Schlagwort: Ketterechts

Internet – Fachhandel 0:1 (1. Halbzeit)

Ready to track.

Was ich bereits gebloggt habe. Mein Dilemma, (m)ein Bahnrad im Internet oder im Fachhandel zu kaufen. Ich habe mich nicht nur entschieden, sondern die Entscheidung auch vollzogen. Gestern holte ich bei Bernhard Kohl das Fuji track 1.1 Modell 2014 ab.

Gesehen hatte ich das Bike bei Cycletec um € 799,-. Und im Fachhandel um € 1.250 –  1.299,-

Zur Entscheidung hole ich etwas aus. Natürlich habe ich mit Bernhard Kohl darüber gesprochen. Gemeinsam haben wir dann auch die Webseite des Internetanbieters angeschaut und das Rad auch um diesen Preis gesehen. Was ihn dazu veranlasst hat bei Fuji anzurufen und den Sachverhalt zu prüfen. Anscheinend (nach Aussage von Bernhard Kohl), hat Cycletec gar keine Räder bei Fuji gekauft. Ein Testkauf von Fuji bei Cycletec hat ergeben, dass das gewünschte Rad gar nicht verfügbar sei.

Wenn man es genau nimmt ein klarer Fall von Beschiss dem Kunden gegenüber. Unerlaubter Wettbewerb, Betrug und so … Eine alte Internetshop Masche. Kunden mit Angeboten anlocken, diese nicht verfügbar haben und dann hoffen, glauben bzw. dazu beitragen, dass der Kunde, wenn er schon mal auf der Seite ist, andere Käufe tätigt. Und möglicherweise diese wiederholt.

Ich kann jetzt nicht behaupten oder bestätigen, dass das so stimmt (Fuji bei Cycletec nicht verfügbar). Aber Cycletec sieht mich sicher nicht mehr wieder. Hat wiederum mit meinen Verständnis für Geschäfte und Deals zu tun.

Wurscht. Ich habe mein Rad bei Bernhard Kohl gekauft. Weil er mich zum Bahnfahren gebracht hat. Durch seine Initiative, Besuch im Ferry Dusika Stadion bei einem Wettkampf, Probefahren mit BMC Testrädern, Organisation der Jahreslizent und Anschaffung der Räder. Das muss ein Fachhändler erst einmal nachmachen.

Einen ausführlichen Bericht über das Fuji track 1.1, welches ich nicht mehr im Originalzustand verwende, demnächst. Muss noch an der richtigen Übersetzung und Position tüfteln. Eines vorweg: Der serienmäßig mitgelieferte OVAL Lenker im Style japanischer Keirinfahren ist ein Verbrechen gegen alle Posinggesetzte. Ich habe diesen auch gleich getauscht und mit einer Eigenkreation ersetzt.

Stay tuned.
Cristian Gemamto aka @_ketterechts

PS: Wer den OVAL Lenker haben will, erst steht zum Verkauf 😉

Internet vs Fachhandel. Der ewige Preiskampf.

€ 799,- vs € 1.299,-

Über meine Entscheidung im Ferry Dusika Stadion zu überwintern habe ich ja schon gebloggt. Die Jahreslizenz und somit den Zugang in das Wiener Oval habe ich heute abgeholt. Jetzt fehlt nur noch das passende Rad.

Nach langem hin- und her sowie diversen Recherchen im Internet inklusive Angebotsvergleichen hätte ich mich für das Fuji Track 1.1 entschieden. Auch wenn andere Mütter viel schönere Töchter hätten. Colnago, Bianchi, De Rosa, Pinarello – alle namhaften Marken führen auch Bahnräder. Diese sind aber schwer zu finden und kosten dazu mehr als ich mir leisten will (und kann). Das Fuji ist sicher ein sehr gutes Einstiegsmodell. Alurahmen und Carbongabel. Nur der Lenker ist serienmäßig Schrott (optisch). Der würde sowieso ausgetauscht werden.

Bei Cycletec habe ich das Rad um € 799,- gesehen. Bei einem namhaften Händler an den Toren von Wien um € 1.299. Gut. Zweiteres ist das 2014 Modell. Das billigere das 2013. Beide Räder unterscheiden sich lediglich durch die Lackierung.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wo zuschlagen. Einerseits bin ich ja niemanden was schuldig und könnte das Angebot im Internet nehmen. Andererseits würde ich aber auch beim Händler kaufen. So bin ich halt. Die Föderung der lokalen Wirtschaft liegt mir auch am Herzen. Doch ein Preisunterschied von € 500 ist rational kaum zu rechtfertigen. Der Händler sagt, dass er mit dem Preis aus dem Internet nicht mithalten kann.

Nach einer Lösung wird gesucht.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Bahnfahren. Meine Premiere.

Oval. Alles andere als trivial.

„Ich scheiß mich an.“ Das war mein einziger Gedanke, als ich das erste Mal im Innenfleld auf dem dicken blauen Streifen mit meinem Bahnrad die zigte Aufwärmrunde drehe während die anderren Rookies bereits Meter über mir mit den Fliekräften spielen. „Da komme ich nie hinauf. Und wenn, dann rutsche ich wie ein Kartoffelsack wieder runter.“ Mein nächster Gedanke.

Ich muss zugeben. In der Schule hatte ich keinen Physikunterricht. Vielleicht war es mir deshalb unerklärlich, wie ein Rad da oben überhaubt fahren kann. Ohne dass der Vorder- und der Hinterreifen abrutschen. Ich fahre also immer noch am dicken blauen Streifen. „Tempo. Tempo. Aufschließen“. Es war Florian, der mit der zweiten Gruppe bereits eine halbe Runde aufgeholt hatte. Ich war also der letzte der anderen.

Als Bernhard Kohl den Aufruf zum Bahnfahren startete war ich natürlich gleich dabei. Ich bin für Neues stets aufgeschlossen. Cool, denke ich mir. Ich holte mir theoretische Tipps aus dem Internet und probierte schon mal ein Rad in Kohls Geschäft aus. Keine Bremsen und kein Freilauf. Was soll das? Hmmm! Zu kurz war aber das Anprobieren. Die Gewöhnung an das Gerät nicht nennenswert lange genug. Ich konnte mir kaum was vorstellen. Außer, dass ich ohne Bremsen und ohne Freilauf fahren werde.

Freitag. Wir sind um 17 Uhr im Ferry Dusika Stadion. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich eine Bahn von innen und in echt. Der Vienna Grand Prix wird gerade ausgetragen. Ein internationales Rennen. Mit dem Weltmeister Robert Förstermann. Mister Oberschenkel. Einer seiner misst 73 cm Durchmesser. Das kriege ich nicht einmal mit meinen beiden zusammen hin. Seine Fotos aus dem Internet kennt man. Live sieht Herr Förstermann aus wie Popeye. Ohne jetzt wertend zu sein.

Keirin, Verfolgung, Punkterennen und Madison. Irgendwo schon mal gehört und gesehen. Aber nie live. Schaut alles nicht so schlimm aus. Von der Ferne. Kaum Zuseher. Bahnfahren ist eine Randrandrandsportart. Polen, Tschechen, Deutsche und junge Österreicher/Innen. Und eine Finnin, die aus 3 zarten Österreichern bestand. Ich schaute interessiert zu. Schnell plagten mich dann ein paar wesentliche Fragen. Wie groß wird der Splitter sein, den ich mir einziehen werde, wenn ich auf der Holzbahn ausrutsche bzw. hinfalle? Und kann ich mit dem Rad in der Steilkurve überhaupt fahren ohne, dass es mich auf die Goschn (Pappn, Fresse, Gesicht) wirft? Ich werde es wohl tags darauf selber erfahren.

Es ist Samstag. 8.30 Uhr. Ich bin im Innenfeld. Bernhard Kohl samt Manschaft richten uns die Räder her. Ich krieg ein BMC Alurad. Größe L. Dura Ace Kurbel. 170 mm Kurbellänge. Also kürzer wie üblich. Höheres Tretlager. Und eine Übersetzung von – uuups vergessen zu schauen. Bevor wir um 9.00 Uhr loslelgen eine kurze Einführung von Florian. „Ihr habt keine Bremsen und keinen Freilauf.“ Das kenne ich ja schon. „Und wie bremst man trotzdem?“ Gute Frage. Ich lausche zu. Gegen die Steilwand fahren, also nach oben. Tipp Nummer 1. Das bremst. Gegentreten. Bremst auch. Tut halt etwas weh in den Oberschenkeln und in den Knien. „Was ist, wenn die Kette reist. Passiert eh nicht?“ Was?  Die Kette reist? Ich bin gespannt auf die Lösung. Mit den Handschuhen auf den Reifen drücken und bremsen. Jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Die Handschuhe.

Es geht los. Aufsteigen. Losfahren und dann lernen abzusteigen. Alles nicht so einfach. Schon das Losfahren ist eine Kunst für sich. Ich probier es. Schnell habe ich es heraußen. Wie, das verrate ich nicht ;-). Absteigen. Auch nicht so schwer. Gegentreten und erst im letzten Moment aus den Pedalen steigen (ausklicken). Die ersten langsamen Runden drehen wir im Innenfeld und auf der Laufbahn. Solange keine Leichthleten da sind, ist das erlaubt. Dann gehts langsam auf das Holz. Und in die Nähe des dicken blauen Streifens. Immer schön treten. Was anders geht nicht. Nach ein paar Runden bin ich immer noch am blauen Streifen. Die anderen Rookies schon in der Höhe. Zum Glück wollte man uns langsam an das Bahnfahren heranführen.

Ich drehe immer noch weit unten meine Runden. In den Geraden wage ich mich etwas nach oben. In der Kurve aber treibt es mich automatisch nach unten. Ich schaffe es nicht die Kurve durchzuiehen. Etwas blockiert mich. Ich habe Schiss, dass ich abrutsche. Der Winkel Fahrrad und Steilwand kommt mir einfach physisch gesehen unmöglich vor. Ich breche einen Versuch nach dem anderen ab. Werde überholt, überrundet und durchgereicht. Ist das das Ende meiner beschaulichen und kurzlebigen Bahnfahrerkarriere.

Ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich schon als Kind kaum am Spielplatz Freude finden konnte. Eine Schauckel war der Tod für mich. Ein Ringelspiel auch. Achterbahnen kenne ich nur vom Fernsehen. Hinten auf einem Motorrad sitzen geht nur, wenn der Fahrer die 19 km/h nicht überschreitet.  Dafür sind 104,5 km/h am Rennrad kein Problem. Es ist also eine Kopfsache. Alles, wo ich das Gefühl habe, gesteuert zu werden ist mir ein Graus. Dort, wo ich keinen Einfluss habe einzugreifen bekomme ich Paniik. Und auf der Bahn, mit diesem Rad, ohne Bremsen und jeder Menge Leute ober, unter und neben mir war es nicht anders.

Eine kurze Pause. Wir treffen uns im Innenfeld. Alle werden gelobt. Alle? Nein. Es ist wohl aufgefallen, dass ich etwas ängstlicher bin. Ich kriege einen Spezialcoach. Bernhard himself und Florian pushen mich. Und ich kämpfe mit mir selber. Ich will und muss es schaffen. Ich fahre nochmals raus. Mit den anderen. Beschleunige. Nehme das Hinterrad von Bernhard. In der Geraden. Es geht in die Kurve. Ich bleibe leicht oben. Lenke gegen die Fahrrichtung. Motorradfahrer kennen das. Links fahren, aber rechts lenken. Unlogisch. Aber beim Driften mit meinem ex Audi Quattro war das auch so. Bricht das Heck in der Linkskurve aus, muss ich nach rechts lenken (leicht lenken), um es wieder einzufangen.

Mein Blick in der Linkskurve (Steilkurve 45 Grad) also nach rechts. „Mehr Schwung. 15 km mehr.“ Bernhards Worte höre ich kaum. Ich bin verspannt. Konzentriert. Ich beschleunige. Und ziehe die Kurve durch. Puls weit über 180. Schweißgebadet. Ich fahre weiter. Die nächste Steilkurve. Wieder Augen zu und durch. Es geht. Gleich weiter. Und immer höher. Kurve für Kurve. Ich kriege Sicherheit. Das Rad rutscht nicht. Physik eben. Oder einfach nur Glück. Die Fliekräfte sind jetzt meine Freunde. Und Freunde meienr Drahtreifen. Ich mag Freunde. Vor allem, wenn auf sie Verlass ist. Blind.

Leider ist es schon zu Ende. Die nächste Gruppe wartet. Ich nehme mir noch das Recht, ein paar Runden zu drehen. Ich bin fast allein auf der Bahn. Und fahre die Kurven am äußersten oberen Rad an und lasse mich dann am Ende nach unten treiben. Das beschleunigt. Etwas mulmig ist mir noch. Es könnte ja unten noch jemand daherkommen. Die zweite Gruppe beispielsweise. Noch eine Runde. Unbedingt. Meine Karriere als Bahnfarer startet erst gerade. Ein Spätzünder. Was für Parallelen mit meinem bisherigen Leben. Ich brauche etwas länger. Kann halt dann auch länger. Dann kommt Bernhard Kohl mit einer neuen Teilnehmerin. Sie fahren unten. Ich oben. Ca 1. Runde vor mir. Ich beschleunige, Runde für Runde hole ich auf. Zum Überholen muss ich ganz nach oben. Das schaut schon fast nach irgendetwas aus, das mit Bahnfahren zu tun hat. Ich grinse im gesamtne Gesicht. Und lass mich lautstark bemerken. In der Kurve am steilsten Stück fahre ich vorbei. Bernhard fährt gefühlsmäßig 20 Meter unter mir! Das ist Bahnfahren. Und ich habe es erlebt. Ein Sieg gegen mich selbst.

Nach ca. 50 Minuten ist alles aus. Meine Beine zittern. Meine Oberschenkel brennen. Es war saugeil. Ich komme wieder. Mit Leihrad und Lizenz. Regelmäßig, wenn’s geht. Ein eigenes Rad? Kostet an die € 3.000,-. Das ist zuviel. Ich will ja einen Crosser. Aber vielleicht schaue ich mich um ein gebrauchtes Bahnrad um. 

Spinning war gestern. Heute ist Bahnfahren. Und Crosser. Der Winter kann kommen. Ich bin bereit. Danke Bernhard Kohl. Danke Wien. Danke Ferry Dusika.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

PS. Sollte jemand auf den Geschmack gekommen sein. Bitte nicht machen. Ich brauche eine Bahn für micht. Bis ich noch sicherer werde. Und schneller. Dann können wir sprinten, keirinen, uns verfolgen (zu Zweit oder zu Viert) und madisonen.

Ich bin Crossrad schwanger.

Crosser mit hydraulischen Scheibenbremsen.

Jetzt hat es mich erwischt. Ein Crossrad muss her. Schon seit Jahren verfolgt mich dieser Wunsch. Und wie immer dauert es bei mir eben etwas länger. Mein erstes Pinarello habe ich auch 5 Jahre nachdem ich stets davon geschwärmt haben gekauft.

Jetzt hat es mich erwischt. Voll. Ich will durch den Winter crossen. Auch weil ich umgezogen bin und dort wo ich jetzt zu Hause bin, die Berge weit weg sind. So dass ich kaum zum Freeriden, Langlaufen oder Skitouren gehen kommen kann. Und mein Fitness-Center ums Eck ist verschwunden. Der Nachfolger hat keine Spinningräder, mein Daum ist rostig und eine Walze/Rolle mag ich nicht. Auch habe ich keinen Platz dafür. Wegen des Kleinkindes.

Jetzt hat es mich erwischt. Ich will crossen. In Wien gibt es sogar einen Cup (RC Schnecke). Und Bernhard Kohl will einen neuen ins Leben rufen. Ab Mitte November 2013.

Damit fängt es an. Welches Crossrad? Kompliziert. Denn es gilt sich umzustellen. Crossrad ist nicht Rennrad. Und Crossrad ist nicht MTB. Wobei die MTB Welt habe ich schon vor langem verlassen. Mein Alu MTB mit Marzocchi Federgabel ist ein 25kg Urgestein und kaum mehr fahrbar.

Es fängt schon mal damit an, dass das Angebot immer umfangreicher wird, weil die Industrie das Potential erkannt hat. Italien, Holland, Belgien … diese Radnationen crossen schon seit ewig. Jetzt soll auch Österreich crossen. Und ich.

Beim Kauf von Sportgeräten bin ich halt einer, der nicht gleich das Billigste haben will. Natülrich will ich das Beste. Doch auch mein Budget ist nicht nach oben unbegrenzt. So gilt es zu sondieren. Ab € 1.000 ist man eigentlich dabei. Mit einem Alu-Rahmen und Tectro Cantilever Bremsen.

Bei Bernhard Kohl bin ich auf das Begamont PrimeCX Team gestoßen. Ein Vollcarbon Crosser mit hydraulischen SRAM Scheibenbremsen. Das Thema Scheibenbremsen habe ich schon mal getrennt erörtert. Und ich bin dagegen. Auf Rennrädern. Bei MTB’s und Crossern mittlerweile ein Befürworter. Auch wegen der bombastischen Optik. Gestestet habe ich sie auch. Die normalen Cantilever Bremsen und die mechanischen Scheibenbremsen. Vergesst es. Wenn man im trockenen schon kaum stehen bleibt und eine Verzögerung hat. Wie wird das dann draußen im Dreck und im Nassen sein? Auf einem Rundkurs mit ständigem auf und ab?


Das Bergamont übersteigt zwar meine Budgetvorstellugnen (bin ein ordentlicher Kaufmann). Klingt aber im Vergleich zu den Top Modellen (zB. Cannondale CAADX und SUPERX oder Colnago WORLDCUP oder PRESTIGE ) vernünftig.

Ich muss rechnen. Und budgettieren. Aber es muss sich ausgehen. Rennrad fahren – ok crossen – auf Wiesen und Feldern. Im Schnee. Im Gelände. Und auch auf der normalen Straße. Eine perfekte Alternative zum Spinningrad.

Jetzt hat es mich erwischt. Ich will meine Rennradsaison auf 365 Tage verlängern. Und ich will es in so einem Cup versuchen.

Stay tuned. Mal sehen, wie weit ich mit meinem rechnen, budgetieren und träumen komme.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts.

Familienurlaub auf Mallorca. Teil 1.

Wir schreiben September 2013. Ironman, qualdich.de Tauernrundfahrt und Dolomiten 2013 sowie der Ötztaler Radmarathon sind bereits Geschte und der versprochene Familienurlaub musste angetreten werden. Geplant war Griechenland. Geworden ist es Mallorca. Das alles ist nicht von mir gesteuert worden. Es ist einfach passiert. Als ich davon in Kenntnis gesetzt worden bin, war ich natürlich mehr als nur erfreut. Zu allem Zufall, war das ausgesuchte Hotel in Playa del Muro auch noch ein Max Hürzeler Partnerhotel. „Darf ich einen Tag Rad fahren?“ war natürlich die obligate Frage. Zu meiner Freude wurde diese positiv beantwortet.

Abflug von Wien am Samstag. Ankunft auf Mallorca und Bezug des Hotels noch am selben Tag. 2009 war ich zuletzt auf der Insel. 10 Tage lang. Ende März/Anfang April. 8 Tage hatten wir damals Regen. Ich nutze gleich die Gelegenheit um mich schlau zu machen. Ein kleiner Lauf durch die noch bestens in Erinnerung gebliebene Ramschmeile Richtung Alcudia. Ziel die Vermietstation von Max Hürzeler. Kurze Info, was wie viel kosten würde und zurück ins Hotel. Am Sonntag dann gleich vor dem Frühstück ein 10 km Lauf. Am Strand. Von Playa del Muro nach Can Picafort und dann auf der Hauptstraße zurück ins Hotel. Wie damals. Nur halt etwas langsamer. Seit dem Ironman Anfang Juli war ich ca 3 oder 4x laufen. Am Nachmittag dann noch ein Open Water Schwimmen im 24 Grad warmen Meer bei hohem Wellengang. Nach 500 Metern und einer unerfreulichen Begegnung mit einer Qualle habe ich das Thema Schwimmen für die nächsten Tagen ad Acta gelegt. Noch 30 Minuten im der bestens ausgestatteten Kraftkammer rundeten den Sonntag ab.

Am Montag dann ging es mit Erlaubnis der Familie von Playa del Muro zum Cap de Formentor. Vorbei an Alcudia und Port de Pollenca. Und dann hinauf. Mallorca im September hat was eigenes. Weil man glaubt besser in Form zu sein als im Frühjahr, wo man quasi die Form hier finden möchte. So bin ich auch die Straße hochgefahren. Bis zum Defekt der Di2 am Cube Agree Vollcarbon, welches extra für mich zusammengebaut wurde. Das Rad war also mehr als nur neu. Ich konnte hinten nicht mehr schalten. Vorne gings. Also 50/25 für die restlichen 45 von 65 Kilometern. Bergauf war das ja noch kein Problem. Aber bergab einfach nur rollen. Das war nicht meins. Deprimierend. Das halbflache Stück unten zwischen Formentor und den weiteren kurzen Kehren zum Tunnel waren dann mit 50/25 zu stark (der Asphalt hier ist eine Katastrophe) und mit 34/25 zu leicht. Keine Ahnung wie oft ich vorne auf den 3 km das Kettenblatt gewechselt habe. Egal. Der Leuchtturm musste erreicht werden. Und er wurde erreicht. Auch der Weg retour. Zwischenzeitlich hatte sich auch die Sonne wieder von ihre starken Seite gezeigt. Mallorca im September ist schon was anderes als im Frühjahr. Unten in Port de Pollenca habe ich versucht händisch die Kette auf ein angemessenes Ritzel zu bringen. Außer eingezwickten Fingern, brachte dieses Vorhaben kein zufriedenstellendes Ergebnis. So ging es extremkurbelnd (50/25) 15 km zurück nach Playa del Muro. Direkt zu Max Hürzeler. Kann passieren sagte man dort. Darf nicht passieren sagte ich. Wir konnten uns nicht einigen. Ich bekam einen neuen Akku.

Zurück im Hotel der Deal mit der Familie für die restlichen Tage. 2 Ausflüge mit Mietauto. 2 Ausflüge mit dem Rennrad. Ein Ausflug mit einem Mietauto ist sich ausgegangen. Highlight Port Soller und die Altstadt von Palma. Ein Ausflug mit dem Rennrad ist sich auch ausgegangen. Dazu später. Der Rest des Planes ist irgend etwas zum Opfer gefallen, was mich einen ganzen Tag im Bett und am WC verbringen ließ. Ohne Essen. Das war nicht möglich. Ich bin an diesem Tag um eine Kleidergröße geschrumpft.

So kam es auch, dass meine Mallorca Deluxe Tour (180 km und 4000 HM) zur Tortour wurde. Ich für etwas später als geplant weg. Denn vorher musste ich wieder zu Max Hürzeler. Wieder was passte mit der Di2 nicht. Diesmal werkte der Mechaniker gute 20 Minuten an diesem elektronischem Ungeheuer herum. Bis er mit brachialer Gewalt das Ausfallende bog, damit beim Schalten auch die kleinsten Gänge bedient werden konnte. „Manchmal liegt es ganz woanders, als vermutet“ die Begründung dieses Schrittes.

Gut ich fuhr weg. Von Playa de Muro nach Sa Pobla. Gleich mit mehreren Mitstreitern im Windschatten. Ohne zu fragen haben, die sich dort eingenistet. Von Sa Pobla dann Richtung Büger, Campanet, Moscari, Selva, Biniamar und Lloseta. Ein paar Mal habe ich mich da schon verfahren. Und einen Unfall hätte ich obendrauf auch noch gehabt. Als ich eine vor mir fahrende Gruppe überhole (ca. 10 – 12 Radfahrer) hat jeder, den ich überholt habe geschrieben „Radfahrer von Links“. Nur der ganz am Anfang der Gruppe fahrenden dürfte das egal gewesen sein. Denn sie bog als ich am überholen war, einfach links ab. Vollbremsung. Di2 Bremsen auf DTSwiss/Cube Felgen haben ihren Test bestanden. Ich bin dabei von der richtigen Route etwas abgekommen und ca 1 km falsch Richtung Pollenca bergab gefahren. Als ich wenden wollte hatte ich bergauf den falschen Gang. Die Di2 nicht beherrschend, habe ich mich so was von verschalten, dass die Kette sich so was von verkeilte, dass ich so was von nicht mehr weiter fahren konnte, dass ich so was von einen Grant hatte, dass ich so was von weinen hätte können. Denn ich bin der schlechteste Mechaniker der Welt und habe die schlechteste Geduld. Irgendwie schaffte ich es doch. Der Kettenstrebenschutz des Cube Agree musste dabei daran glauben. Ich hinterließ ihn dort. Fein begraben unter Steinen.

Zu erwähnen in diesem Zusammenhang, dass zwar die kleinsten Gänge der Di2 funktionierten. Dafür aber der ganz große (34/25) nicht. Der schaltetet automatisch immer einen Gang höher. Ich bin also von Fixie zum Automatikgetriebe gewechselt. 

Wie gesagt war ich 2009 das letzte Mal auf Mallorca. Auch damals sind wir nach Orient hinauf. Das wollte ich auch heute. Laut Karte von Alarò nach Bunyola. Alarò fand ich. Doch zur Zufall und über einen extra Berg. Dort traf ich auch 2 britische Fahrerinnen, welche sich Zick Zack auf eben diesen hinaufquälten.

Als ich dann Richtung Orient unterwegs war hatte ich einmal einen Orientierungssupergau. denn ich fuhr nach Orient hinauf, wo wir 2009 runter gefahren sind. Und das hat mich mehr als irritiert. Meine Erinnerungen an 2009 waren wohl nicht exakt genug. Richtig oder falsch unterwegs? Ich hatte kein gutes Gefühl. Der Anstieg von Alarò ist ca. 5 km bei 5,5% keine große Herausforderung. Außer man ist tags zuvor im Bett gelegen und am WC gesessen. Schon jetzt wusste ich. Das wird ein langer Tag. Die Straße zog sich, dann nach Orient und einem längeren Flachstück gings wieder hoch. Kurvenreich. Die Abfahrt nach Banyola konnte ich kaum genießen. Unten eine flüssige Stärkung. Feste Nahrung aufzunehmen war nicht mehr möglich. Den Anstieg zum Col de Soller hab ich dann gleich mitgenommen um in Soller selber Rast zu machen. Normal fliegst du dort im September in der Blüte deiner Form nur so hoch, als hättest du einen Akkumotor in deinen Beinen. Ich habe mich gequält, als wären das mindestens Zoncolan Werte. Schande. Und ich dachte an die Familie. An den Strand. An den Pool.

Bis Soller waren es bereits 80 km und 1.700 HM.

Fortsetzung folgt.

Dolomiten 2013 by quaeldich.de. Mein Rückblick

Über 700 km und 23.000 Höhenmete für die Optionsfahrer.

Seiser Alm. Kreuztal. Würzjoch. Furkelpass. Staller Sattel. Lucknerhaus. Pustertaler Höhenstraße. Hochstein. Tre Cime di Lavaredo/Rifugio Auronzo. Passe 3 Croci. Passo Giau. Passo Staulanza. Passo Duran. Forcella Aurine. Passo Cereda. Passo Rolle. Passo di Valles. Passo San Pellegrino. Passo Fedaia (2x, von Canazei und von Malga Ciapela aus). Passo Pordoi. Passo Falzarego (2x, von Cernadoi und von Cortina aus). Passo Valparola. Passo Campolongo. Passo Gardena. Passo Sella. Rifugio Gardeccia. Passo Costalunga. 8 Tage en suite am Rad und am Zahnfleisch. quaeldich.de Dolomiten 2013 ist Geschichte. Zeit zu resümieren und in Erinngerungen zu schwelgen. Tief sind noch die Emotionen und die Wunden. Greifbar das Erlebte. Stark die Empfindungen. Lebendig die Bilder. Spürbar die Anstrengung.

Es war einfach genial. So viel Erlebtes in einem Wort zu fassen ist schwierig. Ich bleibe einfach beim Wort genial. 7 Tage quaeldich.de Dolomiten 2013. 7 Tage ideales Wetter. 7 Tage perfekte Organisation und Betreuung. 7 Tage erstklassige Unterkünfte und kulinarische Schmankerln. 7 Tage Konzentration aufs Bergauffahren. 7 Tage Kehren und einkehren. 7 Tage anbremsen und 7 Tage beschleunigen. 7 Tage Logistik. 7 Tage bloggen und 7 Tage posten. 7 Tage ein Leben wie ein Profi.

Hier die Highlights im Schnelldurchlauf.

quaeldich: Ein Name. Ein Programm. Dolomiten 2013 war kein Sonntagsspaziergang.

Roland Wagner: Guide, Organisator, lebendes Tourbuch, Garmintracker, Südtirolerer als ich. Sein zweiter Name ist Freytag & Berndt. Kennt jeden Gipfel. Kennt jeden Pass. Und er kennt kein Pardon, was Optionen, Options Optionen und Stichstraßen angeht.

Jahn Sahner: Chef. Tritt selbst in die Pedale. Macht sich am Berg und in den Abfahrten alle Ehre. Auch in Sachen Posing stets in den Top 3. Einzig die Straßenschuhe zum Frühstück samt Radress sollten ihm Abzüge bringen.

Florian Kohlschläger: Busfahrer. Mechanicker. Zwichendruchhöhenmetersammler. Tausendsassa. Und Poser vom Dienst. Abendessen und Frühstück mit Mütze, das rockt!

Stichstraße: So was kannte ich bis dato nicht. Weiß jetzt aber, dass so eine Straße Stichstraße heißt, weil sie dich sticht. Überall. Sie tut einfach weh. Hinauf und wieder herunter. Sie ist kurz, knackig, eng und steil. Hochstein, Tre Cime, Lucknerhaus und Rifugio Gardeccia – unsere Stichstraßen, falls wer den Worten hier nicht glauben schenken will.

Tre Cime/Rifugio Auronzo: Das sind 6 km bei einer durchschnittlichen Steigung von über 12%. Das ist Zickzack fahren. Das ist Vorderrad lupfen. Das ist fluchen. Das ist schwitzen. So etwas fährt man nicht freiwillig. Vor allem dann nicht, wenn zuvor die Pustertaler Höhenstraße samt Hochstein gefahren worden ist. Tre Cime, das ist Respekt vor jedem der da mit Muskelkraft hochfährt und Respekt für die Profis, welche hier hinauffliegen. Ich bin jedenfalls hinaufgekrochen. Immerhin bin ich nicht abgestiegen.

Kehren: Die Dolomiten sind das Land der Kehren. Ich habe Sie nicht alle gezählt. Allein der Passo Pordoi hatte 33 davon bergab und an die 29 bergauf. Der Passo Falzarego von Cernadoi 17 hinauf. 50 Kehren pro Tag? Das wären dann 350 Kehren. Die spektakulärsten bergauf waren: Staller Sattel, Passo Rolle, Passo Giau, Passo Falzarego und die klassische Sellarunde (Gardena, Pordoi, Sella, Campolong).

Abfahrt: Am letzten Tag galt es vom Passo Costalunga (Karerpass) auf 1.700m hinunter nach Bozen zu fahren. Knapp 32 km und 1.500 HM. Berabwärts. Wir waren in weniger als 30 Minuten am Ziel. Durch das Eggental. Laut Roli wurden wir sogar im Tunnel geblitzt. Einem sehr langen Tunnel. Abfallend und eimal nach rechts und einmal nach links ziehend. Dazwischen eine offene Passage. Bergab, Windschatten und einen Kamineffekt – so was geiles habe ich noch nie erlebt.

Hotel Pineta: Was nach Pineta klingt muss nicht zwangsläufig irgendwo in Lignano oder Jesolo sein. Knapp oberhalb von Caprile gelegen entpuppte sich dieses Hotel als ein Schlaraffenland. Keiner von uns hatte mit so einem Schlemmeressen gerechnet. Schon die selbstgemachten Tortellini mit Ricotta und Birnenstücke hätten ausgereicht, der Küche das Prädikat paradiesisch zu verleihen. Die Maccheroni mit Tomaten und Pilzen waren ebenbürtigt. Das Tüpfelchen auf dem „i“ und somit die ultimative Extase war das Nachspeisenpuffet. Als der Junior Chef des Hauses die gesamte Konditoreivitrine von der Bar auf den Buffettisch gebracht hatte, sahen wir uns alle erstaunt an. Als das Herankarren von Tiramisu, Creme Brulee, Fruchttörtchen, Vanillekrapfen, Sacher Torte, Bignès, Vanilleröllchen, Käsesahnekuchen und & Co. nicht aufhörte wurden die Augen aller größer als der Druchmesser unserer Laufräder. Sogar die eingefleischesten Asketen machen hier die Ausnahme und griffen zu als wäre dies eine Henkersmahlzeit. Gut, dass sich das ganze beim Frühstück wiederholt hat. Es gab nämlich welche, die am Vortag nicht genug bekommen haben.

PS: die zukünfigen Dolomitenfahren werden hier öfters wenn nicht ausschließlich halt machen.

Hotel Kolfuschgerhof: Dieses ****Hotel war nach dem Hotel Pineta an der Reihe. Am letzten Tag. Am Fuße des Passo Gardena. Pech. Für das Hotel. Und für uns. Super Hotel. Super Wellness (ja, es gab auch welche von uns die Wellness nutzen – meist jene, die abgekürzt haben). Typisches Gadertaler/Grödnertal Flair. Leider aber eine Diätküche. Gut, ein betuchter Münchner oder Mailänder wäre hier gut aufgehoben. Aber nicht 25 hungrige Radfahrer. Denn ein Großteil hatte an diesem Tag die 4.000 HM Marke überschritten. Das Saltatbuffet war in 3,9 s geplündert. Ständiger Nachschub überforderte das Personal. Die Suppe Standard. Die Schweinshaxn mit 1 (in Worten einer) Kartoffel nicht ganz artgerecht. Der Wunsch, nach einem Ersatzschnitzel wurde mit einem „sel geat net, mir hobn di Kuchl voll unter Strom“ quittiert. Die Vegetarianer unter uns (das sind italienische Vegetarier, deutsch ausgesprochen) bekamen eine Omelett so groß wie das 27er Kranzel hinten. Als ich mich dann als Südtiroler outete wäre plötzlich ein Fischfilet möglich gewesen. Zweiklassengesellschaft. Das Frühstück war ok. Nein es war gut. Denn wir bekommen echten Cappuccino und nicht Automatenkaffee.

Automatenkaffe:
Jetzt kriegt man auch schon in Italien in den Hotels Automatenkaffee. Dh. Wasser, Kaffeepulver und Milchpulver. Erhitzt und verdünnt. WTF!

Sprühpflaster: Das brennt wie die Hölle. Nachdem ich am zweiten Tag Bekanntschaft machen durfte mit dem Lienzer Asphalt war Sprühplaster die einzige logische Chance, die Tour fertig zu fahren. Die andere wäre gewesen, das Lienzer Spital aufzusuchen. Aber das lagen bereits 2 von uns. Eine weitere sollte tags darauf folgen. An die € 100 für Apothekenprodukte habe ich im Laufe der Tour verbraucht. Das Sprühpflaster hätte ich noch. Ich glaube ich stelle es auf eBay. Ansonsten war es Bepanthen, Voltaren, Leukoplast, Verbände jeder Art, Betaisodona Wundgel und was pflanzliches für den Schnupfen, den ich mir eingeholt habe.

Stürze: Wir hatten leider welche. So was kann passieren, wenn man in der Gruppe fährt. Es war in allen Fällen Pech der Auslöser. Denn wir sind soweit sehr diszipliniert gefahren und haben kein unnötiges Risiko genommen. Alles Gute nochmals allen Gestürzten.

Viecher: Es gibt sie. Gemeint sind nicht die weidenden Kühe, Schafe oder Pferde. Diese haben wir auch gesichtet. Gemeint sind jene Fahrer, die bergauf stehts vorne weg waren. Axel, Tobias, Niels, Oliver und bei Gelegenheit Roland und Jan. Ich hätte gerne auch das gegessen, was die gegessen haben. Chapeau. Zum Glück war ich verletzt und musste fotografieren. Somit hatte ich eine Ausrede für das Gruppetto.

Aufstiesgeschwindigkeit: Alles unter 1000 HM pro Stunde wurde gar nicht wahrgenommen. Von 1200 bis 1800 war die Rede. In der schnelleren Gruppe versteht sich. Was soll ich dazusagen. Ich musste fotografieren und bloggen. Und überhaupt war ich am zweiten Tag mit xx km/h auf den Asphalt geknallt. PS: die xx sind der Redaktion bekannt.

Posing: Auch wenn das nicht meiner Philosophie entspricht. Es gab Teilnehmer mit unrasierten Beinen und mit schmutzigen Rennräder. Der eine und andere sogar schneller als ich. Das ist doppelte Strafe. Aber vielleicht habe ich mir diese ja verdient. Sogar Trekkingbikes hatten wir dabei. Und Gepäcksträger. Tja. Es gibt halt immer noch ungläubige und unbelehrbare Schäfchen auf dieser Welt.

Helden: Es gabe viele Helden. Es gab nur Helden. Die einen weil sie schnell waren. Die anderen, weil sie aufhörten bevor es zu spät hätte werden können. Andere wieder sind über sich hinausgewachsen. Großen Heldenrespekt auch an Neal und Manuel. Ersterer saß 4 Tage nach seiner Operation (Schlüsselbein, Schulterblatt, Rippen) am Ergometer. Zweiterer nach dem doppelten Kieferbruch in der Schweiz bei flüssiger Ernährung. Angemeldet für eine quaeldich.de Tour im Frühjahr. Freaks!

Bremsen: Wichtigstes Element bei so einer Tour über viele, viele Höhenmeter. Da es fast nur bergauf und bergab ging, haben wir an die 300 Abfahrtskilometer hinter uns. Meine nagelneuen Bremsgummist haben sich ausgezahlt. Richtig dosiert haben sie mich brav nach Hause gebracht.

Kaiserschmarren: So mancher Aktivist behauptet, dass Südtirol nicht Italien sei. Ich behaupte, dass Südtirol nicht Österreich ist. Denn nirgends haben wir einen Kaiserschmarren bekommen. Jan hätte so gerne einen gehabt. Dafür haben wir Polenta und Tagliatelle ai funghi bekommen. Mehr als nur ebenbürtiger Ersatz. Und es gab auch keinen aufgewärmten Apfelstrudel mit aufgewärmter Vanillesouce. Danke.

Wertung: Dolomiten 2013 war kein Rennen. Ich weiß. Trotzdem war ich stets bester Italiener. Und in der Gesamtwertung der Optionszieher bin ich nach Roli (Guide) und Tobias (Dresdner Bolzer) jener, der die meisten Kilometer und Höhenmeter mitgemacht hat. Außer Wertung und Reichweite Axel. Der hat sich da und dort seine eigent Tour zusammengestellt.

Pizza: Ganz kurz: Die Pizzeria beim/am Helmhotel in Vierschach. Mehr muss ich nicht sagen.

Bevor ich hier jetzt einen Roman verfasse mache ich Schluss. Nochmals danke quaeldich.de. Danke Jan. Danke Roland. Danke Thorsten. Danke Florian. Und danke euch fürs folgen. Vielleicht sehe ich einen von Euch nächstes Jahr. Die Touren 2014 von quaeldich.de sind bereits alle ausgeschrieben.

Stay tuned.
Cristian Gemamto aka @_ketterechts

Dolomiten 2013.

Le Tre Cime di Lavaredo.

Wieder eine quaeldich.de Tour für Ketterechts. Diesmal geht es in die Dolomiten. Insgesamt warten mindestens 611 km und 15.700 Höhenmeter, welche in 7 Tagen bewältigt werden können. Mindestens, weil es immer eine A Tour und eine B Tour geben wird. Die B Tour (B für brutal) ist ein kleiner Umweg von ettlichen Höhenmetern. Entweder gleich am Anfag der Etappe oder am Ende. Ketterechts wird natürlich bei der B Tour dabei sein. Sofern sich jemand anderer findet. Allein leidet man nicht gerne.

In Bozen treffen wir uns für sieben Bergetappen der Extraklasse. Die Woche ist gespickt mit Highlights, die das Herz jedes Rennradfahrers höher schlagen lassen: Wir befahren die großen Klassiker der Dolomiten: das einsame Würzjoch, die Sichstraße zu den weltberühmten Drei Zinnen, die Giro-d’Italia-Klassiker Passo Giau und Passo Fedaia, den relativ unbekannten und fantastischen Staller Sattel, den Passo Rolle und den Passo Valles. Den Abschluss bilden die berühmten Pässe der Sellarunde bevor wir nach sieben ereignisreichen Tagen zurück nach Bozen fahren.

Die Berge der Dolomiten bieten durch den wunderschönen Kontrast zwischen den steil aufragenden, zerklüfteten Felsklötzen und den darunter liegenden, lieblichen Almwiesen ein unglaubliches Naturschauspiel. Zwischen den Gipfeln hindurch schlängeln sich kehrenreiche Asphaltbänder über die Pässe.

Genau das werde ich wieder in Wort und Bild festhalten. Sofern das italienische Roaming Datenpaket ausreicht und die italienischen Hotels mich mit WLAN glücklich machen. Geplant ist immer einen Tag vor der jeweiligen Etappe eine Vorschau zu bloggen. Das hat sich bei der Tauernrundfahrt bewährt. Während der Tour gibt es dann Live Einstiege über Twitter und Facebook. Mit Fotos und den einen oder anderen Kommentar. Natürlich begleiten mich wieder meine 2 GoPros. Entweder fest am Fahrrad befestigt oder in 360° Drehmöglichkeit in der Hand. Nach der Tour soll es ja schließlich wieder einen Bikebuster geben.

Wer will kann also auch von zu Hause mitfahren.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Ötztaler Radmarathon 2013. Mein Bericht. Teil 2.

Petrus war teils A…….. und teils halbwegs einsichtig.

Eigentlich beginnt der Ötztaler Radmarathon am Brenner erst so richtig. Das Vorher ist nur Geplänkel. Ein Kühtai gleich zum Frühstück kann nicht weh tun und eine Gruppenfahrt auf den Brenner ebenso nicht. Diesmal war es aber anders. Die vier Stunden Regen haben mir, meiner Kleidung und meiner Princess of Pain schon mächtig zugesetzt. Kurzzeitig sah ich am Horizont drei Buchstaben. Ein D, ein N und ein F. Und ich sah die bösen Kommentare auf Facebook und Twitter. Denke nicht, dass da jemand Verständnis gezeigt hätte, wenn ich auf den Besenwagen gewartet hätte. Mein Publikum will schließlich Leid spüren und meinen Untergang feiern. Ich hatte also keine andere Wahl, als weiterzufahren. Es ist schon verdammt hart ein Held zu müssen. Ehrlich.

Vom Brenner geht es die Bundesstraße hinunter über Gossensass nach Sterzing. Vereinzelt finde ich ein paar Radfahrer, welche ich mein Velo fest am Unterlenker haltend mit Kette rechts einhole und überhole. Das Triathlon Training lässt grüßen. Am äußersten vorderen Zipfel meines Catopuma Monolink Carbonsattel von Most fühle ich mich recht wohl. Wie eine Ballerina strample ich eine hohe Frequenz. Ganz im Sinne von Raimund Pucher. Bereits nach kurzer Zeit führe ich ein recht ansehnliches Feld an. Die zwei langgezogenen Kehren kurz vor Gossensass nehme ich voll. In der ersten rechts treibt es mich links weit hinaus. So weit, das sich die Leitplanke rieche. In der zweiten links nehme ich die Kampflinie und treffe millimetergenau den inneren Scheitelpunkt. Schade, dass das niemand gesehen hat. Außer vielleicht mein Schutzengel.

Die Strecke kenne ich wie meine Hosentasche. War ich doch schon im zarten Alter eines Giubilato 8fach Rennrades mit Pedalschlaufen hier gewesen. Ok, die Straße ist besser ausgebaut. Aber die Doppel-S-Kurve durch das Zentrum ist immer noch die selbe. Mit der richtigen Linie muss man nur einmal den Lenker nach links biegen. Knapp an der Hausmauer vorbei, dessen Ecke in die Straße reicht. Und weit weg von den Zuschauern, die rechts am Straßenrad darauf warten, etwas mehr Aktion als üblich zu erleben. Im besten Fall kann man versuchen, durch die Menschenmenge in die große Auslaufzone nahmens Dorfplatz zu gelangen. Wie gesagt. Im besten Fall. Der Schlimmste wäre sich mit dem Verputz der Häuser zu chamäleonisieren. Ich weiß nicht, welchen Dämmwert ich hergeben würde. 

Die Temperatur hat zwischenzeitlich frühlingshaftes Niveau erreicht und die Sonne wärmt die geschundenen Muskeln. Ich bin immer noch Herr einer Gruppe und fühle mich wie ein Star. Es geht hinein nach Sterzing. Die Zuseher hier stehen in Massen. Ob die wissen, was wir bis hier durchgemacht haben? Die Carabinieri sperren alle Zu- und Ausfahrtne vorbildlich ab. Mit mehr als 100 Umdrehungen die Minute pflüge ich durch die Fuggerstadt (ja, etwas Geschichte gehört auch hier in den Blog). Wie im Rausch und unter Drogen. Ich bin so Herr der Lage, dass ich sogar der gesamten Gruppe hinter mir die Richtungen anzeige. Den Kreisverkehr mit einer drehenden Armbewegung in der Luft und die erste Ausfahrt rechts durch klares Deuten. Nach rechts.

Wir biegen ins Ratschingstal ein. Links erkenne ich den Derby Club von damals. Heute heißt er Derby Stodl. Meine Jungenddisco aus den 90iger Jahren. In ein paar Kilometern beginnt der Anstieg zum Jaufenpass. Ich erinnere mich daran, dass ich was essen soll. Das nächste Gel ist fällig. Bis nach Gasteig bläst ein starker Föhn. Ich fahre voll im Wind. Untypisch für einen Italiener. Es ist jetzt schon frühsommerlich.

Kurz vor dem Anstieg noch aufmunternde Worte von den Zuschauern. Ich überquere die Datasport Zeitnehmungsmatte. Von hier sind es 14 km bei durchschnittlich 10%. Natürlich nehme ich wieder Tempo heraus. Ich bin nicht einer der voll in den Berg fährt. Fahren kann. Ich muss meinen Rhytmus finden. Nach ca 1 km habe ich diesen. Ich bleibe stehen. Mir ist zu heiß. Ich entledige mich der dünnen Regenjacke und mache mir auch die Ohren frei. Die Langfingerhandschuhe lasse ich noch an.

Der Jaufenpass ist grundsätzlich kein schwerer Pass. Trotzdem hat er so seine Tücken. Die ersten Kilometer sind voll in der Sonne. Und die heizt derzeit ganz schon ordentlich ein. Lange Rampen wechseln sich mit steileren Kehren ab bis man Kalch erreicht. Von hier windet sich die Straße dann durch den Wald und wird verhältnismäßig flacher. An die 7 – 8%. Ich wechsle immer wieder zwischen 34/25 udn 34/23. Der Puls geht aber kaum über 150 hinauf. Ich habe Hunger. Richtig Hunger. Nicht nach einem Gel. Sondern nach was Festem. Habe aber nix mit. So werden die letzten 600 Höhenmeter und 9 Kilometer zur Tortur. Mutterseelenallein schlängle ich mich hoch. Immer knapp um die 10 bis 11 km/h. Eigenartig. Normal ist man hier nie allein. Wohl typisch für dieses Rennen. Vorne weg die Guten, ganz hinten die Kämpfer und mittendrin die Nicht Fisch und nicht Fleisch Radler so wie ich. Zu schlecht für die Guten und etwas besser als die Kämpfer hinten.

Ich kann den einen oder anderen doch überholen und werde auch öfters überholt. Oberhalb der Baumgrenze das übliche Bild. Ich sehe die gesamte noch zu fahrende Strecke. Und die Labe. Diese erreiche ich. Nudelsuppe. Cola. Kuchen. Etwas Trockenobst und ein Besuch beim Mavic Servicewagen. Ein Franzose schmiert mir die 11fach Super Record Kette ein. Unter meinem Windbreaker habe ich ein Stück Karton. Soll mir in der Abfahrt den Fahrtwind vom Leib halten. Nach 300 Metern entledige ich mich wieder. Zu umständlich. Ich kann mich kaum bücken. 2 Kehren, 1 Fotograf und die Zeitmatte noch. Nach 6h 15 erreiche ich den Jaufen. Das ist immer noch just in time.

Die Abfahrt nach St. Leonhard nehme ich voll. Ich verzichte auf die Regenjacke. Bleibe nicht stehen. Die Straße ist trocken. Die Bremsen greifen. Ich stürze mich hinunter. Überhole gleich mehrere Radfahrer. Die ersten Kilometer kämpfe ich besonders gegen die Linie meiner Vorfahrer. Lästige Kurvenschneider und Spurwechsler. Meinen Antritten können sie aber nicht folgen. Weiter unten präsentiert sich die Straße als Speedstrecke. Perfekt ausgebaut. Gesperrt. Trotz Kurven kann ich eine millimetergenaue gerade Linie fahren. Yeahhhh. Die letzte 180 Grad Kurve unten in St. Leonhard fahre ich für das Publikum. Technisch nicht sauber, dafür spektakulär. Ich bleibe aber innerhalb der Straßenbegrenzung. Summa summarum fahre ich hier die 122. Zeit. Gesamt. Dh nur 121 Fahrer waren hier herunter schneller.

Jetzt wartet das worauf ich mich immer am meisten fürchte. Die Mauer von St. Leonhard mit ihrer dazugehörenden Hitze. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht. Entlang der Mauer hat es an die 50 Grad. Ich entledige mich auch noch der Handschuhe. Mein Rücken ist jetzt fast so wie jener des Glöckners von Notre Dame. Die gesamte Aerodynamik ist beeinträchtig. Bis nach Moos gilt es eine Rampensau zu sein. Denn die Straße ist hier gespickt von diesen. Wie ich so was hasse. Elends lang. Durch die Tunnels bis ins kleine beschauliche Dörfchen. Meine Geschwindigkeit hat jetzt Schnecken Niveau. Gerade noch schneller, als wenn ich mein Rad schieben müsste. Alles wirkt jetzt so langsam. Nach Moos eine Kehre und dann geht es noch steiler hinauf. Ich versuche gerade zu fahren. Neben mir zick zackt einer. Ich frage ihn, ob er die 250 km voll machen will. Ich bin Hungerast.

Jetzt kommt der Zeitpunkt, meinen iPod einzuschalten. „Feel so close“ von Calvin Harris pusht mich nach oben. Gestört werde ich nur vm Zupfen eines Mitstreiters. „Du mit der roten Jacke. Du hast einen Handschuh verloren.“ Ich frage wo und kriege keine mir genehme Antwort. Ich muss umdrehen. Ein paar hundert Meter bergab fahren um dann wieder hoch zu schnecken. Meine Handschuhe und ich. Wir gehören zusammen.

Als sich die Straße wieder vernüftigen Steigungsgraden nähert (das ist alles bis 10°) und die lange Gerade bis zur Labe nach Schönau sichtlich ist, beflügelt mich irgend etwas wieder. Ich kann Tempo aufnehmen und mich auf die letzten 11,9 km zum Timmelsjoch vorbereiten. An der Labstation selber wollte ich nicht stehen bleiben. Wollte. Ich holte mir noch eine Suppe.

Bald hast du einen Traum. Bald. Es werden wohl noch an die 60 Minuten sein. Die Straße hier ist in den Berg gemeiselt. Das Wetter mitlerweile ein Traum. Ich zucke erstmals mein Handy und fotografiere. Die Endzeit ist längst schon egal. Auf der Seeberalm, die allerletzte Labe, bleibe ich auch nochmals stehen. Gewaltig das Panorama und die Straße. Immer wieder. Ehrfürchtig blicke ich nach oben. Gönne mir ein Red Bull und ein Peeroton Cola. Minuten später bin ich ein anderer Mensch.

Ich habe plötzlich wieder richtig Kraft. Die letzten 7 km bis zum Timmelsjoch sind zwar psychisch ein Graus, aber körperlich kann ich zulegen. Ich hole ein und überhole. Und ich habe wieder Muse bei den Fotografen zu posen. Apropos Sportograf. So viele Fotostationen wie heuer hat es bei meinen 9 vergangenen Teilnahmen nicht gegeben. In Summe macht as 49 Fotos von mir. Bestellt sind sie schon. Und die Besten sind bereits gepostet. Die Erlösung ist dann der Tunnel. Noch 1000 Meter bis zum Pass. Ich schalte auf Kette rechts. Nicht lang. Dann überquere ich die Zeitmessung und fliege Richtung Ziel. Nicht ohne Hindernisse. Ein Mitstreiter mit St. Pauli Radtrikot und Radhose. Kurvenschneider und Spurwechsler. Diesmal der Sorte lästig deluxe.

Es kommt zum Gegenanstieg. St. Pauli verliert an Boden. Steigt quasi ab ;-). Die letzten Höhenmeter. Ich nähere mich der Mautstelle. Es ist geschafft. Jetzt nur mehr heim. 91 km/h Spitzengeschwindigkeit erreiche ich hier von Hochgurgl Richtung Abzweigung Obergurgl/Sölden. Ein Garminteamtrikotfahrer saugt sich ständig in meinen Windschatten. Fährt vor. Und verhungert dann. Ich übernehme. Die Kehren vor Vent im Geschwindikeitsrausch. Die letzte wird länger und immer länger. Die Zuschauer dort sind bereit, mich mit offenen Armen zu empfangen. Zum Glück reiße ich das Ruder, den noch Lenker um. Nur noch einmal voll treten bis zur Mülldeponie oberhalb von Sölden. Die Gruppe zerreist es. Nur mehr St. Pauli (da schau her) und Herr Garmin halten mit.

Einmal links. Einmal rechts. Und wir sind in Sölden. 1000 Meter Marke. Diesmal bin ich im Windschatten von Herrn Garmin. Vorbei an den Zuschauernmengen. Die Sonne scheint. Herr Garmin hat abreisen lassen müssen. Es geht rechts über die Brücke. Zeitmessung. Immaginäre Ziellinie. Aus. Fertig. Geschafft. Mein 10. Ötztaler Radmarathon ist Geschichte.

Detail am Rande. Vom Timmelsjoch nach Sölden bin ich die 112. Zeit gesamt gefahren. Samt Gegenanstieg. Dh. 111 Fahrer waren schneller. Der Schnellste war in diesem Abschnitt ein gewisser Jan Ulrich. 4 Minuten schneller als ich.

Fazit:
Es war kalt. Es war nass. Es war langsamer als erhofft. Und zum Schluss hat’s Spass gemacht. Schade. So nehme ich den „Ötzi“ mit guten Schlusserinnerungen mit. Eine 11 Teilnahme ist nicht ausgeschlossen.