundherum war dieses starke Mittendrin. Mittendrin im Abenteuer. Bestehend aus sportlicher Herausforderung und lokaler Neugier. Was ist wo und was ist warum? Lernen und Rennradfahren fürs Leben. Eine bessere Schule gibt es nicht.

Ich hatte Glück mit dem Wetter. Kein einziger Tropfen hat mich erwischt. Und das obwohl rundherum Starkregen und Gewitter gewütet haben. Glück hatte ich auch, keinen Defekt bekommen zu haben. Das Karma hätte zuschlagen können, nachdem im Kopf der Wunsch danach Vater des Gedanken gewesen ist. 

Ich habe auf Holz geklopft, damit nichts passiert und ich bin auf Holz gefahren. Damit eben nichts passiert. Den tschechischen LKW-Fahrer verbuchen wir als Ausnahme. Ein Sattelzug hätte mich in der 90° Kurve fast erdrückt. Dumm (saudumm) von ihm, dass er mich davor noch überholt hatte. Gut für mich, dass man am Bankett auch Radfahren kann. Etwas tief in der Erde, aber immerhin.

Rennradfahren in Niederösterreich hat mir neue Möglichkeiten und Gegenden gezeigt. Plätze, die ich gerne wieder besuchen möchte. Zuerst kommt aber noch Oberösterreich. Eine weitere Challenge. Ich weiß nicht ob ich schon erwähnt habe, dass das Umrunden eines Bundeslandes zum Hobby werden könnte? Und zur Sucht.

ktrchts
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Track Route Tag 1.
Track Route Tag 2.

Rund ums Burgenland. Chroniken einer Schnapsidee.

Rund ums Burgenland

Eine lange Rennradreise rund um Eisenstadt war gestern. Eine etwas längere rund ums Burgenland hingegen lebt aktuell noch nach. Es ist als würde ich noch am Rad sitzen. Mit müden Beinen und einem Dauerhunger ist an einen normalen Alltag noch nicht zu denken. 575 km in zwei Tagen, dazu 5.400 Höhenmeter bei einer Affenhitze steckt mein 50+ Körper nicht mehr so leicht weg. Also: rund ums Burgenland war eine Schnapsidee. Anders formuliert, eine ziemlich geile. Kann man machen, muss man nicht, macht man aber trotzdem.

Radlummadum gegen den Uhrzeigersinn.

Es wäre egal gewesen. Im oder gegen den Uhrzeigersinn. Denn einen Sinn ergeben solche Aktionen kaum. Vielleicht eher noch das Kennenlernen eines Bundeslandes, welches man in den letzten Jahren ins Herz geschlossen hat. Rund ums Burgenland war nicht geplant. Jedoch war es eine logische Schlussfolgerung. Geboren, um den längsten Tag im Jahr am Rad zu verbringen. Zuerst als eine feine Runde zu allen Burgen des Burgenlandes (und das sind einige) und dann als Tag- und Nachtchallenge “Burgenland-Radlummadum”. Weltuntergangsstimmung zur Sommersonnenwende hat diese Pläne leider (oder zum Glück) durchkreuzt. Wenngleich der Plan B schnell gefunden war. Was man in einem Tag nicht machen will, muss man locker in zwei Tagen schaffen.

Rund ums Burgenland

Inspiriert durch das Austria Race Across Burgenland, war die Tourplanung auch dank komoot kein wirkliches Problem. Was wiederum nicht ganz stimmt. Denn die Planung selbst ist eine Sache. Das Wissen um die Fahrbarkeit einzelner Streckenabschnitte eine andere viel wichtigere. Diesmal habe ich bei der Routenplanung nämlich den Fehler gemacht, komoot die Freiheit zu geben, die von mir geplante Tour zu “optimieren”. Ohne zu wissen, was komoot unter Optimierung verstehen würde. Das Ergebnis waren teils Rampen, die jede*r Rennradfaher*in so freiwillig nie fahren würde und Schotterpassagen, die den “Strade Bianche” um nichts nachhingen. Ich habe nicht gewusst das ClimbPro von Garmin neben dunkelrot für steil eine noch dunklere Farbe für burgenländische Rampen im Programm hat.

Spätestens beim Anstieg von Stuben nach Dreihütten hatte die Runde gegen den Uhrzeigersinn ihren mehr als berechtigten Sinn. Diesen Streckenabschnitt bergab zu fahren wäre lebensmüde gewesen. Egal. In Zukunft komoot ja, aber mit Vorbehalt. Vertrauen ist gut, selber planen ist besser.

Zweigeteiltes Burgenland.

Niederösterreich, Steiermark, Slowenien, Ungarn und Slowakei. Das Burgenland hat viele Nachbarn. Und es ist zweigeteilt. Flach, nein ziemlich flach und hügelig, nein ziemlich buckelig. Ziel war es, auf der Radlummadum-Tour, die Nachbarn nicht zu besuchen, sondern möglichst nahe an deren Grenze zu bleiben und dieser zu folgen. Nicht, weil wir unfreundlich waren bzw. sind, sondern weil das die Philosophie eine Umrundung ist. Teilweise passte auf der Route kein 25 mm breiter Reifen zwischen hier und dort hinen. Die Straßen waren die Grenzen und die Grenzen waren allgegenwärtig. Ebenfalls die Grenzsteine, die Grenzübergänge und die Grenzsoldaten des Bundesheeres. Kalch, Bonisdorf, Deutsch Schützen, Kölbereck, Rattersdorf, Eisenberg, Lutzmannsburg, Kittsee, Nickelsdorf, Nikitsch, Deutschkreutz – früher ging hier der Eiserne Vorhang vorbei oder sogar mitten durch.

Drei Ausnahmen haben wir hinnehmen müssen. In Loipersdorf verirrten wir uns kurz auf steirisches Hoheitsgebiet und zwischen Deutschkreutz und Pamhagen haben wir uns durch das Nachbarland Ungarn geschlichen, um das Nadelöhr Sieggrabner Sattel zu vermeiden bzw. nicht doppelt fahren zu müssen. Aber auch um uns eine Schifffahrt über den Neusiedlersee zu ersparen. Zum Ende hin haben wir auch noch Niederösterreich betreten. Wir haben uns die “Hölle des Ostens”, ergo Panzerstraße ersparen müssen und wollen. Das wären epische 3,8 km Kopfsteinpflaster gewesen.

Radwege und Rennradstraßen.

Das Burgenland hat viele Radwege und das Radnetz ist teilweise gut ausgebaut. Über den Zustand der Radwege kann man gerne diskutieren. Denn wie mir ein Landwirt schon einmal versucht hatte zu erklären, sind Radwege im Burgenland oft keine Radwege, sondern landwirtschaftliche Güterwege, die Radfahrer benutzen dürfen. Mit Betonung auf “dürfen” – Nachrang inklusive. Landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge und Räder teilen sich dort das Nutzungsrecht, den Dreck, den Schotter, die Schlaglöcher und die Mopedautos sowie die Einheimischen.

Alle Radwege zu kennen ist unmöglich. Einige zu erwischen schon. Uns hat es die Paradiesroute Südburgenland angetan. Sie verfolgte uns und wir folgten ihr. Auch im Norden sind wir teils auf feine und grobe landwirtschaftliche Güterwege ausgewichen. Zum Beispiel zwischen Parndorf und Bruckneudorf, einer der Sorte fein. Ansonsten hatten wir Vorliebe für die Nebenstraßen. Diese sind im Burgenland von Haus aus ruhig und verkehrsarm. Außerdem sind sie im Optimierungsalgorithmus von komoot.  Wenngleich auch nicht immer nützlich und förderlich. An den Wochenenden ist das Burgenland abseits der touristischen Hotspots und Wiener Enklaven sowieso wie ausgestorben.

Besonderes Highlight war ein neuer Radweg zwischen Fertöd und Pamhagen. Eine wunderbare zweispurige Autobahn. Dass man sich von den Ungarn in Sachen Straßenbau etwas abschauen kann, hat mich sehr überrascht.

Die Sonnenseite Österreichs.

Das Burgenland ist während unserer Rennradreise seinem Schlachtruf als Sonnenseite Österreichs, mehr als gerecht geworden. Zwei Sommertage der Superlative. Mit täglich 14 Stunden Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30°. Deshalb waren wir teilweise froh, uns bewegen zu müssen. Denn kaum gestanden sind unsere Cleats mit dem Asphalt verschmolzen. Aus diesem Grund haben wir  Wirtshäuser, Wasserstellen und Tankstellen geplündert. Es gab Toast, Twinna, 0,0 % Radler, Bifi roll, Haribo Gummibärchen und jede Menge kühle Getränke. Das kalte Wasser in unseren Trinkflaschen wurde dann binnen weniger Minuten zu Kochwasser. Die ewigen Geraden im Seewinkel verschärften die Situation und waren für die Psyche keine wirkliche Hilfe. Wie damals am Mont Ventoux.

Ich weiß nicht, was anstrengender war. Die 324 km und die 4.000 Höhenmeter vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang am ersten Tag oder die Monotonie der pannonischen Tiefebene am zweiten. Auf alle Fälle war es die Reise wert. Wir haben ein paar neue Flecken Burgenland entdeckt und einige Straßen mit dem Rennrad wohl entjungfert. Weiters sind wir Rampen gefahren, die wir freiwillig nicht mehr fahren müssen. Und wir haben den burgenländischen Rennradsommer mit weit offenem Trikot genossen. Visit Burgenland haben sie gesagt. Wir haben das Burgenland umrundet.

Zahlen, Daten, Fakten.

Rund ums Burgenland: 575 km und 5.430 Höhenmeter
Start Eisenstadt: 27.6.2020 0500 Uhr
Ankunft: Eisenstadt: 28.6.2020 1900 Uhr
Zwischenstopp: Großpetersdorf Gasthof Wurglits

Tag 1: 324 km und 4.030 Höhenmeter
Tag 2: 251 km und 1.400 Höhenmeter

Südlichster Punkt: Kalch
Nördlichster Punkt: Kittsee

Grenzen: Niederösterreich, Steiermark, Slowenien, Ungarn, Slowakei

Highlights: Pilgersdorf – Kogl/Redschlag, Stuben – Dreihütten, alles rund um Kalch, Langlaufloipe in Deutsch Kaltenbrunn, das Cafe Tankstöl in Pilgersdorf, alle Wasserstellen allen voran jene in Pama (Bijelo Selo), ein Off-Grid Abschnitt (dank komoot) zwischen Aschau und Pinkafeld bei der Valtlmühle und ein Wiener Autofahrer (Lancia Delta Kennzeichen W-120xx Y) der meinte er müsse sonntags gegen 1900 Uhr im Ortsgebiet Schützen Uhr vier Radfahrer*innen ins Jenseits befördern.

Danke an alle, die mitgefahren sind und an die Tagesbegleiter. Ein besonderes Dankeschön auch an Melitta für den Gepäcktransport. 🎒

Fotokredits: Siggi, Manuel, Andreas, Ariane, Roman, dieKetterechts

ktrchts
#machurlaubfahrrennrad

PS: Dieser Blogbeitrag ist keine Werbung fürs Burgenland. Wieder einmal sind keine Millionen geflossen und auch keine Sachbezüge übergeben worden. Schade eigentlich. Ich denke, ich hätte es mir verdient.