Schlagwort: rennrad

King of the lake – das Einzelzeitfahren rund um den Attersee

Ein Vorbericht von ketterechts, dem Rennrad Blog und Event Liveblogger
47 km Vollgas rund um den Attersee

47 km Vollgas rund um den Attersee. Auf einer für den Verkehr gesperrten Straße (es gilt aber trotzdem die StVO). Wie geil ist das denn. Nach dem Jahrtausendsommer eine weitere Möglichkeit Spuren von Laktat zu hinterlassen. Und ich bin dieses Jahr mittendrin statt nur daheim. In der Kategorie Rennrad. Klassisch. Pur. Nackt. Reduziert auf einen normalen Rennlenker. So wie Gott das Velo schuf.

Logisch, dass ich mich ein wenig mit dem Thema Rennstrategie auseinandergesetzt habe. Dank der Hilfe von Paul. Er hat mich wieder mit interessanten  Excel Tabellen ausgestattet. Diesmal eine, welche meine 5 Trainingszonen nach Puls und Watt einteilt. Regeneration. Aerobe Ausdauer. Tempotraining. An der Schwelle, Über der Schwelle (Aerobe Kapatzität, Anaerobe Kapazität). Was ich dazu brauche? Pulswerte wie maximale HF und LSHF und Leistungswerte, also wieder den FTP Wert.

Diesen FTP Wert lege ich dieses Mal auf anraten von Paul etwas niedriger an. Also nehme ich 90% der 288 Watt, welche ich im Training einmal durchschnittlich über 20 Mintuten geleistet habe. Ohne selbsteingeschätzter Erhöhung. Mehr steht mir am Papier (Garmin) nicht zur Verfügung. Einen speziellen 20 Minuten Test habe ich ja noch nicht (trotzdem bin ich sicher, dass ich mehr leisten kann). Egal. Was liegt das pickt. Ein FTP Wert von 259 Watt.

Früher hätte ich mal so gerechnet: 47 km bei einem möglichen Schnitt von 36 km/h wären 1h18min. Damit wäre ich ja halbwegs zufrieden. Wobei der 36 km/h Schnitt etwas vorsichtig ist. Diesen Schnitt konnte ich „früher“ bei meinen Ironman Starts über 180 km bei vielen Höhenmetern 5h halten können. Mit einem Zeitfahrrad.

Aber früher war alles anders. Am Samstag darf anders gerechnet werden. Ich soll mir das Rennen in 4 Abschnitte einteilen. Die ersten 15 Minuten mit einer Ø-Leistung von 245 Watt. Die zweiten 15 Minuten auf 255 steigernd, die dritten 15 Minuten dann mit 265 bolzen und den Rest dann all out – also Vollgas bis zum Kotzen. Das bedeutet Zurückhaltung am Anfang. Was nicht leicht sein wird.

Bin gespannt was herauskommt. Auf alle Fälle über 60 Minuten Unterlenker. Liebe Grüße an dieser Stelle an die Bandscheiben. Hoffentlich kann ich früh genug starten, denn um 20.00 Uhr muss mein Alter Ego bereits wieder in Wien sein. Bei Soso’s Comedy Club.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#kingofthelake15
#faceyourpassion
#ketterechts

PS: Natürlich starte ich mit der Garmin VIRB XE am Lenker. Damit auch alles dokumentiert wird.

Ötztaler Radmarathon 2015. Finisher mit Beigeschmack.

Ein Selbstreflexion von ketterechts - dem Rennrad Blog und Event Liveblogger
Der Ötztaler Radmarathon – ein Traum für viele.

„Hallo Cristian, da hast du deinen Traum! Herzliche Gratulation. Du hast das Ziel in Sölden erreicht.“

Leider nur jenes in Sölden. Nicht mein persönliches. Das war hochgesteckt Aber durchaus im Bereich des Möglichen. Verständlich, dass sich meine Freude über das Erreichte sehr in Grenzen hält

0645 Uhr. Ich stehe seit 60 Minuten im Startblock. Ohne Handschuhe. Ohne Überschuhe. Ohne Windjacke. Ohne Stirnband. Ohne Beinlinge. Ohne Knielinge. Es ist erstaunlich warm für Ötztaler Verhältnisse. Kurz – kurz beginne ich mein Abenteuer. Startschuss. Es dauert bis ich mich hier hinten in Bewegung setze. Dann rollt es. Richtung Ötz. Ich soll in 49 Minuten unten sein. Das sagt mein Plan. Ich muss mich einbremsen. Psychologisch leide ich, als mich von hinten die Meute überrollt. Links. Rechts. Mit wiederholtem Blick auf meinen Garmin erdulde ich diese Schmach. Ich könnte schneller. Viel schneller. Ich darf aber nicht. Soll nicht. Es bilden sich Gruppen. Immer wieder ertappe ich mich, wie ich die Löcher zumachen will. Instinkt und Vernunft liefern sich einen Machtkampf. Meine Kette rechts. Die Geschwindigkeit hoch. Es kracht schon ordentlich. Links 3 Fahrer in der Wiese. Rechts ein Reifenplatzer. Wir sind noch kaum 15 km unterwegs. Das Wetter ist ein Traum. Mir ist kein bisschen kalt.

Trotz defensiver Fahrweise bin ich bereits nach 37 Minuten in Ötz. 12 Minuten schneller als geplant. Von hier geht es hinauf aufs Kühtai. Ich darf mit 242 Watt da rauf klettern. Das gelingt nicht ganz. Das Kühtai hat steile Passagen. Und ich übermotivierte Beine. Trotz 34/27 und niedriger Trittfrequenz sind 290 Watt + keine Seltenheit. Gruppendynamik. Ich bremse mich ein. Fahre vorsichtig und achtsam. In den ebenen Passagen rolle ich quasi dahin. Alles fühlt sich mehr wie eine Sonntagsspazierfahrt an. Rennen? Rennen sind anders. In Ochsengarten empfängt uns die Sonne und ein Bergpanorama mit Heimatfilmcharakter. Exakt nach Plan brauche ich von Ötz aufs Kühtai 1h19min. Schneller als je zuvor. Lockerer als je zuvor. Alles fühlt sich so leicht an. Bei der Labe fülle ich meine Trinkflasche auf und gehe pinkeln. Die Abfahrt nach Kematen absolviere ich in Wrap-Geschwindigkeit. 103,7 km maximales Tempo. Es rollt. Vor mir der heikle Teil bis zum Brenner.

Ab Kematen wird taktiert. Und wie. Hinter mir bildet sich eine große Gruppe. Ich fahre in der Ebene meine 200 Watt konstant. Bitte um Ablöse. Mit Handzeichen und Ausscheren nach links. Doch keiner kommt nach vor. Ich hole einzelne Fahrer ein. Reihe mich hinter diesen ein. Als sie mich sehen, bremsen sie und lassen sich zurückfallen. Alles Lutscher. Vorbei an Völs geht es kurz bergauf Richtung Innsbruck. Plötzlich treten sie alle wieder voll in die Pedale. Als ob man hier innerhalb von 700 Metern das Rennen gewinnen könnte. Ich bleibe dran. Muss etwas über die 200 Watt Schwelle. Bei der Einfahrt in die Stadt finde ich mich wieder an der Spitze der Gruppe. Ich führe diese in die Steigung zum Brenner. In einer Rechtkurve unter dem Bergisel stehen viele Zuschauer. Ich will den Applaus. Und bekomme diesen. Ich motiviere die Zuschauer. Sie klatschen und feuern uns an. Adrenalin schießt mir ein. Kurz kratze ich die 400 Watt. Die Gruppe ist gesprengt. Schnell bremsen. Warten. Zurückfallen lassen. Es geht zur Kontrollstelle. Alles nach Plan. Jetzt kommen ein paar von hinten. Ich lasse diese ziehen. Oben bei der Querung der Stubaital-Bahn bin ich immer noch an der Spitze einer Gruppe. Wieder bitte ich um Ablöse. Deute an, Kreisel fahren zu wollen. Keiner will es. Keiner checkt es. Ein paar Lustige versuchen hier auszureißen. Ich sage nur Tschüss. Viele haben sich wohl an  mein Tempo gewöhnt und hängen mir am Hinterrad. Es geht nach Schönberg. Kurz vor Ende der Steigung holen wir – hole ich – eine vor uns fahrende Gruppe ein. Jetzt sind wir sicher mehr als 100. Unruhig und hastig geht es durch Matrei, Steinach am Brenner und Gries am Brenner.

Kurz vor dem Brenner wird es steiler. Ich halte mich an die 200 Watt. Knapp vor der Zeitnehmung wartet Maria. Sie hat mir Verpflegung angeboten. Da ich unter Plan bin bleibe ich stehen. Nach 4 Stunden Fahrzeit 0,5 l Cola ex. Wasser auffüllen, Salztabletten und Magnesium rein. Eine Banane und eine Packung Mannerschnitten ins Trikot. Kurzer Small Talk und weiter gehts. Die große Labe am Brenner lasse ich aus und stürze mich Richtung Sterzing. Bei Gegenwind spiele dieses Mal ich verstecken.

Endlich wartet der Jaufen. Wieder darf ich auf 242 Watt erhöhen. Doch schon auf den ersten km merke ich, dass dies nicht mehr möglich ist. Irgendwie geht auf einmal nichts mehr. Ich kurble konstant an der 200 Watt Schwelle weiter. Es ist heiß. Sehr heiß. Und ich habe so ein komisches Gefühl. Ein Déjà-vu. Erste Zweifel kommen auf. Ist etwa mein Tank leer? Trotz Banane und Gel noch vor der Steigung. Kurz vor Kalch muss ich das erste Mal unplanmäßig vom Rad. Das Plätschern eines Brunnens hat meine Aufmerksamkeit erhascht. Ich genehmige mir ca 1 Liter kaltes Quellwasser. Dann geht es weiter. Immer wieder versuche ich Gas zu geben. Nicht immer gelingt es. In den flacheren Passagen tue ich mir leichter. Mein Motor wird nicht langsamer, aber leider auch nicht schneller. An der Labe 1,5 km vor der Passhöhe fülle ich erneut meine Flaschen auf. Zum Essen fehlt mir Appetit und der Gusto auf irgendwas. Trotz Pausen fahre ich den Jaufenpass in 1h24min. Oben bin ich jetzt 6 Minuten hinter Plan. In der Abfahrt nach St. Leonhard verliere ich weitere wertvolle Minuten. Der Straßenbelag hier ist sehr schlecht. Schlaglöcher. Spurrinnen. Teilweise im Schatten und schwer zu erkennen. Trinkflaschen und Satteltaschen gibt es hier mitten auf der Straße zum selber pflücken.

Am Ende der Abfahrt überträgt meine „furia rossa“ laute Geräusche in mein sensibles Gehör. Im Takt. Mit der Geschwindigkeit. Als ob irgendwo was stecken würde. Es streift. Es reibt. Es stört. Vielleicht Gespenster oder eine Fata Morgana. Ich bleibe trotzdem 2x stehen und prüfe Bremsen, Ventile und andere Teile. Kann aber nichts auffälliges erkennen. Es ist nur laut und sehr unangenehm.

Der letzte Anstieg steht bevor. Ich darf diesen langsam angehen. Unten 228 und oben dann 200 Watt. Die Sonne heizt recht ordentlich. Der Asphalt brennt und die Mauer von St. Leonhard wird ihrem Ruf als Wärmespender mehr als gerecht. Ich genehmige mir noch schnell ein Peeroton Gel. Gusto Cola. Für die nächsten 2h soll das Energie geben. Fehlanzeige. Meine Leistung sinkt. Und mit der Leistung auch die Motivation. Ich spüre es im Magen. Sobald ich Gas gebe, bekommt mich dieses flaue Gefühl von leichtem Brechzeiz und miserablem Schwindel. In diesem Moment weiß ich, dass mein Plan gescheitert ist. Ich schalte auf Notstromzufuhr um und genehmige mir am Straßenrad im Schatten eine Packung Manner Schnitten. Wenn schon Sonntagsfahrt, dann eine ordentliche. Meditative. Mit kulinarischem Highlight. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit schwinge ich mich wieder auf das Rad. In der Zwischenzeit sind viele Fahrer an mir vorbei. Unter anderem Johannes, mit dem ich gemeinsam das Kühtai und den Brenner gefahren bin und Erich mit seinem Dogma. Viel hat sich an meinem körperlichen Befinden nicht geändert. Kurbeln auf Sparflamme. Ich erreiche Moos und steuere die Kehren Richtung Schönau an. Am Limit. Der Kreislauf ist kurz vor dem Kippen. Meine vor knapp 10 Tagen eingeklemmte Bandscheibe gibt mir jetzt auch noch den Rest. Die Suche nach einer idealen und schmerzfreien Sitzposition scheint aussichtlos zu sein. Pedalieren im Stehen geht sowieso nicht. Der Rücken will nach vor gebeugt sein.

Wasser ist jenes Element, welches zu diesem Zeitpunkt das Überleben aller auf der Strecke schwitzenden Velocisti sichert. Wasser ist zu diesem Zeitpunkt Mangelware. Eine groß gekennzeichnete Kraftquelle am Straßenrad sprudelt mit 4 Tropen pro Sekunde recht dürftig. Eine Schlange wie beim Bäcker am Sonntag hindert mich hier stehen zu bleiben. Ein paar Kilometer weiter erblicke ich die Bergrettung mit einem Wassertank. Mehrere Helfer versorgen die durstigen Träumer mit viele Sorgfalt. Nach kaltem Zuschuss geht es mir wieder halbwegs besser. Mein Körper ist teilweise wieder auf Normaltemperatur. Nicht lange aber immerhin.

Die große Labe in der Schönau lasse ich aus. Als Wiederholungstäter weiß ich von der Seeberalm Labe. Dort gönne ich mir nochmals Getränke und etwas Trockenobst. Noch 7,5 km und knapp 500 HM. Erstaunlicherweise arbeitet mein Motor jetzt wieder. Ich kann 220 Watt treten. Komme gut nach vorne. Überhole und überrasche mit flinkem rundem Tritt die anwesenden Zuschauer. Ich sauge die aufmunternden „Guat schaust aus“ Anfeuerung auf. Posen für Sportograf Mannschaft inklusive. Der Tunnel 1,5 km vor dem Pass gibt mir etwas Abkühlung und Wasser von oben. Als ich die Passhöhe erreiche bin ich bereits 51 Minuten über Plan.

Ich lasse es nochmals krachen und erreiche abermals über 100 km/h hinunter Richtung Gegenanstieg Mautstelle in Hochgurgl. Die Steigung tut nochmals weh. Der Rest ist dann nur mehr eine Kür. Mit Rückenwind und Vollgas. 33 Minuten nachdem ich das Timmelsjoch passiert habe, erreiche ich 48 Minuten über Plan das Ziel in Sölden. Die sub 9 bleiben weiter ein Traum.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

PS: Natürlich habe ich Ursachenforschung betrieben. Mehr auf der philosophischen als auf der faktischen Seite. Ich hatte eine gute Strategie. Ich hatte aber nicht die Form, diesen Strategie umzusetzen. Weil mein Radsommer zu genial war und weil ich die notwendige Regeneration überbewertet habe. Um die Dinge klar auszusprechen – ich hatte keine Regeneration. Ich habe es probiert. Etwas wissenschaftlicher, aber immer noch zu blauäugig. Ich fand es genial, das Rennen nach Watt anzulegen. Danke an dieser Stelle nochmals an GarminD. Die Vector 2 sind genial. Alles in allem fehlte mir ein System. Trainingssteuerung würde man sagen. Weil ich einfach gerne Rennrad fahre. Wann immer ich Lust habe. Mit Betonung auf immer. Wie immer ich Lust habe. Schnell. Mich und meinen Körper spürend.

Möglicherweise habe ich nicht mehr die körperlichen Voraussetzungen für eine Zeit unter 9 Stunden. Ich werde es aber wieder versuchen.

Foto von ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger

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Ötztaler Radmarathon 2015 – race week

Ein Vorbericht von ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger
Der Ötztaler Radmarathon – 238 km und 5.500 Höhenmeter

„Am Freitag, Samstag und Sonntag ist es in ganz Tirol strahlend sonnig und heiß, die Temperaturen erreichen 27 bis 33 Grad. Erst am Montag steigt wahrscheinlich im Laufe des Nachmittages die Gewittergefahr.“

Ich kann es kaum glauben. Tue ich auch noch nicht. So oft haben Wetterprognosen ein anderes Ende gefunden. Aber ich bete. Dass es so kommt. Das wäre nämlich mein Wetter. Ein Sommer wie er früher einmal war. Auch im Ötztal. 2009 war es ähnlich. Mit Morgenreif beim Start und kalten Finger bis Ötz.

Ich bete. Dass es so kommt. Nicht der Morgenreif. Die Sonne soll kommen. Dieses gelbe Ding da oben am Himmel, welches am Anstieg ins Kühtai langsam hinter den Gipfeln hervorkommt und den Schweiß am Asphalt rasch auftrocknet. Diese leuchtende Kugel, welche entlang des Wipptals hinauf auf den Brenner bereits vollste Kraft hat und die zweite Getränkestation mehr als notwendig macht. Diese brennende Sphäre, welche die 11 km bergauf zum Jaufenpass in eine Sauna mit Schweißaufguss verwandeln. Dieser lebenswichtige Himmelskörper, welcher dir an der Wand von St. Leonhard das letzte Hemd raubt, um dich dann 32 km hinauf zum höchsten Punkt am Timmelsjoch mehr nimmt, als die Gebirgsbäche, die Labstationen und die vielen Red Bulls dir überhaupt geben können.

Wie es aussieht, wird es ein perfekter Tag. Jetzt muss ich nur noch meine Überbuchung im Hotel in Sölden berichtigen, meiner „furia rossa“ zwei neue Schlauchreifen und eine neue Kette verpassen, meine Bandscheiben wieder richtig einrenken, mich bis Sonntag früh erholen und dann den richtigen Rennmodus finden. Und ich muss nur noch weniger als 9 Stunden Rad fahren. Für 238 km und 5.500 Höhenmeter. Easy oder?

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

Ötztaler Radmarathon – meine Strategie für 2015

Strategie von Ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger
Der Ötztaler Radmarathon – mittendrin statt nur daheim

Irgendwann in den frühen Neunziger. Steinach am Brenner. Ich stehe am Start des Ötztaler Radmarathons. Als blutiger Anfänger. 53/39 vorne und 11/23 hinten. Knapp 1000 km in den Beinen. Mehr brauche ich dazu nicht zu schreiben. Brenner, Jaufenpass, Timmelsjoch, Kühtai, Mutters, Schönberg. Nach knapp 12 1/2 Stunden war ich im Ziel. Ich habe mir geschworen, so etwas nie mehr zu machen. Das Kühtai hinauf – dort wo jetzt der Tunnels ist, musste ich ob der Steilheit und fehlenden Kraft, mein Fahrrad schieben. 4 km/h schnell.

Inzwischen sind weitere 9 Teilnahmen einfach so passiert. Meine Zeit habe ich in den Jahren von Teilnahme zu Teilnahme nach unten  verbessern können. 11h39, 11h01 und 10h30. Im Jahr 2009 mit meinem nagelneuen Pinarello Prince folgte eine 9h28 und im Jahre 2011 mit der Pinarello Dogma2 Jungfernfahrt eine 9h20. An der magischen Marke von 8h59 bin ich aber leider mehrmals gescheitert. Ein paar mal mag es das Wetter gewesen sein. In den meisten Fällen, war es aber die mehr als nur falsche Rennstrategie.

Ich habe mir mal die Mühe gegeben, die Ergebnislisten zu studieren und mir jene Teilnehmer herausgepickt, welche 2009 und 2011 unter 9h im Ziel waren. Einige davon waren bis am Jaufenpass langsamer als ich. Mein Schwachpunkt war also beide Male das Timmelsjoch, wo ich mehr als 30 Minuten verloren habe.

Diese Theorie meiner chronischen Timmelsjoch-Schwäche bestätigt sich jetzt auch noch  wissenschaftlicher. In den Tiefen des Netzes habe ich einen interessanten Blog zum Thema Ötzi Pace gefunden. Samt grenzgenialer Exeltabelle. Mit dieser Tabelle, lässt sich anhand einiger weniger Parameter die Zielzeit beim Ötztaler Radmarathon berechnen. Wichtigster Parameter ist dabei die Kennzahl FTP. Ein Wert, der mir bis jetzt immer gefehlt hat. Dank +Garmin D und den Vector Pedalen, kann ich jetzt mitreden. Auch wenn mein FTP Wert nicht ganz exakt ist. Eine Bestimmung mittels 20 Minuten Vollgas Test fehlt mir. Dafür kann ich mit 278 durchschnittlichen Watt über 20 Minuten während einer Etappe der Tauernrundfahrt (hinauf auf die Postalm am ersten Tag) dienen. Diesen Wert habe ich dann etwas erhöht, weil ich der Meinung bin, dass ich bei „nur“ 20 Minuten Vollgas sicher mehr in den Beinen hätte, als 20 Minuten bergauf während einer 6 stündigen Etappe, wo es nicht darum geht, sich voll zu verausgaben. Auch wenn das wissenschaftlich ein Nonsens ist: Ich gehe bei mir von einem FTP von 285 aus. Rechen- und Logikfehler eingeschlossen.

Mit diesen 285 Watt spuckt mir die Tabelle (bei einem Gesamtgewicht Fahrer + Material von 85 kg) eine Zielzeit von 8h59 aus. Mein Wunsch. Mein Ziel. Gutes Wetter vorausgesetzt. Siehe auch die Möglichkeit den Luftdruck und den damit verbundenen Luftwiederstand miteinzukalkulieren.

Nicht nur die errechnete Endzeit ist interessant. Auch die Zwischenzeiten. Kühtai, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch. Errechnet durch die vorgeschlagene Strategie, die zur Verfügung stehende Energie auf die 5 Berge aufzuteilen (% FTP).

Strategie von ketterechts - dem Rennradblog und Event - Liveblogger
Strategiepaier für den Ötztaler Radmarathon

Anhand dieser Zahlen erkenne ich, dass ich das Kühtai, den Brenner und den Jaufenpass bei meinen schnelleren Teilnahmen viel zu hastig angegangen bin. Dafür habe ich dann am Timmelsjoch sehr stark nachgelassen. Am Kühtai war ich 2013, 2011, 2010 und 2009 jeweils unter 2h. Am Brenner um die 4h und sogar darunter. Am Jaufen hingegen in etwa im Plansoll (5h56 im Jahre 2011 und 5h54 im Jahre 2009). Dann kam die obligate Timmelsjoch-Schwäche. Hier ist also für mich die meiste Zeit zu holen, in dem ich eben weniger Zeit verliere, weil ich anfangs weniger Kraft investiere.

Meine Ötztaler Radmarathon 2015 Strategie wird sich also dieser Tabelle anpassen. Mein Training auch. Derzeit bin ich am Tüfteln. Ich will ein Gefühl entwickeln für die zu fahrenden Watt am Berg. Kühtai und Jaufen mit 242 Watt, Brenner und Abschnitte des Timmelsjoch mit 200 Watt. Auch die Trittfrequenz ist ein Thema. Dank Garmin habe ich ja auch diese am Display meines EDGE 1000. Es passiert derzeit immer öfters, dass diese Kennzahl 3stellig ist. Das spart Laktat und macht aus meinen Oberschenkeln keinen Germknödel bei optimaler Dampftemperatur. Es sind ja noch knapp 3 Wochen Zeit, um mich noch besser einzustimmen.

Am Sonntag 30.8. kommt dann eh alles anders, als man denkt.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

Die Grossglockner Hochalpenstrasse. Ein ganz normaler Sommertag.

Während der quaeldich.de Tauernrundfahrt sind wir auch dieses Jahr wieder die Grossglockner Hochalpenstrasse hinauf- und hinuntergeradelt. Bei traumhaften Wetterbedingungen und entsprechendem Verkehr. So war das bergabfahren eine Angelegenheit von Stop and Go.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

quaeldich Tauernrundfahrt 2015. Tag 5.

Bericht von Ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger
Von Huben nach Kals und dann zum Lucknerhaus

St. Leonhard. Es ist kurz nach 1500 Uhr. Wir biegen zum Parkplatz vor dem Hotel Untersberg ein. Alle zusammen. Die 7. quaeldich Tauernrundfahrt ist soeben zu Ende gegangen. Nach 700 km und guten 12000 Höhenmetern. In 5 Tagen. Über die Postalm, den Pass Gschütt, Obertauern, den Schönfeldsattel, die Windische Höhe, den Gailbersattel, die Kalser Glocknerstraße, die Großglockner Hochalpenstrasse mit der Kaiser Franz Josefs Höhe, dem Hochtor, dem Fuschertörl, den Filzensattel und den Dientner Sattel. Es wartet das obligate Gruppenfoto und der wohl verdiente Kaiserschmarrn.

Nach einem nächtlichen Gewitter ist der Himmel über Kaprun grau in grau. Die Sonne will uns aber schon bald wieder mit hochsommerlichen Tugenden verwöhnen. Wir starten wie immer in gewohnter Hotel Sportkristall Manier. Mit olympischem Feuer und den aufmunternden Worten des Hauschefs. Es geht um nichts, aber die Stimmung hier ist fast wie bei der Tour de France. Gruppe drei bekommt einen Vorsprung von 45 Minuten. Gruppe 2 dafür nur 15 Minuten. Am Anfang rollen wir am Zeller See vorbei Richtung Maria Alm. Gruppe 2 wird kurz vor Hinterthal zum ersten Mal gestellt. Danach geht die Post ab. Der letzte Tag ist bei der Tauernrundfahrt bekanntlich Guide Tag. Was so viel heißt, dass Guides am Berg angreifen dürfen, falls sie können. Roli darf. Und kann. Nach der offiziellen Freigabe, ist nur mehr ein lautes Kettengeräusch zu hören und schon weg war er. Franz folgt. Stuart und Michael auch. Der Rest, inklusive mir, geht es gemütlich an. Besen Hannes verrichtet wieder seine Dienste. Mein Tempo ist zu langsam für die Schnellen und zu schnell für jene hinter mir. So wird es wie üblich ein Solo. Dann taucht Lorraine von Gruppe zwei auf. Sie fährt an mir vorbei. Irgend etwas zieht sie nach vorne.

Es gibt viele Berge, welche ich nicht mag. Einer davon ist der Filzensattel. Er geht böse weg, wird dann mal flach, um dich zum Schluss nochmals abzuwerfen. Mein Garmin kratzt ständig die 300 Watt Marke. Bei einer Trittfrequenz von unter 50. Ich bin so was von fertig. Jetzt taucht auch noch Florian auf. Ich kann ihn in Schach halten. Endlich oben. Immerhin 2 Minuten schneller als 2013. Dafür 3 Minuten langsamer als die Schnellsten meiner Gruppe.

Nach dem Filzensattel ist vor dem Dientner Sattel. Der ist so flach, dass du glaubst, du könntest mit dem großen Kettenblatt drüberbrennen. Aber der Glaube allein, versetzt keine Berge. Und der Gegenwind macht den Rest. Es heißt beißen. Zum Glück kommt jeder einmal oben an. Ich auch. Aufgrund der Verpflegung vor dem Passschild, wird dieses Strava Segment leider nicht für gültig erklärt. So ist es. Strava spielte bei dieser Tauernrundfahrt sowieso eine wichtige Rolle. Die Daten vieler waren schneller im Netz als die Fahrer unter der Dusche. So ändern sich die Zeiten.

Die Abfahrt von Dientner Sattel nach Bischofshofen ist eine Orgie an Hochgeschwindigkeitkurven. Die 15,5 km schaffe ich in 16min 46sek. Spitzengeschwindikeit 94,6 km/h. Ich bedanke ich an dieser Stelle bei meinem Schutzengel und meinen Campagnolo Bora One mit original Campagnolo Bremsgummis.

Der Rest des Tages ist geprägt von weiteren 2 Verfolgungjagden. Einmal Hinauf ins Lammertal Richtung St. Martin im Tennengebirge. Hier stellen wir wieder Gruppe 2. Gruppe 3 ust oben an der Verpflegung. Das zweite Mal mit dem Gruppe 1 Express über Annaberg, Abtenau, Golling, Kuchl Richtung Hallein. Gruppe 3 holen wir kurz nach Golling ein. Um vor Gruppe 2 am vereinbarten gemeinsamen Treffpunkt sein zu können, müssen wir dafür schon ordentlich antreten. Mit mehr als 40 m/h geht es von Kuchl Richtung Bad Vigaun. Gruppe 2 ist in Sichtweite. Thomas und ich schauen uns an. Sollen wir? Dürfen wir? Wir tuns. Vollgas. „Kannst du noch? Ich kann“. Die Worte von Thomas schmerzen mehr als meine Beine. Weil ich kann echt nicht mehr. Wechsel. Ich bin hinterm Feld. Das Tempo wird langsamer. Ich trete eine Attacke Marke Soloritt von hinten. Will allein das Loch schließen. Es sind vielleicht 800 Meter oder etwas mehr.  500 Meter, 300 Meter, 200 Meter. Zum Glück kommen jetzt noch Stuart, Michael und Roli von hinten. Die Lücke ist geschlossen. Gruppe 1 hat sich dafür etwas aufgelöst. Gruppe 1 und 2 kommen gemeinsam am Treffpunkt an.

Es dauert nicht lange und auch Gruppe 3 ist da. Gemeinsam rollen wir durch Hallein Richtung Hotel. Aus. Ende. Wir sehen uns vom 27.7. bis 31.7. 2016 wieder.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

Für die Statistiker:
700 km
12.000 HM
26,3 Ø Geschwindigkeit
29,0 höchster Tagesschnitt
94,6 max. Geschwindigkeit
14.216 Kalorien
130 Ø Puls
168,5 Ø max. Puls
278,0 Watt max Ø Leistung  (20 Minuten)
355 Ø TTS (Training Suffer Score)

quaeldich Tauernrundfahrt 2015. Tag 4. Nichts als nur Berge.

Mittendrin statt nur daheim mit ketterechts dem Rennradblog und Event Liveblogger
Ketterechts heute in neuem Outfit.

Schon wieder Grossglockner Hochalpentrasse. Von Heiligenblut aus. Kaiser Franz Josefs Höhe, Hochtor und Fuchertörl. Warum? Weil sie auch dieses Jahr das Highlight der quaeldich Tauernrundfahrt ist.

Die Nacht haben wie im 10er Lager im Lucknerhaus auf 1.900m Seehöhe verbracht. 5 Stockbetten. Ein Leintuch, ein Polster und Decken. Um 2300 Uhr ist Bettruhe. Ab ca 0100 Uhr morgens herrscht in Lager 2 akute Schnarchgefahr. Ich kann nicht schlafen. Dieses eintönige immer wieder kehrende Geräusch macht mich wahnsinnig. Wandere aus dem Zimmer raus. In den Gang. Dort ist ein Sofa. Samt Decken und Polster. Der Gang hat einen Bewegungsmelder. Es ist sehr hell. Ich lege mich trotzdem hin. Ich will schlafen. Es gelingt mir. Teilweise. Jedes Mal wenn jemand die Toilette aufsucht und an mir vorbei geht, wird das helle grelle Licht eingeschaltet. Ich schlafe ein. Ich wache auf. Ich schlafe ein. Ich wache auf.

0500 Uhr. Ich werde zum wiederholtem Male geweckt. Jetzt gehe ich gar nicht mehr schlafen. Statt dessen wandere ich in die frische Luft. Ein Morgen am Berg hat auch was. 0700 Uhr. Frühstück. Ich fresse mich an. Warten doch an die 150 km und 3.000 Höhenmeter. Zuerst hinunter nach Kals. Eine 7 km Abfahrt zum Aufwärmen. Dann von Huben nach Lienz. Der Iselsberg ist unsere erste Herausforderung. Die üblichen Verdächtigen vorne. Verpflegung in Winklern. Geschlossen fahren wir dann nach Heiligenblut. Nach dem obligatem Foto mit der Kirche und dem Grossglockner im Hintergrund 15 km und 1500 HM hinauf zur Kaiser Franz Josefs Höhe. Es ist traumhaft schön und auch noch heiß. Der Verkehr ist stark. Stinkende Bremsen unerfahrener Holländer. Motorräder und Busse. Wir sind oben. Es geht zu, als gäbe es hier was gratis. Die Parkplätze sind voll. Es gibt Blockabfertigung.

Zurück zum Kreisverkehr und dann hinauf auf das Hochtor. Besen Hannes übernimmt das Gruppetto. Roli fliegt mit dem Rest den Berg hinauf. Ich genieße meine Leiden. Bin allein. Mit mir und meinen armen, müden und stark beanspruchten Beinen. Sie drehen noch. Unter 60x pro Minute. Das ist wenig. 230 – 250 Watt sind aber noch drinnen. Ich bin oben. Es gibt etwas zu essen.

Es fehlt jetzt aber noch der letzte Gegenanstieg von der Fuscher Lacke auf das Fuscher Törl. Jedes Jahr unterschätze ich diese zwei Kilometer. Gefühlte 15 km später bin ich oben. Jetzt nur mehr hinunter. Mitten im Verkehr. Das Video dieser Abfahrt ist der Zensur zum Opfer gefallen. Wer will schon einen Rennradfahrer hinter bremsenden Autos sehen. Oder neben Gas gebenden Bussen. Auch das zwischen einem nach unten fahrenden und einem nach oben kommenden Auto ist nicht wirklich interessant, oder? Weniger als 15 Minuten brauche ich für die 13 km. Weil ich das eine und andere Mal ausgebremst wurde.

In Fusch gibt es den ersten Kaffee Stopp der gesamten Tour. Endlich. Auch etwas chillen. Dann ab ins Hotel. Das Essen gerade eben sehr gut und reichlich. Noch schnell den Blog abschließen und dann Small Tallk.

Morgen letzte Etappe. Mit Filzensattel und Dientner Sattel. Bei nochmals sonnigem und heißem Wetter.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

quaeldich Tauernrundfahrt. Tag 3. Sieg in der Bergwertung

Bericht von Ketterechts - dem Rennradblog und Event Liveblogger
Mittendrin statt nur daheim.

Anfahrt zum Gailbergsattel vom Gailtal kommend. Bereits kurz vor Kötschach werde ich von Chefguide Roli mit den Worten „kürzer“ abgemahnt. Bei einem einfachen Scheibenschupfer. Das ist wie ein Ritterschlag. Wir haben bereits 82 km in den müden Beinen. Bis zur Verpflegung sind es 6 km. Bergauf.

Wie immer pfeift die Gruppe ohne Rücksicht auf Verluste in den Berg hinein. Ich kann das nicht. Also erst einmal langsam. Nach der zweiten Kehre kann ich dann aber doch aufschließen. Die Gruppe fährt homogen den Berg hinauf. Ich bin mittendrin statt nur daheim. Dann kurz von Laas meine Attacke. Diesmal ziehe ich es durch. Die Schmach von gestern sitzt tief. Keiner folgt mir. Ich muss es dieses Mal durchziehen. Mit einer Trittfrequenz von über 100 knapp unter 300 Watt. Der Berg ist noch lang. Ich drehe mich nicht um. Dann doch. Es ist niemand weit und breit in Sicht. Die letzten Kehren. Jetzt sehe ich die Meute. Sie nähert sich. Sie kreiselt. Sie gibt alles. Sie verzweifelt. Die Verfolgergruppe wird gesprengt. Zwei müssen abreißen lassen. Das steilste Stück ist geschafft. Jetzt noch eine lange, leicht steigende Gerade. Kette rechts und Vollgas. 350 Watt. Puls über 170. Ich riskiere einen Blick nach hinten. Michael und Stuart sind im Anflug. Ich gehe aus dem Sattel. Sprint. Der Parkplatz oben ist erreicht. Ich bin mir sicher, hier ist die Verpflegung und nehme Tempo raus. Das Passchild ist hinter mir.  Doch am Parkplatz steht kein Bus. Als ich das realisiere sind Stuart und Michael an mir vorbei. Die Verpflegung ist einen Parkplatz weiter. Stuart und Michael kommen dort als erste an. Ich 5 Sekunden dahinter. Egal. Ich bin Sieger der Herzen.

Tag 3 ist geprägt von der Bergankunft am Lucknerhaus. Am Fuße des Großglockners. Von Huben hinauf 21 km und 1.100 Höhenmeter. Ein echtes Highlight. Nach 130 km Anreise über die Windische Höhe und den Gailbergsattel. Das Wetter hätte nicht besser sein können. Der Gipfel des höchsten Berges Österreichs empfängt uns in seiner vollsten majestätischen Schönheit. Der Anblick lässt uns alle Schmerzen für ein paar Augenblicke vergessen.

Morgen wartet die Großglockner Hochalpenstrasse. Eine weitere Königsetappe. Ohne mich. Ich bin blau. Werde mir einen Nichtangriffspakt teuer erkaufen. Gute Nacht.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion

quaeldich Tauernrundfahrt 2015 – Tag 2.

Mittendrin statt nur daheim. Mit Ketterechts - dem Rennradblog und Live Eventblogger
Endlich wieder trocken.

Substanz. Mir fehlt einfach die Substanz. Ich habe aktuell mehr Kilometer in den Beinen als die Jahre zuvor zum Selben Zeitpunkt. Doch letztendlich scheitere ich bei jedem Versuch, die guten alten Zeiten zu verbessern. Strava deckt alles auf. Strava kennt keine Gnade. So auch heute. Und da es keine Strava Segmente für die Abfahrten gibt, muss ich damit leben, nicht nur älter geworden zu sein, sondern auch langsamer. Oder schwächer. Oder beides.

Tag 2 der quaeldich Tauernrundfahrt 2015 war ein klassischer „badass ride“. Gegen alle Prognosen hielt sich der Regen wesentlich länger. Lange Gesichter bereits beim Frühstück. Es schüttete wie aus Kübeln. Kurzerhand wurde der Start auf 1030 Uhr verschoben. Weiters die Etappe um 12 km und 500 HM verkürzt. Die wenigen Plätze in den Begleitfahrzeugen waren heiß begehrt und wurden am Schwarzmarkt bereits für Unsummen gehandelt. Vergeblich. Es hörte nicht auf zu pissen.

Die große Frage unter den Teilnehmern: Was ziehe ich an? Wie und womit bleibe ich am längsten trocken? Neben Nanoflex und Gabba von Castelli, das Non-plus-Ultra High Tech Equimpement, einer selbst gebastelten Überhose Marke Müllsack und arktischen Expeditionsuntensilien, das übliche Gore-Tex Zeugs sind auch Optimisten unter uns. Mit kurzen Hosen. Leider hat das Hotel Bischofsmütze keine Duschhauben zu bieten. Denn eine solche am Helm hat sich auch schon mehrmals ausgezahlt. 

Vom Start weg Regen. Bis ca km 60 von 120. Hinauf nach Obertauern. Reißende Bäche links und rechts. Und auf der Straße, talabwärts. Mensch und Maschine sind gefordert. Meine Sealskinz Handschuhe halten mich warm. Auch meine Endura Regenüberhose. Sonst Knielinge, eine leichte Regenjacke und Überschuhe.

Kurz vor Obertauern Verpflegung. Ich ziehe ein trockenes Netztrikot an und ein trockenes Radtrikot darüber. Weiters wird die mehr als nur durchnässte Radkappe mit einem Stiegl Stirnband ersetzt. Von Obertauern hinunter schüttet es weiter. Mir ist warm. 83 km/h Spitzengeschwindigkeit. Bora Carbon und Campagnolo Bremsgummis arbeiten perfekt. Kleine Verzögerungen beim Anbremsen inklusive.

Mauterndorf. Es trocknet auf. Und es wartet gleich der Schönfeldsattel. 12 km Anstieg. Es wird geblufft. Eine Gruppe von 6 Fahrern im Gleichschritt. Oben, 3,5 km vor der letzten Verfplegung eröffne ich die Spiele. Mit einer Attacke aus der hinterer Reihe. Schnell habe ich ein paar Meter Vorsprung. Breche aber ab. Die Meute kommt wieder heran. Und bläst zur Gegenattacke. Was für eine. 5 Mann pfeiffen an mir vorbei. Gegenseitig puschen sie sich. Mir bleiben die Spucke und der Atem weg. Lonley ride. Und viel Zeit zu überlegen. Was mache ich falsch?

Innerkrems. Vorderkrems. Ein Strava Segment in der Abfahrt. 9,2 km mit einem durchschnitlichen Gefälle von 4,5%. Ich brauche dafür 9min 45sek. 57,1 Schnitte. Allein.

Morgen Königsetappe mit über 150 km und Bergankunft. Gute Nacht.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#faceyourpassion